Jack London, The Road

Nur ganz kurz als Lesetipp diese 1907 erschienenen Erinnerungen von Jack London über seine Zeit als Landstreicher, englisch hobo, in der ersten Hälfte der 1890er Jahre. Darauf gekommen war ich bei diesem Blogeintrag über Hoboes, und es dauert dann oft mal bis zu den nächsten Sommerferien, bis ich dazu komme, ein vorgenommenes Buch zu lesen.

Mein räumliches Vorstellungsvermögen ist nicht sehr gut. Und ich weiß nicht, wie die Teile vom Zug heißen. Trotzdem gelingt es London in einem Kapitel, mir sehr anschaulich zu erzählen, wie man als Hobo so reist. Einfach ist es, wenn man einen Güterwaggon mit offener Tür findet, dann klettert man einfach hinein. Manchmal muss man sich auch unterhalb des Waggons und oberhalb der Räder in die Radaufhängung (oder wie auch immer das heißt) einklemmen. Das ist am schwierigsten. Man kann auch vorne auf dem Schienenräumer oder Kuhfänger sitzen. Komfortabel ist das Fahren in einem blind baggage. An den Enden eines Waggons waren üblicherweise Türen mit einer kleinen Plattform davor und einem Dach darüber, kennt man aus Filmen. Blinds sind Waggons – für Güter oder Post – ohne solche Türen oder mit verschlossenen Türen. Vor so einer verschlossenen Tür lässt sich relativ bequem reisen.

Wenn man nicht herausgeschmissen wird. Es gibt die Eisenbahnpolizei („bulls“), oder das reguläre Personal – Heizer und Brakemen. (Die fuhren in der caboose, einem an Frachtzügen hinten angehängten Dienstwagen. Sie kümmerten sich um Kupplungen und Weichen und ursprünglich, wenn der Zug bremsen musste, bedienten sie die Bremsen einzelner Waggons, um das Bremsen zu beschleunigen.)

Im zweiten Kapitel beschreibt London, wie so ein Katz- und Mausspiel zwischen „shacks“ (den Brakemen) und Hobo aussehen konnte. Hobo schleicht sich auf einen der drei blinds vorne am Zug und wird dabei gesehen. Am nächsten Halt geht ein Brakeman dorthin, um ihn hinauszuwerfen. Also springt der Hobo vorher heraus, rennt nach vorne und wartet, bis der Zug wieder an- und an ihm vorbeifährt, um dann wieder aufzuspringen. Beim nächsten Halt das gleiche. Genervt bleibt ein Brakeman auf einem blind statt in seinem Waggon. Hobo sucht sich anderen blind aus. Das Spiel geht weiter, bis alle Brakemen involviert sind, mit verdunkelten Laternen, Herumklettern auf dem Dach. Spannend und anschaulich.

Interessant auch Kapitel 5: London wird wegen Landstreicherei festgenommen und ohne mehr als eine Spur Gerichtsverfahren für 30 Tage ins Gefängnis gesteckt. Die Korruption und Verhältnisse innerhalb dieses Gefängnisses schildert er eindrücklich – und das ist lange genug her, dass ich das lesen kann. Über heutige Gefängnisse in den USA denke ich am liebsten nicht nach.

Kapitel 7: Da geht es um jugendliche Hoboes. London war selber um die achtzehn, aber auf der Straße traf man oft Dreizehn- oder Vierzehnjährige. Im Gedächtnis ist mir die Schilderung, wie sich zwei Kinderbanden um einen Betrunkenen raufen, den sie ausplündern wollen. Nicht sehr romantisch.

Und vieles mehr. Über eine Google-Bildersuche kann man sich Bilder zeigen lassen, auch wenn die meisten aus der Depressionszeit der 1930er Jahre stammen und nicht aus der Zeit, von der London schreibt. (Hier eine Seite mit weiteren Bildern.)


Das Buch gibt es in verschiedenen Formaten (epub, Kindle) bei Project Gutenberg, und mit Illustrationen als HTML bei der Jack London Online Collection der Sonoma State University.

Die erste deutsche Übersetzung ist laut Wikipedia die von Erwin Magnus von 1924. Er floh vor Hitler aus Deutschland und starb bald danach. Dann wird noch eine Übersetzung von 1937 von Max Barthel genannt („Einzig berechtigte deutsche Übersetzung“). Die ist zwar noch nicht gemeinfrei, aber schon online beim deutschen Projekt Gutenberg. Barthel war mit Magnus zusammen Übersetzer und Herausgeber einer zwölfbändigen London-Ausgabe, und bei zvab.de finde ich auch Angaben über Barthel als Übersetzer einer Ausgabe von 1926, aber das ist vielleicht ein Fehler. Außerdem gibt es mindestens noch eine Übersetzung von Rudolf Lampert und eine von Lore Strassl. Wie viel Überstzungen braucht man denn? Ist das immer noch billiger als eine Lizenz, oder sind die früheren Übersetzungen nicht zufriedenstellend?

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One thought to “Jack London, The Road”

  1. Max Barthel hat kein einziges Buch von London übersetzt, sondern einige der Magnus-Übersetzungen überarbeitet und sie ansonsten in der Reihe bei Universitas und Gutenberg herausgegeben. Insoweit sind die Angaben bei Gutenberg nicht ganz richtig, worauf meinerseits (Enkel von Max Barthel) hingewiesen wurde…

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