Karl May wiederlesen: Orientzyklus, Band 4–5

Diagramm zu In den Schluchten des Balkan

Nachdem ich letztes Jahr die ersten drei Bände gelesen habe, kommen hier meine Anmerkungen zu 4 und 5. Lang geworden, da Notizen für mich; unter den Diagrammen steht jeweils das Wichtigste.

In den Schluchten des Balkan

Titelbild "In den Schluchten des Balkan"

Kapitel 1: Kara Ben Nemsi, Halef, Osko und Omar Ben Sadek verfolgen die drei Flüchtigen. Sie erfahren, dass noch jemand hinter diesen her ist, wohl ein Bote, der sie vom Überleben der Helden informieren will. Außerdem fällt zum ersten Mal der Name des Schut als Anführer der Räuberbande. Kara trennt sich, weil der mit seinem schnellen Pferd und Querfeldeinritt den Boten überholen will; er wird die anderen später treffen. Auf dem Weg gewinnt er das Vertrauen des Rosenzüchters Jafiz, der schenkt ihm Rosenöl (gegen Tabak), hilft ihm beim Weg, und empfiehlt ihm seinen Bruder Schimin, einen Schmied – der kenne Geheimzeichen der Räuberbanden. Kara erreicht die Schmiede und befreit den Schmied und dessen Frau – die drei Flüchtigen hatten sie im Keller gefangen, weil sie erkannt worden waren. Der Schmied erzählt vom neuen Geheimzeichen, einer silbernen Schnalle. Philosophisches Gespräch zwischen Kara und Schimin über Kolonialisierung.
Bald taucht auch der erwartete Bote (Pimosa/Mosklan) auf und wird selber in den Keller gesteckt.

Kapitel 2: Mosklan behauptet, Boschak, ein Zuckerbäcker und Färber, könne für ihn bürgen. Auf dem Weg zu diesem schließt Kara – wieder einmal – zufällig günstige Freundschaft mit einem Fremden, Ali, der Ikbala, die Tochter Boschaks liebt – unterstützt von der Mutter, wogegen der Vater sie eben dem Mosklan versprochen hat. Kara hilft der Mutter und entdeckt dabei ein Schmugglerlager Boschaks. Dessen Kontakt ist Deselim, Waffenschmied und Kaffeewirt in Ismilan (ein Schwager des Schut). Kara epresst Boschak, sich vom Schmuggelkumpan Mosklan zu lösen und seine Tochter Ali zu geben. Dann wird Kara von Boschak auf einen Botengang zu einem Bettler mit Wald geschickt – doch es deutet sich bereits an, dass dieser eine Falle vorbereitet hat.

Kapitel 3: Eine Falle, Kara wird überwältigt und für tot gehalten. Zur Hütte kommen weitere Schurken, auch Deselim. Halef kommt und rettet Kara. Deselim stiehlt Rih, stirbt aber bei der Verfolgungsjagd. Mosklan ist dem Schmied entkommen, sein Gebiss wird von Kara beim Kampf zerschmettert. Boschak stimmt endlich der Hochzeit zu, es gibt detailiert beschriebenen Hammel-Pilaw. Die Schurken – freigelassen, letztlich – gehen weg, einer will allerdings Verwandte Deselims zum Angriff anstacheln. Kara und der Schmied Schimin verfolgen ihn und holen ihn ein. (Halef so: “Du willst doch nicht etwa auch in dieser Nacht uns voranreiten?” Aber klar will er.) Weitere philosophische Gespräche, Kara schenkt dem Schmied ein Neues Testament und macht diesen glücklich damit.

Kapitel 4: Kara trifft in heruntergekommener Kneipe Spuren des Reisenden Madi Arnaud, dem der Wirt eine Brieftasche gestohlen hat und der die Magd, die das gesehen hat, auspeitschen lässt, bis Kara eingreift. Alle vier wieder vereint reisen nach Ismilan, kehren beim Bruder des toten Deselim ein. Omar und Osko sind zwar wieder dabei, kriegen aber weiterhin nichts zu tun. Alle geben sich als Mitglied der Räuberbande aus. Sie erfahren, dass Manach el Barscha nach Menelik will, zum Fruchthändler Glawa. Sie treffen im Gasthaus den Madi Arnaud, tatsächlich: Martin Albani. Er sing Stanzl. Sie kennen ihn aus Band 1. Er will auch nach Menelik.

Kapitel 5: Auf dem Weg werden sie aufgehalten, weil sie eine tote Frau finden, eine heimliche Christin; sie trösten ihren Mann und die Kinder und erfahren ihre Geschichte. Sie war zum Christentum bekehrt worden von einer dann aus dem Haus gejagten Dienerin. Kara bringt dem Witwer das Christentum näher, wieder einmal. (“Ich als Laie konnte freilich an ihm nicht zum Missionär werden.”) In Menelik werden sie abgepasst und landen bei einem Fuhrmann, der ihnen verheimlicht, dass das Haus des Fruchthändlers gleich nebenan ist – Kara soll von den Verschwörern gefangen genommen oder getötet werden. Hilfe erhalten sie von einer Dienerin im Haus des Fruchthhändlers, eben jener christlichen Magd. Kara belauscht die Bande von einem Taubenschlag aus, als Halef dazu kommt, stürzen sie herunter, entkommen aber. Vorher hören sie, dass Manach el Barscha in der Ruine von Ostromdscha wartet.

Kapitel 6: Auf dem Weg helfen sie einem Paar, dessen tote Tochter für einen Vampyr gehalten wird. Es war dann doch der Knecht, der den Verlobten der Verstorbenen vergiftet.

