Reden in der 9. Klasse

Der Schuljahresanfang in der 9. Klasse Deutsch sah diesmal so aus:

  1. (Optional: Anekdoten von der Nerd Nite erzählen. Eine Junior Nerd Nite an der Schule ankündigen.)
  2. (Optional: ein paar Videoblogs zeigen, um zu zeigen, dass man Sachen auch mit Schwung vortragen kann. In diesem Fall der Nostalgia Critic und Bottleplot.)
  3. Gestaltendes Lesen der Loriot-Rede zum Thema notleidende Vampire (mit Spendenaufruf) aus dem Schulbuch.
  4. Ein bisschen was zu Reden machen: Wiederholung, Parallelismus und Anapher als Stilmittel; Rolle von Situation, Publikum, Ziel.
  5. Dann: eine ähnliche Rede schreiben lassen. Zu einem ähnlich unernsten Thema. Vorschläge dazu machen. In der Schule zu schreiben beginnen, als Hausaufgabe beenden. Länge vorgeben: 200–400 Wörter.
  6. Im Computerraum die Rede in den Rechner tippen lassen. Genaue Vorgaben in Form eines Arbeitsblattes zur Formatierung machen. (Zeilenabstand 1 1/2, Abstand nach jedem Absatz, wo Leerzeichen hingehören und wo nicht.)
  7. Genauer sagen, wie eine gute Rede aufgebaut sein soll. Auch neue Bedingungen stellen. Überarbeiten der Rede im Computerraum.
  8. Einsammeln der Dateien.
  9. Vortragen der Reden im Klassenzimmer am Stehpult. Wenn die Klasse mitmacht, 6 Stück in einer Stunde. Ab der zweiten Stunde einen Schüler bestimmen, der Conferencier macht – den nächsten Redner auswürfelt, Rückmeldungen von der Klasse einfordert etc.
  10. Benotung auf Basis des Vortrags und der Datei. Formatierung stark gewichten.
  11. (Optional: ein paar Schüler in die Parallelklasse schicken und – wenn beide Klassen parallel arbeiten, wie bei uns geschehen – von der wiederum Redner kommen lassen, damit die auch mal vor fremdem Publikum reden.)
  12. (Optional: Weitermachen mit sachlicher Erörterung in Form einer Rede.)

Ich fand das alles sehr rund und zusammenhängend. Sowohl Schüler als Lehrer wissen jeweils, woran man gerade arbeitet, was nächste Stunde passieren wird. Beides halte ich inzwischen für sehr wichtig. (Und eher entspannend für den Lehrer ist das auch.) Die Reden habe ich zum Großteil aufgenommen, hier einige Ergebnisse:

Über Kühe:

Über Österreich:

Über das Trinken im Unterricht:

Über Bleistifte:

Über Taschentücher:

Über Mofas:

(Über Feedreader nicht hörbar, fürchte ich.)

Die Noir-Box: das letzte aus den Sommerferien

Vor einiger Zeit habe ich mir eine DVD-Box gekauft: Film Noir Collection, mit neun Filmen: The Killers; Double Indemnity; The Big Steal; Crossfire; Out of the Past; The Blue Dahlia; The Glass Key; This Gun For Hire; Murder, My Sweet. Ich mag seit früher Jugend film noir. Schwarzweißfilme waren ohnehin klasse, screwball comedies, Cary Grant, James Stewart, Katherine Hepburn, Humphrey Bogart.

Noir, das war eine besondere Art Schwarzweißfilm. Ein Krimi, aber mit einem Privatdetektiv als Held, jedenfalls keinem Polizisten. Im Gegenteil, die Polizei war korrupt oder störend. Trenchcoats und Hüte, Zigaretten, nächtlicher Regen, Großstadt. Der Held löste den Fall, kriegte aber nicht unbedingt das Mädchen. Oft genug war sie die Täterin, eine femme fatale war jedenfalls meistens dabei. Der ideale Noir-Held blieb am Schluss des Films allein zurück, moralisch integer, etwas angewidert vom Rest der Welt, aber bereit für den nächsten Fall.
Erst danach, aber noch zur Schulzeit, habe ich die Bücher gelesen: Chandler und Hammett.

Noir gab’s natürlich auch moderner und in Farbe: Chinatown etwa oder Blade Runner, und dieser eine Film da, den ich vor fünfundzwanzig mal im Fernsehen gesehen und von dem ich seitdem nie wieder gehört habe: junger Mann will Detektiv werden, hat wohl zu viele Filme gesehen; Vater ist Polizist und will es ihm ausreden; ein Fall taucht auf, der dann verzwickter wird; verführerische Frau; Sohn bewährt sich. Viel mehr weiß ich nicht (außer: der Sohn übt, seine Zigarette so lässig an der unterlippe baumeln zu lassen wie Jean-Paul Belmondo), aber der Film hat mir gefallen und ich wüsste gerne, was das war.

