New York, New York

Endlich ist die CD gekommen und endlich weiß ich, wie ich das hier unterbringen kann. Also:

Zumindest im alten Cornelsen-Buch für die 8. Klasse gab es einen Anhang mit Liedern, die zum Inhalt der Units passen. Unit 2: „New York, New York“, gesungen von Frank Sinatra. „Start spreadin‘ the news…“ und so weiter. Die 8. Klasse habe ich damals mindestens dreimal gemacht, und immer viel zu New York, weil das ein schönes Thema ist.

Aber dieses Lied habe ich nie verwendet. Sondern ein anderes „New York, New York“, nämlich das von Leonard Bernstein aus seinem Musical „On the Town“. Text von Betty Comden und Adolph Green, die beide viele schöne Texte und Drehbücher geschrieben haben, vor allem „Singing in the Rain“. (Green habe ich das erste mal in „My Favorite Year“ gesehen, mit Peter O’Toole in der Hauptrolle. Auch schön.) Außerdem wurde im Cornelsen-Buch Irving Berlin als berühtmer New Yorker vorgestellt, da muss man doch irgend etwas zu Musicals machen.

Jedenfalls beginnt die Filmversion von „On the Town“ damit, dass Gene Kelly, Frank Sinatra und Jules Munshin als Matrosen ihren einen Tag Landgang in New York beginnen mit den Zeilen:

New York, New York, a helluva town.
The Bronx is up, but the Battery’s down.
The people ride in a hole in the groun‘.
New York, New York, it’s a helluva town!

Und dann erzählen sie von ihren Plänen für diesen Tag, und sie treiben sich diesen Tag lang in New York herum, um am Ende des Films, wieder um sechs Uhr in der Früh, wieder zurück aufs Schiff zu müssen. Fragen zum Text: Was bedeutet „hole in the ground“, was planen die Matrosen, was würdet ihr machen, wenn ihr nur einen Tag Zeit hättet?

Aus gegebenem Anlass habe ich gestern mit Frau Rau die Filmfassung von 1949 angeschaut. Und ich muss sagen, der Film hat sich nicht gut gehalten. Nett. Aber gar kein Vergleich zum weit besseren, ungleich weniger bekannten „It’s Always Fair Weather“ („Vorwiegend Heiter“). Dort geht es um drei Soldaten, die sich nach dem Krieg ewige Freundschaft schwören, dann aus den Augen verlieren und nach zehn Jahren aufeinander treffen. Sie haben sich verändert und sich erst mal nichts zu sagen. Dazu Gene Kelly in seiner Rollschuhnummer und Cyd Charisse tanzt sagenhaft im Boxring. Ein etwas melancholisches Musical, wenn auch mit schönem Ausgang. Die Art von Melancholie, die schon aus dem letzten Lied von „On the Town“ spricht —

— oder eben nicht, denn dieses Lied aus dem Musical „On the Town“ fehlt im Film, wie überhaupt nur ein kleiner Teil der Bernstein-Nummern übernommen wurden. Das quirlige „I can cook, too“, wie geschaffen für Bette Midler, fehlt ebenso wie das überdrehte „Carried Away“. Alles Nummern, die sich auch sehr nach Bernstein anhören. Und eben das schönste Lied: „Some Other Time“, das am Schluss des Originalmusicals steht.

HILDY:
Didn’t get half my wishes,
Never have seen you dry the dishes.
Oh, well, we’ll catch up
Some other time.
Can’t satisfy my craving,
Never have watched you while you’re shaving.
Oh, well, we’ll catch up
Some other time.

OZZIE:
Haven’t had time to wake up,
Seeing you there without your make-up.
Oh, well, we’ll catch up
Some other time.

Gesungen von den drei Matrosen und den drei Frauen, die sie an diesem Tag kennen gelernt haben. Und dann gehen die Matrosen wieder aufs Schiff, zurück in den Zweiten Weltkrieg.

