Karl May wiederlesen: Orientzyklus, Band 4-5

Nachdem ich letztes Jahr die ersten drei Bände gelesen habe, kommen hier meine Anmerkungen zu 4 und 5. Lang geworden, da Notizen für mich; unter den DIagrammen steht jeweils das Wichtigste.

In den Schluchten des Balkan

Titelbild "In den Schluchten des Balkan"

Kapitel 1: Kara Ben Nemsi, Halef, Osko und Omar Ben Sadek verfolgen die drei Flüchtigen. Sie erfahren, dass noch jemand hinter diesen her ist, wohl ein Bote, der sie vom Überleben der Helden informieren will. Außerdem fällt zum ersten Mal der Name des Schut als Anführer der Räuberbande. Kara trennt sich, weil der mit seinem schnellen Pferd und Querfeldeinritt den Boten überholen will; er wird die anderen später treffen. Auf dem Weg gewinnt er das Vertrauen des Rosenzüchters Jafiz, der schenkt ihm Rosenöl (gegen Tabak), hilft ihm beim Weg, und empfiehlt ihm seinen Bruder Schimin, einen Schmied – der kenne Geheimzeichen der Räuberbanden. Kara erreicht die Schmiede und befreit den Schmied und dessen Frau – die drei Flüchtigen hatten sie im Keller gefangen, weil sie erkannt worden waren. Der Schmied erzählt vom neuen Geheimzeichen, einer silbernen Schnalle. Philosophisches Gespräch zwischen Kara und Schimin über Kolonialisierung.
Bald taucht auch der erwartete Bote (Pimosa/Mosklan) auf und wird selber in den Keller gesteckt.

Kapitel 2: Mosklan behauptet, Boschak, ein Zuckerbäcker und Färber, könne für ihn bürgen. Auf dem Weg zu diesem schließt Kara – wieder einmal – zufällig günstige Freundschaft mit einem Fremden, Ali, der Ikbala, die Tochter Boschaks liebt – unterstützt von der Mutter, wogegen der Vater sie eben dem Mosklan versprochen hat. Kara hilft der Mutter und entdeckt dabei ein Schmugglerlager Boschaks. Dessen Kontakt ist Deselim, Waffenschmied und Kaffeewirt in Ismilan (ein Schwager des Schut). Kara epresst Boschak, sich vom Schmuggelkumpan Mosklan zu lösen und seine Tochter Ali zu geben. Dann wird Kara von Boschak auf einen Botengang zu einem Bettler mit Wald geschickt – doch es deutet sich bereits an, dass dieser eine Falle vorbereitet hat.

Kapitel 3: Eine Falle, Kara wird überwältigt und für tot gehalten. Zur Hütte kommen weitere Schurken, auch Deselim. Halef kommt und rettet Kara. Deselim stiehlt Rih, stirbt aber bei der Verfolgungsjagd. Mosklan ist dem Schmied entkommen, sein Gebiss wird von Kara beim Kampf zerschmettert. Boschak stimmt endlich der Hochzeit zu, es gibt detailiert beschriebenen Hammel-Pilaw. Die Schurken – freigelassen, letztlich – gehen weg, einer will allerdings Verwandte Deselims zum Angriff anstacheln. Kara und der Schmied Schimin verfolgen ihn und holen ihn ein. (Halef so: „Du willst doch nicht etwa auch in dieser Nacht uns voranreiten?“ Aber klar will er.) Weitere philosophische Gespräche, Kara schenkt dem Schmied ein Neues Testament und macht diesen glücklich damit.

Kapitel 4: Kara trifft in heruntergekommener Kneipe Spuren des Reisenden Madi Arnaud, dem der Wirt eine Brieftasche gestohlen hat und der die Magd, die das gesehen hat, auspeitschen lässt, bis Kara eingreift. Alle vier wieder vereint reisen nach Ismilan, kehren beim Bruder des toten Deselim ein. Omar und Osko sind zwar wieder dabei, kriegen aber weiterhin nichts zu tun. Alle geben sich als Mitglied der Räuberbande aus. Sie erfahren, dass Manach el Barscha nach Menelik will, zum Fruchthändler Glawa. Sie treffen im Gasthaus den Madi Arnaud, tatsächlich: Martin Albani. Er sing Stanzl. Sie kennen ihn aus Band 1. Er will auch nach Menelik.

