Schulvereinbarung

Wir haben jetzt auch eine. Es hat lange gedauert; nicht immer waren alle beteiligten Parteien gleichermaßen interessiert oder deren Vertreter sich einig über Formulierungen. Was jetzt da steht, damit sollten aber alle leben können.

Neue Schüler und Eltern müssen die Schulvereinbarung anerkennen; die bereits bestehenden Klassen konnten abstimmen, ob sie – jeweils geschlossen – beitreten oder nicht. Fast alle haben es getan, sicher teils wohlüberlegt, teils auf sanften Druck der Lehrer, teils aus Lust nach Neuem. Für die Eltern haben Vertreter des Elternbeirats unterschrieben, die Lehrer müssen quasi ohnehin mitmachen. (Im letzten Jahr hat es genug Gelegenheit gegeben, an den Entwürfen mitzuwirken, noch hat sich aber auch kein Kollege beklagt. Wir unterschreiben gerade noch einmal alle einzeln im Lehrerzimmer.)

Einige wenige Klassen haben nicht unterschrieben, das ist ihr Recht. Manche davon fangen erst jetzt an, darüber nachzudenken. Im Lokalforum wird das nicht immer sachlich oder sachkundig diskutiert, ein paar Lehrer sind drin, ich melde mich jetzt nicht auch noch an.

Ob die Schulvereinbarung etwas ändert? Schaden kann sie kaum.
Wenn sie Schülern den Mut gibt, mich auf Fehler hinzuweisen, und sie sich das vorher nicht getraut hätten, dann lohnt sie sich.
Sehr viel wäre auch gewonnen, wenn die Schüler die Inhalte der Schulvereinbarung tatsächlich als Ziele für sich begreifen würden – auch wenn man die Ziele nicht immer erreicht. Ich bin eher skeptisch. Aber der Einzug in ein neues Schulgebäude ist ein passender Zeitpunkt für so ein Vorhaben. Viel hängt davon ab, wie in den nächsten Wochen und Monaten mit der Schulvereinbarung umgegangen wird.

Hier der Text der Schulvereinbarung zum Herunterladen (pdf). Die Formatierung ist noch nicht endgültig, ich verlinke dann auf die Endfassung, wenn sie feststeht. Das Urheberrecht liegt nicht bei mir, daher steht der Text auch nicht unter CC-Lizenz wie mein eigenes Material. Welche Lizenz es letztlich sein wird (wenn überhaupt), muss noch geklärt werden.

73 Antworten auf „Schulvereinbarung“

  1. Schulvereinbarung ist bei uns auch gerade mehr oder weniger erfolgreich in der Entwicklung.
    Aber mal ehrlich: Daas sieht ja nach einer tollen Aula aus auf dem Photo – sehr hell und freundlich! Schick…

  2. “(Wenn ich den Vereinbarungstext online finde, werde ich ihn hier verlinken)” – das wäre super. Dank vorab.

  3. Ich warte nur darauf, dass der Text endlich auf der Schulhomepage erscheint. Im Haus hängt er an einigen Stellen aus, aber eine pdf-Datei dazu wäre schon auch sinnvoll.

    Und ja, die Aula ist schön. Mit Schülern drin natürlich besonders.

  4. Im Neubau wird alles besser.… Meine Schule ist auch waehrend meiner Zeit umgezogen und ca ein halbes Jahr vor dem Umzug ist dann von unserem DiREX persoenlich dieser spruch gepraegt worden, und in allen (un)passenden (vorallem un) Gelegenheiten gesagt worden. Wobei man auch zugeben muss einige Dinge haben sich tatsaechlich verbessert ohne das es direkt mit dem Gebaeude zusammen hing.

  5. @ke Das in Europa übliche demokratische Konkurrenzprinzip legitimiert das bei Wahlen. Bei Klassensprecherwahlen ist das so, bei Landtagswahlen, Volks- und Bürgerentscheiden … Das Konsensprinzip, teilweise noch in Funktion in der Schweiz und bei Stammesgesellschaften erscheint nach gängiger Auffassung für komplexe Gesellschaften nicht geeignet. Dafür stehen laut den meisten demokratischen Verfassungen die politischen Minderheiten unter dem ausdrücklichen Schutz der Mehrheiten. Ein gewählter Vertreter ist demnach zum Beispiel ein Vertreter des ganzen Volkes, nicht ausschließlich der Leute, die ihn gewählt haben. Ein Gremium, das sich zukünftig mit der SV befasst, wird auch die Interessen der dagegen abstimmenden Minderheit in angemessener Weise berücksichtigen. Eine Einzelabstimmung kam nicht in Frage, weil das den Prozess, der im November 2005 begonnen hat und zweijährige offene Beratungen umfasste, zu denen jeder Interessierte Zugang hatte, schlichtweg blockiert hätte. Auch hier gilt: Einzelinteressen haben sich dem Mehrheitsinteresse unterzuordnen. Man kann’s natürlich grundsätzlich wie die Iren in der EU machen. Dann sollte man sich aber schon fragen, wen man sich als Interessenvertreter ausgesucht hat.

    @thomas
    Die SV steht in Teilen auf der Homepage, teilweise noch als Entwurf gekennzeichnet. Sie steht als ganzer Text seit gerade eben nochmal auf der Homepage, das Layout ist noch überarbeitungsbedürftig.
    Die SV steht seit 2.10. als pdf.Datei abrufbar unter http://dateihoster.de/de/file/16326/Schulvereinbarung-GRG-pdf.html. Villeicht kannst du das ja jetzt verlinken.

  6. Diee Schulvereinbarung gibt’s jetzt unter dem Link von Beelzebub – oder am Ende des Blogbeitrags oben in einer layoutmäßig abgewandelten Form.

    Auch für uns Lehrer ist die Schulverinbarung vor allem ein Ziel, auf das wir hinarbeiten…

  7. Hoffentlich ist es bei der Schulvereinbarung nicht wie bei der EU-Verfassung gelaufen. Den Iren ist zu danken, weil sie das deutlich machen konnten, was die Mehrheit der Völker vom EU-Vertrag halten, wenn man sie den fragt.

    Ein hervorragendens Werkzeug, um den SV zu erarbeiten und die Erfahrungen zu dokumentieren und diskutieren, wäre z.B. PM-Wiki. Ein Beispiel findet sich hier:

    http://schulwiki.net/pm/index.php

  8. Na ja, anders als bei der EU sind die Klassen ja gefragt worden, ob sie mitmachen wollen. PM-Wiki finde ich ganz hervorragend. Ob das für so ein Projekt die beste Lösung ist, weiß ich nicht; man wird sich vor allem viel in Sitzungen treffen müssen. Aber die Zwischenergebnisse kann man so jeweils gut präsentieren und kommentierbar machen. – Aber es sind ja nicht die Werkzeuge, die fehlen, sondern die Lust, solche Vorhaben mit zu gestalten.

  9. Ich finde das auch seltsam, dass Klassen nur geschlossen beitreten können.
    Dieser Zwangsbeitritt der Minderheiten ruft ja praktisch schon nach Widerstand.

  10. Die Beitrittsform ist anscheinend eine andere: Die alten Klassen treten als Klassenverbände bei, wenn die Mehrheit es will – dahingegen treten neue Schüler/innen persönlich bei. Würde mich zumindest sehr wundern, wenn die unterlegenen Minderheiten zur Unterschrift gezwungen würden. Oder Herr Rau?

    Diese Diskrepanz hatte mich lediglich stutzig gemacht. Wenn es so ist, wie ich vermute, finde ich das auch legitim.

  11. Das ist aber doch eine Ungleichbehandlung von alten und neuen Schülern. Um also aus der Schulvereinbarung rauszukommen (als überstimmter Altschüler) müsste man erst die Schule verlassen und dann wieder beitreten ?