Kapitel 7: Ein Han, ein Gasthof: der gute Wirt Ibarek ist in der Nacht zuvor bestohlen worden, und zwar von den Flüchtigen, Manach el Barscha und dessen Gefährten. Kara macht sehr einen auf Sherlock Holmes, “die geknickten Nesseln sind nicht verwelkt; sie hängen nur matt ihre Blätter”. Er entdeckt, wie der Diebstahl abgelaufen ist, und will dem Wirt helfen – mit ihm Richtung Ostromdscha. Zwei Boten aus Menelik kriegen Freigetränke im Han, damit sie nicht nachkommen und warnen. (Kara belauscht sie noch vor der Abreise, obwohl Horchen eine Schande ist. Außerdem erfahren sie, dass es um einen Mübarek geht, der ein Passwort erwartet.) – Kara erklärt nebenbei ein bisschen Astronomie: dass es Sterne gibt, die wir noch gar nicht sehen, und welche die wir sehen, die es aber nicht mehr gibt.

Kapitel 8: Zur Ruine von Ostromdscha. In der Ruine soll es Geister geben, die der vor fünf oder sechs Jahren herbeigekommene und wie ein Heiliger verehrter Mübarek zu bannen sucht; die Geister gibt es aber auch erst seit der Zeit. Immer wieder werden Tote gefunden, mit den Hals umgedreht, das wird den Geistern zugeschrieben. Die Leute glauben, dass der Mübarek Krähen und andere Vögel als Boten hält, die ihm alles zutragen. Tatsächlich führt er ein Doppelleben als an Krücken gehender Bettler. Halef legt sich mit einem albernen Polizisten an, der die Gruppe daraufhin beim Richter anzeigt. Währenddessen bringt Kara einen Spitzel dazu, das Passwort zum Mübarek zu verraten (“Ein Vertrauter”). Außerdem macht er sich wieder Freunde, indem er einer armen Frau Geld schenkt und ihr Rat gegen den Rheumatismus gibt. Dann das Übliche hin und her mit der korrupten und zu beeindruckenden Obrigkeit. Während der Mübarek als Schreiber bei der Gerichtsverhandlung wartet, überraschen die Helden die drei Verfolgten und fesseln sie. Dann auf zur Gerichtsverhandlung – die Handlung bricht mittendrin ab.

Diagramm zur Handlung:

Diagramm zu In den Schluchten des Balkan

  • Weniger interessant als Band 1 oder gar 1, Städte als Schauplatz sind mir lieber als Dörfer oder Gehöfte.
  • Das Wort “Firnis”, dem ich hier im Grundschulalter zum ersten Mal begegnete, taucht endlich auf, aber wirklich nur in einem Nebensatz. Was einem so alles hängen bleibt.
  • Schön beschrieben: Der fette und nicht sehr hygienische Hammel-Pilaw zur Verlobungsfeier von Ali und Ikbala.
  • Die Handlung ist letztlich linear und überschaubar: Am Anfang reiten sie den drei Verfolgten hinterher, am Ende haben sie sie endlich eingeholt, das war es letztlich. Kurzer Ausblick auf Band 5: Die Verfolgten entkommen, und es geht wieder den ganzen Band hinterher.
  • Unerwartet die Vampirgeschichte in Kapitel 6, die als ausgeführte, aber gänzlich unverbundene Geschichte nicht zum Rest passt. Hier wollte Karl May woll ein bisschen Dracula-Stimmung mitnehmen.
  • In Kapitel 1 und 2 ist Kara ben Nemsi weitgehend allein, danach ein bisschen mit Halef unterwegs; die beiden anderen – Osko und Omar – sagen kaum mal einen Satz und sind völlig überflüssig.
  • Am ehesten sind sie mit NPCs beim Rollenspiel zu vergleichen, Non-Player Characters, die man gut spielen kann oder nicht – hier reiten sie einfach mit, man kann sie vielleicht mal da oder dorthin als Boten schicken, aber alle Enstcheidungen werden von den NPCs getroffen. Wie bei einem nicht gar so guten Überland-Szenario bei einem Rollenspiel ist die Handlung linear, mit kleinen folgenlosen Sidequests, dazu farbige Hintergründe, Wikipediaten zu Preisen und Entfernungen, aber alles recht zweidimensional.
  • Der Diebstahl beim Gastwirt Ibarek ist ganz interessant; hier gibt Kara den Sherlock Holmes: Ein leerer Tresor, der nicht geöffnet worden zu scheint, Spuren vor dem Fenster, das volle Programm.
  • Zum Weiterlesen: “Von Arnauten und Skipetaren. Albanien und die Albaner bei Karl May” von Michael Schmidt-Neke

Durch das Land der Skipetaren

Titelbild "Durch das Land der Skipetaren"

Der Mübarek wird entlarvt und gefangen genommen, entkommt aber mit den drei anderen Gefangenen – Spoiler: Am Ende des Buchs sind sie immer noch flüchtig, wie schon am Ende des vorletzten Bandes.

Kara macht den Leuten weis, er sei kugelfest, indem er Kugeln aus Wismut und Quecksilber gießt, die sich nach dem Schuss auflösen, bevor sie Schaden anrichten können. (Das Rezept gibt der Autor nicht an, weil kein Laie das nachmachen soll.) Den Helden lauert ein Räuber-Brüderpaar auf, die Aladschy, die werden aber überlistet, indem sich Kara als wandernder Moslem ausgibt. Dabei verstaucht er sich den Fuß und verbringt den Rest des Buchs hinkend oder sitzend beziehungsweise reitend.

