Gedichterunde im Englischunterricht

In den letzten zwei Wochen habe ich in der Oberstufe ein paar Gedichte präsentiert. Erst mein üblicher Dreischritt von – im weitesten Sinn – Liebesgedichten, in denen es um die Beschreibung von Frauen geht, und um Bildersprache. Im Sonett 15 aus dem Amoretti-Zyklus von Edmund Spenser (Link zum Text) wird eine Frau gepriesen, in dem ihre Eigenschaften mit den Kostbarkeiten verglichen werden, die Händler aus Ost- udn Westindien zurückbringen – Haare wie Gold, Augen wie Saphire, Lippen wie Rubine. Die Seele der Frau ist natürlich noch besser, wird aber im Vergleich zum Rest nur kurz, wenn auch als Schlusspointe, abgehandelt.

Danach folgt Shakespeares Antwort darauf, sozusagen: das Sonett 130 (Link zum Text), „My mistress‘ eyes are nothing like the sun“, wo er die Geliebte geradezu herutnermacht: Musik klingt schöner, Parfum riecht besser, Koralle ist roter als ihr Mund – und doch ist sie mindestens so gut wie all die anderen Frauen, die man mit übertriebenen vergleichen überhäuft.

Als drittes „Reported Missing“ von Barry Cole (Text, Audio): Jemand, ein Mann, meldet einem Polizisten eine geliebte Frau als vermisst – in blumigen Vergleichen, wären der Polizist gerne konkrete Angaben hätte, also wenigstens Augenfarbe, Haarfarbe, aber kriegt nur blumige Bilder. Mit dem Gedicht lässt sich auch gut das Vorlesen üben, weil man eigentlich bis zu drei verschiedene Tonfälle dafür braucht

(Die Kombination der Gedichte ist nicht originell, die ersten beiden macht man sicher irgenwann im Studium, den Barry Cole dazu habe ich aus einem Schulbuch.)

Bei den Gedichten geht es mir einmal um das Verhältnis zwischen dem Mann und seiner Geliebten, zum anderen um Metaphorik. „My love is like a red, red rose“, eine Zeile von Robert Burns, nehme ich gerne als Einstieg: Was hat die Geliebte, oder der, mit einer Rose gemein? Nach der theoretischen Diskussion plus Tafelbild kommt man das folgende Gedicht von Edmund Waller (17. Jahrhundert), wieder eine Rose, wieder als Teil eines Vergleichs, aber hier ist der Sprecher so nett, den Vergleich für den Adressaten oder die Adressatin zu erklären:

Go, lovely Rose –
Tell her that wastes her time and me,
That now she knows,
When I resemble her to thee,
How sweet and fair she seems to be.

Tell her that’s young,
And shuns to have her graces spied,
That hadst thou sprung
In deserts where no men abide,
Thou must have uncommended died.

Small is the worth
Of beauty from the light retired:
Bid her come forth,
Suffer herself to be desired,
And not blush so to be admired.

Then die – that she
The common fate of all things rare
May read in thee;
How small a part of time they share
That are so wondrous sweet and fair!

Aber es stimmt schon, jüngere Gedichte kommen besser an bei Schülerinnen und Schülern. Deshalb habe ich die Sequenz beendet mit zwei Gedichten des von mir sehr geschätzten e.e.cummings (experimentell und zugänglich, also irgendwie safe), beide wieder mit viel Symbolik.

„o by the by“ ist ein kleines, heiteres Gedicht, das nur auf den ersten Blick kryptisch wirkt. (Hier ist der Text.) Wenn man sich ein Bild von der Situation im Gedicht mal, unten ein grüner Hügel, darauf eine Person oder zwei („little you-i“), darüer blauer Himmel… wenn man nur wüsste, was mit „threw/his wish at blue“ gemeint ist… aber auch das ist doch eigentlich klar, finde ich. Bilder zu diesem Wunsch am Himmel haben wir hier:

(it dived like a fish
but it climbed like a dream)
throbbing like a heart
singing like a flame

Singing like a flame? Sind das die Gasflammen früher, die ein kleines Geräusch gemacht haben? Aber vor allem klingt das Gedicht auch einfach schön, besonders in den letzten Versen.

Das Gedicht kam gut an, aber noch mehr eines von Cummings‘ bekanntesten Gedichten: „Somewhere I have never travelled“ (Text hier). Auch das ist voller Bilder, wieder geht es auch um eine Blume, aber diesmal sind die Bilder nicht so leicht zu fassen, nicht so leicht zu analysieren.

Gelernt habe ich dabei auch etwas. Ich hatte das Gedicht immer für ein Liebesgedicht gehalten, weil… na ja, man ist so geprägt. Ein Gedicht, von jemandem (also einem Mann) an jemand anderen (eine Frau), und es geht klar um Liebe und Gefühl. Und vielleicht ist das Gedicht auch so entstanden; ich weiß es nicht. Aber viel besser finde ich: In diesem Gedicht spricht eine Vater, oder eine Mutter, an das noch ganz kleine Kind. Das erklärt auch „in your most frail gesture“, „the power of your intense fragility“ und den feinen letzten Vers: „nobody,not even the rain,has such small hands“. Das Öffnen und Schließen in den Strophen 2 und 3 weckt auch Assoziationen mit einem kindlichen Versteckspiel.

In dem Gedicht spricht nur einer, er spricht über eine andere Person, und ein bisschen zu ihr, aber sicher nicht mit ihr; die andere Person übt eine zauberhafte Macht auf ihn aus, ohne tatsächlich selbst wirklich aktiv zu sein. Ja, das ist eher ein Kleinkind; keine Partnerin.

Automatische Metrikanalyse

Norberto42 hat in einem Blogeintrag auf den Metricalizer2 hingewiesen. Das ist ein Projekt zur automatischen Analyse von Gedichten. So etwas steht schon länger auf meiner Liste von Programmierprojekt-Vorschlägen für Informatikstudenten – aber es ist nicht überraschend, dass es das schon gibt. Und auch nicht überraschend, dass das Projekt bisher noch kein Informatikstudent haben wollte.

Man gibt einen Gedichttext ein und klickt dann auf „Gedicht analysieren“. Die Reime werden richtig erkannt, selbst bei Reimen wie „Eiche“ und „Gesträuche“, die traditionell als vollkommen akzeptabel gelten, von Schülern aber gerne mal nicht als Reim erkannt werden.

(Im Übermut und aus diesem Anlass habe ich den Schülern neulich ein Vokaldreieck an die Tafel gezeichnet, so mit hohen und tiefen und vorderen und hinteren Vokalen, und Umlauten. War natürlich erst mal kein Arbeiten mehr, weil jeder mit aaaah- und uuuh-Sagen und der Position der eigenen Zunge beschäftigt war.)

Aber am spannendsten ist natürlich die metrische Analyse. Ich habe nur einigermaßen regelmäßige Gedichte getestet, wie sie auch in der Schule drankommen, und das klappt: Jambisch, trochäisch, daktylisch. Einfache männliche oder weibliche Kadenzen sind kein Problem.

Nehmen wir mal die ersten drei Verse von Schillers „Der Ring des Polykrates“ als Beispiel, weil ich darüber schon mal geschrieben habe.

Er stand auf seines Daches Zinnen,
Er schaute mit vergnügten Sinnen
Auf das beherrschte Samos hin.

  • Jambisch, 9 Silben in den ersten beiden Verse (und damit weibliche Kadenz), 8 Silben in der dritten Strophe.
  • Vers 1 und 2 reimen sich.
  • Bei „Samos“ meint der Metricalizer einen Widerspruch zwischen Metrum und – tatsächlich aber falsch vermuteter – normaler Sprechbetonung auszumachen, da er glaubt, „Samos“ würde die „famos“ betont. Richtig hat er erkannt, dass „mit“ in Vers 2 und „das“ und „hin“ in Vers 3 eigentlich unbetonte Wörter sind, die dennoch auf eine Hebung fallen.

Laut Metrum sind die die Silben 2, 4, 6 und 8 betont. Nicht alle vom Metrum vorgesehenen Hebungen werden aber gleich stark verwirklicht:

metricalizer

Vor allem die Hebungen in Silbe 4 sind anscheinend meist eher wenig betont. (Die Grafik bezieht sich auf alle untersuchten Verse.) Das widerspricht zumindest nicht mit einer eigenen Analyse.

Bei Conrad Ferdinan Meyer, „Der römische Brunnen“ in seiner bekanntesten Fassung:

Aufsteigt der Strahl und fallend gießt
Er voll der Marmorschale Rund

erkennt er die Fußsubstitution gleich am Anfang:

metricalizer2

Leider muss man selber erschließen, was hier substituiert wurde, nämlich ein Jambus durch einen Trochäus. Diese weitergehende Analyse erhält man, wenn man sich die „Komplexität“ des analysierten Gedichts anzeigen lässt. (Die Darstellungsmodi „Skansion“ und „Vorlesen“ sind dafür wenig brauchbar.)

Gewinnbrignend ist diese Komplexitätsanalyse etwa bei Rilkes „Spanische Tänzerin“ (Blogeintrag). Die vielen Abweichungen vom Metrum werden gut erkannt.

Beim genialen „Trost und Rat“ von Robert Gernhardt klappt das mit dem Differenz zwischen metrischer und natürlicher Betonung nicht ganz so gut, und den Witz in der letzten Strophe – dass die beiden betont zu lesenden und deshalb sogar gesperrt gedruckten Wörter eben ausgerechnet auf Senkungen fallen (also fein synkopiert sind) – kann der Metricalizer natürlich nicht erkennen.

