Robert Louis Stevenson, The Bottle Imp (im Papierweb)

Es war einmal vor vielen Jahren, da fragte Michael Ende am Lehrstuhl für englische Literaturwissenschaft in Augsburg nach, ob man ihm mit eine Auskunft dienen könnte. Für ein Projekt brauche er Informationen zu den Quellen einer Erzählung von Robert Louis Stevenson, „Der Flaschenteufel“. Aber gerne; ich begann zu recherchieren. Die Geschichte selber kannte ich aus meiner Jugendzeit. Hier fasse ich alles zusammen, was ich damals herausgekriegt hatte; nach ein paar Fehlstarts musste ich eigentlich nur den richtigen Aufsatz finden, der sich genau dieser Frage angenommen hatte.

Inhalt der Stevenson-Geschichte: Schauplatz Hawaii, mit Abstechern nach San Francisco und Tahiti. Ein junger Mann, Keawe, kauft einem alten Mann mit einem schmucken Häuschen eine magische Flasche ab, eine mit einem Flaschenteufel darin: die Flasche erfüllt einem fast alle Wünsche. Der Haken: Wer im Besitz der Flasche stirbt, den holt der Teufel. Man kann sie jederzeit weiterverkaufen, allerdings, und das ist der zweite Haken, nur gegen Münzgeld und immer nur gegen eine geringere Summe als die, für die man sie gekauft hat.
Ursprünglich wurde die Flasche für ein Vermögen gehandelt; als ein früher Besitzer wird Priesterkönig Johannes genannt (dessen Legende in England/USA wohl verbreiteter ist als bei uns; dort heißt er Prester John). Napoleon war wohl ein weiterer Besitzer. Keawe kauft die Flasche für fünfzig Dollar, wünscht sich ein Haus, und erbt daraufhin unerwartet Land und Geld. Das Haus wird gebaut. Er verkauft, wie abgemacht, einem Freund die Flasche weiter.
Keawe genießt sein Leben. Das Haus ist zwar viel zu schön und zu groß, um darin zu wohnen, aber die beiden Verandas sind ganz hervorragend. Schließlich verliebt sich Keawe in Kokua, wirbt um sie, sie nimmt an – und da entdeckt Keawe die ersten Anzeichen von Lepra an sich. Er müsste jetzt sein Haus verlassen und die Hoffnung auf Kokua aufgeben. Stattdessen macht er sich auf die Suche nach seinem Freund, der die Flasche aber schon weiterverkauft hat, und spürt der Flasche hinterher. Immer wieder stößt er auf neu gebaute Häuser und verdächtigen Reichtum. Schließlich landet er bei einem hoffnungslosen jungen Mann, der die Flasche tatsächlich in seinem Besitz hat. Allerdings ist der Preis inzwischen weiter gefallen. Der Mann hatte – aus Gründen, und voller Verzweiflung – die Flasche für zwei Cent gekauft. Und findet jetzt natürlich keinen mehr, der sie ihm für eine einzelne Cent-Münze abkauft. Aus Liebe zu Kokua geht Keawe allerdings auf den Handel ein. Er wünscht sich Gesundheit; die Lepra verschwindet; Keawe und Kokua heiraten.
Richtig glücklich werden sie nicht, da Keawe unter der Last seines Schicksals depressiv wird. Schließlich erzählt er Kokua die Geschichte; sie erzählt ihm, dass es ja noch kleine Münzen als den Cent gibt, etwa französische Centimes. Gemeinsam brechen sie auf. Schließlich kauft Kokua durch einen Mittelsmann (4 Centimes) selber die Flasche (3 Centimes), um an Keawes Stelle dessen Last und Schicksal zu tragen. Als dieser das mitkriegt, will er durch einen anderen Mittelsmann (2 Centimes) die Flasche endgültig in seinen Besitz bringen. Als dieser Zwischenkäufer, ein betrunkener, brutaler und verbrecherischer Seemann, sich erfolgreich eine Flasche Rum gewünscht hat, rückt er die magische Flasche nicht mehr heraus. In die Hölle wird er ohnehin fahren: „So off he went down the avenue towards town, and there goes the bottle out of the story.“ (12.500 Wörter.)

