Bosna in Augsburg

Es ergibt sich, dass ich gerade einmal im Jahr an eine Bosna komme: Auf dem Augsburger Christkindlesmarkt. Da treffe ich mich jedes Jahr einmal mit alten Freunden und esse dabei eine Bosna, und zwar hier:

bosna_augsburg

Ich bin aufgewachsen mit Bosna, die waren etwas ganz Normales. Am Judenberg unten, hieß es, gab es die besten. Eine Bosna, das ist: Eine weiße Rinderbratwurst, rohe Zwiebeln, scharfes Paprika- oder Cayennepulver, das in einer langen Semmel. Mit scharf dann Jaguar oder Super-Jaguar. Optional alles mit Käse, aber das ist eine Verirrung.

Als ich dann aus Augsburg fortzog, kam nach und nach die Erkenntnis: Nirgendwo sonst gibt es die Bosna, nirgendwo! AUßer in Wien. Und in Slazburg gibt es etwas, das sie Bosna heißen, aber das ist keine – die tun eine Currymayonnaise oder so etwas dran, und auch sonst ist alles anders. Die Salzburger Bosna, die kann ich auch in München haben, in einem einzigen winzigen Imbiss, aber wer will das schon?

Am Bosnastand oben gibt es die Bosna auch in richtig scharf, als “Mad Dog” auf einer Skala von 1 bis 10, nur ab 18 Jahren. Die letzte Jahre über wurde immer eine Glocke geläutet, wenn ein Kunde diese Spezialität bestellte, am Wochenende fehlte das. (Ein Freund, Stufe 4.) Aber man kriegt jedesmal einen Spruch dazu, mit mäßigem Enthusiasmus vorgetragen: “Nimmst du die Stufe Vier, mir graut vor dir” oder so ähnlich, metrisch etwas akkurater, wenn ich mich richtig erinnere.

7 Antworten auf „Bosna in Augsburg“

  1. Meine erste Bosna aß ich in München zur Zeit der Jugoslawienkriege. Es muss wohl 1994 gewesen sein.
    Eli, ein bosnischer Schüler, versicherte mir, die Wurst schmecke original bosnisch, wie daheim. Ich weiß leider nicht mehr wo das war, und außerdem wechseln die Imbissstuben so schnell.
    Was aber auch sehr gut schmeckt, ist der original Münchner Schaschlik, den es vor dem Innenstadtaugustiner gab. Das Rezept kann ich gerne schicken.

  2. Interessant, ich habe von der Bosna wirklich noch nie etwas gehört. Hört sich so an als müsste ich da mal eine Erkundungsmission starten wenn ich das nächste mal in Augsburg oder Wien bin…

  3. >Was aber auch sehr gut schmeckt, ist der original Münchner Schaschlik, den es vor dem Innenstadtaugustiner gab. Das Rezept kann ich gerne schicken.

    Ordentliches Schaschlik selber machen, geht das? Ich weiß nur, dass ein Stück Niere dabei sein muss. Aber ja, schicken Sie mir doch das Rezept!

  4. Hier ist es.
    (Das Rezept stammt von Frau Schwarzmann [Mutter der Kabarettistin], die in Überacker im Gasthaus von Frau Widmann kocht.
    Ein Besuch dort lohnt sich, ist aber sehr teuer [100.-€ pro Person] und muss lange vorher reserviert werden.)
    Dort gibt es aber ganz andere Küche als wie dieses Rezept.
    Es ist ein Haufen Arbeit, die ganze Schnippelei, aber zu zweit geht es. Ich habe die nicht gegessenen Spieße mit Soße eingefroren.
    Eine befreundete Metzgerei macht einem auch die Spieße.

    Mein Schaschlik
    Dieses Gericht ist nicht zu verwechseln mit einem Fleischspieß. Meines wird mit Leber, Nierchen, Wammerl, Speck, also mit viel Fett und auch mit viel Zwiebeln gemacht. Jeder Münchner Schaschlik-Liebhaber meiner Generation und älter denkt mit einem Seufzer an den Stand beim »Augustiner« in der Neuhauserstraße zurück – und genau wie das Schaschlik dort sollte meines auch sein.

    Mein Schaschlik (15 Spieße)

    700 g Schweinenacken
    300 g Schweinewammerl
    200 g Schweineleber
    200 g Schweinenieren,
    200 g Speckscheiben
    200 g grüner Speck
    5 Metzgerzwiebeln
    Salz
    Pfeffer
    Pflanzenöl zum Anbraten
    3 Knoblauchzehen, fein gehackt
    30 g Tomatenmark
    20 g Honig
    50 g Essig
    80 g Currypulver
    20 g Paprika edelsüß
    10 g Paprika rosenscharf,
    ½ l Bouillon
    Tabasco
    Worcestersauce

    Fleisch würfeln, Innereien und Speck in Scheiben schneiden. Zwiebeln schälen und achteln. Dann aufspießen: Zwiebel, Fleisch, Speck, Niere, Speck, Leber und immer wieder Zwiebel, bis der Spieß voll ist und alle Zutaten mindestens ein‑, zweimal auf einem Spieß verwendet wurden. Schaschlikspieße mit Salz und Pfeffer würzen und in einem Bräter in Öl von allen Seiten anbraten, anschließend herausnehmen und in einen anderen Bräter schichten. Restliche Zwiebeln in dem Bratenansatz mitdünsten, Knoblauch dazugeben und mit anschwitzen. Jetzt Tomatenmark und Honig zugeben, alles etwas anbraten lassen, mit dem Essig ablöschen. Curry- und Paprikapulver zugeben und alles leicht braten, anschließend mit der Brühe auffüllen, und das Ganze dann über die Spieße gießen. Zugedeckt im Backofen bei 180 Grad für 1 bis 1,5 Stunden schmoren lassen. Eventuell die Schaschlikspieße ab und an wenden. Sobald das Fleisch weich ist, Spieße herausnehmen und nach Bedarf mit Worcestersauce und Tabasco abschmecken. Mit einer röschen Semmel servieren.

    Anna Schwarzmann kocht im »Gasthof Widmann« in Überacker bei München.

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