Links

By | 5.4.2013

1. Warum ich nie in die GEW eintreten kann.

Weil die solche Pressemitteilungen macht: „Bayern isoliert sich schulpolitisch immer mehr!“ Was sich nach einer kühnen Aktion Bayerns anhört, ist lediglich Folgendes: Baden-Württember ist empfohlen worden, nicht mehr für Grundschule/Realschule/Gymnasium auszubilden, sondern für Klasse 1-4, Klasse 5-10 und Klasse 11-12/13, unabhängig von Schularten. Selten so unseriöse Argumentation gelesen wie dort.

Zum selben Thema kommentiert Johann Osel in der Süddeutschen, dass die Furcht vor dem Ende des Gymnasiums unbegründet ist. Und zwar deshalb, weil es das Gymnasium, so wie man es sich früher vorgestellt hat, eh nicht mehr gibt – das mit der gymnasialen Eignung ist aufgeweicht, das mit der Bildung auch („Gymnasien sind heute aber Effizienzanstalten, sie sollen mehr oder weniger auf den Beruf vorbereiten“), und außerdem werden in Zukunft die Schülerzahlen sinken, so dass sich kleinere Orte keine verschiedenen Schularten mehr leisten können.

Ich bin mir nicht sicher, wie ernst Osel das meint. Ein Kommentar zum Kommentar fasst das zusammen als: „das Gymnasium stirbt nicht – weil es sowieso schon längst tot ist“. Die von Osel genannten Tendenzen sehe ich auch (und es ist schön, sie einmal so deutlich formuliert zu hören), wenn wir auch noch lange nicht so weit sind, dass man das Gymnasium gleich für tot erklären muss. Aber man muss sich überlegen, was man mit dieser Schulart eigentlich möchte.

Die Kommission – die sich an Vorschlägen für andere Länder, etwa Berlin oder NRW, orientiert – schlägt also vor, Lehrer für alle Schularten gleich auszubilden, als „Einheitslehrer auf Gymnasialniveau“. (Mit einer Bezahlung unter diesem Niveau, sage ich mal, aber das ist volkswirtschaftlich vielleicht vertretbar.) Und dieses Gymnasialniveau für alle, das ist eigentlich eine gute Idee – schon mal deshalb, weil man dann ein vertieftes Fachstudium hat, mit dem man auf dem Arbeitsmarkt eine bessere Chance hat als mit einem nicht vertieften Studium. Für den nicht unwahrscheinlichen Fall, dass man nach dem Referendariat eben doch nicht genommen wird.

Das mit dem Gymnasialniveau kann ich mir nur nicht so richtig vorstellen. Geht es um die Studiendauer oder das fachwissenschaftliche Niveau? Kann eigentlich nur letzteres sein. Wer also jetzt Mathelehrer werden will, soll auf Gymnasialniveau Mathematik studieren, um dann in Haupt- oder Realschule oder Gymnasium eingesetzt werden zu können? Lobenswert. Ich sehe das nur nicht kommen.

(Macht das in der Schule etwas aus, wenn plötzlich alle Lehrkräfte fachlich vertieft studieren? Macht das etwas aus, wenn plötzlich alle die Lehrkräfte fachlich nicht wirklich vertieft studieren? Werden dann andere Leute Lehrer als jetzt, und ist das gut oder schlecht?)

2. Netzneutralität.

Internet funktioniert so, am Beispiel WWW: Man formuliert im Broser eine Anfrage, dass man nämlich eine bestimmte Seite sehen möchte. Diese Anfrage ist in einem bestimmten Format/Protokoll (nämlich: http) und enthält bestimmte Informationen, allen voran: welche Seite man haben möchte. Mit dem Formulieren dieser Anfrage ist die Arbeit des Browsers erst mal erledigt.
Dann stellt der Sende-Rechner meistens eine Verbindung zum Empfänger her. Diese Verbindung benutzt ein Format/Protokoll namens TCP, und um die Nutzdaten von oben werden dann Zusatzinformationen geschnürt, die daraus ein TCP-Paket machen, das auf dieser TCP-Verbindung zum Empfänger geschickt wird. (Und zwar egal, was für Nutzdaten das sind.) Haben Sender und Empfänger sich nichts mehr zu sagen, wird die Verbindung getrennt.
Zwischen Sender und Empfänger liegen aber meist viele andere Zwischenstationen, von denen die ersteren gar nichts mitkriegen. Deshalb kommen zu dem TCP-Paket noch weitere Informationen dazu, die daraus ein IP-Paket machen. Diese IP-Pakete gehen jeweils von einer Zwischenstation zur anderen.

