Wieder zuhaus, wieder zuhaus

1. Mebis

Unterricht, erste Januarwoche. Technisch läuft alles einwandfrei – Herr Mess schreibt Mebis reborn?, denn Mebis funktioniert schnell und zuverlässig; ich möchte es nicht missen. Solche Kurse, wie sie zu meinem Arbeiten passen, habe ich noch in keinem anderen Werkzeug gezeigt bekommen.

Söder (Ministerpräsident) mault an Mebis herum, Piazolo (Kultusminister) sagt… weiß ich gar nicht, ist ja auch egal. Die Tagesschau spricht von “Bildungsverbänden”, die Meinung haben – ich kenne nur Interessenverbände mit spezifischen Interessen (mehr Technik, weniger Kultur, mehr Geld, weniger Geld), keinen davon würde ich Bildungsverband nennen.

Mebis sollte weiter ergänzt werden um eine brauchbare App, und Mebis reicht mir als alleiniges Werkzeuge für die Schule zuhause nicht aus. Ich will Videokonferenzen machen, mehr oder weniger häufig, sicher nicht in 1:1‑Abbildung meines Stundenplans. Und ich will – aber so weit sind die Schüler und Schülerinnen noch nicht – gemeinsam an Dokumenten arbeiten (lassen). Dafür braucht es weitere Werkzeuge, und das BigBlueButton unseres Landkreises läuft ebenfalls stabil. Nur die Internetverbindungen zuhause, die sind manchmal noch etwas wackelig.

2. Schnelle Umfragen in BBB

In diesem Thread habe ich schöne Anregungen zum Einsatz von BBB gefunden:

Das heißt: Ich beginne mit einer weißen Fläche, lasse die Schüler und Schülerinnen sich ein bisschen beim Malen daraus austoben und schalte dann weiter zur nächsten Folie, die etwa so aussieht:

Oder auch nur so:

Die Schüler und Schülerinnen bewegen ihren Mauszeiger irgendwo auf die Fläche, und dann sehe ich ihre Namen und die Position. Manche platzieren sich zögernd am Rand, manche zentral, auch eine Möglichkeit der Informationsübermittlung.

Ich habe zum Beispiel auch das gefragt, und zwar nicht bezogen speziell auf meinen Unterricht, sondern im Rückblick auf diese Woche:

Also mehr Videokonferenzen, weniger andere Aufgaben! Dieselbe Klasse bat aber dreißig Minuten später für den Tag der nächsten Unterrichtstunde um, uh, Reduzierung des Videounterrichts, weil sie so viele Videokonferenzen hätten. Aus solchen Gründe informiere ich mich gerne über die Wünsche meiner Schüler und Schülerinnen, mache meine Entscheidungen aber nicht allein davon abhängig.

Nur eine Mittelstufenklasse (nicht: Ober‑, Unterstufe) hatte Interesse an einer Gelegenheit, miteinander zu reden, ohne mich, einfach so, zum Austausch, wie er in der Schule sonst immer stattfindet. Also bot ich Breakout-/Chaträume an, auf die sich die Schüler und Schülerinnen aufteilen sollten. Auch hierzu quasi die Abstimmung in Form einer Platzierung, jeder merkt sich danach die Nummer des Raumes und geht in diesen:

Danach habe ich herausgefunden (indem ich gefragt habe), ob sie die Kamera angeschaltet hatten, und sie sagten, das hätten sie. Da schau an, nur beim Unterricht nicht! – Tatsächlich habe ich das auch nicht verlangt, mache ich nächste Woche vielleicht, aber ich komme gut zurecht, auch wenn ich niemanden sehe. Mich sehe ich ja, und für einen ganz leicht narzistisch veranlagten Menschen (nicht alle Blogger!) ist das immer eine schöne Sache. Die Unterstufe war schon von anderen Lehrkräften dazu gebracht worden, die Kamera meist anzuhaben, und das war auch schön. So viel Nase und Kinn habe ich lange nicht mehr gesehen.

3. Und was machen die anderen?

Apropos die anderen Lehrkräfte: Von meiner Schule kriege ich nicht viel mit. Pro Tag vielleicht ein Telefonanruf, und nicht mal jeden Tag einer, und ein oder zwei Textnachrichten pro Tag. (Also, mit Fragen; formal dienstliche Kommunikation gibt es daneben schon auch.) Ich vermisse die vielen Kontakte werden der letzten Schulschließungsphase.

Ich habe ja Twitter und kriege da mit, was andere machen. Aber der Rest? Haben die alle WhatsApp-Selbsthilfegruppen? Mindestens eine Lehrkraft am Telefon klang durchaus so, als freute sie sich, mal überhaupt mit jemandem aus dem Kollegium zu reden. Dabei könnten wir Stammtische einrichten bei wonder.me, in unserem Schulcloud-Chat, oder auch über BBB. Ich will mich aber nicht vordrängeln beim Initiieren, und vielleicht braucht das ja auch niemand, weil die alle genug mit Familie der zu tun haben. Oder die laden mich alle einfach nicht dazu ein?

Bücher aufräumen

Ich bin jetzt auch schon 53, immer mehr Verwandte sind immer öfter im Krankenhaus. Ein Kollege an der Uni starb in den letzten Monaten; eine Kollegin an der Schule. Ich bin ein bisschen niedergeschlagen, lese wenig, blogge wenig. Und das Handgelenk tut mir weg. Habe schon Sehnenscheidenentzündug und Karpaltunnelsyndrom gegoogelt, klingt nicht danach; mehr googeln will ich nicht.

Ich ziehe um, nur ein bisschen. Das ist Anlass, auszumisten, zu entrümpeln, wie manche Leute bei Lehrplänen gerne sagen. Ich habe jetzt nur noch vier Papier-Ordner mit Schulmaterial, davon 2 1/2 mit Unterlagen aus meinem Informatikstudium. Die alten Uni-Ordner bleiben unangetastet; Kontoauszüge und Bezügemitteilung kriege ich schon lange digital – die alten (März 1996) sind bereits digitalisiert, müssen jetzt nur noch vernichtet werden. Schulmaterial und Schulbücher habe ich noch zu viele, und dann sind da die anderen Bücher.