In einer Ortschaft werden Kara und die anderen in eine Falle gelockt, weil der Mübarek und die anderen vor ihnen da sind und sie in eine Felsenhütte locken, in der die Helden verhungern sollen. Aber sie entkommen und verwunden dabei den Mübarek, töten den Fleischer, der sie in die Falle gelockt hat. Der Bruder des Fleischers nimmt sich der Blutrache an, wird von Kara besiegt und freigelassen, woraufhin er die Blutrache ruhen lässt und Kara zeremoniell sein Beil übergibt. Aber es gibt einen neuen Feind: Suef, der Schneider, der sie führen soll und in eine weitere Falle lockt, nämlich in das Haus des Habulam. Dort werden die Verfolger im Turm der alten Mutter untergebracht, ein Gift-Mordanschlag scheitert, weil Kara zuvor Freundschaft mit einer Magd und einem Knecht geschlossen hat. Ein weiterer Anschlag fällt ins Wasser – die belauschten Schurken wollen von oben herab die Helden überfallen, aber die verriegeln die Falltüre und setzen mit einem Schlauch das oberste Stockwerk unter Wasser.

Die eigentlichen Feinde entkommen wieder, die anderen – Habulam und Suef – erhalten die Bastonade und werden ausgehorcht, so dass Kara weiß, wo es weiter zum Schut geht, nämlich zum Karanirwan-Khan.

Diagramm zur Handlung:

Diagramm zu Durch das Land der Skipetaren

  • Noch weniger ergiebig als der vorhergehende Band.
  • Das Phosphorfläschchen Karas, an das ich mich noch erinnerte, kommt endlich zum Einsatz.
  • Die Wasserspiele auf dem Turm sind selbst für Halef eine alberne Idee.
  • Eine schöne Nebenfigur: Der erst hochmütig-quacksalberische, aber später durchaus lernfähige Arzt, der von Kara ben Nemsi lernt, Brüche und Verstauchungen einzugipsen, sofort den Wert dieser Technik erkennt und voller Enthusiasmus das an einem Versuchskaninchen von Kopf bis Fuß erprobt.

Typographie in Deutsch und Informatik (nur so als Einstieg)

Schriftarten der Klasse 6a

Informatik in meiner 6. Klasse findet nicht immer statt; nachmittags sind oft Konferenzen. Immerhin habe ich die Klasse parallel in Deutsch, so dass ich wenigstens die Namen der Schüler und Schülerinnen kenne. Im Deutschunterricht lasse ich sie am Rechner schreiben, im Informatikunterricht nehme ich als Beispiele Texte aus dem Deutschunterricht.

Gestern ging es um die Klasse ABSATZ bei Textverarbeitungssystemn und deren Attribute; davor wiederholten wir die lange zurückliegende Klasse ZEICHEN und deren Attribute – darunter zum Beispiel die gewählte Schriftart. Und dass solche Schriften entworfen werden und 10.000 Euro kosten (habe ich mal so geraten, hängt sicher von vielen Dingen ab) und dass es allein schon mal deswegen rücksichts- und geschmacklos ist, so einen sorgfältig gestalteten Zeichensatz durch automatische Unterstreichung zu verhunzen. Denn ja, liebe Kinder, Unterstreichung als Mittel der Hervorhebung ist legitim bei alten Schreibmaschinen; wenn man nicht auf einer solchen arbeitet, nutzt man stattdessen andere Möglichkeiten – der Text kann fett sein oder kursiv oder in einer anderen Schriftart und ‑größe (aber vielleicht auch nicht alles davon auf einmal). Auf Fortbildung neulich so ein Medienmensch, der iPads für seine Schüler forderte, aber munter die Unterlängen seiner Zeichen beim Unterstreichen durchsäbelte – wer keinen Sinn für Form hat, dem traue ich auch beim Inhalt nicht.

Und dann ging es um Times New Roman und Comic Sans, und was da jeweils das Problem ist oder nicht ist – genug, am nächsten Tag präsentierte ich im Deutschunterricht den Schülern und Schülerinnen ein Gedicht, das wir ein bisschen besprachen, bevor ich dann ihre Meinung zum verwendeten Zeichensatz einholte. Den hatte ich nämlich selbst entworfen, basierend auf meiner Handschrift.

Darauf teilte ich in der Klasse eine Tabelle aus, so dass jeder sich selber eine Schrift zusammenbasteln konnte. Und in einer halben Stunde im Lehrerzimmer hatte ich aus dem ersten Dutzend Entwürfen jeweils TrueType-Zeichensätze gemacht, die jetzt zum Beispiel unter Windows wie andere reguläre Zeichensätze verwendet werden können:

Schriftarten der Klasse 6a

Das sind die Schriftarten aus der Klasse, dazu meine und die eines Kollegen, der an der Theke im Lehrerzimmer auch rasch mitspielte. Dass manche Schriftarten sich ähnlich sind, liegt am Entstehungsprozess, dazu später mehr. Der Sinn… Wertschätzung von Schriftarten, Reflexion der eigenen Handschrift, Spaß am Gestalten. Dazu informatisch: Vektorgrafiken, Umgang mit Informatiksystemen. Denn der fertige Zeichensatz lässt sich noch bearbeiten; an einzelnen oder allen Zeichen kann man feilen.

Das Grundwissen dazu:

  • So ein Zeichensatz besteht aus einer Sammlung von Vektorgrafiken. Jedes Zeichen ist eine kleine Vektorgrafik, die mit einem Programm erstellt werden kann. FontForge ist so ein Propgramm, mit dem man unter anderem TrueType-Dateien einlesen und verändern kann. Open Source, gibt’s auch in portable.
  • Man kann handschriftliche Zeichnungen digitalisieren und in eine Vektorgrafik umformen lassen. Inkscape ist ein Programm, mit dem man das machen kann, auch Open Source.
  • Für vieles, was man manuell selber machen kann, gibt es Webseiten, die das für einen erledigen.