Netzneutralität bedeutet, dass ein Kommunikationsabieter alle Pakete mehr oder weniger gleichberechtigt behandelt. Dass insbesondere nicht bestimmte Anbieter (Webseiten, Videokanäle, Musiksender) langsamer befördert werden als andere, oder gar nicht. Wenn es diese Netzneutralität nicht gibt, und gesetzlich gesichert ist sie keinesfalls, kann ein Telekommunikationsabieter verschiedene Tarife anbieten: Einmal Internet günstig (für wenig Geld; ohne Youtube), oder einmal Internet Plus (für mehr Geld; mit Youtube). Die einen sagen, dass das der Markt dann schon regeln wird; die anderen sehen gute Gründe für eine vorgeschriebene Netzneutralität. Technisch lässt sich jedenfalls jetzt schon sehr leicht nachschauen, was denn eigentlich in diesen Internet-Paketen drin ist und ob man das wirklich weiterleiten möchte.

Die Deutsche Telekom will das jetzt auch bei Festnetz-DSL-Internetanschlüssen haben: „Die Deutsche Telekom schafft die Netzneutralität auch beim Festnetz-Internet ab“. Gedacht ist das so, dass man eben keine Flatrate mehr hat, sondern ab einer bestimmten Grenze nachzahlen muss – ausgenommen das Telekom-eigene Videoangebot, das dann eben doch noch und bevorzugt transportiert wird.

In den Kommentaren zum verlinkten Eintrag bin ich auch auf diesen Blogeintrag gestoßen. Wenn es stimmt, was dort steht, dann schaut der dort genannte (amerikanische) Internetanbieter nicht nur ganz tief in die übermittelten Pakete hinein, etwa den Inhalt einer angebotenen Webseite, sondern er verändert sie auch, indem er der Webseite ein Werbebanner hinzufügt: Man fordert eine Seite an, der Server dort schickt sie los, der IP-Anbieter baut etwas HTML-Code dazu, und liefert die Seite erst dann an den eigenen Browser aus.

Das hat mich an eine Kurzgeschichte oder eher Glosse des japanischen Science-Fiction-Autors Shinichi Hoshi erinnert, „Das gebührenfreie Telephon“, 1978 erschienen, 1982 ins Deutsche übersetzt: Ein Kunde verwendet ein neues Telefon, das ihm kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Einziger Nachteil: Das Gespräch wird alle paar Sätze unterbrochen durch eine Werbebotschaft, deren Inhalt durch bestimmte Schlüsselwörter im Gespräch der Telefonierenden mehr oder weniger passend ausgewählt wird. Das war damals noch Satire.

Nachtrag: c’t-Editorial zu Telekom und Netzneutralität.

3. Wie man gute Evaluationen von Studenten (und wohl auch: Schülern) kriegt.

How to Improve Your Teaching Evaluation Scores Without Improving Your Teaching!
Warum Schulen doch nicht als Dienstleister und Eltern und Schüler nicht als deren Kunden betrachtet werden können: „The customer is always right.“

(Via erlebt.)

Nachtrag: Ich glaube, ich halte trotzdem viel davon, von Schülern Feedback einzuholen – für sich selber, etwa wie Maik Riecken mit diesen Fragen.

20 thoughts on “Links

  1. Beelzebub Bruck

    Nahezu alle Abiturienten müssen mal Englisch gelernt haben. Ich fordere daher die Dienstverpflichtung für alle bayerischen Gymnasiallehrer und insbesondere Schulleitungen, „How to Improve…“ schriftlich zu übersetzen, auch als Voraussetzung zur Ausübung des Amts von Elternbeiräten… als Merkblatt vor der Anmeldung des Sprösslings am Gymnasium…, als Vorübung für BLLVs und Osels, bevor sie etwas öffentlich sagen dürfen… als …

  2. Gibro

    In die GEW tritt man nicht wegen ihrer fortschrittlichen Positionen für eine Bildung im 21. Jh. ein, sondern um von tariflichen Aushandlungen zu profitieren.

