Gedichterunde im Englischunterricht

In den letzten zwei Wochen habe ich in der Oberstufe ein paar Gedichte präsentiert. Erst mein üblicher Dreischritt von – im weitesten Sinn – Liebesgedichten, in denen es um die Beschreibung von Frauen geht, und um Bildersprache. Im Sonett 15 aus dem Amoretti-Zyklus von Edmund Spenser (Link zum Text) wird eine Frau gepriesen, in dem ihre Eigenschaften mit den Kostbarkeiten verglichen werden, die Händler aus Ost- udn Westindien zurückbringen – Haare wie Gold, Augen wie Saphire, Lippen wie Rubine. Die Seele der Frau ist natürlich noch besser, wird aber im Vergleich zum Rest nur kurz, wenn auch als Schlusspointe, abgehandelt. … Continue reading „Gedichterunde im Englischunterricht“

Automatische Metrikanalyse

Norberto42 hat in einem Blogeintrag auf den Metricalizer2 hingewiesen. Das ist ein Projekt zur automatischen Analyse von Gedichten. So etwas steht schon länger auf meiner Liste von Programmierprojekt-Vorschlägen für Informatikstudenten – aber es ist nicht überraschend, dass es das schon gibt. Und auch nicht überraschend, dass das Projekt bisher noch kein Informatikstudent haben wollte. Man gibt einen Gedichttext ein und klickt dann auf „Gedicht analysieren“. Die Reime werden richtig erkannt, selbst bei Reimen wie „Eiche“ und „Gesträuche“, die traditionell als vollkommen akzeptabel gelten, von Schülern aber gerne mal nicht als Reim erkannt werden. (Im Übermut und aus diesem Anlass habe … Continue reading „Automatische Metrikanalyse“

Germanische Stabreimdichtung in der 8. Klasse, mit Tolkien

Ich mag ja bekanntliche germanische Mythologie und Literatur ein bisschen (Blogeintrag). Und seit ich – via Stephen Fry – anlässlich einer Lehrerkonferenz festgestellt habe, wie leicht einem germanische Stabreim-Langzeilen von der Hand gehen (Blogeintrag), wollte ich das auch mal mit Schülern probieren. Und das habe ich jetzt in der 8. Klasse gemacht. Ausgangspunkt war Fangorns Lied aus dem Herrn der Ringe – Buch 3, Kapitel 4. Das ist ein Lied, das alle Ents kennen und in dem alle Lebewesen aufgezählt werden, allen voran die vier freien Völker, Menschen, Elben, Zwerge und Ents: Learn now the Lore of Living Creatures! First … Continue reading „Germanische Stabreimdichtung in der 8. Klasse, mit Tolkien“

Laienhafte Notizen zu germanischer Dichtung (mit Weltende)

Ja, die Germanen. Eine völkerwandernde Gruppe von Sprechern verwandter indoeuropäischer Dialekte. Grob kann man die Dialektgruppen Nordgermanisch (die Nachfolger davon in Skandinavien und Island), Ostgermanisch (Gotisch gehört dazu, Nachfolger gibt es keine mehr) und Westgermanisch (Althochdeutsch, Altenglisch, Altniederdeutsch/Altsächsisch) unterscheiden; es gibt natürlich noch weitere Klassifizierungen. Die Germanen auf dem Großteil des Kontinents, also die Sprecher westgermanische Dialekte, hinterließen nicht viele schriftliche Zeugnisse. Ein paar Namen sind noch da: Donar, der Donnergott, nach dem der Donnerstag benannt ist; Wodan/Wotan, auf den Wednesday zurückgeht. (Auch die meisten anderen Wochentagsbezeichnungen gehen auf germanische Götter zurück – die Germanen übernahmen die 7-Tage-Woche von den … Continue reading „Laienhafte Notizen zu germanischer Dichtung (mit Weltende)“

Mein liebstes Schulbuch

Im Halbtagsblog macht sich Jan-Martin Gedanken um alte und neue Schulbücher, vor allem bei Mathematik. In Gleich 8 bei Herrn Schwarzmüller gibt es eine Diskussion um digitale Schulbücher – am besten von Lehrern unter CC-Lizenz geschrieben. Unbedingt! Wenn es da das richtige Format gibt, mache ich gerne mit. Ich suche ja selber noch nach einem Format, um meine Ideen zu sammeln. Vorerst allerdings mein liebstes Schulbuch: Lesebuch A (Gymnasium) Oberstufe. Lyrik. Ernst Klett Verlag 1969. Das hatte ich in der 11. Klasse. Es ist ein Lesebuch und enthält Gedichte. Es gibt nur ganz wenig Zusatzmaterial: eine Seite Vorwort (die ich … Continue reading „Mein liebstes Schulbuch“