Im Moment wächst ein großer Stapel Bücher (deutsch, englisch) auf einem kleinen Schrank im Wohnzimmer. Zwei große Pakete sind schon hinaus an interessierte Kreise. Der Rest kommt zu Oxfam, einige Bücher kommen zum Altpapier. Bei den CDs und DVDs muss ich vielleicht doch mal dieses Momox ausprobieren.

Hier ist eine besonders schöne Lücke entstanden:

Da war mal eine Serie, 80 Taschenbücher, die jetzt in bessere Hände kommen. Ich habe den Vergleich schon einmal gebracht: So wie man – in amerikanischen Fernsehserien – Kinder über den Tod eines Haustiers mit der frommen Lüge täuscht, das Haustier sei auf eine Farm gebracht worden, wo es es jetzt viel besser habe – nun, sagen wir, die Farm hat auch eine Bibliothek, und die Leute auf der Farm freuen sich jetzt über die vielen Bücher.

Tatsächlich kommen die 80 Bände nicht auf die Farm, sondern werden für, uh, wissenschaftliche Experimente zur Verfügung gestellt. Die Forschung interessiert dafür, will sie scannen, und dazu wahrscheinlich aufschneiden. Ist in Ordnung. Godspeed.

Ich finde das tatsächlich in Ordnung. Ja, wenn ich einen Bauernhof hätte, und eine übrige Scheune, vielleicht, da würde ich wahrscheinlich alle Bücher aufheben. Und alle angefangenen Serien zu Ende sammeln. Und alle Serien sammeln, die ich noch nicht zu sammeln angefangen habe. Aber so oder so ist mir ist seit 25 Jahren klar, dass das im doppelten Sinn varnde guot sind, irdische, vergängliche Güter – nicht nur ich kann sie nicht mitnehmen nach meinem Tod und muss sie zurücklassen, auch niemand anderes wird sie nach meinem Tod haben wollen. (Ein Freund war quasi Zeuge, wie Wolfgang Jeschkes Stadel voller Bücher nach dessen Tod aufgelöst wurde. Man möchte seufzen.) Sie sind auf eine gewisse Weise, dem Wortsinn nach oder vielleicht auch nicht dem Wortsinn nach, wert-los.

Andererseits erinnere mich da an eine Zen-Parabel, oder war es doch aus dem Großen Buch der Kinderwitze? Ich weiß es nicht mehr, jedenfalls: “What is the most priceless thing in the world? A dead dog, because nobody can tell its value.” Im Original deutsch, englisch, übersetzt? Ich weiß wirklich nicht mehr, wo ich das her habe, und wüsste es gerne, weil auch Gedanken etwas sind, die ich gerne aufhebe und sortiere. (Nachtrag: Es war der Kopf einer toten Katze, kein Hund! Und damit findet man die Geschichte schnell.)

Vom zwanghaften Horten bin ich noch entfernt, möchte aber nicht verschweigen, dass in meinem Zimmer etwa 28 Kartons mit Comics versteckt sind. Es könnten ein oder zwei mehr sein, ich habe Angst, unter mein Bett zu schauen.

Gerade bei Momox getestet, wieviel meine Sachen wert sind: Schwankt so zwischen 15 Cent und “Diesen Artikel kaufen wir aktuell leider nicht an” – lauter tote Hunde. Aber gut, vieles hat gar keinen Barcode, der sich einscannen ließe.

Bücher 2020

Meine gelesenen Bücher 2020, viele davon in den ersten Monaten des Jahres. Danach habe ich immer wieder wochenlang kein Buch gelesen, und dann auch nur eher dünne Pflichtsachen. So wenig wie vielleicht nie in meinem Leben? (In den letzten 20 Jahren habe ich nur 2015 weniger Bücher gelesen.) Deshalb gibt es auch weniger Blogeinträge dazu als in den letzten Jahren. Ein paar Podcasts gemacht, aber auch nicht viele. Nur eine Ukulelenrunde.

8 Bücher von Frauen, 31 von Männern, Rest gemischt. Die Bücher mit ° habe ich wiedergelesen.

  1. Nat Love, The Life and Adventures of Nat Love, Better Known in the Cattle Country as “Deadwood Dick” by Himself
  2. Charles E. Funk, A Hog on Ice
  3. Jean Rhys, Wide Sargasso Sea
  4. Ali Smith, Autumn
  5. Wilhelm Hauff, Das Wirtshaus im Spessart°
  6. Richard von Volkmann-Leander, Träumereien an französischen Kaminen
  7. Wilhelm Hauff, Märchen-Almanach auf das Jahr 1826 für Söhne und Töchter gebildeter Stände (Die Karawane
  8. Eduard Mörike, Das Stuttgarter Hutzelmännlein
  9. Wolfgang Herrndorf, Tschick°
  10. Slightly Foxed No. 65
  11. Neil Gaiman, Coraline°
  12. Hugh Walker, Schwerter, Schemen und Schamanen°
  13. Hugh Walker, Stadt der Götter
  14. Conway/Guy, The Book of Numbers
  15. Kathrin Passig/Aleks Scholz, Handbuch für Zeitreisende
  16. Thomas Burnett Swann, Der letzte Minotaur°
  17. Slightly Foxed No. 66
  18. Matt Ruff, 88 Names
  19. Josephine Tey, The Daughter of Time
  20. Abraham Merritt, Schiff der Ischtar°
  21. Abraham Merritt, König der zwei Tode°
  22. Ben H. Winters, The Last Policeman
  23. Blake Snyder, Save the Cat!
  24. Lester Dent, Lady So Silent
  25. Spicy Mystery Stories February 1937
  26. The Black Mask May 1920
  27. Jane Austen, Emma°
  28. Shirley Jackson, Life Among the Savages
  29. Isak Dinesen, Last Tales
  30. J.L. Carr, How Steeple Sinderby Wanderers Won the F.A. Cup
  31. Jack London, The Scarlet Plague
  32. G. K. Chesterton, The Return of Don Quixote
  33. Sarah Caudwell, Thus Was Adonis Murdered
  34. G. K. Chesterton, Manalive
  35. Charles Portis, The Masters of Atlantis
  36. Robert E. Howard, Horde aus dem Morgenland°
  37. G. K. Chesterton, Magic
  38. J. G. Farrell, The Siege of Krishnapur
  39. Slightly Foxed No. 67
  40. Alina Bronsky, Der Zopf meiner Großmutter
  41. Slightly Foxed No. 68
  42. John Jakes, Tolle Tage in Atlantis°
  43. Clemens J. Setz, Die Bienen und das Unsichtbare
  44. Éric Vuillard, Die Tagesordnung