  3. TomJork

    Hört man ältere Kollegen reden, dann ist das Gymnasium bereits tot. Die Frage ist, wie man damit umgeht und da stimme ich zu: Wer über Schulformen und Einheitslehrer diskutiert, muss sich darüber klar werden, was die jeweilige Schulform leisten soll. Angesichts der offensichtlichen Praxisferne des Lehramtsstudiums halte ich ‚ein gymnasiales Niveau‘ für alle eher kontraproduktiv. Was um alles in der Welt soll ein Lehrer, der Kinder auf HS-Niveau unterrichtet über „abgeschlossene Räume“ – ich meine die mathematischen ;-) – wissen. Da zieht bei mir auch nicht mehr das Argument, dass der Lehrer über den Tellerrand gucken können sollte. Einzig das Argument, dass ich auch jenseits der Schule noch als Mathematiker unterkommen könnte, finde ich einleuchtend – reicht aber meiner Ansicht nach nicht aus um eine derartige Reform zu begründen.
    Die Einheitsausbildung ist schlichtweg der nächste Schritt zur Einführung der Gemeinschaftsschulen durch die Hintertür. Die Ausbildungsreform zusammen mit der Einführung der alternativen Schulmodelle machen das Gymnasium entbehrlich. Auch wenn viele meinen, dass das nicht passieren sollte, es geschieht ganz einfach – schleichend.

  4. Pingback: LehrerStuhl » Blog Archive Bayern, nun mach endlich! Gemeinschaftsschule ist toll! » LehrerStuhl

  5. Jan

    Als Mathematiklehrer möchte ich vorsichtig widersprechen.
    Während meines Studiums durfte ich einen zweistündigen Vortrag über den Satz von Schur-Zassenhaus (Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Satz_von_Schur-Zassenhaus) halten und ein ganzes Seminar darüber hören. Den Schein habe ich mir eingerahmt an die Wand gehängt, aber mit der Schule hat das nicht im Ansatz etwas zu tun.
    Mein anschließendes Sek1-Studium an einer Baden-württembergischen Pädagogischen Hochschule war deutlich praxisnäher und vor allem didaktisch vertiefter.

    Ein Sek2-Studium für alle? Auf keinen Fall! :-)

  6. Herr Rau Post author

    Dein Argument verstehe ich, Jan. Es wird von den meisten geteilt werden, allen voran von den Studenten, die nur das studieren wollen, was ihnen unmittelbar für den Beruf etwas bringt.

    Und deswegen wird das mit dem angekündigten Gymnasialniveau auch so nicht Wirklichkeit werden – außer bei der Anpassung der Regelstudienzeit. Aber das Niveau wird beim Einheitslehrer sinken. Man kann allenfalls der Meinung sein, dass das nichts macht.

    (Dass ich das Argument nicht unbedingt teile, steht auf einem anderen Blatt. Wer fachlich besonders interessiert ist, wählt heute tendenziell das Gymnasialstudium. Das sind statistisch auch die mit den besseren Abiturnoten. Die Kombination fachlich besonders interessiert & lieber was mit Hauptschülern steht so gar nicht zur Auswahl, und das würde sich eventuell ändern. Aber wie gesagt, die Situation wird nicht eintreten.)

  7. horaz

    @Jan Genau diese Ansicht ist das Problem: „…aber mit der Schule hat das nicht im Ansatz etwas zu tun“.

    Ich bin seit kurzem Gymnasiallehrer (BaWü, also quasi direkt an der grün-roten Gemeinschaftsschulfront…) und unterrichte zwei Fremdsprachen – Latein und Französisch.

    Freilich habe ich im Studium Dinge gemacht, die ich so niemals mit Schülern tun kann. Das macht aber gar nichts, weil es dafür gesorgt hat, dass ich fachlich (sprachlich!) auf einem so hohen Niveau bin, dass ich den Unterrichtsstoff spielend beherrsche. Das gibt mir die Zeit, mich mit der Didaktik und gutem Unterricht auseinanderzusetzen.

    Wenn ich nun, wie geplant, als Einheitslehrer im Studium mit unzähligen Pädagogikkursen gequält werde, aber inhaltlich kaum mehr etwas geboten bekomme, dann bin ich irgendwann an der Schule und scheitere, weil ich den Unterricht nicht auf Französisch hinbekomme oder beim Übersetzen eines lateinischen Textes jede zweite Vokabel nachschlagen muss.
    Das Werkzeug Pädagogik allein bringt ohne Inhalt leider gar nix.