Unter http://www.myscriptfont.com/ ist so eine Seite. [Nachtrag: Die Seite gibt es nicht mehr, sondern stattdessen einen Nachfolger, für den man sich registrieren muss. Schade! Ich müsste mal schauen, ob es das noch anderswo gibt.] Man druckt eine Vorlage aus (einfacher gleich als png herunterladen und nicht als pdf, weil die pdf-Datei im Letter-Format ist), füllt sie mit schwarzem Filzstift aus. Füller geht nicht so gut, Kugelschreiber und Bleistift gar nicht, denke ich. Doppelt vorsichtig sein bei den Unterlängen, gerade beim g lieber noch zusätzlich Platz lassen. Dann scannt man die Vorlage ein, mit einem echten Scanner, nicht mit dem Handy. Bei Füller muss man unbedingt noch mit der Gammakorrektur kräftig verdunkeln. Die Bilddateien lädt man bei der Seite hoch, und schon hat man seine TTF-Datei.

Mit den richtigen Werkzeugen geht das wirklich im Handumdrehen: Die Schüler-Blätter per automatischem Einzelblatteinzug im Kopiergerät der Schule einscannen und auf USB-Stick speichern. (Das können Kopiergeräte heute.) Allerdings speichert das Kopiergerät das dann alles in einer einzigen pdf-Datei, also braucht man ein Programm, mit dem man aus pdf-Dateien Grafiken (png oder jpg) erstellen kann. Weil ich das oft brauche, habe ich das ohnehin auf meinem kleinen Privatrechner, den ich in der Schule immer dabei habe. Gammakorrektur braucht am längsten, und wenn es mehr gewesen wären, hätte ich den Batch-Modus bei IrfanView genutzt; ist eh auch am Rechner. Morgen kriegen die Schüler und Schülerinnen ihre Fonts, die anderen wollten noch zu Hause an den Vorlagen arbeiten. Danach schauen wir uns die Fonts in FontForge an. Es macht wirklich Spaß, mit Informatiksystemen umgehen zu können.

Mit einem Dienstrechner wäre das alles übrigens nicht gegangen. Deswegen ist es unsinnig, wenn in NRW gerade der Datenschutz dahingehend interpretiert wird, dass Lehrer keine Schülerdaten auf Privat‑, sondern nur auf Dienstrechnern verarbeiten dürfen.

- Für meine Zulassungsarbeit in Mittelhochdeutsch im letzten Jahrtausend habe ich übrigens bereits Zeichensätze angepasst. Da ging es um die Analyse einer frühneuhochdeutschen Handschrift hinsichtlich der Schreibung und des mutmaßlichen Lautstands bei Lautveränderungen, und da brauchte ich viele spezielle diakritische Zeichen. Klar hätte ich die alle unter “å” zusammenfassen können, aber so war es viel lustiger.

Nachtrag: So sieht ein Zeichen aus, wenn man es nachträglich bearbeiten will.

Zeichen "e" in Software FontForge

In der sächsischen Schweiz

Landschaft:: Ausblick nach Böhmen

Eigentlich wollte ich über das Pflichtfach Informatik schreiben, aber das habe ich schon vor Jahren getan und es hat sich nicht viel geändert: Vier Bundesländer haben es in der einen oder anderen Form (neu: auch Österreich und Schweiz), die anderen eiern noch herum. Was gegen das Pflichtfach Informatik spricht: Es kostet Geld. Was gegen ein Pflichtfach Informatik vorgebracht wird: Das braucht doch keiner; Medienkunde ist aber auch wichtig; die Inhalte kann man auch ohne ein Fach vermitteln; Fächer an sich sind überholt. Das erste ist falsch, das dritte auch, das zweite nicht (aber irrelevant), das vierte ist interessant – und wenn sich abzeichnet, dass ein Bundesland auf Fächer sinnvoll verzichten will, dann fein; ich sehe das aber auf absehbare noch nicht kommen. Der Mensch ist schlecht in Prognosen, aber so schnellt rollt die Revolution hier nicht heran.

Ich kam auf den Gedanken, weil ich letzte Woche bei einem Informatikdidaktiker-Treffen in der sächsischen Schweiz war. Das war sehr interessant. Es war kalt und der Handy-Empfang war nicht gut, aber dafür waren vierzig Informatiker und Informatikerinnen auf einem Haufen und arbeiteten in Gruppen und tauschten sich aus. Produktiv, und lauter gescheite Leute.

Alle Züge hin und zurück waren übrigens pünktlich, selbst die ICEs. (WLAN ging auch.) Zwischen Leipzig und Dresden las ich bei Twitter, dass ich in Leipzig auf dem Bahnhof als Twitterer erkannt worden war – wo natürlich nicht damit zu rechnen war, dass ich da sein würde. Da war ich verblüfft, selber bin ich sehr schlecht mit Gesichtern. Mein Avatarbild sieht wohl wirklich so aus wie ich, und dann taucht mein Foto ab und zu auch in anderen Blogs auf. Hat mich jedenfalls sehr gefreut.

Blick nach Böhmen:

Landschaft: Ausblick nach Böhmen

(“Der Wanderer über dem Nebelmeer” von Caspar David Friedrich entstand hier, aus verschiedenen Bergen zusammengebastelt. Der in der Mitte ganz hinten ist ein Kandidat für einen davon, ich weiß aber nicht mehr, ob es der Rosenberg doer der Kaltenberg ist.)