In den Sommerferien bin ich endlich dazu gekommen, mir die ersten Filme aus der Box anzuschauen. Hier meine Gedanken dazu:

1. The Killers
Regie: Robert Siodmak
Drehbuch: Anthony Veiller
Darsteller: Burt Lancaster, Ava Gardner
Musik: Miklós Rózsa
Jahr: 1946

Guter Film, ein Klassiker, hatte ihn noch nie gesehen. Der Durchbruch für den jungen Burt Lancaster.
Motive: Treppen, Nacht, Hell-Dunkel-Kontraste, Verrat, femme fatale. Kein Regen.
Frauen: 3 – eine sympathische, brav-bürgerliche; ein Zimmermädchen; eine femme fatale (aber immerhin ohne Romanze mit dem Detektiv).
Bechdel-Test: nicht bestanden.
Erzählperspektive: verschachtelt, in Rückblenden.
Plot: Zwei Killer kommen in ein abgelegenes Städtchen und erschießen einen der Einwohner, den “Schweden”, der ihr Kommen untätig erwartet. (Soweit, wenn ich mich recht erinnere, die Hemingway-Kurzgeschichte, auf der der Film basiert.) Ein Versicherungsdetektiv untersucht den Fall und rollt in einer Reihe von Interviews mit verschiedenen Personen aus der Vergangenheit des Opfers dessen Geschichte auf; der Film ist weitgehend in Rückblenden erzählt – ich glaube den Einfluss von Citizen Kane zu erkennen. Es gibt zwei Helden, den Toten und den Detektiv, der schließlich auch den Fall aufklärt.
Die Musik vom geschätzten Miklós Rózsa ist natürlich erstklassig, das Killers-Motiv ist die Vorform des Dragnet-Themas und wurde dafür nur etwas erweitert.

Erzählerischer Schönheitsfehler: eine Person aus seiner Vergangenheit entdeckt den Schweden in dem Städtchen, in das er sich zurückgezogen hat. Das erfahren wir durch den Bericht des Tankwarts in Form einer Rückblende, wir sehen diese Person und erkennen sie aus anderen Rückblenden wieder – und wissen damit mehr als der Ermittler, obwohl wir auch keine anderen Zeugenaussagen gehört haben als er. Das ist das Problem mit visuell wiedergegeben Binnenerzählungen: es gilt die Regel, das derselbe Schauspieler stets dieselbe Person verkörpert und umgekehrt, so dass eine eindeutige Identifizierung möglich ist. Keine Verwechslung oder Hochstapelei ist möglich. Gespielt wird damit allenfalls in manchen Rashomon-Episoden.


2. Double Indemnity
Regie: Billy Wilder
Drehbuch: Billy Wilder und Raymond Chandler
Darsteller: Fred MacMurray, Barbara Stanwyck, Edward G. Robinson
Jahr: 1944
Romanvorlage: James M. Cain

Motive: Verrat, Misstrauen, femme fatale. Korrupte Autoritäten (MacMurray selber). Mit Streichhölzern Feuer geben. Kein Ermittler. Nur wenig Regen.
Frauen: eigentlich nur eine, diejenige des deutschen Titels: “Frau ohne Gewissen”
Bechdel-Test: nicht bestanden.
Erzählperspektive: Rahmenhandlung, der Hauptteil als Rückblende.
Plot: Fred MacMurray, Versicherungsverkäufer, schwankt verletzt in sein Büro und diktiert dort in ein Aufnahmegerät die wahre Geschichte eines Mordes und Versicherungsbetrugs. MacMurray selber ist es, der mit der Frau des Versicherten den Mord verübt hat. Die Versicherungsgesellschaft schöpft Verdacht und will erst einmal nicht zahlen, um die Witwe zu einem Gerichtsverfahren zu zwingen und so Zeit zu haben herauszufinden, wer ihr Mittäter ist.
Ein Klassiker, berühmt und so, aber trotzdem keiner meiner Favoriten. MacMurrays Besessenheit von Barbara Stanwyck kommt mir zu plötzlich, und auch wenn sie am Schluss als gewissenlose Manipulatorin hingestellt wird, so geht die Tat tatsächlich doch eher von MacMurray aus. Die besten Teile des Filmes (neben den Szenen mit Edward G. Robinson) sind die Szenen nach dem Mord, als MacMurray und Stanwyck mürbe gemacht werden. Aber das ist in der Buchvorlage schöner – Kunststück, da ist auch mehr Zeit dafür.


3. Crossfire
Regie: Edward Dmytryk
Drehbuch: John Paxton
Darsteller: Robert Young, Robert Mitchum, Robert Ryan, Gloria Grahame
Jahr: 1947

Motive: keine noir-typischen. Treppen vielleicht, und Hell-Dunkel-Kontraste.
Frauen: zwei. Brave Ehefrau und ruppige Animierdame mit Herz. Beides Nebenrollen.
Bechdel-Test: nicht bestanden.

Plot: Ein Mann wird in seiner Wohung zu Tode geprügelt. Die Polizei untersucht den Fall; der Ermittler ist angenehm zurückhaltend und sachlich. Hat aber beständig eine Pfeife im Mund, damit man auch sieht, dass er ein intellektueller Ermittler ist. Da war mir schon klar, dass das kein film noir werden würde. Pfeifen sind nicht noir, auch wenn Marlowe in den Romanen Pfeife raucht.
Hauptpersonen des Films sind aber eine Gruppe von Soldaten zum Ende ihres Militärdiensts, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Einer von ihnen ist der Tatverdächtige, ein anderer ermittelt selbst ein wenig herum, auch der tatsächliche Täter ist unter ihnen. Das weiß man schon recht früh im Film, ebenso wie das letztliche Motiv: Antisemitismus. (In der Romanvorlage, sagt man mir, istes Homophobie.) Gelegentlich neigt der recht kompliziert aufgebaute Film zum Didaktischen.
Erzählperspektive: Holla, auch hier wird mit Rückblenden gearbeitet, hier sogar dieselbe Szene aus verschiedener Perspektive, wenn auch noch ganz ohne Rashomon-Unschärferelation.
Der Film hat die typische Noir-Ausleuchtung (angeblich auch, weil die so leicht aufzubauen war; Drehzeit für den ganzen Film waren nur 20 Tage), aber noir ist er eigentlich nicht.

