Eleusis

Als Zwölf- oder Dreizehnjähriger stieß ich in der örtlichen Stadtbibliothek auf ein Buch, das ich im Laufe der folgenden Jahre wieder und wieder auslieh: Denken als Spiel von Willy Hochkeppel, ein Buch mit Paradoxien, Rätseln, Denkaufgaben. Und zwar ein besonders gutes; ein Rätsel daraus (und zwar eines, bei dem die Lösung nicht angegeben war) ließ mir Jahre lang keine Ruhe. Immer wieder lieh ich das Buch aus, und irgendwann hat’s dann auch mit dem Rätsel geklappt.

Bemerkenswerter an dem Buch war aber, dass darin zwei Spiele vorgestellt wurden, die mich in den Jahren darauf immer wieder beschäftigen würden. Zwei ungewöhnliche, interessante, großartige, weithin unbekannte Spiele – und beide im gleichen Buch vorgestellt.
Das eine war WFF ‘N PROOF, das einen eigenen Blog-Eintrag bekommen wird hat. (Ein ungemein abstraktes und nicht wirklich spielbares Logik-Brettspiel, im weitesten Sinn.) Das andere war Eleusis, ein überaus gut spielbares Kartenspiel.
An aktuelle Versionen beider Spiele kam ich damals, in den 80ern und weit vor dem WWW, über Georg Keller (viele Grüße, wo immer du auch sein magst).

Bei Eleusis geht es um logisches Denken, aber um induktives Denken: Es geht ähnlich wie bei Mau-Mau darum, seine Karten loszuwerden, aber während bei Mau-Mau die Ablageregel gegeben ist (man darf nur Karten von gleicher Farbe oder gleichem Wert wie die zuletzt gelegte Karte ablegen), ist diese Regel bei Eleusis den Spielern am Anfang unbekannt. Ein Spieler denkt sich am Anfang eine Regel aus und schreibt sie zur Sicherheit auf einen Zettel:

  • Man darf nur eine Karte der gleichen Farbe (Herz, Pik, Kreuz, Karo) anlegen oder des gleichen Wertes.
  • Ungerade Karten (A, 3, 5, 7, 9, J, K) sind generell verboten, gerade Karten (2, 4, 6, 8, T, Q) generell erlaubt (A=Ace/1, T=Ten/10, J=Jack/11, Q=Queen/12, K=King/13).
  • Nach einer roten Karte (Herz, Karo) muss eine niedrige Karte kommen (A‑7), nach einer schwarzen Karte (Pik, Kreuz) ist alles erlaubt.
  • Blonde Spieler dürfen nur rote Karten spielen.

(Theoretisch ist alles erlaubt, aber es gibt wenig Punkte, wenn man die Regel zu schwer macht: Am meisten Punkte kriegt der Regelgeber, wenn mindestens ein Mitspieler alle seine Karten ablegen kann, und mindestens einer gar keine Ahnung hat, wie die Regel lautet.)

Nachdem der Regelgeber seine Regel notiert hat, werden zwei Kartenspiele (zu je 52 Karten) gemischt, der Regelgeber deckt die erste Karte auf, und jeder der drei bis fünf weiteren Mitspieler erhält 13 Karten (die sie verdeckt in der Hand halten). Ziel des Spiels ist es, seine Karten nach und nach abzulegen.
Die vom Regelgeber als Starterkarte aufgedeckte Karte ist zum Beispiel ein Pik König. Der erste Spieler legt probeweise eine Herz 3 an, die vom Regelgeber als richtig akzeptiert wird. Jetzt ist der nächste Spieler dran, der probeweise eine Pik 8 anlegt. Auch diese wird vom Regelgeber akzeptiert. Der nächste Spieler legt eine Kreuz 9 an, die der Regelgeber zurückweist. Die zurückgewiesene Karte wird unterhalb der vorhergehenden Karte angelegt, also nicht die Reihe fortsetzend. So etwa:

Der Spieler, der die Kreuz 9 anzulegen versucht hat, erhält zwei Extrakarten vom Stapel. (Wer also richtig anlegt, hat danach eine Karte weniger, wer falsch anlegt, eine Karte mehr.)
Der nächste Spieler legt ein Karo As an, das akzeptiert wird. Der Spieler danach legt eine Karo 7, die abgelehnt und unterhalb der vorhergegangenen Karte angelegt wird. (Dazu zwei Strafkarten.) Der nächste Spieler legt eine Karo 9, auch sie wird abgelehnt und außerhalb der Reihe platziert. Dann wird jemand erfolgreich eine Kreuz 10 los, darauf einer eine Karo 6.

Die meisten Spieler werden jetzt schon eine Vermutung haben, wie die geheime Regel des Regelgebers lautet, und erfolgreich ihre Karten loswerden. (Es gibt auch die Möglichkeit, bis zu 4 Karten auf einmal zu spielen, und so seine Karten noch schneller abzulegen.) Aber letztlich kann man nie sicher sein, die Regel wirklich erfasst zu haben; sie könnte ja auch durchaus den Zusatz haben: “Und jede fünfte Karte muss 7 oder höher sein.” Es geht aber auch nur indirekt darum, die Regel zu entdecken – Ziel ist es lediglich, seine Karten abzulegen.

