Stress in der Schule

Herr Mess lädt zu einer Blogparade ein zum Thema Stress als Lehrer und präsentiert zwei Fragen:

  1. Welche Situationen im Schulalltag empfindest du persönlich als belastend?
  2. Welche Strategien hast du dir zurecht gelegt, um mit derartigen Situationen zurecht zu kommen?

Zur zweiten Frage:

Da habe ich schon mal etwas geschrieben: Wie ich mir meine Arbeitskraft erhalte, und das gilt eigentlich alles immer noch.

Zur ersten Frage:

a) Ich empfinde wenige Situationen als belastend. Am belastendsten ist für mich immer noch alles Neue, da bin ich nicht gut; an der Schule gibt es kaum mehr Neues für mich. (An der Uni gibt es für mich regelmäßig neue Aufgaben und Situationen, das ist anstrengender.) Dazu kommen Korrekturen: Wenn die sich zu sehr häufen, dann ist das problematisch. Normalerweise komme ich aber gut hin damit. Weil ich mir dieses Jahr zwei Wochen Urlaub in den Pfingstferien gegönnt habe, war die Zeit vorher sehr korrekturintensiv. Das würde ich aber eher als anstrengend denn als belastend bezeichnen. In der Regel habe ich meine Termine gut im Griff – das ist eh der Nummer-Eins-Tipp zur Stressreduktion: Alle Termine aufschreiben und rechtzeitig Slots vorsehen, um die Arbeiten dafür zu erledigen. Nichts ist schlimmer als die Kollegen, die jedes Jahr wieder davon überrascht werden, dass es einen Notenschluss gibt.
Unterricht ist nicht belastend, Elternabende und Konferenzen sind es auch nicht. Am belastendsten ist es für mich, wenn ich mit Kollegen Streit habe, und sei es auch nur ein kleiner; das kommt zum Glück selten vor.

b) Ob ich eine Situation im Schulalltag als belastend empfinde, hängt sicher auch von meiner außerschulischen Situation ab. Wenn es mir gut geht, belastet mich an der Schule wenig, auch wenn viel auf mich einprasseln sollte. Wenn es mir nicht gut geht, kann mich viel belasten, und dann neige ich auch viel eher zu Streit mit den Kollegen. Meistens geht es mir aber sehr gut.

Rede- und andere Wendungen aus England

Nach zwei Wochen England bin ich wieder zu Hause. Schön war’s, sehr schön, Bilder kommen, wenn ich dazu Zeit finde. Der Höhepunkt waren für mich die fünf Tage Wandern auf dem Cotswold Way, die südliche Hälfte davon, jeden Tag so 20–25 Kilometer, das Gepäck von B&B zu B&B chauffiert. Dass ich das erst so spät machen muss! Damit hätte ich schon vor ein paar Jahren anfangen können.

Redewendungen aufgeschnappt:

  • “hardly touched the sides” – die Landlady im Bed & Breakfast, nachdem sie mein cooked breakfast serviert hatte und mein Teller vielleicht unziemlich wenige Augenblicke später leer war
  • “the sun always shines on the righteous” – wanderlicher Gruß, der einem an sonnigen Tagen (in vielleicht durchwachsenerem Wetter allgemein) mit schöner Regelmäßigkeit auf dem Cotswold Way entboten wird
  • “it all went a bit pear-shaped” – bewusst gehört von Roger Taylor in einer Queen-Dokumentation; es war überraschend, aus dem Mund eines Rockstars so bürgerliches Englisch zu hören, aber klar, was auch sonst. Wikipedia weiß wenig von dieser Redewenung zu berichten, der schriftliche Erstbeleg sei laut OED erst 1983; andere datieren das auf die 1940er Jahre, Air Force, wo Loopings eigentlich rund geflogen werden sollten, aber halt gerne mal eher birnenförmig werden. Hm, ich hätte gedacht, das schon vor den 1980er Jahren gelesen zu haben. Meine Assoziation dabei war stets: Irgendwas ist nach unten gerutscht, was da nicht hinsoll – volle Windel, gepackter Rucksack, so etwas

Aus dem Fernsehen und der Zeitung gelernt:

  • Die Prügelstrafe ist in England und Wales (anders: Schottland) noch nicht abgeschafft, das wird aber gerade diskutiert. Bisher dürfen Erziehungsberechtigte noch so viel schlagen, dass keine Hautreizung sichtbar ist.
  • Auch in England gibt es eine Bildungspflicht, die auch die Form von Schulpflicht annehmen kann. Vor zwei Wochen ist einem Elternteil Recht gegeben worden, das sich weigerte, eine Strafe dafür zu zahlen, sein Kind während der Unterrichtszeit aus der Schule und in den Urlaub genommen zu haben. Vor dem Jahr 2013 war das noch leichter möglich und wohl üblicher, aber dann hat der (damalige) ungeliebte Erziehungsminister Gove die Regeln in den staatlichen Schulen verschärft. Das Elternteil berief sich darauf, dass mit einer Unterrichts-Anwesenheit von über 90% der Schulpflicht genüge getan sei, und bekam recht. – Nun liegt das Urteil sicher an den konkreten Formulierungen im englischen Recht, aber ich frage mich schon, ob man nicht auch hierzulande mit dem Argument durchkäme, 90% erfüllten die Schulpflicht, so dass man quasi ein Recht auf ein paar zusätzliche flexible Ferientage bekäme.
  • Brexit: Die Medien sind voll davon. Die dort gezeigten Bürger, wenn man sie fragt, sagen oft, dass ihnen die Fakten fehlten. Der eine Politiker sage das, der andere jenes, aber keiner würde ihnen die tatsächlichen Fakten nennen. Also, was ich in den Medien mitkriege, ist: 80% aller Organisationen und Institute, die sich sachlich und wirtschaftswissenschaftlich (so weit es so etwas halt gibt) mit dem Thema beschäftigen, sagen laut und deutlich, dass es England erst mal wirtschaftlich deutlich schlechter gehen wird. Mehr Fakten kann man nicht verlangen. Die Brexit-Befürworter behaupten lediglich, das stimme halt gar nicht, was diese Studien sagen. Wie viele Fakten wollen die Leute denn noch hören? Ich glaube ja, dass es keine gute Strategie der Brexit-Befürworter ist, diese Fakten zu leugnen. Man müsste einfach sagen: Es wird uns fünf Jahre schlechter gehen, und danach – soweit kann man eh schlecht vorhersagen – wohl wieder besser, also stiff upper lip alle zusammen, und danach sind wir wenigstens wieder frei. Aber gut, was weiß ich. Und dann ist noch immigration als Hauptstandbein der Brexiter. (Ein Unterhaus-Komitee, dem Parlamentarier beider Seiten angehören, hat einen Bericht veröffentlicht und beiden Kampagnen vorgeworfen, unseriös oder gänzlich falsch mit Zahlen zu arbeiten.) Nachtrag: Auch die UK Statistics Authority wacht darüber, ob Politiker korrekt mit Statistiken umgehen.

Pflichtfach Informatik

(Älterer Eintrag, einst verworfen, jetzt doch veröffentlicht, auch weil Maik übers Pflichtfach gebloggt hat.)

Die Aufregung um ein neu eingeführtes Zentralabitur in einzelnen Bundesländern, die man gelegentlich bei Twitter mitkriegt, ist für mich aus Bayern nicht leicht nachvollziehbar. Wir habe das seit Jahrzehnten; die Gewohnheit erzeugt Akzeptanz. Dabei habe ich zum Beispiel am diesjährigen Informatik-Abitur schon auch etwas auszusetzen. Da gab es eine Aufgaben zu einer “Datenbankabfrage (z.B. in SQL)” und eine zum Implementierung einer solchen in einer objektorientierten Sprache, letztlich Java. Im Lehrplan der 11./12. Jahrgangsstufe tauchen weder Datenbanken noch SQL auf. SQL ist Stoff der 9. Klasse, in der Oberstufe lässt sich das allenfalls mit gutem Willen aus “Zusammenspiel der verschiedenen Beschreibungstechniken beim Systementwurf: Datenmodellierung – Ablaufmodellierung – funktionale Modellierung – Objektmodellierung” ableiten, das beim Programmierprojekt auftaucht. Meine Rückfrage am ISB blieb unbeantwortet. Nu, ich habe halt flexibel und angemessen korrigiert. Kein Problem.

Wenn ich bei Twitter davon lese, warum es kein Pflichtfach Informatik geben soll und kann, schwanke ich ähnlich zwischen Amüsement und Verwirrung. Wir haben das in Bayern seit über zehn Jahren. Das muss deswegen nicht jedes Land oder Bundesland haben. Aber wer will, der kann.

