Suppenteller

Will ich gerade eine Suppe essen, da macht es leise “Ping” und ich glaube, der Löffel ist nur von einer Karotte gerutscht und an den Tellerrand gefallen.
Ein bisschen später schiebe ich den Teller zu mir hin und sehe: Mitnichten.

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Säuberlich abgetrennt, wie im Physikunterricht.
Ich hätte es vermutlich nicht erwähnt, wenn nicht am Abend zuvor in der Küche das gleiche geschehen wäre, mit dramatischeren Auswirkungen für Frau Rau (zwei Heftpflaster) und Herrn Rau (Aufwischen).

Ich weiß ja, wie das ist, mit Glas und Temperatur, aber die Teller haben jetzt schon fünfzehn Jahre überstanden. Auch und gerade im Winter – ich meine, wann isst man denn vor allem heiße Suppe?

Complete and unabridged

Als später Teenager hatte ich mir mal vorgenommen, Leuten zu misstrauen, die keine Taschenbücher im Regal stehen haben. Vermutlich war ich nur neidisch auf die schick gefüllten Bücherregale, die ich immer im Hintergrund berühmter Leute im Fernsehen gesehen hatte.
In meiner Ecke mit englischen Büchern, der wichtigsten, sind etwa 10–15% der Bücher gebunden, Spezialfälle ausgenommen. (Ich habe gerade zwei Regale ausgezählt.) Gebundene Bücher mag ich schon lieber als Taschenbücher, aber einige der für mich typischeren Autoren gibt es nur als Taschenbuch. Außerdem haben Taschenbücher auch ihren eigenen Charme.

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“The first paperback ever published” steht auf meinem Nachdruck von Lost Horizon. Ganz stimmt das nicht: Schon vor 1939 kamen ehemals gebundene Bücher, deren Umschläge entfernt und durch Papier ersetzt worden waren, auf den Markt. Aber Lost Horizon war Nr. 1 der Reihe Pocket Books, der ersten Reihe mit kleinformatigen Taschenbüchern für den Massenmarkt.
Zugegeben, schon 1938 gab es ein aller-allererste Buch von Pocket Books, unnummeriert, und zwar The Good Earth von Pearl S. Buck. Das war dann aber wirklich das erste Taschenbuch.

Außer dass Penguin schon 1935 in England Taschenbücher herausgab.

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Grüne, rote und gelbe. Mmmmh!

Aber auch schon davor gab es Taschenbücher. Ganz merkwürdig kommt mir dieses vor:

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“As certain Editions of the Waverley Novels and other Works of Scott have recently been issued, which are incomplete, the Public are warned against all but the Author’s editions, which are Published by A. & C. BLACK of Edinburgh.”

Die Widmung innen ist datiert auf 1888:

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„Complete and unabridged“ weiterlesen

Handy-Razzia auf Schulhof

An der Hauptschule Immenstadt hat es bayernweit erstmals eine Handy-Razzia bei Schülern gegeben. Dabei wurden vorübergehend mehr als 200 Handys der 7. bis 10. Jahrgangsstufe beschlagnahmt, bestätigte die Polizei am.

Quelle: Focus

Links mit Diskussion dazu:
Lawblog.
Hokeys Blog.

Diskussion am besten dort, da ist es interessant. Manche Leute schreiben Sinnvolles dazu, andere halt weniger.

Längere Ferien dank Papstbesuch

Bitte was?

“Nach den Planungen des Kultusministeriums sollen die Schulen statt am 12. erst am 13. September wieder mit dem Unterricht beginnen. Das geht aus der Antwort des Ministeriums auf eine mündliche Anfrage des CSU-Abgeordneten Heinz Donhauser hervor, die am Mittwoch im Landtag vorgelegt wurde.”

Bin ja mal gespannt, an welchem Samstag wir den Tag dann wieder reinarbeiten müssen.

(Aus dem Lehrerforum.)

Nebelmaschine

Die Schüler wollten wissen, ob sie für das Referat nächste Woche eine Nebelmaschine mitbringen dürfen oder ob dann der Feueralarm losgeht. Von mir aus gerne. Ich bin schon mal gespannt.
Nachtrag: Sie haben sie tatsächlich mitgebracht.

CSI: Full circle

In seinem Essay “The simple art of murder” preist Raymond Chandler seinen Vorgänger Dashiell Hammett:

Hammett gave murder back to the kind of people that commit it for reasons, not just to provide a corpse; and with the means at hand, not with handwrought duelling pistols, curare, and tropical fish.