Anders als bei den vorhergehenden zwei Filmen fehlt diesem das Unausweichliche. Burt Lancaster sieht seinen Tod kommen, auch das Schicksal von Fred MacMurray kommt absehbar und unerbittlich auf ihn zu.


4. The Big Steal
Regie: Don Siegel
Drehbuch: Geoffrey Homes und Gerald Drayson Adams
Darsteller: Robert Mitchum, Jane Greer, William Bendix
Jahr: 1949

Motive: Keine typischen noir-Elemente. Kein Regen, keine Treppen, keine typische Ausleuchtung (ich habe den Film koloriert gesehen); er spielt tagsüber, es ist hell. Er spielt zu einem großen Teil auf dem Land, Überlandfahrt in Mexiko.
Frauen: Eine. Als selbstständig und selbstbewusst charakterisiert, außer wenn es um Schusswaffen geht. Jane Greer ist übrigens ganz entzückend, warum hat mir das noch keiner gesagt?
Bechdel-Test: nicht bestanden.
Erzählperspektive: linear, wenn auch mitten in der Handlung beginnend und zügig erzählt.
Plot: William Bendix verfolgt Robert Mitchum, wir wissen noch nicht, worum es geht. Schon da kann das kein film noir sein – wer 180 Radioepisoden von “The Life of Riley” mit Bendix und seiner unverkennbaren Stimme in der Hauptrolle gehört hat, der sieht ihn nicht mehr als bedrohliche Figur. Wikipedia nennt den Film dann auch “film noir/comedy”.
Mitchum verfolgt seinerseits Patric Knowles, der sich mit gestohlenem Geld davonmacht. Er schuldet auch Jane Greer Geld, sie und Mitchum raufen sich zusammen und jagen Knowles hinterher. Eine Komödie ist der Film sicher nicht, aber es gibt viele witzige Szenen. Der charmant-gemütliche mexikanische Polizeichef gibt sich etwas einfältig, hat die Situation aber weitgehend unter Kontrolle. Nur das Finale ist echter Krimi, mit dubiosem Antiquitäten sammelnden Hehler und ein bisschen Verrat, aber das auch nur sehr kurz. Danach Happyend. Als Film durchaus in Ordnung.


5. Murder, My Sweet
Regie: Edward Dmytryk (sein Erstling)
Drehbuch: John Paxton
Romanvorlage: Raymond Chandler
Darsteller: Dick Powell
Musik: Roy Webb
Jahr: 1944

Motive: So ziemlich alle. Außer Regen. Immer noch kein Regen.
Frauen: Zwei, einschließlich femme fatale.
Bechdel-Test: nicht bestanden.
Erzählperspektive: Rückblickende Rahmenhandlung.
Plot: Philip Marlowe, einen Verband um die Augen, sitzt bei der Polizei und erklärt den Polizisten die näheren Umstände eines Mordes. In einem großen Rückblick wird die Geschichte erzählt. Moose Malloy, nach acht Jahren wieder aufgetaucht (aus dem Gefängnis?) will, dass Marlowe seine Freundin Velma findet. Bis er sie findet, gibt es Tote. Ich könnte mehr erzählen, aber das ist bei Chandler nicht sehr wichtig, und der Film folgt recht genau der Romanvorlage, Chandlers Murder My Sweet. Wichtiger ist die Atmosphäre: Los Angeles bei Nacht, Straßenschluchten, Bars. Die Kameraperspektiven sind mitunter schräg (Will Eisners Spirit-Comics nicht unähnlich), es beginnt gleich mit einer Vogelperspektive. Spiegel, Treppenfluchten, Tiefenschärfe, optisch interessant, vor allem auch eine Traumsequenz, als Marlowe unter Drogen in einem Sanatorium festgehalten wird.
Dick Powell macht sich als Detektiv gut, bis zu diesem Film war er Sänger und Musical-Star, wollte aber ins ernsthaftere Schauspiellager. Den smarten Schönling kann er nicht ganz ablegen, aber das passt dann doch gut zu Marlowe. Chandler selbst wünschte sich in einem Interview Cary Grant als Verkörperung für seinen Helden.
Gestört hat mich in der zweiten Hälfte des Films die Charakterisierung der Methoden. Der übliche Vorwurf der schönen Frau an den schmutzigen Detektiv, er würde für Geld ja wohl alles machen, kam sehr unmotiviert, ähnlich wie andere Versatzstücke. Trotzdem insgesamt ein sehr schöner Film und feiner noir.


Irgendwann komme ich hoffentlich dazu, die letzten vier Filme aus der Box anzuschauen. Eine erste kleine Zusammenfassung: Crossfire ist der einzige Film, der unmittelbar mit einem Mord beginnt. Alle anderen lassen sich Zeit. Noch interessanter: sehr viele der Filme erzählen nicht rein linear, eine rückblickende Rahmenhandlung gibt es fast immer, meist auch noch Rückblenden, bei Crossfire und The Killers als ganz wesentliches Element. (Beim ganz ausgezeichneten Out of the Past wird mir das wieder begegnen.) Liegt das an der Entstehungszeit oder doch eben am Genre? Die Männer und Frauen dort haben jedenfalls alle eine Vergangenheit; das Unausweichliche wird im Rückblick deutlicher; die Aufklärung eines Kriminalfalls ist ohnehin immer analytisch nach hinten gewandt.
Typisch auch der Antagonismus gegenüber den Behörden. Frauen sind gefährlich, Treppen ominös. Und es regnet nicht viel; die Idee des Regens habe ich wohl tatsächlich nur aus den Spirit-Comics von Will Eisner, in deren Noir-Atmosphäre es so beständig und heftig regnet, dass dafür der Begriff “Eisnershpritz” geprägt wurde.

Nachtrag: hier die restlichen Filme.