Der Hintergrund ist der: Andere Bundesländer haben so ein Pflichtfach nicht; manche Leute auf Twitter möchten es einführen, andere Leute auf Twitter möchten stattdessen mehr Medienbildung an Schulen, gerne auch nicht in einem eigenen Fach.
Selber habe ich in dieser Frage nichts zu gewinnen oder zu verlieren: In meinem Bundesland an meiner Schulart gibt es dieses Pflichtfach, und es wird es geben, solange ich Lehrer sein werde. Ich bin Beamter auf Lebenszeit und muss nichts publizieren und muss nicht um Kunden werben. Ich habe nichts zu verkaufen. Neutral bin ich natürlich trotzdem nicht: Ich unterrichte seit über zehn Jahren das Pflichtfach Informatik und muss mir allein schon deshalb einreden, dass das sinnvoll ist; die Alternative wäre ja, dass ich meine Zeit sinnlos verbracht hätte.

Was haben Leute gegen ein Pflichtfach Informatik? Viele wollen stattdessen etwas anderes: a) Erstens sehen sie die Gelegenheit, eine Menge alter Zöpfe abzuschneiden. Informatische Inhalte seien schon wichtig, aber dieses lehrerbestimmte Unterrichten in abgegrenzten Fächern sei nicht mehr zeitgemäß – warum nicht gleich die Gelegenheit nutzen, Lehrer als Lernbegleiter und mündige Schüler und so weiter. Ich bin selber nicht so revolutionär. Mir würden bereits gute digitale Schulbücher reichen; andere möchten lieber gleich das Konzept Schulbuch abschaffen. b) Zweitens halten sie die Inhalte der Medienbildung für so wichtig, dass sie in allen Fächern eine Rolle spielen müssen und nicht nur in einem Fach. So wie bei anderen fächerübergreifenden Aufgaben der Schule: Lesen und Schreiben und Verkehrserziehung. Nun, letztere findet nicht statt, und die ersten beiden… einmal bin ich da grundsätzlich skeptisch, wie groß die Rolle der weiterführenden Schule dabei tatsächlich ist. Und wieviel die einzelnen Fächer dazu beitragen, ist vielleicht auch unterschiedlich.

Aber gut, wer kein Fach Informatik will, weil er überhaupt Fächer abschaffen will: Das halte ich für falsch, aber konsequent. Ich lese aber auch immer wieder, dass man kein Fach Informatik einführen kann, weil das so schwierig ist mit der Stundentafel und wo sollen überhaupt die Lehrer herkommen. Dieses Argument halte ich für unseriös, eben weil das in Bayern ja auch geklappt hat.

The Good Old Days

Ich bin ja gerade in England und habe fünf volle Tage schönsten Wanderns in den Cotswolds hinter mir. Zuerst wollte ich regelmäßig davon bloggen, aber das machte Frau Rau viel besser als ich; und ich hatte mehr Vergnügen daran, abends dazusitzen, aus den Fenstern zu schauen, zu lesen – keinesfalls erschöpft, aber ein bisschen überwältigt. Einen bebilderten Blogeintrag dazu hole ich nach, wenn ich wieder in Deutschland bin.

(Danach beginnt gleich die Kolloquiumswoche; einen Großteil der Abiturkorrekturen habe ich mit ziemlichem Aufwand vorher korrigieren können, aber ein bisschen was steht noch aus.)

Beim abendlichen Fernsehen hier entdeckte ich eine Sendung, die mich um Fassung ringen ließ; ich dachte alle wichtigen Sendungen und Serien zumindest dem Namen nach zu kennen, aber das war und ist wohl nicht so.

“The Good Old Days” ist eine britische Serie, die von 1953 bis 1983 im Fernsehen lief, ich sah – ohne jegliche Vorwarnung – eine Folge von 1973:

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Was war denn das? Ein aus der Zeit gefallenes Kabarett mit alten Nummern, leicht angestaubt wie bei der Muppet-Show. Ein marktschreierischer Master of Ceremonies mit schlechten Witzen, ganz Kermit. Kostüme wie beim Königlich Bayerischen Amtsgericht – und ja, das Publikum ist echtes Publikum; man kam edwardianisch kostümiert zu den Aufführungen. Und das Publikum amüsiert sich wie bei Heinz Schenk im Blauen Bock. Dazu zeitgenössische Künstler, etwa Sandie Shaw (“Puppet on a String”), die alte Balladen singen, und Artisten. WTF?