Das Spiel ist aus, wenn ein Spieler keine Karten mehr hat. Der Spieler erhält dann soviel Punkte, wie der Spieler mit den meisten Karten auf der Hand Karten hat, die anderen dementsprechend: Anzahl der Karten des schwächsten Spielers minus Anzahl der eigenen Karten. Der schwächste Spieler erhält 0 Punkte. Das Spiel endet nach einer bestimmten Anzahl gelegter Karten, auch wenn kein Spieler alle Karten losgeworden ist. So oder so erhält der Regelgeber folgende Punktzahl: Karten des schwächsten Spielers minus Karten des besten Spielers. Wenn also alle Spieler ihre Karten fast losgeworden sind, oder alle Spieler sehr viele Karten haben, weil die Regel zu schwierig war, erhält der Regelgeber nur wenig Punkte.

Interessant am Spiel ist die Parallele zur naturwissenschaftlichen Methode: Es gibt Regeln/Naturgesetze, und man versucht sie herauszufinden. Man kann nie sicher sein, dass man ein Gesetz gefunden hat, mehr als eine Theorie kann es in der Naturwissenschaft nicht geben. Man formuliert Hypothesen und testet sie, indem man Experimente anstellt/Karten anlegt. So sammelt man Datenmaterial, das die Hypothese unterstützt oder widerlegt. Manche Hypothesen passen besser zum Datenmaterial als andere, auch wenn sie noch nicht perfekt sind/alle Phänomene erklären.

(Ein Spieler, der sich sicher ist, die Regel herausgefunden zu haben, kann sich zum Propheten erklären. Er verzichtet auf seine regulären Züge, entscheidet aber statt des Regelgebers, ob die angelegten Karten der anderen Mitspieler zur Regel passen oder nicht. Irrt er sich nie, kann er sogar mehr Punkte machen als der Regelgeber, was ansonst nicht möglich ist. Irrt er sich jedoch, so war er ein falscher Prophet und muss bitter büßen, punktemäßig.)

Interessant am Spiel ist außerdem, sich beim Denken zu beobachten. Schon einfache Regeln stellen beim Spielen eine große Herausforderung da. Meistens hält man die Regel für komplizierter, als sie ist; eine zufällige Abfolge von rot-schwarz-rot-schwarz (bei einer Regel, bei der es eigentlich nur um gerade/ungerade geht) hält man für einen essentiellen Teil der Regel: Und dadurch, dass alle Spieler das glauben, halten sie sich auch daran, so dass auf dem Spielfeld bald tatsächlich nur rot-schwarz-rote Karten liegen und so die Hypothese zu unterstützen scheinen.
Alle fünf oder sechs Karten schlägt sich außerdem ein anderer Spieler vor den Kopf und ruft “Jetzt hab’ ich’s!”, um zwei Karten weiter verdutzt zu schauen und seine Hypothese widerlegt zu sehen.

Eleusis wurde 1956 von Robert Abbott erfunden, und 1976 (nach dem Erscheinen von Hochkeppels Buch) deutlich als New Eleusis verbessert. Die vollständigen Regeln sind nicht viel ausführlicher als dieser Text, aber einige wichtige Feinheiten fehlen dennoch.

Wikipedia zum Spiel.

Apfel oder Banane?

Ich mag an den USA, dass das Land so viele Möglichkeiten bietet, so vielfältig ist, so vieles zulässt. Blödsinn natürlich auch, etwa die Debatte Creationism vs. Evolution.

Hier geht es zumindest auf oberster Ebene darum, wie der Mensch entstanden ist. Es gibt dazu vor allem zwei wichtige Ansätze:

Evolution (Modell Banane):
Das ist der Ansatz, nach dem das Leben auf der Erde evolutionär entstanden ist. Das heißt, dass sich Tierarten durch Mutation aus anderen Tierarten entwickelt haben; dass die Auslese durch die Natur dazu geführt hat, dass manche Tierarten aussterben und andere nicht; und dass all das letztlich auch für die Entwicklung des Menschen gilt. Meist wird Charles Darwin als prominentester Vertreter genannt. Der vereinfachende Vorwurf lautet oft, der Mensch stamme vom Affen ab. Daher die Banane.
Das ist der richtige Ansatz. Über verschiedene Punkte sind sich die Wissenschaftler uneins, zum Beispiel darüber, wie sprunghaft sich Arten evolutionär verändern. Trotzdem gibt es keine ernst zu nehmenden Wissenschaftler, die daran zweifeln.

Creationism (Modell Apfel):
Laut diesem Ansatz hat (der christliche) Gott die Tierarten und den Menschen geschaffen, so wie sie sind. Es findet keine Entwicklung der Arten statt; manchmal, aber nicht immer, schließt das den Glauben mit ein, dass die Erde nur 10.000 Jahre alt ist und dass Fossilien von Gott als Fossilien geschaffen wurden.
Dieser Ansatz ist Unfug. Manche Fundamentalisten fühlen sich dabei auf die Zehen getreten, aber das ist so. Zahlen schwanken, aber ein Drittel bis die Hälfte der Bürger der USA halten ihn für den wahrscheinlichsten:


(Quelle)

Eben weil dieser Ansatz kaum zu halten ist, gibt es eine Variante davon, die so tut, als wäre sie etwas anderes: Intelligent Design. Dabei wird das Wort “Gott” nicht genannt, die Erde darf so alt sein wie sie will und die Tierarten haben sich aus einander entwickelt. Nur: Das geschieht nicht durch natürliche Auslese, sondern durch ein Direkt Eingreifendes Höheres Nicht Weiter Definiertes Wesen. (Das Wort “Gott”, wie gesagt, wird vermieden.) Ohne ein solches unmittelbares Eingreifen sei die Entwicklung der Arten oder gar des Menschen nicht denkbar. – Und das ist auch wieder Blödsinn, excuse my French. Gründe dafür folgen weiter unten.