Programmierprojekt in der Q11

Zum Ende der 11. Jahrgangsstufe müssen die Schüler im Informatik-Kurs an einem Projekt arbeiten. Dabei sollen die im Laufe des Jahres gelernten Datenstrukturen (Listen, Bäume) ebenso verwendet werden wie eine SQL-Datenbank, ansonsten ist man thematisch frei. Vorgeschlagen sind Sachen wie Reiseauskunft oder Kontoverwaltung, meine Schüler wollten etwas anderes machen.

Ich hatte zwei Gruppen. Die erste entwickelte ihr Kriegergame weiter, entstanden aus einer einfachen Übung zur Vererbung am Schuljahresanfang. Als Spiel simpel: zwei Rollenspielfiguren rüsten sich aus und hauen dann mit verschiedenen Methoden abwechseln aufeinander ein, bis einer verloren hat. Der Gewinner kriegt Geld und Erfahrungspunkte und kann sich mehr Ausrüstung kaufen; jeder Benutzer kann mehrere Spielfiguren haben, deren aktueller Zustand (Geld, Ausrüstung) in einer Datenbank gespeichert wird.

Kriegergame:
20 Klassen, davon 5 Interfaces
172 KB
~6190 Programmzeilen (2262 + GUI 3928), einschließlich javadoc und Leerzeilen

Programmiert wurde in Java in der Entwicklungsumgebung Eclipse; hier die grafische Darstellung der Klassen aus BlueJ:

Das Menü:

Der Kampf:

Der Shop:

Es gibt 5 verschiedene Charakterklassen (Hunter, Lich, Mage, Paladin, Tank), jeweils männlich oder weiblich; Ausrüstungsgegenstände; zum Teil animierte Angriffe, alles liebevoll grafisch aufbereitet. Überhaupt hat es Schülern die Grafik angetan, der größte Teil der Programmierarbeit entfiel auf die aufwendige Benutzeroberfläche. Mich selbst interessiert die am wenigsten, und fitzelig zu programmieren ist sie auch. Aber wenn’s Spaß macht.

Die andere Gruppe programmierte das Quiz “Wer wird Abiturient?”:

Quiz:
13 Klassen, davon 5 Interfaces
101 KB
~2863 Programmzeilen (1283 + GUI 1580), einschließlich javadoc und Leerzeilen

Auch hier wurde mit Eclipse gearbeitet; ein Überblick über die Klassen aus BlueJ:

Das Menü:

Eine erste Frage:

Nach den ersten sehr einfachen Fragen verlässt man die Grundschule und kann sich durch immer schwerere Fragen bis zum Abitur hocharbeiten. Die Fragen und Antworten und die Highscore-Liste sind jeweils in einer Datenbank gespeichert.

Bei beiden Projekten wurde mit den Entwurfsmustern Model-View-Controller und Beobachter gearbeitet. Insgesamt hatten die Schüler etwa neun Wochen Zeit, glaube ich.

Merken:

  • Je mehr Zeit man für das Projekt hat, desto besser. Wir hätten alle noch lange daran herumarbeiten können und wollen, ein paar erkannte Fehler sind noch drin und unerkannte sowieso. Eigentlich ist so etwas nichts für die letzten Wochen im Schuljahr, das müsste ein eigenes P‑Seminar sein.
  • Das Arbeiten mit Datenbanken ist lästig. Zuerst hatte ich eine Datenbank im Web (wenn schon, denn schon), so dass die Schüler auch zu Hause daran arbeiten konnten. Das wäre für die Spiele auch schön gewesen, da es dadurch eine zentrale Benutzerverwaltung und eine zentrale Highscore-Liste gegeben hätte. Aber wenn man das Programm weitergibt, sind ja im Java-Quellcode die SQL-Zugangsdaten enthalten, und die will man nun mal nicht öffentlich haben. (Aus dem Bytecode wieder lesbaren Quellcode zu generieren, ist wohl recht leicht, wenn man nicht zusätzliche Verschlüsselungsschritte unternimmt.)
    Also hätte ein Java-Client auf den Server gemusst, der die Zugangsdaten verwaltet, nur dass bei mir kein Java läuft. Also dann doch eine lokal gespeicherte Datenbank. Microsoft Access ging recht schnell auch wenn manche Java-Versionen den Treiber bereits mitbringen, andere nicht. Einen Treiber für Open Office Base zu finden, dauerte lange, gelang aber doch. Nur dass das Open-Office-Format ein Zip-Format ist, auf dem Java nicht unmittelbar arbeiten kann – also müsste die .odb-Datei erst entpackt, dann bearbeitet, dann wieder gepackt werden, weil man nur im gepackten Zustand dann wieder mit Open-Office-Base darauf zugreifen kann.
  • Ich muss mir noch viel öfter Entwürfe zeigen lassen. Inzwischen ist StarUML auf unseren Rechnern installiert, damit geht das besser. Gefahr und Versuchung sind groß, dann doch einfach mal drauflos zu programmieren. Also: mehr Lenkung vor den Programmierphasen. Aber diese Sammelstunden kosten wieder Zeit.
  • Spiele sind eine gute Idee. Da kommen grafische Fähigkeiten zum Einsatz, und wer nicht gerne programmiert, kann Quizfragen heraussuchen und in die SQL-Datei eintippen. Irgendwas ist für jeden dabei.
  • Es ist ein fruchtloses Unterfangen, Schüler dazu bringen zu wollen, sich weniger auf die grafische Benutzeroberfläche zu konzentrieren.
  • Wichtig für die Arbeitsteilung: die Aufgaben müssen irgendwo im Web liegen, und die Schüler müssen sie selbst verwalten. Projektplanungssoftware wäre schön, aber es geht auch mit einem gemeinsamen GoogleDocs-Dokument:

    Schön, beim Mitlesen zwischendrin so Mitteilungen zu finden wie:

    !!Wichtig: Die Itemnamen dürfen maximal
    so lang sein wie “Sichel des Unterweltherschers”!!

