Geschäftiges Wochenende mit Videokonferenzvorbereitung

  • Freitagnachmittag: Schulleitung meldet sich mit Texten, die ich schon mal für die Homepage vorbereiten soll, sobald das Landramtsamt die erwarteten A/B‑Wochen verkündet. Das geschieht dann auch noch am gleichen Abend.

  • Samstagvormittag: Anfrage wegen Elternbeirats-Projekt: Am Montag hätte eigentlich ein traditioneller Berufsinformationsabend stattfinden sollen, mit Referenten und Referentinnen, die in Zeit-/Raum-Slots ein Berufsbild vorstellen. Der fällt jetzt aus, wegen Alarmstufe 3 im Landkreis. Ob man den nicht über unser Videokonferenzsystem machen könnte?

Ich halte es für mutig, aber mutig ist gut. Also schnell ein paar Sachen zusammengetippt und online in unsere Cloud gestellt. Die Links verteilt, auch wenn die Dokumentation natürlich noch nicht fertig ist.

  • Samstagmittag: Frau Rau in der Reha besucht:
  • Samstagabend: Ein Elternteil macht bei der Technik mit und hat gleich mitgedacht und sich den passenden Account besorgt und geübt. Damit sind wir schon zwei feste Moderatoren. Im Idealfall gibt es für jeden Raum einen Moderator – an der Uni wäre das eine studentische Hilfskraft. Ich beginne damit, ein paar Schüler und Schülerinnen aus dem Technik-Team anzuwerben, auch wenn die etwas Umstände bei der Rechtevergabe erfordern und vor allem ja selbst Zuhörer in den Räumen sein sollen. Andere melden sich gleich freiwillig, weil sie davon gehört haben. Eine Lehrkraft gesellt sich auch noch dazu, damit sind wir halbwegs genug für die Moderation.

  • Sonntagvormittag: Ich erstelle Konferenzräume, kopiere die Referent:innen vom übersendeten Tabellendokument in eine Online-Tabellendokument und schicke den Link dazu herum. Später kommen dann noch Änderungen bei den Referent:innen und den Uhrzeiten, aber das ist für die Dokumentation halb so wild, weil das nun mal ein Online-Dokument ist und keine Datei, die in verschiedenen Versionen hin und her geschickt wird.

Typischer Ablauf: Schüler kommentiert im Onlinedokument (Kommentierung ist allen erlaubt, Bearbeitung nicht); mein Handy ist so eingestellt, dass es mir Bescheid gibt, ich kann gleich zur Seite und den Kommentar bearbeiten. Dazu parallele Kommunikation über E‑Mail und Schulcloud-Chat.

  • Sonntagnachmittag: Testlauf mit einigen Referent:innen und einigen Schülern. Probleme beim Hochladen und Integrieren mancher Dateiformate in den Präsentationsmodus. Zur Not geht aber immer auch, den Bildschirm oder ein Fenster zu teilen.

Dazwischen Unterricht für (fast) die ersten zwei Tage der Woche vorbereitet und Aufträge an die B‑Gruppe verteilt. Rest muss dann am Dienstagmorgen und ‑nachmittag kommen.

  • Montagnachmittag: Die Präsentationen der Referent:innen kommen nach und nach, ich lade sie in den für alle freigegebenen Online-Tauschordner hoch. Von dem aus müssen die Moderatoren sie später nach Eröffnung der Videokonferenz hochladen.
    Außerdem Update der Dokumente mit Aktualisierungen.
  • Montagabend: Etwa 200 Angemeldete (einschließlich der Refenten und Referentinnen und etwa fünfundzwanzig Mehrfachanmeldungen); in 10 Konferenzen, mit einer Handvoll Moderatoren. Vier Zeitschienen. Und alles funktioniert. (Schon vorher hatte ich mich gefragt, was ich hier wohl posten würde, wenn der Abend in die Hose gegangen wäre. Bei allen Berichten an survivorship bias denken.) Nächstes Mal kann man sicher noch einiges verbessern, aber das war doch schon ein höchst befriedigendes Gefühl. Es war auch schön, mit lauter Leuten – Eltern, Schülern – zusammenzuarbeiten, die gleichzeitig eingehende E‑Mails empfangen und beantworten und in einer Konferenz sein können. Und auch noch den Chat am Handy im Auge halten und den Chatverlauf in der Konferenz.
    Viel habe ich von den Vorträgen nicht mitgekriegt. Ich hatte einen Browser mit zehn Tabs offen, drei davon waren die mir zugeteilten Konferenzen, zwischen allen blätterte ich hin und her, um zu schauen, ob jemand Hilfe braucht. Ton war aus, beziehungsweise immer nur der einer Konferenz auf einmal war an. Zwischen den Schienenwechseln aß ich kalte Pasta und spazierte ein bisschen herum.

