Die achtundachtziger Weine

Bei Durchsicht meiner Bücher entdeckt:

Die achtundachtziger Weine

Ein saures Stück Arbeit

In diesem Jahr am Rheine
sind leider gewachsen Weine,
die an Wert nur geringe,
es reiften nur Säuerlinge
im Verlauf dieses Herbstes;
nur Herberes bracht er und Herbstes -
zu viel Regen, zu wenig Sonnenschein
ließ erhofften Segen zerronnen sein,
nichts Gutes floss in die Tonnen ein.
Der 88er Rheinwein
ist, leider Gottes, kein Wein,
um Leidende zu laben,
um Gram zu begraben,
um zu vertreiben Trauer;
er ist dafür zu sauer.

An der Mosel steht es noch schlimmer,
da hört man nichts als Gewimmer,
nichts als Ächzen und Stöhnen
von den Vätern und Söhnen,
den Müttern und Töchtern
über den noch viel schlechtern
Ertrag der heurigen Lese.
Der Wein ist wahrhaft böse,
ein Rachenputzer und Krätzer,
wie unter Gläubigen ein Ketzer,
wie ein Strolch, ein gefährlicher,
in dem Kreise Ehrlicher
unter guten Weinen erscheint er,
aller Freude ist ein Feind er.
Aller Lust ein Verderber;
sein Geschmack ist fast noch herber
als der des Essigs, den reinen -
ein Wein ist er zum Weinen.

Aber der Wein, der in Sachsen
in diesem Jahr ist gewachsen,
und bei Naumburg, im Tale
der rasch fließenden Saale,
der ist saurer noch viele Male
als der sauerste Moselwein.
Wenn du ihn schlürfst in dich hinein,
ist dir’s, als ob ein Stachelschwein
dir kröche durch die Kehle,
das deinen Magen als Höhle
erkor, darin zu hausen.
Angst ergreift dich und Grausen.

Aber der Grünberger
ist noch sehr viel ärger.
Lass ihn nicht deine Wahl sein!
Gegen ihn ist der Saalwein
noch viel süßer als Zucker.
Er ist ein Wein für Mucker,
für die schlechtesten Dichter
und dergleichen Gelichter.
Er macht lang die Gesichter,
blass die Wangen; wie Rasen
so grün färbt er die Nasen.
Wer ihn trinkt, den durchschauert es,
wer ihn trank, der bedauert es.
Er hat etwas so Verauertes,
daß er sich nicht lässt mildern
und schwer ist zu schildern
in Worten und Bildern.

Aber der Züllichauer
ist noch zwölfmal so sauer
als der Wein von Grünberg,
der ist an Säure ein Zwerg
gegen den Wein von Züllichau.
Wie eine borstig wilde Sau
zu einer zarten Taube
so verhält sich, das glaube,
dieser Wein zu dem Rebensaft
aus Schlesien. Er ist schauderhaft,
er ist grässlich und greulich,
über die Maßen abscheulich.
Man sollte ihn nur auf Schächerbänken
den Gästen in die Becher schenken,
mit ihm nur schwere Verbrecher tränken
aber nicht ehrliche Zecher kränken.

Wenn du einmal kommst
in diesem Winter nach Bomst,
deine Erfahrung zu mehren,
und man setzt, um dich zu ehren,
dir heurigen Bomster Wein vor,
dann, bitt’ ich dich, sieh dich fein vor,
dass du nichts davon verschüttest
und dein Gewand nicht zerrüttest,
weil er Löcher frisst in die Kleider
und auch in das Schuhwerk, leider.
Denn dieses Weines Säure
ist eine so ungeheure,
dass gegen ihn Schwefelsäure
der Milch gleich ist, der süßen,
die zarte Kindlein genießen.
Fällt ein Tropfen davon auf den Tisch,
so fährt er mit lautem Gezisch
gleich hindurch durch die Platte.
Eisen zerstört er wie Watte,
durch Stahl geht er wie durch Butter,
er ist aller Sauberkeit Mutter.
Standhalten vor diesem Sauern
weder Schlösser noch Mauern.
Es löst in dem scharfen Bomster Wein
sich Granit auf und Ziegelstein.
Diamanten werden sogleich,
in ihn hineingelegt, pflaumenweich,
aus Patina macht er Mürbeteig.
Dieses vergiss nicht, falls du kommst
in diesem Winter einmal nach Bomst.

Johannes Trojan

Also, ich musste viel lachen. Schlichte Form, paargereimt, darunter auch einige Schüttelreime (“Wahl sein/Saalwein”) und dreisilbige, “gleitende” Reime (“zerronnen sein/Tonnen ein”). Die sind gerne mal Zeichen für eine laxere Haltung dem Thema gegenüber. Inhaltlich geprägt durch Übertreibung, noch mehr Übertreibung, und dann noch etwas Übertreibung dazu. Dazu gehören auch übertriebene Bilder und der überwiegend parataktische Satzbau.

