Guck mal, ohne Lehrer!

Gestern, Doppelstunde in der 6. Klasse: die letzten 5 Referate des Jahres hatten sich angesammelt. Durch den Abistreich hatte sich die Schulaufgabe verschoben, dazu kamen Fortbildung und Bundesjugendspiele. Aber mit der Klasse lässt sich immer noch sehr gut arbeiten, auch wenn es schon lange keine Noten mehr gibt und auch diese Referate nicht mehr benotet werden.

Referate sind in dieser Klasse gut eingeübt: Rednerpult, Buchvorstellung mit Inhaltsangaben und Heraussuchen typischer Motive, danach Fragen durch die Mitschüler. Deshalb konnte ich dieser Klasse das Angebot machen, die Referate ohne mich zu halten. Ob die Referenten dann weniger nervös seien? Seien sie, hieß es. Also ging ich während des ersten Referats zum Lehrerzimmer und zurück. Auf Rückfragen: lief gut, Tempus war in Ordnung (Präsens), Lautstärke und freie Rede auch, es gab auch etwas zu den Motiven und nicht nur reine Inhaltswiedergabe. Ob ich denn jetzt wieder rausgehen solle, und ob mir das nicht als Desinteresse ausgelegt werden würde? Ja, ich sollte, neinnein, das kriegten sie einfach auch ohne mich hin. Kurzer Check nach dem zweiten Referat, und die letzten drei Referate habe ich die Klasse dann ganz allein machen lassen.

Beim letzten saß ich immerhin mit einem Buch lesend vor der Tür.

Das war eine spontane Idee, weil ich das Gefühl hatte, dass das an diesem Tag und mit dieser Klasse klappen würde, und weil ich glaube, dass Klassen immer wieder mal etwas ohne den Lehrer machen sollten.

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7 Thoughts to “Guck mal, ohne Lehrer!

  1. Gefällt mir sehr!
    Zeigt den Schülern ja auch, dass man ihnen vertraut und geht in die Richtung eigenverantwortlichen Lernens…

  2. Ich finde, dass das ja eine schöne Idee ist, aber irgendwie weiß ich nicht, ob das klappt. Kann natürlich auch sein, dass deine Klasse eine Ausnahme-Klasse ist. ;)

  3. Ausprobieren, Trauen….!

    So genannte Ausnahmeklassen gibt es. Aber hinter den Ausnahmeklassen stehen auch Ausnahmelehrer, die entweder im Team mit anderen Kollegen oder als Einzel“kämpfer“, diese Klassen zu Klassen gemacht haben , mit denen man besonders gut arbeiten kann bzw. mit denen man auch mal was Besonderes ausprobieren kann. Oft passiert es auch, dass Klassen als chaotisch, pubertär, schwierig… verschrieen sind und sich dann zu „Traumklassen“ entwickeln. Immer wieder spannend!

  4. Die Klasse ist vermutlich eine Ausnahme, und vorhersagen möchte ich das auch nie. Gestern hat die Situation gepasst, und das habe ich ausgenutzt.

    Dass sich anstrengende Klassen plötzlich oder im Lauf eines Jahres ändern, kenne ich auch. Aber manchmal kommen die Klassen schon so an. Da wenn man wüsste, wie das kommt.

    Nachtrag: Vielleicht muss man als Lehrer nur langweilig genug sein. Ich gebe nämlich sonst nach jedem Referat noch meinen Senf dazu, und vielleicht ist alles besser als das Gelaber vom Hetrn Rau.

  5. Eigenverantwortliches Arbeiten funktioniert in allen Klassen von 1-13.

    Typisch deutsch ist dieser Satz in deinem Artikel: „Aber mit der Klasse lässt sich immer noch sehr gut arbeiten, auch wenn es schon lange keine Noten mehr gibt und auch diese Referate nicht mehr benotet werden.“

    In der deutschen Seele steckt die Vermutung sehr tief und fest, dass man ohne Druck und bescheinigte Niederlagen nicht lernt. (P. Struck, 15 Gebote des Lernens)

    Quelle: http://www.skolnet.de/allgemein/zitate/

  6. Nu, typisch deutsch ist natürlich auch, Sachen typisch deutsch zu finden… aber dass ohne Noten auch etwas geht, darauf sollte man tatsächlich immer wieder mal hinweisen.

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