Ruhe vor dem Sturm: Nach den Osterferien…

…ist vor dem Abitur. Deutsch war schon, Mathematik ist morgen, Englisch nächste Woche – da bin dann ich dabei.

Und heute war Elternsprechtag. Bei uns läuft das so, dass sich die Eltern über eine Webseite in einer der freien Slots eintragen, jeweils sieben Minuten zwischen 17 und 19 Uhr. (Außerdem: Länger dableiben bei großem Andrang.) Bei mir wieder alles Slots besetzt, lauter nette Eltern, gut in der Zeit gelegen. Ich bin immer schon fünf Minuten vorher da, das gibt einen Vorsprung, und ich fasse mich kurz, so dass ich zwischendrin immer ein wenig Luft habe.

Kommenden Montag ist Einschreibung: Da treten die Eltern der künftigen Fünftklässler und -klässlerinnen mit Geburtsurkunden und Übertrittszeugnis an, um ihr Kind an der Schule anzumelden. Der Plan, kurzfristig einen sorting hat dafür aufzutreiben, scheiterte, aber es wird ja eh noch niemand in Klassen eingeteilt. Diesmal bin ich wieder mal bei der Einschreibung dabei und sitze an einem der Rechner.

Montag nachmittag habe ich (wieder mal) eine schulinterne Mebis-Fortbildung gegeben. Diesmal habe ich mich nicht daran orientiert, was mein Publikum gerne gewusst hätte, sondern daran, was ich glaube, dass sie wissen sollten. Sonst wollen alle immer gleich hören, wie Multiple-Choice-Tests gehen, dabei gibt es viel Wichtigeres:

  • Passwort für Schul-WLAN speichern
  • Moodle-App installieren und konfigurieren
  • Kurse anlegen, richtiges Format wählen
  • Themen für dauerhaft verfügbaren Grundwissenskurs überlegen
  • Überschriften und Texte verfassen
  • dann kann man über anderes Material und später vielleicht Aktivitäten nachdenken

Dazwischen habe ich gezeigt bzw. ausgeteilt, was man alles machen kann. Das wie kommt viel später, bei Interesse. Insgesamt glaube ich, dass es trotzdem nie viele Lehrern und Lehrerinnen geben wird, die Mebis/Moodle-Kurse gestalten werden. Aber das ist okay, solange die anderen die Kurse dann nutzen wollen und Ideen für deren Inhalt haben.

Rätselkoffer programmieren

Ich habe hier schon schon einmal das Spiel „Keep Talking and Nobody Explodes“ vorgestellt. Ein Spieler oder eine Spielerin sitzt dabei am Rechner vor einem virtuellen Bombenkoffer, den es zu entschärfen gilt, und zwar alle drei (oder mehr) Module am Koffer. Eines davon ist das Drahtdurchschneiden, das man aus Filmen kennt: Es gibt eine Reihe von farbigen Drähten, die man in bestimmter Reihenfolge durchschneiden muss. Nur welche Reihenfolge?

Die anderen Spieler und Spielerinnen, und nur die, haben alle das hochkomplizierte Bombenentschärf-Handbuch vor sich liegen, sehen aber nicht den Bombenkoffer. Also muss man miteinander reden – es ist ein Dialogspiel: Wie viele Drähte? Welche Farben haben sie? Welche anderen Merkmale gibt es an dem Modul oder am ganzen Koffer? Davon hängt dann die Lösung ab.

So etwas habe ich in grob vereinfachter Form für meine Informatikklasse programmiert. Allerdings habe ich das ganze „Rätselkoffer“ genannt – das gibt mehr Spielraum für die verschiedenen Module und ist nicht ganz so gewalttätig.

Das Drahtdurchschneide-Grafikmodul sieht zum Beispiel so aus (eigentlich nur der gelb hinterlegte Bereich):

Das sind einfach sieben recht schmale und hohe Knöpfe oben und ein paar Ausgabefelder unten. Für die Knöpfe gibt es Methoden, um eine beliebige Grafik als Hintergrund zu setzen, und vorgefertigt sind Grafiken mit Drähten in verschiedenen Farben, durchgeschnitten oder ganz.

Eine andere Modul-Grafik (ein Schülerwunsch) sieht so aus: Drei quadratische Knöpfe oben, ein breiter, niedrigerer Knopf darunter. Die Knöpfe oben kann man zum Beispiel mit solchen Bildern füllen:

Was man mit den Knöpfen beziehungsweise dem ganzen grafischen Block macht, bleibt den Schülern und Schülerinnen überlassen. Tatsächlich besteht jedes Rätselmodul aus zwei Objekten, die in den Klassen ModulGUI und Modul beziehungsweise Unterklassen davon beschrieben werden: ModulGUI ist lediglich die Grafik des aktuellen Elements; die Unterklassen dazu stelle ich zur Verfügung. (Denn Grafikprogrammierung in Java ist einfach zu fisselig, wenn man sie noch nie gemacht hat, auch wenn die Elemente ja nur aus verschieden großen Buttons und Ein- und Ausgabeflächen bestehen.) Zu jedem ModulGUI-Objekt gehört ein Modul-Objekt, das die Spiellogik und Steuerung übernimmt. Und eben dieses (beziehungsweise die Unterklassen dazu) wird von den Schülern und Schülerinnen programmiert: Im Beispiel ist das die Klasse Demo:

Die Demo-Klasse legt erstens ein WireGUI-Objekt an, um diesem Nachrichten zu schicken, wie welcher Knopf aussehen soll. Und zweitens macht sie sich zur Unterklasse von Modul, damit das WireGUI-Objekt seinerseits Nachrichten – darüber, welche Knöpfe gedrückt werden – an das Demo-Objekt, also die Steuerung, schicken kann.

So sieht eine zu programmierende Klasse dann aus:

public class Demo extends Modul 
{
    WireGUI gui;
 
    public Demo() {
        gui = new WireGUI();
        gui.setSteuerung(this);
        gui.setButtonImage(1, "drahtRot.png");
    }
 
    @Override
    public WireGUI getGUI() { 
        return gui; 
    }
 
    @Override
    public void empfangeKnopfdruck(int knopfnr) {
        if (knopfnr==1) { gui.setButtonImage(1, "drahtRotCut.png"); }
    }
}

So sieht das alles in BlueJ aus:

An der linken Seite sieht man einige mögliche Grafik-Unterklassen. An der unteren Seite sind die Steuerung-Unterklassen, also die von den Schülern und Schülerinnen zu programmierenden. Das obere Drittel ist technischer Kram, ausgebreitet auf verschiedene Klasse zur leichteren Wartung.