Jahresrückblick 2020

Gleich am ersten Tag des Jahres fuhr ich mit Frau Rau mit dem Zug nach Venedig. Das war sehr schön. Unbeschwert, wie oft und vieles. Frau Rau konnte zwar schon keine Tageswanderungen mehr unternehmen, und joggen auch nicht, aber das Spazierengehen mit gelegentlichem Vaporetto ging noch sehr gut.

In Venedig entstand die Idee, dass ich doch mal ein Sabbatjahr einlegen konnte. Es schien rückblickend offensichtlich, aber tatsächlich hatte ich das nie in Erwägung gezogen. Zuhause erkundigte ich mich und beantragte und dann wurde das genehmigt.

Ende Januar gab es eine neue Diagnose für die Hüftschmerzen von Frau Rau, und im März entschied sie sich zu einer Operation. Mit Warteliste und Vorstellungsterminen dauerte es bis Ende Oktober, bis das künstliche Hüftgelenk eingesetzt war. Soweit läuft alles gut ab.

Nicht ganz so gut sieht es mit meinem Vater aus. Oberschenkelhalsbruch, letztes Jahr, und nach einer nicht sehr gelungen Erstoperation gab es eine zweite Operation, die ebenfalls nicht sehr sauber ausgeführt wurde. (Das Krankenhaus machte auch insgesamt einen schlechten Eindruck, obwohl das nichts über die Qualität der Operationen aussagen muss.) Aktuell liegt mein Vater nach der dritten Operation in der Rehaklinik, unbesuchbar wegen Corona; und wenn alles gut geht, ist er nach einer vierten Operation dann wieder auf den Beinen. Ich weiß nicht, wie es ihm wirklich geht, und mache mir große Sorgen. Die meiste Zeit meines Lebens habe ich meine Eltern, die beide noch leben und beide alt sind, als selbstverständlich und gegeben hingenommen. Erst als meine Mutter vor vierzehn Jahren an Krebs erkrankte, verstand ich, dass das nicht immer so weitergehen würde. Meine Eltern sind deutlich über achtzig Jahre als und beide so großartig, dass ich das einmal in einem eigenen Blogeintrag ausführlich erklären muss.

Währenddessen Corona, und Schule zu Hause. Alles schrecklich, aber auch aufregend. Es war spannend, ernüchternd, frustrierend und gelegentlich erfreulich, was da im Schulsystem geschah.

Richtig frustrierend wurde es erst im Spätsommer. Die Schule begann regulär, und die Regelungen der Regierung sahen vor, dass ab einem 7‑Tage-Inzidenzwert Maskenpflicht im Unterricht gelten würde, und strengere Maßnahmen bei noch höheren Werten. Ach, was haben wir gelacht. Bei uns haben etliche Lehrer und Lehrerinnen, aber nicht alle, ab dem 50er-Wert auf Masken bestanden auch ohne dass eine offizielle Ansage kam. Die kam dann auch nicht, “wird schon gut gehen” hieß es bei den Schulen, und wenn die einst getroffenen Regeln anderswo ebenso schnell ignoriert wurden, ist es kein Wunder, dass die zweite Welle in den ersten Oktobertagen begann und es lange dauerte, bevor die ersten Maßnahmen ergriffen wurden. Hätte man mal früher.

(Dazwischen, in den Sommerferien. mit dem Zug nach Frankfurt und Bremen, Urlaub machen und Menschen besuchen. Zum letzten Mal geflogen März 2019.)

Mir geht es gut, Frau Rau auch, und uns beiden zusammen geht es auch gut. Wir haben einander und sind vom Temperament her so gut vorbereitet auf ein Leben in der Wohnung, wie es eben geht. Aber ich neige dazu, mich noch mehr zu verkriechen als sonst.

Dabei ist meine Welt voller guter Menschen. Die Freunde aus meiner Schulzeit, die außerschulischen Freunde meiner Teenagerjahre, die Freunde aus meinen frühen Zwanzigern, die Freunde aus meinen späten Zwanzigern – zu den meisten habe ich keinen Kontakt gehalten. Ich habe wirklich ganz bezaubernde Neffen und Nichten (und Brüder und Schwiegerfamilie), und – weiter entfernt lebend – etliche Cousins und Cousinen. Und melde mich sehr wenig bei ihnen. Ich denke viel an sie (und an andere), das reicht mir eigentlich, aber wenn ich diese Kontakt auf Dauer aufrechterhalten möchte, muss ich mich vielleicht mehr anstrengen.

Wie ich Mebis nutze, Beispiel

(Als Nachtrag zum gestrigen Eintrag.)

Das ist ein Beispiele dafür, wie manche meiner Mebiskurse aussehen:

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Ich habe solche Kurse für etliche Fächer/Jahrgangsstufen, aber noch nicht alle. Für die Oberstufe habe ich schon je Fach 1 Kurs, den ich Jahr für Jahr wiederverwende und verbessere. Böse betrachtet sind das Materialdumps, positiver: Schulbuch-Ergänzungen. Ich nehme auch nicht jedes Jahr alles Material aus dem Kurs her, sondern wähle aus.