Auch unregelmäßige Daktylen wie bei Heine („Sie saßen und tranken am Teetisch“) sind schwierig, und bei etwas Albernem wie Eichendorffs Mandelkerngedicht klappt die Analyse auch nur halbwegs:

Zwischen Akten, dunkeln Wänden
Bannt mich, Freiheitsbegehrenden,
Nun des Lebens strenge Pflicht,
Und aus Schränken, Aktenschichten
Lachen mir die beleidigten
Musen in das Amtsgesicht.

Aber immerhin! Viele der merkwürdigen Betonungen am Versende fallen dem Metricalizer auf.

Insgesamt ein schönes Spielzeug. Hoffentlich komme ich bald dazu, Schüler damit experiemtnieren zu lassen.

Germanische Stabreimdichtung in der 8. Klasse, mit Tolkien

Ich mag ja bekanntliche germanische Mythologie und Literatur ein bisschen (Blogeintrag). Und seit ich – via Stephen Fry – anlässlich einer Lehrerkonferenz festgestellt habe, wie leicht einem germanische Stabreim-Langzeilen von der Hand gehen (Blogeintrag), wollte ich das auch mal mit Schülern probieren. Und das habe ich jetzt in der 8. Klasse gemacht.

Ausgangspunkt war Fangorns Lied aus dem Herrn der Ringe – Buch 3, Kapitel 4. Das ist ein Lied, das alle Ents kennen und in dem alle Lebewesen aufgezählt werden, allen voran die vier freien Völker, Menschen, Elben, Zwerge und Ents:

Learn now the Lore of Living Creatures!
First name the four, the free peoples:
Eldest of all, the elf-children;
Dwarf the delver, dark are his houses;
Ent the earthborn, old as mountains;
Man the mortal, master of horses

Baumbart ist von den Hobbits überrascht, da diese den Ents unbekannt sind und in der ganzen langen Litanei nicht auftauchen. Hm, hm, hm.

Fangorns Lied entspricht, wie andere Lyrik aus dem Herrn der Ringe auch, den Regeln der germanischen Stabreimdichtung: Zwei Halbverse mit jeweils zwei besonders betonten Silben, nennen wir sie A, B, C, D. Die Anzahl der Senkungen ist frei, es ist also kein regelmäßiges alternierendes Metrum erforderlich. C muss mit A oder B, oder A und B, alliterieren, der vierte Stab – also D – alliteriert nicht. (Dabei alliterieren alle Vokale untereinander, wodurch auch Vers 5 völlig regelkonform wird.) Laut Stephen Fry nennt der Beowulf-Übersetzer Michael Alexander diese Regel Bang, Bang, Bang – Crash!

In England hat sich die germanische Stabreimdichtung etwas länger gehalten als in der deutschsprachigen Dichtung. Beowulf beginnt (Hugo Gering, bearbeitet von Benjamin Slade):

Hört! Denkwürd’ger Taten von Dänenhelden
Ward uns viel fürwahr aus der Vorzeit berichtet,
Wie Könige kühn ihre Kraft erprobten.

Der althochdeutsche zweite Merseburger Zauberspruche geht auch noch nach diesem Bauprinzip vor:

Phôl ende Wuodan fuorun zi holza.
dû wart demo balderes folon sîn fuoz birenkit.
thû biguol en Sinthgunt, Sunna era swister

Zurück zu Tolkien. Es gibt die ältere Übersetzung von Margaret Carroux, wobei die Gedichte (alle? manche?) von Ebba-Margareta von Freymann übersetzt wurden:

Lerne die Namen der lebenden Wesen!
Erst nenne die vier, die freien Völker:
Die ältesten aller, die Elbenkinder

Dann gibt es eine neuere Übersetzung von Wolfgang Krege:

Lerne die Namen der lebenden Wesen!
Die vier Völker, die freien, zuerst:
Ältest von allen, die Elbenkinder;

Die Schüler bekamen auf einem Arbeitsblatt den englischen Text und die zwei deutschen Übersetzungen, jeweils die ersten zwölf Verse. Das englische Original habe ich selber episch vorgetragen, die anderen Fassungen mussten Schüler lesen, möglichst auch so episch. Ein bisschen Vergleich der Texte, herausarbeiten der Regeln, und dann die Aufgabe: Selber parallele Verse schreiben, für Lachs, Tiger, Katze oder Fisch zum Beispiel, oder eben auch die noch fehlenden Hobbits. Pro Vers zwei Tiere, oder auch nur eines, wie in der Vorlage. Acht Verse pro Schüler.

(Ich würde ja gerne das Arbeitsblatt hier einbinden, aber die Texte sind natürlich alle nicht urheberrechtsfrei.)

In der Stunde darauf haben wir dann die Schülerverse gesammelt. Ich hätte sie selber abtippen können, aber das mache ich schon lange nicht mehr. Ich hätte sie mir per Mail schicken lassen oder im Computerraum abtippen und als separate Dokumente speichern können – in beiden Fällen hätte ich die einzelnen Zeilen dann händisch zusammenbauen müssen. Ein Wiki geht auch nicht, weil die Schüler ja gleichzeitig an ein- und demselben Dokument arbeiten sollen, und das geht bei Wikis nur sehr begrenzt.

Also Etherpad. Etherpad ist eine Software, die auf einer Webseite läuft, so dass alle Besucher dieser Adresse dort ohne jegliche Anmeldung an einem gemeinsamen Dokument arbeiten können. (Die genaue Adresse des aktuellen Dokuments ist deshalb auch meist kryptisch, so dass sie sich nicht erraten lässt. Sonst könnte ja jeder mitschreiben. So muss einem der Ersteller des Dokuments – wofür man in der Regel auch keine Anmeldung braucht – nur die semi-geheime Andresse verraten.) Bei Google Drive geht das ja auch, nur brauchen die Teilnehmer dazu Google-Konten.
Das erste offene Etherpad, das ich ausprobiert habe, hielt dem Schüleransturm nicht ganz stand, bin ich also auf das Pad der Piratenpartei ausgewichen, in der Hoffnung, dass die Schüler dass eh nicht so mitkriegen und als Wahlwerbung verstehen. Das klappte auch. So schnell hatte ich nicht geschaut, da hatten die Schüler auch schon die Chatfunktion entdeckt und die Möglichkeit, die Farbe zu ändern. Trotzdem, ich hatte am Schluss die Texte in einer Datei. Hier eine Auswahl:

Hobbit der Halbe, haarig und frech
Schmetterling schlägt schnell mit den Flügeln
Rehe die Rennenden, rauf und weit
Der lauschende Tiger lautlos schleicht
Nachtigall singend, sitzt in Bäumen
Würmer, die graben, wild in der Erde
Der beobachtende Löwe bewacht sein Reich
Die Biene schwirrt summend zu Blumen

Hobbits die kleinen, Herrscher des Schleichens.
Fische im Wasser, Führer der Tiere.
Haie die Jäger, Hunger der Meere.
Lachse im Wasser, lachende Delphine.
Katze und Kater, kuscheln die Menschen.
Falke im Himmel, Führer der Heere.
Waschbär ist sauber, Wäscher der Tiere.
Flughörnchen fliegen, Freunde der Ents.
Rauschende Wale, Riesen der Meere.

Hobbits die kleinen Herren der Diebe
Delfine die Retter drollig am Lachen
Tiger gestreift tolles Muster
Katzen so weich, Krallen so spitz
Fische die schwimmen schnell unterwegs
Vögel in der Luft flink und schnell
Jaguar so schön, doch Jäger und gefährlich
Wiesel leben in Gruben, grau durch den Schmutz

Katzen sehr klein, kratzen am Baum
Feuerfisch ist rot, feuert sein Gift
Vögel so frei, fliegen im Wind
Krebse haben Scheren, krabbeln am Strand
Affen sind sportlich, albern den ganzen Tag herum
Frösche sehr glitschig, fangen Insekten
Bären sind stark, manchmal braun oder schwarz
Schmetterlinge so bunt, schwingen sich in die Lüfte

Waschbär der kleine, wäscht seine Beute
Gepard der Jäger, geht sehr schnell
Fuchs ist listig, Fisch lebt im Wasser
Katze ist flauschig, kuschelt mit dir
Delfin ist schlau, da wo er haust
Löwe ist König, lange schon
Wölfe heulen, wie gruselig
Seehund im Wasser, schön anzusehen

Halblinge, die hungrigen, haarig und frech.
Blaumeisen, die Bunten, immer blau und lustig.
Quallen, die schleimigen, quirlig und bunt.
Schlangen, die kalten, schlängelnd und stark.
Marienkäfer klein, im Mai kommen sie.
Mäuse so süß, mutig und schnell.
Katzen sind flink, sie kriechen herum.
Hamster schnell, haarig und verfressen

Hobbit der kleinste, Katze grazilst
Baumriesen die größten, gut und ältest
Würmer die ekligen, wühlen in Erde
Hühner die picken, hurtig und schnell
Kühe die milchigen, muhtig und doch still
Wale so groß, wandern durchs Meer
Vögel so klein, fliegen durch die Lüfte
Fische so schuppig, schwimmen durchs Meer

Wal so groß, Gepard so schnell
Katzen so süß, Schafe so wollig
Elefanten so groß, Gänse am schnattern
Giraffenhals so lang, Leguan ganz grün
Fledermäuse die Flieger, Fische die Schwimmer
Delfine die schlauen, Schlangen so wendig
Wandelbares Chamäleon, Kamel in der Wüste
Dromedar mit Höcker, Hasen die kleinen
Langsame Schnecken, Igel so stachlig
Elektrische Aale, Affen die klettern
Hobbits so klein wie Kaninchen so klug

Lachse, die leckeren, am liebsten beim Essen.
Tiger, die treuesten, die Teamchefs in Rudeln.
Katzen, die klügsten, Krallen wie Schwertklingen.
Fische, so frisch, die Feuerlagerbeute.
Delphine, die schnellsten, deutlicher als Bären.
Und Hobbits, die Huckepack gestapelt.
Die Hobbits haben Hände, wie aus Handwerkskunst.
Die Hobbits können kauen, wie eine Hauskatze.