Könnte man in sie hineinblicken, wirkten sie vielleicht ein wenig umständlich, und das liegt daran, dass die Grafikbibliothek JavaFX und BlueJ nicht optimal zusammenarbeiten. Wenn ich Objekte in der Objektleiste unten haben und ansprechen können möchte, muss ich tricksen. (Der JavaFX-Thread lässt sich nicht gerne von außen unterbrechen, will heißen: durch manuelle Methodenaufrufe von BlueJ aus.) Und so gibt es mehre Möglichkeiten, etwas zu sehen zu kriegen:

  • in der Main-Klasse die statische Methode launch(String[] args) aufrufen, die den JavaFX-Thread startet
  • ein Main-Objekt anlegen oder eine andere statische Methode darin aufrufen, dann wird die JavaFX-Grafik gekapselt in einem JavaSwing-JFrame und ist damit für Objekte in der Objektbank zugänglich (tatsächlich gibt es noch einen Schönheitsfehler dabei, anderes Thema)
  • ein Objekt einer Modul-Unterklasse anlegen, das sich eine ModulGUI-erzeugt, das letztlich die JFrame-Methode der Main-Klasse aufruft (Vorteil: man kann die Methode der Klasse manuell aufrufen und testen, wenn sie den JavaFX-Thread beeinflussen, muss man aber Umstände machen)
  • ein Objekt einer ModulGUI-Unterklasse anlegen, das sich eine Dummy-Steuerung gibt, die letztlich die JFrame-Methode der Main-Klasse aufruft (Vorteil: wie oben) – Ziel dieser letzten beiden Konstruktionen: Die Schüler und Schülerinnen sollen einfach wie gewohnt Objekte ihrer Klassen erzeugen können, deren Oberklassen sich dann darum kümmern, dass Grafik hergestellt wird

JavaFX bietet einige grafische Elemente, mit denen man so ein Rätselmodul aufpeppen kann. Man kann sie auch alle leicht vergrößern, verkleinen, drehen, sich bewegen lassen:

Das Projekt befindet sich noch in einem Rohstadium. Ich weiß noch nicht, wie ich die einzelnen Module am besten zusammenfügen soll. Soll das Spiel aus sein, wenn man ein Modul vergeigt? Oder wird das dann einfach beendet und gesperrt und man kriegt Punktabzug? Soll es einen globalen Timer geben? Vorläufig habe ich ein Modul als Startseite, über das man auf andere, zufällig ausgewählte Module gelangt, von denen aus kann man zurück, wenn man das will:

Einsatz in der Schule: Mir gefällt die Idee, dass jedes Programmierteam ein Modul erarbeitet, die danach zu einem Spiel zusammengetragen werden. Viel müssen die Schüler und Schülerinnen eigentlich nicht können: Ein Objekt erzeugen und in einem Attribut speichern, Methoden des Objekts aufrufen, eine Unterklasse anlegen, eine Methode implementieren void empfangeKnopfdruck(int knopfnummer) – und vermutlich bedingte Anweisungen, um das sinnvoll machen zu können. Trotzdem war ich zu früh dran mit dem Ausprobieren mit meiner Klasse; das erfordert halt doch mehr Abstraktionsvermögen und Programmiererfahrung, als man meint. Inzwischen hat die Klasse einfache Zustandsautomaten programmiert und ist mit if und if else vertrauter; vielleicht komme ich noch einmal darauf zurück. Die JavaFX-Grafikklassen erstelle ich übrigens mit dem Java-Editor, sie erfordern dann nur wenig Anpassung, um sie zu ModulGUI-Unterklassen machen zu können. Der Auftrag dazu für die Schüler und Schülerinnen: Erstelle eine Skizze, wie die (quadratische) Grafikoberfläche für dein Modul aussehen soll, welche Knöpfe oder Felder du darin gerne hättest, und welche Methoden dir das Objekt zur Verfügung stellen soll, damit du die Oberfläche auf die gewünschte Weise verändern kannst.

(Hilfsmethoden, die die Klasse Modul zur Verfügung stellt: Abspielen von mp3-Dateien, Erzeugen von Tönen, Verzögertes Ausführen einer Methode, Countdown.)

– In den Sommerferien komme ich hoffentlich endlich mal dazu, meine ganzen Programmierprojekte für die 10. Jahrgangsstufe ordentlich bei github oder so einzustellen und in einem Mebiskurs zu präsentieren.

Rehpastete

Nach ersten Versuchen mit Terrinen und Pasteten schenkte mir Frau Rau vor zwei Jahren dieses Pastetenkochbuch:

Es ist aus dem Jahr 1980, der erste Band der Teubner Edition im Verlag Gräfe und Unzer, von Friedrich W. Ehlert, Edouard Longue, Michael Raffael und Frank West; Fotos von Christian Teubner. Die Bücher dieses Verlags und des Fotografen kannte ich schon, insbesondere Spezialitäten der Welt köstlich wie noch nie begleitet mich seit 1982 (Blogeintrag).

In den Osterferien hatte ich Zeit, ein erstes der Rezepte darun auszuprobieren: Die Rehpastete. Hier halte ich mal für mich und die Zukunft fest, wie das mit der Pastete geht.

Kurzer Überblick:

  1. Man braucht die richtige Form für die Pastete.
  2. Man erstellt, wenn man Osterferien hat, eine dicke Sauce für den Geschmack.
  3. Man präpariert die Füllung aus mehrfach durchgedrehtem Fleisch und Rehfilet (und der Sauce).
  4. Man macht einen Mürbteig und stellt den kalt.
  5. Man baut alles zusammen,
  6. bäckt die Pastete,
  7. und füllt sie mit Madeiragelee.

1. Die Form

Frau Rau hat mir auch eine schöne Pastetenform geschenkt. Die besteht aus zwei Seitenteilen und einer Unterseite; die zwei Seitenteile steckt man mit zwei Stiften zu einer Form zusammen, die man dann auf das Unterteil schiebt. Der große Vorteil: Man kann die Form, wenn die Pastete fertig ist, behutsam auseinanderbauen, ohne die Pastete heraushieven zu müssen. Wenn man nur eine Terrinenform aus Keramik hat, kann man in diese wohl vor dem Auskleiden mit Teig ein Blatt Backpapier (nur über die Längsseiten) einfalten, so dass die Papierseiten herausschauen: an denen zieht man dann die ganze Pastete, wenn sie fertig ist, aus der Form. Das habe ich aber noch nicht ausprobiert.

2. Einen Fond herstellen, vielleicht

Gefüllt wird die Pastete später mit einer Farce und angebratenem Rehfilet. Das Rehfilet wird mit einer dicken selbst gemachten Sauce eingestrichen. Das macht sicher etwas für den Geschmack aus, aber ich kann mir vorstellen, dass man diesen Schritt – so wichtig er dem Kochbuch ist – für den Anfang auslassen kann.