Für die anderen Jahrgangsstufen… im Moment haben wir Klassenkurse, so dass ich mich in meinem Klassenkurs in meinem Abschnitt mit drei, vier Unterabschnitten ausbreite. Mittelfristig hätte ich gerne, sagen wir, einen Englischkurs für meine Unter- und Mittelstufe, mit geteiltem Material, das von der konkreten Jahrgangsstufe unabhängig ist. Sonst müsste ich ja ständig doppeln. Das wird dann urheberrechtlich ein bisschen knifflig, weil ich geschütztes Material ja immer nur mit einer Klasse teilen darf – dreimal in drei Kursen hochladen wäre kein Problem; einmal in einem Kurs mit drei Klassen drin am Ende vielleicht schon, aber das ist keine aktuelle Sorge.

Könnte ich mir das lehrkräfteübergreifend vorstellen, also einen gemeinsamen Englisch-Kurs für Lehrkräfte und Schüler und Schülerinnen einer Schule? Nur in ferner Zukunft. Zumindest an meiner Schule sind die Ansprüche an Material zu unterschiedlich; ob das gut oder schlecht ist, kann man diskutieren. Manche von den Kollegen und Kolleginnen benutzen zum Beispiel Arbeitsblätter mit unterstrichenen Überschriften, was mit mir schon einmal gar nicht geht.

Eine andere Art, Mebis zu nutzen, sind Selbstlernkurse. Da nutze ich einen für das Fach Deutsch, das ist quasi meine Ablage für interaktive Übungen – extern eingebunden von learningapps.org, mit H5P, mit moodleeigenen Tests. Umfangreich, sortiert, aber nicht wirklich gewartet. Außerdem habe ich einen Tastschreib-Selbstlernkurs aus dem Pool an geteilten Mebiskursen importiert, da können Schüler und Schülerinnen relativ selbstständig arbeiten. Solche Kurse hätte ich gerne noch weitere, als Reserve und Zusatzmaterial, aber sie wären immer nur Ergänzung, nie mein Schwerpunkt.

Andere Lehrer und Lehrerinnen nutzen Mebis anders, oder werden Mebis anders nutzen, klar.

(Neben Mebis nutze ich noch unsere Schulcloud mit Office-Suite und BigBlueButton. Der Chat in unserer Cloud funktioniert, ist aber noch nicht freigegeben und wohl auch nicht nötig. Zur Not mache ich auch bei Discord mit, aber nichts Unterrichtliches. E‑Mail nutze ich sowieso, Jitsi ist Reserve.)

Mebis und Teams, Hin und Her, Unterricht und Lernen

Distanzunterricht und Distanzlernen

Am Wochenende verkündete die bayerische Regierung, am Mittwoch, Donnerstag und Freitag würde kein Unterricht in der Schule mehr stattfinden. Das kam nicht überraschend, so hatte ich das meinen Klassen in der Vorwoche angekündigt.

Dann führte – war es Montag? – der bayerische Kultusminister Piazolo in einer Pressekonferenz die de facto neu geschaffenen Begriffe Distanzunterricht und Distanzlernen ein, brachte sie aber selbst etwas durcheinander. Im Lehrerzimmer – es war die Mittagspause – sahen wir uns einen Teil davon live an und hatten wenig Respekt vor unserem Minister, aber vor welchem hatten wir das schon? (Gab es mal einen fähigen Kultusminister oder eine Kultusministerin? Oder ist das wie im Verkehrsministerium?) Gemeint war wohl: Abschlussklassen sollen eng betreut werden, prototypisch mit Videokonferenzen, Anwesenheitspflicht, neuem Stoff, Hausaufgaben, der Möglichkeit von Noten – das sollte fürderhin Distanzunterricht genannt werden. Die anderen Jahrgangsstufen sollten weniger eng betreut werden, zumindest in irgendeiner Form vage betreut und nicht allein gelassen genannt werden dürfen. Ohne neuen Stoff, ohne Anwesenheitspflicht, ohne Hausaufgaben, Noten – prototypisch mit Arbeitsblättern oder Aufgaben im Buch und der Gelegenheit für rasch beantwortete Rückfragen an die Lehrkraft.

Das sorgte für Irritationen bei den Schulen. Viele Lehrkräfte an weiterführenden Schulen hatten bereits Pläne, wie diese letzten drei Schultage in Distanzform sinnvoll gefüllt werden können, und fühlten diese durch Piazolo torpediert. Der Münchner Merkur titelte, nicht unberechtigt, “Piazolo verbietet Distanzunterricht”.

Am nächsten Tag hieß es, das sei ein Missverständnis und doch eigentlich eindeutig formuliert gewesen: verbindlichen Distanzunterricht solle es nicht geben für die anderen Jahrgangsstufen. Aber das war ungeschickt an die Eltern kommuniziert worden, kurzum: viele Pläne lösten sich in Luft auf.

Warum diese Unterscheidung? Vermutlich ging es darum, dass die meisten Jahrgangsstufen zu nichts gezwungen werden sollten, weil… die Lehrkräfte das nicht stemmen würden? Die Software zusammenbrechen würde? Die Eltern keinen Unterricht wollen würden? Ich weiß es nicht. Tatsache war wohl, dass viele Eltern und Schulen reagierten, dass sie sehr wohl noch gerne sinnvoll arbeiten würden in diesen drei Tagen.

Technische Probleme

Also ging es am Mittwoch los mit einem Durcheinander aus Anweisungen und Unklarheit. Mir machte das wenig aus, ich bin gewohnt, Anweisungen zu interpretieren und herauszufinden, welche ernst gemeint sind und welche nicht. (Ein Tipp für KMS etwa: Die Wörter “Tastschreiben” oder “Verkehrserziehung” sind Code für “bitte ignorieren”; so wie “Wie Sie alle wissen” Code ist ist für: “Ich weiß, das kommt jetzt etwas kurzfristig.”) Im Englischunterricht der Unter- und Mittelstufe werden so oder so Vokabeln gelernt – ob das als neuer Stoff zu deklarieren ist oder nicht, ist egal; das machen die Schüler und Schülerinnen ohnehin weitgehend selbstständig.