— Ich kenne das Lied von einer Inszenierung der Theatergruppe des Anglistentheaters der Uni Augsburg. „A Little Older“ von John Binnie. Die schönste Erinnerung aus dem Stück: An einer besonders sentimentalen Stelle fing die Discokugel an der Decke an sich zu drehen und warf viele kleine Lichtpunkte in die Halle: „Oh look! it’s beginning to snow.“ Das war schön.

Und seit damals bin ich diesem Lied hinterhergerannt. Im Filmsoundtrack ist es nicht drin. Später habe ich konzertante Aufnahmen von „On the Town“ gefunden, eine von 1992 und eine von 1995. Beide schön, aber am schönsten ist zumindest bei diesem Lied doch die Aufnahme von 1959: Es gab keine Aufnahmen vom Broadway 1944, als das Stück Premiere hatte, aber 1959 wurde ein Großteil der Hauptdarsteller von damals noch einmal für eine Plattenaufnahme versammelt. Bernstein selber übernimmt eine Minirolle, Betty Comden und Adolph Green spielen eines der drei Paare.

Und diese Aufnahme habe ich vor ein paar Tagen endlich gekriegt. Daher dieser Eintrag.

on_the_town_small.jpg

8 Antworten auf „New York, New York“

  1. Hätte sonst die Aufnahme von Michael Tilson Thomas empfohlen, die ich habe, das sind auch all die Stücke, die du erwähnst bei. Aber ich habe gerade bei a*a*on gesehen, dass es sie nicht mehr gibt. Besonders Thomas Hampson, der den Gabey singt macht das super. Die oben gezeigte Aufnahme kenne ich nicht klingt aber sehr interessant. Naja 2008 wird ja ein Bernstein Jahr, mal sehen, was uns noch so präsentiert wird.

  2. Mir ist gerade ein Band O. Henry in die Finger gekommen, vor fünfzehn Jahren mit viel Genuss gelesen, und ich traf wieder auf den ersten Satz der ersten Geschichte, „Tobin’s Palm“, der mir damals sehr gefallen hat und das heute noch tut:

    Tobin and me, the two of us, went down to Coney one day, for there was four dollars between us, and Tobin had need of distraction.

    In „On the Town“ gehen die Seeleute ja auch nach Coney Island, um sich abzulenken.

  3. Am besten gefiel mir immer die Szene mit Gene Kelly im Balletunterricht und sein Traum mit der Miss U-Bahn auszugehen. Hach ja.

    Diese Weihnachten habe ich mir wenigstens Meet Me in St. Louis und The Bandwagon als DVD gekauft. Singin in the Rain und An American in Paris hatte ich schon vorher.

  4. Meet Me in St. Louis ist keiner meiner Favoriten, obwohl ich dabei immer wieder kaninchengebannt auf die merkwürdigen Farben und Judy Garlands Frisur starre. Allerdings. „Have Yourself A Merry Little Christmas“ ist natürlich schön.

    The Band Wagon ist ein Klassiker. (Aber das weißt du.) Normalerweise stehe ich weniger auf balletartige Nummern – auch deswegen ist mir Fred Astaire lieber als Gene Kelly -, aber in The Band Wagon gibt es eine schöne ruhige Nummer von Cyd Charisse und Fred Astaire, die selbst mir gefällt („Dancing in the Dark“). Na, und dann erst Fred Astaire, der sich selber spielt, „By Myself“, „I Guess I’ll Have to Change My Plan“ zusammen mit Jack Buchanan… schön.

    In meinem Archiv habe ich übrigens eine Videoaufzeichnung der Londoner Aufführung von On the Town von Michael Tilson Thomas gefunden. Town”. Mit Betty Comden und Adolph Green als Erzähler, und nach dem Finale stimmen sie gemeinsam „Some Other Time“ an, gefolgt vom Rest der Mannschaft. „Where has the time all gone to? Haven’t done half the things we want to. Oh, well, we’ll catch up some other time.“ War richtig schön.

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