  • 1 kg Wildknochen in eine Bratraine mit ein paar Esslöffeln Öl geben, bei 250°C im Ofen 15 Minuten rösten
  • 1 Zwiebel, 1 Karotte hacken, dazu geben, weitere 20 Minuten rösten
  • dazwischen 30g Tomatenmark dazu geben
  • mit Wasser ablöschen und den Satz schön lösen
  • alles zusammen in eine große Schüssel umfüllen
  • mit 2 1/2 Litern Wasser auffüllen, 2 Stunden simmern lassen
  • im letzten Drittel der Kochzeit dazu geben: Stück Sellerieknolle, Stück Lauch (weiß), Lorbeerblatt, Thymian, Petersilie, 2 Schalotten in Scheiben, 1 Knoblauchzehe, 8 Wacholderbeeren, 8 Pfefferkörner (weiß), 1 TL Salz – was so da ist, ich habe mich nicht ganz genau daran gehalten
  • danach passieren und noch ein bisschen einkochen lassen

Das gibt einen dunklen Wildfond, viel mehr als man für eine Pastete braucht. Rest einfrieren.

3. Die Farce und Füllung

Das ist das schwierigste bei der Pastete, denke ich. Man erstellt die eigentliche Farce, in die mengt man dann noch Pistazien und Zeug, und brät noch ein paar Rehfilets an dazu. Ich hatte am Ende für meinen Geschmack viel zu wenig Farce und zu viel Rehfilet. Wegen meiner bräuchte ich gar kein Rehfilet in der Pastete, Farce allein reicht. Deshalb würde ich beim nächsten Mal eineinhalb mal so viel Füllung machen, auch auf die Gefahr hin, dass dann welche übrig bleibt.

  • 140g g Rehfleisch (lieber mehr!)
  • 140 g Schweinefleisch (lieber mehr!)
  • 160 g frischer, „grüner“ Speck (lieber mehr!) – gesalzener weißer Speck tut’s aber auch
  • 5 Wacholderbeeren, Schale von 1/2 Zitrone und 1/2 Orange, etwas Pastetensalz (wohl auch mehr, wenn mehr Fleisch)

(Pastetensalz: Salz mit Pastetengewürzen drin. Das Kochbuch geht davon aus, dass man das kaufen kann. Ich habe gegoogelt und letztlich Salz gemischt mit: Muskat, Muskatblüte, Pfeffer, Paprika, Thymian, Majoran, Nelken, Ingwer, Wacholder, Piment. Nicht im Haus: Basilikum, Liebstöckel, gemahlener Lorbeer.)

Das Fleisch so gründlich wie möglich putzen, alles irgendwie Sehnenartige weg. Fleisch und Speck in Streifen schneiden und würzen. Dann den Speck einmal durch den Fleischwolf (kleinste Scheibe, habe mir extra eine dafür gekauft), das Fleisch zweimal.

Sieht am Ende so aus:

Zwei Dinge muss man beim Durchdrehen des Fleisches beachten: Jede kleine Sehne und jedes Häutchen verstopft den Fleischwolf ein bisschen. (Zumindest meinen nicht elektrischen.) Man macht es sich also wirklich leichter, wenn man das Fleisch vorher gut putzt. Zweitens: Das alles muss möglichst kalt geschehen. Ich orientiere mich hier sehr am Pastetenbuch: Das Eiweiß des Fleisches ist es, das am Ende dafür sorgt, dass die gebackenen Farce zusammenhält, also bindet. Dazu darf das Eiweiß vorher nicht erhitzt werden. Beim Durchdrehen durch den Wolf erhitzt es sich aber. Also: Immer wieder in den Kühlschrank zwischendurch, und die Schüsseln gerne mal auf Eiswürfeln platzieren, wenn und wo es sich machen lässt.

Der durchgedrehte Speck und das Fleisch werden dann gemischt und laut Kochbuch durch ein Sieb gestrichen, aber irgendwann muss Schluss sein, das habe ich nicht mehr gemacht. Hinein kommen noch (laut Rezept, für die Rezeptmenge an Fleisch, in Klammern meine Ergänzungen):

  • 30 g Pistazien, gehackt (kann man so lassen, wenn mehr Füllung, dann vielleicht ein bisschen mehr)
  • 50g gekochter Schinken, gewürfelt (weglassen)
  • 50g Pökelzunge, gewürfelt (beibehalten, eventuell dann ein bisschen mehr)
  • 20 g Trüffeln, gewürfelt (weglassen)

Damit hat man dann die Farce. Dazu kommt noch die Fleischfüllung:

  • 2 Rehfilets (insgesamt 250 g, gerne weniger) mit Pastetensalz in Öl kurz anbraten, aus der Pfanne nehmen
  • in der gleichen Pfanne 25 g Schalotten (oder Zwiebeln, was da ist) in 1 EL Butter anschwitzen, mit 2cl Weinbrand ablöschen, dazu 0,12 l des Rehfonds
  • dazu 4 Wacholderbeeren, abgeriebene Schale einer 1/2 Orange udn 1/2 Zitrone
  • einköcheln zu einem Jus und über die Rehfilets geben

4. Der Mürbteig

Das Rezept aus dem Kochbuch war gut, die Menge reicht für mehr als die Form, so dass man sich keine Sorgen machen muss:

  • 400 g Mehl
  • 200 g Butter (kalt, in kleinen Stücken)
  • 6 g Salz
  • 1 Eiweiß
  • 5-8 Esslöffel Wasser

Daraus stellt man einen Mürbteig her. Entweder nach englischer Methode („rub the butter in“), oder sonstwie. Für den ersten Versuch reicht es, alles in eine Schüssel zu geben und zu vermischen. Am Anfang wirkt der Teig zu trocken, und man kann sicher noch ein bisschen Wasser dazu geben – aber nicht irre machen lassen, da wird nach kurzem, aber kräftigem Kneten doch noch ein glatter Teig draus. In Klarsichtfolie wickeln oder eine übrige Plastiktüte oder sonstwie abdecken und eine Stunde im Kühlschrank ruhen lassen.

5. Das Zusammenbauen

Das Auskleiden: Den Teig flach ausrollen, 2mm dick, zu einer Scheibe, so lang und hoch wie die ausgeklappte Form:

Dabei die Ecken nicht wegschneiden! Zum Einfüllen die Terrinenform buttern und die Teigplatte zweimal auf der langen Seite falten, erst ein Drittel auf das mittlere Drittel, dann das andere Drittel wieder in die Mitte. Sieht dann im Querschnitt so aus:

Wenn das erst mal in der Form ist, faltet man das auseinander und kleidet die Form aus. Dabei nicht mit den Finger andrücken, schon gar nicht mit ungeschnittenen Fingernägeln, sondern eine kleine Kugel Teig nehmen und die quasi als Stempel nehmen und damit den Teig an die Wände drücken. Auf die Ecken besonders achten.

Das Füllen: Eine Schicht Farce in die Pastete geben, am Rand etwas hochziehen, so dass in der Mitte eine Art Rinne entsteht. Dort das Rehfilet hinein, mit Jus betröpfeln, mit der restlichen Farce auffüllen.

