Jugend forscht

Wie in so vieles, bin ich auch da reingerutscht: An meiner Schule gibt es seit Anfang des Schuljahrs einen Wahlunterricht „Jugend forscht“, der von zwei Lehrern betreut wird. Das war zu kurzfristig, um Projekte für diese Runde fertigzustellen (Anmeldung ist Ende November, wenn ich mich richtig erinnere), aber ein anderer Schüler hat dann doch etwas gemacht, und zwar mit Informatik, und weil ich mit dem Schüler auch sehr aktiv in der Homepage-AG zusammenarbeite, und die anderen beiden Lehrer keine Zeit hatten, zum Jugend-forscht-Regionalentscheid zu fahren (weil wichtiger Unterricht), und zumindest an einem der beiden Tage ein Lehrer mitsollte, und mein Unterricht nicht ganz so wichtig ist (weil keine Q12) – genug, sei’s drum, ich war letzten Mittwoch in Ingolstadt beim Regionalentscheid von „Jugend forscht“.

„Jugend forscht“ kenne ich seit früher Schulzeit, entweder aus dem Jugendmagazin Stafette oder, wahrscheinlicher, aus den Beiträgen in Schule und wir, einem Heft des Unterrichtsministeriums, das an Schüler verteilt wird. Ich war immer schwer beeindruckt davon, geradezu voller Ehrfurcht. Klang toll, aber weit, weit jenseits dessen, zu dem ich etwa in der Lage gewesen wäre. Vermutlich war das damals kontraproduktiv und unnötig abschreckend, es wurden ja auch immer nur die überregionalen und Bundespreisträger erwähnt. Tatsächlich ist es zumindest heute viel einfacher, bei „Jugend forscht“ oder „Schüler experimentieren“ (der Juniorfassung davon) mitzumachen, als man denkt. Man kann zwar, muss aber gar nicht etwas Neues erfinden oder erforschen. So hatte ich mir das nämlich immer vorgestellt. Nein, es reicht schon am Anfang, wenn man Experimente anstellt, dokumentiert, vorstellt. Man muss ja nicht gleich einen Preis kriegen.

Jeder Regionalwettbewerb wird von einer Firma ausgerichtet. Bei uns war das in Ingolstadt, einigermaßen komfortabel bei der Audi im Ausbildungszentrum. Warum so weit weg, wo es doch in Ottobrunn in ein paar Tagen auch einen Regionalwettbewerb gibt? (Erzählte mir die ehemalige Schülerin in der S-Bahn.) Vielleicht gibt es so wenig Mathematik/Informatik-Teilnehmer, dass die an einem Ort gesammelt werden? Die anderen Fachgebiete sind: Arbeitswelt, Biologie, Chemie, Geo- und Raumwissenschaften, Physik und Technik.

Für jeden Teilnehmer oder jedes Team ist ein Tisch vorbereitet, eine Pinnwand dahinter und ein Stromkabel. (Und es gibt Buttons, zumindest bei Audi, und Mittagessen in der Kantine, Cordon bleu vom Schwein mit Pommes.) Das sieht dann so aus:

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Unterstufe, Mittelstufe, Oberstufe; Gymnasium, Realschule und auch FOSB/BOS waren da. Es war inspirierend und beeindruckend, was ich gesehen habe. Und dabei eben gar nicht so furcheinflößend erfinderisch, siehe oben. So unglaublich weit weg ist da meine Untersuchung zum Bekanntheitsgrad des Worts „Pipette“ auch nicht.

Mein Favorit: Eine Untersuchung zur Glaubwürdigkeit von Zeugenaussagen, durchgeführt von Unterstufenschülerinnen. Die Probanden bekamen einen kurzen Film gezeigt mit einer Art Überfall und mussten danach einen Fragenbogen dazu ausfüllen, teils unmittelbar danach, teils eine woche später. Ich habe auch mitgemacht und kläglich versagt. Klar hätte man das noch schön erweitern können: Es gab keine Option für „weiß nicht“ oder „bin mir nicht sicher“, und gleichzeitig hätte man wohl auch noch die Art der mehr oder wenigen suggestiven Fragestellung miteinbeziehen können, indem man verschiedene Fragebögen einsetzt.

Schön auch „Ernährung und Training antiker Gladiatoren und ihre Auswirkung auf den menschlichen Körper“, im Selbstversuch, mit Gewichtsmessung und Aufzeichnung der Nebenwirkungen.

(Was würde wohl passieren, wenn man mit einem Beitrag wie diesem zur Kategorisierung von freilebenden Einkaufswagen teilnehmen würde?)

Fürs nächste Mal merken: Kein Jackett anziehen, nicht mal ein legeres, weil einen sonst zu viele Leute für einen der Veranstalter halten. Als Lehrer wirkt man halt so wissend. Apropos Lehrer: Die Begleitlehrer müssen nicht den ganzen Tag blöd herumstehen und quengeln, für sie gab es eine Art Bälleparadies, wo sie die Zeit verbringen durften, bis die eigentliche Wettbewerbsarbeit herum war. Sprich: Es gab eine kleine Fortbildung, so richtig mit Schein, auch wenn ihr doch etwas von Aufbewahrung anhaftete. Aber Kaffee, Gebäck und sogar Obst. (Die Trauben waren lecker.)

Ganz kurz konnte ich der Lehrzeit die Hands schütteln, der als Juror beteiligt war. Peinlich aber, dass ich meine Nichte übersehen habe, die auch mit einem Projekt dabei war. Aber wer rechnet denn auch damit, Verwandte zu treffen.

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Ich wünsche mir ja seit langem so etwas für die, sagen wir, zehnte Klasse: Einen Tag in der Aula, in dem jeder Schüler oder jede Schülergruppe ein Projekt vorstellt. Eher naturwissenshaftlich-technisch, aber wenn etwas vorzeigbar Sprachliches dabei ist, dann auch das. 40 Tische für die Stände müssten reichen, dazu Stromversorgung.

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