Einstieg in die Erörterung: Mit Liegestützen zum Bürgerentscheid

Ich habe ja oft genug geschrieben, dass ich mit der Erörterung hadere. Aber gut, auf ein Neues! Vor vier Wochen gab es einen Bürgerentscheid in München, abgestimmt wurde über folgende Frage: Sind Sie dafür, dass der Block 2 (Steinkohlekraftwerk) des Heizkraftwerks Nord bis spätestens 31.12.2022 stillgelegt wird? Zusammen mit den Unterlagen zum Bürgerentscheid kam ein kleines vierseitiges Heftchen, in dem die Vertreter des Bürgerentscheids auf der einen sowie der Stadtrat auf der anderen Seite Stellung zu dem Entscheid nahmen – Pro und Kontra, These und Antithese. Diese Texte lasen die Schülerinnen und Schüler und mussten sich danach ohne größere Diskussion … Continue reading "Einstieg in die Erörterung: Mit Liegestützen zum Bürgerentscheid"

Fleisch, Calliope, Eulenspiegel, Tempelritter

Über Calliope habe ich ja noch gar nicht geschrieben, glaube ich. Das ist schon seit einiger Zeit die letzte heißeste Sache in Schul-Microcomputern, und der Hype ist absolut gerechtfertigt. Ich habe ja in meinem Klassenzimmer eine magische Billiardkugel, die man umdrehen kann und die einem dann eine Orakelantwort auf eine Entscheidungsfrage gibt – Yes, No, Maybe, Not Sure und so weiter. Kleine und große Schüler greifen immer wieder mal zu dieser Kugel. Ich habe einfach eine Calliope danebengelegt, mit Batteriekästchen daran. Wenn man die Calliope schüttelt, piepst sie und gibt auf ihren 5×5 Leuchtdioden eine lesbare Laufschrift aus: Ja, Nein, … Continue reading "Fleisch, Calliope, Eulenspiegel, Tempelritter"

Informatikunterricht in Klasse 6

Heute sehr gerne Informatik in der 6. Klasse gegeben. Das ist nicht immer so. Wenn man gerade damit angeben will, dann hat Bayern in der 6. und 7. Jahrgangsstufe ein Pflichtfach Informatik (und darüber hinaus im naturwissenschaftlich-technologischen Zweig in 9 und 10, ab der aktuellen Reform auch in den anderen Zweigen). Tatsächlich gibt es in 6 und 7 aber das Fach Natur und Technik, mit jeweils einer Stunde Informatik darin, losgelöst von Biologie oder Physik, die jeweils den größeren Anteil des Fachs ausmachen. De facto ist das also ein einstündiges Fach Informatik, das lediglich aus kosmetischen Gründen nicht so heißt. … Continue reading "Informatikunterricht in Klasse 6"

Schul- und sonstige Woche: Dim Sum, Mebis, Räuber

Huhn kochen Letzte Woche kaufte Frau Rau ein Hühnchen. Ich löste die zwei Brüste heraus, zum Abendessen gab es Hühnerbrust à la Kim. (Hühnerbrüste einschneiden, mit Frischkäse und Pesto füllen, mit Parmaschinken umwinkeln und in Alufolie in den Ofen. Sehr lecker. Das Pesto hatte ich aus dem Grün der frischen Radieschen aus der letzten Kartoffelkiste gemacht, mit Parmesan, Öl, Salz, gerösteten Pinienkernen und Walnüssen.) Das Fleisch der Schenkel kam in den Kühlschrank, aus der Karkasse kochte ich eine Hühnerbrühe. Anlass des ganzen: Am Tag darauf kochten wir mit der neuen Nachbarin gemeinsam Dim Sum, und dazu brauchte ich Hühnerhack – … Continue reading "Schul- und sonstige Woche: Dim Sum, Mebis, Räuber"

Format zeigen

Spielt es eine Rolle, in welcher Art Datei ich jemandem Informationen schicke? Aber ja. Dieser Cartoon erklärt, wie viel Vertrauen man dem Inhalt einer Datei entgegenbringt, abhängig von deren Dateiformat: https://xkcd.com/1301/ Creative Commons Attribution-NonCommercial 2.5 Eine .pdf-Datei ist glaubwürdiger als eine .doc-Datei, eine Grafik als .png glaubwürdiger als eine mit der Endung .jpg oder gar .jpeg, un d von .gif brauchen wir erst gar nicht anzufangen. Dieser Cartoon ist natürlich überspitzt, aber da ist auch Wahres dran. Wenn mir eine Behörde eine .docx-Datei schickt, seufze ich, und erwarte wenig und halte wenig von dieser Behörde. Beispiel: Fortbildungsangebot – kommt das … Continue reading "Format zeigen"

