Zwischenzeugnisse 2007-2008

Sage bloß keiner, die – zum Halbjahr auch noch so spärlichen – Bemerkungen zu Mitarbeit und Verhalten, zum Jahreszeugnis auch zur Persönlichkeit, interessierten die Schüler nicht. „Was genau heißt: Das Verhalten war angemessen? Welcher Note entspricht das? Ist lobenswert das gleiche wie vorbildlich? Was ist die schlechteste Bemerkung, die man zu Mitarbeit oder Verhalten kriegen kann?“ Das haben sie sich vorgestern gegenseitig gefragt und mich auch. Ist natürlich von Schule zu Schule verschieden, aber „war nicht immer tadelfrei“ oder „gab mitunter Gelegenheit zur Beanstandung“ sind wohl die negativsten Formulierungen, die man über Schüler lesen kann, und selbst dafür muss der entsprechende Schüler die fiesesten Schandtaten verübt haben.

Ich finde, wenn es denn Zeugnisse gibt und man nicht ganz aufs Halbjahreszeugnis verzichtet, dann muss die Zeugnisvergabe auch ein bisschen feierlich begangen werden. Wenn ich Klassleiter oder Stellvertreter bin, dann suche ich meist Schüler, die zu diesem Anlass eine kurze Rede halten. In der 9. Klasse ist ohnehin Rhetorik im Lehrplan; wir haben Beispielreden im Buch gelesen, Anlässe und Ziele von Reden verglichen und so weiter.

Vorgestern hat eine Schülerin wieder eine solche Rede gehalten, und sie war gut und sie kam an beim Publikum – Mitschüler, Klassleiter, Stellvertreter. (Ich wünschte, ich hätte als Personalrat die Energie, solche Reden vorzubereiten.) Eine halbe Seite Text, Rückblick aufs letzte halbe Jahr, Ausblick aufs nächste halbe Jahr, zwischendrin was zum Schmunzeln und Nachdenken.

Meine liebste Stelle diesmal, liest sich natürlich nicht so gut wie sie sich, fein betont, anhört:

Jetzt ist für uns Halbjahr der neunten Klasse. Das bedeutet für uns, dass in einem halben Jahr keine Schulpflicht mehr besteht, uns unsere Lehrer also darauf hinweisen werden, dass wir freiwillig hier sind, und nicht am Unterricht teilnehmen müssen.

Ich fürchte, das machen wir Lehrer ab der 10. Klasse tatsächlich. Ich habe die Schülerin gefragt, woher sie das denn schon weiß, und sie meinte, ihre Eltern hätten ihr das erzählt, die sich selber noch an ihre Schulzeit erinnern konnten. Hehe.

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3 Thoughts to “Zwischenzeugnisse 2007-2008

  1. Mann, hättest du die Idee mit der kleinen Rede nicht VOR dem Zwischenzeugnis sagen können? Sie ist prima, und ich weiß genau, wen ich angesprochen hätte in meiner Klasse, in der die Zeugnisvergabe eine etwas traurige Angelegenheit war (soviele Fünfer und Sechser auf einem Haufen bei so netten, motivierten Jugendlichen…).

  2. Tja, welche Klasse da wohl gemeint war? :D
    Das mit dem Feierlichen haben Hr. Pfaudler und Sie schon gut hingekriegt und „die Schülerin“ hat die Rede wirklich gut vorbereitet (ich fand das Thema nicht besonders ergiebig, sie hat das beste daraus gemacht, wesentlich besser, als ich es je gekonnt hätte).

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