  • Noten: Noten gab es keine darauf. Ich kann bei zwei derartig umfangreichen Projekten als nicht wirklich eingebundener Lehrer nicht mehr sinnvoll benoten. Eine Gesamtnote wäre möglich, die sich die Schüler dann untereinander aufteilen. Aber bei abiturrelevanten Noten wäre ich da sehr vorsichtig, am Ende führt das noch zu Streit. Aber es geht ja auch wunderbar ohne Noten.

Nachtrag: Jetzt auch als Video.

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(Fortsetzung bei Youtube.)

Aus meiner Vergangenheit

Vor zwei Wochen war ich auf der Geburtstagsfeier eines meiner ehemaligen Englischdozenten. Unter den Gästen waren Leute, die ich fünfzehn Jahre nicht mehr gesehen und an die ich gar nicht mehr gedacht hatte. Aber schön war’s. Viele Erinnerungen kamen auf.

Es gibt (das weiß ich schon länger) sehr viele sehr nette und interessante Menschen. Und ich halte Kontakt nur zu wenigen davon, denke aber oft an sie. Manchmal stöbere ich ihnen im Internet nach, aber ich finde die wenigsten. Da ist mein Seminarlehrer Herr B., da ist Claudia aus Düsseldorf, Christiane (die tatsächlich alleine in einem Loft über einer nicht mehr genutzten Fabrik gewohnt hat, und das nicht in New York, sondern in Augsburg). Die Leute aus dem Fandom, Udo F. zum Beispiel, über den ich noch mal mehr schreiben werde. Die vielen anderen, die ich mehrmals jährlich auf Cons getroffen habe: Katja, Anja, Tackleberry, Robert V.

Mit anderen, aber viel zu wenigen, tausche ich wenigstens Geburtstagsgrüße aus. Mit meiner ersten Rollenspielergruppe, mit denen ich immerhin auf Facebook Kontakt halte und von denen ich nur einige beim jährlichen Spiel sehe; die kleine Freundesgruppe danach, die ich auch einmal im Jahr Anfang August sehe; die Freunde aus Studientagen, die ich noch am häufigsten treffe.

Es gibt auch einige wenige Schüler, deren Laufbahn ich so ein bisschen verfolge. Corinna etwa, die ich in der 11. Klasse mal unterrichtet habe. Las Nabokov. Sie musste bei mir für Der Name der Rose ein Referat über Jorge Luis Borges halten; danach habe ich mal ein Buch von ihr geschenkt bekommen. (Coco, melden Sie sich doch mal. Ich kriege immer nur mit, wenn irgendwo ein Stück von Ihnen aufgeführt wird.)
Ich erinnere mich auch deshalb an sie, weil mir eine Note für sie viel Sorgen gemacht hat. Es ging um Der Name der Rose (war aber nicht die Klasse mit den Referaten), und damals gab es noch einen Aufsatz, den die Schüler zu Hause schrieben, und der wie eine der anderen drei regulären großen Prüfungen – “Schulaufgaben” – gezählt wurde. Später wurde das dann abgeschafft; ich weiß selber nicht warum – diese Aufsätze machten den Lehrern viel Arbeit, aber das kann es ja nicht gewesen sein. Eher der immer wieder zu hörende Vorwurf, es seien die Eltern, die die Texte schrieben.
Ich mochte diese Arbeiten jedenfalls immer, es waren die ersten längeren selbstständigen Arbeiten in der Oberstufe, noch vor der Facharbeit, und man übte darin bereits korrekte Gliederungen, Zitiertechnik und Bibliographie.

Nur dass mir diese Schülerin dann ein wunderschönes Werk präsentierte, das nur eben keine literarische Erörterung war, keine Zitiertechnik demonstrierte und auch sonst an den Angaben vorbeischrammte:

Gelblich geflecktes, mit Lederband zusammengebunden; die Ränder mit der Kerzenflamme angesengt. Das Bild oben ist nur eine eingefärbte Schwarzweißkopie. Inhaltlich schon auch etwas lyrisch, aber gut gemacht. Nur eben nicht das, was es hätte sein sollen.
Die Note in der 11. Klasse war ja tatsächlich nur Rückmeldung und zählte zu nichts. Schweren Herzens und voller sicher nicht ausreichender Erklärungen habe ich als Kompromiss eine 4 gegeben. War das richtig?

Viel geschadet habe ich sicher nicht. Corinna scheint es gut zu gehen, sie studiert und schreibt und veröffentlicht und kriegt auch schon Preise.

Datenklau im Klassenzimmer

Macht gerade bei Twitter die Runde: Datenklau im Klassenzimmer. Ausgangspunkt: Postkartenaktion vom “Verlag für Wissen und Innovation” an Grundschulen, wo man kostenlose Bücher kriegt – gegen freiwillige, aber doch erwünschte Herausgabe der Adresse. Worauf sich dann wohl Leute mit Angeboten bei den Eltern melden, am Ende mit Finanzdienstleistungen.

Manu (von manu bloggt) hat das schön recherchiert und im Blog dargelegt. Erste Klageandrohung ist auch schon da. Sehr lesenswert.

