Was machen wir heute?

Doppelstunde, 6. Klasse, direkt nach der Pause. Ich habe den Schülern sehr pünktlich den Computerraum aufgesperrt, mich dann erst mal an meinen Rechner gesetzt und mich angemeldet. Das dauert aus technischen Gründen länger als eine Schüleranmeldung, deshalb fange ich immer rasch damit an. Währenddessen melden sich die Schüler an und der Gong läutet zum eigentlichen Beginn der Stunde.

Ein paar Schüler kamen zu mir und fragten nach einer Referatsnote. Einer kam vor und meldete ein vergessenes Heft. Einer hatte eine Mausproblem. Zwischendurch kleinere Fragen.

Nach einer Viertelstunde fiel mir auf, dass ich bisher kein Wort zur Klasse als Ganzes gesagt hatte. Kein „Guten Morgen“, kein Aufstehen und Hinsetzen dabei (das mir sonst wichtig ist, auf das ich im Computerraum aus Platzgründen aber immer verzichte). Und vor allem kein: „Was machen wir heute?“, weder von den Schülern noch implizit von mir. Die Schüler hatten gewusst, was sie heute machen sollten, und hatten einfach damit angefangen.

So stelle ich mir Unterricht vor. Wenn die Schüler nicht gespannt darauf warten, was heute kommt, sondern am Anfang der Stunde schon wissen, was es zu tun gibt. Das gibt es leider selten bei mir, dazu denke ich noch zu sehr in Einzelstunden. Vielleicht geht das auch nur in der Unterstufe. (Trotz ohne Selbstbestimmung.)

— Um was es heute ging? Die Schüler hatten in der Deutschstunde zuvor, ebenfalls im Computerraum, eine Vorlage für eine Textverarbeitungsdatei erhalten. Die Vorlage enthielt einfache Arbeitsaufträge zur gelesenen Schullektüre, möglichst allgemein gehalten, um sie für spätere Lektüren ebenfalls verwenden zu können. Im Lauf von vier Stunden sollten die Schüler diese Arbeitsaufträge erledigen. Ziele:

  1. ein Dokument schaffen, in dem alternativ zum Heft alles Wichtige zur Lektüre eingetragen ist.
  2. den Schülern Hinweise darauf geben, was man mit Lektüren alles anstellen kann, damit sie das auch für Referate nutzen können. Die sollen eben auch schon in der 6. Klasse nicht nur aus Inhaltsangabe bestehen, sondern bereits etwas Analyse enthalten.
  3. den Schülern Übung im Umgang mit Textverarbeitungsdokumenten geben (ist in der 6. Klasse auch Stoff von Informatik) beziehungsweise mir Gelegenheit bieten, auf einige wichtige, immer wieder falsch gemachte Punkte hinzuweisen: Leerzeichen nach Satzzeichen und nicht zuvor; Unterschied von Binde- und Gedankenstrich; Gebrauch der automatischen Rechtschreibkorrektur; Umgang mit Stichpunktlisten.

Hier ist der Inhalt der Dokumentvorlage, mehr oder weniger. Was Motive und Erzählperspektive sind, wissen die Schüler aus dem Unterricht, zumindest ansatzweise. Am Schluss der Sequenz werden wir über die Ergebnisse reden müssen.

Kirsten Boie, Der Prinz und der Bottelknabe
Ein Dokument von:

  • Inhaltsverzeichnis
    S. 1 Inhaltsverzeichnis
    S. 2 Liste der Personen
    S. 3 Drei verschieden lange Inhaltsangaben
    S. 4 Eine Charakteristik der wichtigsten Personen
    S. 5 Zur Entwicklung der Personen
    S. 6 Motive
    S. 7 Erzählperspektive
    S. 8 Zusätzliches
  • Liste der Personen
    Lege hier eine Liste aller Personen des Buches an. Schreibe dazu erst die die Namen aller wichtigen Personen untereinander, und zwar in sinnvoller Reihenfolge. Markiere dann alle Absätze und wähle Format > Nummerierung/Aufzählung, um daraus eine Stichwortliste zu machen. Das geht auch mit der rechten Maustaste.
    Schreibe danach in Klammern hinter jeden Namen, welche Rolle die Person spielt.
  • Drei verschieden lange Inhaltsangaben
    Schreibe drei möglichst gute Inhaltsangaben zum Buch (sachlich, im Präsens). Eine mit 10 Wörtern Länge, eine mit 20 Wörtern und eine mit 50 Wörtern. (Die Zahlen sind jeweils Obergrenzen.)
    Benutze dazu den Menüpunkt Extras/Wörter zählen. Nenne dabei auch, wenn du kannst, die Art des Buches (Jugendbuch, Thriller, Krimi, Fantasyroman).
  • Eine Charakteristik der wichtigsten Personen
    Bei diesem Buch sind das Kevin und Calvin. Benutze dazu wieder Stichwortlisten und gib ihre äußeren Merkmale und ihre Charaktereigenschaften an.
  • Zur Entwicklung der Personen
    Welche der Personen im Buch machen Entwicklungen durch? Das ist eine schwierigere Frage. Entscheide selbst, wie du sie möglichst gut beantwortest.
  • Motive
    Welche Szenen oder Bausteine gibt es in dem Buch, die entweder im Buch selber mehrfach vorkommen, oder die du aus anderen Büchern oder Geschichten kennst?
  • Erzählperspektive
    Wie ist die Geschichte erzählt? Überlege nicht nur, ob das 1. oder 3. Person ist, sondern vor allem: wird immer aus der gleichen Perspektive erzählt oder wechselt sie? Wird aus der Perspektive einer einzigen Personen erzählt (so dass man nur liest, was sie denkt oder wahrnimmt), oder weiß der Erzähler mehr als die aktuelle Person? Gib Beispiele aus dem Buch, wenn du kannst, mit Seitennummer.
  • Zusätzliches
    Informiere dich im Internet über Mark Twain, Der Prinz und der Bettelknabe. Benutze dazu Wikipedia.
    Welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten gibt es zu deinem Buch? (Schreibe das unbedingt in deinen eigenen Worten; kopiere nicht einfach nur Sätze oder Absätze aus Wikipedia heraus.)

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2 Thoughts to “Was machen wir heute?

  1. Informatik schon in der sechsten Klasse? Ihr seit uns im Norden echt Meilen voraus, fehlt nur noch, dass in Bayern Politik schon ab der siebten Klasse unterrichtet wird.

  2. Hm, ja. Also, dass in Bayern zuviel Politik unterrichtet wird, die Gefahr besteht nicht.

    Die Informatik in der 6. Klasse ist tatsächlich bereits ziemlich informatisch. Die Objektorientierung, die die Schüler da lernen, könnten sie aber ein paar Jahre später viel schneller nachholen, zumal sie im Jahr danach keine nennenswerte Rolle mehr spielt.
    Wichtig sind die Anhängsel in dieser Jahrgangsstufe, die gar nicht so viel mit Informatik zu tun haben: der Umgang mit Präsentationssoftware (wenig, schlicht, oder auch mal gar nicht) und mit Textverarbeitung.

    In der 7. wird bereits programmiert. Dazu dann Internet und Verhalten im WWW (auch wenn das noch nicht im Lehrplan steht).

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