Das Deckeln: Die überstehen Seitenränder zuklappen. Der Teig oben soll – anders als im Buch angegeben – nicht zu weit in die Mitte ragen. Aber mit Ei bestreichen, denn auf das ganze kommt jetzt noch eine dünne Teigschicht als Deckel. (Es ist doch noch Teig übrig, oder?) Darauf dann ein oder zwei Kamine (mit Alufolie zum Freihalten) und Deko – Gabelmuster, Röllchen, Blätter. Ich bin noch die auf die IDee gekommen, dazu mit Förmchen etwas auszustanzen, aber das klingt gut.

Alles mit verkleppertem Ei oder Eigelb bestreichen.

6. Das Backen

Bei 220 Grad für 15 Minuten backen (Ober- und Unterhitze), dann auf 180 Grad reduzieren und weitere 35 Minuten. Und dann noch einmal acht Minuten, weil man Angst vor nicht ganz durchgegartem Fleisch hat.

7. Das Gelee

Am nächsten Morgen, oder jedenfalls wenn die Pastete schön kalt ist, bereitet man das Madeiragelee zu. Ich habe das so gemacht:

  • 6 Blatt Gelatine für 5 Minuten in kaltem Wasser einweichen
  • 200 ml Wildfond (oder Geflügel, oder was halt da ist) und 100 ml Madeira erwärmen, aber nicht kochen; vom Herd ziehen
  • die Gelatine ausdrücken und in die Flüssigkeit einrühren
  • dann am Topf lauern und immer wieder umrühren: irgendwann gibt es diesen Moment, nach zehn Minuten? später?, wenn die Mischung anfängt fest zu werden, und das zwar nicht furchtbar plötzlich, aber doch so schnell, dass man unbedingt ein Auge darauf haben muss
  • wenn die Mischung also fest wird, mit einem Trichter in die vorbereiteten Öffnungen einfüllen – wenn nichts ausläuft, hat man Glück gehabt (übrigens glaubt man, dass eh kein Platz für das Gelee in der Pastete ist; ist aber doch)

Entformt anschneiden und servieren:

Die Pastete war sehr lecker, nur hätte ich gerne etwas mehr Farce gehabt. Und ich hatte oben zu viel Teig, das sieht man auf dem Bild ganz gut. Aber sonst bin ich erst einmal sehr zufrieden.

Osterferienkochen

Schon zwei Wochen lang nichts gebloggt. Deswegen ein kurzes Lebenszeichen; die halbfertiggestellten längeren Texte brauchen noch etwas.

Während ich vor den Faschingsferien recht entspannt war, hatte ich die Osterferien dringend nötig. Die erste Arbeitswoche ist herum, ich habe:

  • Steuer für 2018 gemacht
  • eine alte Freundin angerufen, deren Kind – vielleicht – ins Lehrersein hineinschnuppern möchte
  • Englisch-Nachhilfe gegeben
  • drei Klausurvorschläge für Q12 Deutsch erstellt und weitergeschickt – Epikanalyse; alle fünf Kurse arbeiten zusammen und stellen die gleiche Prüfung (Epik, Lyrik)
  • mich mit einer anderen alten Freundin getroffen, deren Kind – vor ein paar Jahren – ins Lehrersein hineinschnuppern wollte
  • mich an die Auswertung eines Informatikwettbewerbs gemacht, den ich organisatorisch betreue; diesmal praktisch: Anmeldung über eine Mebis/Moodle-Datenbank mit einfachem Export der meisten Daten, Teilnehmerliste erzeugt und mit kurzem Skript für jeden automatisch ein Verzeichnis erstellt
  • ein paar Stunden in der Schule verbracht, um den letzten großen Stapel Respizienzen zu erledigen (eine bayerische Spezialität: die Fachbetreuungen sichten – nachträglich, und stichprobenhaft, und inzwischen immer, uh, stichprobenhafter – die Prüfungen der Kollegen und Kolleginnenen, ob lehrplankonform und angemessen und so weiter)
  • Deutsch-Schulaufgabe halb korrigiert, die andere Hälfte morgen
  • eine Mebis-Fortbildung angefangen
  • gekocht und gebacken:

Das sind die Reste einer gypsy tart. Habe ich im Guardian entdeckt: How to cook the perfect Gypsy tart (Felicity Cloake). Anscheinend ist das ein Nachtisch, häufig wohl ein Schulkantinen-Nachtisch, den in der Grafschaft Kent jeder kennt, und außerhalb davon niemand. Unten Mürbteig, oben… oben ein Gemisch aus viel Kondensmilch und viel Zucker und sonst nichts, und das wird wild aufgeschlagen, bis es ein bisschen schaumig ist, auf den gebackenen Boden gegeben und dann nochmal für 20 Minuten bei niedriger Temperatur zu Ende gebacken. Läuft dann auch beim Anschneiden ein bisschen aus und ist natürlich qietschsüß.

Auch vom Guardian: How to make the perfect bean burgers (Felicity Cloake). Bratlinge aus gekochten schwarzen Bohnen und Kartoffeln (und Koriandergrün, Limette, Paprika, Zwiebel, dicke Bohnen, Kreuzkümmel, Koriander). Lecker, aber gebraten auch nicht besser – lieber einfach als Füllung für Tortillas. (Bild oben: vor dem Braten.)

Einen ganzen Tag Kocharbeit hat mich die Rehpastete gekostet. Rehknochen und später Karotten und Zwiebeln anrösten, um daraus dann eine dickflüssige Sauce zu kochen:

Speck einmal und Reh- und Schweinefleisch zweimal durch die feinste Scheibe des Wolfs drehen:

In die Masse dann noch Pistazien, Schinken, Zunge, Trüffel, Zitronen- und Orangenschale. Mürbteig, angebratene Rehfilets, bestrichen mit der dicken Sauce, Deko dran und in den Ofen:

Nicht abgebildet: Das Ausgießen mit Madeiragelee. Angeschnitten wird erst am Wochenende, hält sich hoffentlich bis dahin – bin schon gespannt.

Bleibt noch zu tun in den Ferien:

  • Eltern und Schwiegereltern
  • Wanderung
  • Mebisfortbildung planen
  • Kolloquiumsthemen erstellen (Englisch)
  • Medienkonzept, weiterarbeit am

Nachtrag: Inzwischen ist die Pastete angeschnitten. Geschmacklich sehr gut, zu wenig Farce und zu viel Rehfilet für meinen Geschmack, und Teigdecke oben zu dick. Ich arbeite weiter daran.

Runcode

Von Christoph, der das schöne Datenflussdiagramm-Werkzeug Orinoco geschrieben hat, gibt es etwas Neues: Runcode. Das ist eine Art Robot Karol mit Minecraft-Ästhetik. In einer einfachen Lernersprache (abwärtskompatibel zu Robot Karol) programmiert man eine Robotergestalt in einer 3D-Welt. Per Knopfdruck kann man Teile der Welt aber planieren; in einer flachen Welt lässt sich erst einmal leichter programmieren.