Ich habe versucht, ein Parallelgedicht im selben Tonfall und mit derselben Übertreibung zu schreiben. “Die 2013er Kurse” hätte es geheißen, aber ich bin über den Anfang nicht hinausgekommen. Zu ernst gemeint, vielleicht weil zu wenig übertrieben, wirkt meine Anklage gegen die Schüler, und dabei ich habe eigentlich gar kein Bedürfnis, über sie herzuziehen. Es gefiel mir nicht, was ich schrieb, also ließ ich es sein.

Aber vielleicht kann man ja mit einer metrisch interessierten Klasse “Die 2013er Lehrer” schreiben? Je Schüler eine Strophe und ein Fach, davon nimmt man dann die besten Strophen, ordnet sie der Reihe nach an, und schon hätte man ein Gedicht. “Im Fach Deutsch steht es noch schlimmer/da hört man nichts als Gewimmer/nichts als Ächzen und Stöhnen/von den Vätern und Söhnen/den Müttern und Töchtern/über den noch viel schlechtern/Zustand der heurigen Lehrer./In jedem Arbeitsblatt zehn Fehler/der Unterricht ist so fade/dass jeder Schüler ohne Gnade/…” und so weiter. Gerne mit Reimlexikon dazu.

(Nachtrag: Oder gleich die Kursteilnehmer über ihren Kurs schreiben lassen? Jede Klasse kriegt doch eh oft gesagt, dass sie die schlimmsten etc. der ganzen Schule sind. Da können sie doch mal mit einer Strophe zeigen, wie schlimm sie genau sind.)

KW 12

Wenn es in der Schule um das Jahrhundert der Aufklärung geht, geht es auch auf Änderungen im Leseverhalten und den Erfolg des Romans. Dazu gibt es einen schönen Lesesucht-Eintrag in Wikipedia, aus dem sich dieser Welt-Artikel bedient, um auf Parallelen zwischen Kritik am Aufkommen des Roman und am Aufkommen heutiger neuer Technologien hinzuweisen.

Ungesund ist das übertriebene Lesen, gerade für Frauen:

[Die] erzwungene Lage und der Mangel aller körperlichen Bewegung beym Lesen, in Verbindung mit der so gewaltsamen Abwechslung von Vorstellungen und Empfindungen […] Schlaffheit, Verschleimung, Blähungen und Verstopfung in den Eingeweiden, mit einem Worte Hypochondrie, die bekanntermaaßen bey beyden, namentlich bey dem weiblichen Geschlecht, recht eigentlich auf die Geschlechtstheile wirkt, [erzeugt] Stockungen und Verderbnis im Bluthe, reitzende Schärfen und Abspannung im Nervensysteme, Siechheit und Weichlichkeit im ganzen Körper.

Karl G. Bauer, Über die Mittel dem Geschlechtstrieb eine unschädliche Richtung zu geben (1787)

Und kulturell verwerflich auch:

Ein Buch lesen, um bloß die Zeit zu tödten, ist Hochverrath an der Menschheit, weil man ein Mittel erniedrigt, das zur Erreichung höherer Zwecke bestimmt ist.

Zur Stellung des Romans biete ich dann folgende Zeilen an:

Der Rat

Uns frieret, und das Holz auch in unserm Hain,
So klagten die Musen, wird teuer.
Heizt, sprach Apoll, mit deutschen Romanen ein,
So habt ihr ein ewiges Feuer.

Gottlieb Konrad Pfeffel, 1794

Noch heute hat das Wort “Roman” auch diese negative Konnotationen, nämlich in: “Erzähl keine Romane”, Der Bravo-Fotoroman, Der abgeschlossene Kurzroman (in Magazinen), und eben auch als Heftroman. So richtig überrascht hat es mich nicht, aber meine Zehntklässlern kannten das Konzept Heftroman nicht.

Ich habe noch als Lehrer mit Schulbüchern gearbeitet, in den Ausschnitte aus einem Jerry-Cotton-Heftroman einem Krimi von Friedrich Dürrenmatt gegenübergestellt werden. Und im Ordner habe ich eine Schulaufgabe von 1990 mit “Kommissar X: Die Engel der Hölle” als Thema. (“Was weißt du über das Personal dieser Romane? Wie lässt sich diese Gruppierung begründen? Was weißt du über das Lesepublikum – Geschlecht, Schicht, Art der Arbeit? Wie erklärst du die Vorliebe dieser Schicht für diese Art von Romanen?)

Am Montag habe ich den Schülern eine Auswahl von Heftromanen mitgebracht. Habe ja welche zu Hause:

Am interessantesten fanden die Schüler die Anzeigen darin – für Karate, Quasi-Laserpointer (ohne Laser), Medizin gegen Erröten und Bettnässen, Reiseschreibmaschinen und Kontaktbörsen. Fremde Welten.


