Abiturfeier 2004

Das übliche Programm: Reden von Schulleitung, Landkreis, Elternbeirat, Kollegstufenbetreuung, Kollegiaten. Sehr gut die Rede von Eva: Das Motto “GlABIatoren” hat sie weitergesponnen und dabei auch deutlich Kritik an den Schülern geübt. Sonst war von Kritik wenig zu spüren – keine Selbstkritik, keine an den Lehrern, keine an der Institution Schule, auch kein nennenswerter Rück- oder Ausblick. Einzelne Lehrer bekamen allerdings ihren Unterricht um die Ohren geschlagen, gerechtfertigt oder nicht.

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Ich träume ja mal von einer Abiturfeier ohne Motto. Was wir nicht schon alles hatten: Boxkampf, Oscar-Verleihung, Wettrennen. Wie wär’s mal mit einer Abi-Feier, die nur Abi-Feier ist? Verabschiedungen an englischen und amerikanischen Schulen kommen auch ohne Motto aus; der Grimme-Preis wird auch nicht unter wechselnden Wortspielereien verliehen; der Opernball ist auch keine Faschingsparty. Die Verabschiedung von Abiturienten braucht sich nicht andere Veranstaltungen zum Vorbild zu nehmen; sie ist feierlicher Anlass genug um ganz sie selber sein zu können. Sicher sorgt ein Motto für Kohäsion; ein Hauptteil der Feier, die Verabschiedung der Leistungskurslehrer, kommt ohnehin ohne dieses verbindende Element aus.

Viel Mühe haben sich die Schüler bei diesen Verabschiedungen gegeben. Es gab die Didi-Dingsbums-Show, mit Videoaufnahmen der als Kinder verkleideten Schüler, die Begriffe aus Wirtschaft und Recht erklären: Abstraktionsprinzip, Cashflow, Zivilprozess. Der Physiklehrer musste die inneren Organe des Menschen in das Modell einsetzen; die Biolehrerin Lämpchen zum Glühen bringen. Mein Höhepunkt: Der kochfreudige Chemielehrer trat, assistiert von einer Schülerin, im Kochduell gegen zwei Schüler an. Team O2 und Team H2 waren jeweils noch durch eine Fußfessel an den Partner gebunden, wie das bei Molekülen nun mal so ist.

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Dazwischen gab es Auftritte der Band Blue Maze, die aus Kollegiaten besteht; Kubi und Herr Diederichs gaben noch einmal die Blues Brothers; Teile von Chor und Big Band traten auf. Das war sehr schön.
Wenn es jetzt noch einmal einen richtigen Abi-Ball geben würde, so wie damals in meiner Referendariatsschule: Mit Tanzfläche und Kabarett. Das war noch schöner. Da war die Verabschiedung allerdings zweigeteilt: Vormittags die Reden und die Zeugnisübergabe, abends das Feiern.

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Jeder Schüler erhielt danach wie immer sein Zeugnis unter den Klängen eines selbst gewählten Musikstücks. Das gefällt mir – bis auf die Schüler, die auf Kosten des schon seit fünf Stunden ausharrenden Publikums betont langsam gehen, um ja mehr Zeit für den Auftritt zu haben als die Mitschüler. (Technischer Fachausdruck: Rampensau.)
Natürlich gab es unter den Musikstücken wie immer den Star-Wars-Marsch, einmal “What a wonderful world” (wegen “Don’t know much about history”), einmal das bekannte Pink-Floyd-Stück. Ja, ja, wissen wir schon. Ansonsten gerade zweimal Beethoven, zweimal lateinamerikanische Rhythmen, sonst fast nur schlagzeuggeprägter Rock. Mich hat diese Einförmigkeit etwas enttäuscht – aber das Stück, das ich damals gewählt hätte, wäre sicher noch viel grauslicher gewesen.