Eine schöne Geschichte, eine Novelle eigentlich, Teil der Sammlung Island Nights‘ Entertainments (1893). Distanzierter, leicht märchenhafter Tonfall. Hier Wikipedia dazu.

Die Suche nach einer Quelle war spannend. Leider habe ich fast alle Unterlagen dazu am Lehrstuhl gelassen, aber manches kriege ich noch zusammen.

Erstens waren manche Angaben in Artikeln dazu falsch, denn dort hieß es oft, Stevenson habe die Idee aus einem Theaterstück von O. Smith. Wenn man die Bemerkung am Anfang der Geschichte aber richtig liest, weiß man, dass das nur der Schauspieler war, der in einer Bühnenfassung das Stück populär gemacht hat:

Any student of that very unliterary product, the English drama of the early part of the century, will here recognise the name and the root idea of a piece once rendered popular by the redoubtable O. Smith. The root idea is there and identical, and yet I hope I have made it a new thing. And the fact that the tale has been designed and written for a Polynesian audience may lend it some extraneous interest nearer home.

Irgendwann entdeckte ich, dass natürlich schon jemand vor mir die Quellen zu „The Bottle Imp“ zusammengetragen und mir die ganze Arbeit abgenommen hatte, so dass ich mir nur die jeweiligen Texte besorgen musste. Das war „The Devious Genealogy of the ‚Bottle-imp‘ Plot“ von Bacil F. Kirtley in: American Notes & Queries, Vol. IX, Number 5, January 1971. (Vollständiger Text mit Scan-Fehlern hier, einfach nach „bottle imp“ suchen, oder sich die Datei als pdf anzeigen lassen.) Der Aufsatz greift Ergebnisse auf, die zuvor von Joseph Warren Beach gesammelt wurden, in: „The Source of Stevenson’s Bottle Imp“. Modern Language Notes 25 (Jan. 1910), p. 12-18.

Nach der Lektüre Kirtleys wusste ich:

  1. Richard John Smith, Spitzname Obi Smith, spielte 1828 in einem erfolgreichen Stück namens The Bottle-Imp.
  2. Dessen gedruckte Form erschien ebenfalls 1828 (Autor: R. B. Peake, Esq); das war die Vorlage für Stevenson.
  3. Für die Vorlage dafür gibt es zwei Kandidaten, beides Übersetzungen desselben deutschen Texts. Erstens „The Mandrake“ in: The German Novelists: Tales selected from ancient and modern authors in that language: From the earliest period down to the close of the eighteenth century. Translated from the originals: with critical and biographical notices, herausgegeben von Thomas Roscoe (4 volumes, London 1826), in Vol II, S. 327-366 (Link). Iris Sells sieht in „Stevenson and La Motte Fouqué, ‚The Bottle Imp'“ in Revue de Littérature Comparée 28 (1954), S. 334-343 diesen Text als Vorlage für das Theaterstück.

    Joseph Warren Beach findet in „The Sources of Stevenson’s Bottle Imp“ Belege dafür, dass die Vorlage aber dieser Text war: „The Bottle Imp“ in: Popular Tales and Romances of the Northern Regions, Volume 1, London 1823. Dort wird der Stoff in ähnlicher Weise behandelt. Damals kam ich nur schwer an das Buch, habe noch eine Kopie der Geschichte (vom Microfiche) zu Hause. Heute gibt es vollständige Scans (und E-Text) im Web, dank Digitaldruck gibt es jede Menge Nachdrucke bei verschiedenen Verlagen.

    bottle_imp

  4. Beide Texte sind Übersetzungen von Friedrich de la Motte Fouqué, „Eine Geschichte vom Galgenmännlein“ (1810); beim ersten Text ist er als Autor genannt, beim zweiten Text werden die Autoren im Vorwort genannt, die Zuordnung zu den einzelnen Geschichten bleibt aber dem Leser überlassen.

