Bildungsumfrage 2012 – was wollen die Eltern?

Im Januar 2012 hat das Meinungsforschungsinstitut Emnid im Auftrag des Versandhandelgeschäfts Jako-o (Kindermode, Spielwaren und Accessoires) zum zweiten Mal eine Umfrage durchgeführt dazu, was sich Eltern schulpflichtiger Kinder – also bis 16 Jahre – von der Schule wünschen und inwiefern sie glauben, dass das bereits verwirklicht ist. Das Fazit: „Unser Schulsystem ist immer noch weit von den Wünschen und Vorstellungen der Eltern entfernt,“ auch wenn es sich im Vergleich zum Jahr 2010 schon genähert hat. Die Geschäftsleitung wird weiter machen:

Ich verspreche Ihnen: JAKO-O wird nicht locker lassen. […] Vor allem, weil Familien unsere Kunden sind, für die wir uns einsetzen und denen wir […] eine Stimme geben wollen.

Wie sehen Eltern die Schule also? Unter anderem wurden ihnen folgende bildungspolitische Ziele vorgesetzt; „sehr wichtig“ war ihnen dabei:

  • dass viel Wert auf soziales Verhalten gelegt wird: 84%
  • dass umfassende Allgemeinbildung vermittelt wird: 80%
  • dass lernschwache Schüler besser gefördert werden: 79%
  • dass besonders Begabte besonders gefördert werden: 52%
  • dass die Schule berufsbezogen ausbildet: 44%
  • dass Leistung im Vordergrund steht: 28%

Leider habe ich nirgendwo gefunden, wie viele Optionen die Befragten außer „sehr wichtig“ hatten. Vielleicht „wichtig“, „nicht so wichtig“ und „unwichtig“?

Warum ist es mehr Leuten sehr wichtig, lernschwache Schüler zu fördern, als Begabte? Möglicherweise halten sie einen Mindestgrad an Bildung, der durch die Schule vermittelt werden soll, für essenziell. Und da ist es eben wichtiger, dass möglichst alle zumindest dieses Minimum mitkriegen. Um das eigene Kind scheint es nicht zu gehen: Immerhin halten 76% der Befragten ihr Kind für gerade richtig gefordert, 7% halten es für eher überfordert, 15% für eher unterfordert. Könnte man auch eine Schlagzeile machen: „Doppelt vo viel Eltern halten ihr Kind für unterfordert wie überfordert.“

Vielleicht käme etwas anderes heraus, wenn man fragte: „Sollte die Schule ihre begrenzten bisherigen Ressourcen umverteilen, um mehr lernschwache Schüler zu fördern, oder mehr begabte?“

Dass „Leistung im Vordergrund steht“ ist eine komische Formulierung für ein bildungspolitisches Ziel. Es überrascht mich nicht, dass das nicht gut abschneidet. Ich weiß auch nicht genau, was sich die Befragten oder Fragesteller darunter vorstellen.

Tatsächlich glauben Eltern allerdings, das folgende Ziele von den Schulen verwirklicht werden, und zwar „sehr stark“ oder „eher stark“:

  • dass Leistung im Vordergrund steht: 74%
  • dass viel Wert auf soziales Verhalten gelegt wird: 44%
  • dass besonders Begabte besonders gefördert werden: 44%
  • dass umfassende Allgemeinbildung vermittelt wird: 43%
  • dass die Schule berufsbezogen ausbildet: 30%
  • dass lernschwache Schüler besser gefördert werden: 29%

Ich bin sicher nicht der einzige, dem aufgefallen ist, dass hier zwei Antwortkategorien zu einer einzelnen Prozentangabe vermengt wurden. Wie viele Optionen gab es hier wohl? Und wäre es nicht besser, dann auch bei der ersten Statistik zwei Antwortkategorien zusammenzufassen?

Dass Leistung im Vordergrund steht, glauben viele Eltern also. Ist vielleicht auch so. Aber dass Begabte mehr gefördert werden als lernschwache Schüler? Das kann ich mir nicht vorstellen.

Aus dieser Übersicht kann man die Ergebnisse etwas besser ablesen, auch ist bei der Verwirklichung nur „sehr stark“ eingetragen:

Weitere Zahlen:

63% erarbeiten mit dem Kind zu Hause die Lerninhalte. Ebenso viele geben an, dass die Kinder in der Regel allein zurechtkommen, also keine Hilfe durch Geschwister oder Nachhilfe brauchen.
31% engagieren sich in der Elternvertretung. (So viele?)
60% beklagen, dass sie viele der Aufgaben übernehmen müssen, die sie eigentlich bei den Schulen sehen. (Bei den Müttern deutlich mehr als bei den Vätern.)

Konkret sehen die Befragten die Zuständigkeit für bestimmte Ziele (wenn auch andere als oben) so verteilt:

Für die wenigsten Sache ist die Schule allein zuständig, das meiste ist Aufgabe von Eltern und Lehrern. Eher bei sich sehen Eltern das Recht oder die Pflicht der Erziehung zu Pünktlichkeit und Höflichkeit

Bei der Umfrage waren mehr als zwei Drittel Mütter, der Rest Väter. Die Antworten wurden unter anderem nach Bundesland, Schulbildung, Alleinerziehung unterschiedlich gewichtet, damit das Ergebnis repräsentativ für die ganze Bundesrepublik ist.

Weiter Fragen betrafen das G9 (Eltern sind dagegen) und Inklusion. Zu letztere schreibe ich nichts, weil das an meiner Schule noch in sehr weiter Ferne liegt.

Fazit: Weiß nicht. Gegen das G9, gegen Leistungsprinzip. Was auch immer das letzte heißen soll. Ansonsten wenig Dramatisches oder Überraschendes, finde ich. Ich hätte konkretere Fragen bevorzugt.

Quelle für alle Daten und Grafiken: Jako-o Pressemappe zur Emnid-Umfrage

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