Und dann brach Mebis zusammen, die bayernweite Lernplattform. Anscheind – ich selber hatte meinen Unterricht so organisiert, dass ich nicht zu Mebis musste und am Vormittag auch nicht bei Mebis war. Ich nutze Mebis selten für synchrones Arbeiten, also Arbeiten, wo ich den Zeitpunkt festlege, der für alle gleich ist. Manche machen das aber anders, insbesondere diejenigen, die die Idee des Kultusministeriums wörtlich nehmen, eine Art “Weckruf” zu veranstalten – wo sich die Schüler und Schülerinnen persönlich aktiv zeigen, via E‑Mail, Telefonanruf, oder eben Häkchensetzen bei Mebis. Bei manchen Schularten ist das wahrscheinlich auch nötig. Bei meiner Schule nicht. (Das war sicher eine gut gemeinte Idee der Elternverbände, die ihre Kinder nicht aus dem Bett kriegen. Das Kultusministerium sah sich in der Position, die Idee aufgreifen zu müssen, gab sie mit möglichst viel Spielraum weiter, und der wird dann nicht genutzt.)

Jedenfalls: Enorm großer Unmut bei manchen enorm lauten Lehrkräften – anhand der üblichen Bruchstellen was Einstellung und Schulart und Lieblingssoftware betrifft. Zornige Beiträge im Forum der Mebis-Kontaktlehrkräfte. (Von den gleichen, die das auch im März schon so geschrieben haben, allerdings.) Und ein Kultusminister, von dem man schweigen möchte.

Mebis v. Teams

Die Hauptbruchlinie verläuft hier zwischen Mebis und Teams. Vernünftige Leute hätten gerne beides, oder die Möglichkeiten, die beides bietet. Mebis gibt es vom Kultusministerium, ist sehr mächtig (da ein Baukasten für interaktive Webseiten) und sehr umständlich, gut für langfristiges udn selbstständiges Arbeiten; Teams gibt es von Microsoft und gut für unmittelbares Arbeiten, das herkömmlichen Unterricht am besten abbildet.

So kann das nicht weitergehen!

Doch, kann es schon. Ob Mebis heute, gestern oder morgen zusammenbricht, ist egal. Ich habe, selbst wenn ich diese drei Tage voll den Weihnachtsferien zurechne, dieses Jahr alles in allem 1 Woche an Unterrichtstagen verloren. (Ein Jahr hat de facto 33 Schulwochen.) Das ist sehr viel weniger als in anderen Jahren. Ganz erstaunlich, wie viel geht ohne, ahem, Gruppenarbeit, Adventsfeier, Sportwoche. Klar geht viel verloren und ich möchte das nicht dauerhaft so haben – aber eine Weile halten wir schon noch aus. Dass wir immer noch nicht weiter sind, insgesamt, ist aber ein Vorwurf, dem sich das Kultusministerium stellen muss.

Strategie und Taktik

Zu denken: “Ich brauche XXX für meinen Unterricht, und zwar sofort” liegt mir fern. Zugegeben, ich tue mich leicht, finde schnell Auswege und improvisierte Lösungen und arbeite mit relativ selbstständigen Gymnasiast:innen. An anderen Schularten oder mit weniger Erfahrung mögen die akuten Probleme drängender sein – obwohl ich mir schon bei manchen Beiträgen auf Twitter oder im Forum denke, dass sich einige schon arg umständlich anstellen. Dezemberstress; ich litt jedenfalls darunter.

Den Wunsch nach einer sofortigen maximalen Lösung für mein Kind verstehe ich aus Elternsicht. Und damit muss die Schule und das Kultusministerium umgehen, das berücksichtigen. Mein eigener Wunsch aus Sicht als Lehrkraft ist der nach einer langfristigen Lösung. Und da habe ich noch genug Atem zu warten.

Wie ich mir Unterricht vorstelle

Was hätte ich denn gerne an langfristiger Lösung? Ah, das ist der Knackpunkt. Ich weiß es selber nicht sicher. Ich möchte nicht zurück zum herkömmlichen Unterricht – so toll war der bayernweit auch nicht. Er war und ist okay, die Schüler:innen haben es warm, haben das wichtigste, Kontakt zu Gleichaltrigen, ab und an fordernden Input, und sie lernen schon auch was. Aber so richtig effektiv genutzt ist die Zeit an der Schule auch nicht immer. Wie gesagt, okay.

Ich möchte deshalb auch nicht den bisherigen Unterricht möglichst genau auf Distanzunterricht abbilden. Ich hätte gerne für meine Schüler und Schülerinnen mehr Phasen der Selbstständigkeit und der Eigenverantwortung. Davon redet man gerne, aber praktisch und formal gibt es das kaum. Mit abwechselnd 1 Woche Arbeit zuhause und 1 Woche in der Schule könnte ich mir besseren Unterricht vorstellen – für viele meiner Schüler und Schülerinnen. Aber es ist ja nicht einmal Freiarbeit vorgesehen im System.

(Zuvor hätte ich gerne gesellschaftlichen Konsens darüber, wie viel Kinder zu Hause arbeiten sollen- wenn Ganztagschule, dann nicht; wenn Halbtagsschule, dann schon. Die Halbtagsschule bevorteilt die Schüler:innen mit guter Arbeitssituation – ein eigenes Zimmer, eigener Computer, schnelles Internet, Bücher zuhause und Leute, die man fragen kann.)

Meine Lieblingsstunde war einmal so, dass ich in den Computerraum kam, wo jemand ausnahmsweise den Schülern und Schülerinnen bereits aufgesperrt hatte, so dass sie bereits vor den Rechner saßen. Einer von ihnen wollte etwas von mir, ich klärte das, und nach einiger Zeit erst holte ich das tatsächlich vergessene “Guten Morgen zusammen” nach, worauf wieder alle vor sich hin arbeiteten. Sie brauchten mich nicht. Da will ich hin. Ob das mit gleichem Lehrplan für alle geschieht (und demnach der Vorgabe etwas zu lernen, auf das man im Moment keine Lust hat) oder nicht: zu klären.