– Wir würden solche Angebote an unserer Schule hoffentlich gar nicht erst verteilen. Mir reichen schon die Angebote eindeutig seriöser Verlage in unserem Lehrerzimmer: immer wieder liegen Listen für Sammelbestellungen herum, ab und zu ist irgendein Tisch mit irgendwelchen Büchern zur Ansicht belegt. Darauf könnte ich verzichten. Nicht recht gefällt mir auch, wie über die Schule ein bestimmtes Vokabellernprogramm an die Schüler vermittelt wird, obwohl es kostenlose Alternativen gibt.

Völlig in Ordnung ist jedoch das kopierte Blatt, das gerade an unserer Eingangstür klebt: für Offizierstanzkurs des örtlichen Fliegerhorsts werden Damen als Partnerinnen gesucht, Teilnahme kostenlos. Dass es das tatsächlich noch gibt, finde ich schön.

Wochenrückblick

Am Dienstag war ich den ganzen Tag auf Fortbildung, danach mit den Fortbildnern noch auf ein Bier weg. Richtig viel gelernt habe ich nicht viel, aber mit anderen Lehrern geredet, das ist was wert. Tatsächlich neu war mir: die Kontaktformulare auf unserer Homepage dürften eigentlich nur verschlüsselte Mails verschicken. Das Verschlüsseln von Mails ist technisch ganz wenig aufwendig (mit OpenPGP, auch mit Thunderbird-Plugin), aber wenn die verschiedenen Empfänger das bei ihrem Programm nicht eingerichtet haben, funktioniert der Empfang nicht. Selber nutze ich die Verschlüsselung deswegen auch nicht, obwohl alles Nötige installiert ist.

Der Donnerstag gestern war dann ein sehr langer Tag. Zuerst eine Besprechung in dem einen Büro. Dann eine Besprechung mit anderen Leuten in einem anderen Büro. Dann vier Stunden Unterricht. Praktisch an der Doppelstunde Deutsch in der Q12: die anderen Kurse liegen parallel, und da meine Kurse etwas zum Vorzeigen hatten und ein Parallelkurs auch, haben wir uns gegenseitig besucht. (Fotos folgen.)
Nach der Mittagspause noch einmal drei Stunden Unterricht, so dass ich um viertel nach vier fertig war.
Und danach wiederum war Klassenelternabend: ab halb sechs bekamen die einen, ab halb sieben die anderen Jahrgangsstufen eine Stunde Einführung. Ab halb sieben beziehungsweise halb acht waren die Eltern dann in den Klassenzimmern ihrer Kinder und alle Lehrer stellten sich vor. Die meisten davon versuchten erfolgreich, sich kurz zu fassen, trotzdem hat das bis zehn gedauert.
Nach einer etwas angestrengten Diskussion im Plenum waren die Klassensitzungen, die ich mitgekriegt habe, dann durchweg angenehm; ich hätte gerne noch mit den Eltern geplaudert und mich für ihre Sicht vieler Dinge interessiert, aber es war halt schon spät.

(Ich habe den Eltern auf Wunsch meine E‑Mail-Adresse gegeben und dabei ganz automatisch meine Privatadresse verwendet, da die von der Schule zur Verfügung gestellte Adresse für mich etwas umständlich zu benutzen ist. Mitten im Schreiben fiel mir auf, dass die vielleicht ein wenig zu pompös ist: himself AT vornamenachname PUNKT de. Aber die habe ich seit zwölf oder dreizehn Jahren.)

Um elf Uhr war ich zu Hause, noch schnell ein Fundstück Käse gegessen und zwei Löffelchen Sauerrahm, mehr war in der Schnelle nicht aufzutreiben.

Inzell 2010

Die Schülerinnen und Schüler unserer 7. Klassen fahren am Anfang des Schuljahrs immer für eine Woche ins Sportcamp Inzell. Als Klassleiter einer 7. Klasse war ich diesmal auch wieder dabei.

Tag 1:
Anfahrt, Hütten beziehen, Mittagessen. Ein paar Schüler sprangen ins Schwimmbecken:

Danach Wanderung nach Inzell und zurück, abends Disco, organisiert von der Heimleitung. Selber sehr müde abends.

Tag 2:
Vormittags Rhönrad und Airtramp. Rhönrad sieht so aus, wenn es Schüler machen:

Und so, wenn ich im Rad hänge:

In der anderen Hälfte der Turnhalle Airtramp:

Je eine Seite des Quadrats versucht dabei, den Ball mit den Füßen über den Rand der gegenüberliegenden Seite zu bringen.

Danach Wanderung auf die Bäckeralm, eine Abkürzung hinauf – Abkürzung im Sinne von: da kommt dann irgendwo der Weg. Die Alm war noch offen, die Schüler vertilgten appetitlich Kaiserschmarrn und Käsebrote (mit Almkäse). Auf dem Rückweg großes Interesse der Schüler daran, die Kühe auf der Weide zu streicheln. Abends Spiel ohne Grenzen (wieder von dort organisiert), mit den Lehrern als Punktrichtern: Team-Aufgaben im Zirkeltrainingsformat in der Turnhalle.

Abends schon wieder müde, also ich jedenfalls.