Ray Bradbury, Fahrenheit 451 (2018)

Vieles an dem Buch hat sich sehr gut gehalten, manches ist erstaunlich gut extrapoliert. Zugegeben: Die Männer gehen arbeiten und die Frauen bleiben zu Hause, und als der emotional mitgenommene Guy Montag sich im Wohnzimmer erbricht, ist es seine Frau Mildred, die sofort den Wischmopp zum Saubermachen holt.

Aber das betrifft kein zentrales Thema des Buchs. Anders ist es bei Folgendem: In der Welt von Fahrenheit 451 sind Bücher verboten. Das Medium Buch wird dabei keineswegs anderen Medien gegenüber als etwas prinzipiell Besseres dargestellt; Faber erklärt, dass die wichtigen Dinge, wegen derer Bücher nach und nach verboten wurden, sich genau so gut in Hörspielen oder Fernsehsendungen mitteilen lassen. Um die Inhalte geht es, nicht um die Form. Weiterhin sind zwar Bücher verboten, und es gibt einen autoritären, vielleicht totalitäten Staat, der über Medien die Gesellschaft belügt und ruhig hält – aber es war nicht der Staat, der die Bücher abgeschafft hat, sondern die Gesaellschaft selber. Die Gesellschaft hat beschlossen, nicht mehr Originale zu lesen, sondern nur Wikipedia-Fassungen davon; die Gesellschaft hat beschlossen, dass Gedanken, die Unwohlsein auslösen können, nicht mehr veröffentlicht werden. Bücher enthalten kritische und unliebsame Inhalte, das führt zu Unfrieden, deshalb verzichtet man auf sie.

So weit, so gut. Das sehen meine Schüler und Schülerinnen sofort ein. Zensur nicht gut – aber um Zensur, das habe ich betont, geht es ja gar nicht, allenfalls um Selbstzensur. Es ist ja eben nicht der Staat, der das eingreift. Sondern: Die Minderheiten. Je größer die Gesellschaft, desto mehr Minderheiten, so erklärt es im Buch der Feuerwehrmann Beatty, der allerdings zu den Bösen gehört. Niemandem darf man in solch einer großen Gesellschaft auf den Schlips treten – zu empfindlich sind “the dog-lovers, the cat-lovers, doctors, lawyers, merchants, chiefs, Mormons, Baptists, Unitarians, second-generation Chinese, Swedes, Italians, Germans, Texans, Brooklynites, Irishmen, people from Oregon or Mexico.” Der Markt sorgt dafür, dass man niemanden verschreckt (diesen Effekte halte ich für realistisch). “Colored people don’t like Little Black Sambo. Burn it. White people don’t feel good about Uncle Tom’s Cabin. Burn it. Someone’s written a book on tobacco and cancer of the lungs? The cigarette people are weeping? Burn the book.” Alles um des lieben Friedens willen.

Vor dem Hintergrund der Kommunistenhatz der frühen 1950er Jahre in den USA ist das verständlich. Und doch: Liest sich das nicht wie eine Verteidigung gegen die damals noch gar nicht so existierende political correctness? Können die Minderheiten nicht einfach zufrieden sein mit dem, was für die Mehrheit gut genug ist? Der Negerkönig von Takatukaland soll nicht mehr so heißen, ist das schon der erste Weg Richtung Fahrenheit 451? Mir fehlt ein wenig das Verständnis dafür, dass die Minderheiten vielleicht mit manchen Vorwürfen Recht haben könnten. Wie man dann mit diesen Problemen umgeht, ist eine andere Frage, aber man sollte die Vorwürfe als legitim anerkennen. Da macht es sich Bradbury zu leicht, finde ich.

Die Schüler und Schülerinnen konnte ich nicht überzeugen. Hier geht es um Verbrennung von alten Pipi-Langstrumpf-Ausgaben, da um eine Petition, ein Bild eines jungen Mädchens aus dem Museum zu nehmen – ein Bild, das übrigens für das Titelbild der Ausgabe von Nabokovs Lolita gewählt wurde, das sich im Hause Rau befindet. Würde man heute auch nicht mehr machen, und ist das auch schon ein Schritt Richtung Fahrenheit 451?

Vom Gendern halten die beiden Klassen, die ich heute dazu gefragt habe, übrigens auch nichts. Als Anrede für eine einzelne Frau ist die weibliche Form schon begrüßenswert (Bundeskanzlerin, Studiendirektorin, Schülerin), aber das generische Maskulinum ist voll akzeptiert.

Typische Schulwoche: Nathan, Fahrenheit, Lyrik, Konferenzen

Am Montag Datenbankentwürfe in der 9. Klasse – die Schüler haben Klassendiagramme für ein Fantasy- oder Science-Fiction-Spiel gezeichnet und präsentiert, dann in einem Diagramm-Editor verfeinert; nächster Schritt: Umsetzen in Tabellen für eine Datenbank. In der 11. Jahrgangsstufe: Vorbereitung für Fahrenheit 451 im Englischunterricht, einen Radio-Beitrag zu Ray Bradbury angehört und Fragen dazu gestellt oder beantwortet. Davor noch abgestimmt, mit welchem englischsprachigen Land außerhalb UK/USA wir uns beschäftigen – ich bot Irland und Indien an, dazu kamen die Vorschläge Neuseeland, Südafrika, Australien. Wär mir auch recht gewesen, aber die Entscheidung fiel für Indien. In Deutsch 10 die Ergebnisse des Mebis-Workshops besprochen. Workshop: Das ist eine bestimmte Moodle-Aktivität, bei der Schüler und Schülerinnen die Lösung einer Aufgabe abgeben, die dann von zugewiesenen anderen Schülern und Schülerinnen nach gegebenen Kriterien kommeniert wird. Thema war: Einen Fernseh-Fünfteiler entwerfen, mit kurzen Inhaltsangaben zu den Episoden, jeweils den Akten eines klassischen Dramas entsprechend, also mit Exposition, steigender Handlung, Wendepunkt, fallender Handlung, Katastrophe. Danach weiter Nathan.

