Aus einem Schüleraufsatz neulich, 8. Klasse

Zum Ersten lernen die Jugendlichen mit einem Ferienjob, Verantwortung zu tragen. In der Schule hat ein Schüler nicht sehr viel Verantwortung. In einem Job allerdings ist er immer für seine Taten verantwortlich. Wenn er zum Beispiel mit einem Rasenmäher teure Blumen ummäht, ist es allein seine Schuld. Der Schüler muss nicht etwa eine Seite schreiben, sondern die Blumen bezahlen.

Ich fände es ebenfalls schön, wenn Schüler mehr Verantwortung tragen dürften.

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13 Thoughts to “Aus einem Schüleraufsatz neulich, 8. Klasse

  1. Schüler sind nicht ohne Verantwortung. Sie sind für Lernen verantwortlich. Und für den Umgang mit ausgeliehenen Schulbüchern. So richtig durchgeholt haben das einige von ihnen nicht. ;)

  2. Meistens ist es für Lehrer einfacher, den Schülern keine Verantwortung zu übertragen.

    Das versuche ich abzustellen.

  3. Schüler sind für viel zu wenig verantwortlich. Fürs Lernen? Die Schüler selber? Im Zweifelsfall war’s oft doch der Lehrer. Und zu oft ist die Konsequenz nur die oben genannte: eine Seite schreiben.

    (Fall aus dem Kollegium: Schüler hält zum lang vorher vereinbarten Termin kein Referat, weil er da auf Chorfahrt ist, ohne dass er das dem Fachlehrer mitgeteilt hat. Wessen Problem?)

  4. Zu dem Fall aus dem Kollegium: Für die konkrete Unterrichtsstunde hat der Lehrer das Problem. Ich persönlich finde aber, dass der Schüler hier die Konsequenzen tragen muss für die nicht erbrachte Leistung.

  5. zu dem fall aus dem kollegium: vor so ungefähr hundert jahren, als ich zusätzlich zur oberstufe eines neusprachlichen gymnasiums ein konservatorium besuchte (dreimal die woche unterricht, tägliches üben, reichlich veranstaltungen etc., zusätzlich schulorchester) musste ich jeden termin, den ich in diesem zusammenhang wahrnehmen wollte, unmittelbar nach bekanntwerden dem klassenvorstand bekanntgeben (auch wenn gar nicht sicher war dass ich abwesend sein würde), das wurde dann im klassenbuch eingetragen. abwesenheit bei schularbeiten etc.: mindestens eine woche vorher zusätzlich der betreffenden lehrkraft mitzuteilen, sonst galt eine nichtanwesenheit als nichtgenügend, und die nichtanwesenheit als nicht entschuldigte abwesenheit.

    war ganz einfach. hat funktioniert. und ich habe nie eine krankheitsbestätigung von zu hause bekommen, wenn ich nicht mit mindestens 40°C im bett lag.

    verantwortlich wären schüler ja eigentlich für genug, wenn man die (meisten) lehrkräfte gewähren liesse. pünktliches erscheinen, lernen, einhalten der termine, ordentliches benehmen, umgang miteinander incl. hilfestellungen wenn notwendig, alles notwendige zeug immer mithaben, selber auch einmal denken, verantwortlicher umgang mit gegenständen welcher art auch immer, respekt vor menschen und dingen, und gleichzeitig auch die ethische und moralische verantwortung gegenüber anderen und anderem. da wäre auch die verantwortung, einmal gelehrtes und gelerntes zu behalten, sogar über einen zeitraum von ein oder zwei jahren, von wegen: nicht für die schule, für das leben …

    und eine seite schreiben ist definitiv zu wenig, es sei denn, DIN A1, in 8punkt.

    aber das muss zuhause schon initiiert, gefördert und geübt werden. da tun mir die lehrer oft leid, wenn ich so in der gegend herumhöre, die müssen das dann ausbaden. und später dann die firmen, in denen die herzchen landen – an manche ferienjobber und -innen erinnere ich mich nur mit schaudern.

  6. Die Firmen klagen wohl tatsächlich (sagt auch der teacher), aber immerhin scheinen unsere Schüler wenigstens zu wissen, dass man dort die Blumen bezahlen muss. Also wenigstens etwas.

    Und ja, das stimmt schon alles so, kelef. Eigentlich gäbe es schon Einiges an Verantwortung für Schüler. Aber wenn sie der nicht nachkommen, dann passiert halt nichts.

    Mit vielen meiner Schüler bin ich übrigens sehr zufrieden, das nur zur Klarstellung.