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15 Antworten auf „Abiturfeier 2004“

  1. ich muss sagen, dass ihre Kritik an dem immergleichen Ablauf der Abi-feiern bei uns an der Schule gerechtfertigt ist! Leider wird es bei uns wohl nicht anders sein. Möglicherweise lässt sich allerdings die Standart-Abi-Party in einen Ball umformen. wobei diese Möglichkeit auch eher gering ist. Aber ich werd es mal einbringen und versuchen was sich machen lässt. Die Idee find ich sehr Gut!
    Bei der Musik kann ich ihnen auch nur zustimmen. Aber man muss dabeibeachten, dass die aktuelle Musik doch sehr stark zu Wünschen übrig lässt. Der Rock ist recht eiseitig, die Popmusik kann man nur unter Einsatz von Nakosemitteln als gut bezeichnen. Klassik wird doch recht oft als Folterinstrument angesehen, mit dem man in Musik gegeiselt wurde (die guten Sachen bespricht man leider auch nicht immer!). Aber immerhin gibt es ja inzwischen einige Lichtblicke am Rockhimmel (Keane, Adams Green). Vielleicht wird ihnen unsere Musik mehr zusagen.
    Was war denn ihr Abi-Lied?

  2. Das mit dem Ball braucht sicher Vorlaufzeit. Aktuell gibt es bei einzelnen Schülergruppen in den 8., 9. und 10. Klassen Tanzkurse – vielleicht klappt ja dadurch mal was.
    Abi-Lieder waren zu meiner Zeit noch nicht erfunden: Wir hauten damals noch Steine gegeneinander, um primitive Rhythmen zu erzeugen… Ernsthaft, das kam erst vor kurzer Zeit, zehn Jahren oder so, auf. Eine gute Idee allerdings, das sagte ich ja schon. Was wäre mein Lied damals gewesen? Das war kur vor den Pogues oder Tom Waits, also vermutlich hätte ich’S erst probiert mit “What a wonderful world” (Louis Armstrong, nicht Sam Cooke), “I’ve loved these days” (Billy Joel) – dann aber festgestellt, dass die Lieder für einen 10-Sekunden-Ausschnitt zu ruhig sind. Dire Straits ging vermutlich auch nicht… ich kram gerade meine ältesten Platten und Kassetten durch…
    Vermutlich wäre es tatsächlich “Tonight is what it means to be young” geworden – geschrieben von Ry Cooder, aus dem Rock–Kitsch-Action-Musical Straßen in Flammen, hört sich furchtbar nach Bonnie Tyler an. Das wäre mir heute peinlich.
    Andererseits auch zu ruhig. Also vielleicht doch eine der Blues-Brothers-Platten, aber nicht den Soundtrack, den kannten die anderen ja auch schon. Oder Chuck Berry mit “Johnny B. Goode”. Ich hätte auf jeden Fall etwas gesucht, das die anderen nicht kannten. Nicht dass ich das jemandem raten würde, aber so war ich damals halt.

  3. Erstmal danke für diesen Bericht Herr Rau.
    Aber eine Sache stört mich schon sehr.

    Mag ja sein, dass Sie gerne einen Ball hätten wie in den USA, aber müssen wir denn alles so machen wie unser “großes Vorbild”. Ich finde es schön, dass es jedes Jahr ein neues (und hofentlich auch abwechslungsreicheres) Motto gibt als in den Jahren davor.
    Dass dies nicht immer möglich ist, versteht sich von selbst.

    Und zum Thema Musik: Geschmäcker sind verschieden, die meisten allerdings durch die Medien in eine Richtung geprägt.
    Ich habe für mich ein Lied gewählt das weder schlagzeuggeprägter Rock war, noch eins das es immer wieder gibt. Und selbst wenn man ein Lied nimmt das es jedes Jahr gibt. Das Abilied sollte das Lied sein, mit dem man selbst den bis dahin schönsten Moment untermalt haben möchte…

    bis bald
    (sehr schöne seite btw.)

  4. Hallo Kubi! Schön von dir zu hören. Die Frage, ob wir alles so machen müssen wie unser großes Vorbild, hört man oft. Von allem ist aber nicht die Rede, auch nicht von müssen. Sachlicher lautet die Frage ist: Sollen wir die Feste so machen wie in den USA – und darauf ist die Antwort weniger eindeutig als auf die erste rhetorische Frage und bedarf einer Begründung.
    Nebenbei, die erste Abifeier, die ich im Referendariat in Deutschland erlebt habe, hatte kein Motto, aber Live-Musik und Tanzfläche. Das war aber auch ein Gymnasium mit musischem Zweig, das besonders stolz auf seine Feste sein wollte.

