Paul Shipton, Bug Muldoon

Ich wünsche allen Vorbeischauern ein schönes und gesundes neues Jahr! Die letzte Woche über war ich nicht da, sondern entspannen im Ausland, und abgesehen von in meinem Kopf herumgeisternden Klassendiagrammen für Informatikprojekte habe ich nichts für die Schule gemacht. Das war, wie gesagt, entspannend, aber dafür muss ich ich den nächsten Tagen hinklotzen.


Eben gelesen: Paul Shipton, Bug Muldoon and the Garden of Fear. Sehr nett. Bug Muldoon ist Privatdetektiv, der beste im ganzen Garten. Er hat eine Vergangenheit, über die er nicht redet, er hat ein Büro und die üblichen Probleme eines Privatdetektivs. Außerdem ist er ein Käfer.

Das Buch ist kurz (einmal Bahnfahrt München-Augsburg und zurück) und witzig. Die Parallele zwischen der Welt des Gartens und der des Privatdetektivs, wie man ihn von Raymond Chandler kennt, funktioniert ausgezeichnet. Ein Kennzeichnen für den Chandlerschen Helden ist ja, dass er sich in allen gesellschaftlichen Schichten herumtreibt – bei Colonel Sternwood und anderen feinen Leuten, bei kleinen Gangstern und großen Geschäftemachern. Und ähnlich rollenkonform verhalten sich auch die Insekten im Garten. Die Ameisen und die Wespen und die Ohrwürmer. It’s a jungle out there. Der Plot ist für ein so schmales Buch sorgfältig angelegt. Es beginnt natürlich mit einem Klienten und einem Routinejob, der dann eine etwas andere Wendung nimmt. Teilweise hat mich das Buch tatsächlich an Watership Down erinnert.

Am Schluss wird sogar Chandlers berühmter Satz aus „The Simple Art of Murder“ zitiert: „It was as simple as that: through these mean flower beds a bug must walk who is not himself mean.“ Dadurch, dass die Helden Insekten sind, gewinnt der Kriminalroman aber zusätzliche Möglichkeiten. So lässt sich schnell und fugenlos umschalten zwischen dem Private-Eye-Modus und dem Genre akrobatischer Luftkämpfe, Millenium Falcon lässt grüßen.

— Gut ist der auch zweite Band, Bug Muldoon and the Killer in the Rain, selbst wenn er mir weniger gefallen als der erste – er ist mehr Abenteuergeschichte und Road-Movie und weniger Detektivroman. Aber die lakonisch-metaphorische Sprache ist noch die gleiche:

Me, I wouldn’t go looking for wisdom underneath a dead old log, but then my thoughts run no deeper than a raindrop on cement. The way I see it, if you let your thoughts run too deep, you might just drown in them.


Hier zweimal Chandler aus Erinnerungsgründen:


Überhaupt, ich mag Genre-Literatur. Angefangen mit dem ältesten Genre überhaupt, dem Epos. Und darum lese ich jetzt weiter in meinem Black Lizard Big Book of Pulps, 1150 Seiten voller hard-boiled action.

3 Antworten auf „Paul Shipton, Bug Muldoon“

  1. „Die Wanze“ von Paul Shipton habe ich gleich mal einer Freundin empfohlen. Seit sie im Insektenzuchtraum der PH arbeitet, hat sie sogar ihre Spinnenphobie abgelegt und sich eine Vogelspinne zugelegt. Ricarda heisst die Spinne.

  2. Lieber Thomas Rau,

    dankedankedanke – ich beiße mir schon den ganzen Nachmittag die Zähne an einem literaturwissenschaftlichen Beitrag über tierische Detektive aus und sitze u.a. natürlich auch an Bug Muldoon. Die Parallele zu Marlowe ist klar – ich hab’s nur nicht in Worte fassen können. Und dass ein Satz tatsächlich ein Zitat aus Chandler ist, das wusste ich auch nicht.
    Wie wunderbar, dass auch andere „Ehemalskinder“ so einen Spaß an KJL haben!
    Ganz liebe Grüße,

    Maren

  3. Bitteschön, gern geschehen. Bibliographien tierischer Detektive gibt es sicher schon irgendwo, sonst würde ich hier mal sammeln, wen ich alles kenne. Wanze Muldoon ist Chandler schon recht nahe. „Killer in the Rain“ ist übrigens auch der Titel einer der frühen Chandler-Kurzgeschichten, die selten nachgedruckt werden, da er sie für seine Romane ausgeschlachtet und teilweise wiederverwendet hat.

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