Am Dienstag Informatik-Klausur in Q11. In 7 mit Algorithmik weitergemacht, ohne das Wort zu verwenden – zweite Schritte mit Scratch. Am Nachmittag Lehrerkonferenz. Schön fand ich, dass auch SMV-Vertreterinnen da waren, um bestimmte Punkte anzusprechen. In Bayern ist das nicht vorgeschrieben oder üblich, aber ich freue mich über jeden Kontakt. Ein weiteres Thema war das Medienkonzept, von dem ich über Twitter mitkriege, dass das auch bei anderen Schulen angekommen ist und zu laufen scheint. Meine Rede: Wenn so etwas endlich mal top-down kommt, dann wird das auch gemacht.

Mittwoch: Weitermachen mit Lyrik in 6. Klasse. Anlass: Einige Schüler und Schülerinnen mussten aus Gründen Gedichte aufsagen. Aber Gedichte stehen ja eh im Lehrplan. Erst mal Begriffe geklärt: Silbe (und der Unterschied Sprechsilbe und Silbentrennung), Betonung (und damit erklärt, warum der Schüler im Vortrag “Penelope” und “Persephone” falsch, nämlich nach deutschem Muster, betont hatten), Verteilung von betonten und betonten Silben. Ich kann nie vorhersagen, welche Schülerinnen ein Ohr für Metrik haben und welche nicht, aber das Thema interessiert sich, und ein paar wussten schon, dass man später irgendwann mal Aufsätze über Gedichte schreiben würde; der Gedanke faszinierte sie sichtlich ob dessen Unvorstellbarkeit. – Mittags kurzes Team-Treffen, danach noch ein paar Informatik-Reste in 11.

Donnerstag: Nathan-Analyse, close reading. Die Schulaufgabe (Prüfung) mit dem Thema Drama ist war erst im Mai, aber dazwischen liegen Austausch und Berlinfahrt und Ferien, deswegen muss das alles jetzt schon vorbereitet werden. Thema der Prüfung ist immer ein Ausschnitt aus einem unbekannten Drama, der Übungsaufsatz auch, aber geübt wird anhand des bekannten Nathan. Der fällt dieser Klasse leichter als sonst; sprachlich ist das nämlich kein leichtes Stück, aber dafür geht das dann im Jahr darauf mit dem Faust besser. Meine Lieblingsstelle: “Denn ist nicht alles, was man Kindern tut, Gewalt? – Zu sagen: – ausgenommen, was die Kirch’ an Kindern tut.” Deckt sich mit meinem Menschenbild. Danach weiter Lyrik.

Freitag: Konkretes Arbeiten an Fahrenheit 451. Ich hatte mir beim Lesen Arbeitsaufträge gesammelt, dazu Vorschläge von den SuS, Paare gebildet, die die Ergebnisse jeweils präsentieren müssen. Ein Schüler fragte, ob Guy Montags Entwicklung als Heldenreise gesehen werden könnte. Habe ich so noch nie gesehen, ist aber dann doch ein verfolgenswerter Gedanke; schauen wir uns an, was er am Montag erzählen wird. – Sicher sind nur wenige meiner Arbeitsaufträge originell, die meisten sind offensichtlich: Symbole im Roman, Parallelen zwischen konkreten Neben- und Hauptfiguren, das ist alles naheliegend. Und die Lösungen dafür gibt es zuhauf im Web. Das wird mit diesem Kurs kein Problem sein – aber grundsätzlich ist es schon möglich, die Antworten zu recherchieren und einfach abzuschreiben. Das bringt wenig; Ziel ist ja nicht, dass die SuS die Symbolik in Fahrenheit 451 kennen (obwohl das dann später im mündlichen Abitur vorausgesetzt werden wird), sondern dass sie Symbolik in einem Werk erkennen können. – Die meisten SuS haben Papierausgaben, nur ganz wenig Kindle ist im Gebrauch.

Zweierlei Rinderfett, mit Rezept: Steak and Kidney Pie

In England gibt es zwei Arten Rinderfett, denen man in Deutschland selten begegnet. “Beef dripping” kann man im Supermarkt und beim Metzger kaufen, so wie bei uns Schweineschmalz – nur dass es eben quasi Rinderschmalz ist. Bratkartoffeln kann man darin machen, und Zwiebeln anbraten, für Yorkshire Pudding ist es ganz wichtig. Früher wurden Fish & Chips in beef dripping zubereitet.

Der Name kommt noch aus den Zeiten, als das Stück Rindfleisch über dem offenen Feuer oder den Kohlen gebraten wurde, an einem Spieß oder von oben herabhängend. Darunter befand sich die dripping pan, in die das Fett tropfte und wo es gesammelt wurde. (Und man konnte auch etwas reintunken, ja.)