Vorher hatten Verbrechen in einem Landhaus stattgefunden, mit sorgfältig konstruierten Mordmethoden und Situationen, um das Rätsel möglicht schwer zu machen – der Detektiv hatte das Mordrätsel zu lösen, und der Leser mit ihm, und das machte einen Mordsspaß.
Bei Hammett und Chandler und der amerikanischen hard-boiled school war das dann anders: Der Detektiv lernt die große und die kleine Welt kennen, einfache Verbrecher und die feine Gesellschaft, irgendwer wird erschossen, irgendwer wird verhaftet, aber Rätsel zu lösen gibt es keine.

Ich erwähne das nur, weil wir inzwischen zum Ausgangspunkt zurückgekehrt sind. Gestern im Fernsehen bei CSI starb eine Frau an Kugelfischgift nach dem Besuch eines exotischen Sushi-Restaurants (eines sehr exotischen, dort wurde auf nackten Frauenkörpern serviert): Eine der Frauen ermordete den sie immer wieder demütigenden Gast (weiblich, war mal ihr Boss gewesen), indem sie sich die Zehennägel mit Kugelfischgift lackierte. Der Gast leckte erotisch daran und starb wenig später.

Hammett! Chandler! Wo seid ihr!! Ich schreib noch mal was über euch, versprochen.

Bildschirm statt Tafel

Erster Schultag nach den Schneeferien. Draußen ist noch alles weiß aufgetürmt, zwischendurch schneit es immer wieder, manchmal auch heftiger. In solchen Ausnahmesituationen macht der Unterricht gleich mehr Spaß, Schülern und Lehrern, denke ich.

Im Computerraum, in dem ich meine Informatikstunden gebe, haben wir ein Programm, mit dem man auf dem Monitor des Lehrer-Rechners sehen kann, was gerade auf den Monitoren der Schüler-Rechner läuft. Ich verwende das selten; es ist einfacher, im Raum herumzulaufen oder sich hinten an die Wand zu lehnen und den Schülern über die Schulter zu schauen. Noch besser wäre natürlich ein Computerraum mit Rechnern, die an allen Seiten des Zimmers stehen, so dass die Schüler zur Wand schauen. Ob das Feng-shui-mäßig in Ordnung geht, bezweifle ich, aber der freie Platz wäre schon praktisch. Beim Neubau dann.
– Vor allem nutzt man das Programm, um alle Schülerrechner kurz abzustellen, so dass man die volle Aufmerksamkeit der Schüler hat. Und noch mehr nutzt man es, um auf allen Schüler-Monitoren das zu zeigen, was man gerade am Lehrerrechner macht. “Demo-Modus” heißt das und ist sehr praktisch, um die Benutztung von Programmen zu zeigen.

Heute habe ich zum ersten Mal mein Tafelbild mit Hilfe dieses Programms gemacht. Die Schüler in der einen Klasse hatten als Hausaufgabe aufgehabt, Vor- und Nachteile von E‑Mail und Brief zu sammeln. Das hatten sie auch brav gemacht (bis auf die, die ihr Heft zu Hause vergessen haben; es sind jedesmal zuviele). Ich saß am Lehrerrechner, die Schüler sahen auf ihren Monitoren mein Word-Dokument, in dem ich die Vor- und Nachteile, die die Schüler nannten, in einer Tabelle zusammenschrieb. Am Schluss noch ein paar Sätze, dann wurde das ausgedruckt (papiersparend jeweils auf A5 verkleinert); das war dan der Hefteintrag dieser Stunde.
Das hatte ich so geplant; es lief aber so gut, dass ich das in der anderen Klasse spontan weitergeführt habe. Da ging es um Vektorgraphiken und Objektdiagramme. Texttechnisch etwas schwieriger, mit Rahmen und Pfeilen und Beschriftungen zu den Pfeilen. All das habe ich am Rechner gemacht; die Schüler schauten mir auf ihren Monitoren zu. Wir einigten uns auf Formulierungen, Schriftgröße, Zeichensatz; verglichen fett und kursiv miteinander (nachdem ich den Schülern gesagt hatte, dass nur Anfänger unterstreichen). Wir schauten meinen lustigen Tippfehlern zu und ich konnte die Schüler mit fortgeschrittenen Wordkenntnissen verblüffen – Autoformat, Einrückung, Rahmen. Ich mach ja eh alles mit der Tastatur und ohne Maus.
Das entstandene Tafelbild war zwar weniger bunt als ursprünglich geplant, aber die Schüler hatten dessen Entstehung mit weit mehr Aufmerksamkeit verfolgt als sonst. So kam es mir jedenfalls vor.