  12. Nein, Herr Rau schrieb ja: “Neue Schüler und Eltern müssen die Schulvereinbarung anerkennen”

  13. @ke: Im Prinzip ja. Neue Schüler beziehungsweise deren Eltern kriegen bereits bei der Anmeldung die Schulvereinbarung zu sehen und können dann immer noch sagen, dass sie dann lieber nicht auf diese Schule gehen. Allerdings wird es in Zukunft keinen formalen Akt der Unterzeichnung geben, das wäre zu viel organisatorischer Aufwand. Die Schule hat einfach eine Schulvereinbarung, die entweder mit Leben erfüllt sein wird oder nicht, und demnach werden die Parteien sie als gemeinsames Ziel (nicht als Vorschrift) anerkennen oder nicht.

    @1000Sunny: Ehrlich gesagt, ich sehe keine Ungleichbehandlung von alten und neuen Schülern, und wenn, dann wäre mir das auch egal. Ungleichbehandlung ist bei Übergangsregelungen unvermeidbar.

    Tatsächlich ist eine Schulvereinbarung doch kein Gesetz. Das Unterzeichen der Klassen ist ein vor allem symbolischer Akt. Kein Schüler, der nicht unterschreibt, hat mehr oder weniger Freiheiten als jeder andere. Keiner, der unterschreibt, hat andere Verpflichtungen als andere. Ausnahme: Er hat vielleicht das Recht, Lehrer an die gemeinsamen Ideen der Schulvereinbarung zu erinnern. In den Klassenzimmern hängt jeweils ein Poster mit der Präambel, auf der noch einmal die Schüler der Klasse unterschreiben. Nicht alle. Und? Welchen Unterschied sollte das machen?

  14. Ich habe die Vereinbarung jetzt gelesen. Würde mich interessieren, wie das dann im Alltag aussieht. Ich hoffe Sie halten uns auf dem Laufenden :)

  15. Klar, mache ich. Schon jetzt wird sie auch von Lehrern im Alltag missverstanden. Aber die Diskussion darum, die jetzt auch in der Schule entstanden ist, ist vielleicht förderlich. Schöner wäre es gewesen, die Diskussion vorher zu haben – Gelegenheit war da, aber halt kein Interesse.

    Größter Kritikpunkt: Die Schüler haben das Gefühl, dass die Lehrer sich in ihr Privatleben mischen. Gesunde Ernährung? Sollte doch ihnen überlassen bleiben! Allerdings wünschen sich Eltern regelmäßig, dass die Schule sie dabei unterstützt – keine Cola im Automaten, weniger Mayonnaise auf den belegten Semmeln, nicht nur Zuckerzeug beim Pausenverkauf. Sicher nicht unproblematisch, Jamie Oliver hatte, wenn auch in einer anderen Situation, gemischten Erfolg.

  16. Ich gehöre zu einer dieser Klassen die abgelehnt haben (Mich würde mal interessieren wie viele das waren?).
    An dem Tag an dem wir abgelehnt haben wurden wir noch von jedem Lehrer darauf angesprochen und einer hat noch mit einem verachtendem Ton gefragt:” Stimmen die Gerüchte?”

    Der Hauptsächliche Grund warum wir abgelehnt hatten waren die Formulierungen die den unterschied zwischen Lehrern und Schülern noch mal hervorhob. Während bei Lehren fast nur Verben wie “bemühen sich” und “versuchen” benutzt wurden waren es bei Schülern eher Vorschriften wie “müssen”, “sollen” und “dürfen nicht”.
    Außerdem fanden wir es nicht sonderlich toll dass bei Schülern vermerkt war, dass sie keine Drogen oder ähnliches nehmen sollen aber bei Lehrern dieser Punkt vollkommen außenvor gelassen war. Natürlich weiß ich das Lehrer so was sowieso nicht tun dürfen aber wäre trotzdem schön wen das auch in der SV festgehalten werden würde.

    Im Anschluss möchte ich noch bemerken das aus unserer Klasse einer bei den Vorgesprächen anwesend war und die Meinung der Schüler vertreten hat bis er festgestellt hat das seine Anwesenheit nicht viel wert war.
    Außerdem war es ebenfalls eine aus unserer Klasse die als Einzige nicht an einem heruntergefallenem Brot vorbeiging sondern es aufhob, was man ja eigentlich beim achten auf das Umfeld tun sollte laut SV.

    An sich find ich die SV auch nicht schlecht aber mit einigen Punkten kann ich auch nicht übereinstimmen.

  17. Hallo Laila-Liana, schön wieder mal von dir zu hören! Ich glaube, es waren zwei Klassen, die nicht mitmachen, zumindest habe ich nur von denen gehört. Vielleicht gibt es auch noch eine dritte, die ich nicht kenne.

    Eine der Klassen habe ich auch, die hat mich in der ersten Stunde danach gefragt, ob ich ihnen das übel nehme. Nein! Den Eindruck sollten Lehrer vermeiden. (Und es auch wirklich nicht übel nehmen.) Manche Klassen haben gute Gründe dafür, nicht beizutreten. De facto macht es ja keinen Unterschied (siehe deine Brot-Geschichte, lobenswert), man bestätigt damit nur öffentlich, dass man die in der Schuvlereinbarung festgehalten Ziele unterstützt. Ich mache das, obwohl ich nicht alle Ziele gleich unterstützenswert finde. Aber ich helfe den Eltern bei ihren Zielen und den Schüler bei den ihren, auch wenn ich sie selber vielleicht für weniger wichtig halte als andere Ziele.

    Nicht alle Gründe gegen eine Unterschrift sind aber gleich gut. Ich kenne Schüler, die an der Schulvereinbarung mitgearbeitet haben – diese Schüler sind jetzt in der 12. Jahrgangsstufe. Ich bin sicher – ganz, ganz, ganz sicher, wenn du verstehst, was ich meine – dass auch Schüler anderer Jahrgangsstufen Gelegenheit hatten, mitzuarbeiten.

    Das Argument mit dem “bemühen” und “müssen” habe ich auch schon gehört. Also habe ich gerade die Schulvereinbarung durchsucht: “Bemühen” taucht zweimal auf, einmal bei Schülern, einmal bei allen. “Versuchen”: einmal, bei Schülern. “Müssen”: nie. “Sollen”: einmal, bei allen, und da ist “die Schulvereinbarung” das Subjekt. “Nicht dürfen”: nie.
    Das stimmt also nicht, auch wenn Schüler diesen Eindruck haben. Ich vermute, es ist eher so, dass man beim Lesen eines solchen Dokuments die Regeln, die für einen selber gelten, mit ganz anderer Aufmerksamkeit verfolgt als die, die für andere gelten.

    Auch das “Wir sagen ‘Nein’ zu allen Formen der Sucht” steht nicht bei Schülern, sondern bei dem Teil, der sich an alle wendet.

    Ich weiß nicht, wer diese Geschichten erfindet. Man liest vielleicht doch nur das, was man möchte.