Der Inhalt ist nicht verfügbar.
Bitte erlaube Cookies, indem du auf Übernehmen im Banner klickst.

Wenn man mehr mit der Welt interagieren will, kann man zwei Anweisungen verwenden, die es bei Robot Karol nicht gibt: Man kann den Würfel vor sich (unmittelbar oder schräg oben/unten) abbauen und hat dann im Inventar ein Stück des entsprechenden Rohstoffs – Erde oder Holz oder Granit. Und das kann man an anderer Stelle wieder einbauen. Damit habe ich noch nicht viel gearbeitet, aber man kann jedenfalls Kanäle graben (in die dann Wasser einläuft) oder Tunnels zwischen Inseln.

Für die Schüler und Schülerinnen, mit denen ich das gerade ausprobiere, war diese Welt sehr viel motivierender als der ursprüngliche Robot Karol. Das Programm ist nach den letzten Erweiterungen voll einsatzfähig, aber ich stoße gelegentlich noch auf kleine Problemchen, die ich Christoph melde, und schwupps ist alles korrigiert.

Erweiterungen gegenüber Robot Karol:

  • Die Welt ist sicher weiterhin höhenbegrenzt, aber man kommt höher hinauf als die 10 bzw. mit Schummeln 30 Stockwerke bei Karol.
  • Man kann endlich Löcher in eine Ziegelmauer bohren, also Häuser mit Dach konstruieren.
  • Es gibt eine ein wenig erweiterte Entwicklungsumgebung: Man kann seinen Code trennen in die Bibliothek, in der gespeicherte Anweisungen aufbwahrt werden, und das eigentliche Programm, das durch diese Trennung kürzer und übersichtlicher wird. Beide Bereiche, Editor und Bibliothek, werden separat geladen und gespeichert.

Was nicht geht und mir egal ist: Struktogramme erzeugen. Was nicht geht und ich gerne hätte, irgendwann mal: Variablen, Code-Autovervollständigung.

Deutschfachschaftsfahrt ins Schwäbische

Früher kam das öfter vor, in den letzten Jahren nicht mehr so oft: Die Deutschlehrer und -lehrerinnen machen einen Ausflug. Diesmal ging es ins Schwäbische:

  • Übernachtung in Bönnigheim: achttausend Einwohner, Museum Sophie La Roche – Roman- und Reiseschriftstellerin und Herausgeberin in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
  • Kloster Maulbronn: Weltkulturerbe, sehr gut erhaltene große mittelalterliche Klosteranlage, schon lange nicht mehr als solche genutzt – im Kloster ein Internat, in dem auch Johannes Kepler, Friedrich Hölderlin und Hermann Hesse Schüler waren. Die Klosteranlage ist wohl auch Stadtzentrum von Maulbronn – Markplatz und Rathaus sind mittendrin.
Maulbronn, Weltkulturerbe-Klosteranlage und Stadtzentrum
Klosteranlage im Modell
  • Marbach: Schiller-Nationalmuseum mit verschiedenen Ausstellungen und Foto unter der Schillerstatue.
Marbach 1998 (links hinten ich)
Marbach 2019
(unverändert allein der Klassiker)
Ausstellungsstück im Schiller-Nationalmuseum
  • Ludwigsburg: Führung im Schlosstheater im Residenzschloss. Das Hoftheater wurde 1758 für Herzog Karl Eugen eingerichtet (das war der mit Schiller). Die Bühne ist noch sehr nah am Originalzustand und vor allem die Bühnentechnik: Oben der Schnürboden, in dem die herunterlassbaren Kulissen befestigt sind; unterhalb der Bühne (da wo die Falltüren hinführen) der große horizontale Mast, um den die Schnüre gewickelt sind. Das war sagenhaft! Wir durften mit der Maschine künstlichen Wind, Regen und Donner machen – letzteren mit der Rumpelkammer, einem Kanal, der im Schnürboden mit unregelmäßigen Holzwürfeln gefüllt wird, die auf Schnurzug dann darin herunterdonnern. Fotos leider nicht erlaubt, aber das ganze sieht aus wie ein elaboriertes gebasteltes Papiertheater, nur eben voll funktionsfähig.
  • Gegessen: Maultaschen, und regelmäßig davon enttäuscht worden. Sie servieren Kartoffelsalat dazu, kann man machen; sie sind eher gerollte zusammengefaltete Strudelstücke als echte Taschen, nun gut; aber was als „geschmelzt“, also ordentlich angebraten, verkauft wird, war fast immer nur warmgemacht. Es war wohl auch noch keine Saison. (Und: Kässpätzle mit Schinkenwurststreifen und Kartofeelsalat als Beilage. Das Allgäu ist weit, weit weg.)

Tagebuchbloggen

Es soll ja auch wöchentliche Tagebücher geben, vielleicht ja auch monatliche.

Ausschreibung einer Stelle als Seminarlehrer/-lehrerin

Sogar hier in München. Dass die Stelle zu diesem Zeitpunkt zu besetzen sein wird, weiß ich seit bestimmt einem Jahr, aber jetzt ist sie endlich wirklich ausgeschrieben. Soll ich mich bewerben? Ich will ja eigentlich schon noch mal eine andere Schule sehen, und diese wäre auch noch in München und sehr nah. Klar wäre das Arbeit und Umstellung für auch nicht mehr Geld oder mehr Beförderung, aber für ein bisschen neue Arbeit ist immer Luft. Zu einem gewissen Ausmaß kann ich sicher dabei helfen, ein guter Informatiklehrer oder eine gute Informatiklehrerin zu werden. Allerdings tue ich mir immer schwer, sicher zu sein bei irgend etwas, dazu zweifle ich zu viel. – Meine Chancen sind so mittel. Bestens qualifiziert bin ich, aber ich kenne ähnlich und noch besser qualifizierte Leute, die sich vielleicht auch bewerben wollen; außerdem bin ich alt und würde das nur noch höchstens fünfzehn Jahre machen können. Und am Ende braucht man auch noch ein Auto dafür?

Nachtrag: Beworben habe ich mich, es ist aber leider nichts daraus geworden. Ich bin sehr qualifiziert und glaube, ich hätte das sehr gut gemacht, aber andere halt auch.

Übungsaufsätze

Mit den Kollegen gibt es Diskrepanzen, es geht um die Übungsaufsätze im Deutschunterricht.

Am besten lernt man das Schreiben durch Schreiben. Deshalb halten auch immer wieder Schreiben aus dem Kultusministerium dazu an, dass die jungen Leute möglichst viel schreiben sollen. Von und für sich allein schreiben Schüler und Schülerinnen aber meistens nicht viel, sie wollen ihre Texte meist auch begutachtet und bewertet haben. Wie viel dieser Aspekt konkret zur Verbesserung der Schreibfähigkeit beiträgt, da bin ich skeptisch – sei‘s drum, es gibt da dieses Konzept der Übungsaufsätze.

