Alles über: Wie die Note aufs Zeugnis kommt

Das weiß vermutlich nicht jeder, und interessant ist es wohl doch, und übermorgen gibt es Zwischenzeugnisse.

In Bayern läuft das auf dem Gymnasium so: Der Fachlehrer macht in Kernfächern schriftliche Noten in Form einer vorgegebenen Anzahl an angekündigten Tests über den Stoff der letzten Wochen (Schulaufgaben). Dazu kommen mündliche Noten, zu denen auch unangekündigte schriftliche Tests zählen.
Der Durchschnitt der schriftlichen Noten wird verdoppelt, der Durchschnitt der mündlichen Noten dazu gezählt, das ganze gedrittelt, und heraus kommt dann etwa 2,66 oder 4,58 oder so etwas. (In manchen Fächern werden die mündlichen Noten gleich gewichtet wie die schriftlichen Noten; außerdem ist dies seit kurzem als Modus-21-Maßnahme auch in den Sprachen möglich.)

Aus diesem errechneten Wert macht der Fachlehrer einen Notenvorschlag. Bei 2,27 wird das sicher die Note „gut“ sein, bei 4,89 die Note „mangelhaft“. Allerdings gibt es pädagogischen Spielraum; man muss bei 3,45 nicht die bessere, bei 3,55 nicht die schlechtere Note geben. Wie groß dieser Spielraum ist, steht nirgendwo.

Einige Zeit vor dem Zeugnis gibt es Klassenkonferenzen. Dort müssen mindestens die Hälfte der Fachlehrer dieser Klasse und der Schulleiter oder ein von ihm beauftragter Vertreter, meist ein Mitglied des Direktorats, anwesend sein. Diese Klassenkonferenz ist es, die die Zeugnisnote festlegt, und nicht der Fachlehrer. (In anderen Bundesländern ist das anders.) Wenn der Klassenkonferenz nicht einsichtig ist, wie der pädagogische Spielraum genutzt wurde, kann der Fachlehrer überstimmt und sein Notenvorschlag abgelehnt werden.
Damit in diesen Konferenzen nicht zu allzu langen Diskussionen kommt, gibt es an jeder Schule Hausregeln, ab welchem errechneten Wert welche Entscheidung wie gut begründet werden muss. Eine einfache Regel könnte lauten: bis einschließlich ,50 gibt es die bessere, ab ,51 die schlechtere Note; alles andere muss formlos schriftlich begründet werden. Eine andere Regelung könnte sein: Alles zwischen ,40 und ,60 muss schriftlich formlos begründet werden, egal in welche Richtung die Note geht.

Wie gesagt, die Regeln für das Begründen in den Konferenzen sind wohl von Schule zu Schule verschieden. Den Spielraum haben Lehrer und Konferenz aber in jedem Fall. Darf ich dennoch vermuten, dass der zu erwartende schriftliche und sonstige Aufwand eine Rolle spielt bei der Entscheidung der Lehrer?

Die Gesamt-Lehrerkonferenz entscheidet zum Halbjahr über das Bestehen der Probezeit. Beim Jahreszeugnis entscheidet sie darüber hinaus, ob ein Schüler (wegen 5ern oder 6ern) tatsächlich durchfallen oder vom Wiederholzwang befreit werden soll, wofür es bestimmte Kriterien gibt.

Das Jahreszeugnis ist ein Dokument, das Zwischenzeugnis nicht. Es ist lediglich eine Mitteilung über den aktuellen Leistungsstand und muss auch gar nicht handschriftlich unterzeichnet sein. Es gibt zwei Tendenzen, wie man das aktuelle Zwischenzeugnis verändern kann: Einerseits kann man es aufwerten, mit ausführlicheren Kommentaren und hochwertigem Papier; andererseits könnte man den Mitteilungs-Status betonen und den Schülern tatsächlich ihren Durchschnitt mitteilen statt einer Note. (Das hätte ich gerne; es widerspricht vermutlich der Schulordnung.)

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13 Thoughts to “Alles über: Wie die Note aufs Zeugnis kommt

  1. Unpraktisch ist allerdings, wenn dann im Zeugnis bei einem Freund eine 3 stand, obwohl er schriftliche und mündliche nur Einser hatte. Naja, hatte sich dann wer in der Zeile verguckt und ihm aus Versehen eine andere als seine Note eingetragen…aber trotzdem, sowas darf eigentlich nicht passieren, sonst laufen die Schüler noch nach jedem Zeugnis zu ihren sämtlichen Lehrern und fragen noch nach, ob alles seine Richtigkeit hat…

    Obwohl meiner Meinung nach die Wichtigkeit der Noten bis zum Abitur aus Sicht der Schüler zum Teil unter-, zum Teil überbewertet wird.
    Klar, die Noten sind wichtig, aber für Universität und Beruf spielen hauptsächlich Abiturnoten eine Rolle. Deswegen verstehe ich Schüler nicht, die mit Lehrern um ihre Noten schachern wollen (Ihre Meinung dazu?), andererseits aber auch die nicht, die garnichts tun – wer nur schlechte Noten hat, wird sich mit dem Abitur bestimmt nicht leichter tun als jemand mit deutlich besseren Noten, und es gehört schon fast etwas dazu, sich 9 Jahre garnicht anzustrengen (in der Grundschule kamen ja alle immerhin noch auf einen Schnitt von 2,33 oder weniger)…
    Ich halte es da mit dem meiner Meinung nach mit dem einfachen Standpunkt, dass ich, wenn ich schon in die Schule gehen muss (egal, ob ich das freiwillig auch tun würde oder nicht), auch gleich was dafür tun kann – man muss ja nicht jeden Tag stundenlang lernen, aber zumindest im Unterricht aufpassen wäre doch praktisch…kostet nichts (uns jedenfalls, den Staat durchaus) und wird sich später lohnen.

