Schullektüren meiner Schulzeit

Das sind die Schullektüren meiner eigenen Schulzeit. Es waren sicher ein paar mehr dabei, Woyzeck vielleicht, und irgendetwas in der Unterstufe. Aber anscheinend blieben nur Werke aus den Jahrgangsstufen 11 bis 13 bei mir hängen, und eben da nicht mal alle. Gedichte (Archaischer Torso! Hälfte des Lebens!) gab es natürlich auch, und kleinere Geschichten, die ich hier nicht anführe.

Antoine de Saint-Exupéry, Le Petit Prince (11)

Das war auf Französisch und damit fast außer Konkurrenz. Französisch machte mir keinen Spaß, das Buch schreckte mich nicht, war aber auch nicht wirklich gut.

Johann Wolfang Goethe, Iphigenie auf Tauris (11, 12)

Sogar zweimal: Zuerst in der 11. Klasse, wo das Drama bei allen (so ist meine Erinnerung) sehr gut ankam. Aber das war auch beim Herrn Nickles. Hängen blieb: “Das Land der Griechen mit der Seele suchen” und “Zwischen uns sei Wahrheit.” Und dann noch einmal in der 12. Klasse im Leistungskurs – wo die Lehrerin irritiert über den Vorgänger war. Hat sich jemand nicht an Absprachen gehalten, oder nicht an den damals erst wenige Jahre alten neuen Lehrplan?

Johann Wolfang Goethe, Faust I (12)

Galt als Königsdisziplin. Ich halte das Stück ja für überschätzt. Damals: Ja, war okay, aber sicher eben auch wegen des Rufs des Dramas. Dass ich Mephistopheles lesen durfte, hat sicher auch geholfen.

Gottfried Keller, “Die drei gerechten Kammacher” (12?)

Völlig uninteressant. Konnte mich an nichts erinnern. Laaaaangweilig. Heute dagegen: sehr, sehr witzig.

Friedrich Hebbel, Agnes Bernauer (13?)

Laaaangweilig. Also, wahrscheinlich. Es ist möglicherweise die einzige Lektüre, die ich dann doch nie gelesen habe, auch heute noch nicht. Erstens Realismus, nicht so meins; dann Drama, auch nicht so; und thematisch war das zu nah, weil Augsburg, und damit nicht so interessant.

Bert Brecht, Die Dreigroschenoper (13)

Kam auch sehr gut an. “Halt die Fresse, Trauerweide” wurde sprichwörtlich in unserem Kreis, auch wenn sich Jahrzehnte danach herausstellte, dass diese Stelle in vielen Ausgaben fehlt – es ist eine Szene, die erst nach dem Film integriert wurde, so wie andere vielleicht wichtigere Stellen auch.

Siegfried Lenz, Jäger des Spotts (Kurzgeschichtensammlung) (11)

Eher langweilig, damals. Wiedergelesen habe ich nur “Die Nacht im Hotel” mal, bei den anderen Geschichten sagen mir nicht einmal die Titel noch irgendetwas.

Heinrich Böll, Billard um halb zehn (13?)

Kaum Erinnerung. Mann mit Problemen. Oder war es am Ende ohnehin Ansichten eines Clowns?

William Shakespeare, Macbeth (12/13)

War okay. Aber ich kann mich nicht an Begeisterung erinnern. Zweisprachige Reclamausgabe, wenig handschriftliche Anmerkungen darin. “Something wicked this way comes” habe ich angestrichen, weil ich das schon von einem Bradbury-Roman kannte, auch wenn ich den noch nicht gelesen hatte. Und “wayward son”, weil ich diese Kollokation schon aus einem Marvel-Comic kannte. Dort: “Carrion, My Wayward Son” (1978, PPSSM #25), der Zusammenhang zu dem Lied “Carry On My Wayward Son” (1977) von Kansas hat sich mir erst heute hergestellt. Oder geht beides auf eine noch ältere Quelle zurück?

Ernest Hemingway, “The Short Happy Life of Francis Macomber” (12/13)

Langweilig. Ich konnte einfach nicht nachvollziehen, was diese Leute für Probleme hatten. Da passierte doch nichts. Heute: Sehr gute, sehr typische Hemingway-Geschichte, auch wenn ich viele andere von ihm lieber mag, die unerwartetere Seiten präsentieren.

James Joyce, “The Sisters” (12/13)

Davon nur der Anfang, auf ein oder zwei Seiten, fisselige kleine Buchseiten zusammenkopiert. Und inhaltlich völlig unverständlich. Ich finde die Geschichte heute gut, aber immer noch nicht zugänglich und völlig ungeeignet – zu fremd die Perspektive und das Land und die Zeit. (Tatsächlich lasen wir wohl auch weitere Geschichten von Joyce, “Eveline” und so.)

Bret Harte, “The Luck of Roaring Camp” (12/13)

Null Erinnerung daran als Schullektüre, außer an den Titel. Vielleicht haben wir sie gar nicht gelesen, sondern nur ausgeteilt bekommen?

Edgar Allan Poe, “The Tell-Tale Heart” (12/13)

Poe kannte ich natürlich schon, weil Filme und phantastische Literatur. (Meinen heutigen Elftklässlern sagt Poe übrigens überhaupt nichts, sie begegnen ihm erst in der zwölften Klasse.) Diese Geschichte irritierte mich. Wahrscheinlich war ich mit Metaphern und unzuverlässigen Sprechern überfordert. Wenn da stand, dass das Herz unter den Bodendielen zu hören war, dann war für mich als Leser phantastischer Literatur klar, dass da halt das Herz noch schlägt, aus irgendwelchen Gründen.

Evelyn Waugh, The Loved One (nur der Anfang) (12/13)

Mit Vergnügen gelesen. Später deshalb dann auch mal ganz gelesen und die Verfilmung mit Robert Morse gesehen. Mag Evelyn Waugh eigentlich nicht besonders, aber so kannte ich halt schon mal den Namen.

Dylan Thomas, verschiedene Radiobeiträge (12/13)

“A Visit to America”, “Under Milkwood” (auch hier nur der Anfang), wohl auch schon die Weihnachtserinnerungen? Gefiel mir alles schon damals sehr gut.

Spike Milligan, Puckoon (nur der Anfang) (12/13)

Gefiel mir gut, aber Spike Milligan musste ich dann doch erst Jahre später über einen anderen Weg für mich finden.


Nie in der Schule gelesen, aber damals als Name schon bekannt: Der Herr der Fliegen, The Catcher in the Rye und Rolltreppe abwärts – der Inbegriff des literarisch uninteressanten, erzieherischen Problembuchs, das Deutsch-Geschichte-Sozialkunde-Lehrkräfte (anders als Englisch) ihren Klassen gerne mal vorsetzten. Aber vielleicht tue ich dem Buch auch unrecht, ich habe mich nie auch nur ein bisschen damit beschäftigt. Aber es stand mehrfach als Lektüre in der Auswahl.

Fast alles, an das ich mich erinnern kann, wird heute noch gelesen, oder taucht da und dort in Abituren oder Schulbüchern auf. (Dylan Thomas und Spike Milligan eher nicht.) Autorinnen sind heute ein wenig mehr dabei, hoffe ich.

Ich bin nicht gut im Stöckchenwerfen oder Themenvorschlagen – aber es würde mich schon interessieren, gerade bei späteren Lehrkräften, aber nicht nur da, wie andere sich an ihre Lektüren erinnern. War die Auswahl bei mir (Jahrgang 1967) typisch? Dass ich mich an so viel erinnern kann, liegt vermutlich daran, dass ich diesen Texten als Student und Lehrer immer wieder begegnet bin – sonst wäre nicht so viel hängengeblieben?

Nachträge – denn mir fallen immer mehr Sachen ein, waren doch eine Menge:d

John Steinbeck, “Of Mice and Men” (12/13)

Ich weiß noch, dass ich das Wort “sycamore” dort gelernt habe, gleich auf der ersten Seite. Sonst eher uninteressant, was Handlung oder Sprache betrifft. Der Lehrer, Herr Gratzke, sehr geschätzt, fragte die Klasse allen Ernstes, ob wir wüssten, wo der Titel wohl herkomme. Ich bot “are you a man or a mouse?” an, aber das erwartete Robert-Burns-Gedicht konnte ich nicht liefern.

Alfred Andersch, Sansibar oder der letzte Grund (11)

Wenig Erinnerung, hat mich nicht interessiert.

Thomas Mann, “Tonio Kröger” (12/13)

Und “Mario und der Zauberer” gleich mit? Kamen in einem Band, aber ich erinnere mich nur an die eine Erzählung. Hat mir besser gefallen als der Andersch, weil sentimentaler, und sentimental mag ich immer noch; aber dennoch uninteressant, weil ja nichts passierte.

