Avatare, Erebos, und Sommernachtstraum

In der 6. Klasse als Lektüre Erebos gelesen – dickes Buch, trotzdem schnell und leicht zu lesen; es geht um ein geheimnisvolles Fantasy-Computerspiel, bei dem die Missionen im Spiel ausgeweitet werden auf Missionen im echten Leben. (Alter Blogeintrag dazu.)

Interessant ist dabei, dass ein guter Teil des Spiels – wenn wohl auch nicht die Hälfte – in der Fantasy-Spielwelt spielt. Es gibt ja in vielen Büchern eine solche Fantasy-Welt, in die es einen Menschen verschlägt – Alice im Wunderland, die Oz-Bücher, Narnia sind die reputierlichen Beispiele. Hier könnte man argumentieren, dass das Buch ja überhaupt kein Fantasy-Roman ist, die Monster und die Magie sind ja nur im Computerspiel und damit kein Widerspruch zu unserer Welt. Aber die Topoi des stereotyperen Fantasyromans sind trotzdem da.

Zu den Missionen, die Auswirkungen auf die wirkliche Welt haben, zeigte ich diesen Ausschnitt aus der Hochzeit von Pokémon Go:

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Eine große Gruppe von Menschen spontan von Punkt A nach B zu bringen, geht also über ein Computerspiel, und damit geht grundsätzlich wohl auch eine ganze Menge mehr.

Im Erebos-Computerspiel gibt es natürlich auch Avatare, und ein bisschen darf gerätselt werden, welcher Avatar welcher Figur im echten Leben entspricht. Also sprachen wir auch darüber – wer sich wohl welchen Avatar aussucht, was sich hinter einer dünnen Elfe alles verbergen kann, und wer selbstbewusst genug ist, sich einen dicken Avatar auszuwählen. Dazu habe ich den Begleitband zur Fotoausstellung Alter Ego herumgehen lassen. Dort sind Fotos von Spielern ihren Avataren gegenübergestellt; hier kann man einige der Bilder anschauen (die Bilder-Diashow auswählen).

Der nächste Schritt war natürlich, selber Avatare zu erstellen. Leider hatte ich keinen wirklich guten anmelde- und flashfreien Avatargenerator gefunden. Aber heroforge.com war einigermaßen für meine Zwecke brauchbar.

Heroforge stellt eigentlich Plastik- und Metallfiguren für Brett- und Rollenspiele her. Und man kann sich eine mehr oder weniger individuelle Figur aus einer sehr großen Auswahl an Modellen zusammenbasteln – bis hin zu Schiebereglern für die Stärke des Grinsens, die Ohrenform, die Beflügelung, und vieles mehr. Das fertige Modell könnte man sich dann gegen Geld als 3D-Druck-Vorlage herunterladen oder als Metall- oder Plastikfigur bestellen lassen. Wermutstropfen: Das alles nur in Grau- oder von mir aus auch Goldtönen, aber jedenfalls nicht farbig. Das Bemalen der Figuren ist dann immer noch die Sache des Spielers selber (hier meine frühen Versuche).

Hier eine Auswahl der Produkte meiner Schüler und Schülerinnen:

Entwürfe für Zinnfiguren

(Alle Rechte bei Heroforge, aber laut den Nutzungsbedingungen darf ich das hier wohl posten.)

Und ja, ein paar Gestalten mit überraschend vielen und großen Schusswaffen waren auch dabei. Immer wieder interessant.

Geübt dabei:
Screenshot machen, in Präsentationssoftware einfügen, Ränder beschneiden; Dateien speichern und umbenennen und verschieben. Kann man nicht oft genug machen. Das wäre alles übrigens auch am Handy gegangen, und sogar viel leichter, aber eben nicht ohne WLAN.

— Danach Schultheater, Sommernachtstraum, in einer angenehm gekürzten Fassung. Es war eine Produktion des Oberstufenfachs „Dramatisches Gestalten“ mit Untersützung durch Mitglieder des Unterstufenchors – als Elfen, mit Blumenkranz im Haar, leider nur für eine Nummer; ich hätte sie gerne öfter auf der Bühne gesehen.