    Inhalt bei Fouqué: Zur Zeit des dreißigjährigen Krieges kommt der junge Kaufmann Reichard nach Venedig, gerät an eine Kurtisane, verprasst sein Geld, kauft das Fläschchen mit dem Galgenmännlein drin. Für 3 Dukaten verkauft er es an seinen Arzt, ohne diesen über das Wünschen und den Fluch zu informieren. Der verkauft ihm die Flasche heimlich als Medizin zurück (2 Dukaten), Reichard jubelt es seiner ehemaligen Geliebten unter, die ihn verlassen hat (1 Dukaten). Die verkauft es ihm unwissentlich und über einen Mittelsmann zurück. Reichard geht nach Rom und versucht erfolglos, das Fläschchen für drei Groschen zu verkaufen; zieht als Soldat in den Krieg zwischen zwei italienischen Kleinstaaten und wird das Fläschchen letztlich für einen Groschen an einen Kameraden los. Versehentlich kauft er es für einen Heller wieder zurück, weil er seine Patronen verspielt hat und er bei der bevorstehenden Kontrolle erschossen werden würde. Eine kleinere Münze kennt er nicht. Reichard zieht durch die Gegend, gerät schließlich an eine merkwürdige Gestalt (teuflisches Aussehen, schwarzes Pferd, blutrotes Wams), der mit Reichard einen Plan vereinbart: er wird einem örtlichen Fürsten ein Monster auf den Hals hetzen, Reichard soll als Retter auftauchen; der Fürst wird ihm aus Dankbarkeit entlohnen wollen und Reichard solle sich wünschen, dass zumindest zwei Halbheller geprägt würden, so dass der Fremde Reichard das Fläschlein abkaufen kann. So geschieht das auch, komplett mit Monster, „einem ungeheuern, griesgrämischen Affen […], der noch überdem ein gewaltiges Hirschgeweih auf den Kopfe trug“. Das Prägen neuer Münzen ist gar nicht nötig, da die Heller in diesem Fürstentum eh nur ein Drittel eines normalen Hellers wert sind
    Reichard trifft den Fremden an verabredeter Stelle, durch eine finstere Höhle zum Schwarzbrunnen, mit dessen Wasser man sich schwarz wäscht. Dort gesteht der Fremde, einen Bund mit dem Teufel geschlossen zu haben und ohnehin in die Hölle zu fahren. Die Flasche wechselt für einen Drittelheller ihren Besitzer. Reichard lebt in Zukunft fromm und ehrenwert. (In der englischen Fassung wird darauf hingewiesen, dass der Fremde Reichard aus edlen Motiven die Flasche abnimmt, um dessen Seele zu retten und dadurch vielleicht auch seine eigene. In der deutschen steht nichts davon.)

    Unterschiede zu Stevenson: Es gibt viel mehr Hin und Her mit der Flasche; die Flasche wird ohne Wissen der Parteien untergeschoben; jeder betrügt den anderen. Bei Stevenson: Liebe statt Habgier als Motiv; kein Betrug; Italien statt Pazifik.
    Gemeinsamkeiten: Die erste Probe beim Flaschenkauf ist die, sich das ausgegebene Geld zurückzuwünschen. Die Flasche kehrt jeweils auf magische Weise zum Besitzer zurück. In beiden Fällen nimmt am Schluss ein Sünder den Fluch freiwillig auf sich.