    Ich bezweifle insgesamt die Gleichsetzung von neuem Motto mit Abwechslung. Mein Vergleich mit anderen festlichen Veranstaltungen steht noch, die durch Inhalte Abwechslung schaffen und nicht durch ein Motto. Steht die Love Parade auch immer unter einem neuen Motto? Christopher Street Day? Der 1. Mai? Der Schefflertanz Kocherlball am Chinesischen Turm nächstes Wochenende? Das Prinzip Motto gilt nur an Schulen, und nicht mal an allen..
    Das Gegenbeispiel nehme ich übrigens gleich vorweg: Der Eurovisions-Grand-Prix bringt weder durch Motto noch durch Inhalt Abwechslung. So was gibt’s also auch.

    Aber wie gesagt, Geschmäcker sind verschieden. Und die Glabiatoren waren ja auch gut im Rahmen ihres Mottos, weit besser als dieses Jahr (ganz unabhängig von meiner persönlichen Katastrophe). Eure Rede war nicht besonders, ehrlich gesagt, aber diesmal war sie auch recht mäßig.

  5. Ich weiß, dieser Text ist schon steinalt und mein kommentar wahrscheinlich auch uninteressant, aber ich wollte meine Meinung trotzdem mal kundtun: Scheinen ja schreckliche Verhältnisse in Bayern zu sein. ;-) Also bei uns (komme aus Halle/Saale, also Ostdeutschland) ist das von ihnen angesprochene Gang und Gäbe. Bei uns erhalten die Schüler ihre Zeugnisse in einer feierlichen Zeremonie am Freitag Nachmittag in einer Festkirche mit Begleitung des Schulchors. Das Ganze dauert auch nicht sehr lange, ein paar Reden vom Schulleiter, Schülern und Elternrat natürlich sind obligatorisch. Und Freitag abend bzw. Samstag abend ist dann der Abiball. Dort gibt es etliche Spiele mit den Lehrern und auch viel Musik und eine Tanzfläche. Wenn die Abiturienten viel Geld gesammelt haben, gibt es sogar eine Liveband.

    Im übrigen: Ich finde ihre Blogs sehr interessant, was ich bislang gelesen habe. Man liest sich ab sofort wohl öfter.

  6. Nein, der Kommentar ist sehr interessant, auch wenn der Text schon älter ist. (Andererseits: Das was die vorletzte Abifeier, und insofern ist sie schon noch gut im Gedächtnis der Lehrer.)
    Ihre Abifeiern klingen sehr schön!

  7. hiii i’m hannah and i’m english, i am doing some research for german at school and i was just wobndering if anyone could tell me what abiturfeier is and a bit of information about it? thanks

  8. It’s a tradition, albeit with less history behind it than one might think. The Abiturfeier is a comparatively informal graduation ceremony after A‑levels, usually organized by students, and therefore… well, therefore. Teachers are made fun of by the gentle hands of master satirists, and students enjoy the limelight. Formal dress, no dancing, no live music. Lots of speeches. Takes a lot longer than even the Academy Awards. Seriously.

    Actually, it can be quite nice. This years’ wasn’t particulary interesting, which explains the tone of this comment.

  9. well hannah, how an Abiturfeier exactly looks like depends very much on the school. In our school it’s much more like a mixture of diner, cabaret, ball and disco. Normally the students come all dressed up with their parents and have a dinner. Afterwards there’re talks and a show program (mostly organised by the students that will graduated the year after, that will climax in a ceremony where the students get their diplomas. Then the tables are pushed aside and people start do dance, normally it starts indeed with ballroom dancing. However, parents magiclly disappear quickly traditionally and it turns into a party that last till sunrise. BTW teacher normally stay so it’s the opportunity to dance with your good looking English teacher and have a beer with your weird math teacher…

  10. StS: I once (but only once) had an Abiturfeier like the one you describe, and it was excellent. Dinner first, a program, and dancing. Brilliant. That was eleven years ago, though.