Also: Ich will das öfter machen, dass ich quasi Sekretär für die Stunde spiele. Die Schüler selber am Rechner schreiben zu lassen ist mir dann zu unsicher, wenn es um graphische Elemente, echte Tafelbilder geht; außerdem konzentrieren sich die Schüler dann aufs Schreiben und nicht auf den Inhalt. Andererseits Irgendwann müssen sie es ja lernen.
Und in einigen Jahren muss ich die Datei dann nicht mal mehr ausdrucken, sondern kann sie den Schülern nach Hause mailen. (Das geht jetzt natürlich noch nicht, weil nicht alle Schüler E‑Mail haben.)

Und vielleicht kriegen wir in der neuen Schule sogar so etwas wie dieses schicke Whiteboard. Man schreibt mit Plastikstiftchen auf dem Board, der rote Stift macht rote Striche, der blaue blaue und so weiter. Das ganze geht natürlich nicht wirklich aufs Board, sondern in den Rechner, der dann den Beamer den Strich auf das Board projizieren lässt. Mit Texterkennung, und Speicherung des Bildes, Ausdruckmöglichkeit und viel Schnickschnack mehr. Das wär schön.
Allerdings wäre das auch wieder Tafelarbeit, also ganz anders als das Gefühl heute, gemeinsam ein Dokument zu erstellen.

Gernstls Reisen

Jetzt habe ich ihn auch gesehen und muss ihn weiter empfehlen: Wenn ihr den irgendwo zu sehen kriegt… Gernstls Reisen ist ein Zusammenschnitt aus zwanzig Jahren Dokumentarfilm. Einiges davon kann man glücklicherweise regelmäßig im bayerischen Regionalfernsehen sehen. Franz X. Gernstl, Hans Peter Fischer (“Der heißt Fischer. Auch mit Vornamen.”) und Stefan Ravasz (“Steffen”) fahren mit einem Kleinbus von Süd nach Nord durch Deutschland, oder von Ost nach West, oder quer durch die Alpen oder in Bayern herum.
Dabei stoßen sie auf wunderbare Geschichten, kuriose und alltägliche Menschen. Sie fangen an der Bushaltestelle mit ihnen zu reden an, gehen in die Wirtschaften und Läden und reden mit ihnen. Letztlich treffen sie dabei auch keine anderen Menschen als einige meiner Nachbarn zum Beispiel. (Andererseits sind auch viele noch weit kuriosere Gestalten dabei.) Sie lassen sie ihre Geschichten erzählen, lassen ihnen Zeit, bleiben aber auch stets selber präsent. Kamera- und Tonmann werden in die Szene eingebunden.

Ich könnte liebste Stellen des Film aufzählen, so wie ich es in Geprächen in den letzten Tagen immer wieder getan habe. Der Schwenk im Bus, die Teppichverkäufer, der Kaliberg; der Boxtrainer, die älteste Tanzschule Deutschlands, der schweigsame Bauer. In einem Wort zusammengefasst: Liebevoll. Und ein Deutschland, das überhaupt nicht langweilig ist.

Ist das Dokumentarfilm? Journalismus? Oral history wie bei Studs Terkel in den USA? Tegtmeiers Reisen ohne die zwar liebenswürdige, aber dennoch aufdringliche Tegtmeier-Persona? Ich weiß es nicht, aber ich möchte mehr davon.

Die DVD “Gernstl in den Alpen” habe ich gleich mal bestellt.

(Produziert werden die Gernstl-Filme von Megaherz, auf deren Seite man mehr über die verschiedenen Serien und Fernsehtermine finden kann.)

Schneefrei!

La-la-la-la-la! Ich muss morgen nicht in die Schule!

An folgenden Schulen fällt morgen, Montag 6.3. der Unterricht aus:
An sämtlichen Schulen im Landkreis Landsberg am Lech und im Landkreis Fürstenfeldbruck, an der Volksschule in Wegscheid im Bayerischen Wald sowie an den Kindergärten in Wegscheid und Wildenranna, an der Munich International School in Starnberg, in München an der Lukas- Grund‑, Haupt- und Realschule und in Schäftlarn am Gymnasium der Benediktiner. (Bayern 3, Stand 17:13 Uhr, wird laufend ergänzt – es sind jetzt schon mehr Schulen dabei.)

Ich gehe ja eigentlich gern in die Schule. Aber so ein gestohlener freier Tag ist trotzdem wunderbar.

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