Zu billig: Bottom mit Trump-Maske statt Eselskopf – ich finde, wir haben genug eigene Politiker, die wir als Zielscheibe nehmen könnten, da ist mir Trump ein zu leichtes Ziel. Schön: Puck von zwei rücklings aneinandergenähten Schülerinnen gespielt, bei der mal die eine, mal die andere dem Publikum zugewendet war. Eine Rahmenhandlung mit Schlaflabor, mit einer roten und einen grünen Pille, die Farben des Bühnenbilds aufnehmend. Und die Handwerker, die rude mechanics, alle gespielt von Schülern in Warnwesten, die man, uh, wie sag ich’s diplomatisch, vorurteilshaft vielleicht nicht unbedingt in einer Theatergruppe erwartet hätte. (Ich kannte keinen davon.) Sehr schön besetzt, schön gespielt, mit einem zu kurzen Pyramus-und-Thisbe-Rap am Ende. Habe mich insgesamt sehr gut unterhalten.

Bühnendeko für Schulaufführung

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4 Thoughts to “Avatare, Erebos, und Sommernachtstraum

  1. Zu den Figuren:
    Seit ich vor 2016 das Tabletop-spielen angefangen habe (Warhammer Age of Sigmar) habe ich plötzlich einen Bezug zum bemalen dieser kleinen Figuren. In meiner D&D-Zeit haben wir nie mit Miniaturen gespielt.

    Finde es gut wenn man das probiert, für mich war es z.B. sehr überraschend dass ich das doch recht ansehnlich kann, obwohl mir malen und überhaupt das Künstlerische üblicherweise nicht sonderlich liegen, bzw. mein ganzes bisheriges Leben lang nicht lagen.
    Die Heroforge-Figuren sind mir allerdings ein wenig zu simpel, schade dass die nicht ein klein wenig mehr Details haben. In meiner Sammlung würden sie als sehr einfach herausstechen. Klar, wenn man sehr gut malen kann, dann kann man die Details auch aufmalen, aber soooo gut bin ich dann auch wieder nicht. :D

    Zum Trump im Theater: Naja, ich denke zum einen ist es leichter, eine Trump-Maske zu bekommen als eine von einem deutschen Polit-Esel, und andererseits ist es für das Publikum ein wenig bekömmlicher, da man sich Trump bezüglich ja doch recht einig ist hierzulande, auf jeden Fall einiger als bei…. hmmm.
    Wollte gerade einen Politikernamen nennen der für mich eindeutig ist, aber ja nach Gesinnung ist das eben Claudia Roth, Björn Höcke, Angela Merkel, Andrea Nahles, Christian Lindner etc. und die jeweils anderen möglicherweise nicht.
    Bei uns damals war das – nicht explizit gesagt soweit ich mich entsinne, aber schon irgendwie so gemeint – nicht erwünscht dass politische Meinungen über deutsche Politik von uns Schülern irgendwie öffentlich transportiert werden. Trump ist auch weiter weg, vielleicht haben die SuS unbewusst oder bewusst deswegen Trump gewählt.

    Gruß
    Aginor

  2. Spätestens nach den „Stoppt Strauß“- Ereignissen rund um den Bundestagswahlkampf 1980 war es für mindestens eineinhalb Schülergenerationen üblich zu jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit politische Meinungen und Gesinnungen zu deutscher Politik in die (schulinterne) Öffentlichkeit zu tragen. Dann kam angeblich eine Generation der unpolitischen Jugendlichen in den 90ern. Eine Rolle rückwärts oder auch vorwärts fände ich als Lehrer begrüßenswert, mir hängen diese meinungsscheuen zukünftigen BWL-Studierenden zu Hals raus.

  3. Oh, und kurz off-topic weil es mir gerade auffällt:

    Wissen Sie was mit ihrem Kollegen Hauptschulblues passiert ist?
    Ich habe hin und wieder gerne auch in seinem Blog gelesen, aber stelle gerade fest dass ich ebendieses zur Zeit nicht mehr erreichen kann.

    Hoffe da ist alles gut und es ist nur eine vorübergehende Störung.

    Gruß
    Aginor

  4. Er hat sein Blog wohl offline genommen, das hatte er schon angedeutet – ich habe ihn jetzt einmal angemailt und nachgefragt. Sorgen muss ich mir nicht machen, er kommentiert ja immer noch hier und anderswo, sonst hätte ich eher nachgefragt.

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