The Golden Age 2: Perry Rhodan

In den letzten Wochen habe ich viele Hörbücher von meiner Festplatte angehört, die endlich mal wegmussten. Hauptsächlich Fontane und solche Sachen, aber auch Perry Rhodan Band 2300 aus dem Jahr 2005, den ich mir damals aus dem Web geladen habe. (Download inzwischen hier.)

Und grad schön war’s. Ich meine, ich kann das keinem meiner Leser einfach so empfehlen, aber wer’s mag, fur den ist es das Höchste, wie man so sagt. Und für jemanden wie mich auch, der eine Perry-Rhodan-Vergangenheit hat, und es gibt schlimmere Leichen, die man im Keller haben kann. Ich habe nur ein paar Jahre lang Perry gelesen, vielleicht zwei oder drei, aber von den ersten 1000 Heften habe ich vermutlich fünfhundert gelesen – die ersten dreihundert, und dann zwischendrin noch viele andere, dazu einige Dutzend PR-Taschenbücher.

Beim Anhören von Heft 2300 kamen viele Erinnerungen auf, Figuren, an die ich Jahrzehnte nicht mehr gedacht habe, die ich aber mit dem wunderbarsten Erinnerungen verknüpfte. Siganesen, Roi Danton, die USO, Alaska Saedelare, Schreckwürmer, Molkex, die Blues, Meister der Insel, ES, Crest, Arkoniden, Haluther, Unither. Das war so ähnlich wie beim Anhören von Wilhem Hauffs „Geschichte von dem Gespensterschiff“, das ich als Kind als Hörspiel hatte, und dessen exotisch-magische Namen ich auch schon wieder vergessen hatte. („Mein Vater hatte einen kleinen Laden in Balsora.“)

Ich habe dann in der Perrypedia geblättert, könnte allein schon vom Ausgangspunkt „Kurioses in Romantiteln“ stundenlang herumlesen. Na, und erst die wunderbaren Titelbilder von Johnny Bruck!

Ähnlich wie Leute mit Griechisch-Leistungskurs erkennen sich auch ernsthafte Perry-Rhodan-Leser auch noch Jahrzehnte danach; in meinen Kreisen gibt es leider kaum welche davon. Wie gerne würde ich mal wieder fachsimpeln und mich über die neuesten Entwicklungen informieren lassen. Viele gibt es davon ja nicht, das liegt im Wesen solcher Serien. Trotzdem sammeln sich in zweieinhalbtausend Heften, weiteren Taschenbüchern und begleitenden Serien schon sehr viel Geschichten an – immerhin durchgehend seit 1961. Der Serienkosmos wächst von Heft zu Heft, so dass es früher oder später zu jedem beliebigen Thema und zu jeder Figur in der Serie sehr viel in einem Lexikoneintrag zu schreiben gibt. Das macht die Lexikoneinträge für Außenstehende dann etwas kryptisch:

Anmerkung: Im Kommentar zu PR 2039 wird die Parabegabung der Antis ebenso wie die der Vincraner auf das Abjin der Lemurer zurückgeführt. Diese nicht besonders stark ausgeprägten paranormalen Kräfte wurden durch den Kontakt mit der Megaintelligenz ZEUT besonders gefördert. Die Abjin-Kräfte traten daher bei den auf Zeut angesiedelten Lemurern und ihren Nachkommen besonders gehäuft und ausgeprägt auf. Interessant ist, dass schon die Zeut-Ellwen die für Akonen und Arkoniden und die von ihnen abstammenden Völker charakteristische knöcherne Brustplatte anstelle von Rippen besaßen. (Perrypedia)

Wenn man das verstehen will, muss man sich schon einlesen in das Perry-Universum. Anders als bei den ähnlich gewachsenen Universen von DC beziehungsweise Marvel Comics hat es allerdings und glücklicherweise nie eine kosmische Notbremse gegeben. Das waren bei DC Crisis on Infinite Earths (und Zero Hour), bei Marvel mindestens One More Day (und jede Menge X-Kram, den ich nicht mitkriege). Diese kosmischen Notbremsen dienen dazu, einem dem Verlag unliebsam gewordenen Zustand des jeweiligen Kosmos gewaltsam und gegen alle internen Naturgesetze zurechtzurücken – so wird man zu viele Helden oder zu viel Hintergrundgeschichte los. Perry Rhodan hat den Vorteil, dass es sich in die Zukunft fortbewegt und deshalb mehr Raum für Veränderungen hat als Marvel und DC.

Könnte man auch mal eine Arbeit schreiben, die das Universum von DC, Marvel, Star Trek, Star Wars und Perry Rhodan hinsichtlich solcher Sachen vergleicht.

Vorerst und zum Schluss aber etwas Leichteres:

Warum, schreibt Dieter K. aus Brüssel,
hat Perry Rhodan keinen Rüssel?
Dr. Ara klärt: Das geht nicht, Dieter,
er ist Terraner, kein Unither.

Diese Vierzeiler waren eine kleine Mode, damals, mit fünfzehn Jahren oder so, vielleicht auch nur in meinen Kreisen Das ist der einzige, an den ich mich noch erinnere. For what it’s worth.