Am Freitag dann wie letztes Jahr das Probestudium Informatik an der LMU, eine Veranstaltung für Schüler. Etwa hundert Schüler, drei Vorlesungen für sie und einer von vier Workshops. An einem bin ich auch beteiligt, damit bin ich auch Montag bis Mittwoch noch beschäftigt.

probestudium2013

Bild von unserem Workshop, im jahreszeitlich angemessen benannten Computerraum “Antarktis”, in dem ich mir stets so angenehm exotisch vorkomme, als wäre ich bei John Carpenters The Thing dabei. (Oder bei John W. Campbell Jr., oder in Lovecrafts Mountains of Madness.)

probestudium_2013_antarktis

Nachprüfung und Vorprüfung

Nachprüfung: Wenn man in bestimmten Jahrgangsstufen wegen zum Beispiel zweier 5en nicht versetzt wird, kann man sich für eine Nachprüfung anmelden. Dann büffelt man in den Sommerferien und schließt die Lücken. Am Ende der Sommerferien findet dann in den betreffenden Fächern eine Nachprüfung über den Stoff des vergangenen Schuljahrs statt, und zwar im Umfang einer Schulaufgabe, also einer regulären schriftlichen Prüfung, wie es sie in Kernfächern auch unter dem Jahr gibt. Über das Vorrücken entscheiden dann diese Noten; wer also eine 5 auf eine 4 verbessern kann, tritt für die Prüfung im anderen Fach gar nicht erst an und rückt mit einer 5 und einer neuen 4 in die nächsthöhere Jahrgangsstufe vor.

(Fußnote: Das versuchen zur Zeit etwa ein Fünftel aller Durchfaller, davon hat ein gutes Drittel Erfolg. Quelle.)

Vorprüfung: Die gibt es nicht, könnte es aber geben. Entspricht von Umfang und Termin der Nachprüfung, nur dass sie Schüler ablegen können, die gerade erfolgreich in die, sagen wir, 9. Jahrgangsstufe vorgerückt sind. Bestehen Sie die Nachprüfung über den Stoff dieser 9. Jahrgangsstufe, also des zukünftigen Schuljahrs, können Sie wahlweise dem Unterricht in diesem Fach fernbleiben und die Zeit für anderes nutzen, oder sie dürfen einfach nur die Nachprüfungsnote bereits vorab fürs Zeugnis akzeptieren und können im kommenden Schuljahr ohne Notendruck leben.
Ich kann mir etliche Fächer/Schüler/Jahrgangsstufen vorstellen, in denen das gut möglich wäre. So als weitere Flexibilisierung der Schullaufbahn.

Die guten Schüler, denen man das Überspringen einer Jahrgangsstufe anbietet, gibt es auch im G8 regelmäßig. Das macht nur so gut wie keiner. Aber man könnte denen ja anbieten, sich wenigstens so ein bisschen Luft zu verschaffen.

- Im Idealfall hieße das natürlich, dass der Schüler für dieses Fach am Unterricht in einer parallelen 10. Klasse teilnehmen kann, aber das würde ohne größere organisatorische Umstellung nur in Ausnahmen möglich sein.

Blogstöckchen 2013

Ich mach bei Stöckchen immer mit, würde aber nie eines anfangen. Und ich traue mich nie, es weiter zu reichen.

  1. Nenne den Stöckchenwerfer.
  2. Beantworte die elf Fragen des Stöckchenwerfers.
  3. Erzähle elf Dinge über dich.
  4. Entwirf elf Fragen, die der nächste beantworten soll.
  5. Wirf das Stöckchen an den nächsten Blogger.

1. Das Stöckchen habe ich von ixsi zugeworfen gekriegt.

2. Fragen und Antworten:

    Deine erste Tasse am morgen: Tee oder Kaffee?
    Kaffee, ziemlich eindeutig.

    Bist du Gebrauchsanleitung-Leser? Wenn ja, vor oder nach der Erstinbetriebnahme?
    Bin ich. (Außer natürlich bei Software.) Vermutlich öfter vor dem Einschalten als danach.

    Wo ist dein Lieblingsarbeitsplatz?
    Am liebsten arbeite ich im Klassenzimmer, mit Schülern. Aber das zählt wohl nicht? Ansonsten: vor/mit dem Rechner, am Schreibtisch, zu Hause.

    Was hast du zuletzt gekocht?
    Muss überlegen. Ich koche gerade nicht mehr so viel wie früher. Hühnersuppe, glaube ich – mit das beste, was man aus Huhn machen kann. Danach mal Soße für Königsberger Klopse, aber nur die Soße.

    Welches Computerspiel würdest du am liebsten deinen Kindern oder Schülern zeigen?
    Eines, dass ich ihnen nicht ohnehin schon gezeigt habe? Vermutlich PSI 5 Trading Company auf dem Commodore 64. Um so etwas mal selber zu programmieren. Grafisch nicht zu anspruchsvoll, aber witzig und intelligent.

    Schokolade: dunkel oder hell?
    Hell. Gerne so dunkel wie möglich, solange sie insgesamt noch hell ist – also Milchschokolade mit möglichst hohem Kakaoanteil. Hachez 55,5% etwa.

    Wie viele Zimmer hat dein Haus / deine Wohnung?
    Drei richtige Zimmer, eine Küche, Abstellkammer, und eine Art Wintergarten. Das war früher mal ein Balkon, der aber zum Teil abgetrennt wurde. Ist technisch vermutlich immer noch eher außen als innen.