Friedrich Dürrenmatt, Der Richter und sein Henker (ha! endlich Mittelstufe, 9 oder 10)

Das Titelbild hat mir nicht gefallen, wie die meisten Titelbilder von Schullektüren, oder die gekritzelten Innenillustrationen. So Gebrauchskunst, wie ich sie mit Zahnarztpraxen verbinde. Dann lieber gar nichts wie bei Reclam. (Fotos gehen natürlich auch gar nicht. Titelbilder von Schullektüren, mal ein eigenes Thema wert.) Außerdem erinnere ich mich an das mindestens an einer Stelle erscheinende “Mano”, der Anrede nachgestellt, das wohl doch nichts mit dem süddeutschen “menno” oder “männo” meiner Kindheit zu tun hat, sondern, wie ich inzwischen weiß, eine berndeutsche, etwas herablassende Anrede für einen Mann ist, dessen Namen man nicht kennt. – Krimis mochte und kannte ich, war von diesem enttäuscht. The Maltese Falcon hatte ich wohl noch nicht gelesen, aber natürlich gesehen.

Carl Zuckmayer, Der Hauptmann von Köpenick (10?)
Gerhart Hauptmann, Der Biberpelz (10–13?)
Carl Zuckmayer, Des Teufels General (11?)
Deutsche Kurzgeschichten 9.–10. Schuljahr (9? gaaaanz dunkel)

Keine Erinnerung an den Unterricht, aber diese drei Stücke haben wir auch gelesen. Null Interesse. Beim ersten kannte ich den Film. Ansonsten: Drama war nie meins. Ob ich mir die Kurzgeschichtenanthologie nur bei einbilde, kann ich nicht sicher sagen. Vielleicht eine andere Sammlung? Ich habe ganz vage Erinnerungen an Poe auf Deutsch irgendwo.

Ian Fleming, For Your Eyes Only (9/10, fünf Bond-Kurzgeschichten)
John Buchan, The 39 Steps (11)
Tennessee Williams, The Glass Menagerie (12/13)

Erst mit teilweise großer Verspätung sind mir die eingefallen, und auch nur nach Anregung: Mittelstufe halt, oder Drama, ich glaube, da blieb einfach nichts hängen. Die ersten beiden Texte waren für die Schule bearbeitet (was mich nur bei John Buchan störte), beide hätten mir vom Thema eigentlich liegen müssen, taten das aber nicht. Ich kann mich auch nicht an Wörter oder Szenen daraus erinnern. Bei dem Williams wenigstens noch an zwei Wörter.


Wer auch darüber schreibt:

56 Antworten auf „Schullektüren meiner Schulzeit“

  1. Spannend!
    Bei mir fehlen viele der Klassiker aus den höheren Klassen, weil ich ja zwischendrin eine Klasse übersprungen habe und so zB um “Kabale und Liebe” und “Mutter Courage” herumkam.
    Also (Bayern, Schulzeit von 1983 – 1994)
    4. Klasse: “Bim aus der Schlauchgasse” (Warum auch immer ich das noch weiss)
    8. Klasse: “Fragt mal Alice”
    9. Klasse “Biedermann und die Brandstifter”
    10. Klasse (vielleicht, plus minus 1): “Herr der Fliegen”
    11. Klasse (englisch) “The Great Gatsby” (hat es mir leider versaut, ich würde das Buch gern mögen, konnte mich aber NIE überwinden, da freiwillig nochmal reinzuschauen)
    12. Klasse. “Faust 1” (Ich fand es toll, habe sogar freiwillig Faust 2 gelesen)

    Irgendwann “Farm der Tiere”, auf Deutsch

    Latein und Altgriechisch mit den Klassikern (“De bello gallico”, Aeneis, Ilias, Odyssee, Tragödien) lasse ich mal aussen vor :-)

    Alles in allem haben wir (finde ich) in der Schule total wenig gelesen, aber vllt ist das auch nur in der MASSE an Büchern (auch quer durch das Klassikerregal), die ich für mich allein gelesen habe, untergegangen.

  2. Na, über dieses Stöckchen will ich doch gleich drüber:

    (Edit: Frau Bruellen hat ihre Schulzeit angegeben – schlau! Meine: 1977–90, Bayern)

    Maurice Druon, Tistou mit den grünen Daumen – ich weiß nichts mehr drüber, nur, dass ich es sehr mochte. Aber wir lasen es bei der sehr verehrten Frau Stemmer, die ich in Deutsch und Latein hatte und besonders gerne mochte. Sie pflegte bei Schulaufgabenaufsichten demonstrativ in der neuesten Jugendliteratur zu schmökern und auf diese Weise hab ich viel neues entdeckt.

    Arthur Conan Doyle, The Speckled Band in einer Easy-Reader-Ausgabe, dass war schon aufregend, was auf Englisch zu lesen.

    Aus der Mittelstufe erinnere ich mich nicht an eine einzige Lektüre. Ich vermute, die grausame Pausewang war dabei, warum hätte ich die sonst gelesen? Vielleicht waren unsere Lehrkräfte einfach zu faul, Lektüren zu lesen?

    Viel gelesen habe ich im sonst schlechten Englischunterricht in den USA: Lost Horizon, Silas Marner, To Kill a Mockingbird, Romeo and Juliet. Da kann man nicht meckern. Das lief auch eher auf Book-Club-Niveau und die Lehrerin hielt sich angenehm zurück.

    In der 11. Klasse lasen wir Die Entdeckung der Langsamkeit von Sten Nadolny und waren nicht immer damit einverstanden, aber das war ein Buch, mit dem man trefflich streiten konnte, also gut!

    Emilia Galotti in der 13. (?) hat mich schwer beeindruckt. Ob wir Faust gelesen haben, weiß ich nicht mehr, aber Homo Faber musste natürlich sein. Ein Buch, das mir als Schülerin vermittelt hat, dass ich die Subtilitäten deutschsprachiger Literatur nicht verstehe, weil nicht weltläufig genug. In Englisch hatte ich mich da privat schon durch das halbe 19. Jahrhundert gelesen, aber an Max Frisch zerschellte all meine beträchtliche Leseerfahrung.

    Im Englisch-LK war dran: Lord of the Flies (fand ich gut), A Raisin in the Sun von Lorraine Hansberry (auch gut! Könnte man mal wieder machen) und Macbeth. Letzteres in voller Länge, von vorn bis hinten, das war natürlich ein wenig zäh. Dazu kam, dass ich einen sehr gewissenhaften, aber ausgesprochen phantasie- und humorlosen Lehrer hatte. Egal, Macbeth ist nicht kaputtzukriegen, das unterrichte ich bis heute mit großer Wonne und maximalem Einsatz von Phantasie (und ein wenig Humor, viel Platz bleibt da nicht), um den drögen Unterricht von damals wieder wettzumachen.

    Mein Schnitt mit von Frauen verfassten Büchern ist jedenfalls besser als deiner, da käme ja die hypothetische Pausewang sogar gelegen.

  3. @Frau Bruellen, genau, wir waren ja noch die Generation, wo es weit verbreitet absolute Bücherfresser gab. Ich habe die Bibliothek leergelesen – eine Faust-Phase hatte ich schon mit 15 – und hing vor Büchern wie heute vor dem Bildschirm, deshalb empfand ich die meisten Schullektüren als nebensächlich. Das könnte auch erklären, warum ich mich an die Bücher nicht mehr erinnere.

  4. Spontan und ohne Spicken in alten Schuljahrbüchern, eine kleine Auswahl, die mir spontan am lebendigsten einfällt:

    D
    An Rutgers: Die Kinderkarawane
    Wohl allererste Lektüre, 6. Klasse. Nicht so ganz meins, war mir zu düster, außerdem hatte ich da in puncto Abenteuerliteratur schon ganz andere Sachen gelesen. Und ich war sehr entsetzt, als ich später auf einen Bericht über das Whitman-Massaker stieß, bei dem die beiden ältesten Sager-Brüder ermordet wurden. Das hat mir die Happy-End-Illusion zerstört.

    Wolfram von Eschenbach: Parzival
    Eine grauslige Ausgabe, überwiegend summarische Inhaltsparaphrasen mit einigen wenigen Stellen ausführlich in neuhochdeutscher Übersetzung. Nur eine einzige Stelle auf Mittelhochdeutsch: der Beginn des Prologs, ganz am Anfang. In den hab ich mich verliebt und ihn auswendig gelernt, weil ich den Klang und die Sprachbilder so großartig fand.

    Schillerei: Kabale und Liebe, Don Karlos
    Beides interessant, von den Figuren in “Kabale” war ich dennoch durchgehend genervt, die Limonade weckte seltsame Fanta-Assoziationen. An “Don Karlos” fand ich die Blankverse eine spannende Leseherausforderung, irritierend war, dass ich ständig den Eindruck hatte, nicht alles mitbekommen, vor allem Posas und Philipps Motivation nicht richtig verstanden zu haben. Genialste Figur: der Großinquisitor.