Wie viele sollen die Lehrer und Lehrerinnen verlangen beziehungsweise einsammeln? „So viele wie möglich“ ist nicht die Anwort, denn mit dem Fach Deutsch arbeitet man eh mehr als in anderen Fächern, eben wegen dieser Korrekturen und Übungsaufsätze. „So viele wie nötig“ ist ein edler Ansatz, der aber zu unverhältnismäßig viel Arbeit führen kann – irgendwann ist Feierabend, im wörtlichen Sinn. „So viele, wie die Schüler und Schülerinnen wollen“ halte ich für problematisch. In der Unter- und Mittelstufe müssen alle einen Aufsatz abgeben, ob sie wollen oder nicht. In der Oberstufe wird das meist anders gehandhabt – aber auch da, behaupte ich, beeinflusst man als Lehrkraft, wie viele Übungsaufsätze man kriegt, je nachdem, wie sehr man auf diesen insistiert. Wie viele man kriegen will, das ist aber eine schwierige Frage. Ich würde sie ja radikal kürzen. „So viele wie immer“ funktioniert nicht mehr, da sich die Zeiten und Vorschriften ändern. Vorschriften: Früher gab es nämlich vorgeschriebene Regeln für die Anzahl an Übungsaufsätzen, und diese Regeln sind als Tradition irgendwie noch vorhanden; tatsächlich drücken sich die Vorschriften unklar aus und um eine eindeutige Regelung. Bei neuen Aufsatzformaten muss man mindestens einen Übungsaufsatz einsammeln und korrigieren, bei bekannten muss man nur allgemein üben und vorbereiten.

Aufsatzformate

Früher gab es im Lehrplan nämlich auch explizit genannte und vorgeschriebene Aufsatzformate. Die hießen „Inhaltsangabe“ oder „Erweiterte Inhaltsangabe“ oder „lineare/antithetische/dialektische Erörterung“. Schon seit mehreren Lehrplangenerationen gibt es diese Begriffe nicht mehr. Die Schüler und Schülerinnen sollen zusammenfassen und darstellen können, erzählen, begründen, diskutieren – im neuen LehrplanPlus gibt es die Stränge Erzählen, Informieren und Argumentieren, und das gerne auch kombiniert eingesetzt und geprüft. – Für das Abitur wiederum gibt es dann aber wieder doch ganz klare, vorher detailliert kommunizierte Aufgabenformate.

Umfrage

Die Schüler und Schülerinnen der scheidenden Q12 haben für die Abizeitung einen Umfragebogen vorbereitet, den die Lehrkräfte ausfüllen können. Mir gefällt diese Idee; ich begrüße alles, was zu mehr Informationsaustausch zwischen den verschiedenen Gruppen an der Schule gehört, und habe nach bestem Wissen und Gewissen mitgemacht.

Viele der Fragen kann ich aber gar nicht beantworten, darunter auch Fragen, die mich gar nicht groß interessieren. Wer war der notorischste Zuspätkommer? Wer der Stufenclown? – Das weiß ich nicht und das ist mir auch egal. Offene Fragen wären besser, statt „Wer wird dem Kollegium noch lange in Erinnerung bleiben?“ ein „Was unterscheidet unsere Stufe von anderen Jahrgängen?“ interessanter, aber die Ergebnisse lassen sich dann nicht mehr so schön in eine Toirtengrafik umwandeln.

Literatur von Frauen

Mitlesender Kollege liest vielleicht Frankenstein von Mary Shelley mit der Klasse. Das finde ich auch deshalb gut, weil es ein Roman von einer Frau ist. Klar kann man sagen, dass das Geschlecht da irrelevant ist, sondern es nur auf die Qualität eines Romans ankommt. Aber die Qualität ist ja nicht gottgegeben, die misst man an Kriterien, die der eigenen Kultur und Tradition entspringen. Und selbst da ist es ja keinesfalls so, dass stets die wertvollen Werke eines Zeitraums überleben, selbst nach diesen Kriterien beurteilt.

Fortbildung

Vor allem war ich aber auf einer Fortbildung, dem jährlichen Informatiklehrer/-lehrerinnen Tag Bayern. Wieder viel Notizen gemacht, wenige Leute getroffen – Bayreuth ist halt weit weg – und Inspiration geholt, wenn auch nicht ganz so viel wie in den Jahren zuvor. Trotzdem, ich will hier wieder mehr über Informatikprojekte aus der Schule bloggen.

Nachtrag: Mit dem Masterplan Bayern Digital II kommt viel Geld an die Schulen. Förderungswürdig sind dabei viele Sachen, insbesondere neue Hardware. Nicht förderungswürdig sind allerdings alle möglichen Arten von pädagogischer Software: Das ist der Euphemismus für die Art Software, die es ermöglicht, Rechner von Schülern und Schülerinnen zu kontrollieren – wer ins Web darf und wer nicht, welche Software zu einem bestimmten Zeitpunkt verwendet werden darf, Anzeigenlassen der Bildschirme. Ich hasse diese Programme beziehungsweise die Art ihres Einsatzes. Fördern will man diese Programme eben nicht, weil man selbstbestimmtes Arbeiten der Schüler und Schülerinnen im Vordergrund sehen will.

Im Kino gewesen: Captain Marvel (weitgehend spoilerfrei)

Dann also doch noch etwas zu dem jüngsten Marvel-Film. Kurzfassung: Hat mir gefallen. Aber ich fand ja auch Avengers: Infinity War bewundernswert und enorm langweilig.

Der andere Captain Marvel

Captain Marvel ist dann doch eine der weniger erfolgreichen Figuren in den Marvel-Comics. Und das kam so: Der Konkurrenzverlag DC hat auch einen Captain Marvel im Angebot, und das seit wesentlich längerer Zeit. Genau genommen gehört der DC-Captain-Marvel auch nicht ursprünglich zu DC, sondern entstammt dem einstigen Konkurrenzverlag Fawcett Comics. Der wurde aber von DC verklagt und 1951 entschied ein Gericht (noch nicht letztinstanzlich) zugunsten von DC: Der Fawcett-Captain-Marvel sei dem DC-Superman zu ähnlich. Groß und stark und Cape, viel mehr Ähnlichkeit ist das nicht, aber wie heißt es so schön: Intellectual property is not a shield, it’s a weapon. Jedenfalls gab Fawcett 1953 den Kampf auf und stellte das Heft ein. 1972 kramte DC die Figur wieder heraus (lizenziert von Fawcett, die ihn selber als Folge des Rechtsstreits nicht mehr verwenden durften) und integrierte ihn und seine ganze Bande an Freund, Feind und Familie nach und nach ins reguläre DC-Universum.