    Welche Sprache würdest du als nächstes lernen wollen?
    PHP.

    Wie schaust du Filme am liebsten: auf DVD oder im Kino?
    Vermutlich eher DVD. Am liebsten nämlich gemeinsam mit Leuten vor dem Fernseher. Kommt aber zu selten vor.

    Ist das Glas halb voll oder halb leer?
    Halb voll. Kommt drauf an, ob etwas Leckeres drin ist oder nicht. Nein, eigentlich ist das Glas immer halb voll.

    Was war dein schlechtestes Fach in der Schule? Mit welcher Note?
    Sport in der Kollegstufe. Einmal 4 und einmal 6 Punkte – und zweimal 14. Je nach Interesse. Aber wenn es um richtige Schulfächer geht: vermutlich “befriedigend” in Geschichte oder Erdkunde oder so etwas.

3. Elf Dinge über mich:

    1. Ich kann nicht gleichzeitig kochen und mich unterhalten. Vermutlich kann ich allgemein nicht gut gleichzeitig konkret (mit Händen) und symbolisch (mit Wörtern) arbeiten.

    2. Gleichzeitig fernsehen und lesen und mich unterhalten geht aber gut.

    3. Ich bin nicht musikalisch, aber hartnäckig.

    4. Unter meinem Bett sind Kartons voller Comics und Briefe.

    5. Ich esse fast alles. Kohlrabi am wenigstens gern, weil der immer holzig ist. Fisch lieber kalt und geräuchert als heiß, weil der eh kalt ist, bis man ihn von den Gräten hat.

    6. Meine Eltern haben mich 1969 bei der Mondlandung vor den Fernseher gesetzt, und ich bilde mir ein, mich daran erinnern zu können. Da war ich 2 Jahre alt.

    7. Ganz sicher habe ich allerdings im Kindergarten schon Phaser (aus Raumschiff Enterprise) gebastelt, und zwar aus zusammengesteckten Nopper-Bauelementen.

    8. Ich vermisse die Punschtorte meiner Kindheit, damals eine Standard-Konditortorte. Mit Arrak.

    9. Ich bin – inzwischen – ganz zufrieden mit mir, so wie ich bin.

    10. Das meiste, was ich über mich öffentlich sagen möchte, steht schon irgendwo hier im Blog.

    11. Es gibt eine Menge Dinge, die ich nicht in mein Blog schreibe.

4. Elf Fragen für den nächsten:

    1. Roller oder Nicht-Roller?
    2. Achter- oder Geisterbahn?
    3. Was war ein schönes Geschenk in der Kindheit?
    4. Was gibt es Positives über das örtliche Kultusministerium zu sagen?
    5. Wie wichtig ist es für Lehrer, Bücher über Didaktik zu lesen?
    6. In welchem Land machst du gerne Urlaub oder würdest du gerne Urlaub machen?
    7. Findest du auch, dass elf Fragen etwas viel sind?
    8. Was hältst du von sieben?
    9. Stellst du lieber Fragen oder ist es dir lieber, wenn du gefragt wirst?
    10. Lieber in Workshop sitzen oder Workshop leiten?
    11. —-

5. Weiter gebe ich das Stöckchen an: Ingo von Lehrzeit.

(Die Fragen habe ich formuliert, bevor ich überlegt habe, wem ich das Stöckchen weiterreiche. Bis auf Nummer 10, die habe ich danach ergänzt.)

Bessere Lehrer

Ein Essay – ist das jetzt die deutsche Übersetzung von Op-ed? – von Dietmar Pieper bei Spiegel Online fordert: “Unsere Lehrer müssen besser werden.” Auf die komme es an, die Systemfrage führe in die Irre.

Ideale Lehrer müsse man sich unter folgenden Kriterien anschauen: “Sind es vor allem Menschen, die gern mit Kindern und Eltern Umgang haben? Die erzählen können, bis die Augen der Zuhörer leuchten? Die wissen, wie man ein Rudel kleiner Wölfe führt?”

Der Lehrer als Leitwolf statt als Lernbegleiter? Lehrerzentriertes Geschichtenerzählen? Das befindet sich pädagogisch auf dem Stand von vor zwanzig, Jahren. Da befinde ich mich allerdings oft auch noch, ehrlich gesagt.

Pieper wünscht sich bessere Lehrer. Hm, ja. Nicht bessere Politiker, Banker, Manager, Journalisten, obwohl wir die doch auch alle brauchen könnten. Warum bei den Lehrern anfangen? Intuitiv gebe ich ihm trotzdem recht. Ich glaube, dass sehr viel vom Lehrer abhängt. Kaum etwas von den Methoden. Und noch viel mehr übrigens vom Schüler – es gibt Klassen, da lernen die Schüler noch beim schlechtesten Lehrer sehr viel. Wie entstehen diese Klassen? Beschäftigt sich irgendwer in der Didaktik damit?
Offen bleibt, wie man herausfindet, was ein guter Lehrer ist. Und was man tut, wenn man lauter gute Lehrer hat, es aber keine Stellen für sie gibt?