    Herr Rau spricht mir da mit seiner Meinung voll aus der Seele!

  8. Jan

    @Horaz
    Ich kann nicht beurteilen, ob Sprachen und Mathematik bzw. Physik da vergleichbar sind. Da lernt man nicht einfach „ein bisschen mehr“ und man hat auch keine Zeit für „Didaktik und guten Unterricht“, weil man von morgens bis abends extrem komplexe mathematische Sätze verstehen muss.
    Es geht ja nicht um Pädagogik ohne Inhalt (unterstellen Sie mir damit automatisch, ich hätte keine Ahnung vom Fach…!?), aber die wissenschaftlich hochgebildeten Akademiker, die völlig entsetzt plötzlich vor Kindern stehen, kommen eher aus der Universität als von den pädagogischen Hochschulen.

  9. Herr Rau Post author

    Ich weiß gar nicht viel über pädagogische Hochschulen, ehrlich gesagt; Bayern kommt ja ohne sie aus. Froh bin ich jedenfalls, mit Diplom- und Magisterstudenten zusammen studiert zu haben und nicht nur mit Lehrämtlern. Ist das an PHs auch so?

    Man muss bestimmt irgendwo eine Grenze ziehen. Auch ein vertieftes Lehramt Informatik dürfte nicht so tief gehen wie ein reguläres Informatik-Studium, und das ist bei Mathe wohl auch so. Für Informatik, Anglistik und Germanistik und meine Schulart kann ich aber sagen, dass da am Studium nichts war, das man ersatzlos streichen sollte. Im Gegenteil, ich habe noch Gotisch dazu genommen, weil’s mir nicht gereicht hat.

    (Ich höre von einigen meiner Kollegen allerdings auch gelegentlich, dass sie manche Inhalte für überflüssig halten. Für die waren sie es – hoffentlich haben sie dann wenigstens andere Schwerpunkte gesetzt. Vielleicht tut einer Schule eine Mischung gut von Leuten, die unterschiedliche Schwerpunkte in Fachwissenschaft und Fachdidaktik setzen.)

  10. herrmess

    @horaz: Stimme dir voll und ganz zu. Mit den entsprechenden Tiefenkenntnissen, die ich im Studium erworben habe, hat man den Kopf einfach frei, um im Unterricht zu agieren. Wenn ich mir vorstelle, dass ich als Referendar an meine Seminarschule komme und neben dem stressigen Drumherum des Schulalltags, an das ich mich erst noch gewöhnen muss, auch noch mit fachlichen Problemen konfrontiert wäre… Ich würde den Job nach ein paar Wochen einfach hinwerfen. Da ist man doch völlig überfordert. Ich hab auch viel (eigentlich) sinnloses Zeug im Studium gelernt. Musste für Latein Altgriechisch nachlernen, in Englisch haben wir uns durch Alt- und Mittelenglisch gequält. Aber spätestens in der Oberstufe, wenn man wirklich in die Tiefen des jeweiligen Faches abtaucht, kann man mit diesem Spezialwissen punkten. Man darf und soll uns auch anmerken, dass wir unseren Schülern vielleicht ein bisschen weiter voraus sind als die nächste Unterrichtsstunde.

  11. Herr Rau Post author

    Wobei es sicher Sachen gibt, die *nicht* nötig sind. Ich hatte nur das Glück, das bei meinem Studium nichts dabei war :-) Altenglisch und Mittelenglisch habe ich regelmäßig angewendet – als Zuckerstückchen im G9, im G8 habe ich wenig Englisch-Erfahrung.

  12. Beelzebub Bruck

    Was tatsächlich fehlt, sind ordentliche Praktika für Lehramtsstudenten, die auch tatsächlich betreut werden können (Anrechnungsstunden!), aber das haben wir ja nicht einmal für Referendare…

    Für mich bestand der Unterschied im Deutsch- und Geographie-Studium zu den normalen Fachwissenschaftlern in vier Merkmalen: 1.Ich habe mehr Scheine gemacht als Magistranden und Diplomanden- und zwar auch in den fachwissenschaftlichen Teilfächern (allerdngs in Geographie ohne Nebenfächer),2.meine Zulassungsarbeit hieß nur so, war aber locker so lang und gehaltvoll wie eine Magisterarbeit, 3.ich musste 13 Prüfungen weitgehend in den Sommersemesterferien, häufig in Gegenwart von angesoffenen Sportstudenten, absolvieren, 4. ich wusste dafür, womit ich meinen Lebensunterhalt verdienen würde.