Kapitel 5: Auf dem Weg werden sie aufgehalten, weil sie eine tote Frau finden, eine heimliche Christin; sie trösten ihren Mann und die Kinder und erfahren ihre Geschichte. Sie war zum Christentum bekehrt worden von einer dann aus dem Haus gejagten Dienerin. Kara bringt dem Witwer das Christentum näher, wieder einmal. („Ich als Laie konnte freilich an ihm nicht zum Missionär werden.“) In Menelik werden sie abgepasst und landen bei einem Fuhrmann, der ihnen verheimlicht, dass das Haus des Fruchthändlers gleich nebenan ist – Kara soll von den Verschwörern gefangen genommen oder getötet werden. Hilfe erhalten sie von einer Dienerin im Haus des Fruchthhändlers, eben jener christlichen Magd. Kara belauscht die Bande von einem Taubenschlag aus, als Halef dazu kommt, stürzen sie herunter, entkommen aber. Vorher hören sie, dass Manach el Barscha in der Ruine von Ostromdscha wartet.

Kapitel 6: Auf dem Weg helfen sie einem Paar, dessen tote Tochter für einen Vampyr gehalten wird. Es war dann doch der Knecht, der den Verlobten der Verstorbenen vergiftet.

Kapitel 7: Ein Han, ein Gasthof: der gute Wirt Ibarek ist in der Nacht zuvor bestohlen worden, und zwar von den Flüchtigen, Manach el Barscha und dessen Gefährten. Kara macht sehr einen auf Sherlock Holmes, „die geknickten Nesseln sind nicht verwelkt; sie hängen nur matt ihre Blätter“. Er entdeckt, wie der Diebstahl abgelaufen ist, und will dem Wirt helfen – mit ihm Richtung Ostromdscha. Zwei Boten aus Menelik kriegen Freigetränke im Han, damit sie nicht nachkommen und warnen. (Kara belauscht sie noch vor der Abreise, obwohl Horchen eine Schande ist. Außerdem erfahren sie, dass es um einen Mübarek geht, der ein Passwort erwartet.) — Kara erklärt nebenbei ein bisschen Astronomie: dass es Sterne gibt, die wir noch gar nicht sehen, und welche die wir sehen, die es aber nicht mehr gibt.

Kapitel 8: Zur Ruine von Ostromdscha. In der Ruine soll es Geister geben, die der vor fünf oder sechs Jahren herbeigekommene und wie ein Heiliger verehrter Mübarek zu bannen sucht; die Geister gibt es aber auch erst seit der Zeit. Immer wieder werden Tote gefunden, mit den Hals umgedreht, das wird den Geistern zugeschrieben. Die Leute glauben, dass der Mübarek Krähen und andere Vögel als Boten hält, die ihm alles zutragen. Tatsächlich führt er ein Doppelleben als an Krücken gehender Bettler. Halef legt sich mit einem albernen Polizisten an, der die Gruppe daraufhin beim Richter anzeigt. Währenddessen bringt Kara einen Spitzel dazu, das Passwort zum Mübarek zu verraten („Ein Vertrauter“). Außerdem macht er sich wieder Freunde, indem er einer armen Frau Geld schenkt und ihr Rat gegen den Rheumatismus gibt. Dann das Übliche hin und her mit der korrupten und zu beeindruckenden Obrigkeit. Während der Mübarek als Schreiber bei der Gerichtsverhandlung wartet, überraschen die Helden die drei Verfolgten und fesseln sie. Dann auf zur Gerichtsverhandlung – die Handlung bricht mittendrin ab.

Diagramm zur Handlung:

Diagramm zu In den Schluchten des Balkan

  • Weniger interessant als Band 1 oder gar 1, Städte als Schauplatz sind mir lieber als Dörfer oder Gehöfte.
  • Das Wort „Firnis“, dem ich hier im Grundschulalter zum ersten Mal begegnete, taucht endlich auf, aber wirklich nur in einem Nebensatz. Was einem so alles hängen bleibt.
  • Schön beschrieben: Der fette und nicht sehr hygienische Hammel-Pilaw zur Verlobungsfeier von Ali und Ikbala.
  • Die Handlung ist letztlich linear und überschaubar: Am Anfang reiten sie den drei Verfolgten hinterher, am Ende haben sie sie endlich eingeholt, das war es letztlich. Kurzer Ausblick auf Band 5: Die Verfolgten entkommen, und es geht wieder den ganzen Band hinterher.
  • Unerwartet die Vampirgeschichte in Kapitel 6, die als ausgeführte, aber gänzlich unverbundene Geschichte nicht zum Rest passt. Hier wollte Karl May woll ein bisschen Dracula-Stimmung mitnehmen.
  • In Kapitel 1 und 2 ist Kara ben Nemsi weitgehend allein, danach ein bisschen mit Halef unterwegs; die beiden anderen – Osko und Omar – sagen kaum mal einen Satz und sind völlig überflüssig.
  • Am ehesten sind sie mit NPCs beim Rollenspiel zu vergleichen, Non-Player Characters, die man gut spielen kann oder nicht – hier reiten sie einfach mit, man kann sie vielleicht mal da oder dorthin als Boten schicken, aber alle Enstcheidungen werden von den NPCs getroffen. Wie bei einem nicht gar so guten Überland-Szenario bei einem Rollenspiel ist die Handlung linear, mit kleinen folgenlosen Sidequests, dazu farbige Hintergründe, Wikipediaten zu Preisen und Entfernungen, aber alles recht zweidimensional.
  • Der Diebstahl beim Gastwirt Ibarek ist ganz interessant; hier gibt Kara den Sherlock Holmes: Ein leerer Tresor, der nicht geöffnet worden zu scheint, Spuren vor dem Fenster, das volle Programm.
  • Zum Weiterlesen: „Von Arnauten und Skipetaren. Albanien und die Albaner bei Karl May“ von Michael Schmidt-Neke