Gute Lehrer kriegt man nicht nur durch Übeprüfung auf Gutlehrersein während des Studiums, sondern indem man den Beruf attraktiv für die Leute macht, die man haben will. Mein Vorschlag: Beamtentum abschaffen. Wenn nach zehn Jahren Lehrer in die Wirtschaft oder Erwachsenenbildung wechseln können, kriegt man zum einen die guten (die sich ansonsten vielleicht nicht lebenslang an einen Arbeitgeber binden wollen), und kann zum anderen den schlechten eine Alternative bieten.

Pieper wünscht sich Schule als kundenorientierte Dienstleistungsbetrieb. Kann man so sehen – aber wem leisten wir Dienste, dem Staat oder den Eltern? Ganz schnell wird daraus ein Anspruch der Eltern, nicht bis zum Leistungsvermögen der Schüler zu fördern, sondern bis zum bestmöglichen Abschluss, Eignung hin oder her. Pieper hätte halt doch gerne den Abitur-Gesamtschulabschluss, liest man dann. Und schon gar keine Trennung nach der 4. Klasse. (Seine Kinder sind 9 und 11.) So viel zur Systemfrage, die in die Irre führen soll.

Das Flexibilisierungsjahr

In der Zeitung standen heute Informationen über das Flexibilisierungsjahr, das ab nächstem Schuljahr kommen wird, und das *keine* heimliche Rückkehr zum G9 ist. Ich betone das nur, weil das unser Unterrichtsminister extra so verstanden haben will, laut Presse. Mit uns redet er ja nicht. Wir Lehrer sind immer etwas pikiert, wenn wir von solchen Reformen erst aus der Zeitung erfahren. Allerdings – und das meine ich jetzt sogar ernst – gibt es wohl wirklich keine Grund, uns vor der Presse zu informieren. Mit Fachleuten, darunter auch Lehrervertretern, sind die Neuerungen ja theoretisch besprochen worden; unsere Meinung wird also ohnehin jetzt nicht mehr eingeholt – es gibt keinen zwingenden Grund, die Exekutive vor der Presse zu informieren. Es fühlt sich nur nicht gut an. Hier ist die angekündigte Broschüre mit Details – es hätte nicht viel gekostet, das als Mail an die Schulen gehen zu lassen.

Richtig viel Neues gibt es auch nicht, das meiste ist schon im September gesagt worden. Neu ist nur: “Den Schulen wird dazu das nötige Personal in den kommenden beiden Schuljahren zugewiesen.” 12 Lehrstunden soll es geben für die besondere Förderung. Ein Schüler der 10. Klasse sagt am Ende der – bestandenen – 10. Klasse, dass er sie gerne zur Festigung wiederholen würde, wobei er drei Nebenfächer mit 2 Stunden ablegen darf. (Alternativ: Er entscheidet bereits vor der 10. Klasse, dass er sie auf zweimal machen wird.) Was der Schüler mit seiner gewonnen Freizeit macht, welche Art Förderung angeboten wird, bleibt ihm und der Schule überlassen.

Meine Meinung dazu: Das Ergebnis hängt davon ab, wie es von den Eltern/Schülern angenommen wird. Und das kann ich nicht beurteilen.

Prometheus und andere Tricksereien

Sturm und Drang, Goethes “Prometheus”: Entstanden wohl in den frühen 1770er Jahre, die erste autorisierte Druckfassung von 1789 unterscheidet sich von der Fassung letzter Hand 1827 nur durch ein paar Schreibvarianten. In Anthologien findet man allerdings meist die ohne Namensnennung und unautorisiert verwendete Druckfassung von 1785 – in den späteren Versionen hat der Klassiker Goethe seinen jugendlichen Sturm und Drang geglättet und etwa das berühmt gewordene “Knabenmorgen-Blütenträume” durch schlichte “Blütenträume” ersetzt. Der Nachwelt gefällt die frühe Fassung aber besser.

Vor der Lektüre kann man etwa diesen Videoclip vom Bayerischen Rundfunk anschauen:

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BR-alpha – Mythen – Michael Köhlmeier erzählt Sagen des klassischen Altertums (Download vieler Episoden)


Im Zusammenhang mit Prometheus frische ich auch gerne mal die griechische Mythologie auf, schon mal für die Klassik nächstes Jahr. Für die Oberstufe ist mein Kerngedanke ist dabei: In eine Vielzahl lokaler und weiter verbreiteter Götter und Vorstellungen brachte Hesiod Ordnung, in dem er in seiner Theogonie das vorhandene Material zusammenstellte und redigierte. (So ähnlich wie Roy Thomas die chaotische DC-Superheldenwelt der 1930er bis 1970er Jahre ordnete, das Nebeneinander verschiedener Entstehungsgeschichten glättete und erklärte. Inzwischen ist alles noch komplizierter geworden, fragt nur mal jemanden nach Supergirl.) Eros “ist” also nicht irgendwie das Kind der Nacht, und Aphrodite “ist” nicht die Tochter von Uranos, sondern das ist halt bei Hesiod so. Bei Homer ist Aphrodite die Tochter von Zeus und Dione. Bei anderen Autoren ist das alles wieder ganz anders, und das gilt für andere Gestalten wieder genauso. Das ist mehr Bildung, als bei “Wer wird Millionär” die zwölf olympischen Götter aufzählen zu können.