    Es war dann nett zu beobachten, wie die Arroganz der diplomierenden Höchstwissenschaftler am Ende des Studiums in schlichten Neid wegen der klar umrissenen Berufsperspektive umkippte. Andererseits habe ich davon erheblich profitiert, mich anstrengen zu müssen, um mit genau diesen Leuten mithalten zu können. Und es bedurfte schon eines gewissen Durchsetzungsvermögens, wollte man nicht in irgendwelche Grundschullehrer-Hauptseminare abgeschoben werden, sondern studieren, was Wissenschaft ist bzw. damals dafür gehalten wurde.

    Diese informelle Arbeitsteilung in Veranstaltungen für Magister/Diplom/vertieft Studierende und solche für Nicht vertieft Studierende gab es in den 80er Jahren an allen Instituten, an denen ich in München studiert habe (Germanistik, Geographie, Amerikanistik, Soziologie und Politologie), bei kleinerem Lehrveranstaltungsangebot gab es über die Referate, Klausuren und Seminararbeitsthemen eine Binnendifferenzierung.

    Es gab übrigens auch in Bayern früher PHs für nicht vertiefte Lehramtsstudiengänge. Man hat sie aufgegeben, weil man sich eine wissenschaftlichere Ausbildung auch für diese Lehrämter gewünscht hat. Ergänzt wurde dieser Ansatz mit Didaktik-Lehrstühlen zu den jeweiligen Fächern. Von diesem Konzept ist man in den letzten beiden Jahrzehnten offensichtlich wieder abgekommen oder die Begehrlichkeiten der Fachwissenschaften waren einfach zu groß…

  13. herrmess

    @Herr Rau: Mach ich auch gerne. Aber wie gesagt, nur zur Garnierung. Beudeutungswandel von Wörtern oder einfache Etymologie-Geschichten mit Lautwandeln eröffnen den Schülern garantiert eine komplett neue Sichtweise auf die Sprache, aber letztendlich ist das ja nur für einen Bruchteil interessant – und für den Lehrplan völlig irrelevant. Auf Letzteres wollte ich eigentlich hinaus. Ich persönlich finde solche tieferen Einblicke höchstinteressant und ich hab mit Begeisterung meinen Chaucer gelesen. Aber im Lehrplan selber finden solche Dinge überhaupt keine Erwähnung. Sowas muss der Lehrer anbringen – WENN er es kann. Und bei nivellierenden Standards in der Lehrerausbildung wäre es schade, wenn das irgendwann mal nicht der Fall wäre.

  14. Tommdidomm

    Zum Punkt mit dem vertieft/nicht-vertieft wäre mindestens von meinen Fächern her (Deutsch, Geschichte und Sozialkunde)zu erwähnen, dass es keine Unterschiede gab, was die Auswahl von Seminaren und deren Inhalten gab. Ich saß mit meiner Frau (nicht wegen ;) )(nicht immer jedenfalls)(wir haben später geheiratet), die gymnasial studierte, in denselben Veranstaltungen.
    Die Unterschiede gab es bei der Anzahl der Prüfungen (z.B. Examen in Landesgeschichte Bayern für meine Frau) und den Aufgabenstellungen im Examen – wobei ich mich noch an mein Examensthema in neuerer Deutscher Literatur erinnern kann: „Stellen sie die Stellung Heinrich Heines und seiner Lyrik zwischen Romantik und Vormärz dar.“ Wo ist da das Nicht-Vertiefte oder Vertiefte? Vielleicht in der Korrektur…das weiß ich nicht.
    Hier an der Uni Erlangen/Nürnberg wird/wurde getrennt. Dort gab es eine EWF (Erziehungswissenschaftliche Fakultät), an der die Lehrämtler schwerpunktmäßig unterrichtet wurden. Aber wie genau der Unterschied war, weiß ich nicht, da ich in Würzburg studierte.
    Unterm Strich finde ich es aber sehr wichtig, mehr zu lernen, als ich im Unterricht brauchen kann. Auch für mich selbst ganz persönlich.