Stellt sich heraus, dass “The Good Old Days” eine Sendung war, die das englische Kabarett des frühen 20. Jahrhunderts nachahmte. Moderne Künstler natürlich, aber Akrobatik im Stil von damals, sentimentale Balladen und frivole Music-Hall-Lieder, wie ich sie sonst nur aus Geschichten von P.G. Wodehouse kenne.

Geht das in Deutschland, heute? Die Sänger müsste hinter den Liedern zurücktreten, sich verkleiden, nicht aus der Rolle fallen; das fällt sicher schwer. Außerdem gibt es in Deutschland keinen gleichartigen Fundus an wirklich alten Liedern, die das Publikum wie in England, früher zumindest, mitsingen könnte. Die Lieder der 30er und 40er Jahre sind durch den Nationalsozialismus verbrannt. Vielleicht eine einmalige 1970er-Jahre-Show stattdessen? Disco noch einmal nachspielen?

Tag 1

Wunderbares Wanderwetter. Wichtig sind dennoch die regelmäßigen Pausen:

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Mit dem anvisierten Pub auf dem Weg weniger Glück gehabt. Real Ale und traditionell und so, aber dann war überraschend geschlossen, weil alle im Fußballstadion waren. Dann lieber ein gesichtsloser Kettenpub, der den müden Wanderer wenigstens tränkt und nährt.

Am Spätnachmittag in Middleyard angekommen, Füße ausgestreckt, in die Ferne gesehen.

Day Zero

Informatiker fangen ja immer bei 0 zu zählen an, außerdem ist morgen Tag 1 der Wanderung.  Abendessen in Painswick, sehr schmucke kleine Gemeinde in den Cotswolds. Unerwartet melodisches Kirchengeläute. Hergekommen via Flugzeug, Zug, Zug, Zug, Taxi. Alles pünktlich.

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Mir ist egal, was der Autor meinte

(Bild: Was der Autor meinte vs. Was dein Deutschlehrer denkt, was der Autor meinte.)

War sicher lustig gemeint, und sollte vielleicht einfach die Deutschlehrer auf die Palme bringen. Aber viele Leute scheinen echt zu glauben, das dass an diesen Gedanken etwas dran ist. Und das liegt an einem Missverstehen.

Also: Mir als Lehrer und Leser ist egal, was der Autor meinte. Und hoffentlich – zugegeben, hoffentlich – ist das bei allen anderen Lehrern auch so.

Warum uns egal ist, was der Autor meinte:

(a) wir wissen es ohnehin nicht (es sei denn, wir hätten Briefe von ihm gelesen, und das ist selten der Fall),
(b) der Autor weiß nicht unbedingt, was er tut, und
(c) seine Meinung ist genau so viel oder wenig interessiert interessant wie die Meinung jedes anderen. Autoren meinen sicher oft, sie haben unglaublich witzige und spannende Geschichten geschrieben. Das kann mir aber egal sein, wenn ich die nun mal nicht spannend oder witzig finde.

(2005 habe ich schon mal viel dazu geschrieben, 2014 ein wenig.)

Schauen wir uns das vermeintlich überzeichnete Beispiel oben an. “Die Gardinen waren blau”, schreibt ein Autor, und der Deutschlehrer interpretiert mächtig viel heraus. Dabei meinte der Autor nur: “Die Gardinen waren blau.”
Dass der Autor sich dabei nichts gedacht hat, ist gut möglich. Und doch: Wieso ausgerechnet blau? Die Farbe des Meeres, des Himmels und der Ferne? Ob der Autor das beachsichtigt hat, weiß ich nicht, aber blau ist in unserer Kultur natürlich mit diesen Dingen assoziiert. Und: das bedeutet außerdem, dass derjenige, der das Zimmer eingerichtet hat, der Typ Mensch ist, der blaue Gardinen gewählt hat. Oder dass man das zumindest denkt. Wer schon mal engliche Studentenwohnungen gesehen hat, weiß, was es da für Farbalternativen gibt. Überhaupt: Wer hat denn schon blaue Gardinen?

Es ist eine Illusion, man könnte – als Autor etwa – einfach so eine Farbe zufällig herausgreifen, etwa “blau”. Der Mensch ist völlig dazu ungeeignet, zufällige Daten zu erzeugen. Da lassen sich immer Muster finden. So sehr wir auch Individuen sind: Entscheidungen werden auch getroffen vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Normen und Konventionen. Das gilt für Autoren wie für alle anderen ebenso.

