Vom Weben (Poverty Knock und anderes)

Das Lied habe ich anno 1997 oder 1998 als Referendar in Straubing im Englischunterricht eingesetzt. (Green Line 5, Ausgabe Bayern, 9. Klasse, Unit 2: ein schönes Kapitel mit gutem Material. Zum Einstieg etwas Landschaftsmaleri, ein ländlicher Constable und eine „British Steel Mill at night“ eines unbekannten Künstlers, ein Essay „Down the Mine“ von George Orwell und ein Ausschnitt aus Hard Times von Charles Dickens. Und „Dirty Old Town“ zum Anhören.)

Aus den Charts kannten die Schüler damals Chumbawamba mit „Tubthumping“ („I get knocked down/But I get up again“); ich hatte selber ihre Platte mit English Rebel Songs 1381-1914. Alle Lieder darauf sind a cappella gesungene Arbeiter- und Revolutionslieder der letzten Jahrhunderte. Darunter das hier:

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Poverty, poverty knock, my loom is a-saying all day,
Poverty, poverty knock, gaffer’s to skinny to pay
Poverty, poverty knock, keeping one eye on the clock,
I know I can guttle when I hear my shuttle go poverty, poverty knock

Up every morning at five, I wonder that we keep alive
Tired and yawning in the cold morning it’s back to the dreary old drive

(Meine CD-Version unterscheidet sich textlich etwas von der Aufnahme bei Youtube.)

Ein echter Ohrwurm. Das muss natürlich auch sein, der Rhythmus ist schließlich der monotonen Arbeit in einer Weberei nachempfunden. Dazu gab’s ein Arbeitsblatt mit dem mühsam herausgehörten Text; heute gibt’s das ja alles im Web. Kann man tolle Sachen mit machen, mit dem Lied. (Mit dem Web natürlich auch.)

Süß finde ich die Kommentare auf der Youtube-Seite, anscheined wird dieses Lied weiträumig auch von anderen Englischlehrern im Gymnasium eingesetzt.

Hier eine Version einer traditionelleren Musikgruppe, den Houghton Weavers aus Lancashire:

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Die Chumbawamba-Platte ist eine lohnenswerte Anschaffung, ich habe auch schon „General Ludd’s Triumph“ im Unterricht gemacht und einige der Texte aus den liner notes verwendet. Gelegentlich ertappe ich mich auch dabei, wie ich „Hanging on the old barbed wire“ (1914) vor mich hin singe. („If you want to find the general, I know where he is, I know where he is, I know where he is.“)

Zum Vergleich bieten sich natürlich „Die schlesischen Weber“ von Heinrich Heine an. Vorindustriell, weniger kritisch und verklärt wird noch in Des Knaben Wunderhorn in der deutschen Romantik gewoben:

Das Weberlied

Frühmorgens, wenn der Tag bricht an,
Hört man uns schon mit Freuden
Ein schönes Liedlein stimmen an,
Und wacker drauf arbeiten.
Die Spule die ist unser Pflug,
Das Schifflein ist das Pferde,
Und damit machen wir gar klug
Das schönste Werk auf Erden.

Gar manche Jungfrau freundlich spricht:
Macht mir gut Tuch zu Betten,
Das Garn ist auch schon zugericht,
Zu Tischtuch und Servietten.
Webt mir die schönsten Bilder drein,
Macht mir darin kein Neste,
Das Trinkgeld sollt ihr haben fein,
Webt mirs aufs allerbeste.

Und wenn ein Kriegsheld zieht ins Feld
Mit seinen Wehr und Waffen,
So schlägt er auf ein Leinwandzelt,
Darunter thut er schlafen.
Die schönste Arbeit weben wir
Von Seiden, Flachs und Wolle,
Dem Fähndrich weben wir’s Panier,
Daß ers erhalten solle.

Und ist die Leinwand nichts mehr werth,
Und ist die Fahn verloren,
So kömmt sie erst in rechten Werth,
Papier rauscht vor den Ohren,
Man druckt darauf das Gotteswort,
Und schreibt darauf mit Dinten,
Des Webers Werk währt immer fort,
Kein Mensch kann es ergründen.

