Blogparade “zeitgemäßes Lernen”, und Kram

1. Blogparade

Bob Blume ruft zu einer Blogparade auf, Thema “Was ist zeitgemäßes Lernen?” Das ist tasächlich kein Thema, mit dem ich mich bisher groß beschäftigt habe. Entstanden ist dieser Begriff, wenn ich mich richtig erinnere, auf Twitter: Da sprach man vorher von “digitaler Bildung” und sah darin Revolutionäres, bis auffiel, dass es ja gar nicht um Computer gehen sollte, und so sagte man ab dann “zeitgemäße Bildung” oder “zeitgemäßes Lernen”. Aber ein bisschen ist das immer noch ein Euphemismus für “mit Computern”.

Gemeint ist tatsächlich wohl etwas mit mehr eigenverantwortlichen Schülern und Schülerinnen, aktiveren, selbstbestimmteren. Und, optional, ohne Schulfächer, weil die nicht mehr zeitgemäß sind. Die Hoffnung ist, dass digitale Mittel – für die Zusammenarbeit, die Kommunikation, das Produzieren – dabei helfen.

Zeitgemäße Bildung, heißt, dass man unzufrieden ist mit gegenwärtiger Bildung. Das verstehe ich, das sollte man sein, und das bin ich auch. Aber ich erwarte mir nichts Revolutionäres, nur neue Arten des Scheiterns. Und doch ist das nötig.

Wenn ich auch nicht weiß, was der Begriff genau bedeutet, interessiert mich, ob es ein nützlicher Begriff ist – nützlich für die Gesellschaft. (Für alle, die beruflich Neues fordern müssen, ist er das natürlich.) Woran misst man das? So in der Richtung: führt er zu einem Schulfach “Informatik”, dann war er nützlich; führt er zu einem Schulfach “Medienkunde”, dann nicht. Wird der Begriff zu einem Umdenken führen? Zu einer Neuaufstellung des Bildungssystems? (Ist Iphigenie gebildet? Frodo? Was heißt Bildung?)

2. Bottom-up oder Top-down?

Bottom-Up-Lernen heißt: Man wird erst alleine zu einem Fachmann oder einer Fachfrau, und danach lernt man Teamfähigkeit.

Top-Down-Lernen heißt: Man lernt erst, mit anderen in einem Team zu arbeiten, und danach eignet man sich das schnöde Faktenwissen an.

Vermutlich gehen beide Ansätze. Vom Temperament her liegt mir der erste näher.

Das bringt mich zur Marshmallow Challenge, nicht zu verwechseln mit dem Stanford marshmallow experiment. Die Aufgabe: Teams von 3–4 Personen bekommen die Aufgabe, 1 Marshmallow auf einem Turm oder Gebilde aus maximal 25 rohen Spaghetti ruhend möglichst hoch hinauf zu bringen. Dazu kriegt man 1 Meter Faden und 1 Meter Klebeband. Eigentlich soll das Experiment zeigen, welche verschiedenen Ansätze es gibt, Aufgaben im Team zu lösen, und welche davon erfolgreicher sind als andere. (Laut einem Forbes-Artikel schneiden Teams aus Kindergartenkindern besser ab als Teams aus BWL-Absolventen, weil die ersten einfach mal ausprobieren.)

Was mich interessiert: Hat schon jemand überprüft, auf welche Weise das Marshmallow höher hinaufkommt: Bei einem Team von 3–4 Mitgliedern, oder bei 3–4 Einzelspielern? (Um Ressourcen gleich zu halten, müssten die jeweils 3–4 mal so viel Zeit kriegen; andererseits gibt es vielleicht so wenig Pastaressourcen, dass man um Teams nicht herumkommt?)