Ganz schwach ist, sich darauf zu berufen, die beschriebene Szene sei aber wirklich so passiert, und die Gardinen seien nun mal blau gewesen. Erstens ist sicher nicht alles unverändert geblieben, warum ausgerechnet die Gardinen? Zweitens hätte der Autor auch viele andere Details beschreiben können, lässt die aber sicher weg (ich sag nur: der Lampenschirm); warum werden ausgerechnet die Gardinen genannt?

Und doch müsste man sich eigentlich anschauen, woher dieser Witz, dieses Unbehagen über die Interpretationen der Deutschlehrer kommen. Eine kleine Rolle spielt die genialische Vorstellung vom Künstler als jemand, der mehr zu sagen hat als andere; daneben sind sicher viele Deutschlehrer schuld, wenn sie von Schülern verlangen, den Absichten eines Autors hinterherzuspekulieren; und es liegt an einer allgemeinen Schwierigkeit, Texte als interpretationsbedürftig zu akzeptieren. Aber das gibt dann vielleicht mal einen anderen Beitrag.

Weitere Abiturbeobachtungen: Kunst

Kunst-Abitur Material

Vor drei Jahren hatte ich meine erste Aufsicht im Fach Musik, letzte Woche war ich zum ersten Mal bei Kunst dabei. Das war sogar noch spannender.

Im Kunst-Abitur können die Schülerinnen und Schüler zwischen drei Themen wählen, die alle einen praktischen und einen theoretischen Teil haben, jeweils unterschiedlich gewichtet. Für den praktischen Teil bringen die Schüler selber mit:

  • Bleistifte
  • Bunt- und Filzstifte
  • Fineliner
  • Tusche und Federn
  • Deckfarben und Pinsel
  • Schere, Cutter
  • verschiedene Klebemittel (Flüssigkleber, Klebestift, Tesafilm)
  • Lineal

Die Liste des Materials, das von der Schule bereitzuhalten ist, ist deutlich länger. Für dieses Jahr zum Beispiel:

  • schnitzfähige Seife
  • eine Tube Zahnpasta
  • Nylonstrümpfe (ein Strumpf pro Schüler)
  • milchige Lotion (insgesamt eine Tube)

und natürlich Papiere und Kartons, Werkzeug, Zeichenmaterial. Der arme Kunstlehrer kriegt diese Liste ein paar Tage vorher und muss das Zeug dann einkaufen:

Kunst-Abitur Material

Aufbewahrt werden müssen Abiturarbeiten ja zwei Jahre; das gilt – nehme ich mal an – auch für die mit diesem Material gestalteten Werke. Zahnpasta aund Handcreme halten ja hoffentlich so lange… Tatsächlich fotografiert der findige Kunstlehrer die Werke mehrfach, druckt sie auf dem Farblaser im Kunstraum aus und legt die entstandenen Ausdrucke in die Mappe mit Material. Mappe, ja: Denn während in den anderen Fächern 8 bis 20 Seiten beschriebenes Papier (A4) abgegeben werden, besteht eine Kunst-Abituraufgabe aus vielen Teilaufgaben, bei denen Zeichnungen und Gemälde in Wasserfarben entstehen, auf Papier oder Karton, in kleinen und großen Formaten. Da ist das Einsammeln umständlicher.

Schön ist auch zu sehen, wie selbstständig die Schülerinnen und Schüler mit dem Material im Kunstraum umgehen. Stehen auf, waschen Pinsel aus, stecken die Heißklebepistole ein, kleben einfach mal was, machen am Tisch weiter. Das hat mir gefallen.

– Im Eck des Kunstraums steht übrigens ein Trockenschrank:

Trockenschrank für Kunstunterricht

Klar, wenn eine Klasse am Ende einer Stunde zwei Dutzend frische Bilder hat, die noch trocknen müssen, dann kann man die weder am Platz liegen lassen (weil die nächste Klasse kommt) noch einfach aufeinander legen (weil noch feucht). Dafür gibt es dann so eine Trockenschrank. Unten in ein Drahtfach wird das Bild gelegt, dann das nächste Drahtfach daraufgeklappt.