Expressionistische Gedichte, gefälscht

Zwischendurch gemacht in der Q12: Jeder Schüler sollte ein Gedicht schreiben, das – für Mitschüler – möglichst nicht von einem echten expressionistischen Gedicht zu unterscheiden war. Danach sollten die Gedichte bei Moodle hochgeladen werden, wo ich sie dann zusammenstellen und eine Abstimmung darüber anlegen würde. Und so geschah es auch: letztlich schafften es dreizehn der anwesenden Schüler, ihr Gedicht pünktlich abzuliefern; ich legte selber noch ein nachgemachtes Gedicht von mir dazu (im Unterricht entstanden) und ließ den Parallelkurs abstimmten, welches unter den Gedicht das angeblich echte sei. Erstaunlicherweise verteilten sich ein Großteil der Stimmen auf genau zwei Gedichte, und meines … Continue reading „Expressionistische Gedichte, gefälscht“

Trochäische Vierheber

Metrik in der 6. Klasse: 1. Erst mal das Zählen von Silben üben. Was ist eine Silbe, was ist keine? Das Wort „Abend“ hat zwei Silben, auch wenn man in der Silbentrennung nicht „A-bend“ schreiben darf. 2. Das Unterscheiden von betonten und unbetonten Silben üben. Jede Silbe ist im Deutschen eher mehr oder eher weniger betont. (Das ist nicht in allen Sprachen so.) 3. In vielen Gedichten gibt es als Gerüst eine ziemlich regelmäßige Verteilung von betonten und unbetonten Silben. Diese Verteilung heißt Metrum. An Beispielen üben. Noch nichts von Jambus oder Trochäus sagen, keine Taktstriche machen. Das sieht dann … Continue reading „Trochäische Vierheber“

Vom Weben (Poverty Knock und anderes)

Das Lied habe ich anno 1997 oder 1998 als Referendar in Straubing im Englischunterricht eingesetzt. (Green Line 5, Ausgabe Bayern, 9. Klasse, Unit 2: ein schönes Kapitel mit gutem Material. Zum Einstieg etwas Landschaftsmaleri, ein ländlicher Constable und eine „British Steel Mill at night“ eines unbekannten Künstlers, ein Essay „Down the Mine“ von George Orwell und ein Ausschnitt aus Hard Times von Charles Dickens. Und „Dirty Old Town“ zum Anhören.) Aus den Charts kannten die Schüler damals Chumbawamba mit „Tubthumping“ („I get knocked down/But I get up again“); ich hatte selber ihre Platte mit English Rebel Songs 1381-1914. Alle Lieder … Continue reading „Vom Weben (Poverty Knock und anderes)“

Gottfried Benn, Nachtcafé

Eines der Gedichte von Gottfried Benn, das ich immer wieder gern mit Schülern mache. Kann man gut Metonymien mit üben. So fängt es an: Nachtcafé 824: Der Frauen Liebe und Leben. Das Cello trinkt rasch mal. Die Flöte rülpst tief drei Takte lang: das schöne Abendbrot. Die Trommel liest den Kriminalroman zu Ende. Grüne Zähne, Pickel im Gesicht winkt einer Lidrandentzündung. Fett im Haar spricht zu offenem Mund mit Rachenmandel Glaube Liebe Hoffnung um den Hals. Junger Kropf ist Sattelnase gut. Er bezahlt für sie drei Biere. Bartflechte kauft Nelken, Doppelkinn zu erweichen. Der Vorschlag, das ganze doch unter dem … Continue reading „Gottfried Benn, Nachtcafé“

Parabeln

Meine Parabelsequenz sieht meist so aus, dass ich mit einem biblischen Gleichnis beginne, am besten mit dem Gleichnis vom verlorenen Schaf: Es nahten aber zu ihm allerlei Zöllner und Sünder, daß sie ihn hörten. Und die Pharisäer und Schriftgelehrten murrten und sprachen: „Dieser nimmt die Sünder an und isset mit ihnen.“ Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach: Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat und, so er deren eines verliert, der nicht lasse die neunundneunzig in der Wüste und hingehe nach dem verlorenen, bis daß er’s finde? Und wenn er’s gefunden hat, so legt er’s … Continue reading „Parabeln“