Was ich gerade in meinen Klassen mache

Statt Referate müssen meine Neuntklässler in Deutsch das Jahr über Reden halten. Inhalt und Anlass dürfen sie frei wählen; es gibt eine Note auf den Vortrag und eine auf den Text, der Strktur aufweisen muss und Stilmittel, auf jeden Fall ein gutes Bild und Anaphern oder Parallelismen. Bisher hatten wir schon: Eine Rede zur Silberhochzeit der Eltern, eine zu einem fünfundzwanzigsten Betriebsjubiläum, eine Hochzeitsrede, eine Abiturrede, eine politische Rede anlässlich der US-Wahlen. Die Reden dürfen – angelehnt an eine Loriot-Rede im Schulbuch – Parodien auf Reden sein, das war bisher aber nur eine. Die Texte danach lesen sich gut, aber im Vortrag, mit Ernsthaftigkeit und Textkenntnis und am Stehpult vorgebracht, kommen sie noch viel, viel besser. (Ansonsten gerade: Essays schreiben; Kurzgeschichten lesen.)

Meine 6. Klasse in Informatik sehe ich nur alle zwei Wochen, höchstens, dafür dann jeweils doppel- statt einstündig. Heute eine Ex geschrieben, was sich gut traf, da wir eh in einem Klassenzimmer statt dem engen Computerraum waren. Und danach haben wir ohne Rechner gearbeitet, tut manchmal ganz gut. Ein Schüler sprach mich auf meinen Youtube-Kanal an, den mussten wir dann natürlich anschauen. (Ist ja eh nur Informatik-Zeug drauf, fast nur jedenfalls. Und eine Ukuleleaufnahme, vier Jahre alt, für die ich mich eigentlich entschuldigen muss. Grauslich. War das erste, das sie sehen wollten.)

In der 7. in Informatik heute etwas zu Phishing und anderen Problemen im Zusammenhang mit E-Mails gemacht. Steht zwar alles nicht im Lehrplan, ist aber wichtig. Hier ein Online-Test, ob man Phishing- von echten Nachrichten unterscheiden kann. In der Stunde zuvor haben wir uns über die Vorteile von E-Mail ausgetauscht, und darüber, dass man dafür Apps und eigene Programme nutzen kann. Dann haben wir mit dem Mail-Simulator http://www.minimehl.de/ ein bisschen Mail simuliert.

Das W-Seminar zu text-based computer games musste gestern ein wenig interactive fiction programmieren, mit Inform 7. Das liegt manchen sicher mehr als anderen.

Der Elferkurs Informatik hat letzte Woche Klausur geschrieben; morgen kommt – als Pause vor dem neuen Stoff – ein wenig Programmierübung dazu. Mal sehen, ob sie die selbst programmierten einfach verketteten Listen auch für kleine Vorhaben verwenden können.

Die eine zehnte Klasse programmiert munter das GeisterGo-Projekt vor sich hin (inzwischen mit Kartenmaterial aus dem OpenStreetMap-Projekt) die andere ebenfalls – allerdings mit den Praktikanten zusammen, die meinen Unterricht fast völlig übernehmen und das sehr gut machen. Ich habe mir auch schon neue Ideen abschauen können. Im Informatikunterricht gibt es immer wieder Phasen, in denen die Schülerinnen und Schüler allein arbeiten und dabei auf Probleme stoßen; da ist es besonders hilfreich, wenn nicht nur eine Lehrkraft herumgeht und Hilfe anbieten kann, sondern gleich vier. Auch sonst könnte ich mich daran gewöhnen, in eienr Grupp ezu unterrichten. Wir sollten viel mehr Gespräch unter einander einbauen, quasi sokratische Dialoge dramatisch vorspielen… mache ich natürlich nicht, die sollen ja auch üben, wie das alleine geht. Aber lustig wär’s schon.