Im öffentlich Leben zeigt sich diese Kontroverse zum Beispiel in folgenden Fällen:

  • IMAX-Kinos zeigen in verschiedenen Südstaaten-Städten einen Film über Vulkanismus nicht, in dem unter anderem Evolution angesprochen wird. Die Kinos befürchten Widerstand von fundamentalistischen Christen im Süden.
  • 19 US-Staaten arbeiten an Gesetzgebung, die die Rolle von Evolution im Schulunterricht unterminieren soll. Vorbild ist Präsident Bush, der öffentlich behauptet: “On the issue of evolution, the verdict is still out on how God created the Earth”. Wie borniert, wie anti-wissenschaftlich, wie sehr andere Religionen ausschließend ist dieser Satz! Die Gesetzgebung soll letztlich ermöglichen, dass die wissenschaftliche Theorie der Evolution gleichwertig neben religiösen Lehren gelehrt werden soll, und will bewusst den Unterschied zwischen Religion und Wissenschaft verschleiern:

    “If students only have one thing to consider, one option, that’s really more brainwashing,” said Duckett, who sent her children to Christian schools because of her frustration. Students should be exposed to the Big Bang, evolution, intelligent design “and, beyond that, any other belief that a kid in class has. It should all be okay.”

    – Was ist das für Unfug? Intelligent Design soll gleichwertig neben Evolution gelehrt werden, und gleichwertig zu jedem anderen Glauben, den irgendein Kind in der Klasse hat? Dass wir von Außeriridischen abstammen, dass uns der Storch gebracht hat? Alles gleichwertig, und der mündige Schüler entscheidet dann?

  • Zumindest in Minnesota, New Mexico, Ohio und Georgia gab es Elterninitiativen, die verlangten, dass auf wissenschaftliche Bücher in der Schulbibliothek, die Evolution behandelten, folgender Aufkleber angebracht wurde:

    Der Aufkleber geht falsch mit dem Begriff “Theorie” um, als sei eine Theorie nicht glaubwürdig. Hier gibt es eine Reihe von parodierenden Alternativ-Aufklebern, die Schülern an solchen Schulen zur klammheimlichen Anbringung anempfohlen werden; ein paar Beispiele:

    Bislang haben die Gerichte allerdings diesen Elterninitiativen nachträglich immer noch widersprochen.

Was habe ich eigentlich gegen Creationism beziehungsweise das Deckmäntelchen vom Intelligent Design?
Gegen diese Theorie spricht: Dass das Eingreifen eines solchen Designers nicht nötig ist. Dass sich auch ohne dieses kontinuierliche Eingreifen unsere wunderbare Welt so entwickeln konnte. Damit ist keinesfalls bewiesen, dass es dieses ständige Eingreifen nicht gibt, nur dass es unnötig ist, davon auszugehen. (Occams Rasiermesser: Bei Theorien soll man auf verzichtbare Elemente verzichten.) Beweisbar oder widerlegbar ist solches Eingreifen nicht, und damit ist es kein geeigneter Ansatz für wissenschaftliches Denken, sondern eben Glaubenssache. Glauben darf man daran durchaus, genauso wie man an den ursprünglichen Creationism glauben darf; nur soll man nicht so tun, als wäre das ein wissenschaftlicher Ansatz.
Für die Theorie des Intelligent Design spricht: Nichts. Natürlich sehen das Anhänger von Intelligent Design anders, und sie unterstützen ihre Sicht mit folgenden Argumenten:

  • Die Berufung auf Autoritäten. Immer wieder wird darauf hingewiesen, dass auch viele Wissenschaftler die Theorie vom Intelligent Design unterstützen, und dass es wissenschaftliche Institute gibt (wie dieses hanebüchene), die sich damit beschäftigen. Hier wird fälschlich davon ausgegangen, dass jeder mit einem Diplom oder auch Doktorgrad ein Wissenschaftler ist. Anhänger des Intelligent Design werden mir das “fälschlich” nicht durchgehen lassen und meine Definition von Wissenschaftlichkeit als zu eng empfinden. Ist wissenschaftlich, wer einen akademischen Abschluss hat? Ich denke, nein. Wissenschaftlich ist für mich, wer wissenschaftlich denkt und arbeitet, also falsifizierbare Hypothesen aufstellt und diese an gemessenen Daten überprüft.
    Trotzdem gibt es Listen von Akademikern, die an Intelligent Design glauben, etwa die “Dissent from Darwin”-Liste mit über 300 Wissenschaftlern. Ein Gegenstück dazu ist die Steve List: Eine Liste aller Wissenschaftler, die Intelligent Design für Humbug halten, und “Steve” mit Vornamen heißen, mit bislang 513 Unterzeichnern. Nur um die andere Liste ein bisschen zu relativieren :-)
  • Die Behauptung, Evolution sei nur eine Theorie. Hier wird mit dem Begriff “Theorie” Schindluder getrieben. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist eine Theorie etwas Wackeliges, Unsicheres, an der Praxis nicht Erprobtes oder Scheiterndes. Im wissenschaftlichen Sprachgebrauch ist eine Theorie das sicherste und stabilste, was es gibt. “Wahrer” und anerkannter als eine Theorie geht es nicht. Schwerkraft, Relativität, das sind alles nur Theorien. Ja und?
  • “Wissenschaftler sind sich uneins über die Evolutionslehre.” Schon. Über Details. Aber doch nicht über das Prinzip!
  • “So etwas Komplexes wie das menschliche Auge kann sich nicht nach und nach evolutionär entwickeln, sondern nur auf einmal als ganzes. Ein halbes Auge ist unbrauchbar.” Unfug. Das Auge hat sich unabhängig von einander 30 mal bei verschiedenen Tierarten entwickelt. Ein Proto-Auge, das das noch so wenig erkennen lässt, ist besser als gar keines. Selbst Bakterien können im Helligkeit von Dunkelheit unterscheiden. Eine ausführlichere Diskussion zum Beispiel in diesen Seiten aus dem Scientific American.
  • Mein Favorit: Unsere Welt und der menschliche Körper ist zu komplex, als dass er ohne lenkenden Eingriff entstanden sein könnte. Gegenfrage: Wie einfach muss ein Universum denn gestrickt sein, damit ein Anhänger des Intelligent Design keinen Designer postulieren muss? Da erkennt man schnell, dass es keinen denkbaren Kosmos gibt, der diesem Kriterium genügt. Also ist das Argument ein Scheinargument.

Zur Lektüre empfohlen:

  • Der oben schon mal genannte Artikel aus dem Scientific American.
  • The Blind Watchmaker von Richard Dawkins, auf deutsch leider gerade vergriffen.
  • Charles Darwin, Origin of Species (auch auf deutsch). Ein geniales Buch, ich hab’s allerdings auf Englisch gelesen und weiß nicht, wie leicht oder schwer die Übersetzung ist. Darwin geht sehr langsam Schritt für Schritt vor, entwirft seine Theorie sehr anschaulich, nennt selber unklare Punkte und Gegenargumente und versucht sie mit seiner Theorie zu erklären. Darwins Leistung ist dabei weniger die Erkenntnis, dass sich die Tierarten aus einander entwickelt haben. Das war zu seiner Zeit in wissenschaftlichen Kreisen gar nicht mehr so strittig. Aber zu erkennen wie das geschieht, nämlich durch natürliche Auslese, das ist Darwins Verdienst. Er beginnt mit menschlicher Auslese bei der Taubenzüchtung und zeigt, was diese hervorzubringen vermag. Und erklärt, wie natürliche Auslese noch viel mehr vermag. – Das einzige, was ihm noch zur Lösung des Rätsels fehlt, ist die Erklärung, wie Eltern ihre Eigenschaften mehr oder weniger unverändert an ihre Kinder weitergeben. Er weiß jedenfalls, dass das mit der Geburt geschieht (und nicht wie bei Lamarck durch Umwelteinflüsse während des Lebens). Aber von Genen weiß er halt noch nichts.

Zuletzt: Es stimmt nicht, dass sich Evolution und Glaube an Gott widersprechen. Je mehr man wissenschaftlich über das Leben und das Universum weiß, desto wundersamer erscheint es einem.

Schülerblogs

Paris (AFP) – Wegen Lehrer-Beleidigungen in ihren Internet-Tagebüchern (“Blogs”) sind mehrere französische Schüler von ihren Schulen geflogen. […] In kürzester Zeit entwickelte es sich bei den Schülern zur Mode, neben Reiseerlebnissen und Privatfotos auch abfällige Bemerkungen über ihre Lehrer ins Internet zu stellen. Zu den Einträgen, die mit Schulverweisen geahndet wurden, gehörten “Angsthase” und “glückliche Idiotin”.
(Mehr bei Yahoo Nachrichten.)

Da habe ich schon Schlimmeres gelesen. Es scheint mir eine wichtige und sinnvolle Aufgabe, Schülern beizubringen, wie man miteinander umgeht, auch und gerade in Blogs. Ich halte meine Schüler ja auch zum Bloggen an. Im Leistungskurs ging das eine Zeit lang gut, danach verloren die Schüler das Interesse. Während viele Lehrer einen Hang zum Exhibitionismus haben, drängt es die meisten Schüler keineswegs in die Öffentlichkeit oder in den Dialog. Aber Beleidigungen kamen da keine.
Anders bei dem Umgangston in unmoderierten Oberstufen-Foren mit der Möglichkeit anonymer Postings, das habe ich mal in einer Kollegstufe erlebt. Da wurden weniger die Lehrer beleidigt als die Mitschüler. Das aber auf unterster Ebene. So richtig unten. So gaaaanz unten. Dagegen ist Bücher verbrennen wirklich harmlos. Wenn man das so liest, weiß man, dass etwas falsch gelaufen sein muss am Gymnasium. (Vielleicht verlangt man da auch Unmögliches.)
Es gab aber auch ein Referendarforum (und zwar nicht http://www.referendar.de/), das ebenfalls anonyme Beiträge unmoderiert zuließ. Die waren nur wenig besser.