Lachse, die leckeren, laufen bergauf
Bären, die braunen, brüllen im Wald
Tiger, die tollen, tanzen im Dschungel
Fische, die fliegen, fangen ihr Essen
Katzen, die kratzen, kullern herum
Affen angeln nicht nach Äpfeln
Die Ernte der Bauern essen die Esel
Hoppelnd hüpfen die Hasen herum

Zebras die zahmen, Zootiere auf ewig
Hobbits so haarig, Halblinge wie Zwerge
Fische so schleimig, fluchig und schnell
Die Menschen so unwissend, machtvoll doch sehr
Die Elephanten so groß, elastisch so gar nicht
Mäuse sehr flink, mustern ganz schnell
Schlangen gefährlich, schlängen umher
Haie so gefährlich, wie heißes Lava

Lachse, die leckeren, laufen bergauf
Bären, die braunen, brüllen im Wald
Katzen so kleine kratzen das Kind
Schlangen die schlängeln, schnatternd umher
Hunde so hübsche, heulen im Garten
Mäuschen so mickrig, maulen um Käse
Fische die flinken, fangen ihr Essen
Elefanten so einsam, eilen im Dschungel
Hasen die hoppeln heiter umher
Affen albern auf den Bäumen

Es ist vielleicht ganz gut, mit etwas Archaischerem wie einer Stabreim-Aufzählung anzufangen als mit der raffinierten Renaissance-Akrobatik der bekanntesten Gedichtform italienischen Ursprungs. Danach könnte man weitergehen zu erzählender Stabreimdichtung. „Franz den Aufmerksamen forderte Herr Rau // zu erklären den Ursprung der Sprache der Deutschen“, und so weiter.

Laienhafte Notizen zu germanischer Dichtung (mit Weltende)

Ja, die Germanen. Eine völkerwandernde Gruppe von Sprechern verwandter indoeuropäischer Dialekte. Grob kann man die Dialektgruppen Nordgermanisch (die Nachfolger davon in Skandinavien und Island), Ostgermanisch (Gotisch gehört dazu, Nachfolger gibt es keine mehr) und Westgermanisch (Althochdeutsch, Altenglisch, Altniederdeutsch/Altsächsisch) unterscheiden; es gibt natürlich noch weitere Klassifizierungen.

Die Germanen auf dem Großteil des Kontinents, also die Sprecher westgermanische Dialekte, hinterließen nicht viele schriftliche Zeugnisse. Ein paar Namen sind noch da: Donar, der Donnergott, nach dem der Donnerstag benannt ist; Wodan/Wotan, auf den Wednesday zurückgeht. (Auch die meisten anderen Wochentagsbezeichnungen gehen auf germanische Götter zurück – die Germanen übernahmen die 7-Tage-Woche von den Römern und ersetzten die römischen Götter durch entsprechende eigene. So wurde aus dem Tag des Jupiter – dies iovis, jeudi, jueves – der Tag des Donar; beides sind Donnergötter. Und aus dem Tag des Merkur – dies mercurii, mercredi, miércoles – wurde eben der Tag des Wodan; beide kann man als Trickster-Götter sehen.)
Was man über die germanische Götterwelt weiß, weiß man hauptsächlich aus nordgermanischen Quellen, und in diesen Dialekten heißen die beiden genannten Götter Thor und Odin, und bei diesen Formen der Namen bleibe ich jetzt auch.

Kennengelernt habe ich Thor natürlich hier:

marvel_thor

Lief ja auch neulich im Kino. Und deshalb habe ich schon als Kind die germanischen Sagen gelesen. Die Göttersagen jedenfalls, die Heldendichtung weniger. Überliefert sind viele Sagen vor allem in zwei Werken, die dummerweise beide Edda heißen. Das eine Buch beginnt tatsächlich mit den Worten „Dieses Buch heißt Edda“, es heißt auch Prosa-Edda, weil viel davon in Prosa geschrieben ist, oder Snorra-Edda, nach dem Autor, Snorri Sturluson. Das andere, bekanntere, wird in Anlehnung an das erste Buch Lieder-Edda genannt, oder auch Ältere Edda, weil man früher davon ausging, dass es vor dem ersten Buch entstanden ist – was aber wohl nicht stimmt.

Die Lieder-Edda ist eine Sammlung vollständiger, aber unverbundener Götter- und Heldensagen. Geschrieben ist sie in stabgereimten germanischen Langzeilen, vier davon je Strophe.

Hier eine Strophe aus der „Heimholung des Hammers“. Der Riese Thrym hat Thors Hammer gestohlen und will ihn nur herausgeben, wenn er Freyja zur Frau erhält. Loki und Thor machen sich auf, den Hammer zurückzuholen – Thor verkleidet als Freyja, Loki als Zofe. Eine Idee Lokis, natürlich. Die vermeintliche Freyja fällt erst einmal durch recht männlichen Hunger und Durst auf. Schließlich fordert Thrym einen Kuss und hebt den Schleier der vermeintlichen Braut:

Kusslüstern lüftete das Linnen der Riese;
Doch weit wie der Saal schreckt‘ er zurück:
„Wie furchtbar flammen der Freyja die Augen!
Mich dünkt es brenne ihr Blick wie Glut.“
(Übersetzung: Karl Simrock)

Und dann beginnt auch schon die Prügelei.

— Weniger bekannt, aber auch sehr reizvoll ist die Snorra-Edda, und in der habe ich neulich etwas herumgelesen. Sie stammt aus derselben Zeit wie die anonyme Lieder-Edda, dem 13. Jahrhundert, hat aber einen ausgemachten Autor: Snorri Sturluson. Sturluson war ein isländischer mittelalterlicher Gelehrter, Christ natürlich. Island war spät christianisiert worden, aber zu Sturlusons Zeit schon durch und durch christlich. Allerdings wurden, anders als auf dem Kontinent, die Reste des germanischen Glaubens nicht groß bekämpft; sie hielten sich ohnehin nur als Sagenstoff. Im Gegenteil, die alten Sagen und Stoffe wurden geachtet, drohten aber in Vergessenheit zu geraten: Ihr Auftritt, Snorri Sturluson!
Der schrieb mit seiner Edda nämlich ein Lehrbuch für Dichter. Die altnordische Dichtung gilt – wir wissen das seit John Irvings The Water-Method Man – als sehr komplex, da zu ihrem Verständnis nicht nur formale Zusammenhänge beitragen (Metrik, Reim), sondern auch ein bestimmtes Vokabular (dazu später mehr) und ein großes Wissen um mythologische Zusammenhänge. All dieses Wissen wollte Sturluson bewahren und weitergeben, deswegen schrieb er sein Lehrbuch.

Die Sturluson-Edda besteht aus einem kurzen Vorwort, in dem Sturluson (wenn das Vorwort denn tatsächlich von ihm ist) den Sagenstoff in das aktuelle christliche Weltbild einordnet: Die germanischen Götter waren gar keine Götter, sondern menschliche Helden, die erst im Nachhinein zu Göttern verklärt wurden. Und zwar waren sie die Kämpfer um Troja, die danach auswanderten nach Europa – aus Asien nämlich, und deshalb wurden sie Asen genannt.
Darauf folgt ein etwas ausführlicherer Prosateil, in dem in einer Rahmenhandlung Göttersagen nacherzählt werden. (Das muss aber nicht heißen, dass diese Fassung tatsächlicher germanischer Religion entspricht. Zu dieser Zeit war das nur noch Folklore, und der Redakteur oder Autor Snorri ein Christ mit eigenen Schwerpunkten.)
Daran schließen sich zwei umfangreiche praktische Teile an, in denen anhand zitierter altnordischer Dichtung (von benannten und anonymen Dichtern, darunter auch Strophen, die sich fast gleichlautend in der Lieder-Edda finden) poetische Prinzipien der altnordischen Dichtung vorgeführt und erklärt werden. Die mythologische Abhandlung zuvor bildet quasi die Grundlage dafür.

So, das war der allgemeine Teil fast schon. Hier noch ein Ausschnitt aus der Snorra-Edda. Ragnarök: Das Schicksal der Götter ist gekommen, die meisten von ihnen werden zugrunde gehen. Die riesige Midgardschlange, auch Jörmungandr genannt, erhebt sich, der Geister-Kapitän Hrym sticht mit seinem Schiff Naglfar in See. (Das Schiff Naglfar: wird nach und nach aus den Fingernägeln Verstorbener gebaut. Zum Ende der Welt wird es gerade fertig geworden sein, deshalb ist es wichtig, den Toten die Nägel sauber zu schneiden.) Der Feuerdämon Surtur greift an; die Herrin der Unterwelt, Hel, empfängt viele Tote. In der Übersetzung von Karl Simrock:

Hrym fährt von Osten, es hebt sich die Flut;
Jörmungandr wälzt sich im Jötunmuthe.
Der Wurm schlägt die Brandung, aufschreit der Adler,
Leichen zerreißt er; Naglfar wird los.

