Umfragesoftware für die Schule

Neulich ging es um Evaluation durch Fragebögen. Ich habe mich daraufhin umgeschaut, was es an Fragebogen-Software gibt. Die Übersicht ist nicht gründlich und nicht umfassend, aber genug für mich. Links zu allen Seiten stehen ganz unten.

Grafstat: Sieht professionell und gepflegt aus, ist sehr mächtig. Keine freie Software, aber für öffentliche Bildungseinrichtungen kostenlos. Die Ergebnisse werden übersichtlich dargestellt. Das Programm muss auf dem Rechner oder im Netzwerk installiert werden (was je nach Schulnetzwerk und Systembetreuer ein Nachteil ist), man kann die damit entworfene HTML-Version des Fragebogens aber auch ins Internet stellen. Allerdings ist die Serversoftware, die dann die übers Web eingegebenen Daten auswertet, nicht in der Lizenz enthalten. Allerdings gibt es acht Server, auf denen diese Software installiert ist, die man als Anwender mit benutzen darf. Allerdings jeweils nur nach Anmeldung und Freischaltung. Ein Vorteil des Programms: Die Dateien mit den Fragebögen können leicht kopiert und weitergegeben werden. Fazit: Fürs Web ist mir das Vorgehen zu umständlich; wenn der Systembetreuer eine Netzwerksinstallation ermöglicht und die Schüler im Netz arbeiten, ist das Programm eine gute Lösung.

LimeSurvey: Open Source. In PHP geschrieben und für den Einsatz auf dem Webserver gedacht. Sieht genau nach dem aus, was ich brauche. Nachteil: Das Programm verlangt mindestens MySQL Version 4.1, und auf den Servern, die mir zur Verfügung stehen, läuft nur MySQL 4.0.24 – LimeSurvey läuft bei mir leider nicht. Sehr schade.

Online-Angebote: Davon gibt es einige, aber ich bin zu sehr Bastler und Control-Freak. Ich habe mich nicht ernsthaft danach umgeschaut; ich hätte eben doch lieber alles auf dem eigenen Server.

OpenSurveyPilot: Open Source, ebenfalls in PHP, läuft fehlerfrei. Damit lassen sich sehr differenzierte Fragebögen entwerfen, mit Sprüngen zu verschiedenen Fragegruppen je nach Antwort. Differenzierte Benutzerverwaltung. Die Ergebnisse kriegt mein Server nur als Tabelle hin (natürlich auch mit CSV-Exportauch), für die Diagrammfunktion fehlt ein PHP-Modul. Das Hauptproblem: Ich habe nicht herausgefunden, wie ich einen Fragebogen kopieren kann – um ihn etwa an andere Nutzer von OpenSurveyPilot zu verteilen, oder um gleichzeitig den gleichen (aber eben nicht denselben) Fragebogen benutzen zu können, nur eben von verschiedenen Schulklassen. Laut Forum ist das ein oft gewünschtes, aber noch nicht implementiertes Feature. Das ist ein Ausschlusskriterium für mich, auch wenn man natürlich nach jeder Klasse die Daten löschen und denselben Fragebogen benutzen kann.

phpESP: Ebenfalls PHP und SQL, läuft fehlerfrei auf dem Server. Das Programm sieht ein bisschen sehr schlicht aus, aber letztlich wird es das sein, das ich in Zukunft verwenden werde. Ich kann Fragebögen fürs WWW erstellen, kann sie freigeben (als eigene HTML-Seite oder innerhalb anderer Seiten), von Schülern ausfüllen lassen und wieder schließen. Ich kann beliebig viele Kopien eines einmal erzeugten Fragebogens erstellen, die weitere Schulklassen bearbeiten können. Das Weitergeben eines Fragebogens an andere Installationen von phpESP ist leider nicht vorgesehen. Es gibt eine Benutzerverwaltung und Gruppenadministratoren. Die Auswertung gibt es nur als Tabelle mit Prozentangaben, Tortendiagramme gibt es keine.

Ein großes Problem bleibt allerdings: Am liebsten würde ich Kollegen die Möglichkeit geben, ebenfalls einen solchen automatisch ausgewerteten Fragebogen zu verwenden. Technisch machbar ist das ab sofort, jedenfalls mit einer einfachen Kopie des von mir verwendeten Fragebogens. Als Admin habe ich aber immer die Möglichkeit, alle Daten anzuschauen, notfalls über die Datenbank. Das dürfte Leute vielleicht abschrecken.

Warum muss ich mir eigentlich über so etwas Gedanken machen und nicht das Kultusministerium?

Nachtrag: Inzwischen mache ich das alles über GoogleDocs.

