Pädagogische Metaphorik

“Man muss die Schüler dort abholen, wo sie sind.”

Könnte man nicht stattdessen, wie bei allen anderen Veranstaltungen dieser Art (Schulausflügen, Klassenfahrten), einen gemeinsamen Treffpunkt ausmachen?

Das wäre doch viel praktischer. Ich habe in jeder Klasse mindestens einen Markus oder eine Sabine (Namen geändert), wenn sich die Schüler jeweils bei denen treffen könnten, könnten wir alle gemeinsam fahren. Bei den 5. Klassen ist man beim Wandertag noch sehr kleinschrittig und besorgt und kümmert sich um die Kleinen, aber in der Oberstufe könnte man doch einen Treffpunkt ausmachen, finde ich.

Textaufgaben Informatik 10. Klasse

Ich glaube, das wird mir in Zukunft noch viel mehr Spaß machen:

Herr Rau, ich habe da eine Bitte. Wir wollen unsere Lehrer und Schüler nicht mehr mit den alten Karteikarten erfassen, sondern mit einem Computerprogramm. Und da schaue ich sie an: Sie kennen sich doch mit Computern aus. Also, wir haben ja viele Schüler. Für den Anfang reicht es, wenn wir ihren Namen und ihre Konfession erfassen. Ach ja, das Eintrittsjahr ist noch wichtig und die Nummer in der Klasse. Beides zusammen reicht uns, die Schüler eindeutig zu bestimmen. Das ist ein bisschen umständlich so, aber unser Programm muss ja mit dem Programm des Ministeriums zusammenarbeiten. Und dazu sage ich jetzt lieber nichts.
Von jedem Schüler will ich auch wissen, in welcher Klasse er ist. Und von jeder Klasse will ich den Klassleiter herausfinden können. (Nur den ersten. Der zweite ist mir egal.) Sie wissen schon, wenn es irgendwann mal Probleme gibt.
Jetzt hätte ich doch fast die Lehrer vergessen. Die sind doch das Wichtigste. Wir brauchen eigentlich nur den Namen, das Geschlecht (für die Serienbriefe, wissen Sie, wegen der Anrede), das Geburtsjahr und den Wohnort. Das reicht. Ach so, wegen den beiden Frau Meyers… die schreibt man aber unterschiedlich, nicht wahr? Aber das stimmt schon, nehmen Sie auch noch die Personalnummer mit auf, das ist eine gute Idee. Und ich will wissen, welcher Lehrer überhaupt welches Fach unterrichten darf, und zwar auch seit wann. Sie dürfen ja selber Deutsch schon seit vielen Jahren unterrichten und Informatik erst seit kurzem, glaube ich. Manche Fächer sind Pflichtfächer, andere nicht, das sollte auch irgendwo in der Datenbank auftauchen. Ach ja, können Sie noch irgendwo speichern, welches das Klassenzimmer jeder Klasse ist? Das habe ich vorhin vergessen.
Und zum Schluss möchte ich noch abfragen können, welcher Lehrer in welcher Klasse in welchem Fach eingesetzt ist, und zwar jeweils mit wieviel Stunden. Pro Fach gibt es nur einen Lehrer pro Klasse, bis auf das Mogelfach Naturundtechnik, aber das lassen wir mal weg. Wir tun einfach so, als wäre Naturundtechnik zwei Fächer, eines das Informatik heißt und eines, das Bio oder Physik heißt.
Ja, das wäre alles, was mir einfällt.
Schaffen Sie das bis morgen?

Aufgabe: Erstellen eines Entity-Relationship-Diagramms dazu mit Angabe der Funktionalitäten.
Damit kann man eine Klasse in Gruppen gut 50 Minuten beschäftigen, ohne dass es die Schüler langweilt, zusammen mit einem Editor. (Ich habe eine Doppelstunde Informatik, sehr praktisch.) Die zugrunde liegende Datenbank habe ich aus meinem Studienmaterial übernommen. Fürs nächste Mal denke ich da eher an eine Datenbank, die Dr. No in Auftrag gibt: Verwaltung der Agenten und Mittelsmänner, Bomben und unterirdischer Basen. Oder so. Immer nur Bibliotheksdatenbanken anlegen ist doch langweilig. Da kann man auch die Kundenwünsche noch spritziger formulieren.