    Grass: Die Blechtrommel
    Eklig, aber erzählerisch interessant.

    E
    Oscar Wilde: The Canterville Ghost
    Vereinfachte Lesefassung als Lektüre am Ende des ersten Englischjahrs. Enttäuschend, weil ich die Geschichte in komplexer formulierter Vollversion schon in deutscher Übersetzung kannte. Trotzdem
    (und das war ein Muster bei mir) hab ich mir selbst ganze Passagen immer wieder laut vorgelesen.

    George Mikes: How to be an Alien
    Hat sich mir mangels realer Englanderfahrungen nicht ganz erschlossen.

    Colin Higgins: Harold and Maude
    Einige Szenen ganz nett, aber insgesamt nicht ganz meins.

    Jack Kerouac: On the Road
    Zu viel Testosteron und Rausch und Chaos, dessen Reiz ich nicht nachvollziehen konnte.

    William Shakespeare: A Midsummer Night’s Dream
    Die schönste Englischlektüre meiner Schulzeit. So viel an Sprache und Gedanken entdeckt, so viel heimlich laut gelesen – im Unterricht traute ich mich nie, mich fürs laute Lesen zu melden (und hätte doch so gerne …), weil ich – noch nie in UK gewesen – mich gegenüber den Veteranen, die die 11. im Ausland verbracht hatten, nicht traute …

    L
    Caesarius von Heisterbach, Dialogus miraculorum
    Sprachlich war der Sprung aus den Lateinbüchern in die erste Lektüre ein Kampf, inhaltlich cool: Lateinische Geschichten, die nicht im Imperium Romanum, sondern in unserem Mittelalter spielen, vertrauteren Erzählmustern folgend.

    Caesar, De bello Gallico
    Nicht meins. Zu viele Schlachten, zu viel Militärkram.

    Ovid, Metamorphosen
    Leider erschwert durch einen absolut unfähigen Lateinlehrer, aber dennoch die schönste Lateinlektüre: Hexameter lesen lernen. Irre Geschichten. Geniale Formulierungen.

    Vergil, Aeneis
    Ähnlich wie Ovid – ich liebte die Sprache und Form, aber blieb dabei im Kleinen stecken und konnte das, was dieses epische Erzählen eigentlich ausmacht, nicht nachvollziehen.

    Gr
    Homer, Odyssee
    Wiederum an unfähigem Griechischlehrer in der 11. gescheitert (dabei hatten wir in der 9. und 10. so wunderbare Lehrer …). Ein psychisch angeknackster Mann, der reihenweise Sprüche vom Stapel ließ, aber uns keinen richtigen Pfad in Homers Sprache und Erzählweise bahnte. Das, was ich ohne Unterstützung selbst verstehen konnte, hat mich dennoch fasziniert. Ich hätte Homer gerne besser lesen gelernt – in einem Buch daheim hatte ich über die Entzifferung der Linear‑B und die Inschriften in diesem extrem alten Griechisch gelesen …

  5. Nur kurz: Mittelstufe: Die schwarze Spinne, Wilhelm Tell, Keller: Kleider machen Leute, Romeo und Julia auf dem Dorfe
    Gedichte: Keller: die öffentlichen Verleumder (hochaktuell), Heym: Der Krieg
    Oberstufe: längere Auszüge aus dem Nibelungenlied, Walther von der Vogelweide als anspruchsvollstes ‘Owe war sind verswunden …’ Wallenstein und vor allem: Faust II, jede Zeile im Unterricht vorgelesen und besprochen. (Dazu wäre noch viel mehr zu sagen.) Meinerseits: Abitur-Jahrgang 1963)

  6. Hinzuzufügen: Natürlich Macbeth und allerlei englische Kurzgeschichten.
    INHALTSANGABEN habe ich damals geschrieben zu Hofmannsthal: Jedermann, Keller: Das Fähnlein der 7 Aufrechten, Britting: Das Waldhorn, Der Eisläufer, Der Sturz in die Wolfsschlucht, Hauptmann: Die Weber, Wallenstein, Faust I und II.
    Gelesen noch: Stifter: Der beschriebene Tännling, vermutlich auch Bergkristall und Brigitta. Und natürlich Lesebuchtexte: Jean Paul: Rede des toten Christus, Kleist: Marionettentheater, Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden; als Volltext: Michael Kohlhaas, Erdbeben von Chile, Anekdote aus dem letzten preußischen Kriege, Hebel: Das Erdbeben von Falun. Schiller: Das verschleierte Bild zu Sais. Bei anderem bin ich mir nicht so sicher, ob nur häusliche Lektüre oder Schullektüre. – Die erwähnten Gedicht wurden natürlich alle auswendig gelernt. Das verschleierte Bild zu Sais konnte ich zumindest bis in meine Lehrerzeit noch ziemlich sicher, jetzt nur noch mit großen Lücken. – Und woher stammt: “Ich bin nur durch die Welt gerannt …”? Denn natürlich wurden damals nicht nur Gedichte und Passagen aus Wilhelm Tell auswendig gelernt. “Die Glocke” freilich auch nur passagenweise.
    Bürgschaft und Kraniche des Ibikus sicher noch vollständig. Wohl auch Mörikes Feuerreiter. Habe ich den Prometheus aus Pflicht oder freiwillig gelernt? Den konnte ich noch jahrzehntelang. – Imponiert hat mir mein Sohn, der von der Odyssee die ersten 70 Verse auf Griechisch auswendig gelernt hat. Der war nicht so verweichlicht wie ich mit meinen kümmerlichen französischen und englischen Gedichten.

  7. D Mittelstufe: Kleider machen Leute (furchtbar, damals), Wilhelm Tell “wichtig, weil Schiller, weil Schwabe!”
    Mehr blieb nicht hängen.
    Oberstufe: 11: Ausschnitte aus dem Nibelungenlied, Hartmann von Aue, Armer Heinrich, einiges von Walther von der Vogelweide Ein faszinierender Deutschlehrer wusste mich zu begeistern!
    12/13 Das 7. Kreuz (Ausgabe Reclam Leipzig!) Brecht, Johanna Das Übliche von Goethe und Lessing und als Facharbeit Dr Faustus (hat mich an meine Grenzen geführt.) Nochmals das Glück eines begeisternden Deutschlehrers, (Dr Dietrich Steinbach), machte uns in einer Literatur AG mit der literarischen Moderne auch Englands und Frankreichs bekannt
    E: Macbeth (Kl12) Twelfth Night (13) Hemingway Der alte Mann… (war nicht so mein Ding), Reden Kennedys, alles andere vergessen, verdrängt, außer in L ein paar der Ovidschen Metamorphosen..
    Abi BW 1965

  8. Danke fürs Mitmachen! Ich kann noch ergänzen, was heute in Bayern am Gymnasium auf dem Programm steht. Allerdings gibt es keinen Kanon, aus dem man auswählen muss, auch in der Oberstufe gibt es, von Faust abgesehen und anders als in anderen Bundesländern, keine Werke, die man behandeln muss.

    5–8
    Jeweils 2 Werke, wenig Kanonisches dabei. Ein Gemisch aus Klassikern und aktueller Jugendliteratur. In 6 gerne mal antike Sagen, in 7 Nibelungenlied- oder Parzival-Nacherzählungen. Wer Pech hat, liest in 8 Das Fräulein von Scuderi.

    9
    Dürrenmatt, Der Besuch der alten Dame oder Die Physiker oder Der Richter und sein Henker
    Storm, Schimmelreiter oder Keller, Romeo und Julia auf dem Dorfe, oder etwas Modernes

    10
    Lessing, Nathan oder Emilia Galotti oder Schiller, Kabale und Liebe
    Ein moderneres Werk – dieses Jahr waren Saša Stanišić, Christian Kracht und Thomas Mann dabei
    manchmal etwas Werther

    11
    Goethe, Iphigenie oder Schiller, Maria Stuart
    Goethe, Faust
    Hoffmann, Der Sandmann oder Eichendorff, Das Marmorbild
    Büchner, Woyzeck
    Fontane, Irrungen Wirrungen oder Effi Briest

    12
    Hauptmann, Bahnwärter Thiel (manchmal)
    Kafka, Die Verwandlung
    Brecht, Der gute Mensch von Sezuan oder die Dreigroschenoper
    ein moderner Roman (Robert Seethaler, Robert Schneider, große Vielfalt)

    Wenig Frauen.

  9. Ich würde gerne noch ein bisschen Ost-Schullektüre in den Raum werfen. Zumindest die, die mir positiv in Erinnerung geblieben sind:

    Timur und sein Trupp
    Nackt unter Wölfen
    Die Abenteuer des Werner Holt

  10. Oh ja, Ostperspektive unbedingt. Im Westen ist ja überraschend viel homogen – wobei mir die Welt der altsprachlichen Schullektüren völlig neu war. Von der Odyssee kannte ich wenigstens mal die ersten zwei Verse auf altgriechisch, aber da ist auch nur noch ein halber da, fürchte ich.