Durch das Land der Skipetaren

Titelbild "Durch das Land der Skipetaren"

Der Mübarek wird entlarvt und gefangen genommen, entkommt aber mit den drei anderen Gefangenen – Spoiler: Am Ende des Buchs sind sie immer noch flüchtig, wie schon am Ende des vorletzten Bandes.

Kara macht den Leuten weis, er sei kugelfest, indem er Kugeln aus Wismut und Quecksilber gießt, die sich nach dem Schuss auflösen, bevor sie Schaden anrichten können. (Das Rezept gibt der Autor nicht an, weil kein Laie das nachmachen soll.) Den Helden lauert ein Räuber-Brüderpaar auf, die Aladschy, die werden aber überlistet, indem sich Kara als wandernder Moslem ausgibt. Dabei verstaucht er sich den Fuß und verbringt den Rest des Buchs hinkend oder sitzend beziehungsweise reitend.

In einer Ortschaft werden Kara und die anderen in eine Falle gelockt, weil der Mübarek und die anderen vor ihnen da sind und sie in eine Felsenhütte locken, in der die Helden verhungern sollen. Aber sie entkommen und verwunden dabei den Mübarek, töten den Fleischer, der sie in die Falle gelockt hat. Der Bruder des Fleischers nimmt sich der Blutrache an, wird von Kara besiegt und freigelassen, woraufhin er die Blutrache ruhen lässt und Kara zeremoniell sein Beil übergibt. Aber es gibt einen neuen Feind: Suef, der Schneider, der sie führen soll und in eine weitere Falle lockt, nämlich in das Haus des Habulam. Dort werden die Verfolger im Turm der alten Mutter untergebracht, ein Gift-Mordanschlag scheitert, weil Kara zuvor Freundschaft mit einer Magd und einem Knecht geschlossen hat. Ein weiterer Anschlag fällt ins Wasser – die belauschten Schurken wollen von oben herab die Helden überfallen, aber die verriegeln die Falltüre und setzen mit einem Schlauch das oberste Stockwerk unter Wasser.

Die eigentlichen Feinde entkommen wieder, die anderen – Habulam und Suef – erhalten die Bastonade und werden ausgehorcht, so dass Kara weiß, wo es weiter zum Schut geht, nämlich zum Karanirwan-Khan.

Diagramm zur Handlung:

Diagramm zu Durch das Land der Skipetaren

  • Noch weniger ergiebig als der vorhergehende Band.
  • Das Phosphorfläschchen Karas, an das ich mich noch erinnerte, kommt endlich zum Einsatz.
  • Die Wasserspiele auf dem Turm sind selbst für Halef eine alberne Idee.
  • Eine schöne Nebenfigur: Der erst hochmütig-quacksalberische, aber später durchaus lernfähige Arzt, der von Kara ben Nemsi lernt, Brüche und Verstauchungen einzugipsen, sofort den Wert dieser Technik erkennt und voller Enthusiasmus das an einem Versuchskaninchen von Kopf bis Fuß erprobt.

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4 Thoughts to “Karl May wiederlesen: Orientzyklus, Band 4-5

  1. Ja, das habe ich, weil mir das bei den ersten drei Bänden hilfreich erschien. Bei den beiden jetzt ist das weniger so; und überhaupt bin ich mir nicht sicher, ob mir solche Diagramme beim Erinnern hilfreich sind – kurze textliche Zusammenfassungen helfen mir da mehr, glaube ich, aber das kann ich jetzt ja überprüfen. – Vor allem sind die Diagramme schön bunt.

  2. Hilfreich sind die Diagramme auf jeden Fall. Hauptschulblues hat schon bei Elena Ferrante Probleme, alle Akteure, die nach vielen Seiten wieder auftauchen, richtig einzuordnen.

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