Surtur fährt von Süden mit flammendem Schwert,
Von seiner Klinge scheint die Sonne der Götter.
Steinberge stürzen, Riesinnen straucheln,
Zu Hel fahren Helden, der Himmel klafft.

Bin nur ich das, oder erinnert das wirklich sehr an Jakob van Hoddis‘ berühmtes „Weltende“:

Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut,
In allen Lüften hallt es wie Geschrei.
Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei
Und an den Küsten – liest man – steigt die Flut.

Der Sturm ist da, die wilden Meere hupfen
An Land, um dicke Dämme zu zerdrücken.
Die meisten Menschen haben einen Schnupfen.
Die Eisenbahnen fallen von den Brücken.

Parodiert der Hoddis am Ende tatsächlich die Ragnarök-Dichtung? Oder ist Katastrophendichtung eh immer gleich?


Bonusteil 1: Tolkien

Nur ganz kurz: der war ja Professor für Altenglisch/Angelsächsisch und las in einer Runde Gleichinteressierter isländische Sagas im Orginal. Vor zwei Jahren erschien ja seine Legende von Sigurd und Gúdrun, in stabgereimten Langversstrophen, in der er Lücken im Mythenkanon durch Neudichtung spielerisch schließt. Der Herr der Ringe knüpft stärker an germanische Dichtung an, als man meint (Fußnoten dazu in altem Blogeintrag). Hier nur kurz eine Auswahl an Namen von Zwergen, die an einer Stelle der Snorra-Edda aufgezählt werden: Dwalinn, Bifurr, Bafurr, Bömbur, Nori, Ori, Oinn, Thorinn, Fili, Kili, Gloinn. (Und Gandalf.) Nur Balin(n) muss aus einer anderen Quelle kommen.

Bonusteil 2: Kenningar

So beginnt Snorri den Abschnitt über die Dichtkunst:

Nun sollt ihr hören, wie die Skalden die Dichtkunst mit diesen Ausdrücken umschreiben […]: zum Beispiel nennen sie sie Kwasirs Blut und Schiff der Zwerge, Zwergenmet, Asenmet, Auslöse des Riesenvaters, die Flüssigkeit von Odrödir und Bodn und Son […], Flüssigkeit Hnitbörgs, Kampfesbeute Odins und Geschenk Odins.

Puh. Heute ist man von der Muse geküsst, aber das war es schon. Dass Zwergenschiff für Dichtkunst steht, kann man nur verstehen, wenn man den Mythos von der Entstehung der Dichtkunst kennt, und eben den hat Snorri deshalb zuvor erzählt. Diese Art der Umschreibung ist typisch für altnordische Dichtung und heißt Kenning. (Wikipedia deutsch, sehr viel ausführlicher Wikipedia englisch).

Die Kurzfassung: Kenningar bestehen immer aus zwei Begriffen, einem Grundwort und einem Bestimmungswort. Bei „Lindwurmlager“ ist „Lager“ das Grundwort, bestimmt wird es näher durch „Lindwurm“. Das Bestimmungswort kann auch im Genitiv stehen, vor- oder nachgestellt. Gemeint ist aber weder das eine noch das andere, sondern etwas anderes: in diesem Fall „Gold“. (Ist das verwandt mit dem, was im Germanistikstudium „Bahuvrihi“ hieß? Wohl nicht, siehe Kommentare.)

Beispiele für Kenningar:

Lindwurmlager, für: Gold
das Verderben der Zweige, für: Feuer
Bienenwolf (Beowulf), für: Bär
Zahnröter des Wolfes, für: Mann (get it?)
Wundbiene, für: Pfeil

Ich mag diese Kenningar, und irgendwann will ich mal Schüler darauf ansetzen. Eine Liste von Kenningar aus dem Schulalltag? Zuerst kämen wohl Allerwelts-BahuvrihiKomposita wie „Schaumschläger“ und „Dünnbrettbohrer“ heraus, man müsste also Neuschöpfungen verlangen. Ein Lehrer… Freudevernichter? Kreidezerstörer? Etwas episch-heldisch sollte es schon klingen.

Entschlüsseln kann man eine Kenning relativ leicht, wenn sie offensichtlich metaphorisch oder metonymisch ist, wie in den Beispielen oben. Wenn sie allerdings mythologischen Hintergrund hat, und das ist oft der Fall, dann braucht man dieses Hintergrundwissen:

Swafnirs Saalschindeln, für: Schilde (Swafnir=Odin, sein Saal=Valhalla, und deren Dach ist mit Schilden gedeckt)
Ymirs Schädel, für: Himmel (aus dem Schädel des Frostriesen wurde der Himmel erschaffen)
Zwergenschiff, für: Dichtung (zu lange Geschichte für hier)

Snorri Sturluson zählt in seiner Edda mehr oder weniger systematisch und anhand von Beispielstrophen wichtige Kenningar für Dichtkunst, Thor, Balder, Njörd, Freyr, Heimdall und andere Götter auf und erklärt sie. Leider habe ich online keine deutsche Übersetzung der poetologischen Teile der Prosa-Edda gefunden (Simrock hat nur die Mythen), hier gibt es immerhin den ersten poetologischen Teil auf Englisch.

Eine Auswahl von Kenningar und Heiti (siehe weiter unten) gibt es hier auf Deutsch, eine Datenbank altnordischer Kenningar mit englischen Übersetzungen gibt es hier und, semantisch klassifiziert, hier.

Und jetzt für Fortgeschrittene: In einer Kenning kann das Bestimmungswort (manchmal auch das Grundwort) selbst durch eine Kenning umschrieben werden. „Fütterer der Kriegs-Möwen“ bedeutet dann „Fütterer der Raben“, bedeutet dann: „Krieger“. Und „Zerstörer des Hungers des Adlers“ bedeutet dann „Fütterer des Adlers“, bedeutet dann: „Krieger“. Und, man ahnt es schon, auch diese nunmehr dreiteilige Kenning kann erweitert werden, indem man wieder einen Begriff durch eine Kenning ersetzt. Und so weiter:

Fjordknochen: Steine
Männer der Fjordknochen: Felsriesen
Brandung der Hefe der Männer der Fjordknochen: Bier der Riesen (=Dichtkunst) bzw. ihr Vortrag
(aus der Übersetzung von Arnulf Krause)

Das hat schon was von cryptic crossword puzzle. Snorri empfiehlt als Grenze für verständliche Kenningar maximal fünf Teile, die längste überlieferte Kenning besteht aus neun:

nausta blakks hlé-mána gífrs drífu gim-slöngvir oder nausta blakks hlémána gífrs drífu gimsløngvir
„Feuerschwinger des Schneegestöbers des Trolls des Schutzmonds des Rosses des Bootshauses“
Ross des Bootshauses: Boot
Schutzmond des Boots: Schild
Troll (=Feind) des Schilds: Axt
Schneegestöber der Axt: Kampf
Feuerschwinger des Kampfes: Krieger
(meine Übersetzung aus dem Englischen, daher vielleicht falsch)

Es zeichnet sich ein Muster ab: wenn man nicht weiß, was eine Kenning bedeutet, liegt man mit „Krieger“ oft nicht falsch. Der zweite Tipp ist dann wohl „Odin“.

Bonusteil 3: Heiti (und grammatische Traktate)

Eine weitere Zutat altnordischer Dichtung sind Heiti (Wikipedia englisch). Auch das sind (in der heute verbreiteten Bedeutung) synonyme Umschreibungen, anders als die Kenningar bestehen sie aber nur aus einem einzigen Begriff. Sie sind kulturell festgelegt, man muss halt wissen, dass „Eber“ für „Fürst“ steht, „der Gierige“ für „Feuer“, „Baum“ für „Mann“ und „Salz“ für „Meer“.
Über Heiti habe ich im Web nicht viel gefunden. Eine Liste von Heiti soll im Dritten grammatischen Traktat stehen. Also: Es gibt einen Codex Wormianus. Der enthält unter anderem die einzelnen Abschnitte der Snorra-Edda und vier grammatische Traktate. Der dritte Traktat stammt von, Moment, Óláfr Þórðarson, einem Neffen von Snorri. Am meisten dazu habe ich noch hier gefunden.
Der erste grammatische Traktat (anonym, um 1150) sieht aber auch interessant aus. Darin werden Vorschläge zu einer systematischen Schreibung des Altisländischen gemacht. Das Lautsystem wird anhand von Minimalpaaren untersucht, neue Vokalgrapheme werden vorgeschlagen und die Markierung von Langvokalen und Nasalen durch diakritische Zeichen. Da wirkt das Mittelalter gleich etwas weniger finster.

Weiterführende Lektüre, neben den verlinkten Quellen:

  • Anfangen mit einer Nacherzählung germanischer Sagen und Mythen, etwa: Germanische Götter- und Heldensagen, nach den Quellen neu erzählt von Reiner Tetzner.Stuttgart: Reclam 1997. Sehr vollständig.
  • Erst dann die Edda des Snorri Sturluson. Ich fand verständlich die Fassung von Arnulf Krause (Reclam 1997), der die Verse wörtlich übersetzt und dabei die Metrik nicht berücksichtigt. Leider fehlt der letzte poetologische Teil von Sturluson. Bei Wikipedia gibt es die alte metrische Simrock-Übersetzung beider Eddas, da fehlen aber noch größere Teile der Snorra-Edda.