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One thought to “The Golden Age 2: Perry Rhodan”

  1. Neuigkeiten bei Perry Rhodan? Oh ja. Die gibt es!
    Der Perry-Kosmos verfügt – immer schon – über eine religionsgeschichtliche Komponente, die allerdings erst langsam und ganz zaghaft ans Licht gelangt.
    Sieht man in der Datenbank Materiequelle (www.pr-materiequelle.de) unter dem Stichwort „Gott“ nach, dann finden sich zahlreiche Fundstellen. Es gibt da zum Beispiel den Gott Gaintanu. Gaintanu gehört zum Hauptvolk der Galaxis Algion, den Tazolen. Das sind haarlose, magere Wesen, in deren Frühzeit Gaintanu als Gott des Todes galt. Später wurde er zum Gott der Unsterblichkeit.
    Bei den Tazolen gibt es noch eine andere wichtige Gottheit. Sie heißt Icchto. Zuständig ist Icchto für die Bereiche des Himmels, der Sterne und des Paradieses.
    Die kapselodischen Wesen schließlich verehren Irwansar. Das ist eine Gottheit, die alle Farben in sich vereint.
    Im Perry Rhodan-Kosmos begegnet auch der Gott Ghodam. Er steht allen Wanderern und Reisenden bei.
    Die Arkoniden haben ihre sogenannten Sternengötter. Dabei handelt es sich um je zwölf Frauen und Männer. Zum Beispiel Ipharsyn, der Gott des Lichts und der Dreiheit, dann Merakon, der Gott der Jugend und der Kraft, Qinshora, die Göttin der Liebe und unendlichen Güte, und Tormana da Bargk, der als Wettergott auch als Gott von Sturm und Stärke herzuhalten hat. Dieser paritätisch nach Geschlecht besetzte Götterhimmel dürfte dem Idealbild einer ins Empyreum ausgedehnten Gleichberechtigung entsprungen sein.
    Besonders interessant ist Kummerog. Dieser Gott wird angebetet von der im 27. Zyklus frisch entstandenen Zivilisation der Herreach. Die Herreach sind um die zwei Meter groß und besitzen eine humanoide Körperform. Ihr Gesicht wird von einer Art Rüssel dominiert, dem sogenannten Nas-Organ. Bestimmt wird ihr Dasein von ihrem Glauben an den Gott Kummerog. Dieser Glaube basiert auf der Prophezeiung, die einst vom sprechenden Berg, dem späteren Kummerog-Tempel, ausging. Sie lautet: ‘Kummerog ist der Gott, der hinter den Toren des Tempels darauf wartet, von den Herreach erlöst zu werden. Und wenn die Herreach weit genug vorangeschritten, in ferner Zukunft, dann werden sich die Tore öffnen, und der Gott Kummerog wird durch die Pforte zu ihnen kommen. Dann wird der Himmel sich teilen, und eine strahlend helle Hälfte und eine dunkle werden zum Vorschein kommen.’ Ein Gott, der von seinen Gläubigen erlöst werden wird und trotzdem noch Gott bleibt. Dieser Umstand dürfte wohl im Pendant zum Perry Rhodan-Kosmos, nämlich in der wirklichen Religionsgeschichte, seines Gleichen suchen.
    Die dargebotene Aufzählung sagt uns eigentlich nicht mehr, als dass im Perry Rhodan-Kosmos Götter vorkommen und eine gewisse Wirksamkeit entfalten. Über deren Qualität wissen wir noch wenig. Vielleicht hilft uns eine Bemerkung von Ernst Vlcek weiter, einem der altgedienten Autoren der Perry Rhodan-Serie. In einem spekulativen Aufsatz über Parallelwelten schreibt er: „Die Grundidee war die, daß der Autor, der über Parallelwelten schreibt, sich plötzlich selbst in einer solchen wiederfindet. Was zuerst nur Gedankenspiel war, wird für ihn plötzlich Realität. Der Autor, also ich, treibt vergnügt seinen Schabernack mit alternativen Rhodanwelten, jongliert in geradezu blasphemischer Weise mit den kosmischen Entitäten wie Superintelligenzen und Kosmokraten, spielt für die Wesen eines ganzen Kosmos Schicksal. Vergnügt denkt er sich für die dritte ultimate Frage alle möglichen Antworten aus, nur um des Effektes willen, um seine Leser an der Nase herumzuführen. Wer hat DAS GESETZ initiiert, und was bewirkt es? Na, wer denn schon? Wir RHODAN-Autoren! Und es besagt, daß wir die kosmische Entwicklung so steuern können, wie es uns gerade in den Sinn kommt. Wir sind die Herren, die Meister, die GÖTTER…“
    Da haben wir die Antwort auf unsere Frage nach der Qualität der Götter in Perry Rhodan. Die Autoren selbst sind die Schöpfer ihrer Geschöpfe. Die Götter im Perry Rhodan-Kosmos sind aus purem – menschlichem – Geist. In ihrer Qualität durchaus dem Donnergott der menschlichen Frühzeit vergleichbar. Damals hatten die Menschen ihre Not damit, unerklärliche Erfahrungen – zum Beispiel Blitz und Donner – deuten zu müssen. Der Frühmensch flüchtete in kosmologische Deutesysteme, schuf sich seine Mythen und erklärte sich auf diese Weise eine gleichzeitig lebenserhaltende und lebenszerstörende Welt. Der Spätmensch, in diesem Fall der Perry Rhodan-Autor, erfindet die Götter auch aus einer Not heraus. Wahrscheinlich sogar aus mehreren Nöten. Vielleicht verlangt es der Exposee-Autor. Möglicherweise ist die Seitenzahl seines Textes noch weit unter der geforderten Anzahl. Oder vielleicht braucht die Handlung noch eine besondere Figur. Jedenfalls entstehen auf diese Weise ebenfalls Mythen, moderne Mythen.
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