  18. Tatsächlich wurde das Formulierungsproblem im Arbeitskreis Schulvereinbarung angesprochen und Formulierungen dann verändert, um genau den Eindruck zu vermeiden, der jetzt dauernd von Leuten in die Welt gesetzt wird, die ein einziges Mal oder gar nicht bei den Sitzungen waren und offensichtlich dem dort herrschenden Argumentationsdruck nicht gewachsen waren. Es gab mehr als eine Gelegenheit bei der Lehrer (!) Formulierungen der Schüler für Schüler entschärft haben, weil sie der Auffassung waren, dass die Wortwahl der Schüler bei den Mitschülern auf Widerstand stoßen würde. Andere Schüler waren im AK sehr wohl dazu in der Lage ihre Interessen durchzusetzen. All das hat man natürlich nur wahrnehmen können, wenn man laufend dabei war. Ich nehme nicht übel, dass manche Klassen nicht beigetreten sind. Eine gewisse Enttäuschung will ich aber auch nicht verbergen, und zwar darüber, dass ganze Klassen den unwahren Behauptungen einzelner ohne Nachfrage folgen. Und ich weiß schon, wer diese Geschichten erfindet. Dies schreibt ausnahmsweise direkt namentlich gekennzeichnet: D. Zink

  19. Hab mir schon gedacht, dass da gleich ein Kommentar kommen würde. Und mich darauf gefasst gemacht, gegebenenfalls moderierend einzugreifen. Er war nicht ganz so friedlich-freundlich, wie ich mir gewünscht hätte, aber doch friedlicher als erwartet. Das bleibt hoffentlich so. :-)

  20. Nicht, dass ich mich in dem konkreten Fall auskenne oder grundsätzlich gegen solche Vereinbarungen werde, aber ein paar Anmerkungen hab ich doch.…

    1. Das mit der Mehrheit fnde ich immer schwierig. Klassen sind weder richtig zufällig gewählt (wie im großen und ganzen Wahlbezirke) noch ist man völlig frei in seiner Wahl der Klasse (wie beim Beitritt einer Partei). Es kann also durchaus sen, dass man auf Grund der Konstellation in einer Situation der Unfreiheit ist, die einem nicht die Möglichkeit gibt seine Ablehnung deutlich zu machen (zum Besipiel in einer Klasse in der vielen Schüler sind, die begeistert an der SV mitgearbeitet haben und “ihr Projekt” nun verwirklichen wollen) in anderen Klassen hat man diese Erdrückende Mehrheit nicht und wird daher mit seiner Kritik (ich spreche hier nur von der Abstimmung zum Beitritt) gehört und hat die Möglichkeit zu agieren. Alles in allem ist die Konstellation Mehrheit der Klasse = Beitritt der gesamten Klasse daher wirklich wahnsinnig demokratisch (nicht das, dies bei der EU unähnlich ist, aber anderes Thema), aber eher demokratisch im Sinne von Aristoteles oder den Federalists, also einer Dominanz der Mehrheit. (und das bringt mich zu Punkt 2)

    2. Das Problem bei der SV ist doch, dass sich 2 Extreme entickeln können. Entweder sie dient als eine Art “Schulverfassung” und bildet somit die Basis des Schulzusammenlebens. Das muss dann natürlich auch irgendwie durchsetzbar sein aber und das halte ich für wichtiger auf einen sehr breiten Konsens treffen, gerade unter den SChülern, die sich meistens zu kurzgekommen fühlen.
    Oder sie Vereinbarung entwicklt sich zu einem Blatt Papier, dass zwar theoretisch existiert aber nur von einigen “Idealisten” beachtet wird. Dies wiederum führt dazu, dass es strategisch sinnvoll erscheinen kann die SV “mit Füßen zu treten”. In diesem Fall wäre sie hinfällig.

    3. Und das macht das obere zu (mehr oder weniger) überflüssigen Theoriegedanken, man macht, dass, was man zu meiner Zeit zumindest an Schulen immer gemacht hat: Aussitzen. Neue Schüler müssen so oder so beitreten, hier gilt es also nur sie in ihrem Bewusstsein zu schärfen. Die unteren Klassen sind politisch auch noch nicht wirklich mündig, so dass man auf diese ebenso einwirken kann und ihr Bewusssein für die SV schärfen kann. Und ab der 9. (wenn ich mich recht erinnere die Klassenstufe, ab der wir erkannten, dass man als Schüler mehr Stake- als Shareholder des Projekts Schule ist (auch wenn einem aus pädagogischen Gründen anderes erzählt wurde)) sind die Schüler eh nur noch 3 Jahre da, so dass man sie im Endeffekt nur ruhigstellen zu braucht. Sprich: Wenn man in der Unterstufe gut arbeitet (als Lehrer, jetzt) hat man die Schule in 5 Jahren soweit, dass die SV einen wichtigen Teil des Schullebens einnimmt.
    So, der letzte Teil klang jetzt etwas böse, ist aber gar nicht so gemeint. Als Lehrer ist man der Schule in der Regel einfach länger und intensiver verbunden, als Schüler das sind und agiert deswegen wahrscheinlich automatisch mit einer anderen Strategie…Ich wollte also keine Lehrer angreifen!!! (nur weil ich vermute, dass das nicht unbedingt so rübergekommen ist :). Der Fehler liegt (wenn es überhaupt einer ist) höchstens im System (wie immer)
    P.S.: Dieser Kommentar ist schon wieder viel zu lang geworden, sorry, aber drum will ich ihn nicht nochmal lesen und Rechtschreibfehler verbessern.… be patient!

  21. Ich bewundere die Klassen, die nicht beigetreten sind. Abgesehen davon, dass ich die Pflichten auch sehr einseitig gelagert sehe und auf der anderen Seite schon fast eine Beweihräucherung reininterpretiere würde es doch zu einem reinen Ritual, wenn alle beitreten.

    Die Schulvereinbarung wäre vielleicht ein bisschen akzeptabler, wenn spezifiziert wäre, wie Lehrer Vorbild im Lernen sind (müssen sie jedes Jahr eine neue Sprache lernen, Japanisch lernen und Animes schauen, oder Geisteswissenschaftler Mathematik lernen ?) Keine Aussage.

  22. @1000Sunny: “Ich bewundere die Klassen, die nicht beigetreten sind.”
    Dieser Satz verwundert, ja irritiert mich sehr. Was gibt es denn da zu bewundern? Zum einen finde ich in dem Kommentar keine wirklichen Begründungen dafür. Zum anderen war wohl bei der Ablehnung kein heldenmütiger Einsatz notwendig, der eine Bewunderung rechtfertigte. Zudem zeigt der Kommentar von Laila-Liana (10.10.2008), wie undifferenziert, ja falsch die Ansichten sind, auf Grund derer manche Schüler/Klassen die SV ablehnen. Herr Rau (10.10.2008) und Beelzebub Bruck (10.10.2008) auf dieser Seite haben dies sehr überzeugend aufgezeigt. Dieses Ablehnungsverhalten kommt mir fast wie ein Stammtischgehabe vor nach dem Motto: “Mia san dagegn. Uns kon koana wos.”

  23. Ich hoffe er irritiert Sie nicht zu sehr, dann kann ich weiter bewundern :) und diese Klassen müssen sich weiter gegen den Konformitätszwang stemmen. Falsche Ansichten würde ich den Schülern nicht unterstellen – es sind halt ihre Ansichten und anscheinend anders als Ihre und die aller anderen die diese Schule besuchen.

  24. Nicht alles an der Ablehnung ist Stammtischgehabe. Es ist schlicht unangenehm sich mit eigenen schlechten Gewohnheiten abzugeben, wie z.B. der rauchende Beelzebub selbst weiß. Dann ist der manchmal mühselige Kompromiss, den die SV darstellt, erst einmal zu vermitteln, was ebenfalls mühselig ist. Kinder und Jugendliche sind aber wie Frau Malzan in Jim Knopf (“Wir beginnen sofort!”), wenn es um ihre Interessen geht. Über manche kann man reden, manches vielleicht auch erklären.-
    Einen Konformitätsdruck oder gar ‑zwang übt die SV überhaupt nicht aus. Sie stellt Werte vor, an denen man sich als Einzelner orientieren kann. Es gibt keine Strafe, wenn man das nicht tut. Ich finde es bezeichnend, dass wann immer jemand in unserer Gesellschaft von Werten spricht, gleich jemand eilfertig Zwang (siehe 1000sunny), autoritärem Gehabe oder gar Totalitarismus wittert (definitiv nicht von 1000sunny, aber an anderer Stelle zum gleichen Thema schon gehört!). Eine heile Bildungswelt hätten wir schon gern alle, nur muss das alles schon freiwillig, überzeugt und mit höherer Einsicht gehen. Was für eine Vorstellung von Kindern und Jugendlichen steckt dahinter?