  5. Als Quelle für Fouqué wird allgemeines Sagengut vermutet. Homunculi, Galgenmännlein, Flaschengeister gibt es viele, und sie haben das Motiv vom Bottle Imp sicher beeinflusst. Aber das konstituierende Element ist doch das, dass man die Flasche immer nur für weniger Geld verkaufen kann. Das findet sich auch in den Deutschen Sagen der Brüder Grimm, Nr. 85, „Spiritus familiaris“. Dieser

    bringt großes Glück, läßt verborgene Schätze sehen, macht bei Freunden geliebt, bei Feinden gefürchtet, im Krieg fest wie Stahl und Eisen, also daß sein Besitzer immer den Sieg hat, auch behütet es vor Haft und Gefängnis. Man braucht ihn nicht zu pflegen, zu baden und kleiden wie ein Galgenmännlein.
    Wer ihn aber behält, bis er stirbt, der muß mit ihm in die Hölle, darum sucht ihn der Besitzer wieder zu verkaufen. Er läßt sich aber nicht anders verkaufen als immer wohlfeiler, damit ihm einer bleibe, der ihn nämlich mit der geringsten Münze eingekauft hat.
    Ein Soldat, der ihn für eine Krone gekauft und den gefährlichen Geist kennenlernte, warf ihn seinem vorigen Besitzer vor die Füße und eilte fort; als er zu Hause ankam, fand er ihn wieder in seiner Tasche. Nicht besser ging es ihm, als er ihn in die Donau warf.

    Ansonsten läuft die Geschichte bei den Grimms anders ab als bei Fouqué, erschien auch sechs Jahr nach diesem, ist als direkte Quelle also wenig wahrscheinlich.

  6. Quellen für Grimm? Kirtley nennt als Ausgangspunkt eine Episode in den Kapiteln 18 bis 22 in Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausens „Trutz Simplex oder Lebensbeschreibung der Ertzbetrügerin und Landstörtzerin Courasche“ (1670). (Auch bei Fouqué spielte die Handlung während des Dreißigjährigen Kriegs.) Auch hier muss man das Fläschlein billiger verkaufen:

    „Ach Frau Courasche!“ antwortet er, „es ist hiermit nicht wie mit anderer War beschaffen; sie hat ihren gewissen Kauf und Verkauf, vermög dessen die Frau zusehen mag, wann sie dies Kleinod wieder hingibt, daß sie es nämlich wohlfeiler verkaufe, als sie es selbsten erkauft hat.“

    Das Fläschlein hat magische Fähigkeiten:

    „Frau Courasche! es ist ein dienender Geist, welcher demjenigen Menschen, der ihn erkauft und bei sich hat, groß Glück zuwegen bringt. Er gibt zu erkennen, wo verborgene Sachen liegen, er verschafft zu jedwederer Handelschaft genugsame Kaufleute und vermehret die Prosverität; er macht, daß sein Besitzer von seinen Freunden geliebt und von seinen Feinden gefürchtet werde. Ein jeder, der ihn hat und sich auf ihn verläßt, den macht er so fest als Stahl und behütet ihn vor Gefängnis; er gibt Glück, Sieg und Überwindung wider die Feinde und bringt zuwegen, daß seinen Besitzer fast alle Welt lieben muß.“

    Es ist pflegeleicht:

    dann ich hätte gehöret, daß diejenige Zauberer, welche andere Leute in Gestalt eines Galgenmännels bestehlen, das sogenannte Galgenmännel mit wochentlicher gewisser Badordnung und anderer Pfleg verehren müßten. Der Alte antwortet, es dürfte des Dings hier gar nicht; es sei viel ein anders mit einem solchen Männel als mit einem solchen Ding, das ich von ihm gekauft hätte.

    Auch hier findet die Flasche immer wieder ihren Weg zum Besitzer, und der letzte Käufer, der dafür die kleinste Münze gegeben hat, hat Schwierigkeiten damit:

    er konnte ihn aber drum nicht wieder verkaufen, weil der Satz oder der Schlag seines Kaufschillings aufs Ende kommen war. Ehe er nun selbst Haar lassen wollte, gedachte er, mir denselbigen wieder anzuhenken und zuruckzugeben, wie er mir ihn dann auch auf dem Generalrendevous, als wir vor Regenspurg ziehen wollten, vor die Füße warf. Ich aber lachte ihn nur aus und solches zwar nicht darum vergebens, dann ich hube ihn nicht allein nicht auf, sondern da Springinsfeld wieder in sein Quartier kam, da fande er ihn wieder in seinem Schubsack. Ich hab mir sagen lassen, er habe den Bettel etlichmal in die Donau geworfen, ihn aber alleweg wieder in seinem Sack gefunden, bis er endlich denselbigen in einen Bachofen geworfen und also seiner losworden.