  11. Interessantes Thema.
    Mir fallen noch einige ein. Bin mir aber bei ein paar davon nicht 100% sicher ob ich die einfach so gelesen habe oder ob es Pflichtlektüren waren, geschweige denn in welcher Klasse.

    Ich erinnere mich im Moment an:

    Unterstufe:
    Mit Jeans in die Steinzeit (Kuhn)
    Die Abenteuer des Tom Sawyer (Twain)

    Mittelstufe:
    Die Welle (Rhue)
    Rolltreppe abwärts (Noack)
    Der Richter und sein Henker (Dürrenmatt)
    Die Physiker (Dürrenmatt)
    Die neuen Leiden des jungen W. (Plenzdorf)
    Andorra (Frisch)

    Oberstufe:
    Der Hauptmann von Köpenick (Zuckmayer)
    Der Steppenwolf (Hesse)
    Maria Stuart (Schiller)
    Faust (Goethe) fand ich gut. Freiwillig Teil 2 gelesen.
    Effie Briest (Fontane)
    Gestern war Heute (Drewitz) ödestes Buch das ich je gelesen habe.
    Emilia Galotti (Lessing)
    …und ich bin recht sicher dass wir 1–2 mal im Theater waren ohne (im Deutsch GK zumindest) Vorbereitung: “Der Gute Mensch von Sezuan” (Brecht) und “Nathan der Weise” (Lessing).

    Englisch LK:
    Brave New World (Huxley)
    (seltsam, ich hätte gewettet dass ich mich an mehr als eine Lektüre in Englisch erinnere, ich mochte das Fach sehr. Evtl. haben wir mehr Kurzgeschichten gelesen oder so.)

    Gruß
    Aginor

  12. Oh, ich hab doch einiges vergessen:
    “Of Mice and Men”, “Hauptmann von Köpenick”, “Felix Krull”, “Effi Briest”, es gab bestimmt noch mehr! (Ausserdem war ich die ganze Zeit in der Theatergruppe und wir haben gefühlt NUR Shakespeare in ungekürzt gespielt :-))

  13. Das beantworte ich gerne!

    Schulzeit in Bayern endete im Jahr 2000 mit dem Abi.
    Ich erinnere mich an:

    „Rolltreppe abwärts“: Nur Probleme. 6. Klasse

    „Die Judenbuche“: 8. Klasse. Ich hab wenig verstanden. Genauso wie bei „Wilhelm Tell“, gefühlt war das etwas besser.

    Dann kam „Biedermann und die Brandstifter“ in der 9.: Das würde ich als die Schullektüre ganz oben auf der Negativliste sehen, konnte gar nichts damit anfangen.

    An die 10.&11. habe ich interessanterweise kaum Erinnerung.

    „Faust I“ ist mir in guter Erinnerung geblieben, „Irrungen, Wirrungen“ auch. „Woyzeck“ und „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“ in weniger guter.

    In Englisch hatte der Lehrer im LK, den ich sehr mochte, ein Faible für Sachen wie „Fahrenheit 451“, „From Mice and Men“ – hat mir beides nicht sonderlich gefallen. Auch „Macbeth“ ist mir nicht eindrucksvoll in Erinnerung geblieben.

    Ich entsinne mich auch, dass wir nicht nur einmal eine Lektüre kaufen mussten und dann kaum (mehr) dazu gekommen sind, sie zu besprechen. Wenn absehbar war, dass wir die Lektüren besprechen, habe ich sie aber tatsächlich auch komplett gelesen – war eine der wenigen.

  14. Ich belasse es mal bei einer kurzen Liste der Deutsch SekII Literatur, die wir gelesen und die ich geliebt habe (bester Deutschlehrer ever, den ich niemals vergesse):

    - Hauptmann: Bahnwärter Thiel

    - Storm: Hans und Heinz Kirch

    - Droste-Hülshoff: Die Judenbuche

    - Frisch: Biedermann und die Brandstifter

    - Kleist: Der zerbrochne Krug

    - Goethe: Die Leiden des jungen Werther

    - Plenzdorf: Die neuen Leiden des jungen W. (in Folge dessen privat freiwillig “Der Fänger im Roggen” gelesen und ebenfalls geliebt)

    - Lessing: Nathan der Weise

    (all diese Exemplare aus der damaligen Zeit stehen übrigens hier noch im Regal; einige habe ich später nochmal gelesen.)

    Eher neutral war ich ggü.:
    – Brecht: Der gute Mensch von Sezuan
    – Mann: Professor Unrat
    – Mann: Der Untertan

    Das einzige Werk, an das ich mich erinnern kann, das ich gehasst habe wie die Pest, war “Sansibar oder der letzte Grund”…

    Im Rückblick frage ich mich übrigens, wie wir es geschafft haben, so dermaßen viel zu lesen in den drei Jahren Oberstufe… (Jetzt ist ja schon eine Ganzschrift pro Halbjahr eine Herausforderung…)

    Aus dem Englischunterricht erinnere ich mich seltsamerweise an gar nichts, wirklich gar nichts. Sehr seltsam…

    Danke für diesen kleinen Nostalgietrip. :-)

  15. Sehr schöne Idee!
    Mein Abiturjahrgang ist 1976 – und ich redete mich darauf hinaus, dass das ja schon so lange her ist und ich deswegen nicht mehr soviele Titel nennen kann … bis ich die Kommentare von Fontanefan las … und erbleichte.
    Na gut. Zum Start zitiere ich mal meinen Tweet von vorhin und mache dann weiter:
    Ich erinnere mich genau an die Langeweile, mit der ich “Romeo und Julia auf dem Dorfe” gelesen habe – in der 8. Klasse (im Studium dann begeistert davon). Vermutlich 10. Kl.: “Nathan der Weise”, 11. Kl.: “Ansichten eines Clowns”, 12./13.: “Faust I” – alles cool bei Erich Pawlu (in Dillingen/Do.) :)

    (Zu Faust I durften wir dann – großes Ereignis – ins Dillinger Kino pilgern und uns die Gründgens-Verfilmung ansehen. Wir haben nur ein weiteres Mal in unserer Schulzeit einen Film gesehen – von der SMV organisiert, in der Turnhalle: “Zwölf Uhr mittags” – weil: preisgekrönt!).

    Englisch: 10. Klasse: eine gekürzte Schülerausgabe von “Lord of the Flies”, 12. oder 13. Klasse “Macbeth”, aber – ich glaube – nur in Auszügen. Der Englischlehrer damals war ein großer Freund von Artikeln aus TIME Magazine … und Nacherzählungen.

    Ich grüble schon eine ganze Weile, aber mir fällt nicht ein, ob (und was) wir Literarisches in der 11. Klasse gemacht haben, Thomas. Ich weiß, dass ich euch mit einer Reihe humorvoller Texte beglückt habe, die dann mehr oder weniger in meiner 2. Zulassungsarbeit mündeten (die sich dann wiederum mehr oder weniger als “British Humour” bei Langenscheidt entpuppte). Aber sonst? Nichts? Kann sein.

    Schöne Grüße!

  16. Viele Nachträge, die mich zumindest in schulischem Kontext weniger beeindruckten, teils aber privat umso mehr: Dürrenmatt (Besuch der alten Dame, Die Physiker); Frisch (Homo faber); Goethe (klar Iphigenie und die beiden Fäuste); Lessing (Nathan, privat geliebt, in der Schule doof); Andersch (Sansibar – der unselige Klosterschüler, Himmel …); Horvath (Jugend ohne Gott); Hebbel (Maria Magdalena); Eichendorff (Taugenichts – ich fände ja was von Brentano sinnvoller …); Hoffmann (Fräulein von Scuderi – die Geschichte hab ich erst viel später im Kontext der “Serapionsbrüder” verstanden); Hauptmann (Bahnwärter Thiel, viel zu einseitig auf Schmalspur-Naturalismus statt auf die poetischen Qualitäten des Textes fokussiert); an Balladen auswendig zu lernen waren Fontane (Brück am Tay) und Schiller (Bürgschaft). Sonderfall vielleicht noch Referatslektüren, selbstgewählt (in Deutsch über die Dürrenmatt-Krimis) oder per glücklicher Wahl aus vorgegebener Liste (Wuthering Heights und Leaves of Grass, liebe ich beides immer noch, bei Whitman dadurch erneuert und aufgefrischt, dass ich vor ca. 10 Jahren mal die Sea Symphony von Vaughan Williams singen durfte, die auf Whitman-Gedichte zurückgreift; mein Brontë-Referat im LK hab ich in schierer Lese-Ekstase komplett frei gehalten, ich war dermaßen hingerissen von dem Roman).