Wenn man das dripping aus der Pfanne oder Schale abschöpft, ist noch etwas Bratensatz dran, das macht es besonders lecker. Hier mein dripping für das folgende Rezept:

Kochrezept

Das andere Fett heißt “suet”, und auch das gibt es beim Supermarkt und beim Metzger, und es taucht in vielen Rezepten auf. In deutschen Kochbüchern mit englischen Rezepten erscheint es gelegentlich als “Riedernierentalg”, Wikipedia informiert mich, dass es auf Österreichisch “Kernfett” heißt. Um die Niere, also die Rinderniere, ist eine Fettschicht, und zwar eine ziemlich dicke. (Manchmal, wenn man eine Niere kauft, sieht man noch ein paar Spuren davon.) Dieses Fett wird kleingehackt und für Mürbteig verwendet, bei Süßspeisen wie bei salzigen. Man kann es auch fertig kaufen, dann hält es sich sogar – außerhalb des Kühlschranks – sehr lange:

Kochrezept

Jetzt zum Rezept: Steak and Kidney Pie. Ich bin da überhaupt keine Autorität, aber ich habe diesen Pie jetzt schon sechs oder sieben Mal gemacht, und er ist immer sehr lecker geworden. An der Dekoration kann man sicher noch arbeiten, wenn man mehr Geduld hat als ich. Zubereitungszeit mit viel Warten: Dreieinhalb Stunden. Das Rezept ist von Delia Smith.

  • 700g Rindfleisch, gewürfelt, irgendwas Gulaschartiges
  • 2–3 Zwiebeln, grob gehackt
  • 200 Gramm Rinderniere, ersatzweise auch Kalbsniere
  • 1 EL dripping, ersatzweise anderes Fett
  • 1 1/2 EL Mehl
  • 1/2 TL getrocknete Kräuter (Oregano, Thymian, Majoran, was so da ist)
  • 1/2 TL Worcestershire-Sauce (ganz wichtig für den typischen Geschmack!)
  • 2 TL mushroom ketchup – hat nichts mit Tomatenketchup zu  tun; ich lasse es meistens weg oder nehme asiatische Austernsoße; es geht um konzentrierte Umami-Geschmack dabei
  • 425 ml Rinderbrühe (oder auch mehr)
  • 250 g Pilze, in Scheiben
  • 110 Gramm Suet
  • 225 Gramm Mehl
  • Salz, Pfeffer
  • Eine ofenfeste Form für 1,2 Liter Inhalt

Das Fleisch würfeln, so 2–3 cm groß:

Kochrezept

Pilze vorbereiten, in Scheiben schneiden:

Kochrezept

Das ist eine halbe Kalbsniere. Eine Rinderniere gab es bei meiner Innereienmetzgerin nicht, sie klagte im Gegenteil: Die müssten sie immer wegwerfen, die kaufe keiner.

Kochrezept

Die Niere in Stückchen schneiden:

Kochrezept

Die Zwiebeln im dripping ein bisschen anbraten:

Kochrezept

Fleisch und Nieren dazu, und wer die Geduld hat, das auf zweimal zu machen, kann sie vielleicht wirklich scharf anbraten und braun werden lassen. Sonst halt so gut es geht:

Kochrezept

Wenn das Fleisch braun ist, 1 1/2 Esslöffel Mehl dazu, umrühren:

Kochrezept

Aufgießen mit der Rinderbrühe:

Kochrezept

Die Pilze dazu:

Kochrezept

Jetzt nicht vergessen: Pfeffern, salzen, die Worcestershire-Sauce, das mushroom ketchup, die getrockneten Kräuter. Deckel drauf und zwei Stunden ganz sanft köcheln lassen. Danach noch einmal abschmecken, eventuell etwas nachsalzen. Wenn man zu viel Flüssigkeit hat, ist das nicht schlimm, dann hat man ein bisschen Extrasoße, wenn man am Tag darauf die Reste mit Kartoffelbrei serviert.

So eine knappe halbe Stunde vor Ende der Kochzeit macht man sich an den Teig. (Gleichzeitig kann man schon mal den Backofen vorheizen, 220 Grad.) Dazu mischt man Mehl und suet und gibt Pfeffer und Salz dazu (einen halben Teelöffel? mehr?). Man sieht schön die Körnchen im Mehl:
Kochrezept

Nach und nach ein bisschen Wasser darübersprengen, zuerst mit einem Messer und dann mit den Händen verkneten (immer wieder ein bisschen Wasser dazu), bis ein glatter Teig entsteht. Eigentlich ist das Ziel, möglichst wenig zu kneten, und wenn man den Teig mit kalten Butterstückchen macht, ist das wohl auch wichtig – aber das suet ist so robust, da kann man ruhig ordentlich kneten. Die Fettstückchen im Teig sorgen später dafür, dass der Teig schön blättrig wird. (Das liegt daran, dass suet einen höheren Schmelzgrad hat als andere Fette und deshalb erst dann schmilzt, wenn die Teigstruktur schon relativ fest ist.)

Ausrollen, vielleicht einen knappen Zentimeter, dick, und jedenfalls 2–3 Zentimeter mehr Rand lassen als der Rand der verwendeten Form. Dann schneidet man nämlich diesen Rand weg und klebt den auf den Rand der Form, den man dazu zuvor mit etwas Wasser angefeuchtet hat. Der restliche Teig ist der Deckel; man macht ein kleines Loch hinein, damit später der Dampf austreten kann, und aus Teigresten macht man Dekoration – ein paar Blätter vielleicht:
Kochrezept

Da kommt dann die Füllng hinein:

Kochrezept

Den Rand anfeuchten, den Deckel aufsetzen und andrücken. Verzieren, wer kann und mag:

Kochrezept

Das kommt dann bei 220 Grad für 30 bis 35 Minuten in den Ofen und sieht danach so aus:

Kochrezept

Das gibt dann ein Abendessen für drei Personen, vielleicht vier als Teil eines Menüs oder wenn man nicht so gierig ist wie Frau Rau und ich. Aber es schmeckt halt so gut:

Kochrezept

Man sieht vielleicht, wie schön flaky, blättrig, die Kruste ist:

Kochrezept

Gedichterunde im Englischunterricht

In den letzten zwei Wochen habe ich in der Oberstufe ein paar Gedichte präsentiert. Erst mein üblicher Dreischritt von – im weitesten Sinn – Liebesgedichten, in denen es um die Beschreibung von Frauen geht, und um Bildersprache. Im Sonett 15 aus dem Amoretti-Zyklus von Edmund Spenser (Link zum Text) wird eine Frau gepriesen, in dem ihre Eigenschaften mit den Kostbarkeiten verglichen werden, die Händler aus Ost- udn Westindien zurückbringen – Haare wie Gold, Augen wie Saphire, Lippen wie Rubine. Die Seele der Frau ist natürlich noch besser, wird aber im Vergleich zum Rest nur kurz, wenn auch als Schlusspointe, abgehandelt.

