Der Informatiklehrertag letzte Woche

Letzten Montag war also der ILTB (Informatiklehrertag Bayern) beziehungsweise der TdI (Tag der Informatik) 2011. Ersterer ist eine größere Veranstaltung und wird mehr oder weniger jährlich von jeweils einer anderen Uni veranstaltet. Letzterer ist eine kleinere Veranstaltung der Ludwig-Maximilians-Universität München und findet eigentlich immer Ende des Schuljahres statt – dieses Jahr fiel der allerdings aus, weil der ILTB diesmal eben an der LMU war für den ILTB diesmal eben die LMU dran war – auch wenn das dann wegen Bauarbeiten an der Hochschule München stattfand.

Das ist das einzige Bild, das ich gemacht habe, noch ganz am Anfang, etliche Leute stehen noch bei der Anmeldung:

Was soll ich dazu sagen… an der Organisation war ich mit beteiligt, wenn auch nur als Juniorpartner, weil ich die Leute und Organisationen und Strukturen alle noch nicht kenne. Aber ich habe mitgekriegt, was es für eine Heidenarbeit ist, so etwas auf die Beine zu stellen. So lange ich das noch einigermaßen im Kopf habe, muss ich mir eine Checkliste aller zu erledigenden Punkte anlegen – falls ich je in die Situation kommen sollte, so etwas auszurichten. Eventmanagement wäre jedenfalls nichts für mich. Vieles hat geklappt, manches leider nicht, habe ich gehört, gerade mit der Technik. Das tut mir leid. Aber das wichtigste war für mich, Leute wiederzusehen. Eine Studentin, die vor eineinhalb Jahren bei mir im Praktikum war, eine Lehrerin, die vor dreieinhalb Jahren als Studentin mit anderen Lehrern bei mir zum Essen war, ein ehemaliger Kollege, der jetzt anderswo in der Schulleitung sitzt, zwei Leute aus meinem eigenen Informatik-Studiumsgang, und andere, die ich nur von Fortbildungen kenne. Sich so ein‑, zweimal im Jahr zu sehen und über Schule und Unterricht zu plaudern, das ist schön. Auch wenn ich noch gar nicht viele Informatiklehrer kenne.

Es gab einen Hauptvortrag und danach Zeit für drei Workshops/Vorträge mit jeweils Kaffee- und Mittagspause dazwischen, verteilt auf sieben Schienen. Den Hauptvortrag hielt Michael Weigend von der Universität Münster: “Visualisierungen zur Veranschaulichung von Konzepten der Informatik”. Für mich behalten habe ich daraus:

  • Informatikdidaktik arbeitet viel mit Metaphern.
  • Metaphern helfen, Konzepte zu verstehen.
  • Metaphern können auch Missverständnisse entstehen lassen oder erkennen helfen.
  • Beispiele für Metaphern: die Schublade für eine Variable; die Weiche für eine Entscheidung; der Toaster für eine Funktion (eine Sache geht rein in die black box, etwas anderes kommt nach einiger Zeit heraus); und sehr schön: die Spielkarte für eine Boolesche Variable.
  • Ein Bild zur Verdeutlichung dessen, dass Variablen Behälter für verschiedene Datentypen sind. Das Bild hat Michael Weigend in seiner Präsentation gezeigt, ich habe es hier mal für mich und meinen Unterricht übernommen und frech nachgebaut:

    (Zur Erklärung: Variablen kann man als Behälter sehen, so wie Schubladen. In den Schubladen ist etwas drin, das kann man herausnehmen und durch etwas anderes ersetzen. So ist das bei den Variablen auch. In vielen Programmiersprachen muss man festlegen, zu welchem Datentyp der Behälter gehört, also welche Art Sachen hineinpassen und welche nicht. In eine Variable vom Typ int passen in Java nur ganze Zahlen, in eine vom Typ char nur einzelne Zeichen. Also werde ich die Schüler Behälter sammeln lassen, die jeweils für bestimmte Inhalte gedacht sind.)

