Osterferien 2021

Zeit für einen neuen Avatar, Unterricht neulich:

Nach den Ferien lasse ich mir vielleicht von einem Kurs oder einer Klasse die Haare schneiden, das wäre lustig.

Osterferien, verdiente, oder zumindest ersehnte:

Das sind hot cross buns, süßer Hefeteig mit Rosinen und Zitronat und Orangeat und Gewürzen, ein englisches Ostergebäck. Ich habe sie schon einmal gemacht, aber das muss vor Blogzeiten gewesen sein, weil es keine Spuren davon gibt. Damals gelangen sie mir besser, aber sie schmeckten gut.

Heute wandern gewesen in der Stadt, den Auer Mühlbach entlang. Der fängt in Thalkirchen hinter dem Zoo an und fließt nach dem bayerischen Landtag wieder in die Isar. Dazwischen kommt man mal am Archiconvent des (eines) Templer-Ordens vorbei, hier von außen:

Vor dem Eingang Informationen zu gemeinnützigen Tätigkeiten, insbesondere Abgabe von Mittagessen.

Erwähnenswert ist das deshalb, weil ich vor den Osterferien noch schnell den Nathan an meine 10. Klasse ausgeteilt habe. Ich hatte ihn rechtzeitig als Klassensatz bestellt, obwohl wir erst in einer ganzen Weile dazu kommen werden – aber wer weiß, wann ich die Klasse wieder persönlich sehe. Ich rechne nicht damit, dass das bald nach den Ferien sein wird.

Und mit dem einen Teil habe ich angefangen, Nathan der Weise zu lesen, um das Hineinkommen zu erleichern. Was ist ein “Mameluck”, was bedeutet: “Die Szene ist in Jerusalem”, und was ist ein “Tempelherr”? Also kurz Kreuzzüge in Erinnerung gerufen, den Templerorden, Abstecher zu Verschwörungsmythen, dann angefangen zu lesen.

Ich mag Nathan und würde ungern stattdessen Emilia Galotti oder Kabale und Liebe lesen. (Allenfalls die Räuber sind denkbar, aber da begnüge ich mich mit Auszügen.) Vom wichtigeren Inhalt – Wunderglaube, Toleranz – abgesehen, finde ich auch den Aufbau des Stücks viel interessanter, und der Einstieg erzeugt Spannung. Auch die Schüler merkten: Da ist irgendwas zwischen Daja und Nathan, erpresst sie ihn oder was geht in ihr vor? Ein Templer soll die Recha gerettet haben: “Aber ich dachte, die sind der Feind und belagern die Stadt?” Genau!

Morgen dann Montag, und kein Unterricht! Dann erst beginnen die Ferien richtig. Pläne und Arbeit habe ich natürlich genügend auch so.

Gelesen: Bernhard Spring, Folgen einer Landpartie (2010)

Das Buch ist ein Krimi oder wird jedenfalls als solcher verkauft: “Ein historischer Halle-Krimi” aus der Reihe TatortOst. Ich mag Krimis – Hammett und Chandler aus den einen, den englischen Whodunnit aus den anderen Gründen. Bei letzterem gibt es oft einen Mehrwert: Der klassische Krimi mit seinen Serienfiguren verlangt, dass die Figur in jeder neuen Geschichte an einen neuen interessanten Ort kommt oder in einem neuen Milieu arbeitet. Ich habe Krimis gelesen, die in der Briefmarkensammlerszene spielten, unter Comicsammlern, bei englischen Moriskentänzern, auf einer Buchhandelsmesse. Man kriegt immer so ein bisschen interessante Information mit.

Ein bisschen anders sind die Regionalkrimis. Die erschienen Mitte der 1980er an meinem Horizont. Frieder Faist, Schattenspiele (1984) war mein erster – spielte in meiner Heimatstadt Augsburg, ich erkannte viel wieder. Und zehn Jahre später oder so ging das mit dem Allgäu los. Da gibt es keinen Mehrwert in Folge eines neuen Milieus, nur Freude über das Wiedererkennen des bekannten – und wer nicht aus der Gegend stammt, für den ist vielleicht das das Interessante.

Dazu möchte ich auch die historischen Krimi gesellen. Die sind wie Regionalkrimis, nur in der Zeit. Da war sicher Umberto Ecos Der Name der Rose Auslöser für viele andere Bücher.