  7. die meisten jungen sind ganz in ordnung, denke ich auch immer wieder – hier ist ein gymnasium drei häuser weiter, da kommen schon viele vorbei.

    aber solange im elternhaus der urlaub durch fingierten krankenstand verlängert wird, kinder krankheitsentschuldigungen wegen saufens am vortag bekommen, erwachsene die mitnahme von firmeneigentum als selbstverständlich betrachten („ist ja nur ein kugelschreiber“), da kann nman von den jungen dann nur schwer eine andere einstellung erwarten.

    das wäre eben auch eine verantwortung, die die „guten“ hätten: den anderen diese verantwortung und rücksichtnahme als conditio sine qua non zu verklickern.

    die probleme, die teacher beschreibt, hatte ich teilweise mit abiturienten und jungstudenten – und andere wiederum waren so toll, dass ich heute noch von denen schwärme.

  8. Verantwortung der Guten: ja. Deswegen stehe ich ja auch so aufs Regelneinhalaten, mindestens bei unwichtigen Dingen.

    Ansonsten hängt zu einem großen Teil von der Schulleitung ab, welches Klima an einer Schule herrscht – wieviel man Schülern durchgehen lässt oder nicht. Tatsächlich ist man Schülern und Lehrern auch als Schulleitung gegenüber relativ machtlos, jedenfalls was Vorschriften und Gesetze betrifft. Zwingen kann man da kaum wen zu irgendwas. Aber das ist ja nicht die einzige Möglichkeit, Druck auszuüben. (Das klingt so negativ, ich meine: Verhalten einzufordern. Da geht viel auch durch Vorbild, Freundlichkeit und Anspruch.)

  9. Nachtrag: Den Gedanken will ich betonen. Man kann Schüler und Eltern zu wenig zwingen. Das ist prinzipiell auch nicht schlecht. Aber verlangen, einfordern, erwarten sollte man als Schule, Schulleitung und Lehrer eben mehr als das rechtliche Minimum.

  10. @ herr rau:
    Sicher ist es richtig, dass die Schulleitung das Klima und die Grundtendenz einer Schule prägen kann und durch eigens Vorbild Haltungen und Verhalten des Kollegiums, vielleicht sogar der SchülerInnen vorgibt. Macht man es sich aber nicht zu einfach, hier nur auf die Schulleitung zu verweisen, statt eigenverantwortlich und selbständig als LehrerIn zu handeln, Vorgaben zu machen und Forderungen zu stellen: an die SchülerInnen, an die KollegInnen und, wenn es denn sein muss, auch an die Schulleitung? In Abwandlung eines Zitats aus der gestrigen Rede von J. Gauck (SZ vom 23.6.2010, S.5) möchte ich sagen: Ich träume von einer Schule, in der ich nicht zufrieden bin, weil die Schulleitung funktioniert, sondern die imstande ist, sich selbst aus der Unkultur von Angst, Resignation und Tristesse zu erlösen. Statt auf die eigene Ohnmacht zu verweisen und auf die Versäumnisse der Schulleitung, ist das Kollegium selbst gefordert, sich stärker einzubringen und die Bedingungen selbst zu gestalten und zu verbessern (Ende des Zitatbezugs).

  11. Verantwortung wächst mit dem Alter: klar soll ein Fünftklässler weniger Verantwortung tragen als ein Abiturient. Das muss gelernt und geübt werden, und es ist ja nicht mal hauptsächlich die Schuld der Schüler, dass es dafür so wenig Gelegenheit gibt.

    Gedacht ist das ja durchaus anders, deshalb gibt es das Konzept und den Begriff der SMV – in Bayern steht das für Schülermitverantwortung. (In anderen Bundesländern und auf dem offiziellen Schild an unserem SMV-Zimmer heißt das „Schülermitverwaltung“. Selbst das kleine bisschen Verantwortung im Namen geht bei uns also verloren.)

    Das ist natürlich alles etwas übertrieben. Es ist schon so, dass Schüler ein wenig Verantwortung tragen. Aber hey, ich habe die Aufsatzzeilen oben nicht geschrieben!

    Lieber HAlo, ganz bestimmt muss man als Lehrer Forderungen stellen an sich, seine Schüler und die Schulleitung. Kläglich ist es, mit der Schulleitung als höherer Instanz drohen zu wollen, schlimm, ureigene Lehreraufgaben auf die Schulleitung zu schieben. Und ich bin auch mit etlichen Kollegen nicht zufrieden, aber das ist wohl normal. Trotzdem, auf die Schulleitung muss schon auch ab und zu verwiesen werden.

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