  25. Doch, es sind “falsche Ansichten” (@ 1000Sunny), zumindest haben sie eine falsche Grundlage! Lesen Sie doch bitte den Kommentar von Laila-Liana, die von einer unterschiedlichen Verb-Verwendung in der SV spricht, die Schüler unter stärkeren Zwang stellt als die Lehrer (z.B. bei Lehrern “sich bemühen” – bei Schülern “müssen”). Herr Rau hat doch postwendend aufgezeigt, dass diese Darstellung auch nicht im Ansatz stimmt. Also ist die Ansicht nicht nur “anders”, sondern “falsch” begründet!!
    Doch es ist “Stammtischgehabe” (@ Beelzebub Bruck), wenn man darunter ein Verhalten versteht, das sich aus undifferenziertem Gebräu speist und bei dem man nicht bereit (oder fähig?) ist, sich offen mit etwas auseinanderzusetzen.
    Die Frage nach der “Vorstellung von Kindern und Jugendlichen” ist völlig berechtigt gestellt und zielt wohl auf den Stellenwert und die Bedeutung von Erziehung ab. Das ist ein weites Feld und müsste eingehend in diesem Zusammenhang, gerade auch mit den Schülerinnen und Schülern, diskutiert werden.

  26. Ich verstehe jetzt noch nicht, was Sie mit “falsche Grundlage” meinen?

    Ich versuche den Punkt des stärkeren Zwangs mal ganz anschaulich zu erläutern. Durch Vertauschung – ich nehme den ersten Absatz der Schulvereinbarung für Lehrer und Schüler und vertausche einfach mal Lehrer und Schüler. Schauen wir mal was dabei herauskommt :)

    LEHRER
    • achten die Autorität der Schüler
    • sind hilfsbereit gegenüber allen Mitgliedern der Schulgemeinschaft
    • akzeptieren die von den Schülern vorgegebenen Regeln
    • begegnen einander höflich und bemühen sich um einen freundlichen
    Umgangston
    SCHÜLER
    • begegnen ihren Lehrern in und außerhalb des Unterrichts so, wie sie selbst
    behandelt werden möchten
    • schätzen die ihnen anvertrauten Lehrer nicht ausschließlich aus der Sicht
    des jeweiligen Faches und der darin erbrachten Unterrichtsleistungen ein
    • berücksichtigen im Umgang mit den Lehrer, dass diese noch lernende
    Kinder und Jugendliche sind, unterstützen sie im Lernen sowie in ihrer
    Entwicklung und fordern höflichen Umgang ein

  27. Na und, was ist jetzt bewiesen? Doch wohl nur, dass die reine, gedankenlose Umkehrung nicht möglich ist und ad absurdum führt, z.B. der letzte Satz: Schüler “berücksichtigen im Umgang mit den Lehrern, dass diese noch lernende Kinder und Jugendliche sind, …”
    Richtig verstanden bedeutet dieser Satz doch, dass sich die Lehrer bewusst sein und Verständnis dafür haben sollten, dass die Schülerinnen und Schüler, gerade weil sie noch Kinder und Jugendliche sind, Fehler machen dürfen und manches noch nicht können, auch im menschlichen Umgang miteinander, d.h. nach meinem Verständnis, dass die Jugendlichen zunächst noch größere Freiräume haben, dann aber nach einem allgemein gültigen Wertekanon auf Fehlhaltungen hingewiesen werden. Und da sind wir dann wieder bei dem Begriff “Erziehung” und was diese soll. Selbstverständlich sind auch Verstöße von Lehrern gegen diesen Wertekanon zu ahnden. In welcher Form dies geschieht, müsste diskutiert werden.

  28. Die Frage ist nur: Was genau führt sie ad absurdum? Es gibt ein sehr gutes Rezept um niemanden zu übervorteilen:
    Die eine Partei teilt den Kuchen. Die andere Partei sucht sich das Stück aus.

    Das wurde wohl bei dieser Schulvereinbarung nicht beachtet. Vielleicht sind eben die Lehrer die, die Fehler machen dürfen und manches noch nicht können – auch im menschlichen Umgang miteinander. Oder vielleicht machen Kinder, Jugendliche und Lehrer Fehler aufgrund dessen, dass sie manches noch nicht können. Wenn man diese Regelung symmetrisch gestalten könnte, käme etwas für alle Menschen heraus und diese asymetrische Lehrer/Schüler-Regeln würden verschwinden und in allgemeine “Menschenrechte und Pflichten” münden.

    Aber das scheint wohl ein anderer Wertekanon zu sein.

  29. Bisher habe ich mich an den Diskussionen nur lesend beteiligt, aber nach dem Zeitungsartikel heute versuche ich einmal zusammenzufassen:

    1.) Begonnen hat alles mit der SV-Veranstaltung in der Aula. Nach dieser Veranstaltung wurden die Stimmen laut, vorher war es still.
    Nach meiner Beobachtung lag es nicht an dem Inhalt/Formulierung der SV, sondern an der ungeschickten Präsentation derselben:

    Vorwiegend bei den Schülern machte sich Unmut breit, nachdem…
    a) Die Redner den Eindruck vollkommener Zustimmung verbreiteten.
    b) Die Unterstufenschüler als Musterschüler dienten (zum Teil seit wenigen Wochen an der Schule).
    c) Zuvor nicht alle ausreichend informiert waren (Ausfall von ZfU-Stunden, etc.).

    2.) Auf die Vertreter der SV-AG prasselt von allen Seiten (Schule, Internetforen, etc.) Kritik ein, die vordergründig mit einzelnen Formulierungen der SV begründet wird.

    3.) Als sich der Sturm gerade gelegt hat, versucht (meinem Eindruck nach!), die Politik die Stimmung auszunutzen, und wirkt negativ auf die Presse ein.

    Ergebnis: Verschlechtertes Schulimage in der Öffentlichkeit; frustrierte SV-AGler; geladene Schüler, Lehrer; [zufriedene Politik(er)].

    Fazit: Schade um die sinnvolle Grundidee zum besseren Umgang und die aufgewendete Zeit.

    Vorschlag: mehr Aktionstage gegen Müll, schlechten Umgang, Sucht, etc. mit direkter Beteiligung.

  30. @ 1000Sunny: Ich verstehe nicht den aggressiven Unterton gegen die Lehrer, der bei Ihnen immer zu spüren ist, so als würde alles nur zu deren Vorteil und zu ungunsten der Schüler angelegt sein. Und zudem würden alle Lehrer diese angeblichen Vorteile auch immer ausnützen zum Nachteil der Schüler. Warum haben Sie denn ein so grundsätzlich negatives Lehrerbild??
    @ michi: “Zuvor nicht alle ausreichend informiert waren”
    Meines Wissens waren die Sitzungen der SV-AG öffentlich und frei zugänglich. Man hätte sich also informieren, ja sogar mitarbeiten können. Wer jetzt über Mangel an Information klagt, muss die Schuld wohl bei sich selber und seinem Desinteresse suchen.
    Übrigens: Sie sprechen einen Zeitungsartikel von heute an. Wo kann man den finden?

  31. Zeitungsartikel: SZ, Titelseite Lokalteil Fürstenfeldbruck, 17.10.08
    Desinteresse: Keinesfalls, ich gebe nur die (beobachteten) Gründe für die allgemeine Missstimmung wieder.

  32. Ich glaube nicht, dass man meinen Postings einen aggressiven Unterton anmerken kann. Weil er schlichtweg nicht da ist. Ich wünschte mir nur mehr Gleichberechtigung. Dass Gleichberechtigung in der aktuellen SV ein Fremdwort ist, das ist mittlerweile hinreichend dargelegt. Zudem nervt mich die andauernde Unterteilung in: Die sind falsch, die sind richtig.

    Und ich unterstütze Klassen und Schüler / Lehrer, die nicht unterschrieben haben, nur weil alle unterschrieben haben – und sie seitdem schief (verständnislos) angeschaut werden.