3. Datenschutz, WLAN und Schule

Ach, ich wünsche mir verlässliche Aussagen zu Datenschutz und WLAN in der Schule. Ich kriege das immer nur über unseren Datenschutzbeauftragten mitgeteilt, der natürlich auch nur Informationen weitergeben kann. Also: Der Mebis-Fortbildungskurs sagt, dass Schülerhandys im Schul-WLAN datenschutzrechtlich kein Problem sind. Der (zentrale bayerische) Datenschutzbeauftragte sagt, dass das auf keinen Fall geht. Ich dachte bislang, dass das daran liegt, dass dabei personenbezogene Daten der Schüler und Schülerinnen an Dienste im Internet übermittelt werden. Aber das scheint gar nicht das Problem zu sein, heißt es. Klar, sonst dürfte ich Schüler und Schülerinnen ja auch nicht ermuntern, zu Hause irgendwas im Internet zu machen, was nicht das Unbedenklichkeitssiegel von Mebis trägt. Vielmehr ist es die Tatsache, dass die Schule, wenn sie denn ein WLAN hätte und das für Schüler und Schülerinnen öffnen würde, deren personenbezogene Daten speichern würde (in Logfiles etwa). Bayern-WLAN wäre wohl auch kein Problem, weil dann nicht die Schule die Daten speichert, sondern, uh, jemand anderes. Wieder etwas gelernt.

Darf ich Schüler und Schülerinnen darum bitten, zu Hause einen Computer zu benutzen?

7 Antworten auf „Blogparade “zeitgemäßes Lernen”, und Kram“

  1. doofe Frage: Warum ist es ein Problem, wenn die Schule personenbezogene Daten speichert? Das macht sie ja sowieso andauernd. Und für’s WLAN kann sie sich ja auch eine Zustimmung zur Speicherung geben – so macht Vodafone das für das BayernWLAN ja auch.

  2. Keine doofe Frage, ich weiß es ja auch nicht. Die Schule speichert personenbezogene Daten, wenn Schüler oder Schülerinnen sich an einem der Schulrechner anmelden. Das dürfen die SuS nur zu schulischen Zwecken – ansonsten wäre die Schule Telekommunikationsabieter und müsste sich an noch viel mehr Regeln halten, Stichwort Vorratsdatenspeicherung. Wieso das bei Handys anders wäre, weiß ich nicht. Zugegeben: Da werden mehr personenbezogene Daten gespeichert, etwa die MAC-Adresse des Handys.

    Wenn ich nachfrage, kriege ich oft widersprüchliche und unvollständige Angaben.

    Ich glaube inzwischen, dass die Hardware-Industrie einfach ihre Ministeriumsflüsterer geschickt platziert hat.

  3. „Vom Temperament her liegt mir der erste näher.“

    Liegt das nicht eher daran, dass Sie (ich) damals Bottom-Up belernt wurden?

    „Warum ist es ein Problem, wenn die Schule personenbezogene Daten speichert?“

    Je mehr Daten anfallen, desto größer wird der Druck, diese in irgendeiner (auch missbräuchlichen) Form zum vermeintlichen Nutzen der Bildung auszuwerten.

  4. >Liegt das nicht eher daran, dass Sie (ich) damals Bottom-Up belernt wurden?

    Woran das liegt, kann ich nicht sicher sagen. Meinen Sie, dass es diese Typen gar nicht gibt, je nachdem, wie man belernt wird? Das kann sein. Aber ich bin halt wirklich lieber zuerst eine fachlich kompetente Person, bevor ich in ein Team komme, und wünsche mir andere kompetente Personen im Team, mit denen ich mich notfalls zusammenraufe. Ich bemängele bei, sagen wir mal, der Zusammenarbeit im Kollegium schon beides, fehlende Teamfähigkeit (allerdings: unter den obwaltenden Bedingungen) und fehlendes Fachwissen. Was lässt sich leichter nachlernen? Seufzend: vermutlich keines davon. Aber vielleicht ist diese Situation auch zu speziell und nicht übertragbar.

    >Je mehr Daten anfallen, desto größer wird der Druck, diese in irgendeiner (auch missbräuchlichen) Form zum vermeintlichen Nutzen der Bildung auszuwerten.

    Ja. Deswegen ist das alles ein prinzipielles Problem. Warum das in dieser konkreten Situation eines sein soll, weiß ich nicht, eben weil die Schule ja bereits personenbezogene Daten speichert. Ist es wirklich so, dass eine Regelung sagt, dass dieses eine Datum mehr nicht mehr geht?

  5. Ganz im Sinne einer Prägung: Wenn man damals auf eine Bildung getroffen wäre, die kollaboratives Lernen und Teamwork eingefordert hätte, würden Sie (ich) diese heute bevorzugen (– ?).

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