Weil ich alle Übersichten, die ich gefunden habe, etwas unübersichtlich fand, habe ich die Wikipedia-Darstellungen etwas geändert:

theogonie1

theogonie2

(Originaltabellen von Wikipedia unter CC-BY-SA-Lizenz, deshalb steht auch der ganze Blogeintrag hier unter CC-BY-SA. Hier meine .odt-Datei dazu, über die Formatierung nicht erschrecken.)


Und zweitens nutze ich gerne die Gelegenheit für etwas laienhafte vergleichende Mythologie.

Ausgangspunkt:

Nach Film und Gedicht wissen Schüler: Prometheus ist ein Titan, gehört also nicht zur klassischen Götterriege. Er ist ein Freund des Menschen, sein Schöpfer sogar, und bringt ihm viele Dinge bei. Er stiehlt das Feuer für ihn und bringt ihm bei, bei den Tieropfern die Götter um das bessere Teil zu betrügen. Am Ende wird er für seine Taten an den Kaukasus gefesselt, wo täglich ein Adler kommt und an seiner – stets nachwachsender – Leber frisst.

Danach gebe ich folgende Texte zu lesen:

1. Bibel, 1. Mose 3

Die Schlange nun erwies sich als das vorsichtigste aller wildlebenden Tiere des Feldes, die JHWH Gott gemacht hatte. So begann sie zur Frau zu sprechen: Sollte Gott wirklich gesagt haben: Ihr dürft nicht von jedem Baum des Gartens essen? Darauf sprach die Frau zur Schlange: Von der Frucht der Bäume des Gartens dürfen wir essen. Aber von der Frucht des Baumes, der in der Mitte des Gartens ist, hat Gott gesagt: Ihr sollt nicht davon essen, nein, ihr sollt sie nicht anrühren, damit ihr nicht sterbt. Darauf sprach die Schlange zur Frau: Ihr werdet ganz bestimmt nicht sterben. Denn Gott weiß, dass an demselben Tag, an dem ihr davon esst, euch ganz bestimmt die Augen geöffnet werden, und ihr werdet ganz bestimmt sein wie Gott, erkennend Gut und Böse. Danach sah die Frau, dass der Baum gut war zur Speise und dass er etwas war, wonach die Augen Verlangen hatten, ja der Baum war begehrenswert zum Anschauen. So begann sie von seiner Frucht zu nehmen und zu essen. Danach gab sie davon auch ihrem Mann, als er bei ihr war, und er begann davon zu essen. Dann wurden ihnen beiden die Augen geöffnet, und sie wurden gewahr, dass sie nackt waren. Daher nähten sie Feigenblätter zusammen und machten sich Lendenschurze.

(Offene Bibel, CC-BY-SA 3.0, deshalb der ganze Blogeintrag auch unter dieser Lizenz. )

Und frage die Schüler, ob sie irgendwelche Gemeinsamkeiten entdecken. Tun sie, und zwar: Die Schlange entspricht der Pandora, die ja auch Unheil bringt. Das lasse ich erst mal stehen. Dass damit Erkenntnis gleich Unheil gesetzt wird, sieht man erst beim zweiten Hinschauen. Sonst schon irgendwelche Parallelen?

Loki, germanische Gottheit, unter anderem des Feuers

Er besitzt einen ausgeprägten Sinn für Strategie und nutzt ihn, um mit Intrigen und komplexen Lügen seine Interessen durchzusetzen. Da Loki halb Ase, halb Riese ist, scheint sein Verhältnis zu den Asen auch zwiespältig zu sein. Doch von Odin wird er geachtet; die beiden schließen sogar Blutsbruderschaft. Außerdem hilft Loki Thor durch eine List bei der Wiederbeschaffung seines Hammers Mjöllnir, der von den Riesen gestohlen wurde. Loki ist somit Feind und Freund der Götter zugleich. Erst nachdem er Hödur durch eine List dazu brachte, seinen Bruder Balder zu töten, verbannt ihn Odin.
Loki ist ein Gestaltenwechsler, ein Meister der Metamorphose, der sich in die verschiedensten Tiere und Menschen verwandeln kann. In den überlieferten Mythen ist er Adler, Stute, Lachs, eine Fliege oder ein altes Weib. Denn er wechselt auch sein Geschlecht, erlebt Schwangerschaft und Geburt, trägt in Gestalt einer Stute das achtbeinige Ross Odins, Sleipnir, aus, wie die Sage vom Riesenbaumeister erzählt. […] Loki ist als Kulturheros der Erfinder des Fischnetzes, aber er, der Tölpelhaftigkeit und Listenreichtum in sich vereint, wird auch zum Opfer seiner eigenen Erfindung.
Lokis Handlungen lassen erkennen, dass diese Schlechtes wie auch Gutes bewirken; letzteres oft gegen seine ursprüngliche Intention. Dennoch handelt er nicht ausschließlich schädigend. Oft wird Loki wegen seiner Listigkeit und seiner Kreativität von den anderen Gottheiten herangezogen, um aussichtslose Situationen zu bewältigen, was er auch immer schafft. Ebenso lässt er sich durch diese verpflichten, durch seine Schalkhaftigkeit angerichteten Schaden wiedergutzumachen.
Der gefangene Loki wurde zur Strafe mit den Eingeweiden seiner Söhne auf spitze (dreikantige) Felsen gefesselt. Über seinem Kopf hängte man eine giftige Schlange, die ätzenden Speichel tropfen ließ. Seine Frau Sigyn fing diesen Speichel in einer Schüssel auf. Nur wenn sie die Schüssel wegzog, um sie zu leeren, trafen ein paar Tropfen auf Lokis Gesicht. Er schüttelte und wand sich so gewaltig unter seinen Schmerzen, dass dadurch die Erdbeben entstanden.