Zum Merken

Nächstes Mal, wenn sich ein Schüler für ein Referat wie ein Zombie schminkt (blutüberströmter Kiefer, trübe Kontaktlinsen): Unbedingt die Lehrkräfte auf dem Weg zwischen Toilette und Klassenzimmer vorwarnen, oder einen zweiten Schüler mit Hinweisschild zur Beruhigung mitschicken.

Nachtrag: Bild, mit Erlaubnis, aber trotzdem wenigstens ein bisschen verfremdet.
referat_zombie

Wie geht kacken, und das achteinhalbjährige Gymnasium

Erster Preis beim 6. Freiburger Science Slam am 23. Januar:

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So sollen Referate an der Schule auch sein. Und das können sie auch, ich habe Vorstufen davon erlebt. Lebendig, nicht zu detailliert, anschaulich, und ohne Text auf den Folien. Das Publikum muss natürlich auch mitmachen.


JochenEnglish schreibt derweil über The Power of Introverts, einen TED-Talk, der sich etwas gegen die populäre Gruppenarbeit ausspricht und dafür, erst einmal alleine arbeiten zu können. Sehr schön, wie eigentlich alle TED-Talks. Ich glaube, die Introvertierten sind eine ungenutzte Quelle für den Unterricht. Introvertiert sein heißt: nicht unbedingt schüchtern zu sein, und andere Leute durchaus zu mögen, aber halt nicht zu viel und nicht zu oft, und viel Zeit alleine zu brauchen.


Spaenles 8,5-Jahre-Gymnasium ist schon wieder rum ums Eck, denke ich. Wer sich nicht mehr erinnert: das war eine Äußerung von Kultusminister Spaenle, dass das G8 zwar ein voller Erfolg ist, und die Idee der bayerischen SPD mit einer Rückkehr zum G9 nicht gut ist, dass das Kultusministerium jetzt aber eine Idee zur weiteren Individualisierung von Schule hat: Man darf ein Jahr öfter sitzen bleiben, oder, je nach Blickwinkel und Umsetzung, man darf ein Jahr freiwillig wiederholen, wenn man das individuell braucht. Eine Pressemitteilung des KM dazu, Kritik vom BLLV, und wie so oft Schweigen vom Philologenverband. Die Kurzfassung:

„Ich möchte jedem Schüler die Zeit geben, die er in seinem Lernverhalten, für seine Lernfortschritte und außerschulischen Interessen auf dem Weg am Gymnasium benötigt“, so Dr. Spaenle. Nach diesem Grundprinzip soll die individuelle Lernzeit unabhängig vom stabilen schulorganisatorischen Rahmen auf den einzelnen Schüler zugeschnitten sein. Der Minister will einzelnen Schülern in begründeten Fällen stärker als bereits bisher in einem freiwilligen zusätzlichen Jahr in der Mittelstufe eine Chance eröffnen, entsprechend der eigenen Entwicklung Schulstoff zu intensivieren, zu wiederholen oder zu ergänzen.

„Unabhängig vom stabilen schulorganisatorischen Rahmen“ heißt dabei: An der Schule und am G8 ändert sich nichts. Unter „einzelnen Schülern in begründeten Fällen“ muss man sich vorstellen: jeder, der das will. Herauskommen kann bei dem großen Wurf eigentlich nur die Minimallösung: Man darf ein Jahr in der Mittelstufe wiederholen, am besten in der zehnten Klasse, ohne dass das als Wiederholungsjahr zählt, von denen man ja nicht zu viele haben darf. Man darf halt einmal mehr durchfallen, und das wars.
Das bringt natürlich fast gar nichts. Diese Wiederholer werden einfach in die nächstjüngeren Klassen gesteckt und müssen dort das ganze Jahr noch einmal über sich ergehen lassen. Was da noch „auf den einzelnen Schüler zugeschnitten sein“ soll, kann ich mir nicht vorstellen. Sinnvoller wäre es, nur die Fächer mit Defiziten zu wiederholen. Also in der Regel keine Religion und kein Sport im Intensivierungsjahr, und am besten auch sonst noch Auswahl. Wie soll das organisatorisch ohne Änderungen und ohne Kosten gehen können?

Ein konkreter Vorschlag war, die bereits existierenden Übergangsklassen zu nutzen, die es sehr gelegentlich an Schulen gibt. Unter anderem kann man nach der 10. Klasse Realschule auf das Gymnasium wechseln, indem man in einer Übergangsklasse die fehlenden Inhalte nachholt, um danach in die reguläre elfte Klasse des Gymnasium einzutreten. Klar, wer an einer Schule mit solch einer Klasse ist und freiwillig so ein Zwischenjahr einschieben möchte, den wird das Ministerium in Zukunft nicht mehr aufhalten.

Gefallen würde mir, wenn nach der zehnten Klasse ein weiteres Jahr käme, man darf es gerne das zehneinhalbte nennen, in dem die Schüler die Inhalte der letzten Jahre am Gymnasium sichern würden. Einzelne Schüler sollten in begründeten Fällen stärker als bisher diese Klasse überspringen und gleich in die elfte, wie wir sie gerne weiterhin nennen dürfen, vorrücken. Wer sich in der zehnten recht anstrengt, der soll gleich in die Oberstufe gehen, den meisten anderen täte ein, uh, Intensivierungsjahr ganz gut.

Max Frisch, Homo faber: Referate – und die Links dazu

Im letzten Semester der Q12 lasen alle Deutschkurse an meiner Schule Homo faber von Max Frisch. Die Lehrer aller Oberstufen-Deutschkurse haben auch sonst viel zusammengearbeitet, aber das ist eine Geschichte für ein anderes Mal.

1. Die Referate

Homo faber ist keines meiner Lieblingsbücher, aber die Schüler mochten es immer einigermaßen. Und selbst ich freundete mich wieder damit an. Diesmal gingen wir so vor, dass wir – eine Anregung des Kollegen Z. – uns darauf beschränkten, die Beziehungen zur griechischen Mythologie in dem Roman herausarbeiten zu lassen. Davon gibt es nämlich überraschend viele, und da wir auch viele mündliche Noten brauchten, hielt jeder Schüler ein Referat. Die Themen waren unter anderem folgende:

  • Daidalos
  • Prometheus
  • Hermes
  • Ikaros
  • Moiren
  • (Geburt der) Venus
  • Erinnyen
  • Orpheus
  • Hades, Charon und Styx
  • Agammemnon, Klytämnestra und Aigisthos
  • Sirenen/Kirke
  • Nekyia (Fahrt in die Unterwelt)
  • Ödipus

Dabei sollten die Referate alle so aufgebaut sein:

  1. Beschreibung des antiken Mythos. (Dazu: Deutung des Mythos.)
  2. Elemente des Mythos in Homo faber.
  3. Andere Ausformungen des Mythos in der bildenden Kunst, Literatur oder Musik.

Je nach Thema variiert dabei das Gewicht, das man auf die einzelne Punkten legen kann, aber Stoff gibt es bei allen reichlich. Es ist erstaunlich, wie viel in Homo faber steckt, wie viel man über Mythen sagen kann. Das bringt auch den Schülern etwas.

Im Prinzip liefen die Referate gut. Die meisten Schüler haben sich Mühe gegeben, einige sogar viel – kein Wunder, viel Zeit für mündliche Noten ist im letzten Semester nicht, und bei einer 1:1-Gewichtung spielt sie auch eine große Rolle. Nur bei zweien von meinen zwanzig Schülern hatte ich den Eindruck, dass sie weniger Energie darauf verwendet hatten, als ihnen eigentlich möglich war. Nur einmal wurde erkennbar die Stark-Sekundärliteratur zu Homo faber plagiiert – also kommentarlos in etlichen Formulierungen übernommen.

2. Die Links unter den Referaten

Auf einen Punkt muss ich aber beim nächsten Mal noch mehr achten: die verwendeten Quellen. Ja, ich habe den Schülern in der Bibliothek zwei Standardwerke zur griechischen Mythologie gezeigt. Verwendet wurden sie kaum. Stattdessen standen unter den meisten Referaten als Bibliographie drei, vier Weblinks. Eine kleine Auswahl:

3. Schlussfolgerungen

Meine Interpretation dieser Quellen: die Schüler arbeiten zu Hause und nicht in der Bibliothek, sie leihen sich keine Bücher aus und kopieren sich keine Aufsätze. Das verstehe ich erst mal. Gute Aufsätze sind rar, vor allem in unserer spärlichen Bibliothek. Also bleibt das Web als Quelle. Aber bei der Bewertung dieser Quellen unterlaufen noch Fehler.
Erstens enthalten viele Quellen nur den den Wikipedia-Text, manchmal ohne dass das dort steht, manchmal mit korrekter Angabe. Dann soll man gefälligst Wikipedia selbst als Quelle nennen – entweder die Schüler erkennen den Originalort nicht, oder sie haben verinnerlicht, dass Deutschlehrer keine Wikipedia-Links mögen. Zweitens: manche Links sind gar nicht nötig, etwa ein Link zu einem x-beliebigen Fundort von Heines „Loreley“. Ich nehme an, das liegt daran, dass die Schüler wissen, dass irgendwelche Links von ihnen erwartet werden, dass diese aber eine bestimmte Qualität haben sollen, ist nicht klar. Soviel zum W-Seminar. Drittens fehlt die kritische Würdigung der Seiten: manche sind einfach zu trivial. Das gilt auch für Bücher. Tessloffs Enzyklopädie Mythologie? Vom Hersteller empfohlenes Alter: 10-12 Jahre.

Was für Konsequenzen soll ich aus diesen Links ziehen? Zum einen vielleicht gar keine. Meine eigenen Referatsquellen waren im Gymnasium nicht besser. Und ein gelegentlich eingeschmuggelter alberner Eintrag in der Bibliographie ist Tradition. Aber wann lernen die Schüler einen anderen Umgang mit Quellen – doch erst an der Uni? Ich hatte nicht mal Zeit, das mit den Links groß zu thematisieren.

  • In Zukunft bei jedem Link den Namen eines Autors verlangen. Kein Name, keine Verlinkung. Vielleicht achten die Schüler dann mehr darauf, von wem der Text stammt.
  • Recherchieren üben. Aber das kostet Zeit.
  • Hat das W-Seminar versagt, in dem die Schüler doch wissenschaftspropädeutisch betreut werden sollten? Nicht direkt: W-Seminar ist W-Seminar und Deutschreferat ist Deutschreferat, und die beiden haben nichts miteinander zu tun. Ob das jetzt Wissen oder Kompetenz ist, das im Seminar erworben wurde: es bleibt fürs Seminar reserviert und wird nicht auf andere Fächer übertragen.
  • Ein Versuch fürs nächste Jahr, etwa in der 10. Klasse: ein Referat zu Nathan vergeben, etwa „Nathan als Kaufmann/Geld in Nathan„, und zwar an zwei Schüler. Der eine darf als Material nur einen Aufsatz zum Thema nehmen, den ich dem Schüler gebe. Der andere darf das gesamte Internet als Materialquelle verwenden. Wo kommt das interessantere Referat heraus?

Recherchieren in der Bibliothek

Das habe ich beim Webweiser gefunden:

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Das ist einer von drei Videos zum Thema Recherche in Bibliotheken. („Ein Projekt der Akademie für Leserförderung der Stiftung Lesen an der Wilhelm Leibniz Bibliothek Hannover“, Bindestriche hat man jetzt gar nicht mehr.) Die Schüler im Video sind jünger als meine, aber im Moment probiere ich das mit einer 7. Klasse aus, habe auch die Videos im Unterricht gezeigt. Die Schüler klagen zwar darüber, dass sie am Anfang so ein Plakat erstellen sollen, aber ich halte das Vorgehen für sinnvoll – ob es das wirklich ist, wird sich zeigen.

Der Knackpunkt ist für mich der, und, so formuliert, eigentlich banal: die Referenten-Rechercheure überlegen sich vorher schriftlich, welche Fragen Sie zu einem Thema haben. Und erst dann beginnt die eigentliche Recherche. Oft ist es bei Referaten nämlich anders: man stellt als Lehrer ein Thema und gibt den Schülern weder Leitfragen vor noch lässt man sie erarbeiten. Und die Schüler lesen dann zuerst den Wikipedia-Artikel dazu, danach noch zwei oder drei relativ willkürlich ausgewählte Quellen, und fassen dann einfach alles zusammen.

Anders ist es, wenn man die Schwerpunkte vorher setzt. Dann verzettelt man sich zum einen nicht, und zum anderen muss man notfalls eben weiter recherchieren, nämlich so lange, bis man die Antworten auf die Fragen gefunden hat. Ob das wirklich so einen Unterschied macht, weiß ich nicht; aber ich möchte in Zukunft vor Referaten nicht nur das Thema wissen oder vorgeben, sondern die Fragen dazu sehen.

Guck mal, ohne Lehrer!

Gestern, Doppelstunde in der 6. Klasse: die letzten 5 Referate des Jahres hatten sich angesammelt. Durch den Abistreich hatte sich die Schulaufgabe verschoben, dazu kamen Fortbildung und Bundesjugendspiele. Aber mit der Klasse lässt sich immer noch sehr gut arbeiten, auch wenn es schon lange keine Noten mehr gibt und auch diese Referate nicht mehr benotet werden.

Referate sind in dieser Klasse gut eingeübt: Rednerpult, Buchvorstellung mit Inhaltsangaben und Heraussuchen typischer Motive, danach Fragen durch die Mitschüler. Deshalb konnte ich dieser Klasse das Angebot machen, die Referate ohne mich zu halten. Ob die Referenten dann weniger nervös seien? Seien sie, hieß es. Also ging ich während des ersten Referats zum Lehrerzimmer und zurück. Auf Rückfragen: lief gut, Tempus war in Ordnung (Präsens), Lautstärke und freie Rede auch, es gab auch etwas zu den Motiven und nicht nur reine Inhaltswiedergabe. Ob ich denn jetzt wieder rausgehen solle, und ob mir das nicht als Desinteresse ausgelegt werden würde? Ja, ich sollte, neinnein, das kriegten sie einfach auch ohne mich hin. Kurzer Check nach dem zweiten Referat, und die letzten drei Referate habe ich die Klasse dann ganz allein machen lassen.

Beim letzten saß ich immerhin mit einem Buch lesend vor der Tür.

Das war eine spontane Idee, weil ich das Gefühl hatte, dass das an diesem Tag und mit dieser Klasse klappen würde, und weil ich glaube, dass Klassen immer wieder mal etwas ohne den Lehrer machen sollten.

Inhaltsangaben bei Referaten – natürlich!

6. Klasse, Referate, Buchvorstellungen. Heute gab es eines über Edgar Wallace, Der Banknotenfälscher (The Forger). Wer wen für geisteskrank erklären möchte und so weiter. Das Referat war auch ganz in Ordnung, aber trotzdem musste ich dabei so sehr an diesen Evelyn-Hamann-Sketch denken, dass ich den den Schülern gleich danach gezeigt habe. (Immer wieder praktisch: Youtube im Klassenzimmer.)

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Auch die Schüler fanden das lustig. Für die nächste Runde muss ich mir merken, dass ich den Ausschnitt den Schülern schon vorher zeige. (Die DVD habe ich zu Hause.) Für Krimis gilt es besonders stark, aber auch bei anderen Büchern ist es manchmal schwer, als Zuhörer den Überblick zu bewahren. Und da ist so ein abschreckendes Beispiel vielleicht ganz gut.

Kamishibai: Von der Grundschuldidaktik lernen

Ich will auch so etwas haben! In Grundschulkreisen ist das anscheinend bekannt, aber ich habe erst vor kurzem bei lehrerforen.de davon gehört: Laut Wikipedia gab es in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts fahrende Süßigkeitenhändler, die Kinder mit Geschichtenvorführungen anlockten und unterhielten. Der Kamishibai ist eine Art Minitheater, ein hölzerner Rahmen, der eine Reihe von Bildern enthält, die nacheinander herausgezogen werden, so dass jeweils das darunter liegende Bild zum Vorschein kommt. Anhand dieser Bilder wird eine Geschichte erzählt. (Und danach werden die Süßigkeiten verkauft.)


(flickr, von Nazra!)

Hier sieht man ein Kamishibai im Gebrauch. Laut Flickr-Quelle wurde gerade Frankenstein erzählt.


(flickr, von Nazra!)

Laut Webquellen erlebt der Kamishibai eine Renaissance in der Grundschuldidaktik, in Kindergärten, in der Therapie. Der Wikipedia-Artikel enthält einige wenige Links, auch Bezugsquellen.

Bei Youtube habe ich Videos dazu gefunden, keine deutschen, erstaunlich viele aus Spanien und auf Baskisch. Hier sind ein paar ausgewählte:

Vor allem bei letzterem Video sieht man die Verwandtschaft zu der Präsentationstechnik, die ich im vorletzten Schuljahr bei Nina gesehen habe, die ebenfalls viele Zeichnungen eingesetzt hat, obwohl der Vorläufer dazu möglicherweise Bob Dylan (Don’t Look Back von D.A. Pennebaker, Youtube), nur Texttafeln einsetzt.

— So ein Kamishibai gibt es aus Holz für um die 40 Euro, je nach Ausführung. Es gibt wohl auch Versionen aus stabiler Pappe, die sicher noch billiger sind. Das wäre doch etwas für die Fachschaft Deutsch – im neuen Schulgebäude sollen wir sogar ein Eckchen kriegen, wo wir Material aufbewahren können, etwas, das uns bisher arg gefehlt hat. Für Unter- und Oberstufe, leicht internettauglich zu filmen, da man die Gesichter der Schüler nicht aufnehmen muss. Man kann damit Geschichten erzählen – ein Bild für Einleitung, für jeden Erzählschritt einschließlich Höhepunkt und für den Schluss – oder bei humorvollen Oberstufenklassen von Powerpoint wegkommen. Vielleicht klappt ja auch mal eine Zusammenarbeit mit dem Kunstunterricht.

Nachtrag: Hier mein erster Versuch mit dem Kamishibai.
Hier mein zweiter.

Weitere Quelle für Kamishibais: Zum Beispiel bei der Manufaktur Holzwurm.

Rednerpult

Eine Alternative zum Referat, die ich auch schon mal in Deutsch ausprobiert habe, habe ich vor den Ferien im LK Englisch eingesetzt: Die Rede bzw. Vorlesung, hier schlichter: das vorgetragene Essay. Die Vortragssituation war von Anfang an klar, der Text sollte also für den mündlichen Vortrag geschrieben sein. Das heißt, dass die ersten zwei Zeilen ohnehin nicht von allen wahrgenommen werden; dass es noch wichtiger ist als im geschriebenen Text, Markierungen zur Orientierung einzusetzen (erstens, zweitens, drittens); dass Pausen gemacht werden und Kontakt zum Publikum gehalten wird.

Alles natürlich nicht gründlich genug vorbereitet, aber immerhin hatte ich ein Rednerpult organisiert. Unsere Schule hat nämlich eines, Stahlblech, sehr solide, aber auch sehr schwer, mit Schullogo, Lese- und Ablagefläche und sogar Beleuchtung. Dieses Pult wird sonst immer für Abitur- und andere Reden der Schulleitung eingesetzt und liegt sonst brach.

Die Schüler hielten dort ihre Vorträge, ich las ein paar vorbereitete, einleitende Worte ab – und war anscheinend das erste Mal hinter einem solchen Pult. Gott war ich nervös. Ein Jackett hatte ich vermutlich auch noch an. Das Rednerpult machte für mich einen Riesenunterschied. Die Nervosität legte sich, aber der Unterschied blieb. Leider hatte ich vergessen, Wasser mitzunehmen (ohne Kohlensäure, wie ich gelernt habe), ich hatte mit dem Transport des Pults alle Hände voll zu tun. Das Wasser habe ich vermisst, den Schülern ging es ebenso.

Da ich in der folgenden Stunde Unterricht hatte, ließ ich das Pult vorerst in dem Raum stehen. Dort entdeckte es eine zweite LK-Lehrerin und spielte damit herum. Und ein dritter LK-Lehrer half mir danach, das Pult wieder herunter zu tragen. Und wir alle meinten: So was brauchen wir unbedingt für den Deutsch- und Englisch-Unterricht. Man steht ganz anders da, Schüler wie Lehrer. Und wenn schon Lehrervortrag (was ja nicht schlecht sein muss), dann gleich richtig. Hinter einem solchen Pult, so habe ich das Gefühl, kann man sich auch weniger des unverbindlichen Geschwurbels leisten, das man als Lehrer dann doch ab und zu von sich zu geben nicht umhin kann zu bemerken. Ähem.

Schon länger wünsche ich mir ja eine Vortragsreihe. Zum Beispiel Deutsch, Aufklärung, G9 11. Klasse: alle Deutschlehrer der Klassen tun sich zusammen und halten jeweils eine Vorlesung vor allen Elftklässlern. Danach kurze Tutorien beim Fachlehrer, gefolgt von Leistungskontrolle. Müsste man nur mal organisieren. Und sich trauen – ich meine, ich mag die Aufklärung, aber kann ich mein Halbwissen wirklich sinnvoll präzisieren? Irgendwas über Lessing, „Erziehung des Menschengeschlechts“, oder den Stand der naturwissenschaftlichen Erkenntnis… Eulers „Briefe an eine deutsche Prinzessin“ und Lichtenberg, „Über Gewitterfurcht und Blitzableitung“.

Rednerpulte: Das unserer Schule ist halt recht schwer, macht aber einiges her. Aus meinem Referendariat kenne ich kleine hölzerne Halbpulte, die man auf einen normalen Schultisch stellt. Die sind leichter zu transportieren, sehen aber auch ein bisschen billiger aus. Irgendwas dazwischen muss es doch geben.

(Sonstiges vom ersten Schultag: Erstens, ich hatte in den Ferien ganz vergessen, wie massentierhaltungsvoll unser Lehrerzimmer ist. Ich hatte es wirklich vergessen. Zweitens, eine ehemalige LK-Schülerin, inzwischen Referendariat Grundschule, war heute praktizierend… also: als Praktikantin bei uns, um sich mal die fünften Klassen anzuschauen. Wir haben ein bisschen geplaudert und als es um den E-Mail-Austausch ging und ich schon angefangen hatte, nach einem Zettel zu kramen, habe ich noch rechtzeitig an meine Visitenkarten gedacht. Nicht die offiziellen, sondern die kleinen mit Foto von moo.)

Wie man sich auf Referate vorbereitet

Das heißt ohne Stichwortzettel, weil man sowieso alles weiß. Das Wissen muss man sich zwar erst aneignen, aber in der Beziehung hatte ich Glück mit meinem Hirn. Das geht schnell. Und ich kann um das Wissen sowieso nicht herum. Ich bin ein schlechter Sachverhalte-Auswendiglerner. Ich bringe nichts über die Lippen, was ich selbst nicht verstehe. Sonst würde ich ja womöglich etwas Falsches erzählen.
Letztes Jahr bin ich für einen Deutschvortrag zwei Tage im Internet versumpft, um alle Zusammenhänge zu kennen. (Ich muss die niemandem erklären oder vortragen, ich muss sie nur selbst wissen, sonst weiß ich ja nicht mehr als die anderen, und dann ist es wieder sehr „referatisch“.)

(Quelle: Focus-Schülerblog, Oberstufenschülerin)