    Hm…das hat jetzt nur sehr bedingt was mit dem Blogeintrag zu tun, aber ich konnte es mir nicht verkneifen ;)…

  2. Noten sind sowieso eine strittige Sache… ich wollte mir dazu immer schon mal Ingenkamp zu Gemüte führen, aber irgendwie vergesse ich das auch immer wieder…

  3. Ich kann mir vorstellen, dass das mit den falschen Noten vorkommt; selber erlebt habe ich nur, dass die falsche Fächerbezeichnung dastand, also etwa „Biologie“ statt „Informatik“. Peinlich ist das so oder so.
    Alles andere sehe ich ganz genauso. Furchtbar, das Geschachere. Ich verstehe das ein bisschen in der Kollegstufe, wo es schon ums Medizinstudium geht. Auch da ist das Schachern abstoßend, vor allem, wenn man merkt, dass es wirklich nur um die Noten geht und nicht um das Lernen.
    In den Klassen vor der Kollegstufe ist ein Grund wohl auch, dass nicht klar ist, und zwar weder Lehrern noch Schülern, welche Noten welcher Leistung entsprechen. Wie gut muss man wirklich sein, um ein „gut“ zu bekommen?
    – Ansonsten: Ja, wenn man eh schon da ist, kann man doch genauso gut aufpassen. Das lohnt sich später tatsächlich.

  4. Vieles bleibt unklar. Aber um alles normieren zu können, müsste man nicht nur den Lernstoff und die Materialien exakt vorgeben, sondern auch die Lehrerpersönlichkeit den jeweiligen Pädagogikströmungen anpassen.
    Ich habe einige alte DDR-Schulbücher und Lehrerhandbücher. Dort hat man es versucht.Das haben wir jetzt innerhalb der Bundesländer. Wir hier können flexibel mit dem Stoff umgehen (Richtlinien) , in BaWü und Bayern hegt es sehr streng zu(Lehrplan).
    Meinen Schülern erkläre ich das so:
    Wenn man die Hälfte der Punkte hat, die der Lehrer verteilt , so ist das ein ausreichend.Der Rest ist dann eine proportionale Sache. Die zu bearbeitende Stoffmenge, die Bearbeitungstiefe und der Umfang de Arbeit ist Lehrersache.
    Also können Noten nicht objektiv sein.Sie sind von zu vielen Faktoren abhängig.
    Schüler sind ja auch nicht genormt.

  5. Naja, ich muß zustimmen, dieses Geschachere ist wirklich nicht nötig. Wenn man schon nicht lernt/aufpasst sollte man auch die Konsequenzen tragen. Und das gilt meiner Meinung nach selbst in der Kollegstufe. Gut, ich war garantiert nicht das, was man sich so landläufig unter einem Musterschüler vorstellt, aber ehrlichgesagt, ich konnte immer sehr gut mit meinen Noten leben, sie spiegelten (im Durchschnitt, hin und wieder ein Ausrutscher in beide Richtungen war schon drin) das wieder, was ich geleistet habe.
    Btw, @ Herr Rau, GRG ist richtig, über den Weg gelaufen sind wir uns dort sicher auch (und wenn nur in Vertretungsstunden), aber ich hätte wirklich gedacht, Sie hätten mich mal unterrichtet. Naja, ich kann mich auch irren. 1997/98 war ich noch… mal rechnen… in der 9. Klasse, ich hab 2002 Abi gemacht.

  6. Zu den Notenverwechselungen kann ich nur sagen, dass sogar Kinder in Krankenhäusern verwechselt werden.

    Das Problem ist: Schule ist ein Massenbetrieb und da passieren eben auch Fehler.
    Zur Vermeidung gibt es eben diese Konferenzen und Zeugnisse werden (zumindest bei uns) noch mal gegengelesen.

    Notengebung ist schon ein seltsames Feld…
    @Herr Rau: Klasse Artikel!

  7. Also das mit den Verwechslungen ist wirklich schocking…
    In der driten Klasse haben sie mein Zeugnis mal mit dem eines mitschülers verwechselt. Damals hatte ich nur eine zwei (in Sport) und plötzlich waren lauter dreier und auch ne vier in HSK auf dem Blatt. Ich hab voll den Heulanfall bekommen und es hat Stunden gedauert bis ich mich wieder beruhigt habe… Heute find ichs ja lustig, aber damals wars einfach nur schrecklich…
    Hab mir schon öfters gedacht, wies wohl für den anderen Schüler war, das er ein unverhofft gutes Zeugnis bekommen hat und dann warns doch wieder nur die dreier. Lustig war auch, dass ich laut dem anderen Zeugnis ne eins in Sport gehabt hätte (was ja genau nicht der Fall war :-))

  8. Was mir neu ist: diese Verpflichtung zur Begründung, wenn man arithmetisch und pädagogisch zu anderen Noten kommt.
    Wobei diese Abweichungen – zumal wenn sie sich negativ für SchülerInnen auswirkt – häufig nicht akzeptiert wird. Da ist dann eine schon einmal formulierte Begründung, nebst möglicherweise einer Diskussion darüber, eine gute Übung.

  9. Kein schlechter Artikel! Naja ich denke einfach das die Notenregelung generel stark variiert. Während die einen bestimmte Anforderungen haben, haben die Anderen andere Vorstellungen. Zumindestens in Bayern. So kann es dir schon einmal passieren das du in einer Jahrgangsstufe um bis zu 4 Notenstufen hoch oder runterfällst, ohne eine Veränderung der Arbeitshaltung.
    Vorallem merkt man sowas im Fach Deutsch. Indem wirklich viel vom Lehrer abhängt.

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