Als nützliches Werkzeug empfehle ich den Diagramm-Editor Dia (Windows-Download-Seite). Geschrieben in C, freie Software unter Lizenz (GPL), Installation durch einfaches Auspacken, was heißt, dass das Teil auch in unserem Computerraum läuft. Voreingestellt sind Diagrammobjekt-Typen für UML, ER, Flowchart, isometrische Gebäudeteile und vieles andere, von dem ich keine Ahnung habe. Was leider nicht geht, sind Struktogramme, dafür braucht’s dann im zweiten Halbjahr ein anderes Programm.

Man kennt das ja von den Kassen beim Einkaufen

Man stellt sich immer an der falschen Kasse an. Als geübter Einkäufer achtet man natürlich darauf, wie lange die Schlange ist, aber auch darauf, wieviel die Leute in den Einkaufswagen haben, wie tüchtig die Kassiererinnen sind und ob die Leute vor einem so ausschauen, als ob sie bar zahlen oder mit Scheckkarte, und wenn ja, wie lange sie wohl brauchen, bis sie Portemonnaie oder EC-Karte gefunden habe. Es hilft alles nichts, man nimmt immer die falsche Schlange.

So ähnlich ist das auch bei den Klassenelternabenden: Auf diesen Abenden ist es üblich, dass der Klassleiter bis zum Schluss da bleibt und am Ende Klassenelternsprecher wählen lässt; davor ziehen wandernde Informatik‑, Englisch- oder Mathelehrer von Klasse zu Klasse und sagen ihre Sprüchlein auf.
Und da hilft es, wenn man ein gutes Auge dafür hat, welche Lehrer vor einem im Klassenzimmer stehen und reden. Heute habe ich es fast richtig getroffen, aber dann kam mir doch ein unerwarteter Deutschlehrer dazwischen. Teufel auch. (Wobei es auch Lehrer anderer Fächer gibt, die sich weniger kurz fassen als nötig. Man kennt sich.)

Zwei Stunden nichts essen dürfen

macht immer so Hunger: Ich war beim Zahnarzt. Nur zur Kontrolle, nicht gebohrt, die zwei Stunden liegen an der Fluoridbehandlung. (Man merkt leider, ich bin Privatpatient.) Ich musste mich sanft rügen lassen wegen meiner nachlässigen Verwendung von Zahnseide. Sind diese Arzthelferinnen mit dem sanft rügenden Blick denn wirklich selber so disziplinierte Wesen, wie sie suggerieren? Bei mir ist es jedesmal eine mittlere Leistung, nach einer aufgebrauchten Rolle Zahnseide eine neue zu besorgen.
Heute, gleich nach dem Zahnarzt, hatte ich bei der Apotheke um die Ecke dann die Wahl: SuperFloss, EssentialFloss oder UltraFloss. Alle von der gleichen Marke, andere Marken und Varianten hätte es auch noch gegeben. Ich habe mal klein angefangen und mit Essential begonnen, zu Ultra muss ich mich erst emporarbeiten, denke ich.

(Tja, heute mal nichts von der Schule.)

On not playing golf

Vermischte Kleinigkeiten:

Zum Kennenlernen im LK bekamen die Schüler verschiedene Kärtchen mit jeweils fünf Aufgaben darauf: “Find somebody who can play the guitar”, “Find somebody who can say hello in Spanish” und so weiter. Immerhin: Von über zwanzig Schülern spielt kein einziger Golf.

Die Schule läuft normal, bald gibt es die ersten Schulaufgaben. Mit ein paar Klassen läuft es gut, mit ein paar Klassen nicht so gut; ich hoffe, das regelt sich mit der Zeit. Zum Trost heute neuen Technikkram gekauft und dabei gesehen, dass es endlich wieder die allerbeste Schokolade gibt. Die hier:

schokolade.jpg

Ein Italien-Import. Ich esse ja an sich die meisten Schokoladensorten, ein paar davon aber nur ungern. Diese hier gibt es nur in wenigen Läden, die letzten Monate waren gar keine Tafeln zu haben. Deshalb habe ich auch mit beiden Händen zugegriffen. Schmeckt sehr lecker nach Schokoladenpudding. (Die Sorte gibt es auch mit 56% oder 85% Kakao, beides lange nicht so gut.)