Mein liebstes Schulbuch

Im Halbtagsblog macht sich Jan-Martin Gedanken um alte und neue Schulbücher, vor allem bei Mathematik.

In Gleich 8 bei Herrn Schwarzmüller gibt es eine Diskussion um digitale Schulbücher – am besten von Lehrern unter CC-Lizenz geschrieben. Unbedingt! Wenn es da das richtige Format gibt, mache ich gerne mit. Ich suche ja selber noch nach einem Format, um meine Ideen zu sammeln.

Vorerst allerdings mein liebstes Schulbuch:


Lesebuch A (Gymnasium) Oberstufe. Lyrik. Ernst Klett Verlag 1969.

Das hatte ich in der 11. Klasse. Es ist ein Lesebuch und enthält Gedichte. Es gibt nur ganz wenig Zusatzmaterial: eine Seite Vorwort (die ich nie gelesen habe), Inhaltsverzeichnis, Quellenangaben, Hölderlin-Handschriften auf dem Vorsatzblatt und textkritische Anmerkungen dazu, und zwei Seiten mit einem Index von a) motivgleichen Gedichten; b) Strophen- und Gedichtformen (Sonette, Terzinen, Distichen) sowie c) Gedichtarten (Lied, Elegie, Ode, Hymne, Ballade).

Die Gedichte sind zusammengefasst in einen kürzeren paradigmatischen Teil (nach Form/Haltung, Bildersprache), den umfangreichsten, chronologischen Teil und einen dritten Teil, in dem Gedichte und deren verschiedene Übersetzungen gegenübergestellt sind.

Die Gedichte reichen von den zwei Merseburger Zaubersprüchen, dem Minnesang (acht Dichtern aus der Blütezeit, und einigen späteren) bis zu viel Trakl, Benn, Brecht; Celan, Bachmann, Enzensberger; Günter Kunert, Peter Rühmkorf, Wolf Biermann, Günter Grass. Dazu Übersetzungen aus dem Lateinischen (Hrabanus Maurus), Französischen (Baudelaire), Englischen (Shakespeare, E.E. Cummings, William Carlos Williams), und Übersetzungen ins Englische (Hölderlin, Brecht). Für 1969 ist das gar nicht schlecht.

Es gibt keine einzige Illustration und keinen einzigen Arbeitsauftrag. Kein bisschen Farbe ist darin. Ich glaube auch nicht, dass es ein Lehrerbegleitbuch dazu gibt.

Ich habe als Schüler enorm aus diesem Buch gelernt, indem ich die Texte gelesen habe. Als Lehrer würde ich weniger kopieren müssen, wenn Schüler so ein Lesebuch hätten. Deutschlehrer sind berüchtigt dafür, dass sie wenig mit den angeschafften Büchern arbeiten. Das liegt zum Teil auch an den Büchern. Mich interessieren Texte, die klugen Fragen dazu fallen mir oder den Schülern selber ein. Lehrerbegleitbände zu Lehrwerken interessieren mich nicht besonders.

Und, will jemand mit einem anderen Lieblingsbuch dagegen halten?

Nachtrag: Es gibt also doch ein Lehrerheft dazu und ich habe es mir besorgt. 130 Seiten, pro Gedicht 6-20 engbedruckte Zeilen. Sehr knappe Hinweise: „Die Sprache diesr Gedichte als gestaltgewordene Heiterkeit und Gelöstheit“ oder: „Von besonderer Bedeutung (vgl. Trakl, Heym, Lasker-Schüler): die Bildlichkeit.“ Nu.

Expressionistische Gedichte, gefälscht

Zwischendurch gemacht in der Q12: Jeder Schüler sollte ein Gedicht schreiben, das – für Mitschüler – möglichst nicht von einem echten expressionistischen Gedicht zu unterscheiden war. Danach sollten die Gedichte bei Moodle hochgeladen werden, wo ich sie dann zusammenstellen und eine Abstimmung darüber anlegen würde. Und so geschah es auch: letztlich schafften es dreizehn der anwesenden Schüler, ihr Gedicht pünktlich abzuliefern; ich legte selber noch ein nachgemachtes Gedicht von mir dazu (im Unterricht entstanden) und ließ den Parallelkurs abstimmten, welches unter den Gedicht das angeblich echte sei.

Erstaunlicherweise verteilten sich ein Großteil der Stimmen auf genau zwei Gedichte, und meines war nicht dabei. Die Gewinner bekamen Schokolade. Ein echtes expressionistisches Gedicht war entgegen meiner Ankündigung nicht dabei gewesen, da ich vermutet hatte, dass das dann doch jeder sofort erkennen würde. Inzwischen bin ich mir nicht so sicher.

Ich habe hier mal die Schülergedichte, das Lehrergedicht und ein echtes Gedicht aus der Sammlung Menschheitsdämmerung von Kurt Pinthus in alphabetischer Folge zusammengestellt. Ich habe drei Fragen, falls jemand meiner Leser mitspielen möchte: welches Gedicht ist das echte, welches ist von mir, welches haben die Schüler mit Abstand zu einem echten erklärt?

1
Das Ende

Von weit her nähert es sich an,
Der Schneesturm es begleitend.
Es baut sich auf wie ein Mann,
Die Gnade vom Gesichte weichend.

In einem schnellen Tanze es sich bewegt.
Durch das Dunkle der Gassen sich frisst.
Wo es brauste, sich nichts mehr regt.
Es nimmt des Menschen letzte Lebensfrist.


2
Die Lagerfeuer an der Küste rauchen.
Ich muss mich niederwerfen tief in Not.
Leoparden wittern mein Gesicht und fauchen.
Du bist mir nahe, Bruder Tod.

Verworren zuckt Europa noch im Winde
Von Schiffen auf dem fabelhaften Meer;
Durch die ungeheure Angst bricht her
Schrei einer Mutter nach dem kleinen Kinde.


3
Es wird dunkel, die Nacht bricht herein.
Das tödliche Ungeheuer nähert sich der Stadt,
und die Bewohner beginnen zu schrein.
Der feurige Atem entzündet die Wälder
und vernichtet die Welt; doch als die Sonne erwacht
wird die Welt neu gemacht.


4
Gebäude brennen lichterloh,
Kinder schauen nicht mehr froh.
Schweifende Blicke gehen umher,
Leben gibts nun nimmermehr.

Gebäude brennen lichterloh,
nun hüpfen Flammen, wie die Kinder so.
Ein lachendes Inferno frisst die Stadt,
Feuer setzt die Stadt schachmatt.


5
Häuser stehen leer,
es brennt.
Menschen laufen wild umher,
man rennt.

Winde wehen von den Türmen,
man fängt an die Bank zu stürmen
um dann noch sein letztes Geld,
in der kaputten, toten Welt
in den Kneipen auszugeben.

Häuser stehen leer,
es rennt.
Menschen laufen wild umher,
man brennt.


6
Leute laufen durcheinander, umeinander, umher
tausend helle Schreie toben in den Gassen laut
durch die Straßen jagt ein riesen Menschenmeer
bis in der Früh der Morgen graut

Von den Dächern stürzen schwarze Felsen
und schlagen einen Jeden tot
Millionen schreien aus vollen Hälsen
und das Menschenmeer wird langsam rot.


7
Nachtruhe

Schwarze Nacht. Fahrt
Ohne Ende tönen Wogen,
Schleppen Schleier aus Dunst
In die lichtlose Stadt.
Kein Schrei, nur jede Ecke
Misstraut der nächsten Kante
Und Kurven flüchten in die Dunkelheit.
Dunst und hoher Kamine Rauch
Türmen sich zu Missgebilden,
Töten wenn der Morgen graut.


8
Neuanfang

Die Welt geht unter
auch Gott lässt sie sterben, denn ihn gibt es nicht.
Menschen munter Welt zu retten
wirres Chaos entbricht

Menschenfluten in den Scherbenhaufen der Städte,
Lüstern,
Neues zu erschaffen.
Die Muskeln des Untergangs langsam erschlaffen.

Der Neuanfang liegt nun im Bette
und erwacht.


9
Nudrev

Kanonen kriechen schreiend Richtung schwarze Mauer,
Feuer trümmert Hand entzwei,
Ostens steht des Reiters rote Auge Lauer,
Gleich zerstört das Heer in Reih‘.

Tausend Waffen sind schon tot,
Tyrann den Zug regiert,
Blauer Fluss in großer Not,
Schwarz Tod den Mord negiert.


10
Schicksal

In den Städten peitschte die rote Feuerbrunst,
Keiner mag das Ausmaß kennen, es zu überleben
Und schaut, hört ein neues dunkles Beben,
Warum geschieht dies hier, die Menschen haben keinen Dunst

Es ward Morgen, als alles still und farbenfroh erwachte,
Doch von den Städten waren keine Massen
Es war das Ende vieler, es rasteten alle Rassen
Nur das blaue Meer bewegte sich sachte1


11
Schwarze Fahnen windig wehen,
Häuserdächer tiefes Gröhlen,
Tod und Teufel durch die Gassen,
um zu holen diese Massen.
Wie Nacht und Nebel, Finsternis und Dunkelheit,
die Welt dem Ende, Dämmerung und Einsamkeit.
Bis zum Morgen, Angst und Schrecken,
bis die Glocken Menschen wecken.


