Ich bin so cool. (Vorläufiger Blogeintragstitel, muss noch geändert werden.)

Gestern, spät nachts, schien mir das der richtige Titel für den Blogeintrag zu sein, heute sieht das irgendwie weniger lustig aus. So oder so: Nicht ich bin cool, meine Eltern sind cool. My parents were awesome heißt ein Tumblr/Buchprojekt, und dem kann ich mich nur anschließen.

Anlass dafür war, dass ich Frau Rau gestern den Film Mad Monster Party? zeigen durfte, eine frühe Erinnerung aus meiner Kindheit. Der lief wohl auf Deutsch als Frankensteins Monster-Party, auch wenn ich ihn als Frankensteins Monster-Insel in Erinnerung habe und deshalb wohl immer wieder mal so nenne. Meine Erinnerung ist lückenhaft, aber an das Finale kann ich mich noch gut erinnern. Dabei lief der Film wohl nur einmal im deutschen Fernsehen, 1976, da war ich neun Jahre alt, aber er hat mich sehr geprägt.

Bild aus Film Mad Monster Party

Es ist ein Stop-Motion-Trickfilm in voller Spielfilmlänge. Die Handlung: Baron Frankenstein will seine Rolle als Monster-Anführer aufgeben und sucht einen Nachfolger. Dazu lädt er eine Reihe von Kandidaten zu sich auf seine Insel ein: den Werwolf, die Mumie, Dracula, den Unsichtbaren, Dr. Jekyll, das Monster aus der schwarzen Lagune, der Glöckner. (Zum Großteil mit anderen Namen, um die Rechte für die Verwendung der Originalbezeichnungen nicht erwerben zu müssen.) Frankensteins Monster und dessen Braut sind auch schon da, ebenso wie die Assistentin Francesca und der Zombie-Butler Yetch. Eingeladen wird außerdem Frankensteins Neffe, der sich aber als bürgerlich-brav und furchtsam herausstellt. Ein Kampf um die Nachfolge entbrennt.

Boris von Frankenstein wird gesprochen von Boris Karloff und sieht ihm auch recht ähnlich, und Yetch sieht aus und hört sich an wie Peter Lorre (gesprochen von Allen Swift, der auch sonst einen Großteil der Figuren spricht). Der Film ist durchaus noch ansehbar, er ist zwar etwas langsam, aber dafür kriegt man jede Menge groovy Sechziger-Jahre-Sound. Auf Deutsch habe ich den Film leider nirgendwo gefunden, aber bei Youtube findet man ihn da und dort auf Englisch in ganzer Länge.

Für mich als Neunjährigen war der Film eine Offenbarung. Dabei kannte ich die alten Universal-Filme sehr wahrscheinlich noch gar nicht, war dadurch aber bestens präpariert für eben jene Wolfman, Dracula, Frankenstein, Mummy, die ich wenige Jahre danach kennenlernen oder eher: wiedersehen würde.

(Bei den Film-Credits gestern sah ich den Namen Jack Davis, und sag noch: ach, da gab’s mal einen Zeichner für die Horrorcomics von EC und bei Mad Magazine, der hieß genauso. Stellt sich heraus, ja, genau der Jack Davis hat die Puppen entworfen – und ist vor einer Woche gestorben, hochbetagt; daher hatte Frau Rau den Namen auch schon mal gehört. Harvey Kurtzman – auch Mad Magazine – hat am Drehbuch mitgearbeitet, Forrest Ackerman laut imdb auch, Frank Frazetta hat die Poster entworfen. Tse.)


Warum ich den Film halbwegs kannte, obwohl er eben nur einmal 1976 im deutschen Fernsehen lief (in den USA ist er ein gutes Stück bekannter): Wir hatten damals schon einen Videorekorder. Betamax gab es zwar erst seit 1978 in Deutschland, seit 1975 in den USA. Aber wir hatten einen Videorekorder schon seit wohl 1973, und zwar das VCR-System von Grundig/Philips (Wikipedia), das es seit 1971 gab – lange vor Betamax, VHS, Video 2000, ein heute ganz vergessenes System. Auf eine solche Kassette passte damals nur eine knappe Stunde; aber man konnte – wenn ich mich richtig erinnere – beide Seiten bespielen. Nahm man einen Film aus dem Fernsehen auf, fehlten also immer ein paar Minuten in der Mitte, weil man da schnell die Kassette wechseln oder umdrehen musste. Die Kassetten waren drei, vier Zentimeter hoch, und ansonsten eher quadratisch, etwas größer als CD-Hüllen.

Und so ein Videorekorder war toll, fast wie ein privates Youtube in einer Welt ohne Youtube. Wenn einem ein Film gefiel, konnte man ihn einfach ein paar Wochen später noch einmal anschauen!

Ich durfte zusammen mit meinem Zwillingsbruder fast alles sehen, was ich wollte, hielt mich aber auch an die erlaubten, sehr großzügigen Fernsehzeiten. Schon sehr bald hatten wir einen eigenen Fernseher im Kinderzimmer (das Kabel zu Antenne und Videorekorder durch die Wand geführt), da gab es noch keine Fernsteuerungen und nur 6 Sender (ARD, ZDF, Bayern, Schweiz, zweimal Österreich). Für manche Kinder wäre das vielleicht schlecht gewesen, für uns war es genau richtig. Ich las ohnehin immer viel, mein Bruder war oft draußen spielen, wir verbrachten also keinesfalls all unsere Zeit vor dem Fernseher. Aber wir erwarben eine solide Grundbildung an Monsterfilmen und Hollywood-Musicals, und dafür bin ich meinen Eltern sehr dankbar.

4 Antworten auf „Ich bin so cool. (Vorläufiger Blogeintragstitel, muss noch geändert werden.)“

  1. Der VCR von Philips? Oh ja, daran erinnere ich mich auch noch. Wie an den Fotokopierer im Nassverfahren …

  2. >Scheint, Sie sind gerade richtig im Flow, Herr Rau. Ferien, yeah!

    Dazu die aufgestauten Blogeinträge der letzten Wochen und Monate, als ich ziemlich viel zu tun hatte in der Schule und nicht zum Schreiben kam. (Weil, Zeit zum Nichtstun und blöd Schauen ist noch wichtiger als Schreiben, die habe ich mir schon gegönnt.)

    >Wie an den Fotokopierer im Nassverfahren …

    Die habe ich nie mitgekriegt. Matrizen ja, sogar selber noch für ein Fanzine auf einer getippt.

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