Computerspiele objektorientiert

In der 6. Klasse lernen Schüler anhand von Vektorgraphik-Programmen, was Klassen und Objekte sind. Das ist noch anschaulich. Später und in der 7. Klasse sollen die Schüler dann auch bei der Textverarbeitung und im Internet objektorientiert arbeiten und Zeichen, Absätze, Textfelder, E-Mails und Hyperlinks als Objekte begreifen. Das halte ich für nicht mehr so anschaulich. Wieviel bringt es, die Klasse Hyperlink mit den Attributen „Verweisziel“ und „Verweistext“ zu verdeutlichen? Die Punktschreibweise zu üben mit MeineMail.Empfänger=bla@blubb.de und MeineMail.Absenden(Empfänger)? Ich glaube nicht, dass die Schüler diese abstrakteren Objekte wirklich als Objekt verstehen.
Allerdings soll man natürlich den Umgang mit Internet und E-Mails lernen, und warum nicht objektorientiert. Aber was Objekte sind, kann man aber meiner Meinung nach besser zeigen durch Modellieren in Form von Spieleprogrammierung.

„Grundschulkinder entwickeln Computerspiele“ habe ich bei TeachersNews gelesen (weitere Links dort).

GameMaker ist ein kommerzielles, aber in der einfachen Version kostenloses Programm, mit dem man Spiele programmieren kann.

Textadventures im Informatikunterricht habe ich selber mal ausprobiert.

L’s blog zitiert unter „Why Johnny can’t program“ einen Blogeintrag über verschiedene Arten, in der Schule ins Programmieren einzusteigen. Darüber bin ich auch zu Alice gekommen:

alice_cowboys.jpg

Mit Alice kann man in einer 3D-Umgebung objektorientiert programmieren lernen. Zuerst stellt man sich aus einer umfangreichen Bibliothek eine Welt zusammen, mit einem Saloon, einem Sheriff und einem Cowboy etwa. Jedes Objekt kennt die Methoden move, turn, roll, resize; say, think; move to, move toward, move away from, turn to face und etliche weitere. Neue Methoden kann man aus den alten zusammenbauen. Wenn man den Cowboy wirklich elegant zur Waffe greifen lassen möchte, braucht man eine Methode draw gun, und die setzt sich aus verschiedenen move-Methoden der einzelnen Gliedmaßen zusammen. (Jedes Körperteil besteht aus einem oder mehreren 3D-Objekten.)
Aus einem kleinen Code-Menü kann man Kontrollstrukturen zusammenbasteln: Welche Methoden nacheinander oder gleichzeitig aufgerufen werden sollen, Wiederholungen, if-Abfragen. Durch das drag-and-drop-Verfahren sieht man den produzierten Code, kann aber keine Syntaxfehler produzieren.

alice_sheriff2.png

Theoretisch kann man kleine Spielfilme damit drehen, oder einfache Spiele programmieren. Würde ich gern mal ausprobieren. Nachteil: Es gibt noch keine Exportfunktion, man kann also die Filme/Programme nicht stolz im Web herumzeigen. Ist außerdem nur auf Englisch.

(Der Vollständigkeit halber: Imperativ programmieren lernen die Schüler bei uns mit Robot Karol, in Zukunft vielleicht auch mit dem Java-Hamster-Modell.)

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6 Thoughts to “Computerspiele objektorientiert

  1. Du scheinst ja richtig kreativ zu sein um den Informatikunterricht spannend zu machen.
    Wenn ich da an die Zeiten, als ich in die Schule gegangen bin, mit Pascal denken muss ist das doch schon eine gewaltige Veränderung.
    Den Umgang mit Objekten zu verstehen bringt den Schülern sogesehen sicher insofern einiges um allgemeine Probleme zu gliedern und zu strukturieren.
    Wie schon oben erwähnt würde ich aber auch meinen, dass es übertrieben ist sämtliche IT relevanten Themen als Objekte ganz streng zu sehen. Sicherlich kann man alles als Objekte betrachten, in der realen Welt ist alles ja auch irgendwie ein Objekt, aber man geht trotzdem nicht so abstrakt ran. Eine eMail lässt sich meiner Meinung ja durchaus am besten mit derm erklären was es ist. ein elektronischer Brief. Und er funktioniert im Endefekt nicht wesentlich anders als ein echter Brief (abstrakt gesehen).

    Eine andere Sache.
    Werden eigentlich auch neben der Programmierung Themen wie Protokolle oder Workflows im Unterricht betrachtet?

    Grüße aus der Schweiz
    Martin Klebermaß

  2. Bei uns wurden noch Weihnachtsbäume in Basic programmiert, das war erst spannend!
    Vielen Dank für die Anregungen – dieses Alice ist spannend und den Hamster kannte ich auch noch nicht.
    Seit ich fachfremd Informatik unterrichten darf/ kann/ muss, sehe ich dieses Objekt-Modell als schönes Vehikel zur Verdeutlichung an, mehr ist es in der Unterstufe für mich aber nicht. Wenn Informatikunterricht nur ist „Übertrage in die Punktschreibweise!“, dann gute Nacht, denn das ist nicht nur abstrakt, sondern auch langweilig. Dann schon lieber mit der Word-Zeichenfunktion Objekte zeichen (z.B. Unterwasser-Monster), gruppieren und in PP/ Flash animieren – mit Flash/ InstantStorm lassen sich dann sogar Bildschirmschoner basteln. Das ist allemal besser als Weihnachtsbäume und Punktschreibweis-Listen…

  3. Hallo Martin, schön von dir zu hören. Was machst du denn in der Schweiz? Zeit vergeht. Protokolle und Workflows steht nicht auf dem Programm. (Das große vorgeschriebene Projekt der 6. Klasse: Eine Powerpoint-Präsentation in Zusammenarbeit mit dem Bio-Lehrer.)
    Allerdings beginnt das Fach Informatik ja ohnehin erst mit der 9. Klasse, die 8. wurde gestrichen. Also gibt es nächstes Schuljahr zum ersten Mal Informatik, wenn man von Naturundtechnik und dem Versuchszweig EGy absieht. Lehrpläne gibt es bisher nur für die Klassen 9 und 10, danach kommt die neue Oberstufe.

    Zur Verteidigung des Lehrplans: Das Punktschreiben ist nicht wirklich zentral. Anders die Objektorientierheit: „[Die Schüler können danach] die Vorgänge beim Austausch von E-Mail unter Verwendung der Grundbegriffe der objektorientierten Beschreibung von Informatiksystemen erklären“.
    Konkrete Programme zur Objektorientheit lassen sich auch schwer in Schulbüchern nennen, dazu entwickeln sich die Systeme zu schnell. Ich bin schon froh, dass Robot Karol im Buch drin ist. (Auch den soll man objektorient sehen. Bietet sich nicht wirklich an, kann man aber auch kurz machen.)

  4. Ich mache gerade meine Diplomarbeit an der ETH Zürich.
    Danach werde ich wohl in der Schweiz für längere Zeit bleiben.

    Aha ok na hauptsache es macht dir auch Spass das zu unterrichten alles ;)

  5. Moin!

    Alice ist ja spannend, schön finde ich aber auch Greenfoot. Dazu gibt es schon viele schöne Szenarien.
    Die objektorientierte Brille finde ich äußerst hilfreich, man interagiert ja praktisch immer mit Objekten (und kann üblicherweise per Rechtsklick Methoden an dem Objekt anrufen, das seine Attribute verändert). Es ist aber nicht leicht, Schülern/-innen den Nutzen verständlich zu machen.

    Viele Grüße aus Hamburg!

    http://www.greenfoot.org/

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