(Wikipedia, CC-BY-SA.)

Loki kennen manche Schüler noch aus Die Maske mit Jim Carrey, die anderen alle aus Thor und Avengers.
Weitere Parallelen? Als Erstes wird genannt, dass die Bestrafung ähnlich ist wie die Prometheus’, dass Loki ebenfalls die Götter betrügt, klug ist, und Streiche spielt. Vielleicht erkennen die Schüler ihn schon als Freund und Lehrmeister des Menschen. Dass er ein Gott des Feuers ist und ebenfalls nicht zu den Asen im eigentlichen SInn gehört, übersieht man vielleicht noch, das wird dann aber schon noch wichtig.

Coyote stiehlt das Feuer

Coyote, like the rest of the People, had no need for fire. So he seldom concerned himself with it, until one spring day when he was passing a human village. There the women were singing a song of mourning for the babies and the old ones who had died in the winter. Their voices moaned like the west wind through a buffalo skull, prickling the hairs on Coyote’s neck. […] Coyote, overhearing this, felt sorry for the men and women. He also felt that there was something he could do to help them. He knew of a faraway mountain-top where the three Fire Beings lived. These Beings kept fire to themselves, guarding it carefully for fear that man might somehow acquire it and become as strong as they. Coyote saw that he could do a good turn for man at the expense of these selfish Fire Beings.
[Coyote goes to the Fire Beings and prepares the theft.]
But before [the Fire Being] could come out of the teepee, Coyote lunged from the bushes, snatched up a glowing portion of fire, and sprang away down the mountainside.
Screaming, the Fire Beings flew after him. Swift as Coyote ran, they caught up with him, and one of them reached out a clutching hand. Her fingers touched only the tip of the tail, but the touch was enough to turn the hairs white, and coyote tail-tips are white still. Coyote shouted, and flung the fire away from him.
[The stolen fire finally ends up hiding in Wood.]
The Fire Beings gathered round, but they did not know how to get the fire out of Wood. They promised it gifts, sang to it and shouted at it. They twisted it and struck it and tore it with their knives. But Wood did not give up the fire. In the end, defeated, the Beings went back to their mountain-top and left the People alone.
But Coyote knew how to get fire out of Wood. And he went to the village of men and showed them how. He showed them the trick of rubbing two dry sticks together, and the trick of spinning a sharpened stick in a hole made in another piece of wood. So man was from then on warm and safe through the killing cold of winter.

(Diese Fassung kursiert an verschiedenen Stellen im Netz, hier etwa: http://www.ilhawaii.net/~stony/lore06.html. Hier eine Version mit Giant statt Coyote.)

Langsam sollten sich Parallelen herausstellen. Bei diesen Figuren handelt es sich um den Archetyp Trickster, den es in vielen Kulturen in verschiedenen Ausprägungen gibt. Typische Merkmale:

  • Der Trickster ist eine Figur, die zwischen den Hauptgruppen der Menschen und Götter steht.
  • Er ist amoralisch und spielt Streiche, hilft mal den Menschen und Göttern, mal legt er sie herein.
  • Bei Streichen ist er oft selbst der Geschädigte.
  • Er kann häufig die Gestalt wandeln oder verkleidet sich viel.
  • Typische Leistung: Er bringt Menschen das Kulturwissen, insbesondere bringt er ihnen das Feuer.

Prometheus wird von den Menschen überwiegend positiv gesehen; Streiche spielt er den Göttern. Von diesen wird er dann auch bestraft. Bestraft wird auch Loki, der eher negativ gesehen wird, auch wenn er den Göttern oft hilft, auch durch Verkleidungen. Aber er wird später am Weltuntergang beteiligt sein; vorerst leidet er eine ähnliche Strafe wie Prometheus. Er ist ein Gott des Feuers. Coyote gehört ebenfalls weder zu den Göttern noch zu den Menschen. Er spielt Streiche, wandelt die Gestalt, fällt auf die Schnauze (man denke nur an seine Erlebnisse mit dem Road Runner) – und bringt den Menschen das Feuer.