Ich war in zwei Vorträgen/Workshops und habe einen geleitet/gegeben. Mit, hm, mittlerem Erfolg. Ich arbeite ja auch viel mit Metaphern und habe Videoclips dazu erstellt. Die habe ich gezeigt (und die von anderen auch, unter anderem zwei Schülervideos, die ich nicht veröffentlichen darf) und erklärt, mit welcher Software man so etwas erstellen kann und warum man das sollte. Gut im Verkaufen bin ich allerdings nicht. Ein Lehrer war da und hat einen eigenen kleinen Robot-Karol-Clip gezeigt, der sehr witzig war – aber viel Zeit kostet. Deshalb denke ich, die Schüler sollten Videos erstellen. Mein Systembetreuer hat mir versprochen, für dieses Schuljahr das kostenlose Camstudio auf den Schülerrechnern zu installieren, mit dem man auf einfache Weise den laufenden Bildschirm oder Teile davon abfilmen kann.

Damit und mit einem einfachen Headset-Mikrofon kann man zum Beispiel die Programmierprojekte vorstellen, die in der Q11 entstehen sollen:

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– Getwittert wurde auf dem ILTB ebenso wenig wie auf der INFOS. Ich behaupte mal, Informatiklehrer machen noch weniger Social Media als andere Lehrer. Also nichts mit Web 2.0 oder so. Informatiklehrer haben auch keine lustigen Nerd-T-Shirts. Ich selber habe auch nur ein einziges Informatikshirt, mit einem öffnenen body-tag vorn und einem schließenden hinten. Aber das bräuchte ich inzwischen eine Nummer größer… Völlig anderes Publikum als auf der re:publica jedenfalls. Immerhin, so wurde mir versichert, Informatiker an Unis hätten solche T‑Shirts. Aber auch die nutzten kein Web 2.0 – liegt das vielleicht daran, dass alles, was man nicht selbst geschrieben hat, verpönt ist? Aber das kann ein Vorurteil sein. Ich kenne ja gar keine Informatiker.

4 Antworten auf „Der Informatiklehrertag letzte Woche“

  1. Ist jetzt keine inhaltliche Frage, aber wenn dieser ILTB an der LMU war, wieso ist das Bild dann vom roten Würfel der Hochschule München?

  2. Ah, erkannt. An der LMU (Oettingenstraße, am Englischen Garten) wird schon seit einiger Zeit kräftig umgebaut. Also war die Hochschule so freundlich, uns ihre Räume (Vortragssaal, Kursräume, Computerlabore; Stühletischebänke) für die Veranstaltung zu überlassen. – Schon toll, wie der roten Würfel als Markenkennzeichen funktioniert.

  3. Da habe ich wohl was verpasst, oder? Na ja, Einmal ist kein mal (Was schreibt man davon jetzt eigentlich groß und was klein?) Auch egal.

    Was ich eigentlich sagen wollte: Das mit den Variablen ist wirklich schwierig zu vermitteln, wobei ich die Analogie mit dem Glas eigentlich ganz gelungen finde. Allerdings erlebe ich immer wieder, dass die Schüler zwischen “eine Variable ist wie ein Glas” und einer Variablen ‘String glas = “Wasser”;’ dennoch keinen Zusammenhang sehen. Zum ersten Mal tauch das Problem bei den index-Variablen bei for-Schleifen – ups, darf man nicht sagen – also bei Zählwiederholungen auf. Wenn es da heißt: for (int idx=0;.… ) verstehen viele nicht die Bedeutung von der Variablen. Ich versuche das dann mit einem PostIt zu erklären auf den man was schreiben kann und wieder wegradieren. Sozusagen als Gedankenstütze damit man beim durchzählen nicht vergisst wo man war.

    Das nächste Problem sind Felder. Ich habe jetzt auf einem Flohmarkt so eine Schraubenregal mit vielen kleinen Schubladen gefunden. Den werde ich dieses Jahr einsetzen um Felder zu erklären. Das ganze Regal ist mein Speicher. Ich kann in die Schubladen nicht reinschauen, aber sie sind beschriftet und ich kann was reintun. So kann ich in eine Schublade einen Zettel reintun auf dem steht: Ab Schublade 12 kommen ganze Zahlen (int zahlen). Oder ich kann einen Zettel reintun auf dem steht; Ab Schublade 12 kommen 10 Zahlen (int zahlen = new int[10]; usw.

    Bin mal gespannt, ob das was bringt. Was für gute Didaktikideen gibt es hier denn noch so?

  4. Irgendwann treffen wir uns doch noch mal auf einer Veranstaltung, Ingo. Und ja, die größten Probleme in der zehnten Klasse beim Programmieren sind auch bei mir Zählschleifen und Felder.

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