    Allerdings ist natürlich Schule in Deutschland eine Zwangsveranstaltung, der man als Kind/Jugendlicher/Lehrer nicht so einfach entkommen kann – von der Politik wird ein Fernbleiben (selbst aus den nobelsten Gründen) mit Strafen verfolgt und der Tagesverlauf ziemlich genau festgelegt. Damit ist die Schule natürlich nicht der unbeschwerte Ort des Lernens, der sie eigentlich sein sollte, und was man für seine Kinder will. Es ist ein Ort, an den man per Gesetz, gezwungen wird. Lehrer haben z.B. nicht einmal das Recht zu streiken.

  33. Michis Kommentar bezieht sich übrigens auf einen Artikel, der heute im Brucker Lokalteil der Süddeutschen Zeitung unter dem Titel “Schulvereinbarung verbietet Kritik am Rasso” erschienen ist. Nicht alles im Artikel ist falsch oder negativ, aber ein örtlicher Kreisrat (FDP, die sich während der Koalitionsverhandlungen bekanntlich im Bildungsbereich positionieren möchte) darf auf sich aufmerksam machen. Es geht darin vor allem um diese Sätze in der Schulvereinbarung:

    [Eltern] äußern sich nicht abfällig über die Schule und ermuntern ihre Kinder, auch in der Öffentlichkeit fundiert und angemessen Stellung zu beziehen

    und

    [Schüler] verzichten auf üble Nachrede und abfällige Äußerungen, auch im Internet

    Ich denke, beide Sätze geben nur bei böswilliger Auslegung das her, was der Titel des Artikels verspricht. Schuld ist daran vermutlich ein Missverständnis, dass nämlich manche Leute tatsächlich nicht den Unterschied zwischen Kritik und abfälligen Äußerungen kennen. Schuld ist vielleicht weiterhin, dass man (und der Herr Kreisrat vorauseilend stellvertreterisch) sich auf den Schlips getreten fühlt, implizieren diese Sätze doch, dass ein solche Verhalten – Abfälliges und üble Nachrede – im Bereich des Denkbaren sich befindet, ja, gar stattfindet. Das ist es vielleicht, was die Gemüter erregt.

    Das angesprochene Verhalten findet allerdings statt. Da heißt es, dass “[Schülername] jeden Tag davon träumt mit der [Schülerin] zu poppen. Es aber nur ein Traum bleiben wird” oder dass “nur große und dumme Menschen einen großen Pimmel haben also hat der [Lehrer] einen winzig kleinen!!!” (Beides keine aktuellen Beispiele, die es ja sicher auch nicht mehr gibt.) Schon okay, beileibe nicht mal das Schlimmste aus meinem Fundus.
    – Schülerversteher werden sagen, dass es schon immer solche Schüleräußerungen gab, und das stimmt wohl. Aber nicht weltöffentlich im Web. So oder so: Ziel sollte sein, sich nicht so zu äußern.

    Allerdings, Michi, teile ich deine Einschätzung des Ergebnisses nicht:

    Ergebnis: Verschlechtertes Schulimage in der Öffentlichkeit; frustrierte SV-AGler; geladene Schüler, Lehrer

    Der Zeitungsartikel hat bei den Lehrern eher zu Solidarisierung geführt, die Stimmung im Lehrerzimmer heute war fröhlich, auf jeden Fall eher positiv. (Und vielleicht sind dadurch auch einige Lehrer sensibilisiert worden, was den Umgang mit der SV betrifft. Das war bei manchen auch nötig.) Ich glaube nicht daran, dass jede Publicity eine gute ist, aber in diesem Fall glaube ich, dass der Artikel dem Schulimage gar nicht geschadet hat – im Gegenteil. Also hoffe ich, dass ich mich nicht irre, und dass die SV-AG zu unrecht frustriert ist.

    Ich bin gespannt, wie die Reaktionen im Lokalforum dazu sind. Ich lese ja nicht mit, höre mir aber gerne Zusammenfassungen an.

  34. Mein Eindruck heute Vormittag war eher negative Stimmung (auch seitens Nicht-GRGler/Eltern) – kann sein, dass sich das an der Schule inzwischen geändert hat.

  35. Zuerst habe ich mich auch über den SZ-Artikel geärgert, weil er wahre Einzelheiten auf recht bösartige Weise so darstellt, so dass ein falscher Eindruck entstehen muss. Für Interessierte empfiehlt sich da Erich Käster, der in seinem Roman “Fabian” einen Journalisten sagen lässt, dass das, was die Zeitung schreibe, bei weitem nicht so schlimm sei, wie das, was man weglasse… Ich habe in meinem Unterricht und in der Mensa und der Aula Kopien des Artikels an Schüler verteilt. Oft waren die Schüler empört über den Inhalt. Tatsächlich war dann so ein Igel-Effekt bei Lehrern und Schülern zu beobachten. Das stimmt mich sehr zufrieden, weil zunächst bestätigt wird, dass die Schüler am GRG sich bisher nicht so recht mit der Gesellschaft und Öffentlichkeit um sie herum befasst haben bzw. diese Auseinandersetzung jedenfalls nicht in der Schule stattfand. Damit ist es nun vorbei: In diesem Blog und auf http://www.ffb-location.de/community diskutieren Schüler, und zwar Gegner und Befürworter der SV, streckenweise auf einem gedanklichen Niveau, das einen FDP-Lokalpolitiker und Hochschulprofessor der Geschichtswissenschaft, der noch nicht bemerkt hat, dass der Wahlkrampf vorbei ist, blass aussehen lässt. (Verzeihung, das Bild vom Dornröschenschlaf in der hintersten Ecke des Theresianumwegs, dem alten Standort des GRG, drängt sich im Rückblick einfach auch auf.) Mittlerweile bin ich also über meine Anfangsreaktion hinweg und sogar ein wenig stolz darauf, was dieses auch von mir mitverantwortete Papier ausgelöst hat. Seit zwei Wochen debattiert eine Schule über Werte und Kommunikationsstile, über demokratische Rechte und ihre schulischen Grenzen. Es wird gefragt, wo die Grenze zwischen Privatleben und Öffentlichkeit beginnt. Auf Elternabenden wird endlich einmal nachgefragt, was man denn als Eltern in Bezug auf das Internet tun solle, statt kritiklos der nächsten digitalen Innovation hinterherzuhecheln. Die SMV-Arbeit gewinnt neue Schwerpunkte, auch Dank eines neuen Wahlmodus für die Schülersprecherwahl. Diese Neuerung kommt genau zum richtigen Zeitpunkt.
    @1000sunny
    Ich denke schon, dass Sie an ein grundsätzliches Problem rühren, das in der Debatte um die antiautoritäre Erziehung und das Modell Summerhill schon ausführlich diskutiert wurde. Die Beziehung zwischen Lehrern und Schülern ist von Natur aus nicht symmetrisch, ganz ähnlich wie die Beziehung zwischen Eltern und Kindern nicht symmetrisch sein kann. Nicht wenige Probleme in der und mit der Schule ergeben sich genau aus dieser Wunschvorstellung von einer Symmetrie zwischen Kindern und Erwachsenen. Wem als Kind diese vorgegaukelt wird, der wird sich im wirklichen Leben den Kopf einrennen, weil er nicht gelernt hat mit Asymmetrien umzugehen. Im AK Schulvereinbarung war dies wiederholt ein Thema. Wer von dieser Symmetrie ausgeht, glaubt, dass die Kinder und Jugendlichen bereits das sind, was Erziehung und Bildung erst bewirken sollen. Kinder und Jugendliche sind aber keine kleinen Erwachsenen. Im Ausnahmefall mag das antiautoritäre Modell eine Notlösung für Kinder sein, denen unser Schulsystem nicht gerecht werden konnte. Den Ansatz dieser pädagogischen Reparaturwerkstatt zum Regelfall machen zu wollen, führt zweifellos entweder zu einer Gesellschaft durchsetzt mit Kinderzimmermonstren und Ichlingen oder produziert erst recht Opfer verfehlter Bildungsbemühungen, weil er die Schwächeren mit unauflösbaren Widersprüchen allein lässt. Da gibt es die Anekdote, fast schon eine moderne Wandersage, vom antiautoritären Quälgeist an der Kasse eines Supermarkts…

  36. Man sollte nicht das antiautoritäre System mit dem autoritativen und gleichberechtigten verwechseln. Was kommt als nächstes ? Ein Lob auf Winterhoffs Disziplin :) ?
    ..
    Ich kenne leider nur Sudbury (nicht Summerhill). Die werden auch oft mit Antiautoritär verwechselt. Wie schwer sich mancher tut, Kinder als Menschen zu behandeln und damit gleichberechtigt mit allen anderen Menschen.