Links zum Thema:


7 Antworten auf „Umfragesoftware für die Schule“

  1. Das mit dem Gedankenmachen ist meiner Meinung nach schon richtig, denn ich denke, dass ohne interne Beteiligung Ministerien nicht weit kommen.

    Herzilchen Dank für die Links!

    Was mir an der Unterrichtsbeurteilung bei euch noch nicht klar ist: Müsst ihr oder wollt ihr? Vielleicht habe ich das überlesen?

    Wenn nur ein bisschen Müssen dabei ist, sollte es doch dafür auch ein bisschen Budget geben? Bei uns hat das Geld gereicht, im ersten Durchlauf eine Firma anzustellen, die die Software geliefert hat und bei allen ersten Schritten dabei war und auch die Lehrer informiert hat (obwohl es natürlich am Anfang viele einen Affront fanden…).

    Mit der Zeit hat sich herausgestellt, dass die Software ok ist und die Schwierigkeiten – die wir nach fünf Jahren immer noch nicht gelöst haben – anders liegen:

    – Die optimale Formulierung der Fragen ist eine Herausforderung. (Man kann die ja auch nicht ständig ändern, sonst ist der Jahresvergleich im Eimer.)

    – Angemessener Zeitpunkt, einheitliche Dauer und einheitliche Instruktionen für das Ausfüllen durch die Lernenden. (Manche Instruktoren erzählen zu lange, andere sagen zu wenig und wieder andere leiern, weil sie pro Tag 9 Klassen instruieren müssen, weil jemand ausgefallen ist. Und bei der Besprechung der Resulstate sagen die Lernenden dann, dass sie eigentlich gar nicht gewusst haben, worum es ging.)

    – Einigermassen einheitlicher Umgang mit Resultaten und Massnahmeüberprüfung.
    (Bei uns müssen die Antworten mit der Klasse besprochen und Massnahmen per gegenseitiger Unterschrift ergriffen werden. Ob das gut klappt, schaffen wir Abteilungsleiter aber zeitlich kaum zu kontrollieren, wir prüfen nur, ob ein Formular mit irgend einer Massnahme drauf zu uns kommt.)

    Ein weites Feld und trotzdem gut, dass Schulen es langsam zu beackern beginnen.

  2. Tanja, wir müssen gar keine Beurteilung machen. Es ist allenfalls ein Wollen, und selbst da bin ich mir nicht sicher. Schmackhafter kann man die Bögen aber sicehr dadurch gestalten, dass man sie eben am Rechner auswerten lassen kann statt alles selber zusammenzuzählen.

    Geld ist jedenfalls keines da und auch keine maßgeschneiderte Software. Ein einheitlicher Fragebogen wäre sinnvoll, ich nehme den im anderen Beitrag empfohlenen.

    Besprechung der Resultate? Ah, uhm. Über einen einheitlichen Umgang mit den Ergebnissen habe ich noch gar nicht nachgedacht. Ich denke, den wird es auch nicht geben. Man könnte argumentieren, dass das Befragen sinnlos ist, wenn es keine verbindlichen Konsequenzen hat. Aber die sind in unserem System sehr schwierig herzustellen.

    Danke, Hanjo, für den Tipp. Sieht sehr schön aus, die Plattform, übersichtlich und man kann doch alles machen. So etwas stelle ich mir auch für Bayern vor. (Ist leider nur für euch in Schleswig-Holstein kostenlos.)

  3. > Online-Angebote: Davon gibt es einige, aber ich bin zu sehr Bastler und Control-Freak.

    Für alle, die (wie ich) KEINE Bastler sind, sondern es möglichst bequem und einfach haben wollen. Ich bin nach diversen Experimenten bei der kostenlosen Version von Survey Methods gelandet: http://www.surveymethods.com/

  4. Hmm. Wenn einige freiwillig diese Qualitätskontrolle – genau das ist eine Unterrichtsbefragung – machen, dann hat das ja auch Vorteile. Zum Beispiel, dass man das angstfreier machen kann – ich glaube nicht, dass es deswegen sinnlos ist. Und es ist weniger stressig, als wenn das Ministerium sagt, wir wollen bei der Frage „Das Klima der Schule ist lernfreundlich“ 80% Zustimmung, sonst werden die Subventionen gekürzt. (Wurde im Kanton Bern so vorgeschlagen und wird sehr wahrscheinlich genau so umgesetzt.)

    Aber das klingt klaghaft, das will ich nicht sein auch wenn mir unsere Qualitätsauflagen massenhaft erscheinen. Wir hatten neulich Besuch von der Martin-Behaim-Schule in Darmstadt und die fanden unsere Bedingungen absolut luxuriös – sicher zu Recht.

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