Schöne Sachen machen einfach gemacht

Im Blog von Pascal Schiebenes habe ich einen Hinweis auf den Webdienst lumen5 gefunden. Ich war gleich bereit, mich darüber aufzuregen: Pascal zeigt, wie man mit dem Dienst einfach Text mit Bild- oder Videomaterial kombinieren kann, um einen Film, eine Art animierter Präsentation, zu erstellen. Pascals Beispiel ist das Gedicht „Inventur“ von Günter Eich:

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Ich war skeptisch, weil ich an ein anderes Werkzeug dachte, mit der man aus einem Wikipediabeitrag automatisch eine Präsentation erstellen kann. Minimale eigene Leistung, aber dafür ein enorm schick aussehendes Ergebnis.

Damit habe ich Pascal aber Unrecht getan und zu viel von lumen5 erwartet. Ja, man lädt einen Text hoch; ja, der wird automatisch in Absätze geteilt und deren Text auf Folien verteilt; und ja, die Webseite erstellt automatisch Musik dazu und sucht Bilder oder Videos aus. Allerdings steckt da, anders als ich eben gedacht hätte, noch keine nennenswerte KI dahinter. Dabei wäre es doch gar nicht so schwer, thematisch passende Bilder auszusuchen? Jedenfalls habe ich das also mal ausprobiert mit dem Gedicht „Das Karussell“ von Rainer Maria Rilke, manuell erstellt, aber in kurzer Zeit und ohne groß auf Schriftart und so zu achten:

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Erkenntnisse:

  • Wenn es richtig gut aussehen soll, muss man Schriftgröße und -position auf jeder Folie manuell anpassen. Ich habe mir die Mühe nur wenig gemacht.
  • Pro Vers eine Folie wäre zu viel, also muss man entscheiden, welche Verse man auf einer Folie gruppieren möchte: Das ist schon mal eine gewisse, auch interpretatorische Leistung.
  • Bei der Auswahl des Bildmaterials hilft die Automatik gar nichts. Ich war überrascht, wie viel Mühe ich mir bei der Auswahl des Bildmaterials gemacht habe, und hoffe, dass das auch für Schüler und Schülerinnen gilt, wenn ich das als Aufgabe stellen würde. Ich kann bei den meisten Bildern erklären, was ich mir dabei gedacht habe.
  • Da ist nichts, was man nicht auch mit jeder einfachen Video- oder gar nur Präsentationssoftware erstellen könnte, aber der Zugriff auf einen relativ großen Fundus an kostenlos (aber auch: kostenpflichtigen) verwendbaren Bilder und Videoschnipseln macht das Arbeiten schon sehr viel leichter.

Klar, Schüler und Schülerinnen müssten sich einen Account zulegen, und das kann und will ich nicht verlangen. Also doch mit Videoschnittsoftware arbeiten?

Mein ursprüngliches Problem war wohl: Es gibt viel Software, mit der man ohne viel Leistung toll aussehende Produkte erstellen kann. Eigentlich müssten das noch viel mehr solche Produkte werden, eben wenn die KI noch thematisch passende Bilder aussieht. Übersetzungen gehen schon automatisch. Prezi sieht schnell hübsch aus. Der Einsatz von Werkzeugen ist völlig in Ordnung, solange man nicht denkt, man hätte etwas geleistet, bloß weil das Ergebnis gut aussieht. Das ist nur die Illusion von Leistung. Eigentlich möchte ich ja schon, dass meine Schüler und Schülerinnen mit digitalen Werkzeugen umgehen können. Aber die wichtige Leistung liegt nicht darin. Eine Präsentation mit Pappschildern und Buntstifttext darauf kann besser sein.

(Nachtrag: Jetzt kann ich meinen Pi-hole wieder einschalten – lumen5 war in der Sperrliste drin, und ich habe noch nicht genug Grund, es da wieder rauszuholen.)

5 Antworten auf „Schöne Sachen machen einfach gemacht“

  1. Das ist so ein wunderschönes Video, ich hatte wirklich Gänsehaut (und bin Rilke-Fan).
    Wieder mal besten Dank für eine neue Unterrichtsidee und das Engagement, uns Neues nahezubringen, Herr Rau!

  2. @Frau Klugscheisser: H. stimmt zu. Pappschild und Buntstift passt auf jeden Fall besser zu Eich und zum Inhalt.
    H. sah und hörte Eich 1967 in Passau lesen. Großartig, immer noch in Erinnerung. Auf den Europäischen Festwochen.

  3. (Ich weiß gar nicht, ob ich das hier schon deutlich genug geschrieben habe, aber: Ja, natürlich, die Schüler und Schülerinnen sollen diese Pappschilder hochhalten, zur Schulzeit, außerhalb der Schule. Völlig wohl ist mir nicht dabei, es bleibt eine Form der politischen Einflussnahme außerhalb der herkömmlichen Wege. Aber es ist nötig.)

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