The Heathen Pass-ee
Aus alten Gedichtanthologien kenne ich „The Heathen Chinee“ (1870) von Bret Harte. Bret Harte ist ein für das spätere 19. Jahrhundert recht bekannter amerikanischer Schriftsteller, was auch immer das heute heißen mag. Er schrieb in seiner Gegenwart angesiedelte, nicht unlaunige Kurzgeschichten über den amerikanischen Westen („The Luck of Roaring Camp“ 1868).
Wikipedia entnehme ich, dass sich „The Heathen Chinee“ satirisch über die anti-chinesische Stimmung in Kalifornen lustig macht. Ich habe lange keine Englisch-Oberstufe mehr gehabt, aber da tauchte dieser Aspekt der Immigrationsgeschichte durchaus im Unterricht auf, bis hin zum Chinese Exclusion Act 1882. Aber natürlich ist auch die satirische Karikatur eines Chinesen eine Karikatur und rassistisch, und wenig überraschend ist der satirische Aspekt in der Rezeption verloren gegangen, so dass das Gedicht oft nur noch wortwörtlich-rassistisch oder auch nur als harmlos-lustig verstanden wurde. (Wikipedia zur Geschichte.)
Im Gedicht geht es um eine Warnung vor dem Chinesen, einem speziellen, Ah Sin genannt, aber implizit auch allen anderen. Dieser Ah Sin ist Teil einer Kartenspielerrunde irgendwo in einem Saloon im Westen, er stellt sich dumm und betrügt dabei die anderen Kartenspieler auf hinterlistige orientalisch-durchtriebene Art.
Es gibt eine Parodie des Gedichts, bald danach entstanden, „The Heathen Pass-ee“ von Arthur Clement Hilton (1851 – 1877). Darin geht es um einen Kandidaten an irgendeinem Oxbridge-College, der nicht weniger arglistig und heimtückisch bei Examensprüfungen betrügt: „For he fooled the examining Body / In a way I’m reluctant to tell.“ Und das, obwohl er so brav wirkt: „But his face it was trustful and childlike, / And he had the most innocent eye.“
The Heathen Pass-ee
Which I wish to remark,
And my language is plain,
That for plots that are dark
And not always in vain,
The heathen Pass-ee is peculiar,
And the same I would rise to explain.
I would also premise
That the term of Pass-ee
Most fitly applies,
As you probably see,
To one whose vocation is passing
The ‘ordinary B.A. degree’.
Tom crib was his name,
And I shall not deny
In regard to the same
What that name might imply,
But his face it was trustful and childlike,
And he had the most innocent eye.
Upon April the First,
The Little-Go fell,
And that was the worst
Of the gentleman’s sell,
For he fooled the examining Body
In a way I’m reluctant to tell.
The candidates came
And Tom Crib soon appeared;
It was Euclid. The same
Was ‘the subject he feared’,
But he smiled as he sat by the table
With a smile that was wary and weird.
Yet he did what he could,
And the papers he showed
Were remarkably good,
And his countenance glowed
With pride when I met him soon after
As he walked down the Trumpington Road.
We did not find him out,
Which I bitterly grieve,
For I’ve not the least doubt
That he’d placed up his sleeve
Mr. Todhunter’s excellent Euclid,
The same with intent to deceive.
But I shall not forget
How the next day at two
A stiff paper was set
By Examiner U …
On Euripides’ tragedy, Bacchae.
A subject Tom ‘partially knew’.
But the knowledge displayed
By that heathen Pass-ee.
And the answers he made
Were quite frightful to see,
For he rapidly floored the whole paper
By about twenty minutes to three.
Then I looked up at U …
And he gazed upon me.
I oberserved, ‘This won’t do.’
He replied, ‘Goodness me!
We are fooled by this artful young person’,
And he sent for that heathen Pass-ee.
The scene that ensued
Was disgraceful to view,
For the floor it was strewed
With a tolerable few
Of the ‘tips’ that Tom Crib had been hiding
For the ‘subject he partially knew’
On the cuff of his shirt
He had managed to get
What we hoped had been dirt,
But which proved, I regret,
To be notes on the rise of the Drama,
A question invariably set.