Folgen einer Landpartie ist ein historischer Krimi. Die Hauptperson und der ermittelnde Detektiv, wenn man so viel, ist der junge Joseph von Eichendorff, der eben als 17-jähriger Student in Halle eingetroffen ist. Später wird er einer der bekanntesten romantischen Schriftsteller werden, und das ist ja auch der Grund, warum er Hauptperson ist. Ähnliches gibt es in Das Erlkönig-Manöver von Robert Löhr aus dem Jahr 2007, wo Goethe, Schiller, Kleist und Konsorten spannende Abenteuer erleben.

Der junge Eichendorff, aus dessen Perspektive in 3. Person erzählt wird, ist als Ermittler uninteressant und unfähig. Am Ende fragt er sich selber: “Nun dämmerte es Eichendorff langsam. O nein, wie hatte er sich doch auf dem Irrweg befunden! Warum hatte er nicht schon viel zeitiger bemerkt, wer der eigentliche Täter war?” und wenige Zeilen darauf: “Natürlich! Wie hatte Eichendorff nur so blind sein können!” Das hatte ich mich beim Lesen schon lange zuvor gefragt. Und da fehlt mir dann doch der auktoriale Erzähler, der mir versichert, dass Eichendorff alles richtig macht oder eben wirklich äußerst nachlässig ist – an beidem könnte ich mich reiben. So fehlt diese Erzählinstanz als Autorität, und das stört mich. Selber beurteilen und werten ist schön und gut, aber mit einem starken auktorialen Erzähler liest man weniger allein.

Eichendorff handelt auch nicht. Er befindet sich zufällig zur Tatzeit als Gast auf einem Anwesen, auf dem jemand zu Tode kommt. Ja, er schaut sich den Tatort an, einmal, und findet dort etwas, aber das war es an Ermittlung. Er befragt eigentlich keine Zeugen, sucht keine Spuren, überführt keinen Täter und bildet sich dabei doch ein, den Fall zu lösen (nachdem er den Großteil des Buchs über sehr, sehr beschränkt denkt) – bildet sich überhaupt ein, dass es einen Fall gibt. Außer ihm und seinem Bediensteten Jakob glaubt nämlich niemand an ein Verbrechen, und niemand erfährt von Eichendorffs Verdacht, seiner Vermutung, seiner Lösung. Und das ist dann schon wieder reizvoll. Un das finde ich dann schon wieder sehr reizvoll, so dass ich mit dem Kriminalfall, wenn es den einen gibt (und Eichendorffs Datenbasis dafür ist tasächlich sehr kümmerlich), halbwegs versöhnt bin. Umberto Ecos Krimi ist die Geschichte eines Irrtums, hier wird die Hypothese nicht mal mehr an der Realität überprüft.

Wir erfahren ansonsten Biographisches über den jungen Eichendorff (hat mich nicht interessiert) und immerhin ein wenig Zeitgeschichte, wenn auch genug für meinen Geschmack. Armut, Hunger, Prostitution, Juden, Napoleon, Ständeordnung, Theaterbau, Goethe, immerhin angerissen.

Wenn ich mal dazu komme, so in ein, zwei Jahren, will ich etwas über Manly Made Wellmans Kurzgeschichten-Serienhelden Silver John schreiben, der in den sehr ländlichen Appalachen mit einer Gitarre umherzieht und phantastische Abenteuer erlebt. In denen geht um authentische und dazuerfundende Folklore, Hexergestalten und Fabelwesen, und die Geschichten gefallen mir sehr gut. So etwas hätte ich gerne auf Deutsch, die Wahrheit über Lorelei oder die schöne Lau und den Blautopf und das Stuttgarter Hutzelmännlein. Gerne mit Eichendorff als Helden, oder Chamisso.

(Es gibt wohl einen weiteren Eichendorff-Krimi von Spring, dann wohl mit einem älteren Eichendorff.)

Noch zwei Wochen bis Osterferien

In zwei Wochen sind Osterferien. In diesen zwei Wochen ist Unterricht – Wechselunterricht zwar, tageweise (epidemiologisch weniger klug), und mit Masken, aber ohne vollmundig angekündigte Tests. Nicht dass ich mir von den viel erwarte; sinnvoll wäre allein, die Schulen geschlossen zu halten.