    Da geht es jetzt nicht darum, dass ein Deutschlehrer “besseres” Deutsch kann, sondern, dass ein jeder Mensch eine individuelle und komplexe Geschichte hinter sich hat – die nicht “besser” ist, nur weil sie länger ist.

    Nun ja, ich denke, sobald man diese Assymetrie einfordert wird man immer wieder auf die Schnauze fallen. Da es für Kinder keinen Grund gibt daran zu glauben… bis eben die Erziehung abgeschlossen ist… aber dann sind sie selber schon erwachsen… und der Aberglauben ist mittlerweile unhinterfragt zu einer individuellen Wahrheit geworden.

    Damit kommen wir wahrscheinlich wieder an den Kern der Frage: Wo steht, dass die Beziehung zwischen Kind und Erwachsenem nicht symmetrisch ist. Und wo ist die Kontrollgruppe?

  37. Neulich wurde eine Münchener Rechtsanwältin auf der Straße von der Polizei angehalten, weil sie auf dem Fahrradsitz ihre Tochter transportierte, die bei den derzeitigen Temperaturen nicht einmal eine Windel anhatte, geschweige denn andere Bekleidung. Die Beamten stellten sie zur Rede. Sie gab zu Protokoll, dass ihre Tochter sich geweigert habe an diesem Morgen Kleidung zu tragen. Sie habe nicht in das Persönlichkeitsrecht ihrer eineinhalbjährigen Tochter eingreifen wollen. Das Kind war bereits blaugefroren. Als “Kontrollgruppe” trat hier die Münchener Polizei auf…
    Aber im Ernst: Dass Erziehung konfliktfrei sein könne oder sein soll, wenn man den Kindern eine Gleichberechtigung in Erziehungsfragen einräumt, kann sich nur ein Erwachsener ausgedacht haben.
    Dann noch zwei Anmerkungen. Autoritativer Erziehungsstil ist nach meiner Kenntnis nicht automatisch mit der Annahme von “Gleichberechtigung” verbunden.
    Die Vorstellung, dass man unter Berücksichtigung der Unterschiede von Erwachsenen und Kindern, gewissermaßen automatisch, Kinder nicht mehr als Menschen behandle, ist schon ein starkes Stück.

  38. Die Rechtsanwältin ist sicher ein besonderer Fall. Aber in Ihrer Formulierung sehe ich Gleichberechtigung und Behandlung von Kindern als Menschen mit einem “und damit” verbunden. Daraus ergibt sich für mich schon im Umkehrschluss, dass gemeint ist, dass jemand, der Kinder als andersberechtigt als Erwachsene sieht, sie nicht als Menschen behandelt. Auf der Ebene der Menschenrechte sind wir uns sicher einig: Kinder sind als gleichberechtigt anzusehen und zu behandeln, was ihren Schutz anbelangt, sollten sie gegenüber Erwachsenen sogar bevorrechtigt sein. Das dürfte der Minimalkonsens in den meisten Gesellschaften sein. Aber Bildung und Erziehung stehen auf einer anderen Ebene. Es kann doch nicht sein, dass ganz unterschiedliche Kategorien gegeneinander ausgespielt werden.

  39. Auf welcher Ebene stehen denn Bildung und Erziehung gegenüber der Ebene der Menschenrechte? Ist das so eine Art moderner Bildungsmachiavellismus? Die “Unreife” der Kinder heiligt die Autorität der Lehrer? (Unreife deswegen in Gänsefüßchen, weil wir erst mal definieren müssten, für was sie reif sein sollen).

  40. Die Asymmetrie zwischen Erwachsenen und Kindern ist nun mal so sehr gegeben, dass ich nicht viel dazu begründen will. Der Bildungsbegriff beruht darauf, das staatliche Schulwesen beruht darauf, die Vorschriften und Gesetze, Schüler und Eltern in diesem Schulwesen reklamieren die Asymmetrie für sich. Insofern muss eine Schulvereinbarung an einer solchen Schule asymmetrisch sein.

    (Gerade kam im Radio ein Erziehungswissenschaftler zum Thema der Rechtsanwältin mit dem Kleinkind, der die Situation etwas anders beschrieben hat. Das Kind habe nicht angezogen werden wollen, die Mutter habe es – als Strafe, mit einem Dann eben nicht! – nackt aufs Fahrrad gesetzt. Es sei ein Machtkampf zwischen den beiden gewesen. Man müsse sich aber aus einem solchen Machtkampf herausziehen können. “Ich bin der Erwachsene, ich höre jetzt auf” – auch das zeigt die Asymmetrie im Verhältnis zwischen Kindern und Erwachsenen.)

    Mit einem Menschenbild, das diese Asymmetrie nicht enthält, muss man natürlich über unser Schulwesen den Kopf schütteln.

  41. Danke, Herr Rau, für Ihre differenzierten und aufklärenden Beiträge (17.10./15.08 Uhr und 18.10.2008). Damit ist der wesentliche Kern getroffen und die hier ablaufende Diskussion auf eine begründete, von einer überwältigenden Mehrheit anerkannte Basis gestellt. Ich möchte mich dem uneingeschränkt anschließen.
    Übrigens: Mir ist der angesprochene SZ – Artikel aus dem Brucker Teil nicht zugänglich. Kann man den irgendwie hier einstellen? Oder ist er so schrottig oder die Arbeit dafür so aufwendig, dass sich dies nicht lohnt?

  42. Den Artikel gibt es leider nicht online, und hier einfach einbauen darf ich ihn aus urherrechtlichen Gründen nicht. Aber ich schicke eine Kopie per Mail.

  43. Ist die Stimmung im Lehrerzimmer immer noch “fröhlich” (Herr Rau am 17.10.08)? Anscheinend glaubt man, die veröffentlichte Meinung von Herrn Wollenberg nicht ernst nehmen zu müssen, weil für jeden einigermaßen vernuftbegabten Menschen offensichtlich ist, dass hier entweder bewusst üble Nachrede vorliegt oder (wohlwollend formuliert:) Unkenntnis der unterschiedlichen Bedeutung von “übler Nachrede und abfälligen Äußerungen” einerseits und (konstruktiver) “Kritik” andererseits. Dass ein Kreisrat das Erziehungsziel, auf üble Nachrede zu verzichten, wie es in der SV steht, “undemokratisch” nennt, ist ungeheuerlich und disqualifiziert ihn als Politiker. Und dass die SZ diesen Unsinn auch noch als Aufmacher nutzt, gibt ebenfalls zu denken. Oder sollte hier die (vielleicht?) unbedachte Äußerung eines (landkreis)bekannten Politikers als Prügel gegen das GRG missbraucht werden? Warum eigentlich? An beiden: an dem Politiker und an der SZ müsste massiv öffentlich “Kritik” geübt werden, und das hat dann nichts, aber auch gar nichts mit “übler Nachrede und abfälligen Äußerungen” zu tun. Vielleicht würden sie dann den Unterschied begreifen.

