Forstlicher Versuchsgarten Grafrath

Am Freitag war Personalausflug. Diesmal hielt es der Personalrat (also wir) für sinnvoll, nicht so weit wegzufahren – weil alle noch sehr mit dem Umzug der Schule beschäftigt sein würden. Möglicherweise war das schon gar nicht mehr bei allen so.

Wir waren dann jedenfalls im Forstlichen Versuchsgarten Grafrath und ich fand das sehr interessant. Diese Anlage gibt es seit 1881, ihr Ziel die Untersuchung, welche nicht einheimischen Baumarten in unserem Klima ertragreich angepflanzt werden können.

Denn in Europa, so wurde uns erklärt, gibt es nicht viele Baumarten. 600 Eichenarten gibt es weltweit, davon höchstens drei in Europa. Vor der Eiszeit gab es auch hier sehr viel mehr Baumarten, die im hiesigen Klima durchaus gedeihen – aber nach der Eiszeit konnten sie aus dem Süden nicht mehr zurückwandern in den Norden, da die in Ost-West-Richtung verlaufenden Gebirge wie die Pyrenäen und die Alpen das verhinderten. Anders etwa in Nordamerika, wo die großen Gebirge – die Rocky Mountains, die Appalachen – in Nord-Süd-Richtung verlaufen.

Der Versuchsgarten ist 32 Hektar groß, ein Teil davon ist für Besucher geöffnet (einfach reingehen und herumlaufen), es gibt ein Jahresprogramm, Schulklassen willkommen, weitere Führungen für Gruppen auf Anfrage. Die lohnen sich auch, weil man sonst vor lauter Wald die Bäume nicht sieht, oder zumindest nicht unterscheidet. Dabei wächst wirklich alles mögliche nebeneinander, das man in heimischen Wäldern gar nicht findet. Im öffentlich zugänglichen Teil gibt es einige Schautafeln, Wegschilder, immer wieder mal ein bisschen Kunst im Wald. Hat ein bisschen was von Zauberwald.

Auch einen Mammutbaum (Sequoia) gibt es. Bei ihm habe ich das Wort Spechtschmiede gelernt: So heißen die ausgehöhlten Dellen im Baum, in die der Specht seine Nadelbaumzapfen klemmt, um so an die Samen heranzukommen.

Jetzt weiß ich, warum ich den Specht bei uns auch mal an der Hauswand herumpicken sehe.

Weiter schöne Forst-Fachsprache: “wüchsig” als Adjektiv.

Respekt vor Thujen gekriegt, die solide Bäume mit wertvollem Holz abgeben, wenn man sie nicht zu Hecken verkommen lässt. Tropenholz ist auch deshalb so wertvoll und gut behandelbar, weil es keine Jahresringe hat. Die Flatterulme ist die einzige Ulmenart, die resistent gegen das Ulmensterben ist. Jeder außer mir kannte die Zirbe als Baum und jeder außer mir weiß, was eine Zirbelstube ist. Die Douglasie wird trotz Erfolgsstory als europäischer Newcomer seit 150 Jahren genau beobachtet – wertvolles Holz, aber wenig Insekten am Baum, also schlecht für die Vogelwelt.

Die Zuckerbirke (Betula lenta, oben ein Foto der Blätter) hat eine dunkle Rinde und wenn man am Zweig raspelt, riecht er nach: Root Beer. Schon lange nicht mehr gerochen. Mir vorgenommen, fürs Lehrerzimmer ein paar Dosen zu besorgen, damit die Kollegen auch mal in den Genuss kommen.

Im Anschluss Kaffee oder Kirche, dann Abendessen. Ein kleines Grüppchen blieb ziemlich lange. Den Alois getroffen, der hier auch mitliest und den ich hiermit grüße. Mit einem neuen Kollegen meiner Generation gesprochen, der Jason King beziehunsgweise Department S kannte. Tse.

2 Antworten auf „Forstlicher Versuchsgarten Grafrath“

  1. An der Zuckerbirke gefällt mir erstens der Name, zweitens finde ich die Blätter hübsch; bei Root Beer kann ich nicht mitreden (aber: mag den “Root Beer Rag” von Billy Joel).

  2. Danke für deine lieben Grüße, Thomas! Ich habe mich sehr gefreut, euch wieder mal zu treffen, mit euch zu ratschen und zu erfahren, was euch gerade so (in der Schule) umtreibt.
    Übrigens: Den Gang durch den Versuchsgarten fand ich auch hochinteressant, wenn ich auch nach dem 10. Baum nicht mehr wusste, ob er nun ein “gutes” oder ein “schlechtes Holz” hat, eine Beurteilung, die eh nicht restlos geklärt werden konnte.

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