Ray Bradbury, Löwenzahnwein (mit Rezept)

Bradbury ist einer der ganz, ganz Guten.
Dandelion Wine (dt. Löwenzahnwein) ist wie viele der Romane von Bradbury eigentlich eine thematisch verbundene Sammlung von Kurzgeschichten. Die Verbindung ist diesmal Douglas Spaulding, zwölf Jahre alt, und der Sommer, den er Anfang der 30er Jahre in Bradburys fiktiver Kleinstadt Green Town, Illinois erlebt. Er führt eine Liste, was er in diesem jahr, in diesem Sommer, alles zum erstenmal gemacht hat. Amazon.de drückt es gut aus:

“Es ist ein Sommer voller Schrecken und Wunder, den der zwölfjährige Douglas Spaulding in Green Town, Illinois, erlebt. Es kommen vor: ein Trödler, der Leben rettet; ein Paar Turnschuhe, in denen man schnell wie eine Gazelle laufen kann; eine menschliche Zeitmaschine; eine Hexe aus Wachs, die wirklich die Wahrheit sagt; ein Mann, der beinahe alles Glück zerstört, indem er eine Glücksmaschine baut. […]
Im Laufe dieses Sommers wird Douglas bewusst, dass auch er eines Tages sterben wird, und gerade deswegen spürt er um so intensiver, was es heißt, zu leben.”

Die Geschichten sind sentimental, gruslig, lustig, phantastisch. Sie spielen etwa zeitgleich mit der Fernsehserie “Die Waltons”, also Anfang der 30er Jahre. Es geht ums Älterwerden, um Abschiednehmen. Symbolisch für den Sommer und die gesammelten Erinnerungen stehen die Flaschen voll flüssigen Sommers im Keller: Löwenzahnwein (ein tatsächlich während der armen Depressionszeit häufig gebrautes Getränk). “Dandelion wine. The words were summer on the tongue. The wine was summer caught and stoppered.”

Gerade jetzt im Herbst ist man froh, wenn man noch ein Fläschchen im Keller hat.

 


(Aus: William F . Nolan, The Ray Bradbury Companion. A Life and Career History, Photolog, and Comprehensive Checklist of Writings With Facsimiles From Ray Bradbury’s Unpublished and Uncollected Work in all Media. Detroit: Gale 1975.


Ein Rezept für Löwenzahnwein.

Vor über zehn Jahren hatte ich mühsam Rezepte gesucht, und drei ausprobiert; das hier lieferte das beste Ergebnis. Das war vor dem WWW, heute könnte man vielleicht noch bessere Rezepte finden – oder ursprünglichere, denn meines stammt, ähem, aus Frankreich.

Drei Liter Löwenzahnblüten (früh im Sommer gepflückt, so daß noch viel Nektar darin enthalten ist) mit 4 l kochendem Wasser übergießen und 24 h ziehen lassen. Danach die Blüten herausnehmen, und 500 g Rosinen, 3 Orangen und 3 Zitronen (jeweils in Stücken) dazutun. Außerdem kommen noch 3 ½ Pfund Zucker hinein.
Das ganze 21 Tage lang stehen lassen und jeden Tag einmal umrühren (mit Liebe umrühren, darauf legte meine Quelle besonderen Wert).
Danach filtern und in Flaschen füllen, die nicht luftdicht verschlossen sein sollten. Jetzt noch 6–8 Wochen stehen lassen. (Besser noch ein halbes Jahr; das war jedenfalls meine Erfahrung.)

2 Antworten auf „Ray Bradbury, Löwenzahnwein (mit Rezept)“

  1. Mein erster Bradbury-Roman war “Death Is A Lonely Business” von 1985. Und das war ein sehr gutes Buch. Die Kurzgeschichtenbände und Romane davor waren auch sagenhaft. “Something Wicked This Way Comes”, hm, guuut.
    Aber die Bände danach haben mich dann alle ein bisschen enttäuscht. Vieles war wiederverwertetes Material, neue Romane aus alten Kurzgeschichten. Schon gut, aber trotzdem enttäuschend.
    “Let’s All Kill Constance” (2003) war wieder ein Lichtblick. (Eine bizarre Krimi-Verfolgungsjagd im Los Angeles von 1960.)

    Letzte Woche habe ich “Farewell Summer” (2007) gelesen, eine Art Fortsetzung von Dandelion Wine. Laut Nachwort war die schon damals geplant. Das Buch ist anders als das erste, dunkler, verwirrender, kürzer. Sicher nicht so gut wie das Original. Aber trotzdem: Das war ein Bradbury, über den ich mich wieder vorbehaltslos gefreut habe. Und nicht nur wegen der unerwarteten Schlusspointe.

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