Vor diesem Hintergrund sieht man vielleicht auch die Schlange anders, vor allem, wenn man sie mit Satan in Beziehung setzt, und mit der Gestalt Luzifer – drei Gestalten mit zugegeben unterschiedlichem Ursprung, aber in der Kombination erhellend. (Pun intended: Luzifer heißt “Lichtbringer”.) Auch diese Gestalt steht zwischen Mensch und Gott, spielt Streiche, verwandelt sich, wird bestraft – und man kann durchaus argumentieren, dass das Geschenk der Schlange, nämlich Erkenntnis gegen den Willen der Gottheit, ein echtes Geschenk ist, und keinesfalls ein Übel aus der Büchse der Pandora.

Schnelle Prüfung in Informatik (Sequenzdiagramme lesen, Klassendiagramme erstellen)

Wer eine kurze schriftliche Prüfung für die 10. Jahrgangsstufe braucht – mir gefällt diese Aufgabenform gut:

Zeichne so klein, dass dein Nachbar es nicht lesen kann, aber trotzdem sauber und leserlich, die erweiterten Klassenkarten zu den Klassen KUNDE, ZENTRALE und TAXI. (Du erkennst sicher selber, welches Objekt im Diagramm zu welcher Klasse gehört.) Nutze nur die Information im Diagramm.

sequenz_taxizentrale_klein

Macht insgesamt drei Klassen und sechs Methoden, für jede richtige Methode gibt es drei Punkte (Bezeichner, Argumente, Rückgabetyp). Bonuspunkte, wer Referenzattribute auch noch einzeichnet. Eine besondere Schwierigkeit stellt der nicht-primitive Rückgabetyp TAXI dar; die müssen natürlich vorher bekannt sein.

Ein häufiges Missverständnis bei Diagrammen besteht darin, dass man die Methoden den falschen Klassen zuordnet. In der ersten Zeile bestellt der Kunde bei der Zentrale ein Taxi. Die Methode bestellen gehört jetzt aber keinesfalls zur Klasse KUNDE, sondern zur Klasse ZENTRALE. Der Kunde ruft die Methode auf, aber es ist eine Methode der anderen Klasse. Auf dem Hinweg bedeuten die Pfeile stets Methodenaufrufe, auf dem dazu gehörenden Rückweg sind es Daten (oder void) als Antwort.

Das Beispiel haben Lehrer in einem Workshop erstellt (“Beitrag Gruppe 8 Thema 4”, mehr weiß ich leider nicht mehr). Ich habe es allerdings modifiziert und korrigiert.

Nachtrag: Der Workshop war wohl zum Buch Informatik 3 (Klett-Verlag) von Hubwieser, Spohrer, Steinert, Voß. Denn im Beispiel und einer Aufgabe darin geht es um Autovermietung, und die Workshop-Lösung orientiert sich daran.

– In der Stunde zuvor hatte ich das mit den Schülern wiederholt:

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Neues aus dieser Woche, und Veraltetes in der Schule

Undramatische Woche. Die Praktikantin hat heute eine Stunde gehalten, eine andere Praktikantin hat am Dienstag kurz und überraschend vorbeigeschaut. Am Freitag zuvor hatten wir den stellvertretenden Schulleiter in die Pensionierung verabschiedet (mit Musik und Spiel), ab Montag war der neue da. Ist sicher auch spannend, so an einer Schule neu anzufangen; Erfahrung muss er schon haben, an seiner alten Schule war er bereits Stellvertreter. Für eine Schule ist das immer sehr aufregend, wenn ein neuer Stellvertreter – meist ja von außerhalb – kommt. Man hat immer mehr Hoffnungen als Befürchtungen. Ich habe jedenfalls erstere.

Bei einer Diskussion mit erfahrenen Deutschkollegen im Rahmen einer Tagung ging es neulich um Sinn und Unsinn von Respizienz. Kann man ja wirklich viel dazu sagen. Eine Kollegin führte folgendes Argument dafür an, dass das Konzept überholt ist: Das Wort “Respizienz” stünde nicht mal mehr im Duden. Die Kollegin hatte sogar bei der Duden-Redaktion angerufen, aber da konnte man ihr auch nicht weiterhelfen. Online findet sich wenigstens “Respizient”, allerdings auch das “veraltet”.

Nu. Stegreifaufgabe und Leistungsnachweis stehen auch nicht in meinem Duden, Extemporale schon, wenn auch wieder “veraltet”. Das sind nun mal Fachausdrücke, die im normalen Duden nicht zu finden sind. Außerdem finde ich das argumentum ad dudenum fast so wenig schlagkräftig wie das argumentum ad etymologiam. Was ein Wort irgendwann früher mal bedeutet hat (nicht etwa ursprünglich, denn das ist kaum auszumachen), das spielt für die heutige Verwendung keine Rolle mehr; und was der Duden zu einem Wort sagt, ist auch nur die Meinung von Fachleuten – durchaus zu respektieren, aber nicht unkritisch zu übernehmen.