(Heute lief Mebis problemlos bei mir, aber ich brauchte es auch nicht viel. Hauptsächlich Videotreffen mit der 10., also Distanzlernen mit Videounterstützung.)

Lesen dazu:

Schon wieder Wochenende, und über die Aktualität mancher Inhalte des Deutschunterrichts

Die Tage vergehen einer um den anderen und sie sind kaum unterscheidbar vor lauter Neuigkeiten; jeder Tag ist ein neuer Tag, an dem ich murmeltierig mit müden Augen aufstehe, einen Milchkaffee kriege (ganz schlimm ist ja nicht alles), in die Schule tappse, Unterricht halte, nach Hause fahre, korrigiere und vorbereite und Nachrichten lese, koche und esse, einschlafe. Nur die Wochenenden sind a bissel anders, aber weniger als man meint. Ich habe mir zu viel vorgenommen dieses Halbjahr – Praktikum betreuen, Vorlesung halten, anderer Kram, aber eben auch noch Corona und Hilfe im Kollegium. Heute habe ich etwas vergessen (aber sechs Stunden Unterricht am Stück sind auch nicht förderlich), wodurch ich einem Kollegen zusätzliche Arbeit mache. Das ärgert mich.

Am Sonntag und Montag entnahmen wir der Presse, dass es ab Mittwoch ab der 8. Jahrgangsstufe mit Ausnahme zumindest der 12. Jahrgangsstufen geteilten Unterricht geben muss. Ob damit auch die 11. Klassen gemeint sein würden – Grund zur Unklarheit war gegeben -, erfuhren wir erst am Dienstag. (Ja.) Auch erst am Dienstag erfuhren wir, dass in diesen geteilten Jahrgangsstufen keine schriftlichen Leistungserhebungen mehr stattfinden dürfen. Wildes Herumklären, ob das auch für Nachholprüfungen einzelner Schüler oder Schülerinnen gelten würde. Keine Klärung, deshalb entschied das wohl jede Schule anders. Nach Anfragen beim Hauptpersonalrat, der das Problem zuerst anscheinend nicht begriffen hatte, hieß es dann: Ja, ne, das ginge schon, ein KMS dazu würde wohl nicht mehr kommen, aber das würde sich ja herumsprechen. Ein bisschen spät.

Im Moment warten wir, ob am Montag Unterricht in der Schule sein wird oder nicht. Mit der heutigen Hälfte meiner 8. Klasse bin ich so verblieben: Also, wenn die andere Hälfte am Montag da ist, macht ihr folgende Aufgabe stattdessen; wenn alle zuhause bleiben, treffen wir uns zur Videostunde. Wir bleiben flexibel, und es geht schon irgendwie, aber es wäre schöner, das vorher zu wissen. (Die so schön gesunkenen Landkreiszahlen gehen wieder herauf, gerade kam die Meldung, dass wir wieder über 200 sind, was gestern noch Distanzunterricht bedeutete – wir schauen, was das Wochenende bringt.)

In meinem Deutschkurs ist die Flitterwochenzeit vorbei: Es gab die Klausurnote, und da werden immer wieder Erwartungen enttäuscht. Danach haben wir den Osterspaziergang aus Faust zu Ende gelesen; darin wird Fausts Vorgeschichte erzählt: als junger Mann half er seinem Vater, ein Mittel gegen die grassierende Pest zu finden, experimentierte ruhelos mit Arzneien und wird dafür heute noch vom Volk als Held und Helfer verehrt. Faust selbst zeichnet ein Bild von zügellosen Experimenten an Menschen – manche lebten, manche starben; er denkt ungern daran zurück und will sich nicht rühmen lassen dafür. Vermutlich zeichnet er ein zu düsteres Bild von sich. – Murnaus Verfilmung des Faust-Stoffes aus dem Jahr 1926 verschmilzt diese Vorgeschichte mit der späteren Handlung: Der Teufel bringt die Pest über die Stadt; die Menschen wenden sich hilfesuchend an Faust, der sich – selber völlig hilflos – von Wissenschaft und Religion abwendet und seine Bücher verbrennt. Da bekommt das “und weiß, das wir nichts wissen können” einen weit dramatischeren Anstrich. Das Buch der Magie, das ihm in die Hände fällt, verbrennt er nicht; er versucht es mit Geistebeschwörung. Allerdings nimmt er nicht den Umweg über den Erdgeist, sondern gerät gleich an Mephistopheles, vor dem er aber erst einmal ähnlich zurückschreckt wie vor ersterem bei Goethe.

Diese zehn Minuten habe ich dem Kurs dann gezeigt, und das hat mich deprimiert. Mit der Pest in der Stadt werfen sich die einen Bürger auf die Religion, die anderen feiern wilde Feste in den Straßen, ein barockes Endzeitmotiv aufgreifend – und Faust verabreicht einer Patientin ein Medikament, das dann doch nicht vor dem Tod bewahrt, ihn vielleicht sogar beschleunigt.

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Da war ich natürlich gleich bei Corona, Corona-Parties, Impfstoffen. Das war richtig aktuell, und gut gemacht obendrein, ist ja auch ein Stummfilmklassiker.

Den “Schimmelreiter” könnte man auch mal wieder lesen: Ein Ingenieur vertraut auf die Wissenschaft, um Menschen vor der stets drohenden Überflutungskatastrophe zu schützen, scheitert aber am Irr- und Aberglauben der Umwelt. Schon wieder Corona, überall: Drosten als Deichgraf.

Am Mittwoch Angela Merkel auf einen Zwischenruf:

“Ich glaube an die Kraft der Aufklärung. Dass Europa heute dort steht, wo es steht, hat es der Aufklärung zu verdanken, dem Glauben daran, dass es wissenschaftliche Erkenntnisse gibt, die real sind und an die man sich besser halten sollte.” Sie habe Physik studiert, weil sie “ganz sicher war, dass man vieles außer Kraft setzen kann, aber die Schwerkraft nicht, die Lichtgeschwindigkeit nicht.”