Ich bin aber auch gerade dabei, meine Mittelstufenschüler auf einer Klassen-Seite zum Bloggen zu bringen. Auch diese Schüler haben zum Großteil kein Bedürfnis nach Öffentlichkeit und Aufmerksamkeit. Wenn es Schreibanlässe gibt, kommen allerdings interessante Beiträge zusammen; sobald ich die Erlaubnis einiger Schüler eingeholt habe, werde ich hier ein paar Auszüge posten. Die Motivation und die Bereitschaft zum Erlernen der Technik ist bei diesen Schülern größer als bei den älteren; vermutlich eine Generationensache. Der Tonfall auf der Klassenseite ist sachlich und lebendig, stolz bin ich auf die Schüler. Aber einige wenige Schüler haben keine Ahnung davon, was in der Öffentlichkeit angemessen ist und was nicht. Und das Klassenblog sollte bewusst öffentlich sein.

Bei dieser Arbeit bin ich auch auf die privaten Webseiten einiger meiner Schüler gestoßen, mit teilweise fast blogartigem Charakter. Ich kam mir ein bisschen wie ein Voyeur vor, zumal sich mir da eine Welt auftat, die ich nicht kannte. Fremde Wesen, diese Schüler, ganz fremde Wesen. Das wollte ich alles gar nicht so genau wissen. Die meisten Seiten sind nur fremdartig, aber bei einigen wird teilweise grausam und beleidigend über einander hergezogen, und auch über Lehrer, mit denen sie unzufrieden sind.
Ich finde es gut, dass Schüler überhaupt auf diese Weise kommunizieren. Ein Teil ihres Lebens ist die Schule, und natürlich schreiben sie auch darüber. Ich finde auch, dass sich die Schule da weitgehend heraushalten sollte. Ich blogge ja auch, ohne beim Kultusministerium um Erlaubnis zu bitten.
Die Schüler müssen nur wissen, dass sie Lehrer nicht beleidigen dürfen. Und das muss man einem Teil der Schüler erst beibringen. Die wissen nicht, dass das nicht geht. Da ist oft kein böser Wille dahinter, sondern nur ein kläglicher Mangel an Ausdrucksmöglichkeiten. Dazu kommt die Unwissenheit über die Rechtslage. Das sollten wir unseren Schülern also beibringen.

Die andere, schwierigere Frage ist: Wieviel dürfen Schüler auf ihren privaten Seiten aus der Schule plaudern? Schüler üben oft unreflektiert und unsachlich Kritik – an Lehrern, Unterricht, Stundenplan. Manchmal haben sie aber auch recht. Nur hört ihnen in der Schule keiner zu. Mit ein paar Ungerechtigkeiten müssen sie auskommen (so ist das Leben halt), aber dürfen sie darüber bloggen, dass der eine oder andere Lehrer soviel Hausaufgaben aufgibt? Zuviel Zeit für die Korrektur braucht? Ständig zu spät kommt?

Ich wünsche mir ja schon klammheimlich, dass einer das mal ausprobiert.

Nur selbstbewusste Lehrer machen selbstbewusste Schüler!

PISA hat offenbar einer ganzen Berufsgruppe den Schneid abgekauft. Leistungsstarke Schüler brauchen aber starke Lehrer!“ Professor Dr. Matthias Rath (Pädagogische Hochschule Ludwigsburg) ist gemeinsam mit seiner Kollegin Professorin Dr. Gudrun Marci-Boehncke der Frage nachgegangen „Wer ist schuld an der neuen deutschen Bildungskrise seit PISA – Lehrer, Eltern, Schüler, Politiker? Und was hat das Selbstbild der Lehrer damit zu tun?“.“ Erste Ergebnisse haben die beiden Teammitglieder des Forschungsprojekts „Ravensburger Jugend-Medienstudien“ heute auf der Leipziger Buchmesse vorgestellt.

(Siehe http://bildungsklick.de/serviceText.html?serviceTextId=11661 für Details.)

Der Tenor: Lehrer halten ihr Image für sehr schlecht (auch im Vergleich zu anderen europäischen Ländern) und ihre Bezahlung für gut. Sie sind mit ihrer Berufswahl zufrieden: 70% empfinden keine Resignation oder Burn-out-Gefahr.
Wer ist schuld an der Bildungsmisere? Bei den gewerkschaftlich oder anders organisierten Lehrer glauben 42,5%: die Bildungspolitiker. Bei den nicht organisierten Lehrern sind es nur 15,8%.

– Ich kenne die Details der Studie nicht, aber ich verstehe nicht ganz, wie man daraus schließen kann, dass Lehrer zu wenig Selbstbewusstsein haben. Tatsache ist, Lehrer kriegen zu wenig Feedback zu ihrer Leistung, kriegen zu wenig Lob (und vermutlich auch Tadel), und da bildet man sich vielleicht wirklich schnell ein, nicht gut genug zu sein.
Aber wenn Lehrer ihrem gesellschaftlichen Ansehen die Durchschnittsnote 4,6 geben, dann ist das für mich noch nicht automatisch einen Zeichen von mangelndem Selbstbewusstsein. Vielleicht ist das nur eine realistische Einschätzung. Also sollte man weniger am Selbstbewusstsein der Lehrer arbeiten, einem allerdings sehr interessanten Gemisch aus Unsicherheit und Selbstherrlichkeit, sondern am Ansehen der Lehrer. Dann klappt’s auch mit den Schülern.