Tag 3:
Vormittags ein wenig Nieselregen. Programm: Sport im Dorf. Beim Biathlon liefen die Schüler immer abwechselnd eine Runde ums Dorf und schossen dann mit Laserwaffen – keinen futuristischen, sie sahen aus und waren ähnlich zu bedienen wie herkömmliche Sportwaffen – auf Zielscheiben. Liegend, ohne Aufstützen. Danach gab es als Angebot: Bogenschießen, Hi-Ball, Kletterturm, Tennis. (Fotos davon in älterem Beitrag.) Noch mehr Rhönrad. Oder einfach einen Ball nehmen und irgend etwas damit spielen. Slackline, Beachvolleyball Lehrer gegen Schüler.
Abends dann eine geführte Nachtwanderung: die hat mich richtig wach gemacht. Es war stockdunkel. Sechzig Schüler, die meist nur den Vordermann sehen können, und nicht immer das. Und dann durch den Wald, vermutlich schon auf Wegen, aber wer weiß das nachts so genau? Die Anweisungen lauteten zum Beispiel: “Fünf Meter geradeaus, dann an einer Esche links vorbei, drei Meter vor, dann spürt man im Boden ein Holzbrett, auf dem sollte man gehen, weil es daneben matschig ist. Dann kommt eine Holzbrücke, bitte aufpassen, da fehlen zwei Bretter am Boden.” (Und sie fehlten auch tatsächlich.) Im Dunkeln ist das schon aufregend, und unsere Schüler fanden das auch aufregend, einige sogar zu aufregend. Es ging recht stockend, weil die Verbindung zum Vordermann immer wieder abriss, und man nachts schon sehr vorsichtig ist, wo man seine Füße hinsetzt.
Aber danach war ich jedenfalls hellwach.

Tag 4:
Eine Ganztagswanderung auf den Rauschberg, Lunchpakete dabei. Die Schüler mit gutem Schuhwerk und ohne Erkältung, die hinauflaufen wollten – fünfzehn Leute etwa – stiegen die tausend Höhenmeter nach oben, der Rest fuhr mit der Seilbahn. Durch den Nebel kommend war das ein toller Anblick oben:

Wir Berghinauffahrer (das ist ähnlich wie Warmduscher) wanderten oben aber auch noch mal drei Stunden bis zu einem kleinen Gipfel und zurück. Da, auf dem Bild rechts oben:

Runter liefen dann wieder fast alle. Ich kriegte tatsächlich etwas Farbe ins Gesicht.
Abends Disco. Ich immer noch wach.

Tag 5:
Hüttenabnahme nach dem Frühstück, dann Heimfahrt. Einziger Programmpunkt dabei war der Besuch des Salzbergwerks Berchtesgaden. Hat mir sehr gut gefallen, seit meinem letzten Besuch sind einige Punkte dazu gekommen. Höhepunkte: die ziemlich flotte Einfahrt mit einer kleinen Grubenbahn durch enge Gänge, die Rutschen, mit denen man schnell nach unten kommt, die Fahrt über den Spiegelsee. Unser Führer war sehr gut, und die Schüler stellten gute Fragen.


Soviel zum Programm. Diesmal war beeindruckend viel Wandern dabei, wenig Hallensport, wenig organisierter Sport überhaupt. Jetzt ein paar persönliche Anmerkungen.

  1. Wenn es den Schülern gefällt, gefällt es auch den Lehrern. Das hängt bestimmt sehr vom Wetter ab; ich habe glücklicherweise noch nie eine verregnete Sportwoche erlebt. Das hängt aber noch mehr von den Schülern ab: es gibt nette und weniger nette Gruppen, freundliche und weniger freundliche, offene oder geschlossenere, alberne und ruhige. Unsere waren diesmal sehr freundlich und sehr brav, trotz kleinerer Ausrutscher. Aber ich bin stolz auf meine Schüler und empfinde es als ein Privileg, wie es der Kollege ausdrückte, ihnen in Inzell zuschauen zu dürfen. (Vermutlich zeige ich das nicht sehr, ich bin da eher etwas reserviert.)
  2. Warum ich das mit dem Müdewerden so oft geschrieben habe: ich schlafe gerne viel und werde ungerne, aber verlässlich, ab zehn Uhr abends sehr müde. In Inzell stehe ich zwar später auf als zu Hause, komme aber auch später ins Bett, und die Tage sind dann doch sehr anstrengend. Ich war beim Wandern dabei, habe Slackline ausprobiert und Bogenschießen (nach fünfundzwanzig Jahren Pause), eine Runde Volleyball auf dem Sandplatz habe ich auch gespielt. Zwei Tage habe ich gebraucht, um mich umzustellen, dann ging das abends. Nach zehn sollten die Schüler auf den Hütten sein, irgendwann später sollte dann das Licht aus sein, und irgendwann danach sollte dann auch wirklich jeder schlafen – und das heißt, dass die Lehrer recht lange aufbleiben und immer wieder nach dem Rechten schauen: regelmäßige Rundgänge. Manchmal gibt es etwas zu schmunzeln, wenn müde Fünftklässler vorbeikommen und nicht wissen, was sie tun sollen, wo doch einer bei ihnen im Zimmer so schnarcht.
  3. Das heißt jedenfalls, dass man mindestens von zehn bis zwölf Uhr nachts zusammensitzt und nicht viel zu tun hat. Man, das hieß in diesem Fall, ich und vier Sportlehrer. Und um uns herum an anderen Tischen Sportlehrer anderer Schulen. Das sind eigentlich ein bisschen viel Sportlehrer für mich, sagen wir mal so. Mit den Kollegen aus meiner Schule habe ich Glück gehabt, angenehme Zusammenarbeit, gute Stimmung. Aber das waren auch keine typischen Sportlehrer… womit ich bekenne: ja, ich glaube an typische Sportlehrer. Ich war auch schon mit typischeren Sportlehrern in Inzell. Sie sind etwas lauter als andere Lehrer. Spielen Mäxchen, jubeln ausgiebig, trinken Bier, erzählen Witze. Auch im Schulalltag glaube ich ein gewisses eigenes Verhalten zu erkennen. An sich nichts dabei, aber eben weniger meine Art. (Sportlehrerinnen sind manchmal anders, und natürlich sind ohnehin nicht alle Sportlehrer so. Aber genug für mein eigenes kleines Vorurteil. Über Deutsch- und Informatiklehrer habe ich natürlich auch eins.)
  4. Überhaupt, die Lautstärke. Ich habe schon mal über Geschrei im Sport geschrieben. Ich mag keine Massenauftritte, ich mag kein Geschrei. Auch nicht, wenn man gewonnen hat. Gehört zum Sport dazu, höre ich dann immer wieder. Ja, ja, erzählt das Gottfried von Cramm. Nein, das gehört nicht zum Sport dazu, das ist rein kulturell ausgemacht, dass man in bestimmten Ländern bei bestimmten Sportarten grölt und bei anderen nicht.
  5. Trotzdem glaube ich, dass Sport an der Schule eine sinnvolle Einrichtung ist. Soweit habe ich mich inzwischen durchgerungen, nachdem der Sportunterricht für mich als Schüler völlig für die Katz war, ebenso wie der Musikunterricht. Wie in anderen Fächern kann man natürlich immer noch etwas verbessern.
  6. Wenn es auch den meisten Schülern gut gefallen haben wird, gab es natürlich auch altersgemäße Dramen. Aber nach dem Wochenende ist hoffentlich alles wieder gut. Als Parole schlage ich vor: Was in Inzell geschieht, bleibt in Inzell. (Kommt eigentlich von “What happens in Vegas stays in Vegas.” Der Vergleich Inzell-Las Vegas gefällt mir.)