  15. Beelzebub Bruck

    Das mit den Examensaufgaben für vertieft bzw. nicht vertieft Studierende kann ich bestätigen. In meinem Prüfungssemester wurde spekuliert, dass das Lyrikthema in der vertieften NdL-Prüfung ein Hölderlin-Text sein könnte (Hinweis für literarische Fußgänger: sauschwer!, weil gerade irgendso ein Jubiläumsjahr war. Ein Hölderlin-Text war dann Thema im nicht vertieften Examen, während das Thema für zukünftige Gymnasiallehrerinnen in der Untersuchung eines Sonetts von Hoffmannswaldau bestand, das fast jede schon im Deutschunterricht der 10. Klasse kennengelernt hatte. Wir haben uns die Augen gerieben und uns gefragt, ob die Entscheidenden bei der Auswahl a) nüchtern waren oder b) eine „Differenzierung“ der Grundschullehrinnen-Ergebnisse erzwingen wollten.

  16. horaz

    Was Tommdidomm und Beelzebub beschreiben, gibt es in BaWü bisher aber nicht. Dadurch, dass Grund- bis Realschullehrer an der PH ausgebildet werden, Gymnasiallehrer aber an der Uni, besteht hier nicht nur eine räumliche, sondern auch eine studieninhaltliche Trennung. Und das funktioniert m.E. sehr gut – durch die Abschaffung dieser Trennung „wird sich auch der Südwesten die Probleme einhandeln, an denen die Lehrerbildung in anderen Bundesländern schon lange krankt.“ (http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/campus/lehramtsstudium-nicht-fuer-die-schule-fuer-die-stufe-lernen-wir-12130401.html)

  17. tommdidomm

    @horaz: Diese Trennung habe ich nie anders gekannt…Die Trennung, die du beschreibst, würde aber – wenn nicht grundlegend reformiert würde – hier eben nicht funktionieren, weil die Realschule z.B. in seinen Methoden, seinem Anspruch und seinen Inhalten eher näher am Gym liegt als an den anderen genannten Schularten. Daher wird auch immer leichtfertig von der Zusammenlegung HS, MS und RS gesprochen, wobei man aber verkennt, dass unser Profil in Bayern einfach ein anderes ist (unser=Realschule). Und mir geht auch nicht ganz ein, warum gymnasiale Lehrer eher an der uni ausgebildet werden sollen – etwa weil deren Klientel allesamt studiert?

    All das aber ungeachtet meiner persönlichen Überzeugung, dass universitäre Ausbildung für Lehrer auch mehr (pädagogische) Inhalte über die Fachinhalte hinaus bereitstellen muss. Die Didaktik bringt da m.E. wenig, weil sie den Großteil der Zeit damit beschäftigt ist, sich selbst bzw. ihre Existenz zu rechtfertigen.

  18. Beelzebub Bruck

    Es gab für mich kein anderes Fach als die Didaktiken, in denen z.B. ernsthaft (also jenseits der Kochrezepte des Referendariats)über die Prüfung und Bewertung von Schülerleistungen nachgedacht wurde. Da mir aus dienstlichen Gründen alljährlich repräsentative Mengen von Schüleraufsätzen auf den Tisch flattern, bei denen jeder so für sich (hoffentlich wenigstens das!) über die Bewertungen jenseits besagter Kochrezepte nachgedacht hat, brauchen Fachdidaktiken allein deshalb schon für mich keine weitere Rechtfertigung. Aber das mag zu anderen Zeiten anderswo anders gewesen sein.

  19. Elke T.

    „Es gab für mich kein anderes Fach als die Didaktiken,…“ HÄ?

    Schwerer, leichter, seichter…? Wollen wir nun in den Chor derer mit einfallen, die sich darüber dafinieren müssen, andere schlechter zu machen?

    Jungs, sagen wir in den Pausen bei solchen Gesprächen, lasst den Schanzvergleich, das ist öde.
    Das Interessante dabei ist, dass die Jungs in der Mittelstufe oft ähnliche Attitüden pflegen.
    Ist das genetisch?

    Ich halte das Konzept einer bundesweit abgestimmten Stufenausbildung für besser, als den aktuellen Wirrwarr an landesspezifischen Bildungsblindflugvereinen.

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