12
Untergang

Dunkel färbt sich der Himmel,
Schreie laufen durch das Land
und von den Vögeln überall Gewimmel.
So war’s bisher niemandem bekannt!

Die Meere türmen sich zu Bergen,
Häuser brechen in sich zusammen,
Menschen laufen auf Millionen Scherben.
Alle sind in dieser Welt gefangen.


13
Vom Mantel springt dem dicken Mann ein Knopf
Und Mädchen lächeln wohlig und verzückt.
Ein Herr verliert im Übermut den Kopf
Und ferne Hunde bellen wie verrückt.

Die Züge fahren auf den morschen Schienen
Und Pferde legen sich zum Sterben hin
Herunter purzeln Reitersleut mit ihnen
Und freuen sich an ihrem heitern Sinn.


14
Welt der Kontraste

Brennend kommt er der Stadt entgegen,
brennend die Lichter auf allen Wegen.
In Dunkelheit und Kälte sehr
die Nacht entzündet die Flammen wie Meer.

Mal warm, mal kalt, dunkel und hell
die Welt geht zu Grunde mal langsam, mal schnell.
Sie fallen und fallen, die Welt, der Himmel ist grell
er stirbt und raucht auf dem brennenden Fell.


15
Zerrissen sind die ansichten
Voller zweifel findet sicht
Alles gleicht dem nichten
Am ende entsteht licht
Verlangen steigert sehr
Ende ist nicht mehr

Wie oben angedeutet: ich bin mir nachträglich nicht sicher, dass Schüler das echte Gedicht als solches erkannt hätten. Ich bilde mir erstens ein, dass das echte Gedicht herausssticht unter all den anderen, und dass ich zweitens bei fast allen Schülergedichten den Finger auf eine Stelle legen kann, von der ich sage: hier hakt es! (Auch wenn der Rest gut ist.) Und ich glaube drittens, dass meine Schüler diese Stellen nicht als solche erkennen.

Das soll übrigens kein Vorwurf an die Schüler sein, sondern eine Feststellung. Vielleicht ist das auch gar nicht schlimm. Vielleicht ist das auch ein Punkt, um didaktisch anzusetzen. Ich würde gerne mehr Lyrik machen, aber weniger Epochen. Und einen Wahlkurs „Gedichte schreiben“ vielleicht.

Trochäische Vierheber

Metrik in der 6. Klasse:

1. Erst mal das Zählen von Silben üben. Was ist eine Silbe, was ist keine? Das Wort „Abend“ hat zwei Silben, auch wenn man in der Silbentrennung nicht „A-bend“ schreiben darf.

2. Das Unterscheiden von betonten und unbetonten Silben üben. Jede Silbe ist im Deutschen eher mehr oder eher weniger betont. (Das ist nicht in allen Sprachen so.)

3. In vielen Gedichten gibt es als Gerüst eine ziemlich regelmäßige Verteilung von betonten und unbetonten Silben. Diese Verteilung heißt Metrum. An Beispielen üben. Noch nichts von Jambus oder Trochäus sagen, keine Taktstriche machen. Das sieht dann so aus:

Er stand auf seines Daches Zinnen,
x    X    x   X  x   X  x   X  x  
Er schaute mit vergnügten Sinnen
x    X   x  X   x   X  x   X  x
Auf das beherrschte Samos hin.
x   X   x    X   x   X x   X

4. Dann aber bald darauf hinweisen, dass man beim Vortrag nicht alle dieser vom Metrum vorgesehenen Betonungen in gleicher Weise betont. Manche werden sehr, andere kaum betont, und manchmal muss man auch eine Silbe betonen, bei der das Metrum das eigentlich gar nicht vorsieht.* Mit einer anderen Farbe werden die Betonungsstriche ergänzt, die man wirklich betont. Das ist dann eine Frage des Vortrags, der Interpretation, da kann man unterschiedlicher Meinung sein.

Er STAND auf seines DACHes ZINNen,
x    X    x   X  x   X  x   X  x  
Er SCHAUte mit vergnügten SINNen
x    X   x  X   x   X  x   X  x
Auf das beHERRschte SAmos hin.
x   X   x    X   x   X x   X

5. Zu diesem Zeitpunkt hat dann schon eine Schülerin bei Wikipedia nachgeschaut und meldet, dass es da so etwas wie „Jambus“ gibt. Dann führe ich auch die wichtigsten Versfüße ein (Jambus, Trochäus, Daktylus); ansonsten kann das gerne noch ein halbes Jahr warten.

6. Die Anwendung. Gemeinsames und später eigenes Bestimmen der Metren folgender Vierzeiler:

Schläft ein Lied in allen Dingen,
Die da träumen fort und fort,
Und die Welt hebt an zu singen,
Triffst du nur das Zauberwort
(„Wünschelrute“ von Joseph von Eichendorff)

Tiefe Stille herrscht im Wasser,
Ohne Regung ruht das Meer,
Und bekümmert sieht der Schiffer
Glatte Fläche rings umher.
(aus: Goethe, „Meeresstille“)

Einigkeit und Recht und Freiheit
Für das deutsche Vaterland!
Danach lasst uns alle streben
Brüderlich mit Herz und Hand!
(aus: Deutsche Nationalhymne, Text: August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, Melodie: Joseph Haydn)

Eisgekühlte Coca Cola,
Coca Cola eisgekühlt,
Eisgekühlte Coca Cola,
Coca Cola eisgekühlt.
(1950er Jahre, Melodie von einem chilenischen Sambastück von Nicanor Molinare)

Oh my darling, oh my darling,
Oh my darling, Clementine!
Thou art lost and gone forever
Dreadful sorry, Clementine
(aus: amerikanisches Volkslied)

Freude, schöner Götterfunken
Tochter aus Elysium,
Wir betreten feuertrunken,
Himmlische, dein Heiligtum!
(aus: Friedrich Schiller, „Ode an die Freude“, vertont von Ludwig van Beethoven in der 9. Sinfonie)

Man stellt schnell fest: Das sind alles trochäische Vierheber, nur dass in jedem zweiten Vers die letzte, unbetonte Silbe fehlt. Das ist erlaubt. (Männliche Kadenz, aber auch das kann noch warten.)
Man merkt bei dieser Probe aus der Praxis auch, wie wichtig der Hinweis ist, dass das Metrum nur ein Muster vorgibt, das man beim Vortrag manchmal variieren kann oder muss. Sonst würde man beim letzten Schillervers ja „Hímmlisché“ auch auf der letzten Silbe betonen.**

Für diejenigen, die bis hierhin gelesen haben: da alle diese Vierzeiler das identische Metrum haben, kann man jeden solchen Vierzeiler auf die Melodie der anderen vertonten Vierzeiler singen. Der Text von „Eisgekühlte Coca Cola“ zur Melodie der Nationalhymne? Kein Problem. Der Text von Eichendorffs Wünschelrute zu Beethovens Neunter? Ditto. Die Nationalhymne zu Clementine? Geht natürlich auch.***

Die Melodien kennen jeweils mindestens die Hälfte der Sechstklässler, so dass die Klasse mitsingen kann. (Und das besser als ich.) Immer einen Text und eine Melodie aussuchen und loslegen.

7. Nächster Schritt: Selber solch einen Vierzeiler schreiben. Das ist leichter als man denkt und schwieriger zugleich. Wenn man vor sich hinsingt, geht es allerdings fast automatisch. Am besten bei Beethoven, am schlechtesten bei Clementine, so ging es jedenfalls mir.


* Man könnte auch sagen, dass immer wieder mal ein Jambus durch einen Trochäus ersetzt wird oder umgekehrt. Das sage ich aber erst ein Jahr später so.

** Wer will, kann auch sagen, dass in diesem Vers eben keine trochäischen Vierheber vorliegen, sondern dass ein trochäischer Versfuß durch einen Pyrrhichius ersetzt wurde. Von mir aus.

*** Ein Problem kann es geben, wenn in der Vertonung eine Silbe auf zwei aufeinanderfolgende Noten aufgeteilt wird (Melisma). Das ist oben, soweit ich gesehen habe, nur bei der Nationalhymne einige Male der Fall, etwa bei „Frei-ei-heit“ und „Va-te-er-land“. Statt des trochäischen „Freiheit“ mit Melisma könnte man auch ein daktylisches Wort ohne Melisma**** einbauen, und die Melodie würde dennoch passen.

**** Ich wusste auch nicht, dass das so heißt. Aber ich war mir sicher, dass es dafür ein Wort gibt.


Schülerstrophen aus der 6. Klasse mit dem Metrum von oben:

Frühling, Sommer, Herbst und Winter,
So vergeht das ganze Jahr.
Kälte, Frost und Sonnenstrahlen,
Regen, Schnee und draußen sein.

Manchmal gibt es schöne Tage
viele Tage sind so lang
aber nur das Wochenende
find ich wirklich super gut.

Träume sind wie Seifenblasen,
Zierlich, klar und schön wie nie,
Bleib ganz nah, spür, dass sie leben,
Halt sie fest und liebe sie.

Chips sind eine Göttergabe,
die ich immer mit mir trag,
und ess sie fast alle Tage,
da ich sie so gerne mag.