(Via Xenon B.)

The Unfair Sex

1953 erschien The Unfair Sex, ein Ratgeber für junge Frauen. Der Autorin war das Buch nötig erschienen, “ever since [her] eighteenth birthday, when she surrendered her virginity because she was afraid to seem rude”. Zwei Prämissen gibt es im Buch: Männer wollen nur das eine, nämlich Sex; und Frauen sollen das so teuer wie möglich verkaufen oder sich zumindest nicht von Männern zum Sex überreden lassen, ohne es selber zu wollen. Das Ziel der Frau ist allerdings die Heirat.

Das Buch ist heiter geschrieben, im Stil etwa des Films How to Marry A Millionaire / Wie angelt man sich einen Millionär, in dem Marilyn Monroe, Lauren Bacall und Betty Grable auf Männerfang aus sind. (Der Film ist ebenfalls aus dem Jahr 1953.)
Ich habe nicht die geringste Ahnung, wie ernst das Buch gemeint ist. Die Autorin schreibt unter Pseudonym, es muss sich nicht mal wirklich um eine Frau handeln. Ist das Buch reine Unterhaltung in der Form eines Ratgebers? Gut möglich. Farewell schreibt über ihr Publikum: “It would be unwise for anyone to read The Unfair Sex in a spirit of idle curiosity, since there is always the danger that words written purely to instruct […] may, by some strange alchemy of contact between the writer and the reader’s mind, serve to pique, arouse, and incite.” Und: “And if you are a man there is nothing in these pages to interest you, since they contain only that which you already know – an analysis of your motivations and an exposé of your methods”.

Die Methoden der Männer sind dreierlei: Lines, Devices und Techniques.
Line Number Six ist “The Charity Drive”, der bettelnde Unwürdige, der um eine milde Gabe von Zuneigung und Sex bittet. Nicht drauf reinfallen, rät Farewell: “Remember, there are organizations to take care of the needy.”
Die Dearest-Enemy-Technique besteht darin, so zu tun, als ob der Mann die Frau überhaupt nicht ausstehen könnte. Die Technik wird laut Farewell so häufig eingesetzt, dass sie häufig die Grundlage für Theaterstücke und Filme liefert; ob die Kunst das Leben oder das Leben die Kunst imitiert, sei dabei nicht herauszufinden. (Im Film heiratet das Paar; Farewell warnt, dass das echte Leben weniger zensiert ist.)

Da Frauen heiraten wollen, reicht es nicht, wenn sie die Tricks und Schliche der Männer kennen, sie müssen auch selber in der Lage sein, Männer zu bezaubern. Ein Mittel dazu sind bunte Kleider, Schleifen, Spangen, glänzender Schmuck, Blumen im Haar. Die Erklärung dafür: Anders als im Rest der Tierwelt ist dem Menschen-Männchen aus Gründen der Konvention nicht erlaubt, geschmückter zu sein als das Weibchen. Sein Bedürfnis nach schönen Dingen erfüllt der Mann also indirekt, indem er geschmückte Weibchen betrachtet.

Farewell räumt auf mit den drei Schreckgespenstern disgrace, spinsterhood und unwilling motherhood.

Due to modern scientific developments, illegitimate children are a rarity. […] It is true, there are a few unfortunates every year, but these girls are the kind who, if they did not get into this sort of difficulty, would fall out of a window, or be hit by a car, or suffer some other mishap. They are accident prone.

Typen von Männern, die zu meiden sind:

Stalemate: There is one kind of man who, though he gives outward evidence of being captured by your charms, is not really interested. He is not interested in girls at all. But he wishes to give the impression that he is, and thus gain the approval of those who would otherwise censure him.

Über Tugendhaftigkeit:

The needs, the appetites, the desires of some are greater than others, and are determined not by the Devil’s promptings, but by the way God made their bodies. This would indicate that Virtue ist often a matter of glands and other vagaries of Nature. Does a girl then deserve credit for not giving in to an urge she never had?

Und was halte ich jetzt von dem ganzen? Das Buch ist amüsant, darf aber in der Hausbibliothek humoristischer Literatur fehlen. Der Tonfall ist oft tongue-in-cheek, aber manche der Ratschläge waren damals vielleicht wirklich angebracht. Erfrischend ist die großteils tolrante und aufgeklärte Ansicht zu Sex, störend daran sind nur, dass der Drang zum Sex fast nie von Frauen auszugehen scheint, und dass als Ziel einer jeden Frau die Heirat angesehen wird. Ich weiß nicht, wie sehr das konventionelles Beiwerk, und wieviel ernst gemeint ist.
Allerdings: So fortschrittlich, humorvoll und wenig prüde wie in diesem Buch von 1953 sind weite Teile der USA heute schon lange nicht mehr.

Andre Norton

Andre Norton ist gestorben. 93 Jahre, hat anscheinend immer noch geschrieben, und ich wusste natürlich nicht, dass sie überhaupt noch lebte. Sie war nie eine meiner Lieblingsautorinnen, aber ich habe doch alle Hexenwelt-Romane aus der Terra-Fantasy-Reihe gelesen. Zugeben, ich habe sowieso alles gelesen aus dieser Reihe, was ich gefunden habe, aber die Norton-Romane waren mit die Glanzlichter, neben Abraham Merritt, REH, und den ausgezeichneten Anthologien (in denen ich zum ersten James Branch Cabell, Jorge Luis Borges, Lord Dunsany und Peter S. Beagle begegnete).