Danach folgt Shakespeares Antwort darauf, sozusagen: das Sonett 130 (Link zum Text), “My mistress’ eyes are nothing like the sun”, wo er die Geliebte geradezu herutnermacht: Musik klingt schöner, Parfum riecht besser, Koralle ist roter als ihr Mund – und doch ist sie mindestens so gut wie all die anderen Frauen, die man mit übertriebenen vergleichen überhäuft.

Als drittes “Reported Missing” von Barry Cole (Text, Audio): Jemand, ein Mann, meldet einem Polizisten eine geliebte Frau als vermisst – in blumigen Vergleichen, wären der Polizist gerne konkrete Angaben hätte, also wenigstens Augenfarbe, Haarfarbe, aber kriegt nur blumige Bilder. Mit dem Gedicht lässt sich auch gut das Vorlesen üben, weil man eigentlich bis zu drei verschiedene Tonfälle dafür braucht

(Die Kombination der Gedichte ist nicht originell, die ersten beiden macht man sicher irgenwann im Studium, den Barry Cole dazu habe ich aus einem Schulbuch.)

Bei den Gedichten geht es mir einmal um das Verhältnis zwischen dem Mann und seiner Geliebten, zum anderen um Metaphorik. “My love is like a red, red rose”, eine Zeile von Robert Burns, nehme ich gerne als Einstieg: Was hat die Geliebte, oder der, mit einer Rose gemein? Nach der theoretischen Diskussion plus Tafelbild kommt man das folgende Gedicht von Edmund Waller (17. Jahrhundert), wieder eine Rose, wieder als Teil eines Vergleichs, aber hier ist der Sprecher so nett, den Vergleich für den Adressaten oder die Adressatin zu erklären:

Go, lovely Rose -
Tell her that wastes her time and me,
That now she knows,
When I resemble her to thee,
How sweet and fair she seems to be.

Tell her that’s young,
And shuns to have her graces spied,
That hadst thou sprung
In deserts where no men abide,
Thou must have uncommended died.

Small is the worth
Of beauty from the light retired:
Bid her come forth,
Suffer herself to be desired,
And not blush so to be admired.

Then die – that she
The common fate of all things rare
May read in thee;
How small a part of time they share
That are so wondrous sweet and fair!

Aber es stimmt schon, jüngere Gedichte kommen besser an bei Schülerinnen und Schülern. Deshalb habe ich die Sequenz beendet mit zwei Gedichten des von mir sehr geschätzten e.e.cummings (experimentell und zugänglich, also irgendwie safe), beide wieder mit viel Symbolik.

“o by the by” ist ein kleines, heiteres Gedicht, das nur auf den ersten Blick kryptisch wirkt. (Hier ist der Text.) Wenn man sich ein Bild von der Situation im Gedicht mal, unten ein grüner Hügel, darauf eine Person oder zwei (“little you‑i”), darüer blauer Himmel… wenn man nur wüsste, was mit “threw/his wish at blue” gemeint ist… aber auch das ist doch eigentlich klar, finde ich. Bilder zu diesem Wunsch am Himmel haben wir hier:

(it dived like a fish
but it climbed like a dream)
throbbing like a heart
singing like a flame

Singing like a flame? Sind das die Gasflammen früher, die ein kleines Geräusch gemacht haben? Aber vor allem klingt das Gedicht auch einfach schön, besonders in den letzten Versen.

Das Gedicht kam gut an, aber noch mehr eines von Cummings’ bekanntesten Gedichten: “Somewhere I have never travelled” (Text hier). Auch das ist voller Bilder, wieder geht es auch um eine Blume, aber diesmal sind die Bilder nicht so leicht zu fassen, nicht so leicht zu analysieren.

Gelernt habe ich dabei auch etwas. Ich hatte das Gedicht immer für ein Liebesgedicht gehalten, weil… na ja, man ist so geprägt. Ein Gedicht, von jemandem (also einem Mann) an jemand anderen (eine Frau), und es geht klar um Liebe und Gefühl. Und vielleicht ist das Gedicht auch so entstanden; ich weiß es nicht. Aber viel besser finde ich: In diesem Gedicht spricht eine Vater, oder eine Mutter, an das noch ganz kleine Kind. Das erklärt auch “in your most frail gesture”, “the power of your intense fragility” und den feinen letzten Vers: “nobody,not even the rain,has such small hands”. Das Öffnen und Schließen in den Strophen 2 und 3 weckt auch Assoziationen mit einem kindlichen Versteckspiel.

In dem Gedicht spricht nur einer, er spricht über eine andere Person, und ein bisschen zu ihr, aber sicher nicht mit ihr; die andere Person übt eine zauberhafte Macht auf ihn aus, ohne tatsächlich selbst wirklich aktiv zu sein. Ja, das ist eher ein Kleinkind; keine Partnerin.