Weiß schon, Dialektik der Aufklärung und so, aber sie spricht mir aus der Seele. Deswegen kann ich mit dem radikalen Konstruktivismus, der mir aus der eher philologisch denn naturwissenschaftlich geprägten Twitter-Avantgarde gelegentlich entgegenschwappt, wenig anfangen.

Coronazahlen im Landkreis

Ich schreibe die vom Landkreis-Gesundheitsamt gemeldeten 7‑Tage-Inzidenzwerte brav mit (irgendetwas muss man ja tun). Die Zahlen unterscheiden sich immer etwas von den RKI-Zahlen, deshalb sind sie nicht unmittelbar vergleichbar. Im Moment sehen sie so aus:

Die erste farbige Markierung gibt an, ab wann wir nur halbe Klassenstärke hatten. Das war zwei Wochen vor den Herbstferien, und galt auch nur für diese zwei Wochen. Erst ab da waren Masken verpflichtend, wir trugen sie schon schulweit zwei Wochen zuvor, als die Werte über 50 lagen – so hieß damals die Regel, auch wenn das damals schon ignoriert flexibel ausgelegt wurde. Da waren wir schon besorgt.

Die zweite farbige Markierung gibt die ersten formalen Einschränkungen an. (Schulen de facto unbetroffen, ab und zu ein Fall und Quarantäne, keine Teilungen, Masken weiterhin.) So deutlich, wie ich es gerne hätte, gehen die Zahlen nicht herunter, aber immerhin.

(Korrelation, Kausalität, Testhäufigkeit, weiß schon.)

Distichen in der Q11

Das Distichon ist eine Versform, die aus einem Hexameter und einem Pentameter besteht. Ein Hexameter besteht im Deutschen aus sechs Daktylen, wobei die ersten vier davon auch um eine unbetonte Silbe verkürzt sein können, sie können also durch Trochäen ersetzt werden. Ein Pentameter ist ebenfalls sechshebig, dem Namen zu trotz, er besteht aus zwei Daktylen, dann einem arg verkürzten Daktylus, nämlich einer einzigen betonten Silbe, gefolgt von drei Daktylen.

Goethe hat in den römischen Elegien Distichen geschrieben, hier ein Auszug:

Ich befolge den Rat, durchblättre die Werke der Alten
Mit geschäftiger Hand täglich mit neuem Genuss.
Aber die Nächte hindurch hält Amor mich anders beschäftigt;
Werd ich auch halb nur gelehrt, bin ich doch doppelt vergnügt.
Und belehr ich mich nicht? wenn ich des lieblichen Busens
Formen spähe, die Hand leite die Hüften hinab.
Dann versteh ich erst recht den Marmor, ich denk’ und vergleiche,
Sehe mit fühlendem Aug’, fühle mit sehender Hand.

Oder:

Lass dich, Geliebte, nicht reun, dass du mir so schnell dich ergeben!
Glaub es, ich denke nicht frech, denke nicht niedrig von dir.
Vielfach wirken die Pfeile des Amors: einige ritzen,
Und vom schleichenden Gift kranket auf Jahre das Herz.
Aber mächtig befiedert, mit frisch geschliffener Schärfe
Dringen die andern ins Mark, zünden behende das Blut.

Nun ja, Goethe. Man sieht im gedanklichen Aufbau der Verse auch die grundsätzliche Zweiversigkeit. – Die Form führt dazu, dass der erste Vers des Distichons einen flotten daktylischen Rhythmus hat und der zweite Vers in der Mitte dramatisch pausiert, weil zwei betonte Silben direkt aufeinander folgen. Goethe und Schiller beschreiben das in einem Distichon so:

Im Hexameter steigt des Springquells silberne Säule,
Im Pentameter drauf fällt sie melodisch herab.

Parodiert von Matthias Claudius:

Im Hexameter zieht der ästhetische Dudelsack Wind ein;
Im Pentameter drauf lässt er ihn wieder heraus.

Distichen werden gerne für kluge Sprüche verwendet. Hier zwei von mir, das Verhältnis von Sturm und Drang und Klassik illustrierend:

Stürmische drängende Haare, sie tun stets nur das, was sie wollen.
Nur die Fönfrisur drauf hält sie gewaltsam in Form.

Klassisch geschnittene Haare jedoch, sie fallen und liegen
Anmutig würdevoll da, schüttelt das Haupt man im Schwunge.

Einmal habe ich unvorsichtigen Gastgebern das Gästebuch mit einem dutzend holpriger Distichen vollgemacht, nun ja. Wann hat man schon Gelegenheit dazu?

Und so musste auch meine Q11 Distichen verfassen:

Zweitausendzwanzig, ein Jahr, das bisher noch nicht ganz so gut laufet,
hat uns Corona und auch, alle durch’nander gebracht.

Eine große Entscheidung wird der November uns bringen –
Wird Präsident denn der Trump, dann sind wir alle verdammt.

Dieses feine Homeoffice, bringt uns die Bildung nach Bayern;
Feiern die Drucker ihr Fest, geben der Tinte den Rest.

Mathe in der letzten Stunde soll Schüler noch sinnvoll belehren
Regeln wie diese verfasst bringen am Ende nur Last.

Werke verfassend warn Goethe und Schiller begnadete Köpfe
Könnt ich sie heut nur verstehn Xenien wärn gar kein Problem.

Helfend beim Kochen ist doch des Gerichtes gute Rezepte;
Schmecken wird freilich das Mahl, fühlt doch auch keiner die Qual.

Corona wütet in unserer Welt und wir Menschen sind panisch
Masken schützen uns nur, wenn wir sie richtig tragen

Der goldene Oktober, der schönste Monat des Jahres
Zugvögel fliegen nun fort, die Blätter färben sich rot.

Viele schwere Lasten sind uns dank Covid bescheret
Ist es denn wirklich so schwer, lernen wir dadurch nichts mehr?