Lebenszeichen aus Inzell

Bin seit Montag und noch bis Freitag in Inzell, Sport- und Wanderwoche. Da fahren immer unsere 7. Klassen hin, jeweils zwei auf einmal, mit den Klassleitern und drei Sportlehrern. Die Schüler sind in Blockhütten untergebracht und amüsieren sich meist königlich, obwohl es manchmal auch die zu erwartenden kleinen Dramen gibt. Diesmal ist noch alles ruhig, die Schüler sind ausgesprochen brav. Vieles hängt vom Wetter ab, und das ist sehr schön.

Es gibt einige Programmpunkte, bei denen alle mitmachen müssen, aber meistens entscheiden die Schüler selbst, ob sie unsere Angebote oder die der sehr rührigen festen Sportlehrer in der Anlage annehmen oder sich selbst beschäftigen. Für die meisten reicht ein Fußball, es gibt aber auch Tischtennis, Hallen, Tennis, Volleyball. Zum Hausprogramm gehören unter anderem Biathlon und Rhönrad. 

Für mich ist das anstrengender als eine normale Schulwoche (mehr Bewegung, weniger Schlaf), aber weniger hektisch. Mehr, wenn ich wieder zurück bin.

Dokumentation an der Schule

Was ich auch noch in den letzten Ferientagen gemacht habe:

Ein kleines Heft mit allem, was neue und erfahrene Kollegen an unserer Schule über das Fach Deutsch wissen sollten:

  • Regeln für die Notengebung aus verstreuten kultusministeriellen Schreiben (und die sind sehr verstreut)
  • Vereinbarungen an unserer Schule, zum Beispiel über Schulaufgabenarten in den verschiedenen Jahrgangsstufen
  • Wertung der zentralen bayerischen Tests und eventueller Ergänzungstests dazu
  • alle möglichen Sachen, die ich mir selber nie merken kann (wie die Höchstdauer für Große Leistungserhebungen)
  • Vorlesewettbewerb
  • Gepflogenheiten bei der Respizienz
  • Musteraufsätze für einzelne Aufsatzarten und Jahrgangsstufen
  • und vieles andere.

Das geht schnell, wenn man mit Formatvorlagen in Open Office arbeitet und einen Drucker hat, der automatischen Broschürendruck beherrscht. Kollege Z. hat ein ähnliches Heft erarbeitet für die Eltern der neuen Fünftklässler, das diesen die wichtigsten Fragen zum Deutschunterricht an unserer Schule beantworten soll. Auch so schön layoutet, denn das gehört schließlich dazu. Macht was her.

Das ganze geschah zumindest von meiner Seite aus auch in der Hoffnung, dass andere Fächer nachziehen werden. Oder auch die Schulleitung selber. Im Rahmen der Evaluation damals (Gott hab sie selig) ist zwar ein Profil der Schule entstanden, mit Aufgabenbereichen und so weiter, aber, nun, na, äh, ja. Man bräuchte vielleicht doch etwas, das dauerhaft gültig, unmittelbar verfügbar und verständlich formuliert ist. Klar legt man sich dabei fest: wenn etwas veröffentlicht ist, dann ist man daran einigermaßen gebunden, und viele Institutionen scheuen diese Bindung.

Es muss ja nicht sofort so ausführlich dokumentiert sein wie in Jakobs Blog beschrieben: neues Handbuch unserer Schule, 250 Seiten auf Papier. Ausgedruckt braucht man das inzwischen ohnehin nicht mehr, pdf reicht völlig.

Später dann vielleicht auch mal ein Imagefilm, so wie der des IndaGymnasiums:

Der Inhalt ist nicht verfügbar.
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(Teil 2/Abspann.)

Gefunden vor einem knappen Jahr beim Tafelblog, aber doch nie etwas dazu geschrieben. Natürlich ist ein Imagefilm Werbung für eine Schule, aber auch da sind öffentliche Aussagen drin, auf die man die Schule festnageln kann.

Immerhin, wir haben eine Schulvereinbarung und eine Broschüre. Film-AG hätten wir auch, heißt es. Jetzt muss nur noch festgenagelt werden.

(Ach, vermutlich stehe ich einfach nur auf ordentlich gestaltete Gehefte. Hat mit den Fanzines meiner Jugend zu tun.)