  11. Theorie eines Kollegen: Viele Lehrer meiner Generation oder etwas älter hatten selber keine Abiturfeier. Und manche davon verteidigen die ausufernden Feiern ihrer Schüler. Sind das vielleicht Stellvertreter-Feiern?

  12. moin,
    seit dem letzten beitrag hier sind ja auch wieder 2 jahre vergangen, doch bin ich zufällig auf diese seite gestoßen auf der suche nach der möglichkeit, eine abiturfeier bzw. das ganze drumrum mal anders zu organisieren. anlass ist mein eigenes abitur in anderthalb jahren.
    an meiner schule wurden in den letzten jahren abibälle veranstaltet, auch ein motto war immer vorhanden und ich möchte beide in der form in frage stellen: über das motto wurde bereits geschrieben, was den abiball angeht kann ich nur sagen, dass dieser in den letzten jahren finanziell immer aufwendiger wurde, die planung einigen wenigen schülern überlassen war. ein programm war kaum/nicht vorhanden. letztes jahr ging es dann richtig ab, der jahrgang hat die bis dahin immer gemietete halle bei der “feier”, die nach der frühzeitigen zwangsweisen entfernung der eltern bis 7 uhr weiterging, stark beschädigt. der vermieter verlangt nun den nachweis einer umfangreichen versicherung sowie eines security-dienstes. so besteht also die möglichkeit, dass mein jahrgang mangels halle über neue möglichkeiten diskutiert, was mich zu meiner eigentlichen frage bringt: wie läuft das an anderen schulen mit der organisation? wird ein konsens gefunden, über fragebögen etwa, über detaillierte auseinandersetzungen und abstimmungen?
    was mich persönlich am ablauf unserer planungen soweit stört ist der mangel an beteiligung aller, wobei mich selbst das nicht betrifft. fakt ist allerdings, dass der jahrgang ein erstes (!) planungstreffen veranstaltet hat und anstatt über die wünsche und die art und weise einer feier zu diskutieren, was aufgrund der hallensituation notwendig ist, wurden nach dem prinzip:“wer am lautesten schreit, hat recht” klargemacht, dass auf jeden fall einmal eine menge geld möglichst schnell beschafft werden soll, teils auf dubiose weise (öffentliche party/diskoveranstaltung – wen interessiert die GEMA/versicherung/umsatzsteuern), sachliche diesbezügliche einwände einer mitschülerin diesbezüglich wurden übertönt, geleitet wurde das ganze von personen, die keine legitimation hatten. sie hielten einen stufensprecher für unnötig , nach einigen nachfragen verschiedener personen wurde allerdings doch eine wahl eingeleitet, wobei der kompetenzbereich bewusst offen gehalten wurde, was mich auch verärgert hat (warum soll ich jemanden wählen, wenn ich nicht weiß, was und wieviel er hinterher über mich entscheiden darf). ist es normal oder üblich in anderen schulen, dass in einer derart heterogenen gruppe eine einzelne untergruppe die organisation derart an sich reißt, dabei behauptet, die wünsche ALLER zu kennen (was ne aussage…), diesen teil aber tatsächlich eher ignoriert?
    gruß
    frustrierter kommentator

  13. “ist es normal oder üblich in anderen schulen, dass in einer derart heterogenen gruppe eine einzelne untergruppe die organisation derart an sich reißt, dabei behauptet, die wünsche ALLER zu kennen (was ne aussage…), diesen teil aber tatsächlich eher ignoriert?”

    Ich vermute mal, ja. Man könnte es freundlicher formulieren und sagen, dass die Gruppe das nicht an sich reißt, sondern übernimmt. Aber da sind die Grenzen fließend. Die meisten Schüler eines Jahrgangs, denke ich, haben kein Interesse an einer Organisation und denken nur oberflächlich über Probleme und Konsequenzen nach. Die Mottos der letzten Jahre an meiner Schule waren teilweise saudumm, aber es wurde wohl darüber abgestimmt.

    Stufensprecher werden hoffentlich selbstverständlich gewählt, aber deren offizielle Aufgaben stehen in der Schulordnung, und die haben nichts mit der Organisation von Veranstaltungen zu tun.

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