Jahrgangsstufentests Deutsch 2008

Diese Woche habe ich für unsere Deutsch-Fachsitzung die Ergebnisse unserer Schule mit denen von Bayern verglichen. Erleichtert wird das durch eine vom ISB gelieferte Excel-Tabelle, in die die Lehrer beziehungsweise Fachbetreuer ihre Daten eingeben. (Die bayernweiten Ergebnisse kopiert man dann in die Tabellen, ausgewertet wird dann automatisch.) Erschwert wird das durch eine vom ISB gelieferte Excel-Tabelle – zumindest durch die Fassung, die ich sehr früh dort heruntergeladen habe und die auf dem Tabellenblatt “Kompetenzprofil” falsche Formeln verwendet. Die aktuelle Fassung dort ist stillschweigend korrigiert worden. Das ist ärgerlich und hat mich etwas Bastelei gekostet, die ich nicht jedem Lehrer zutraue. Dennoch, die Tabellen sind hilfreich, und gerade dieses Tabellenblatt ist es besonders.

In den Tests werden vier Kompetenzen geprüft:

  • Leseverstehen
  • Ausdrucksfähigkeit
  • Formale Sprachbeherrschung (=Grammatik)
  • Rechtschreibung

Ob die einzelnen Aufgaben wirklich diese Kompetenzen überprüfen, also ob der Test auch valide ist, kann ich nicht so einfach überprüfen, aber gehen wir mal davon aus.

Der Test ist nicht genormt. Es ist also allenfalls ein Richtwert, wenn man erfährt, dass die Schüler 60% der Punkte erreicht haben. Erst der Vergleich mit den bayernweiten Durchschnitten ist dann ergiebig: Wenn dort nur 50% der Punkte erreicht wurden, darf man sich freuen, bei 70% sich ärgern. Über die Gründe für das bessere oder schlechtere Abschneiden ist damit allerdings noch nichts gesagt.

Einen Nutzen dieser Tests habe ich tatsächlich erst dieses Jahr erkannt:

Wenn eine Klasse oder Schule in allen Kompetenzen unter- oder überdurchschnittlich ist, dann hilft einem das bei der Schulwentwicklung nicht viel. Wenn aber in beiden Jahrgangsstufen die gleichen Kompetenzen jeweils überdurchschnittlich oder unterdurchschnittlich sind, und das möglicherweise auch noch über mehrere Jahre hinweg, dann sagt das etwas über die bewusste oder unbewusste Schwerpunktsetzung der Schule aus, finde ich.

(Aus der Kategorie: Werbung für diagnostische Tests.)

5 Antworten auf „Jahrgangsstufentests Deutsch 2008“

  1. Ja, kann sein. Weil im März VERA 8 kommt, durften Gymnasien entscheiden, ob sie am Test teilnehmen wollen oder nicht.

  2. Viel wichtiger als die Diskussion über den VERA-Test finde ich die Frage, was wir tun könnten, um die Deutsch-Lehrer zu entlasten. Dionys hat eine Liste aufgestellt, die die Mehrarbeit der Deutschlehrer beim G‑8-Abitur aufzeigt. Ich finde es jetzt schon unzumutbar, was Deutschlehrer leisten müssen. Die Schulaufgaben-Saison ist wieder eingeläutet worden und ich bin schon beim ersten Durchgang meiner Schulaufgabe (11. Klasse, Interpretation …) höchst frustriert. Es kann doch nicht sein, dass ich als Teilzeitkraft von jetzt ab wieder acht Monate lang jedes Wochenende zehn Stunden korrigiere. Ich habe hier natürlich noch nicht die Vorbereitung meines Unterrichts für die nächste Woche eingerechnet. Gibt es nicht in Österreich ein Modell für Deutschlehrer, wonach sie weniger unterrichten müssen, oder so ähnlich. Wer weiß etwas darüber?

  3. Es gibt auch in Deutschland Ansätze dazu, das wird auf einer Englisch-Mailingliste gerade auch diskutiert. Die Informationen habe ich von dort.

    Es gibt ein Hamburger Arbeitszeitmodell, ein Mindener Modell (wohl besser für Teilzeitler), eine Bandbreitenregelung in BW und vor allem in NRW. (Dort müssen sich Lehrerkonferenz und Schulleitung einigen.)
    Interessant ist auch http://www.korrekturfachlehrer.de/, in NRW sehr aktiv (Links und Programm dort).

    Ich bin mir bei dem Thema der ungleichmäßigen Arbeitsverteilung (sowohl beim Fach Deutsch wie auch bei Teilzeitlern) nicht einig und habe hier noch nie darüber geschrieben. Vielleicht muss ich mich doch mal daran wagen. Ich sehe bei beiden Punkten beide Seiten.

    Es ist allerdings auch so, dass sich manche Deutschlehrer der fachinternen Arbeitserleichterung widersetzen. Kürzere Schulaufgaben, weniger Schulaufgaben sind mit deren pädagogischem Eros nicht zu vereinbaren. Auch effektive Zusammenarbeit (die eine gewisse Aktivierungsenergie erfordert) sehe ich wenig.

    Auf politischer Ebene müsste man in Bayern einen sehr weiten Weg gehen.

    Bleibt die schulinterne Regelung. Da gibt es Spielraum, aber da sich fast jeder Kollege im Vergleich zu den anderen unverhältnismäßig belastet fühlt (oder einfach nur allgemein durch das gestiegende Stundendeputat belastet fühlt), wird das zu Streit führen und die Schulleitung wird brav die Finger davon lassen, wenn sich nicht das Kollegium selber ganz einig ist.

    Damit sich Nicht-Deutschlehrer (die sich das Deutsch-Gejammere sicher oft anhören müssen) nicht missverstanden fühlen: Natürlich kann man in jedes Fach und in jede Klasse beliebig viel Arbeitszeit stecken. Aber wenn ich vier Stunden Deutsch (eine Klasse) und vier Stunden Informatik (zwei Klassen) habe, dann verwende ich geschätzt, vielleicht auch nur gefühlt, 65% meiner Zeit auf Deutsch und 35% auf Informatik – weil es nicht anders geht. Wenn ich bei zwei Deutschklassen dann nicht mehr genug Arbeitszeit von meinem anderen Fach abzwacken kann, dann werde ich insgesagt mehr arbeiten als mit anderen Fächern. Ich will allerdings noch nicht beschwören, dass das so ist, und möchte erst noch darüber nachdenken.

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