Ein prägender Teil meiner Jugendjahre.

Nach der 6. Stunde

Nach der 6. Stunde verschwinden viele Lehrer ganz schnell nach Hause. Ja, Familie, Arbeit, ja, ja, ja. Aber da wäre ein bisschen Zeit, mit den Kollegen zu plaudern. Wir haben ja sonst keine Brotzeit, oder Kaffeepause, oder anderen Kontakt zu den Kollegen wie in einem Büro. Unsere Pausen sind hektisch, wir kopieren, werden von Schülern gesucht, jagen einzelnen Lehrern hinterher.
Wenigstens vor den Ferien (Osterferien! Osterferien!) wär’s doch eh schon egal, wenn man noch eine halbe Stunde Kaffee trinkt, oder gar Essen geht.

Warum manche Leute gerne Bücher verbrennen, und ich nicht

Am 14. Juli 1999 verbrannte ein Großteil der Schüler der 11. Klassen im Pausenhof Bücher und Unterrichtsmaterialien, vornehmlich ihre Lateinbücher und ‑hefte. Die meisten Schüler trugen dazu eine aus einem Leintuch improvisierte Toga.
Es ist gut, wenn es an Schulen Traditionen gibt. Es ist zumindest manchmal notwendig, dass Schüler Dinge tun, die bei den Lehrern Missfallen erregen. Hiermit äußere ich dieses Missfallen.
Die Schüler verbrennen deshalb Lateinunterlagen, weil dieses Fach von vielen nach der 11. Klasse abgelegt wird. Es gibt sicher auch Schüler, die Physik und Französisch ablegen. Warum verbrennen sie keine Französischunterlagen? Mit Latein haben sich die Schüler das Kernfach mit der schwächsten Stellung herausgesucht, ein Fach, dessen Position im Fächerkanon wackliger als die der anderen ist, bei dem man sich vielleicht sogar eines gewissen Wohlwollens seitens der Allgemeinheit sicher sein kann. Wenn es daran liegt, dass die Schüler Latein nicht mögen oder mit ihren Leistungen in dem Fach nicht zufrieden sind und der Ansicht sind, sie bräuchten das Gelernte nie wieder – keiner hat sie dazu gezwungen, dieses Fach zu wählen.
Letztendlich ist meine Kritik aber vom Fach unabhängig. Ich empfinde das demonstrative Verbrennen von Schulbüchern als respektlos und unhöflich. Die alten, zu sehr beschädigten Bücher der Lehrmittelbücherei müssen allerdings tatsächlich ausgemustert werden. Verbrennen ist eine sinnvolle Möglichkeit, die Bücher zu entsorgen, die so oft gebraucht wurden, dass sie jetzt zu nichts mehr zu gebrauchen sind. Aber man sollte Bücher nicht beiläufig verbrennen. Eine anständige Bestattung wäre passender als ein die Weinflasche kreisen lassender Lynchmob.
Dass nach einer anstrengenden Zeit, oder besser: nach einer Zeit der Anstrengung ein Fest fällig ist, ist selbstverständlich. Auch die Lehrer feiern das Ende eines Schuljahres. Nach einer großen Anstrengung soll man sich freuen und feiern. Wer die 11. Klasse nicht über sich ergehen hat, sondern sich angestrengt hat, darf auch feiern. Dabei stört es mich allerdings, dass die Schüler mit dieser Tradition einen ganzen Tag lang den Unterricht boykottieren. Auch wenn es nur noch zwei Wochen bis Schuljahresende sind. Dass die Schüler, die Fächer ablegen, in diesen nicht mehr mitarbeiten, ist noch einleuchtend. Dass sie auch für andere den Unterricht unmöglich machen, nicht. Wer Bücher verbrennen will, findet sicher einen angemesseneren Ort dafür.

Würde ich heute anders schreiben, etwas näher am Publikum, aber so stand das damals in der Schülerzeitung. Ich war ja noch jung. Inzwischen gibt’s den Brauch nicht mehr, oder zumindest nicht mehr auf dem Schulgelände.
Durch das G8 erlebt Latein ohnehin eine Renaissance: Viele Schüler trauen oder muten sich für die 6. Klasse keine zweite lebende Fremdsprache zu. Gerade die sprachlich Schwächeren wählen Latein – noch ist die Schreibung des Deutschen nicht gefestigt, ganz zu schweigen von Aussprache und Schreibung des Englischen. Also wählen mehr Schüler Latein als Französisch. Immerhin, die einen können danach vielleicht eine zweite Fremdsprache, und die anderen haben vielleicht etwas abendländische Bildung mitgekriegt.