Zieh deine Hose hoch, man sieht deine Arschritze

Aufgebrachte Unterstufenschülerinnen bei mir, weil der Mitschüler das in einer Freistunde zu einer Schülerin gesagt hat und sich nicht dafür entschuldigen wollte.

Ja, habe ich gesagt, ich rede mal mit ihm. Das war nicht freundlich von ihm, nicht nett, auch nicht höflich, sondern grob, habe ich gesagt. Aber die Schule kann Schüler nicht dazu zwingen, nett zu sein, und ich werde ihn nicht zwingen, sich zu entschuldigen. (Sachlich recht hatte er wohl.)

Ich habe dann auch mit ihm geredet; er sieht die Situation selber schon richtig und differenziert. In Zukunft soll er auf die Wortwahl achten und insgesamt das Klassenklima im Auge behalten und doch, bitte, auch bei den Jungs mit baggy pants sagen, dass es aussieht, als hätten sie in die Hose gemacht.

Ich denke mal, das war richtig so. Hätte ich anders reagieren sollen? So ziemlich jeder Lehrer dürfte beim Anblick eines solchen Klempner-Dekolletés (auch: coin slot, builder’s bum, plumber’s cleavage) Ähnliches denken. Dürfen Schüler eher unfreundlich sein, wenn sie das aussprechen, was der Lehrer nicht darf oder zumindest nicht tut; lässt man ihnen mehr Freiheit, wenn sie die herrschende Meinung (also die des Lehres) teilen? Schüler dürfen ja nicht ungerügt alles sagen, bloß weil es wahr ist.

Wie sähe es bei einem Unterstufenkommentar zur bauchnabelfreien Speckrolle aus, wieviel lasse ich da durchgehen?

Blog-Lesetipp

Leseempfehlung, nur kurz, weil ich gerade sehr beschäftigt bin (Elternabend, Versammlungen): MondSemmel gibt einen interessanten Einblick in ein Schülerleben.

Das Blog ist noch neu genug, angefangen dieses Schuljahr, so dass man die Gelegeneheit nutzen kann, gleich von den ersten Einträgen an mitzulesen. Fast jeden Tag gibt es einen sehr ausführlichen Eintrag in englischer Sprache. (Der Schüler sitzt in meinem Englisch-LK. Jetzt lese ich schon zwei rege Blogger, die ich gleichzeitig auch unterrichte. Ein bisschen mulmig ist mir dabei schon. Nur ein bisschen.)

Lesenswert finde ich das Blog wegen der Gedanken zu Atheismus und Rechtschreibung, wegen der wunderbaren Wörterlisten, der schönen Formulierungen und der nicht unkritischen, aber positiven Einstellung zur Schule.

(Ich habe vorher gefragt, ob ich die Seite hier nennen darf.)

Klassenhomepages

In einer E‑Mail hat mir Marek Ventur, Gymnasiast aus Rheinland-Pfalz, sein Projekt www.school-connect.de vorgestellt. Dort können Schulklassen kostenlose Klassenhomepages einrichten und mit einem einfachen Content-Management-System deren Inhalte verwalten. Noch sind die Klassenhomepages auch ohne Werbung, aber das kann sich in Zukunft vielleicht ändern.

(Zu dem Projekt gab’s auch schon einen Beitrag beim Bildungsblog mit kleiner Diskussion in den Kommentaren.)

Die Seite www.school-connect.de macht auf jeden Fall einen soliden Eindruck: Stundenpläne und Fotos lassen sich einstellen, es gibt eine Benutzerverwaltung und verschiedene Administratorenlevels, ein Gästebuch, Geburtstagslisten, einen Counter, ein Nachrichtensystem, die Möglichkeit, einzelne Seiten für Nicht-Klassenmitglieder zu sperren oder freizuschalten. Soweit ich sehen kann, funktioniert alles, und Marek bastelt regelmäßig an den Seiten herum und ist offen für Vorschläge, was sich noch verbessern lässt.

Wenn Schüler eine Klassenhomepage wollen und nicht über das technische Wissen verfügen, ist das eine gute Möglichkeit, sich einen eigenen Bereich im Web zu schaffen, in dem man sich austauschen und nach außen hin präsentieren, Material sammeln und in Kontakt bleiben kann.
Und ich finde, das sollten Schüler tun. Weil sie dabei viel selber machen und viel lernen können. Sehr gerne hätte ich ein ähnliches System wie school-connect, nur unterrichtsorientierter: Es gibt kein CMS, das ganz auf die Wünsche von Schulen und Lehrern zugeschnitten ist.