Naomi Alderman, The Power

Ein gutes Buch, aber nicht so gut, wie es sein könnte. Das heißt, das Buch, das ich nicht lese, aber im Kopf immer noch erwarte, ist eben noch besser – zwei Bücher zum Preis von einem, wie schön! Die Prämisse dieses Romans: In Folge einer – ausreichend glaubhaft herbeierklärten – Genveränderung entwickeln weltweit alle oder fast alle Frauen die Fähigkeit, elektrische Stromstöße auszusenden, teilweise von großer Stärke. Und wie Science Fiction so ist, heißt es von da an: Schauen wir mal, wo uns das hinführt – das heißt, eigentlich weiß man vorher schon, wo das hinführen soll: Wie sähe die … Continue reading "Naomi Alderman, The Power"

Arthur Bloch, Murphy’s Law (und: Planning Fallacy)

Spätestens 1985 kaufte ich, siebzehnjährig, in den USA an einem Flughafen (New Mexico, vielleicht?) das schmale Büchlein Murphy’s Law, and other reasons why things go wrong! von Arthur Bloch. Ich habe viel gelernt daraus. Murphy’s Law kannte ich wohl vorher schon irgendwoher, anderen Gesetzen – dem Peter-Prinzip, Clarkes 3. Gesetz – begegnete ich danach immer wieder. Aber ich weiß noch, dass es lange dauerte, bis ich diesen Kalauer verstand: Cole’s Law: Thinly sliced cabbage. Hier die Gesetze, die ich über all die Jahre auswendig behalten habe, weil ich immer wieder Anwendungen dafür sehe: Ginsberg’s Theorem: 1. You can’t win. 2. … Continue reading "Arthur Bloch, Murphy’s Law (und: Planning Fallacy)"

Zadie Smith, Swing Time (und viele, viele Musical-Ausschnitte)

In meiner Leserunde gelesen. Vorab: Viel werde ich gar nicht zu dem Buch sagen. Es hat mir auch nicht sehr gefallen. Interessiert hat es mich durchaus, weil mich zwei oder drei Nebenthemen des Buchs interessierten – ansonsten war es nicht so das meine. Es geht darin um die Freundschaft der Protagonisten mit der gleichaltigen Tracey. Sie wohnen in der selben eher heruntergekommenen Nachbarschaft, haben aber ganz verschiedene Mütter; beide Kinder gehen ins Ballett und lernen Tanz. Sie verlieren sich aus den Augen; die Protagonistin wird Assistentin bei dem an Madonna angelehnten Musikstar Aimee. Ein Großteil der zweiten Hälfte spielt in … Continue reading "Zadie Smith, Swing Time (und viele, viele Musical-Ausschnitte)"

Rollenspielen 2017

London, 1940. Einige Mitglieder unseres Teams haben im Lauf der letzten Wochen mit einem ehemaligen Teammitglied korrespondiert: Das war zuerst in einem Militärkrankenhaus bei Cambridge in Behandlung, bevor es sich dann nach Indien und schließlich Nepal aufmachte, und von zwischendurch erreichten uns immer wieder Briefe, wenn auch mit Verspätung, natürlich. (Die kamen wirklich in den letzten Monaten an die Adressen einiger Spieler, so als Vorbereitung auf die Fortsetzung der jährlichen Call-of-Cthulhu-Rollenspielkampagne. In Sütterlin, oder zumindest mit Sütterlin-Zeichensatz ausgedruckt – dementsprechend schwer zu lesen für unsereins.) Außerdem haben wir wiederkehrende Alpträume von einer schauderhaften Stadt im Meer; die Insassen des Militärkrankenhauses … Continue reading "Rollenspielen 2017"

Abbé Augustin Barruel, Denkwürdigkeiten zur Geschichte des Jakobinismus, Band 3 (Teil 2)

(Fortsetzung von hier. Diese Seite hier ist dann doch mehr Materialsammlung geworden als ursprünglich geplant, nun ja.) 3.3 Methoden der Illuminaten Wenn die Ziele der Illuminaten vielleicht im 18. und frühen 19. Jahrhundert besondere Bestürzung hervorriefen, so glaube ich, dass es vor allem ihre Methoden sind, die zu ihrem Nachruhm beigetragen haben. Einige muten verhältnismäßig harmlos an: Die Mitglieder müssen Besinnungsaufsätze schreiben, die von den oberen Graden gelesen werden; die Fragen, anhand derer man die Gesinnung der Mitglieder erkennen soll, sind hoffnungslos durchschaubar. Es gibt Geheimnamen (Weishaupt ist Spartacus, München ist Athen), und Weishaupt ist so stolz auf die Idee … Continue reading "Abbé Augustin Barruel, Denkwürdigkeiten zur Geschichte des Jakobinismus, Band 3 (Teil 2)"