The Meaning of Liff

Im Leben gibt es Tausende von Erfahrungen, Gefühlen, Situationen und sogar Gegenständen, die uns allen vertraut, bis heute jedoch nicht bezeichnet sind. Andererseits ist die Welt voll von unbenutzten Wörtern, die während ihres gesamten Daseins nichts weiter tun, als auf Schildern herumzuhängen und auf irgendwelche Orte zu deuten. Wir betrachten es daher als unsere Aufgabe, diese Wörter von den Wegweisern herunterzuholen und […] dem Rest der Welt in den Mund zu legen, damit sie endlich ihren beitrag zu alltäglichen Unterhaltungen leisten, nützliche, wertvolle Mitglieder der Sprachfamilie werden und eine sinnvolle gesellschaftliche Aufgabe übernehmen.
– Douglas Adams, John Lloyd, Malibu, 1982*

Dieser lobenswerten Aufgabe hat sich eine meiner 11. Klassen angeschlossen. Dabei geht es darum, bestimmte Sachen, für die es noch kein Wort gibt, aber eines geben sollte, mit passenden Wörtern, die man aus dem Atlas holt, zu verbinden.
Einige der Ergebnisse sind etwas platt, andere sogar ein bisschen sinnvoll. Die meisten sind von Schülern, manche von mir; ich fürchte, man merkt das.

Aktjubinsk, das
Nacktzeichnung eines jungen Menschen, in der seine Bisexualität zum Ausdruck kommt.

Ardennen (Pl.)
Schüler, die (grundlos) am Ende des Schuljahres Lateinbücher verbrennen.

Atlanta, die
Schutzheilige aller Erdkundelehrer

Chattanooga, die
Schülerinnentyp, der während der Stunde über den Lehrer, die Lehrerin oder Klassenkameraden lästert.

Chimborazo, der
Lehrertyp, der leicht die Geduld verliert und losschimpft.

Corleone, der
(umgangssprachlich) Sizilianer ohne die typische große Nase.

Dreckenach, der
Schüler, der seinen Abfall vom Boden aufheben soll, und mit den Worten reagiert: “Dafür werden doch die Putzfrauen bezahlt.” Dreckenachs sind meist in der Mittelstufe zu finden. Auch in übertragener Bedeutung: Jeder Mensch mit noch geringer geistigen Reife.

Golf von Aden, der
Auto eines ehemaligen Bochumer Fußballspielers.

Harare, das
Der morgendliche Kampf mit den Haaren.

Hitzacker, der
Ein Feld, das sich innerhalb eines Gewächshauses oder in den Tropen befindet.

Hodeida, das
Falsche Fröhlichkeit, mit der Lehrer in die 6. Stunde kommen. Typisch bei einem >Revillagigedo.

Islamabad, das
Waschgelegenheit für Lamas.

Itz, das
Fiktives Schlafgeräusch bei Comicfiguren.

Kakau, der
Ein Schüler, der immer, wenn er mit etwas Neuem konfrontiert wird, erst mal sagt: “Was is’n des für’n Scheiß”. In jeder Klasse gibt es mindestens einen Kakau.

Kuba!
Kindlicher Ausdruck für den typischen Kuhgestank.

Marzahn, der
Menschliches Beißwerkzeug, das zum Zerbeißen von Autodrähten geeignet ist.

Möpti, das
Sehr behaartes, durch Überzüchtung nicht mehr definierbares, zum Hausputz verwendbares Haustier.

Nikko, das
(von Nik‑K.O.) Der Vorgang und das Vergnügen dabei, mit Steinen gefüllte Kuscheltiere auf Boygroups zu schmeißen.

Oelde, die/der
Langweiliger Mensch.

Ouaddane, die
Anderes Wort für Klatschtante.

Potsdam!
Lehrerausruf, wenn wieder mal kein Schüler seine Bücher dabei hat.

Putzkau, der
Schüler, der als Strafarbeit Kaugummis von der Bank kratzen muss.

Radevormwald!
Ausruf eines verzweifelten Autofahrers, der kurz vor einem Waldstück mit hoher Geschwindigkeit in eine Radarfalle geraten ist.

Reconquista, die
Wiederholte Frage, die im Chor aufgesagt wird.

Revillagigedo, der
Lehrertyp, der in der 6. Stunde mit geheuchelter Fröhlichkeit und Energie die Schüler zu motivieren versucht. Siehe auch >Hodeida.

Sauerseifen (Vb.)
Auswaschen einer weißen Hose, nachdem man zuvor betrunken in den Schlamm gefallen ist.

Tampico, das
Italienischer Ausdruck für ein Trampeltier von Mensch.

Verstenbergsgreuth, der
Mensch, der sich nicht entscheiden kann, spielt überraschend gut Fußball

Vichy™
Putzfirma kleinwüchsiger Franzosen.

Waldbröhl, das
Umgangssprachlich für Echo.

Wausau, die
Unhöflicher Ausdruck für eine besonders attraktive Frau, der alle Männer nachpfeifen.

Wumme, die
Bedienung in einem bayrischen Lokal, in dem es nur Leberkäs und Weißwürste gibt.

Zapala, der/die
Schülertyp, der in der 6. Stunde schon immer vorzeitig zusammenpackt. Kann in Extremfällen zum >Zapata führen.

Zapata, das
Wenn der Lehrer die Schüler am Ende der Stunde noch einmal alle Hefte herausnehmen lässt, um etwas aufzuschreiben, obwohl sie bereits viele Schüler weggepackt haben; wird vor allem bei gehäuftem Auftreten von >Zapalas verordnet.

* Douglas Adams, John Lloyd, Sven Böttcher. Der tiefere Sinn des Labenz. Das Wörterbuch der bisher ungenannten Gegenstände und Gefühle. – Nach Die letzten ihrer Art Douglas Adams’ bestes Buch. Schön übersetzt; die Ausgabe enthält außerdem den englischen Originaltext.