Zu anderen Strophenformen gibt es auch Lieder. (1) Abwechselnd jambische Vier- und Dreiheber gibt es bei „Ghost Riders in the Sky“:

An old cowpoke went riding out
One dark and windy day,
Upon a ridge he rested as
He went along his way,

und hier:

Should auld acquaintance be forgot,
And never brought to mind?
Should auld acquaintance be forgot
And auld lang syne?

(Im letzten Vers sollten aber auch sechs Silben sein, dafür ohne Melisma zu singen.)

Dazu passt Goethe, „Auf dem See“:

Und frische Nahrung, neues Blut
Saug ich aus freier Welt;
Wie ist Natur so hold und gut,
Die mich am Busen hält!

(2) Trochäische Vierheber, durchgehend männliche Kadenz? Yellow Submarine, ohne den Refrain.

Schön wäre es, wenn jemand ein Lied wüsste, das zu jambischen Fünfhebern passt.

Vom Weben (Poverty Knock und anderes)

Das Lied habe ich anno 1997 oder 1998 als Referendar in Straubing im Englischunterricht eingesetzt. (Green Line 5, Ausgabe Bayern, 9. Klasse, Unit 2: ein schönes Kapitel mit gutem Material. Zum Einstieg etwas Landschaftsmaleri, ein ländlicher Constable und eine „British Steel Mill at night“ eines unbekannten Künstlers, ein Essay „Down the Mine“ von George Orwell und ein Ausschnitt aus Hard Times von Charles Dickens. Und „Dirty Old Town“ zum Anhören.)

Aus den Charts kannten die Schüler damals Chumbawamba mit „Tubthumping“ („I get knocked down/But I get up again“); ich hatte selber ihre Platte mit English Rebel Songs 1381-1914. Alle Lieder darauf sind a cappella gesungene Arbeiter- und Revolutionslieder der letzten Jahrhunderte. Darunter das hier:

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Poverty, poverty knock, my loom is a-saying all day,
Poverty, poverty knock, gaffer’s to skinny to pay
Poverty, poverty knock, keeping one eye on the clock,
I know I can guttle when I hear my shuttle go poverty, poverty knock

Up every morning at five, I wonder that we keep alive
Tired and yawning in the cold morning it’s back to the dreary old drive

(Meine CD-Version unterscheidet sich textlich etwas von der Aufnahme bei Youtube.)

Ein echter Ohrwurm. Das muss natürlich auch sein, der Rhythmus ist schließlich der monotonen Arbeit in einer Weberei nachempfunden. Dazu gab’s ein Arbeitsblatt mit dem mühsam herausgehörten Text; heute gibt’s das ja alles im Web. Kann man tolle Sachen mit machen, mit dem Lied. (Mit dem Web natürlich auch.)

Süß finde ich die Kommentare auf der Youtube-Seite, anscheined wird dieses Lied weiträumig auch von anderen Englischlehrern im Gymnasium eingesetzt.

Hier eine Version einer traditionelleren Musikgruppe, den Houghton Weavers aus Lancashire:

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Die Chumbawamba-Platte ist eine lohnenswerte Anschaffung, ich habe auch schon „General Ludd’s Triumph“ im Unterricht gemacht und einige der Texte aus den liner notes verwendet. Gelegentlich ertappe ich mich auch dabei, wie ich „Hanging on the old barbed wire“ (1914) vor mich hin singe. („If you want to find the general, I know where he is, I know where he is, I know where he is.“)

Zum Vergleich bieten sich natürlich „Die schlesischen Weber“ von Heinrich Heine an. Vorindustriell, weniger kritisch und verklärt wird noch in Des Knaben Wunderhorn in der deutschen Romantik gewoben:

Das Weberlied

Frühmorgens, wenn der Tag bricht an,
Hört man uns schon mit Freuden
Ein schönes Liedlein stimmen an,
Und wacker drauf arbeiten.
Die Spule die ist unser Pflug,
Das Schifflein ist das Pferde,
Und damit machen wir gar klug
Das schönste Werk auf Erden.

Gar manche Jungfrau freundlich spricht:
Macht mir gut Tuch zu Betten,
Das Garn ist auch schon zugericht,
Zu Tischtuch und Servietten.
Webt mir die schönsten Bilder drein,
Macht mir darin kein Neste,
Das Trinkgeld sollt ihr haben fein,
Webt mirs aufs allerbeste.

Und wenn ein Kriegsheld zieht ins Feld
Mit seinen Wehr und Waffen,
So schlägt er auf ein Leinwandzelt,
Darunter thut er schlafen.
Die schönste Arbeit weben wir
Von Seiden, Flachs und Wolle,
Dem Fähndrich weben wir’s Panier,
Daß ers erhalten solle.

Und ist die Leinwand nichts mehr werth,
Und ist die Fahn verloren,
So kömmt sie erst in rechten Werth,
Papier rauscht vor den Ohren,
Man druckt darauf das Gotteswort,
Und schreibt darauf mit Dinten,
Des Webers Werk währt immer fort,
Kein Mensch kann es ergründen.

Schon kritischer, aber immer noch vorindustriell, sieht das bei Thomas Hood aus (1843):

The Song of the Shirt

With fingers weary and worn,
With eyelids heavy and red,
A woman sat, in unwomanly rags,
Plying her needle and thread–
Stitch! stitch! stitch!
In poverty, hunger, and dirt,
And still with a voice of dolorous pitch
She sang the „Song of the Shirt.“

„Work! work! work!
While the cock is crowing aloof!
And work–work–work,
Till the stars shine through the roof!
It’s Oh! to be a slave
Along with the barbarous Turk,
Where woman has never a soul to save,
If this is Christian work!

„Work–work–work
Till the brain begins to swim;
Work–work–work
Till the eyes are heavy and dim!
Seam, and gusset, and band,
Band, and gusset, and seam,
Till over the buttons I fall asleep,
And sew them on in a dream!

„Oh, Men, with Sisters dear!
Oh, men, with Mothers and Wives!
It is not linen you’re wearing out,
But human creatures‘ lives!
Stitch–stitch–stitch,
In poverty, hunger and dirt,
Sewing at once, with a double thread,
A Shroud as well as a Shirt.

„But why do I talk of Death?
That Phantom of grisly bone,
I hardly fear its terrible shape,
It seems so like my own–
It seems so like my own,
Because of the fasts I keep;
Oh, God! that bread should be so dear,
And flesh and blood so cheap!

„Work–work–work!
My labour never flags;
And what are its wages? A bed of straw,
A crust of bread–and rags.
That shatter’d roof–and this naked floor–
A table–a broken chair–
And a wall so blank, my shadow I thank
For sometimes falling there!

„Work–work–work!
From weary chime to chime,
Work–work–work–
As prisoners work for crime!
Band, and gusset, and seam,
Seam, and gusset, and band,
Till the heart is sick, and the brain benumb’d.
As well as the weary hand.

„Work–work–work,
In the dull December light,
And work–work–work,
When the weather is warm and bright–
While underneath the eaves
The brooding swallows cling
As if to show me their sunny backs
And twit me with the spring.

„Oh! but to breathe the breath
Of the cowslip and primrose sweet–
With the sky above my head,
And the grass beneath my feet,
For only one short hour
To feel as I used to feel,
Before I knew the woes of want
And the walk that costs a meal!

„Oh! but for one short hour!
A respite however brief!
No blessed leisure for Love or Hope,
But only time for Grief!
A little weeping would ease my heart,
But in their briny bed
My tears must stop, for every drop
Hinders needle and thread!“

With fingers weary and worn,
With eyelids heavy and red,
A woman sat in unwomanly rags,
Plying her needle and thread–

Stitch! stitch! stitch!
In poverty, hunger, and dirt,
And still with a voice of dolorous pitch,–
Would that its tone could reach the Rich!–
She sang this „Song of the Shirt!“

Nachtrag: Im aktuellen Green Line 5 (9. Klasse, G8, Bayern) ist Poverty Knock tatsächlich auch drin, auch als Audiospur, allerdings nicht in der Chumbawumba-Version.

Gottfried Benn, Nachtcafé

Eines der Gedichte von Gottfried Benn, das ich immer wieder gern mit Schülern mache. Kann man gut Metonymien mit üben. So fängt es an:

Nachtcafé

824: Der Frauen Liebe und Leben.
Das Cello trinkt rasch mal. Die Flöte
rülpst tief drei Takte lang: das schöne Abendbrot.
Die Trommel liest den Kriminalroman zu Ende.

Grüne Zähne, Pickel im Gesicht
winkt einer Lidrandentzündung.

Fett im Haar
spricht zu offenem Mund mit Rachenmandel
Glaube Liebe Hoffnung um den Hals.

Junger Kropf ist Sattelnase gut.
Er bezahlt für sie drei Biere.

Bartflechte kauft Nelken,
Doppelkinn zu erweichen.

Der Vorschlag, das ganze doch unter dem Titel „Schülerdisco“ aktualisierend umzudichten, wurde von meinen Leistungskursschülern empört zurückgewiesen. er inspirierte aber immerhin zu Interpretationsansätzen und zur Frage, was dieser Beobachter da eigentlich in dem Nachtcafé treibt.