  17. Die einzige Lektüre in deutscher Sprache, an die ich mich noch erinnere (Mitte der 60er): »Das Schiff Esperanza« von Fred von Hoerschelmann. Es ist eigentlich ein Hörspiel, das meine Freunde und ich dann auch vertont haben.

    Ansonsten viele Ausschnitte In 9 Jahren Latein und 6 Jahren Griechisch. Erinnerlich ist mir nur noch der der unvermeidliche Gallische Krieg.

  18. Ich bin immer noch erstaunt über die schier ungebrochene Vorherrschaft der männlichen Autoren. Eieiei.

  19. Puh, da hast du ja was angerichtet ;-) Mit den meisten Deutschtiteln aus meiner Schulzeit verbinde ich eher ein Gefühl denn Handlung. Viel ist von ihnen leider nicht mehr hängen geblieben. Das verstört mich schon etwas. Die Auflistung klingt wie das unvorbereitete Referat eines unmotivierten Mittelstüflers. I’m sorry in advance:

    Klasse 5:
    Rokal, der Steinzeitjäher: keine einzige Erinnerung mehr außer an das weiße Cover mit dem Protagonisten in einem Fell

    Das Wirtshaus im Spessart: für mich damals eine große Enttäuschung, weil ich als Kind vom Film “das Spukschloss im Spessart” sehr beeindruckt war und sehen musste, dass das überhaupt nichts mit dem Film zu tun hatte – für eine fünfte Klasse kommt mir dieser Titel heute sehr ambitioniert vor

    Klasse 6
    Der Hund von Baskerville: Der erste Film, zu dem wir hinterher eine Verfilmung gesehen haben – die erstmal mit einer Vergewaltigung los ging :-O
    Die Outsider: Gar keine Erinnerung mehr.

    Klasse 7
    Damals war es Friedrich: Fand ich insgesamt sehr bewegend und himmelschreiend ungerecht

    Klasse 8
    Das Fräulein von Scuderi: Hat mich damals sehr überrascht, da ungemein blutig und schaurig für eine Schullektüre
    Dann irgendein Titel über Hexen, den ich vergessen habe

    Klasse 9
    Frag mal Alice: Verstörender, vermeintlich authentischer Tagebuchbericht über ein Mädchen, das in den Drogensumpf abrutscht und am Ende stirbt. Fand ich schlimm damals.

    Der zerbrochene Krug: Das war das mit Richter Adam, richtig?

    Klasse 10
    Nathan der Weise: Er kömmt, der Musilmann. Das und die Ringparabel. Mehr weiß ich nicht mehr. Und Saladin kommt vor.

    Klasse 11
    Die Leiden des jungen Werther: Puh… Harte Kost zum Lesen. Das Ende hat mich eigentlich nur genervt.
    Die neuen Leiden des jungen W: Das war zu viel 70s Flair für mich. Diese ständigen Blue-Jeans-Arien mit dem Kassettenrekorder – es wollte nicht aufhören.

    Klasse 12
    Iphigenie auf Tauris: Ganz schlimm. Wer nicht das nötige Hintergrundwissen hatte, verstand überhaupt nicht, was das Problem war. Kein guter Einstieg in Goethe

    Faust: Geil! Der einzige Schultitel, den ich mehrmals auch aus freien Stücken gelesen haben

    Woyzeck: Hat mir echt gut gefallen. Und durchaus noch zeitrelevant.

    Das Leben eines Taugenichts: Hach… gar nichts.

    Klasse 13
    Ein fliehendes Pferd: Fand ich wirklich gut geschrieben. Toller Aufbau, wie sich die Katastrophe hochschaukelt

    Horns Ende: traurig, mehr weiß ich beim besten Willen nicht mehr

  20. >Ich entsinne mich auch, dass wir nicht nur einmal eine Lektüre kaufen mussten und dann kaum (mehr) dazu gekommen sind, sie zu besprechen.

    Das passiert, weil die Lektüre häufig ans Schuljahresende geschoben wird, aus Gründen, die wohl eher nichts mit Pädagogik zu tun haben. Das ist mir vermutlich am Anfang meiner Lehrerzeit auch mal passiert.

    >Aus dem Englischunterricht erinnere ich mich seltsamerweise an gar nichts, wirklich gar nichts. Sehr seltsam…
    Bei mir kamen die Erinnerungen an Mittelstufe und Englisch erst nach und nach, mehr Rekonstruktion als echte Erinnerung.

    >Ich grüble schon eine ganze Weile, aber mir fällt nicht ein, ob (und was) wir Literarisches in der 11. Klasse gemacht haben
    Ja, Peter, The 39 Steps, hatte ich aber auch vergessen, nachträglich oben ergänzt. Nichts hängen geblieben, anders als bei den kurzen Texten. Und natürlich Chaucer, den ich bei dir kennen und schätzen gelernt habe. Warum auch immer, hätte ich nicht vorhersehen können.

    >Ich bin immer noch erstaunt über die schier ungebrochene Vorherrschaft der männlichen Autoren
    Ja. Gelegentlich Irmgard Keun, und dann halt Lyrik und Kurzprosa. Und Unterstufe: Nöstlinger, Lechner, Boie. In Englisch etwas mehr, frühes 19. Jahrhundert, aber dann doch eher im W‑Seminar.

  21. Abi 2010 in Niedersachsen – aber als gesamte Klasse die 8. übersprungen (hieß wunderschön “Turboklasse”).

    in ungefährer chronologischer Reihenfolge in Deutsch ab der 5. Klasse bis LK, ohne hoffentlich zu viel zu vergessen

    - Ben liebt Anna

    - Die Reise zur Wunderinsel

    - Damals war es Friedrich

    - Rückwärts ist kein Weg

    - Die roten Matrosen (fand ich damals schon toll!)

    - Der Richter und sein Henker (im Unterricht gar nicht verstanden, später gut gefunden)

    - Der gute Mensch von Sezuan

    - Antigone

    - homo faber

    - Die Ratten

    - Hauptmann von Köpenick

    - Die Leiden des jungen Werther

    - Geschichten aus dem Wiener Wald (großartig!)

    plus diverse Gedichte, Parabeln und Fabeln

    in Englisch ab der 11. und dann im LK

    - dead poets society (super!)

    - A star called Henry (wahnsinnig langweilig)

    - brave new world

    - to kill a mockingbird

    in Französich in der 9. oder 10.

    - un semaine a cap maudit (keinerlei Erinnerung, nur dass wir alle Illustrationen bekritzelt haben und das franz. Wort für Schamhaar)

  22. @Fontanefan:
    Danke für den Link!
    Ja, ich sehe schon dass die alle ihren Wert haben, auch der Roman von Frau Drewitz.

    Ich glaube was für mich damals das Buch so öde gemacht hat, war
    – mangelndes Vermögen, mich in die Protagonistinnen hineinzuversetzen. Altersbedingt, auch geschlechtbedingt evtl., ich weiss es nicht.
    – der Schreibstil. Die (in meiner Erinnerung) endlosen Monologe, und das repetitive. Natürlich war das gewollt, die Sprache spiegelt hier das Empfinden der Protagonistinnen wieder. War trotzdem öde zu lesen.
    – und gleich in einem der ersten Kapitel natürlich schon wieder Nazis. Die Hälfte meiner Schulzeit gab es nur Nazis hier und Nazis da. Abstumpfung gegenüber allem was mit Nazis zu tun hat.

    Effie Briest war ein Spaziergang dagegen. Da kommt wenigstens ein wenig Action auf, und die Protagonistin tut etwas. Es gibt eine Charakterentwicklung.
    Das ganze endet übel, und die Unausweichlichkeit dieses Endes (in der Zeit der Handlung ist kaum etwas anderes vorstellbar) hat etwas nihilistisches, das in mir eine gewisse Resonanz erzeugt hat. Auch die indoktrinierte Tochter ist absolut nachvollziehbar und sehr tragisch, man kann es mitfühlen. Überhaupt sind meines Erachtens die Personen gelungen, und mir weitaus besser im Gedächtnis geblieben als die aus vielen anderen Büchern. Genauso die Handlung, ich könnte die Grundzüge 20 Jahre später immer noch wiedergeben.
    Das Buch hat einen erkennbaren Spannungsbogen und ich hatte keine Probleme, mich in die Protagonistin hineinzufühlen.

    ‘Gestern war Heute’ hingegen wirkte auf mich… grau, eintönig, und irgendwie formlos. Ich erinnere mich an sehr wenig, bis auf den Schulunfall der Tochter der mich berührt hat.
    Der Rest war einfach sehr weit weg (gefühlt war es irgendwie so dass jedes mal wenn etwas passiert danach sofort zur Tagesordnung übergegangen wird), und die Tatsache dass wir das Buch in den Sommerferien lesen mussten, ohne den Lehrer der einen ein wenig führt und das gelesene kapitelweise einordnet, hat den 17jährigen (soweit ich mich entsinne) Leser abgehängt. Die Aussage schien zu sein dass es Frauen immer schlecht ging und immer schlecht gehen wird, und dass sich nichts wirklich ändert, das Gefühl drängte sich auf dass das erste und letzte Kapitel gereicht hätten, das Buch wäre weitaus länger als nötig.
    Und das sage ich als jemand der schon damals gerne und viel gelesen hat. In den gleichen Sommerferien habe ich gut ein halbes Dutzend andere Bücher gelesen. Aber dieses war eine Qual.