Die anderen Captains Marvel

Nur hatte der Marvel-Verlag in der Zwischenzeit die Gelegenheit genutzt, selber einen Captain Marvel zu erfinden und ein Heft dieses Namens herauszugeben. Warum: Weil das rechtlich möglich war (da es seit einiger Zeit kein so getiteltes Heft gegeben hatte) und sie sich den Namen sichern wollten. Und seitdem hat Marvel darauf geachtet, dass immer wieder mal eine Serie Captain Marvel veröffentlicht wurde, so dass die Konkurrenz das nicht mehr konnte – auch wenn die Figur selber nicht besonders erfolgreich war. Deswegen heißt der DC-Film mit dem DC-Captain-Marvel, der in vier Wochen herauskommt, auch wie dessen Comics Shazam!

Nur: So richtig erfolgreich war der Marvel-Captain nie. Der erste Captain hatte ein langweiliges Kostüm und mehr Science-Fiction-Hintergrund als üblich. Recht spät erst entdeckte ich, dass der viel coolere zweite Captain Marvel, den ich vorher kennen gelernt hatte, tatsächlich der erste mit neuem Kostüm und neuen Kräften und neuem Stil war. (Leider wurden die deutschen Comics mitten in der Entwicklung zu diesem eingestellt.) Ein paar Jahre später starb die Figur dann für damalige Verhältnisse dramatisch und groß angelegt. Und so ging der Name auf einen neuen, diesmal weiblichen Captain Marvel über, und danach auf einen Sohn des ursprünglichen, und danach erst auf die zwischendrin erschienene Ms. Marvel – Carol Danvers, eine Nebenfigur bereits aus der ersten Captain-Marvel-Geschichte mit langer Geschichte danach. Und diese letzte Captain Marvel, um die geht es in dem Film.

Jetzt endlich: Der Film

Wie gesagt: Hat mir gefallen. Natürlich ist das Popcornkino, es bewegt mich nicht wie es Jules et Jim, Casablanca, Sullivan’s Travels, After Hours taten, auch alles Mainstream-Filme. Allerdings war nicht nur ich von der Stan-Lee-Würdigung am Anfang gerührt. — Keine interessanten Schnitte, keine kühne Kameraeinstellungen. Aber ich fühlte mich an keiner Stelle in meiner Intelligenz beleidigt (da bin ich besonders empfindlich) und habe mich nicht gelangweilt. Der Film ist bunt und lustig, wenigstens ansatzweise nichtlinear erzählt, bin ja schon froh; wartet mit kleinen und großen Überraschungen auf – vor allem eine finde ich beeindruckend. Und: Endlich mal keine Liebesgeschichte im Film, also gar keine; eine starke Frau und ein verspielter Geheimagent. Dazu die vielen Elemente der Originalgeschichte, die mti aufgenommen wurden: Angefangen mit den Uniformen der Kree und dem Kostüm der Captain Marvel. Sehr zufrieden. Eine Post-Credit-Szene, die in ihrer Vorhersehbarkeit und Banalität geradezu ein freches Zungeherausstrecken dem gegenüber ist, der sich auf den nächsten Film in ein paar Wochen freut – Avengers: Endgame natürlich.

Deutung und Rezeption

Ich habe den Film dann auch gleich als Beispiel im Deutschunterricht herangezogen für das, was wir bei der Arbeit mit Texten von den Schülern und Schülerinnen wollen: Eine Inhaltsangabe zur Orientierung (damit die SuS, die den Film nicht gesehen haben, überhaupt unserem Fachsimpeln folgen können), eine Beschreibung/Analyse von Auffälligkeiten (Stilmittel, Motive) und dann vor allem eine Deutung/Interpretation. Und der Film lässt sich auf verschiedene Art deuten und wird im Netz auch auf verschiedene Art gedeutet: Als Vorstufe zu Avengers: Endgame; als feministischer Film; als Film zum Thema Kolonialismus; als männerfeindlicher Propagandafilm.

Denn als solcher wird der Film von einer kleinen lauten Minderheit gesehen. Ähnlich wie schon bei diesem einen Star-Wars-Film neulich oder bei Ghostbusters davor stören sich diese Fans daran, dass eine Frau die Hauptrolle hat. Das ist meine Deutung; tatsächlich heißt es meist eher: dass es vor allem darum ging, gewaltsam die Hauptrolle mit einer Frau zu besetzen und eine feministische Botschaft zu verbreiten, so dass die erzählerischen und gestalterischen Qualitäten des Films darunter litten. Captain Marvel schießt im True-Lies-Pappaufsteller Arnold Schwarzenegger den Kopf weg und nicht Jamie Lee Curtis, und Samuel Jackson wird zum Geschirrspülen degradiert. Brie Larson als Captain Marvel agiere hölzern – schon nach den ersten Trailern hieß es, sie schaue immer so verbissen, sollte doch öfter mal lächeln. Und tatsächlich gibt es eine Szene im Film, wo ein aufdringlicher Passant ihr vorschlägt, doch mal zu lächeln. Diese Szene, so hieß es, sei aber keine Reaktion auf Fankritik, sondern von Anfang an drin gewesen. Weil Frauen das nun einmal gesagt kriegten.

Meine Meinung dazu: Marvel hat schon immer so Sozialkram gemacht. Social Justice Warrior wird als Schimpfwort verwendet, aber was waren Marvel-Superhelden je anders? Das hier habe ich bei Twitter gefunden, eine von Stan Lees Kolumnen aus den Comics, ich tippe mal auf 1970er Jahre:

Klar ging es Stan Lee und Marvel vor allem ums Geschäft. Aber die Marvelhefte hatten alle auch Tränendrüse und Moral und Dilemmata und Minderheiten, nie nur Eskapismus. Das unterschied – im Silver Age – Marvel von DC. (Ja, weiß schon, auch da gab’s Green Lantern/Green Arrow.)

Natürlich kleidet sich die Kritik am Film auch anders. Eine Besprechung (4/10 Sterne) in der Internet Movie Database („But, I still went in with an open mind“) klagt:

It just all felt sloppy and rushed. It’s like they never heard of Joseph Campbell and how a hero tell is made. Where is the journey a hero has to go through to get to that point they are one. That’s basic.

That’s basic. Und ich war so froh, endlich mal einen Film zu haben, der mir nicht wieder die hunderste Version der Heldenreise auftischt. It’s like they never heard of Joseph Campbell. Man sollte meinen, dass man Filme, selbst über Heldinnen, auch mal anders aufbauen kann als Joseph Campbell das beschrieben und nicht etwas vorgeschrieben hat.

Essen in Brighton, 2019

Das Frühstück unten stammt übrigens aus der Gaststätte Brightons mit der schlechtesten Hygienebewertung der ganzen Stadt, Stand Herbst 2018. Ich fand es sehr lecker und würde jederzeit wieder hingehen.

Als Erstes aßen wir dieses Mal, noch vor dem Auspacken, Dim Sum – gemischte chinesische Kleinigkeiten. Glibber in Erdnusssauce, Reis im Lotusblatt, Turnip Cake (trotz des Namens mit chinesischem Rettich, schmeckt aber nicht nach Rettich).