Restlos begeistert bin ich trotzdem nicht. Ich habe einfach zu viele schlechte Klassenseiten und ‑foren gesehen. Weiß jemand eine wirklich gute solche Seite, die ohne Unterstützung von Lehrern zustande kommt? (Und school-connect scheint mir darauf angelegt.) Ich lasse mich gerne eines Besseren belehren. Wenn es solche Seiten gibt, deren Inhalte nicht öffentlich sind, bin ich wenig begeistert. Information ist zum Teilen da, was öffentlich sein kann, sollte es sein. Dass es daneben geschützte Bereiche geben muss, ist völlig klar.

Hinweggemogelt habe ich mich eben darüber, was eine gute Klassenseite ausmacht:

Langweilen euch andere Internetseiten? Auf eurer Klassenhomepage könnt ihr eure Textseiten (z.B. mit den neusten Hausaufgaben…) gestalten wie ihr es wollt! Fügt Links ein, verändert die Schrift.…

Nun zeichnen sich gute Seiten eben nicht nur, und meiner Meinung nach am wenigsten, durch die Gestaltung der Seite und die Schriftart oder ‑größe aus, sondern durch Inhalt.
Aber vielleicht ist es so, dass es gar nicht wichtig ist, eine in den Augen von Lehrern gute Seite zu erstellen. Vielleicht gibt es genügend andere Gründe dafür, eine solche Seite einzurichten. (Wozu muss es überhaupt Gründe geben? Weil ich Lehrer bin. Wenn ich mich für Klassenhomepages ausspreche, muss ich einen Grund dafür haben, ansonsten ist das ein Hobby der Schüler, das mich ebensowenig interessiert wie die privaten Treffpunkte der Schüler im realen Leben.) Vielleicht reicht es, wenn die Teilnehmer etwas über den Umgang mit dem WWW lernen und einfach nur vom Informationsaustausch durch das Einstellen von Hausaufgaben und Bildern profitieren. Chatten, gegenseitiges Fellkraulen, schwarzes Brett. Ist das so, oder ist das nur Spielerei für Gelangweilte, die dann vor allem lernen, dass es auf Rechtschreibung nicht ankommt?

Wovon ich träume, ist ein schulinternes CMS, das sich leicht verwalten lässt, das verschiedenen Gruppen verschiedene Möglichkeiten für verschiedene Projekte lässt, aber das trotzdem auf einem Server liegt. Das heißt, eigentlich will ich nur, dass alle Parteien wissen, was die anderen so treiben. (Weil das Informationsgewinn für alle ist. Synergie. Sagt man das noch, oder nur noch Web 2.0?) Es muss dann also doch gar kein einheitliches CMS sein, kein einheitlicher Server, es reicht konsequentes Web‑2.0‑Denken: Wenn das eine CMS weiß, was das andere treibt, Links aktualisiert, Inhalte einbaut. Dazu reicht schon die sinnvoll genutzte Schnittstelle RSS. Die Systeme müssen auch nicht alle auf der Schuldomain liegen, denn die Schulleitungen sind sicher manchmal konservativer beim Zulassen von Texten, als es Schülern recht und sinnvoll ist.
Zur Zeit sieht das so aus, dass bei uns jede Klasse mit Homepage ihre eigene .vu-Domain hat und jede AG ihr eigenes CMS fährt. An Schnittstellen denkt dabei keiner. Das liegt auch daran, dass eine zentrale Verwaltung ohne verteilte Administratoren, so wie es zum Beispiel an unserer Schule ist, sehr umständlich ist, und daran, dass die Seiten oft von Bastlern eingerichtet werden, von denen jeder auf sein eigenes CMS schwört.

School-connect geht insofern in eine Richtung, die mir gefällt, als dass die Klassenseiten dort nach Schulen geordnet sind. So sieht man immerhin, welche anderen Klassen aus der eigenen Schule dort auch eine Homepage haben. Deshalb will ich am Schluss noch einmal www.school-connect.de empfehlen als Möglichkeit, sich unkompliziert eine Klassenhomepage einzurichten und die Administrationsaufgaben einfach zu verteilen. Was auf den Seiten dann steht und wofür sie verwendet werden, bleibt Aufgabe der Klassen.