    Ich würde der Einschätzung zustimmen dass ‘Gestern war Heute’ als Schullektüre nicht besonders geeignet ist. Würde ich es heute lesen, und vorurteilsfrei, ich würde vermutlich zu einer anderen Bewertung kommen. Aber ich bin jetzt auch näher am Alter meiner damaligen Lehrer als an meinem damaligen, das hat evtl. damit zu tun.
    Fun fact: habe eben die Zusammenfassung von Klaus Dautel gelesen, und die fand ich weit interessanter als ich das Buch in Erinnerung habe. Hätte ich damals schon machen sollen, aber ich fand es als Schüler unehrenhaft, Interpretationen oder dergleichen nachzulesen.

    Gruß
    Aginor

  23. Also, hier die Lektüren, an die ich mich (Abitur BW 1992) noch erinnern kann.
    Interessanterweise habe ich zumeist auch sofort die dazu gehörige Lehrkraft im Kopf.
    – Die Judenbuche. Die Arbeit war dann eine Inhaltsangabe schreiben.
    – Animal Farm
    – Le petit prince
    – Der Richter und sein Henker oder doch der Besuch der alten Dame / hat auf jeden Fall dazu geführt, dass ich mehr Dürrenmatt gelesen habe
    – Homo Faber
    – Rolltreppe Abwärts (was bin ich froh, dass Kind 1 Tschick lesen durfte)
    – Maria Stuart
    – Faust I
    – Hiob (Deutsch LK)
    – Die Räuber, Michael Kohlhaas, Erdbeben von Santa Domingo (theoretisch, nicht gelesen)
    – Nathan der Weise. Erinnere mich noch daran, wie ich Gelerntes (Aufbau des Dramas) anwenden wollte, und die Ringparabel als Höhepunkt im 3. Akt nicht als solchen erkannt habe.
    – Evtl. Die Insel der blauen Delphine, dazu habe ich auch die beiden Folgebände gelesen.
    – Le petit Nicolas (La vie est comme ça), 11. Klasse in Französisch
    – Als Hitler das rosa Kaninchen stahl. Hat dazu geführt, dass ich nicht nur die Folgebücher gelesen habe, sondern auch andere Literatur aus dieser Zeit, z. B. Der Junge aus London

  24. Hätte ich zuerst die Kommentare lesen sollen?
    Diese habe mich nun noch an folgende Werke erinnert:
    – Dantons Tod
    – Die schwarze Spinne (vermischt sich in meinem Kopf mit der Judenbuche…. Komisch)
    – Werther
    – Tell
    – Andorra (null Erinnerung)
    – ggf. Sansibar oder der letzte Grund

    Habe – da von zuhause null Input kommen konnte – die Schullektüre auch als Anstoss für weiteres Lesen genommen. Nur fehlte dabei z. T. (siehe oben) dann auch eine Einordnungs-/Diskussionsmöglichkeit.

  25. Ich finde sehr interessant, wie sehr sich die Titel gleichen, in verschiedenen Bundesländern, aus verschiedenen, teilweise sehr auseinanderliegenden, Jahren. Ich, NRW Abi 1993, habe ganz ähnliche Schullektüren lesen müssen, wie hier schon aufgezählt. Mir haben Schullektüren (Oberstufe) aus ganz unterschiedlichen Gründen gefallen. In Französisch haben mir die Komödien von Molière (Der eingebildete Kranke, Der Bürger als Edelmann) einfach nur Spaß gemacht und wir haben uns alle auch nur an den komischen Situationen erfreut. Ich hatte den Eindruck, der Lehrer wollte uns auch lediglich damit erfreuen. Fand ich aber großartig. Die Werke zum Existentialismus fand ich sehr spannend (Sartre, Camus) und die haben mich auch sehr zum Nachdenken gebracht. Shakespeares Hamlet fand ich einfach schon deswegen toll, weil ich merkte, es schon ganz gut verstehen zu können. Max Frischs Homo Faber hat mich dazu bewogen, privat ganz viel von Frisch zu lesen. In der Mittelstufe fand ich keinen rechten Zugang zu den Lektüren (Rolltreppe abwärts, der Richter und sein Henker, der Hauptmann von Köpenick und, ganz schlimm, die Wolke von Pausewang im Religionsunterricht).

  26. Zu sehr viel bereits Genanntem ergänze ich (Abitur 1994 in Sachsen und damit Lektüre im “alten” wie im für uns “neuen” Schulsystem erlebt):
    “Wie der Stahl gehärtet wurde” – das las die DDR über Jahrzehnte hinweg in Klasse 8 und damit m.E. viel zu früh
    “Käuzchenkuhle”
    Und aus irgendwelchen Gründen lasen wir in Klasse 11 Hochhuths “Stellvertreter”

    Danke für die Anregung, mir fielen viele Bücher wieder ein – die meisten bereits vor mir genannt.

  27. >Ich finde sehr interessant, wie sehr sich die Titel gleichen,
    Ich auch. Kanonbildung wird ja gerne mal kritisiert. Allerdings ist eine gemeinsame Basis halt schön und schafft Verstehen, und es sind ja auch immer wieder weniger verbreitete Texte dabei.

  28. Neben den üblichen, hier schon mehrmals erwähnten Verdächtigen, sind mir diese Lektüren aus meiner Schulzeit (63 bis 75, Nordost-Hessen) im Gedächtnis geblieben:
    Mit Brechts “Der verwundete Sokrates” haben wir uns mehrere Wochen lang befasst. Mit “Jeder Satz ist ein Witz!” hat unser damaliger Deutschlehrer die Lektüre eröffnet und hat dann mit uns gemeinsam tatsächlich die Geschichte Satz für Satz auseinandergenommen. Ich war allerdings der einzige, dem das gefallen hat, meine ehemaligen Mitschüler schüttelt’s noch heute, wenn ich sie daran erinnere.
    In Englisch mussten wir uns in der 13. Klasse einen “Wahldichter” aussuchen und ein Referat über einen von dessen Romanen schreiben. Bei mir war das Mark Twain, “A Connecticut Yankee at King Arthur’s Court”. Mein Englisch-Lehrer war wegen meiner Wahl vollkommen entsetzt, “viel zu seicht”. Ich hatte Freude und konnte das mit der angeblichen Seichtheit einigermaßen widerlegen.
    Hemingway: “A Clean Well-lighted Place” ging völlig an mir vorbei, ich empfand das als langweilig und banal. Erst Jahre später hab ich das mit dem “Weglassen” wirklich begriffen.

  29. Connecticut Yankee zu seicht? Der hat das sicher nie gelesen. Das Herumreisen in der Mitte kann man etwas kürzen, von mir aus. Aber das Ende! Und ist wohl lang so gelesen worden, dass das Mittelalter so finster war, dass selbst moderne Ingenieruskunst nicht helfen kann – wobei die offensichtlichere und interessantere Lesart die der Kritik an eben jenem Ingenieursdenken ist.

  30. Das war 1974, der Englisch-Lehrer war um die 60. Für die Generation war alles, was irgendwie nach “fantastischer Literatur” roch, automatisch Schund. Und Mark Twain galt sowieso als Leichtgewicht, der steckte in der “Jugendbücher, Humorist”-Schublade.

  31. Ich kann mich an wenig Lektüre erinnern, aber sehr gerne an eine Projektwoche Galilei für den GK Physik und den LK Deutsch, in der es jeden Tag 2 Stunden Deutsch, zwei Stunden Geschichte und zwei Stunden Physik gab. In Deutsch haben wir Brechts Leben des Galilei gelesen, in Geschichte die entsprechenden Hintergründe durchgenommen und in Physik die physikalischen Experimente und Berechnungen nachvollzogen. Das fand ich super. (Die SuS des Deutsch-LKs nicht ganz so, meine ich mich zu erinnern, es gab keine Überschneidungen bei den beiden Kursen).

  32. Meine Schwester (Abi 94 in NRW) hat übrigens im Deutsch LK Trapez von Marion Zimmer Bradley gelesen, worauf ich sehr neidisch war, denn es war eins meiner damaligen Lieblingsbücher (und ich finde es auch heute noch sehr gut). Im Nachhinein bin ich froh, denn geschätzte und geliebte Bücher im Unterricht durchzuarbeiten, hat sie meist für mich verdorben (oder umgekehrt).