Für Schulen, die das vielleicht schon lange so machen, ist das alles wahrscheinlich unspektakulär. Aber bei uns, so zum ersten Mal und mit so wenig Vorbereitung, war das schon aufregend.

Erfahrung: Die Eltern sind recht fit. Ich neige zum lehrermäßigen Erklärmodus, damit ich auch wirklich alle mitnehmen, aber die können das eigentlich alleine. Sind wohl Videokonferenzen gewöhnt inzwischen. Dass die Schüler fit sind, wundert mich nicht (nicht die ganze Generation, keineswegs, aber die im Technikteam) – die haben alle mehr Monitore als ich und können damit umgehen.

Frage: Muss das alles so sein? Gehört das zum Berufsbild des Lehrers? Vermutlich nicht. Eigentlich und in Zukunft will man für so etwas einen digitalen Hausmeister oder eine Hausmeisterin. “Wir brauchen bitte eine Konferenz an folgendem Datum zu folgenden Bedingungen.” So wie das Aufstuhlen in der Aula. Allerdings gibt es auch in der Aula das Technikteam der Schule aus Schülerinnen und Schülern, für die das eine Lerngelegenheit ist. – Aber so weit sind wir zum einen noch nicht. Zum anderen macht es mir Spaß, unsere Systeme auszuprobieren und mit Technik zu jonglieren. Es geht ja auch leicht, wenn man das schon einige Male gemacht hat. Selbst wenn das nicht zu unserem Berufsbild gehört.*

*Ich wollte ja mal nach dem Abi kurz in der Flugsicherung arbeiten, so im Tower, oder war zumindest auf einer Veranstaltung dazu. Sich mit Ton und Video kurz in laufende Konferenzen einklinken, um nach dem Rechten zu sehen, ans Ende zu mahnen, Präsentatorenrechte zu verteilen, sich dann zu verabschieden in den nächsten Raum, das hat schon was.

(Und alles ohne zentrale Produkte von Microsoft, Google, Apple – lokal verwenden selbstverständlich alle, was sie wollen.)

6 Antworten auf „Geschäftiges Wochenende mit Videokonferenzvorbereitung“

  1. Doch, gehört zu den Aufgaben eines Lehrers. Das Fach nennt sich Digitale Lebenspraxis, das Phänomen Lebenslanges Lernen. Nur sollte das in der Arbeitszeit erfolgen und nicht am Wochenende … Wobei, das ist bei Lehrern zum Leid von vielen Ehepartnern bekanntlich auch Arbeitszeit :-)

  2. Klingt gut, “mutig” wird offenbar belohnt.
    Es wird aber spannend zu beobachten sein, ob das Berufsbild einfach um die Bedienung des Towers erweitert, oder ob das System mal durch zusätzliche Lotsen ergänzt wird.
    Ansonsten wird es zeitlich doch irgendwann eng, fürchte ich.

    Mit welchem Online-Tabellen-Tool habt ihr denn dabei gearbeitet? (Frage für den Hausmeister)

  3. Hätte beinahe kommentiert. Nach dem letzten Kommentar spar ich mir das, aus reiner Höflichkeit.

  4. >Doch, gehört zu den Aufgaben eines Lehrers. […] Nur sollte das in der Arbeitszeit erfolgen und nicht am Wochenende

    Das muss wohl mal ein eigener Blogeintrag werden. Allerdings: Wochenende ist auch Arbeitszeit, diese schöne Unterscheidung gibt es bei uns leider nicht in dieser Form. :-)

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