Zeichnungen zu Gedichten

Elfte Klasse, den Inhalt eines Gedicht als Bild zusammenfassen, im Unterricht – auf Papier oder hier auf verschiedenen Tablets:

Welches Gedicht hier abgebildet wird, ist Deutschlehrkräften wohl sehr schnell klar, und wer sonst einen kleinen Überblick über deutsche Lyrik hat, kennt das sicher auch.

Der Hintergrund ist der: Zu manchen Gedichten lässt sich leicht eine Illustration anfertigen, zu anderen nicht. Aufgabe: Finde weitere Gedichte im Schulbuch, die sich gut oder eben auch schlecht illustrieren lassen. Ergebnis: Gedankenlyrik geht gar nicht. Gedichte, in denen es viel um Innenleben geht (sagen wir mal: Erlebnislyrik), gehen dann, wenn das Innenleben an konkreten Bildern der äußeren Elementen festgemacht wird. Metaphern gehen meist nicht.

Für solche Aufgaben müssten die Schüler und Schülerinnen eine Gedichtsammlung haben. So etwas gab es früher als Lesebuch, aber Lesebücher gibt es nicht mehr; das moderne Arbeitsbuch enthält nur eine kleine und verstreute Auswahl an Texten. Weitere Aufgaben, die mit einer Gedichtsammlung möglich sind: schmökern, motivgleiche Gedichte finden, Gedichte mit unterschiedlichen Rhythmen finden (vielleicht sogar bei gleichem Metrum), heitere und traurige Gedichte finden.

Mir fehlt halt die Zeit, so eine Sammlung als epub zusammenzustellen. Oder eher: Ich kann mich nicht für eine Form entscheiden; insbesondere die Zeilennummerierung ist nicht ganz einfach (Blogeintrag). Und natürlich können das nur gemeinfreie Gedichte sein, eine philologisch verwertbar Ausgabe wird es auch nicht sein, aber das macht nichts.

Für die Schule aufbearbeitete epubs gibt es ohnehin viel zu wenige. Ich habe für meine aktuelle Klassen sauber formatierte E‑Buch-Versionen erstellt von Nathan der Weise, von Woyzeck, von Irrungen, Wirrungen und “Der Sandmann” und “Das Marmorbild”. Keine davon gibt es dergestalt im Web, dass Schüler und Schülerinnen sie leicht oder überhaupt selber finden können. Klar, bei Amazon, und für Geld, dafür vielleicht annotiert. Aber die Annotationen kann ich auch selber machen. Irgendwann vielleicht mal ein W- oder P‑Seminar “Digitale Bibliothek für die Schule erstellen”, nur weiß ich nicht, ob es dafür Interesse gibt. Dann eher ein zentrales OER-Projekt? Noch lesen fast alle Schüler und Schülerinnen Schullektüren lieber auf Papier, aber ich kann mir vorstellen, dass sich das bald einmal ändern wird. Tablets gibt es immer mehr an der Oberstufe, viele Arbeitsblätter werden abfotografiert und gleich wieder zurückgegeben. Für die Zukunft wäre es mir recht, wenn die Klassen und Kurse nicht auf die Digitalläden der großen Firmen angewiesen wären.

Nach dem vielen Text jetzt als Auflösung zu oben ein Tafelbild von mir, anno 2008, zu dem gleichen Gedicht. Würde ich heute etwas anders machen, auch inspiriert von den Bildern oben.

Auflösung, und einer für die Suchmaschinen: Die Illustrationen sind zu Joseph von Eichendorff, “Sehnsucht”.