  33. Das mit der Projektwoche klingt toll. Ich hatte mal Lektürehefte (Jules Verne), die auf Physik-Deutsch ausgerichtet waren, habe das aber nie erlebt.
    Marion Zimmer Bradley: Ungewöhnlich… Trapez kenne ich nur vom Titelbild her, aber Die Nebel von Avalon hätte ich vielleicht tatsächlich verdorben. :-)

  34. Sagen wir mal, Trapez sticht inhaltlich sehr heraus aus dem übrigen Œvre von Frau Zimmer Bradley

  35. Habe 2013 in BW Abitur gemacht, kann aber an viele der kanonischen Lektüren, die hier aus Schulzeiten deutlich früher aufgeführt sind, immernoch einen Haken machen. [Inklusive “Das Schiff Esperanza” und “Sansibar oder der letzte Grund”, die ich den Lehrpersonen wirklich übel genommen habe für ihre Auswahl.] In der Oberstufe kamen bei mir noch Der Untertan (mochte ich gern) und Der Tod in Venedig (problematisch) dazu.

    Im Prinzip lässt sich ein Großteil der Lektüre unter „Bücher die im Klassensatz bereits vorhanden sind“ zusammenfassen. In den Büchern waren oft schon mehr als 10 Vorbenutzer:innen eingetragen.

    Ich war seit der Grundschule so frustriert, wie wenig im Unterricht (meistens) aus Literatur gemacht wurde und war in der Deutschdidaktik im Studium immerwieder fassunglos ob der tollen didkatischen Überlegungen und Methoden und meinen Literaturunterrichtserfahrungen.

    Mir sind immerhin zwei Autorinnen eingefallen: In der Grundschule haben wir Fliegender Stern von Ursula Wölfel gelesen (sehr schlechte Buchbindung, ist komplett auseinander gefallen…) in der Unterstufe dann Gudrun Pausewangds Die Wolke. Damals fand ich es ganz schrecklich verstaubt, obwohl ich das Thema interessant fand (und das Buch mich sicherlich geprägt hat), mussten in der 6. Klasse der Ortsname Schlitz und der Name Janna-Berta für Gekicher herhalten. In der späteren Verfilmung fand ich den Inhalt dann gelungen modernisiert. Im Examen zu politischer KJL habe ich es als ein Beispiel genommen.

    Meine Hasslektüre bleibt wohl lebenslang: Michael Kohlhaas. (Abiturlektüre, wegen wiederholen deutlich zu viel in meinem Leben damit beschäftigt; es war nicht erwünscht zu argumentieren, dass Michael Kohlhaas berechtigt eskaliert und die äußeren Verhältnisse ihm keine andere Wahl lassen – ‚Schuld‘ ist seitdem einer der Begriffe, die ich sehr problematisch finde – ohne Schulunterricht hätte ich es vermutlich einfach ganz gerne gelesen und vielleicht auch vergessen).

    In Englisch mussten wir im Abitur alle den Story-Band One Language Many Voices bearbeiten. Zum Glück hatte ich Stories/Kurzgeschichten bereits davor für mich entdeckt.

    Unterm Strich waren grausige Schullektüren und große Bücherliebe dann unter anderem entscheidend für die Fächerwahl im Studium – auch ok.

    Schöne Ferien weiterhin!

  36. Late to the party, but…

    Bei mir stehen immer noch ein paar der damaligen Pflichtlektüren im Schrank. Ich erkenne sie an meinen Randnotizen, manchmal steht noch die Klasse drin, beispielsweise “10f5”. Im Regal auch andere Reclams, die habe ich allerdings erst Anfang der 90er gelesen, als U‑Bahnlektüre, frisch in Berlin. Ich hatte das Gefühl, mir fehlt noch was bei den Klassikern, z. B. weitere Shakespeares, Dostojewski usw.

    Abitur 1985, Niedersachsen. Nur eine Frau als Autorin, eine schlechte Quote. Zu den meisten Büchern erinnere ich wenig.

    Deutschunterricht:
    Storm, Der Schimmelreiter
    Hauptmann, Bahnwärter Thiel
    Droste-Hülfshoff, Die Judenbuche
    Goethe, Faust u. Werther
    Wedekind, Frühlings Erwachen
    Schiller, Maria Stuart
    Hesse, Der Steppenwolf
    Nestroy, Zu ebener Erde und erster Stock
    Handke, Die Angst des Tormanns beim Elfmeter

    Theater-AG:
    Brecht, Die Dreigroschenoper

    Französisch:
    Vercors, Le silence de la mer
    Ionesco, Le rhinocéros

    Werte und Normen
    (Ersatzfach, wenn man nicht ev. od. kath. Religion wählen wollte, es gab auch noch Philosophie zur Auswahl):
    Boethius: Trost der Philosophie
    Fromm, Die Kunst des Liebens (auf Anregung einer Schülerin, wir mochten Boethius nicht so)
    Steiner, Die Philosophie der Freiheit (ja, ich wundere mich auch, kann mich nicht erinnern, das ich dieses Buch besitze…).

    Grüße!

  37. > „Bücher die im Klassensatz bereits vorhanden sind“

    Bücher im Klassensatz kenne ich gar nicht. Immerhin habe ich am Anfang meines Lehrerseins noch Reclam-Klassensätze von ein oder zwei Dramen (Maria Stuart?) in einem Regal in der Schule entdeckt, aber nie davon gehört, dass sie verwendet wurden.

    >Ich erkenne sie an meinen Randnotizen, manchmal steht noch die Klasse drin, beispielsweise “10f5”

    Randnotizen, so schön! Ich habe nicht viele gemacht, freue mich aber, wenn ich welche finde.

  38. Der stärkste Eindruck von all den Jahren Schullektüren war “Antigone” – wir haben die Fassungen von Sophokles, B. Brecht und Jean Anouilh verglichen. Das hat einen so nachhaltigen Eindruck hinterlassen, daß ich die erst Jahre nach meinem Abitur erschienene Fassung von Grete Weil “meine Schwester Antigone” gelesen habe. Außerdem im Religionsunterricht der Oberstufe “Tiefenpsychologie und neue Ethik” von Erich Neumann gelesen.

  39. Very late (wollte hier schon lange auch was schreiben, aber in den Ferien hat man als Lehrerin immer so viel zu tun…):

    Im Nachhinein betrachtet, ist es eigentlich ein Wunder, dass mein Lesehunger (meine Mutter ist schier verzweifelt, weil ich nicht nur Viel- sondern auch Schnellleser war und so immer öfter auf Büchereibesuche drängte) durch die Schule nicht gestoppt wurde. An wirklich, wirklich gute Schullektüren kann ich mich nämlich kaum erinnern. Dafür, wie schon etliche vor mir, an

    - Rolltreppe abwärts (im Nachhinein betrachtet eines der grässlichsten Bücher überhaupt, daran konnte auch die durchaus engagierte Referendarin nichts ändern – diese Art “Problemliteratur” verbinde ich mit den frühen 80er Jahren, ähnlich auch “Die Wolke”, das ich irgendwann selbst noch einmal mit einer Klasse gelesen habe und fast depressiv darüber geworden bin. Und nein, ich denke nicht, dass Literatur dazu da ist, der Realität zu entfliehen – aber Spaß machen darf sie schon ein wenig, vor allem dann, wenn man Kinder zum Lesen verführen möchte).

    - “Wilhelm Tell” ( nichts gegen Schiller, in der Oberstufe war ich großer Fan – aber in der 8. Klasse? Geht gar nicht!)

    - “Das Amulett” (dass ich eigentlich nicht mal ansatzweise mehr weiß, worum es da geht, sagt eigentlich alles, oder?)

    - “Homo Faber” (nein, dadurch wurde ich nicht zum Frisch-Fan. Im Studium lernte ich “Stiller” und “Gantenbein” schätzen)

    - “Der Jasager und der Neinsager” (sorgte für Brecht-Trauma – Überwindung hat lange gedauert und verlief zunächst über die Lyrik)

    Das wars in der Mittelstufe auch schon – mehr ist entweder nicht hängengeblieben oder nicht gelesen worden. Keine Ahnung…

    Besser wurde es im Leistungskurs Deutsch. Irgendwer hatte behauptet, man würde da “Faust” lesen – übereifrig habe ich das Drama bereit in den Sommerferien vor der Oberstufe gelesen – es kam dann gar nicht dran.

    Stattdessen:
    – “Iphigenie” (war mir als Figur zu blutleer und tugendhaft, entsprach also nicht wirklich meinem Geschmack)

    - “Der goldene Topf” (sehr, sehr schön – ich habe bis heute einen Hang zu Romantik und Fantasy – und ich erinnere mich lebhaft an Anselmus, das Apfelweib und die goldenen Schlänglein. Ein Versuch, das mit meinen Schüler*innen zu lesen, war leider wenig erfolgreich)

    - “Penthesilea” (der Gegenentwurf zur “Iphigenie”, zunächst nur widerwillig zur Hand genommen, dann in einer Nacht verschlungen! Wie geil war das denn? Ab da Kleistfan!)