Schon kritischer, aber immer noch vorindustriell, sieht das bei Thomas Hood aus (1843):

The Song of the Shirt

With fingers weary and worn,
With eyelids heavy and red,
A woman sat, in unwomanly rags,
Plying her needle and thread–
Stitch! stitch! stitch!
In poverty, hunger, and dirt,
And still with a voice of dolorous pitch
She sang the „Song of the Shirt.“

„Work! work! work!
While the cock is crowing aloof!
And work–work–work,
Till the stars shine through the roof!
It’s Oh! to be a slave
Along with the barbarous Turk,
Where woman has never a soul to save,
If this is Christian work!

„Work–work–work
Till the brain begins to swim;
Work–work–work
Till the eyes are heavy and dim!
Seam, and gusset, and band,
Band, and gusset, and seam,
Till over the buttons I fall asleep,
And sew them on in a dream!

„Oh, Men, with Sisters dear!
Oh, men, with Mothers and Wives!
It is not linen you’re wearing out,
But human creatures‘ lives!
Stitch–stitch–stitch,
In poverty, hunger and dirt,
Sewing at once, with a double thread,
A Shroud as well as a Shirt.

„But why do I talk of Death?
That Phantom of grisly bone,
I hardly fear its terrible shape,
It seems so like my own–
It seems so like my own,
Because of the fasts I keep;
Oh, God! that bread should be so dear,
And flesh and blood so cheap!

„Work–work–work!
My labour never flags;
And what are its wages? A bed of straw,
A crust of bread–and rags.
That shatter’d roof–and this naked floor–
A table–a broken chair–
And a wall so blank, my shadow I thank
For sometimes falling there!

„Work–work–work!
From weary chime to chime,
Work–work–work–
As prisoners work for crime!
Band, and gusset, and seam,
Seam, and gusset, and band,
Till the heart is sick, and the brain benumb’d.
As well as the weary hand.

„Work–work–work,
In the dull December light,
And work–work–work,
When the weather is warm and bright–
While underneath the eaves
The brooding swallows cling
As if to show me their sunny backs
And twit me with the spring.

„Oh! but to breathe the breath
Of the cowslip and primrose sweet–
With the sky above my head,
And the grass beneath my feet,
For only one short hour
To feel as I used to feel,
Before I knew the woes of want
And the walk that costs a meal!

„Oh! but for one short hour!
A respite however brief!
No blessed leisure for Love or Hope,
But only time for Grief!
A little weeping would ease my heart,
But in their briny bed
My tears must stop, for every drop
Hinders needle and thread!“

With fingers weary and worn,
With eyelids heavy and red,
A woman sat in unwomanly rags,
Plying her needle and thread–

Stitch! stitch! stitch!
In poverty, hunger, and dirt,
And still with a voice of dolorous pitch,–
Would that its tone could reach the Rich!–
She sang this „Song of the Shirt!“

Nachtrag: Im aktuellen Green Line 5 (9. Klasse, G8, Bayern) ist Poverty Knock tatsächlich auch drin, auch als Audiospur, allerdings nicht in der Chumbawumba-Version.

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4 Thoughts to “Vom Weben (Poverty Knock und anderes)

  1. Diese CD habe ich schon lange und liebe sie immer noch sehr, besonders den Idris Strike Song. Auf die Idee, sie im Unterricht einzusetzen, bin ich allerdings noch nie gekommen – dabei liegt das so nahe.

  2. Bei Dirty Old Town habe ich irgendwie ziemlich lange gebraucht, bis ich den „Witz“, also die Wendung am Ende des Liedes verstanden bzw. mitbekommen habe. Fiel mir beim Dubliners Konzert vor kurzem mal wieder ein…

    Schöner Eintrag, ich wusste gar nicht, dass Chumbawamba sowas gemacht hat, werd mir die CD mal merken…

  3. Ich muss für morgen den Unterschied zwischen Poverty knock und einem Text daneben rausschreiben -.-

    Es ist seeeehr kompliziert, wenn die Wörter nur auf englisch erklärt sind.
    Also an die Englisch- Lehrer da draußen: Da muss man näher drauf eingehen ^^

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