Lasts uns von der Nordhalbkugel ins Warme jetzt fliehn;
Hier ist es kalt und nass, holt von daheim euch den Pass.

Die mutige Nachtwache sagte die weißen Wanderer sind da
Aber der Süden schaut weg und schlägt sich nur den Bauch voll.

Die Videokonferenzen dieser Woche

Informatik Q12

Ich halte es für schlecht, den gesamten Unterricht auf Video abbilden zu wollen: Ich halte es für unzumutbar, so viele Stunden vor dem Bildschirm sitzen zu müssen; und pädagogisch möchte ich, dass meine Schüler und Schülerinnen selbstständiger werden und ohne unmittelbare Kontrolle und Führung zu arbeiten lernen. (Die gleichzeitige Übertragung von Unterricht aus der Schule, vor der einen Klassenhälfte, für eine andere Klassenhälfte zuhause, geht regelmäßig schon gleich gar nicht, auch wenn das oft gewünscht wird – aus oft wiederholten Gründen, auf Nachfrage gerne noch einmal.)

Aber zwischendurch selbstverständlich, und als Werkzeug unbedingt, und so habe ich die Gelegenheit genutzt, mit einem Informatik-Oberstufenkurs in Quarantäne am Mittwoch eine knappe Doppelstunde Videounterricht zu halten. Ich fand das produktiv. Das war weitgehend Frontalunterricht, fast schon Vorlesungscharakter, aber das bot sich inhaltlich auch an – Einstieg in ein neues Thema mit wenig Anbindung an das vorhergehende, nämliche parallele Prozesse. Hier die Präsentation:

Dazwischen gab es geteilten Bildschirm von mir, in dem ich Programme laufen ließ; Gelegenheit für Rückfragen; und am Ende einen Programmierauftrag, dessen Ergebnis dann ein Schüler über geteilten Bildschirm zeigt. Die Rückfragen kamen auch per Mikro, meist parallel im Chat; es waren nicht sehr viele. Die Präsentation hätte ich ebenso gut als Video machen können, und hätte das auch getan, wenn ich Zeit gehabt hätte.

Im herkömmlichen Unterricht ist es mir nicht egal, wenn Schüler oder Schülerinnen nicht zuhören. Dann warte ich auf Aufmerksamkeit, oder ermahne einzelne dazu. Im Videounterricht geht das nicht – wer da nicht aufpasst, hat Pech gehabt. Ist das am Ende ein Vorteil? Vermutlich sollte ich auch im herkömmlichen Unterricht niemanden zur Aufmerksamkeit anhalten – ich glaube, Schüler und Schülerinnen verlassen sich darauf, dass irgendetwas Wichtiges schon oft und laut genug wiederholt werden wird.

Ich war der einzige mit Bild. Das störte mich gar nicht, ist aber gerade häufig Diskussionsthema im Kollegium.

Vorlesung

Mittwochnachmittag dann Vorlesung, es sind aber nur 14 Studierende. Auch hier fast der einzige mit Bild, auch hier habe ich mich ganz daran gewöhnt. Ich muss dann halt mit weniger Feedback arbeiten, auch gut.

Elternsprechabend

Am Donnerstag Elternsprechtag. Heftige Diskussionen im Kollegium dazu; das andere Gymnasium am Ort lässt ihn einfach ausfallen. Bei uns gab es die Möglichkeit, dass Lehrkräfte entweder per Telefon erreichbar sind (und dann die angemeldeten Erziehungsberechtigten unter einer angegebenen Telefonnummer zum vereinbarten Zeitpunkt anrufen), oder dass Lehrkräfte per Videokonferenz erreichbar sind (dann müssen die angemeldeten Erziehungsberechtigten zum vereinbarten Zeitpunkt selbstständig der Konferenz beitreten).

Ich fand diese Doppelung ungeschickt, und tatsächlich sorgte sie auch für unnötige Verwirrung. Die Eltern sind fit genug für Videokonferenzen, und die Lehrkräfte werden schon nachziehen. :-) Manche Kollegen schwören auf Telefon, soll mir auch recht sein. Ich fand es aber schön, die Eltern zu sehen, und die sagten auch, sie freuten sich über diese Gespräche – aber gut, ich hatte ja nur die, die sich dafür entschieden hatten, per Video zu kommunizieren.

Diskussionspunkte im Kollegium: Virtueller Sprechabend zuhause (Privatgeräte nutzen, Bekanntgabe von Privattelefonnummern riskieren, Kosten für Telefonate in fremde Netze, eigene Familie lässt einem keine Ruhe im Arbeitszimmer, fremde Eltern sehen Arbeitsplatzhintergrund) gegenüber in der Schule (viele technische Probleme bei Hard- und Software). Ich war eher auf der Seite derjenigen, die nach Lösungen suchen, weniger auf der Seite derjenigen mit den Prinzipien. Aber ich finde es zuhause auch viel bequemer als im Schulgebäude.

Heftiges Thema auch hier das mit dem Bild oder Nichtbild. In der Realität dann völlig harmlos. Lauter Menschen überall, und ich meine das nicht als Kompliment.

Deutsch

Am Freitag dann noch eine kurze Doppelstunde mit einer Klasse, auch in Quarantäne. Da ging es schon auch um Deutsch, aber mir vor allem um das Erkunden der Konferenzsoftware, BigBlueButton. Die Schüler und Schülerinnen hatten schon etliche Videokonferenzen hinter sich diese Woche, aber niemand war je zum Präsentator befördert worden, um den anderen eigene Dateien zu zeigen. Also probierten wir das anlässlich der Hausaufgabe beziehungsweise der selbstständig erledigten Arbeit. Außerdem gab es Umfragen zwischendurch, und wir testeten die Gruppenarbeitsfunktion. (Ich kann als Moderator Gruppen manuell einteilen, oder zufällig verteilen, oder den Konferenzteilnehmenden erlauben, sich selbst in Gruppen einzutragen – in diesem Fall gibt es aber keine Obergrenzen für die Anzahl der Personen in einer Gruppe.) Nächste Woche dann wieder in Präsenz.