Ich verstehe nicht, warum die Schule jetzt für diese zwei Wochen aufmachen. Natürlich wird es schön sein, Schüler und Schülerinnen zu sehen, für mich und vor allem sie selber. Aber es ist für meine Schulart pädagogisch nicht nötig und psychologisch nicht so nötig, dass das die Infektionen rechtfertigt. Der Großteil der Bürger und Bürgerinnen verlangt nicht nach Öffnungen zu den aktuellen Bedingungen, sondern nach Plänen und Perspektiven. Warum wird dann aufgemacht?

Ist es, weil es keine Pläne und Perspektiven gibt? Ich fürchte, das stimmt. Mir sind keine wirklichen mittel- oder längerfristigen Pläne bekannt.

Ist es, weil absehbar ist, dass nach den Osterferien keine Gelegenheit dazu sein wird? Lieber zwei Wochen jetzt, damit alle wenigstens kurz einander sehen, und danach die Sintflut?

Ist es, weil die Entscheider – Ministerpräsident:innen – dumm sind? Ich will das wirklich nicht ausschließen. Glauben die wirklich, dass die Bevölkerung das will? Glauben die wirklich den Scharlatanen, die meinen, das wird alles nicht so schlimm jetzt?

Ist es, weil die Entscheider die falschen Ratgeber haben, die ihre Ansicht gut verkaufen, aber natürlich nicht das Gemeinwohl im Sinn haben?

Geht es um Wahlkampf? Angst davor, dass deie Covid-Spinner alle AfD wählen? Das fällt für mich unter dumm/schlechte Beratung.

Oder ist es, weil die Entscheider mehr Einblick in wirtschaftliche Zusammenhänge haben? Sonstiges Geheimwissen?

In drei, vier Wochen wird es heißen: das sei nicht absehbar gewesen; wir haben nach bestem Wissen und Gewissen; wir haben auf unsere Berater gehört, die sich geirrt haben – und Verantwortung wird niemand übernehmen.

Gelesen: Gretchen McCulloch, Because Internet: Understanding the New Rules of Language. War leider nicht ganz so interessant, wie ich gedacht habe; wahrscheinlich habe ich mir anderes erwartet oder war missgestimmt. An sich nämlich schon interessant und lesenswert. Mitgenommen habe ich, zu welchen Änderungen in der Sprache die Verbreitung des Telefons geführt hat, angefangen mit Begrüßungen. Statt “Good morning!” oder welcher Tagezeit auch immer beginnt man mit “Ahoy” (Bell) oder “Hello” (Edison) – beides vorher unübliche Begrüßungen, die etwas Befehlshaftes haben. – Die Etymologie scheint unklar, für das deutsche “Hallo” wird eine alte Imperativform zu holen angegeben, und zwar war das der Anruf an den Fährman, überzusetzen (“hol über”), während für das englische “hello/hallo/hullo” eine alte Kombination von “hey” und “lo” genannt wird, also ein völlig anderer Ursprung.

“Hello” hat sich dann verselbständigt und ist eine Standard-Begrüßungsformel geworden, auch wenn sie noch eine Weile den abrupten Tonfall behielt und von konservativen Sprechern abgelehnt wurde. So wie “Servus” als Begrüßung durch Schüler:innen, das kann ich gar nicht ab.

Jedenfalls ist es mit dem Internet ähnlich: Twitter, WhatsApp, Chat führen zu neuen Umgangsformen, die von manchen Sprecherinnen voll akzeptiert, von anderen als irritierend verstanden werden. Junge Leute finden “…” passiv-aggressiv, auch der Punkt am Satzende ist aggressiv – der unmarkierte Normalfall ist oft kein Satzschlusszeichen, sondern Leerzeile oder neue Nachricht.

Gelesen: In der Zeitung stand, dass Schüler der 12. Klasse unserer Schule einen anonymen Brief an Schulleitung (und Zeitung) geschrieben haben: Sie sind unglücklich mit dem verpflichtenden, benoteten Sportunterricht in Fußball und anderen Kontaktsportarten, weil sie einander dabei unangenehm nahe kommen, und sie bitten die Schulleitung, das auszusetzen. Das war alles völlig nachvollziehbar und gut argumentiert, meine Untersützung haben sie. Aber: a) man muss zumindest informiert sein über die formalen Vorgaben des Kultusministeriums, bevor man so einen Brief schreibt, und das klang nicht so, und b) anonym geht gar nicht. Noch dazu mit der faulsten aller faulen Behauptungen, sie hätten Angst davor, dann schlechte Sportnoten zu kriegen und ihre Abiturnote zu gefährden. Ich finde das peinlich. – Wenn nicht anonym, dann hätte es außerdem ein Interview auf der Homepage und mit der Zeitung gegeben und damit vielleicht ein wenig Wirkung.

