The Golden Age 1: Call of Cthulhu

„Es ist sehr interessant,“ sagte ich zu Frau Rau, „die Live-Aufnahme eines Rollenspielszenarios als Podcast zu hören, bei dem man selber mal Spielleiter war, weil man dann die Geschichte und die Hintergründe schon kennt und das Verhalten der Spielergruppe mit der eigenen damals vergleichen kann.“

„Das ist eine sehr spezielle Definition von ‚interessant‘,“ sagte Frau Rau.

Trotzdem höre ich gerade Episode 24 von „Horror on the Orient Express: Audio Game Recording“ (Links zu Episoden). Horrors on the Orient Express ist eine umfangreiche Kampagne für das Rollenspiel Call of Cthulhu, und eine erfahrene Gruppe von Spielern hat sie durchgespielt und aufgenommen. 18 Monate, 34 Episoden, jeweils so um die zwei Stunden lang. Hier das Intro:

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Prof. Alphonse Moretti (Prof. Emeritus, European History, Univ. Florence), Betty Sunderland (Egyptologist), Col. Neville „Never“ Goodenough (Military Engineer, Rtd.), Violet Davenport (Magician’s Assistant) und Grace Murphy (Secretary to Mrs Sunderland) erleben dabei spannende Abenteuer. Die – britischen – Spieler haben solche Audioaufnahmen schon mit mehreren Kampagnen produziert, das Spiel geht manchmal eher Richtung Impro-Theater. Mehr Rollenspiel als bei uns damals, aber weniger Horror. Und etwas zu lang. Orient Express haben wir zwar nie gespielt, aber die ersten vier Episoden des Spiels bestehen aus „The Auction“, einem Szenario aus The Asylum & Other Tales, und da wiederum war ich damals Spielleiter. (Meine Spieler kamen sofort darauf, wer der Schurke und verkappte Kultist war. Im Podcasts läuft das eleganter ab.)

Sicher nicht für jeden. Aber ich freue mich schon auf die letzte Woche begonnene Serie „Shadows by Gaslight“. Dabei wird eine der ersten und besten Kampagnen nachgespielt, „Shadows of Yog-Sothoth“, die bei uns damals ein großer Erfolg war. Auch weil sie noch kürzer und übersichtlicher ist als die späteren, weit umfangreicheren Masks of Nyarlathotep, Beyond the Mountains of Madness oder eben Orient Express. Allerdings spielt diese Version im späten 19. Jahrhundert, Gaslight eben. Bin gespannt, was das für einen Unterschied macht. Traditionell spielt man nämlich in den 20er Jahren, auch wenn es Versionen gibt für die 1950er Jahre, die Gegenwart, das antike Rom, und bestimmt noch weitere.

Nachtrag: Die erste Podcast-Episode von Shadows war noch nicht so besonders. Auch hier ist allerdings ein anderes Szenario zum Einstieg vorgeschaltet.

Natürlich möchte ich das irgendwann mal mit Schülern machen. Nicht die Audioaufnahme, aber ein kleines Call-of-Cthulhu-Spielchen, auf Englisch. Vielleicht geht mal was als Konversationsübung im Rahmen eines W-Seminars. Das müsste doch ein Redeanlass sein, wenn es heißt: „There’s a knock at your door“ oder: „The crazy cultist is running towards you, shouting words in a language that you don’t understand.“ Pädagogisches Material dazu: flash cards mit den wichtigsten Vokabeln und Bildern dazu, also shotgun, rope, ancient tome, heathen idol und so weiter.

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5 Thoughts to “The Golden Age 1: Call of Cthulhu

  1. +5 Karmapunkte für solch interessante Hobbies! :-)

    Ich mochte damals sehr gerne „Die Froschkönig-Fragmente“ – nicht sehr gaslightig, dafür hübsche Heimatgeschichten.

  2. Gerade gegoogelt, sieht gut aus. Ich habe die deutsche CoC-Box und etwas Material dazu, hatte aber nie Gelegenheit, es zu spielen.

  3. Die Podcasts habe ich auch gehört, bzw. bin grade auch dabei ein wenig in „Shadows by Gaslight“ reinzuhören, weil ich das Buch dazu besitze und einmal sehen wollte, wie das Szenario dort umgesetzt wird. Mich hat das aber auch nicht vom Hocker gehauen. Irgendwie ist es bei dieser Aufnahme wirklich so, dass die Spieler völlig vergessen, dass sie mitgeschnitten werden und sie betreiben viel „off-topic“ Gerede. Aber was mich wirklich verwundert, ist dass fast nichts „in character“ geschieht – ist das nicht merkwürdig? Wie wurde das denn bei Herrn Rau gehandhabt?

    Grüße!

  4. Den Podcast zu Shadows by Gaslight habe ich nach zwei oder drei Episoden auch abbestellt. Enttäuschend, da waren selbst wir damals besser. Ich schiebe das auf die etwas unsichere Spielleitung, die liest viel ab und haut nicht genug auf den Tisch. (Orient Express, mit anderem Spielleiter, ist besser.)
    Beim Rollenspiel gibt es wie beim Unterricht verschiedene Formen: stark gelenkt („railroading“), mit offenem oder vorgegebenem Ziel, mit mehr oder weniger Spielleiter-/Lehrer-Sprechanteil. In beiden Situationen geht es oft darum, zu einem bestimmten Ziel zu gelangen, wobei eine Person privilegiert ist und über mehr Informationen und Rechte verfügt, und das in gegenseitigem Einvernehmen und als Spieler mit dem Gefühl der Eigenverantwortlichkeit. Wobei nur Horror richtige Kooperation zwischen Spielern und Spielleiter erfordert, denke ich, um Stimmung zu erzeugen, die beim Dungeon Crawl nicht so wichtig ist.

    Damals, vor 25 Jahren, waren wir wohl auch nicht immer in character. Regeldiskussionen gab es bei CoC keine, Witzeleien und das Verlangem nach mehr Kartoffelchips schon. Ich weiß es ehrlich gesagt nicht mehr. Wir waren sicher weniger in character als beim Orient-Express-Podcast. Ich würde ja zu gern mit Lehrerskollegen eine Runde spielen und ausprobieren, wie das heute läuft.

  5. Ja, das stimmt. Ich (Referendar) sehe die Parallelen zwischen Unterrichten und Rollenspiel auch – und ich kann mir auch vorstellen, dass beides positiv auf einander einwirken kann – allerdings hab ich insb. mit CoC leider noch nicht so viel Erfahrung, weil ich einfach keine Gruppe & keine Zeit habe im Moment.

    Shadows by Gaslight höre ich im Moment noch ein wenig, aber ich find die Soundqualität trotz deren tollem Equipment irgendwie schwierig und sehr aggressiv im Ohr (auch das Würfelgerolle und so) – die Unsicherheiten beim Spielleiten hätte ich dabei aber auch. Wie man bei dem Orient Express Podcast hört, können die das ja auch ein wenig schwungvoller und das Können desjenigen Spielleiters von damals ist bestimmt ein wenig einschüchternd – so, wie es das Spielleiten insgesamt auch ist.

    Naja, ich hoffe auf bessere Zeiten und dass ich auch irgendwann mal wieder dazu komme. Bis dahin kann man ja Podcasts hören und Bücher lesen – ist auch toll. Übrigens haben die hier (http://actualplay.roleplayingpublicradio.com/category/systems/call-of-cthulhu/) auch ab und an mal Call of Cthulhu im Programm. Da ist der „Keeper“ sehr gut, aber es gibt auch einen etwas nervigen Spieler… aber ich will nicht vorverurteilen. Grüße!

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