    - “Wallenstein-Trilogie” (machte den “Tell” mehr als wett und sorgte für tiefgreifende Schiller-Begeisterung. Immer noch!)

    - “Tod in Venedig” (ging gar nicht, hat mir aber Thomas Mann trotzdem nicht vermiesen können)

    - “Effi Briest” (fand ich ok, hatte damals schon einen Hang zu Fontane und auch Storm)

    - “Warten auf Godot” (ja, als Übersetzung, und nein, als Schülerin konnte ich damit nichts anfangen. Heute halte ich es für eines der genialsten Werke der Literaturgeschichte. Man wird ja doch erwachsen.)

    - “Die Verwandlung” (Kommentar siehe bei Godot)

    So, ich glaube, das wars. Mehr fällt mir nicht ein. An Lektüren im Fremdsprachenunterricht kann ich mich gar nicht erinnern. Außer die Latein-Klassiker (Ovid, Caesar…).

    Zusatzinfo: Abitur Baden-Württemberg 1988

    Ebenso kann ich mich nicht an Werke von Autorinnen erinnern – die kommen aber auch in meinem eigenen Unterricht immer zu kurz. Daran muss ich mal arbeiten (Vorsatz fürs nächste Schuljahr!)

    Und: Randbemerkungen sind sehr wichtig! Ich besitze ein Exemplar von “Faust”, das eigentlich nur noch aus losen Seiten besteht – ich kann es aber wegen der Randbemerkungen keinesfalls ersetzen – das ist quasi mein Unterrichtsskript (es ist aus dem Jahr 1999 – so alt wie meine Lehrerkarriere in Bayern…)

  40. Nette Idee: Nachdenken über gelebte Schullektüre.

    Aus der Grundschulzeit ist mir nur die Geschichte von Johanna Sebus in Erinnerung, einer junge Frau am Niederrhein, die bei einer Flutkatastrophe ihre Mutter rettete und dabei selbst ums Leben kam.

    Dann erinnere ich aus der Realschule (1959–65) als erstes die Geschichte von einem jungen Steinzeitmann. Der war durch einen Unfall gehbehindert und musste deshalb bei den Müttern + Kindern im Erdhaus bleiben – statt mit auf die Jagd gehen zu können. Da entwickelte, erfand er die Technik zum Durchbohren eines Steinkeils für eine Steinzeit-Axt.

    Später, aus der Mittelstufe erinnere ich mich an die zuvor erwähnte Judenbuche, Effie Briest aber auch an Krambambuli (Marie von Ebner Eschenbach), Pole Poppenspeeler (Theodor Storm) und den Kaukasische Kreidekreis (Brecht).
    Storm war danach lange Zeit mein Lieblingsautor (nach Karl May, aber den haben wir nicht in der Schule gelesen). Storms gesammelten Werke habe ich mir dann in Dünndruck zu Weihnachten schenken lassen.

    “Tee mit Rum” von Fritz Orthmann hab ich mit Note “Sehr gut” im Deutschaufsatz verarbeitet.

    Ebenso unvergesslich die Botschaft von Brechts Kaukasische Kreidekreis: “Wer richtig liebt, kann loslassen.” Sie begleitet mich bis heute.

    Unser Deutschlehrer war auch noch begeisterter Opern-+Callas-Fan. Er bereitete uns ausführlich auf “die Entführung aus dem Serail” von Mozart vor. Die haben wir auf unserer Abschlussklassenfahrt in Berlin gesehen. Nachhaltig gewirkt hat da Bassa Selim mit seiner Arie: “Erst geköpft, dann gehangen, dann gespießt auf heißen Stangen” oder “Ha, wie will ich triumphieren, wenn sie euch zum Richtplatz führen”. Herrlich ehrlich + brutal!

    Im Abendgymnasium (1972–75)hatte ich eine Deutschlehrerin aus der DDR. Sie machte einen ganz anderen Literatur-Unterricht, immer im Vergleich, zB die alte Antigone mit der neuen von Anouilh oder den alten Werther mit dem neuen Werther von Plenzdorf.

    Besser als Bücher sind mir aber Balladen in Erinnerung:

    “Herr Heinrich saß am Vogelherd”, Archibald Douglas, Die Füße im Feuer, Der Taucher, John Maynard, Nis Randers, Die Mutter, Legende vom Hufeisen, Herr von Ribbeck, die Lederhosen-Saga, Fragen eines lesenden Arbeiters…

    und die Erfahrung, dass meine Oma die meisten davon auch in der Schule gelernt hatte, in einer Dorfschule. Sie konnte viele davon noch im hohen Alter auswendig.

    So wird Literatur zu einem Kulturgut, das uns berührt und vereint.

  41. Manchmal holen einen Blogposts im realen Leben ein: zum Beispiel als ich vorgestern Zug vor, mir schräg gegenüber Paar, grauhaarig, schlank, edel gekleidet. Und er den Rest der Fahrt in die Lektüre einer schwer zerlesenen Reclam-Ausgabe des Schimmelreiters vertieft war.

  42. @Karin: Volle Zustimmung zu schulischer Problemliteratur. Und wieso lesen so viele Wilhelm Tell inder Mittelstufe? Das ist wirklich viel zu früh.

    @maghon: Krambambuli habe ich auch mal in der Mittelstufe gelesen – oder nur im Lesebuch entdeckt? Dagegen spricht, dass ich kaum eine sentimentale Tiergeschichte freiwillig gelesen hätte. Im Referendariat meinte einer der Ausbilder, das man schon Schüler vorlesen lassen sollte, aber den Krambambuli, den lasse er sich nicht nehmen selber zu lasen, da bleibe dann am Ende kein Auge trocken beim Publikum! Weiß nicht. Balladen: Eigenes Thema, waren sicher lange verbindend. Viele habe ich selber entdeckt als Schüler. Heute eher Randthema, fürchte ich.

  43. @Herr Rau… Balladen = Randthema?
    Ja, seh ich auch so.

    Meine Kinder haben kaum noch Balladen aus der Schule nach Hause gebracht, obwohl… Balladen stiften kulturelle Identität, nach meiner Wahrnehmung besser als andere Literatur, weil: kurz, klar, bildhaft (Pulitzer)

    In einem Bericht über Japan (oder war es China?) hörte ich neulich, dass Japans Schüler*innen am Ende ihrer Schulzeit mindestens 100 Gedichte auswendig können müssen. Das sind Textbausteine, die sie ein Leben lang begleiten, in einer Sprache, die Gefühle weckt und Menschen dadurch miteinander verbindet.

    Auswendig lernen ist inzwischen verpönt, gilt als dummes “Nachgeplapper”, “minderwertig”… weil vermeintlich keine eigene Leistung dahinter steckt. Englisch übersetzt heißt das aber: “Learning by Heart”. Das beschreibt eher, was da Sache ist.

  44. @magbon:
    Ich kann beides ein Stück weit nachvollziehen.

    Stumpfes Auswendiglernen von Texten mit denen man sich nicht identifizieren kann finde ich grauenvoll, und so wie meine Schulkameraden damals (und auch ich zeitweise) das ganze herunterleierten ist es für mich in der Tat ein dummes Nachgeplapper und minderwertig.

    Überspitzt dargestellt:
    Irgendwelche Gedichte zu lernen, von einem Typ der vor 200 Jahren gelebt hat, den halt die Großvatergeneration toll findet weil sie das ganze in der Schule (oft wortwörtlich) eingebläut bekam, und mit der Lebensrealität der heutigen Zeit kaum etwas am Hut hat?

    Es kann schon sein dass es kulturelle Identität stiftet, aber eben nicht ‘unsere’, sondern die eines alten, reichen, perversen Aristokraten von vor 200 Jahren mit einem zweifelhaften Demokratieverständnis, der vor den einschneidendsten Ereignissen der deutschen Geschichte gelebt hat, die jegliche Nostalgie an die eigene – auch kulturelle – Vergangenheit im Keim ersticken.

    Ich konnte am Ende meiner Schulzeit vieles auswendig, weit mehr als 100 Gedichte, darunter einige Balladen. Auch ein paar von anno dazumal, aber das meiste war aktueller. Von Dichtern wie Bob Dylan oder Noel Gallagher, von John Lennon, Herbert Grönemeyer, James Hetfield, Keith Flint, Chuck Berry, Jimi Hendrix oder Johnny Cash.
    Die hatten mit der Kultur in der ich lebte (obgleich selbst von denen die meisten vor meinen Lebzeiten entstanden waren) weit mehr gemeinsam als die der alten Männer aus dem vor-vor-vorigen Jahrhundert.

    Gruß
    Aginor

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