Am Tag darauf Sunday Roast im Pub. Alles sehr gut, besonders das Gemüse, aber der schöne große Yorkshire Pudding war leider enttäuschend.

Danach Food for Friends, die erste Anlaufstelle für leckeres (vegeatrisches) Essen. Diesmal weniger überwältigend als sonst, trotzdem: Fried Tofu geht immer.

Höhepunkt für mich: Das Market (vormals Graze). Das tut so, als gäbe es da Tapas, und auf der Speisekarte steht „Tapas“, und wir haben am Tapas-Tag das Tapas-Menü bestellt – eine Auswahl aus Vorspeisen-, Hauptspeisen- und Nachtisch-Tapas. Aber das waren keine Tapas: Churros, sonst in Kakao getippt, hier mit Ziegenkäse im Teig und Trüffelhonig-Dip. Eine Kohlrabischeibe auf leckerer roter Soße unter Käse, Muscheln, und vor allem eine Aubergine, kreuzweise eingeschnitten, mit Sirup-Soja-Teriyakisoße getränkt.

Kein Foto vom letzten und vorletzten Restaurantbesuch, obwohl vor allem der sagenhaft, Keim Foto auch von den Käse&Keks-Abenden vor dem Fernseher.

Karl May wiederlesen: Orientzyklus, Band 6 (Der Schut)

Titelbild "Der Schut"

Vor zwei Jahren habe ich die Bände 1-3 gelesen, letztes Jahr die Bände 4-5, jetzt bin ich endlich auch zu Band 6 gekommen.

Titelbild "Der Schut"Kara Ben Nemsi und Halef sind weiterhin auf der Jagd nach dem Schut und seinen Genossen. Sie verfolgen den schwer verwundeten Mübarek und Barud el Amasat, begleitet werden sie von Osko (der sich wegen der Geschehnisse aus Band 1 an Barud rächen will) und Omar (der sich an Baruds Bruder Hamd el Amasat rächen will).

Der Mübarek stirbt an seinen Wunden und am Angriff eines Bären; Osko tötet Barud; sie weichen der Falle aus, die ihnen der Köhler Scharka stellt: Dort gibt es eine als Meiler getarnte Höhle, in der Gefangene verwahrt und getötet werden. Die Helden befreien dabei ihren alten Freund Sir David Lindsay. Zuvor war Lindsay Gefangener des Schut und gibt ihnen wertvolle Hinweise zum Aufbau dessen unterirdischer Anlage, wo noch andere Gefangene warten: der reiche Skipetar Stojko Wites und Henri Galingré.

Zusammen reiten sie zu Kara Nirwan, dem angesehenen Betreiber des Newera-Khan, nehmen ihn gefangen und bezichtigen ihn, der Schut zu sein. Die Einwohner des Dorfes sind mehr als skeptisch. Als es den Helden gelingt, die Gefangenen zu befreien, muss der Schut allerdings fliehen – noch besteht außerdem die Möglichkeit, den letzten Teil des Schurkenplans auszuführen: Hamd el Amasat hatte sich bei der Familie Galingré eingeschlichen und begleitet jetzt Henri Galingrés Frau und Kind mit dem Vermögen der Galingrés, angeblich zum Kauf neuer Waren bestimmt. Die Familie soll allerdings in eine Schlucht geworfen werden.

Kara Ben Nemsi erreicht die Gruppe noch rechtzeitig, verfolgt den Schut, der in einer Schlucht stirbt. Omar blendet Hamd el Amasat, tötet ihn aber nicht. De Zusammenhänge werden aufgeklärt: In Band 1 war Kara Ben Nemsi ja auf einen kurz zuvor ermordeten Franzosen gestoßen, nahm die Verfolgung dessen Mörders auf (Hamd el Amasat), der dabei Omars Vater tötete, worauf sich Omar der Verfolgung anschloss. Der Franzose war Paul Galingré, Sohn von Henri, auf der Suche nach seinem Onkel.

Ein Anhang erzählt von einem letzten Besuch bei Halef und seinem Stamm und dem Tod Rihs bei einer sinnlosen Racheaktion der Beduinen.

— Fazit: Meh. Bonuspunkte für die Dinge, an die ich mich noch aus meiner Kindheit erinnere: Die Jagd auf den Bären und das Braten der Bärentatzen, das mit Kennerhand geworfene Wurfbeil, das erst am Boden entlang fliegt und dann nach oben steigt. (Das wollte mir als Kind nie richtig plausibel erscheinen und ist es wohl auch nicht.) Die ganze Köhleranlage: So und durch anschließendes Nachfragen bei meinen Eltern habe ich gelernt, was ein Köhler ist. Das Fläschchen mit Phosphor, um im Dunkel Licht zu haben. Und was Pökeln ist.

Es gibt wie immer viel Anschleichen und Lauschen, aber relativ wenig Gefangenenbefreiung. Diesmal trifft Kara Ben Nemsi nicht auch Unbeteiligte am Straßenrand, zu denen er freundlich ist und die ihm dafür hilfreiche Hinweise oder Rettung in späterer Not geben. Überhaupt ist das Personal sehr übersichtlich, ein Diagramm wie bei den letzten Malen nicht nötig. Die Schurken werden recht früh dezimiert, die Heldengruppe bleibt konstant. Bis auf den überflüssigen Anhang gibt es verhältnismäßig wenig penetrantes Christentum; das war schon mal schlimmer. (Aber der Anhang.)

Der Schut als anerkannter Mann im Dorf doppelt sich ein wenig mit dem Mübarek als anerkanntem Mann in seinem Dorf. Neu aber die Situation, wie Kara Ben Nemsi inmitten des eher feindseligen Dorfes einen Gefangenen macht. Die Anlage des Schut und deren Zerstörung erinnert ein wenig an den Schatz vom Silbersee.

Auffällig wieder einmal die Parallele zu Sherlock Holmes beim Spurenlesen:

Da diese Schärfe fehlt, so hat der Mann keine Fußbekleidung getragen; er ist barfuß gewesen. Willst Du das nun einsehen?«
»Wenn Du es in dieser Weise erklärst, muß ich Dir Recht geben.«

Man kann Halef da schon ein bisschen als genervt lesen, wenn man möchte:

»Kannst du dir denken, wer hier gegangen ist?« fragte ich Halef.
»Nein, Effendi,« antwortete er. »Da du mir deine Meinung noch nicht mitgeteilt hast, weiß ich noch nicht, von welchem Gedanken ich auszugehen habe.«

Insgesamt kann ich Band 1 und Band 3 des Orientzyklus‘ noch zur Lektüre empfehlen. Die letzten drei Bände, die auf dem Balkan und nicht mehr im Orient spielen, haben mir als Kind gefallen, jetzt stören mich ihre Schwächen mehr als bei den anderen Bänden.