  44. Mal vorab, sozusagen als Fundstück Betr. Schulvereinbarung verbietet Kritik am Rasso SZ vom 17.10. 2008, S.R1 Von St. Ottilien über das Internat Salem bis Hogwarts gelten Schulen, die mehr bieten als nur seelenlose Bildungsdienstleistung für die besten ihrer Art, nur in Bruck scheint man das noch nicht gemerkt zu haben. Da formuliert ein Arbeitskreis einer staatliche Schule, wie übrigens an anderen Schulen im gesamten Landkreis auch, eine Schulvereinbarung, schon schreit ein FDP-Kreisrat, Historiker (!) und selbst ernannter Zaubereiminister nach den Dementoren des Landkreises, weil er „Abfall“ nicht von begründeter Kritik unterscheiden kann. Eine Rita Kimmkorn Thomalla macht sich auf den Weg in die antidemokratische Schlangengrube und riecht auch gleich den Schwefel einer obrigkeitsstaatlichen Schule. Unterstützt wird sie vom Chef des SZ-Tagespropheten H. Streit Eisenkolb, der wacker kommentierend feststellt, dass die Schulvereinbarung des GRG nur Selbstverständlichkeiten und Banalitäten enthält, sich dann aber weigert, die Frage zu stellen, warum die öffentlichen und jedermann zugänglichen Beratungen zur Schulvereinbarung zwei Jahre in Anspruch nahmen oder warum jetzt plötzlich Schüler (vielleicht aus dem Haus Slytherin oder Gryffindor?) hinter der Schulvereinbarung du weißt schon wen vermuten. Wer hätte gedacht, dass „Selbstverständlichkeiten und Banalitäten“ bei den Muggels der freundlichen Amperstadt soviel Staub aufwirbeln? Dieser Wirbel scheint ja geradezu ein Argument für die Schulvereinbarung zu sein. Albus und Minerva kichern im Hintergrund…

  45. Den Teil “Aktive Rolle im öffentlichen Leben” finde ich insgesamt bedenklich. Zusammen mit “Offenheit und Transparenz” entsteht der Eindruck: Transparenz nach innen, aber bitte nicht nach außen!

    Vielleicht reagiere ich aufgrund eigener Erfahrungen allergisch, wenn Schüler für das “positive Image” ihrer Schule zuständig gemacht werden. Es kommt mir jedenfalls nicht richtig vor. Alle sollten vielmehr ihre Energien darauf richten, dass ein gutes Image *berechtigt* ist.

    “abfällig” ist ein schwammiger Begriff, somit ist die Interpretation der Politiker nicht *völlig* abwegig.

    Zu guter Letzt spuken die Gefahren des Internets ziemlich unkonkret durch die letzte Seite.

  46. “Lehrer beraten Schüler im Umgang mit der außerschulischen Öffentlichkeit; dazu gehört auch die Information über Chancen und Risiken dieses Umgangs.”

    Findet das statt? Was sind die Inhalte solcher Beratung und Information? Ein Eintrag darüber würde mich sehr interessieren! :)

  47. @ ke: Können Sie Ihre Bedenken konkretisieren, die Sie gegen den Teil “Aktive Rolle im öffentlichen Leben” hegen?
    Ferner: Warum sollten sich nicht auch die SchülerInnen um ein positves Image Ihrer (!) Schule bemühen? Natürlich nicht nur sie allein! Aber das steht ja auch nirgends und versteht sich von selbst.

  48. @HAlo: Habe ich bereits konkretisiert, steht doch alles da. Ihre andere Frage habe ich eigentlich auch schon beantwortet, hier noch einmal deutlicher: Imagepflege sollte m.E. ein Nebeneffekt bzw. Seitenaspekt der Qualitätspflege sein. Ich finde, dass der letzte Teil der Schulvereinbarung sie zu sehr als eigenen Punkt behandelt. Daher kann man mit ihm das Ersticken von Kritik und Mundtotmachen begründen, wenn man will.

  49. Die aktive Rolle gefällt mir tatsächlich auch nicht sehr – und das, obwohl ich mich (im Web) sehr öffentlich mache. Ich wohne aber auch nicht am Schulort, da liegt die Distanz nahe.
    Ich kann mich übrigens an Diskussionen aus dem SV-AK erinnern, in denen es um die Formulierung dieser Stelle ging. (Zwar war ich nicht im Arbeitskreis, aber wer wollte, kriegte trotzdem mit, was alles los war.)
    Allerdings bin ich für eine Öffnung der Schule für die Öffentlichkeit. Die soll ruhig mal sehen, was in der Schule geschieht, was Schüler können. Und Schüler sollen auch was von der Öffentlichkeit mitkriegen. Sollten sich nicht auch Schüler schon als Teil der Öffentlichkeit begreifen? Hm. Also muss ich dann eigentlich doch dafür sein.

    Ob die Beratung der Schüler stattfindet? Zu wenig. Bei mir geschieht das in Informatik in der 7. Klasse, da steht das zwar auch nicht im Lehrplan, aber da behandelt man wenigstens Internet und Web. Urheber- und Persönlichkeitsrecht liegt mir auch am Herzen, das kriegen Schüler mit. Systematisch findet wohl nichts statt. Aber laut Schulvereinbarung scheint das ein Ziel zu sein, also wird man dann wohl auch darüber nachdenken müssen.
    Über Phishing und dergleichen siehe älteren Eintrag. Ansonsten bloggen meine Schüler immer wieder mal für Projekte, auch wenn ich das hier selten verlinke.
    Aber das reicht natürlich nicht.

  50. “Lehrer beraten Schüler im Umgang mit der außerschulischen Öffentlichkeit; dazu gehört auch die Information über Chancen und Risiken dieses Umgangs.”

    - für mich hört sich das auch so an, wie die Mitteilung eines Arbeitgebers an seine Untergebenen, dass sie über Interna das Maul halten sollen. Vielleicht sollte man das konkretisieren und schreiben was man gemeint hat – wenn man gute Absichten hatte.


    Diesen Imagepunkt finde ich komplett misslungen. Was soll denn diese Betonung, wie wichtig der Schein im Leben ist. Image kommt durch Qualität, nicht durch Loben. Ausserdem gehört die Schule nicht den Schülern, das wurde ja weiter oben schon besprochen. Sie sind die Untergebenen und sollen jetzt für die Hausherren (Asymmetrie-Diskussion) die Arbeit machen. -> so kommt das zumindest an, wenn man die SV liest, ohne die freundlich meinenden Lehrergesichter im Hinterkopf zu haben.

  51. @Herr Rau
    So, wie sie das sagen, würde ich auch oft zustimmen (Öffnung der Schule) – aber es kommt in der SV echt ganz anders rüber.

  52. 1000Sunny: Bitteschön, sind Sie dann damit zufrieden:

    “Lehrer schaffen keine geeignete Situationen im und außerhalb des Unterrichts, in denen
    Schüler sich und ihre Fähigkeiten öffentlich darstellen können”

    “[Lehrer] beraten Schüler nicht im Umgang mit der außerschulischen Öffentlichkeit; dazu
    gehört auch nicht die Information über Chancen und Risiken dieses Umgangs”

  53. @Herr Rau
    Ich hoffe, das ist nicht so in den Arbeitsgruppen für die SV abgelaufen. Ein paar konstruktiv gemeinte Kritiken – und schon schnappen die Lehrer ein. Verziehen sich in eine Ecke, schmollen und drohen all ihr schönes Wissen für sich zu behalten.

    Oder war der letzte Beitrag als Witz gemeint?

  54. @1000Sunny: Sie schreiben heute um 20:25, dass man den Eindruck bekomme, es sei in der Schulvereinbarung von “Untergebenen” und “Arbeitgebern” bzw. “Hausherren” die Rede, “wenn man die SV liest, ohne die freundlich meinenden Lehrergesichter im Hinterkopf zu haben.”

    Diese ironische Formulierung (und so manche andere in Ihren Beiträgen hier) suggeriert, dass Sie beim Lesen ganz andere als “freundlich meinende” Gesichter vor dem geistigen Auge haben, nämlich entweder Unterdrückerfratzen oder bestenfalls desinteressiert glotzende Apathiker. Ich lese mit meinem Grundkurs Deutsch gerade Heinrich Manns “Professor Unrat”. Ich habe den Eindruck, Ihr Lehrerbild ist dem dort vermittelten nicht unähnlich.