Parabeln

Meine Parabelsequenz sieht meist so aus, dass ich mit einem biblischen Gleichnis beginne, am besten mit dem Gleichnis vom verlorenen Schaf:

Es nahten aber zu ihm allerlei Zöllner und Sünder, daß sie ihn hörten. Und die Pharisäer und Schriftgelehrten murrten und sprachen: „Dieser nimmt die Sünder an und isset mit ihnen.“ Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach:
Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat und, so er deren eines verliert, der nicht lasse die neunundneunzig in der Wüste und hingehe nach dem verlorenen, bis daß er’s finde? Und wenn er’s gefunden hat, so legt er’s auf seine Achseln mit Freuden. Und wenn er heimkommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn und spricht zu ihnen: Freuet euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war. Ich sage euch: Also wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen. […]
Also auch, sage ich euch, wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.
(Lutherbibel, Lukas 15, 1-10)

Das klassische Gleichnis besteht aus drei Teilen: einer erklärungsbedürftigen Situation; einer kurzen Geschichte, die zur Erklärung der Situation beitragen soll; und aus einer Deutung dieser Geschichte, in der ihr Inhalt auf die Ursprungssituation bezogen wird.

Parabeln sind quasi das weltliche Gegenstück zum religiösen Gleichnis. (Ich glaube, die Bibelwissenschaft unterscheidet auch innerhalb der Bibel Gleichnisse und Parabeln, aber das muss mich als Germanist nicht interessieren.) Ich zeige den Schülern ein paar weitere Gleichnisse mit christlich-jüdischem Hintergrund, dann ein paar einfache Parabeln. Bei den Parabeln fehlt allerdings meist die Einbettung in eine konkrete Situation, und oft genug auch der dritte Teil mit einer expliziten Deutung. Dementsprechend sind manche Parabeln auch nicht so leicht zu deuten; schön sind da die Keuner-Geschichten von Brecht. (Bitte, kann mir jemand die Parabel „Luxus“ erklären?.)

Manche moderne Parabeln scheinen gar keine klare Sachebene zu haben, auf die man die Bildebene der Erzählung übertragen kann. Kafka bietet sich da an:

Es war sehr früh am Morgen, die Straßen rein und leer, ich ging zum Bahnhof. Als ich eine Turmuhr mit meiner Uhr verglich, sah ich, dass es schon viel später war, als ich geglaubt hatte, ich musste mich sehr beeilen, der Schrecken über diese Entdeckung ließ mich im Weg unsicher werden, ich kannte mich in dieser Stadt noch nicht sehr gut aus, glücklicherweise war ein Schutzmann in der Nähe, ich lief zu ihm und fragte ihn atemlos nach dem Weg. Er lächelte und sagte: „Von mir willst du den Weg erfahren?“ „Ja“, sagte ich, „da ich ihn selbst nicht finden kann.“ „Gibs auf, gibs auf“, sagte er und wandte sich mit einem großen Schwunge ab, so wie Leute, die mit ihrem Lachen allein sein wollen.

In dieser Geschichte bleibt das Verlangen nach Information und Aufklärung unbefriedigt.

Aber auch die einfache Parabel macht schon Schwierigkeiten, nicht nur bei der Deutung, auch bei der Bewertung der Sachebene. Hier ist eine buddhistische Parabel, vermutlich sehr bekannt, da sie mir in verschiedenen Fassungen immer wieder untergekommen ist:

Buddha erzählte in einem Sutra eine Parabel: Ein Mann, der über eine Ebene reiste, stieß auf einen Tiger. Er floh, den Tiger hinter sich. Als er an einen Abgrund kam, suchte er Halt an der Wurzel eines wilden Weinstocks und schwang sich über die Kante. Der Tiger beschnupperte ihn von oben. Zitternd schaute der Mann hinab, wo weit unten ein anderer Tiger darauf wartete, ihn zu fressen. Nur der Wein hielt ihn. Zwei Mäuse, eine weiße und eine schwarze, machten sich daran, nach und nach die Weinwurzel durchzubeißen. Der Mann sah eine saftige Erdbeere neben sich. Während er sich mit der einen Hand am Wein festhielt, pflückte er mit der anderen die Erdbeere. Wie süß sie schmeckte!
(Paul Reps, Zen Flesh, Zen Bones. Deutsch: Ohne Worte – ohne Schweigen. O. W. Barth bei Scherz; 12. Auflage: 2008.)

(Fußnote: Ein paar Zen-Koans zeige ich den Schülern auch gerne, wenn es um Parabeln geht.)

Eine Deutung dieser Parabel/dieses Gleichnis fällt Schülern nicht schwer. Aber sie wollen auch wissen, ob es etwas bedeutet, dass die eine Maus schwarz und die andere weiß ist. Zur Erklärung biete ich den Schülern folgende Verse von Friedrich Rückert an:

Es ging ein Mann im Syrerland,
Führt‘ ein Kamel am Halfterband.
Das Tier mit grimmigen Gebärden
Urplötzlich anfing scheu zu werden
Und tat so ganz entsetzlich schnaufen,
Der Führer vor ihm musst‘ entlaufen.
Er lief und einen Brunnen sah
Von ungefähr am Wege da.
Das Tier hört‘ er im Rücken schnauben,
Das musst‘ ihm die Besinnung rauben.
Er in den Schacht des Brunnens kroch,
Er stürzte nicht, er schwebte noch.
Gewachsen war ein Brombeerstrauch
Aus des geborstnen Brunnens Bauch;
Daran der Mann sich fest tat klammern
Und seinen Zustand drauf bejammern.
Er blickte in die Höh‘ und sah
Dort das Kamelhaupt furchtbar nah‘,
Das ihn wollt‘ oben fassen wieder.
Dann blickt‘ er in den Brunnen nieder;
Da sah am Grund er einen Drachen
Aufgähnen mit entsperrtem Rachen,
Der drunten ihn verschlingen wollte,
Wenn er hinunter fallen sollte.
So schwebend in der beiden Mitte,
Da sah der Arme noch das Dritte.
Wo in die Mauerspalte ging
Des Sträuchleins Wurzel, dran er hing,
Da sah er still ein Mäusepaar,
Schwarz eine, weiß die andre war.
Er sah die schwarze mit der weißen
Abwechselnd an der Wurzel beißen.
Sie nagten, zausten, gruben, wühlten,
Die Erd‘ ab von der Wurzel spülten;
Und wie sie rieselnd niederrann,
Der Drach‘ im Grund aufblickte dann,
Zu sehn, wie bald mit seiner Bürde
Der Strauch entwurzelt fallen würde.
Der Mann in Angst und Furcht und Not,
Umstellt, umlagert und umdroht,
Im Stand des jammerhaften Schwebens,
Sah sich nach Rettung um vergebens.
Und da er also um sich blickte,
Sah er ein Zweiglein, welches nickte
Vom Brombeerstrauch mit reifen Beeren;
Da konnt‘ er doch der Lust nicht wehren.
Er sah nicht des Kameles Wut
Und nicht den Drachen in der Flut
Und nicht der Mäuse Tückespiel,
Als ihm die Beer‘ ins Auge fiel.
Er ließ das Tier von oben rauschen
Und unter sich den Drachen lauschen
Und neben sich die Mäuse nagen,
Griff nach den Beerlein mit Behagen,
Sie deuchten ihm zu essen gut,
Aß Beer‘ auf Beerlein wohlgemut,
Und durch die Süßigkeit im Essen
War alle seine Furcht vergessen.

Du fragst: „Wer ist der töricht‘ Mann,
Der so die Furcht vergessen kann?“
So wiss‘, o Freund, der Mann bist du;
Vernimm die Deutung auch dazu.
Es ist der Drach‘ im Brunnengrund
Des Todes aufgesperrter Schlund;
Und das Kamel, das oben droht,
Es ist des Lebens Angst und Not.
Du bist’s, der zwischen Tod und Leben
Am grünen Strauch der Welt musst schweben.
Die beiden, so die Wurzel nagen,
Dich samt den Zweigen, die dich tragen,
Zu liefern in des Todes Macht,
Die Mäuse heißen Tag und Nacht.
Es nagt die schwarze wohl verborgen
Vom Abend heimlich bis zum Morgen,
Es nagt vom Morgen bis zum Abend
Die weiße, wurzeluntergrabend.
Und zwischen diesem Graus und Wust
Lockt dich die Beere Sinnenlust,
Dass du Kamel, die Lebensnot,
Dass du im Grund den Drachen Tod,
Dass du die Mäuse Tag und Nacht
Vergissest und auf nichts hast acht,
Als dass du recht viel Beerlein haschest,
Aus Grabes Brunnenritzen naschest.

Das Gedicht ist mir mal beim Blättern in Ludwig Reiners Ewigem Brunnen untergekommen. Es erzählt fast die gleiche Geschichte und liefert die Deutung gleich mit.

Bei der Bewertung scheiden sich aber die Geister: Wenn ich Schüler frage, wie Rückert die Haltung dieses Mannes, der da zwischen Kamel und Drache hängt, bewertet, dann erkennen sie nicht, dass diese Haltung kritisiert wird – dieses Genießen des Augenblicks ungeachtet der Gefahr ist kein christlich angemessenes Verhalten. Sage ich jedenfalls. Ich finde das offensichtlich, aber tatsächlich sind die Merkmale im Gedicht, wenn ich sie Schülern zu erklären versuche, nicht viele: „töricht“ ist der Mann (aber das könnte ja Ironie sein); die Furcht vergessen kann negativ oder positiv gesehen werden; die „Sinnenlust“ wird nicht als negativ gesehen (ist doch schön), und auch das „du bist der Mann“ sagt Schülern nichts (Nathan zu König David im 2. Buch Samuel, dem Nathan mit einer Parabel den Kopf wäscht).

(Meine Lieblingsform dieser Geschichte, weil am anschaulichsten: Lord Dunsany, „The Workman“.)