Fortbildung: Dienst-Email-Adressen

Nu, jetzt sind sie da. Also, das sind sie schon länger, sie werden nach und nach eingeführt. Wie oft machten sich Leute, die es nicht besser wissen, lustig darüber, dass Lehrkräfte an staatlichen Schulen noch keine Dienst-Email-Adressen haben – wobei das ja von Bundesland zu Bundesland verschieden ist. Und wie oft (allerdings etwas seltener) krähten Lehrkräfte danach. Also bitte, wer fragt, kriegt Antworten.

Die Dienstadressen sind nämlich unpraktisch. Das müssen sie leider auch sein. Die Dienstadressen erfüllen alle Anforderungen, was Datenschutz betrifft, die auch die Adressen etwa von Finanzbeamten erfüllen müssen. Heißt: Ich kann sie nur im Browser ansehen, sie verbleiben auf dem Server. Kein IMAP, kein Outlook, kein Thunderbird. Keine Weiterleitung an andere Adressen. Immerhin: Ich kann und darf von zuhause aus darauf zugreifen, anders als im Finanzamt, nehme ich an. Obwohl, Homeoffice. Aber keine App, keine Pushnachrichten. Mit To-do-Liste und Kalenderfunktion, schon praktisch – aber ich muss sie halt so benutzen, wie ich sie nie benutzen würde: Einmal pro Tag auf einer Webseite einloggen, schauen, ob da etwas für mich ist, beantworten, und bis zum nächsten Tag alles ruhen lassen. Datenschutzmäßig sicher ist dabei allerdings die Kommunikation unter Nutzern dieses Dienstes, also Lehrkräften – auch da darf man nicht alles kommunizieren, aber immerhin mehr als per regulärer E‑Mail.

Verwenden darf ich die Dienst-E-Mailadresse nicht privat. Also, ich will das auch nicht, eben weil sie so unpraktisch ist, und zur Kommunikation mit Schülern, Schülerinnen, Eltern ist auch meine reguläre E‑Mail praktischer und nicht weniger sicher, insofern E‑Mail da überhaupt das richtige Werkzeug ist. Aber wie sieht es mit dem Google-Alert aus, den ich für den Namen meiner Schule erstellt habe, so dass ich sehr früh erfahre, was in der Zeitung über uns steht – ist das eine private Nutzung?

Als Nächstes kommen dann die Dienstrechner, weil alle danach gekräht haben. Die gleiche Geschichte wahrscheinlich.

Alles in allem: Vielleicht ist das ja auch sinnvoll, mehr Trennung von privat und dienstlich. Reaktionszeiten wie jetzt gibt es dann nicht, aber am Ende ist das gesund.

(Etwas peinlich, dass die Fortbildungsgeber heute nebenbei Twitter geguckt und meine Kommentare gelesen haben. Nun, war schon okay. Sie können ja auch nichts dafür.)

Nachtrag: “Mit dem dienstlichen E‑Mail-Postfach bieten wir Ihnen eine datenschutzkonforme Lösung zur sicheren Kommunikation mit allen Beteiligten Ihrer Schulfamilie.” Ist natürlich Unfug; datenschutzkonform ist das insofern, als es dem Datenschutz nicht widerspricht, solange ich keinerlei personenbezogene Daten übermittle. Im Kontakt zu Eltern ist das kein anderer Status als eine andere Adresse auch. Nur zwischen Teilnehmenden, die die Dienstmail nutzen, geht etwas mehr – aber das ist dann eine kleinere Schulfamilie (ich mag das Wort nicht) als gemeinhin gemeint.

Mein Zimmer in der neuen Wohnung, mit alten Möbeln

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Jetzt bitte erst einmal keine Aufregungen mehr.

(Und ja, wie vermutlich viele Schulen bereitet auch meine einen virtuellen 360-Grad-Rundgang vor, weil es jetzt zum Übertritt schwierig wird, sich ein Bild der Schule zu machen.)

Wohnzimmer: