Was ich gerade in meinen Klassen mache

Statt Referate müssen meine Neuntklässler in Deutsch das Jahr über Reden halten. Inhalt und Anlass dürfen sie frei wählen; es gibt eine Note auf den Vortrag und eine auf den Text, der Strktur aufweisen muss und Stilmittel, auf jeden Fall ein gutes Bild und Anaphern oder Parallelismen. Bisher hatten wir schon: Eine Rede zur Silberhochzeit der Eltern, eine zu einem fünfundzwanzigsten Betriebsjubiläum, eine Hochzeitsrede, eine Abiturrede, eine politische Rede anlässlich der US-Wahlen. Die Reden dürfen – angelehnt an eine Loriot-Rede im Schulbuch – Parodien auf Reden sein, das war bisher aber nur eine. Die Texte danach lesen sich gut, aber im Vortrag, mit Ernsthaftigkeit und Textkenntnis und am Stehpult vorgebracht, kommen sie noch viel, viel besser. (Ansonsten gerade: Essays schreiben; Kurzgeschichten lesen.)

Meine 6. Klasse in Informatik sehe ich nur alle zwei Wochen, höchstens, dafür dann jeweils doppel- statt einstündig. Heute eine Ex geschrieben, was sich gut traf, da wir eh in einem Klassenzimmer statt dem engen Computerraum waren. Und danach haben wir ohne Rechner gearbeitet, tut manchmal ganz gut. Ein Schüler sprach mich auf meinen Youtube-Kanal an, den mussten wir dann natürlich anschauen. (Ist ja eh nur Informatik-Zeug drauf, fast nur jedenfalls. Und eine Ukuleleaufnahme, vier Jahre alt, für die ich mich eigentlich entschuldigen muss. Grauslich. War das erste, das sie sehen wollten.)

In der 7. in Informatik heute etwas zu Phishing und anderen Problemen im Zusammenhang mit E-Mails gemacht. Steht zwar alles nicht im Lehrplan, ist aber wichtig. Hier ein Online-Test, ob man Phishing- von echten Nachrichten unterscheiden kann. In der Stunde zuvor haben wir uns über die Vorteile von E-Mail ausgetauscht, und darüber, dass man dafür Apps und eigene Programme nutzen kann. Dann haben wir mit dem Mail-Simulator http://www.minimehl.de/ ein bisschen Mail simuliert.

Das W-Seminar zu text-based computer games musste gestern ein wenig interactive fiction programmieren, mit Inform 7. Das liegt manchen sicher mehr als anderen.

Der Elferkurs Informatik hat letzte Woche Klausur geschrieben; morgen kommt – als Pause vor dem neuen Stoff – ein wenig Programmierübung dazu. Mal sehen, ob sie die selbst programmierten einfach verketteten Listen auch für kleine Vorhaben verwenden können.

Die eine zehnte Klasse programmiert munter das GeisterGo-Projekt vor sich hin (inzwischen mit Kartenmaterial aus dem OpenStreetMap-Projekt) die andere ebenfalls – allerdings mit den Praktikanten zusammen, die meinen Unterricht fast völlig übernehmen und das sehr gut machen. Ich habe mir auch schon neue Ideen abschauen können. Im Informatikunterricht gibt es immer wieder Phasen, in denen die Schülerinnen und Schüler allein arbeiten und dabei auf Probleme stoßen; da ist es besonders hilfreich, wenn nicht nur eine Lehrkraft herumgeht und Hilfe anbieten kann, sondern gleich vier. Auch sonst könnte ich mich daran gewöhnen, in eienr Grupp ezu unterrichten. Wir sollten viel mehr Gespräch unter einander einbauen, quasi sokratische Dialoge dramatisch vorspielen… mache ich natürlich nicht, die sollen ja auch üben, wie das alleine geht. Aber lustig wär’s schon.

4 Antworten auf „Was ich gerade in meinen Klassen mache“

  1. Danke, immer interessant zu lesen, was Du gerade machst. Durch Dich bin ich auch auf Inform 7 gekommen und habe damit etwas herumgespielt und den Anfang eines Star Trek Adventures gebastelt – Der Turbolift war kniffelig ;-). Ist interessant, da ganz anders als bekanntere Programmiersprachen. Ich kann mir aber vorstellen, dass es für Schüler ganz schön herausfordernd ist.

  2. Schülern, die gar nicht gern programmieren, fällt der Anfang sogar leicht, und weiter als zum Anfang kommt man ja eh nicht oft. Verwirrend ist das für die, schon halbwegs programmieren können. Und wer nicht gerne spielt oder bastelt, hat auch weniger Freude daran, das ist wahr. (Gerade gesehen, dass das nicht alle Klassen waren, egal.)

  3. Auch wenn die Kommentare es anders vermuten lassen, dein Text und was mir meine Schüler über ihren hessischen(!) Informatikunterricht erzählen, lassen mich doch fragen, wird im Informatikunterricht noch programmiert?

    Wir zu C64 Zeiten haben dort nur programmiert bzw. ein Teil sagte dem Lehrer, was er mit den anderen tun muss und verzog sich dann in den Computerraum.

  4. Über Schulinformatik in Hessen weiß ich so gut wie gar nichts, außer dass das da ein Wahlfach ist – also muss niemand das Fach belegen, so dass da wohl eher Interessierte und eher mehr junge Männer statt Frauen sein werden. In Bayern ist das am Gymnasium Pflicht, wenn auch vor allem am naturwissenschaftlich-technologischen Zweig, dem größten.

    Es wird verhältnismäßig wenig programmiert, ernsthaft erst ab der 10. Klasse. Das ist wohl der Preis, den das Fach vor fünfzehn Jahren zahlen musste, um als allgemeinbildend akzeptiert zu werden und Pflichtfachstatus zu erhalten. Ab der 10. wird aber viel programmiert. (Und in der 7. schon auch, aber sehr spielerisch.) Ich hätte gerne schon früher etwas mehr Programmierung. Modellierung ist an der Schule der zentralere Begriff.

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