Gedanken bei der Aufsicht zum Deutsch-Abitur Bayern 2016

Heute begann das Deutsch-Abitur in Bayern, ich weiß nicht mein wievieltes. Bei den ersten war ich noch nervös, aber seit etlichen Jahren ist das Routine geworden. Unterricht, der ist immer noch aufregend, und eigene Klausuren auch ein bisschen, aber das Abitur sieht mich äußerst gelassen – auch weil ich weiß, dass die Schülerinnen und Schülern gut vorbereitet sein müssten. Die Prüfung ist jetzt nicht mehr meine Aufgabe. Klar korrigiere ich noch und mache vor allem Aufsicht.

Abituraufsicht: Das habe ich heute zwei Stunden lang im Klassenzimmer gemacht, ganz ohne Fremdbeschäftigung. Im Eck hing ein Poster mit den zwölf olympischen Göttern. Die Namen konnte ich auch mit Brille nicht lesen, nur die Länge der jeweils griechischen und römischen Bezeichnungen schätzen. Über den Namen waren Statuen abgebildet, an denen konnte ich mich orientieren. Immerhin weiß ich, dass Hades nicht dazu gehört und die übrige Besetzung ein wenig schwanken kann. (Dionysos? Hestia?) Das hat mich eine Weile beschäftigt.

Über meine schriftlichen Prüfungen schreibe ich übrigens immer “1. Schulaufgabe aus dem Deutschen” oder “2. Klausur aus der Informatik”. So habe ich das als Schüler kennengelernt. Nach dem Referendariat dachte ich irgendwann, modern sein zu wollen, und wählte “3. Stegreifaufgabe (Englisch)” – aber seit einiger Zeit bin ich wieder zu der schönen altmodischen Formulierung zurück. Man braucht doch auch Traditionen.

Ich bin jetzt übrigens seit über 20 Jahren Lehrer, wenn man das Referendariat mitrechnet. Im Jahr 2000 war die Angabe zum Deutsch-Abitur noch 7 Seiten lang (im Leistungskurs), bei 6 Themen. Inzwischen sind es 5 Themen und 24 Seiten. Nu.

Danach habe ich noch einmal zwei Stunden Aufsicht gemacht, diesmal auf dem Gang. Da darf man sich auch nicht fremdbeschäftigen. Also wacht man mit dem Kollegen über die Toiletten, da nur immer ein Schüler beziehungsweise eine Schülerin gleichzeitig hinein darf. Auf dem Tisch improvisiert man sinnige Marker (siehe Informatik, “Semaphore”), um sich merken zu können, welche Toilette gerade besetzt ist. Und spekuliert, wer sich wohl die Hände gewaschen hat und wer nicht.

Ansonsten bin ich gerade Strohwitwer (Frau Rau ist auf der re:publica) und mache mir ein Vergnügen daraus, die Lebensmittel aus Kühlschrank und Kartoffelkiste effizient zu Gerichten zu kombinieren. Asia-Gemüse und Kohlrabigrün aus der Pfanne, mit Chorizo.

In Wien gewesen

Die letzten drei Tage war ich in Wien auf einer Hochzeit, die sehr schön war. Wunderbarer Sonnenschein die ganze Zeit über. Das Paar sah sehr glücklich aus und trug schöne Anzüge; das Standesamt war sehr kurz und die Feier am nächsten Tag sehr lang. Bis halb eins war ich jedenfalls dabei, und für mich – Schlafenszeit zehn Uhr sonst – ist das äußerst lang. Am frühen Abend konnte ich mit der bezaubernden Frau Rau ein paar Runden tanzen, etwas, das ich sehr gerne mache, und zwar gerade auf Hochzeiten. Danach gab es traditionellere Hochzeitsmusik, also Prince, Michael Jackson, Soft Cell. Zuerst dachte ich ja, dass die Leute viel zu jung waren, um das noch selber mitgekriegt zu haben. (Als “Tainted Love” ein Hit war, schlief ich noch im oberen Teil eines Doppelbetts in einem Kinderzimmer.) Aber viele Gäste waren so ungefähr genau mein Alter.

(Lauter Leute übrigens, die mit Internet etwas anfangen können.)

Zuhause dann einen Homepageeintrag veröffentlicht und ein Dutzend Mails für Schule und Uni beantwortet, die in den letzten drei Tagen gekommen sind. Und Jane Eyre zu Ende gelesen, zum ersten Mal. Kriegt fünf Sterne, das Buch; Blogeintrag bei Gelegenheit.