    Weiter oben haben Sie schon einmal bestritten, dass Ihre Beiträge einen aggressiven Unterton hätten. Sicher sind einige Ihrer Kommentare vom Ton her neutral. Doch es passt gut zu Ihrem offensichtlich negativen Lehrerbild, wenn Sie Reaktionen auf sarkastische Passagen in Ihren Texten als “Eingeschnapptsein” und “Schmollen” abtun. Vermutlich muss man aber ohnehin ein solides Vorurteil gegen Lehrer haben, wenn man die Schule generell für so schädlich hält wie Sie – nach den Texten Ihres Blogs zu urteilen.

  55. Das mit den “freundlichen Gesichtern” war wirklich nicht ironisch gemeint.
    Ich habe Herrn Rau hier immer als einen Integrator verstanden. Aber der Satz “Die Asymmetrie zwischen Erwachsenen und Kindern ist nun mal so sehr gegeben, dass ich nicht viel dazu begründen will.” das fand ich so “Unratig”, dass es natürlich das Bild der Hausherren nahe legt. Die Formulierung, wie man mit der Öffentlichkeit umzugehen hat (in Form einer Beratung) ist aber eine, die im Angestelltenverhältnis auch gebraucht wird.

    Wenn ich dann auf gewisse solche Stellen hinweise, und dann kommt gleich ein “Dann eben nicht”, dann erinnert mich das einfach an jemand der schmollt. – Ich fragte aber extra noch einmal nach, ob das ein Witz sei.
    Die Schule an sich halte ich natürlich (da sie in Deutschland eine Zwangsveranstaltung ist) für schädlich. Würde die Schulpflicht aufgehoben, wäre wahrscheinlich die ganze öffentliche Diskussion auch nicht so erhitzt.
    Meine aggressiven Unterton sehe ich immer noch nicht. Allerdings finde ich es komisch, dass zwischen Lehrern und Schülern so ein Machtgefälle postuliert wird, dass eine Inversion der Rollen absurd sein muss. Für mich sind halt Menschen Menschen. Auch Schüler.

  56. Vielleicht sollte man die SV noch einmal öffentlich Punkt für Punkt neu angehen. Auf einem Forum, wo sich Schüler auch anonym äußern können. Und wo auch externe Beobachter und Eltern sind. Dann würden solche Sätze wie “Die Autorität ist anzuerkennen” vielleicht ganz schnell ausgesiebt werden können. Jeden Respekt muss man sich verdienen – selbst den meiner Kinder.

  57. @ 1000Sunny: “Die Schule an sich halte ich natürlich (…) für schädlich.”
    Soll man sich mit so einem Satz wirklich noch ernsthaft auseindersetzen?? In welcher Welt oder besser: auf welcher Wolke leben Sie denn eigentlich? Selbstverständlich kann man über verschiedene Schulmodelle und ‑formen unterschiedlicher Meinung sein und sicher läuft jetzt nicht alles optimal. Aber die Schulpflicht grundsätzlich in Frage zu stellen, ja als “schädlich” zu bezeichnen ist absurd und grenzt an Realitätsverlust. Jetzt wird auch klar, warum Sie grundsätzlich eine so ablehnende Haltung allen Lehrern gegenüber äußern. Durch wen sollen denn Ihrer Meinung nach die Kinder sozialisiert werden oder ist dies überflüssig, weil sie alles von selber lernen (Rousseaus “Emile” lässt grüßen!)? Denken Sie dabei an die Eltern? Dann lesen Sie einmal aufmerksam die Zeitung, was die alles mit ihren Kindern anstellen.
    Zudem geht es bei der Asymmetrie zwischen Erwachsenen und Kindern nicht immer nur um ein “Machtgefälle”, das die Erwachsenen zu ihren Gunsten ausnützen, wie Sie immer herausstellen, sondern auch und vor allem um unterschiedliche Einsichtskompetenz und unterschiedliche Verantwortung.
    Eine “Inversion der Rollen” ist sicher absurd. Ich denke, dies muss nicht mehr begründet werden, wenn man den Begriff “Rolle” kennt.

  58. @HAlo: Tatsächlich meint 1000Sunny das ernst und gar nicht mal so provokativ, wenn ich mal für ihn sprechen darf. Schul-Gegner gibt es im Web viele, und dafür ist er noch sehr gemäßigt – den aggressiven Unterton höre ich zwar auch, aber der Hinweis, dass es ja Hitler war, der die Schulpflicht eingeführt hat, kam noch nicht. Und es stimmt tatsächlich, dass es nicht viele Länder gibt, in denen der Heimunterricht so verboten ist wie in Deutschland.

    Allerdings glaube ich auch, dass wir auf keinen grünen Zweig mehr kommen werden. Ich denke, jeder hat schon alles gesagt und wir drehen uns im Kreis.

    @1000Sunny: Verstehen Sie es eher, wenn ich von der Asymmetrie zwischen Lehrer und Schüler spreche? An, wie ich ganz oben schon geschrieben habe, der staatlichen Schule. Wir Lehrer haben eine Aufsichtspflicht, die Schüler nicht. Wir haben Dienstpflichten, die Schüler nicht. Wir entscheiden laut Gesetz über Vorrücken und Nichtvorrücken und nehmen hoheitliche Aufgaben wahr, indem wir Hochschulreife verleihen oder nicht. (Das mit den hoheitlichen Aufgaben ist die Begründung für den Beamtenstatus, die ich allerdings für Quatsch halte.)
    Die Schüler können gerne auch Notengeben spielen mit den Lehrern. Aber das wird ein Spielen bleiben. Muss ich das wirklich alles noch weiter erklären?

    Sie können gerne sagen, dass dann die Gesetze schlecht und die Rechte und Pflichten falsch verteilt sind. Aber dafür ist das hier nicht die geeignete Plattform.

  59. Bitte wieder beruhigen. Verleumdung ist ein Straftatbestand, von dem wir sehr weit weg sind. Das Zitat war korrekt, auch wenn es vielleicht anders gemeint war. Alle mal verschnaufen und bitte nur noch Neues schreiben. Wer das letzte Wort hat, verliert.

  60. Habe die Ehre. Denn sonst würde der Herr Rau verloren haben. Dann schon lieber ich…

  61. HAlo: “Aber die Schulpflicht grundsätzlich in Frage zu stellen, ja als ’schädlich’ zu bezeichnen ist absurd und grenzt an Realitätsverlust.”

    Nein. In Österreich zum Beispiel gibt es keine Schulpflicht.

    @Herr Rau: Um welche Asymmetrie zwischen Lehrern und Schülern geht es hier? Um eine naturgegebene? Oder um eine, die in Normen besteht? “so sehr gegeben, dass ich nicht viel dazu begründen will” spricht für ersteres, “Wir Lehrer haben eine Aufsichtspflicht, die Schüler nicht” usw. für letzteres.

  62. War ich blöd? Ich wollte den Herrn Rau nur entlasten und nicht die Diskussion wieder anfachen. Das Internetzl und die Kommunikation darin sind ein eigen Ding.

  63. Ich finde es auch schade eine Diskussion abzuwürgen, genau zu dem Zeitpunkt, wo alle Standpunkte erst mal sortiert sind und man sich jetzt an Konsensfindung und wissenschaftliche Analyse der Standpunkte machen kann. Ich hätte mir eher so etwas gewünscht wie: “Jetzt verlieren wir den produktiven Dialog, vielleicht nehmen wir uns ein, zwei Tage zum verschnaufen und überlegen und kehren dann in neuer Frische zurück zu diesem Punkt.”

    >ke< stellt also die Frage, die des Pudels Kern ist, und dem sollten wir uns doch zuwenden.

    Vielleicht dieses mal ohne “Gottgegeben”, “Naturgegeben”, “klarer Menschenverstand”, “offensichtlich”, “absurd” sondern bemühen uns um Argumente (vielleicht sogar mit Unterlegungen).

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