In his various coats
We proceeded to seek,
Where we found sundry notes
And—with sorrow I speak—
One of Bohn’s publications, so useful
To the student of Latin or Greek.
In the crown of his cap
Were the Furies and Fates,
And a delicate map
Of the Dorian States
And we found in his palms which were hollow,
What are frequent in palms,—that is dates.
Which is why I remark,
And my language is plain,
That for plots that are dark
And not always in vain,
The heathen Pass-ee is peculiar,
Which the same I am free to maintain.Arthur Clement Hilton
(Text aus dem Internet kopiert und korrigiert, wo die immer gleichen Tippfehler von Seite zu Seite weitergetragen werden.)
Das Gedicht ist ein wenig angestaubt, die Anspielungen sind nicht mehr gut zu verstehen. Ich hätte nicht wenig Lust, es einmal zu aktualisieren. Im Moment wird so viel vor Betrug durch Schüler und Schülerinnen in Prüfungen gewarnt, und es wird wohl auch tatsächlich mehr betrogen als früher, dass ich ein wenig den warnenden Gestus dieser Gedichte einnehmen möchte; wie lächerlich ich mich dann dabei fühle, würde ich dann ja sehen.
Church Going
So heißt eines der bekanntesten Gedichte von Philip Larkin, es ist auch wirklich gut. Ich kenne es seit meinen eigenen Leistungskurs-Englisch-Zeiten, wo wir das Gedicht und zwei Übersetzungen verglichen. Wir taten das oberflächlich, vermutlich, aber das Gedicht blieb hängen; es begegnete mir in der Anglistik auch immer wieder einmal.
Der Inhalt: Jemand besucht eine leerstehende Kirche. Das macht dieser Jemand (ich gehe mal von einem Mann aus) wohl öfter. Er beschreibt die Kirche, die Stille darin; er verlässt das Gebäude, reflektiert seine Gründe für diese Angewohnheit. Strophe für Strophe werden die Gedanken immer abstrakter, es geht um die Zukunft solcher Gebäude, was sie für Menschen bedeuteten, bedeuten, bedeutet werden. Auch die Wortwahl und der Satzbau werden immer komplexer. Jambischer Fünfheber, keine auffälligen reinen Reime, aber doch mindestens Assonanzen. Die erste der sieben Strophen geht so:
Once I am sure there’s nothing going on
I step inside, letting the door thud shut.
Another church: matting, seats, and stone,
And little books; sprawlings of flowers, cut
For Sunday, brownish now; some brass and stuff
Up at the holy end; the small neat organ;
And a tense, musty, unignorable silence,
Brewed God knows how long. Hatless, I take off
My cycle-clips in awkward reverence,
Auch hier hätte ich gerne eine Aktualisierung, ein ähnliches Gedicht, mit ähnlicher Stimmung, nur über Buchhandlungen. Buchhandlungen sind für mich immer noch etwas Besonderes; ich nehme sie wahr. (Gibt es nicht ein englisches Gedicht über jemanden, der an keiner Buchhandlung vorbeigehen kann? Ich habe nur eine Zeile bei Dorothy Parker gefunden, wo dieses Verhalten an Männern aber kritisiert und in eine Reihe mit anderen anstrengenden Verhaltensweisen gebracht wird.) Nur selten gehe ich noch hinein, ähnlich bei Antiquariaten, soweit es überhaupt noch welche gibt. Und in den Buchhandlungen fallen mir zuerst die vielen Produkte auf, die keine Bücher sind, Kaffee und Spiele und Geschenkartikel. Dennoch, ich habe noch eine Beziehung zu Buchhandlungen, und sei es von früher.
Once I am sure it’s busy and quite filled
I step inside, letting the doors slide to.
A bookshop, yet again: counters, tills,
And stacks of notebooks, lined or ruled.
Ah, da fehlt so viel, die Lautmalerei, Reim und Rhytmus, und vor allem das Auge für das richtige Detail. Irgendwann mal vielleicht, wenn ich pensioniert bin.
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