    Die Parallelen zu der Sage bei Grimm sind so offensichtlich, dass die Grimmsche Version wohl auf die von Grimmelshausen zurückgeführt werden kann.

  7. Weiter zurück geht Kirtley nicht mehr. Grimmelshausen habe durch die Kombination vom Männchen in der Flasche und dem Galgenmännlein (eigentlich der unter bestimmten Umständen gepflückten Wurzel der Alraune) die Urform der Geschichte geschaffen. Laut Kirtley sei ein Kennzeichen des Galgenmännleins: „it must be sold more cheaply than bought; and it brings damnation upon anyone who dies while possessing it.“ Das wäre der Ansatzpunkt für weitere Forschung, oder zumindest weiteres Zusammentragen.
  8. Neben Grimmelshausen ist eine weitere mögliche Quelle für Grimm Der leipziger Avanturieur oder eines gebornen Leipzigers eigenhändiger Entwurf seiner Schicksale, 2 Bände 1756. In einer Episode auf Seite 37-43 (Band 2) gibt es zwei Binnenerzählungen. In der ersten geht es um ein Schächtelchen mit unbekanntem Inhalt (stellt sich heraus: eine Fliege, Symbol des Teuflischen), das Reichtum verleiht. Der Besitzer versucht es einmalig loszuwerden an denjenigen, von dem er es hat; der ist aber verschwunden. In der zweiten Geschichte wird dem Erzähler eine schöne neue Hose überraschend billig verkauft; er hat daraufhin viel Glück, wird misstrauisch und entdeckt an der Hose einen Knopf, den man öffnen kann und in dem sich ein merkwürdiger Wurm befindet. Der Beichtvater rät ihm, die Hose weiter zu verkaufen, „um eben so vieles Geld, als [er] dafür gegeben“. Er findet lange keinen Käufer, weil alle entweder meinen, dass für den niedrigen Preis etwas nicht stimmen kann mit der Hose, oder noch weniger dafür zahlen wollen (und das geht in dieser Variante nicht). Es ist wieder ein „abgedankter Soldat“, bei dem der magische Gegenstand am Schluss landet.

Inzwischen war Michael Ende gestorben, ich bereitete mich aufs Examen vor, und aus der weiteren Recherche wurde bis heute nichts. Beim Aufräumen bin ich auf meine wenigen Kopien von damals gestoßen und habe das jetzt mal alles zusammengeschrieben. Könnte man ja mal eine Recherche-Webquest daraus machen, wenn ich nicht eh schon alles hier verlinkt hätte.

Weitere Gedanken und Hinweise:

  • Spielverderber werden natürlich auf Gremlins-Modus umschalten: Was passiert, wenn die Münze ihren Kurs ändert? Geht es nur um den Nennwert? (Vermutlich schon. Könnte man eine schöne moderne Geschichte daraus machen, bei der eine wertvolle Münze mit niedrigem Nennwert gestohlen wird.) Und was passiert eigentlich mit der Flasche, wenn der Besitzer stirbt und zur Hölle fährt? Zu welchem Preis geht es dann weiter?
  • Vergleich mit anderen Deals-with-the-devil-Geschichten: Die Methode scheint mir sicher. Der Teufel kriegt so oder so eine Seele, auch wenn er möglicherweise länger darauf warten muss. Dafür ist es sicher viel leichter, einen ersten Käufer für die Flasche zu finden, als sonst jemanden, der einen Pakt mit dem Teufel eingehen würde. Das Risiko für den Teufel besteht darin, dass er am Schluss die Seele von jemandem kriegt, der ohnehin zur Hölle gefahren wäre, wie es in den Geschichten oben ja auch geschieht.
  • Ich mag Geschichten mit Teufelspakten. Irgendwann wollte ich mal eine Kurzgeschichte schreiben um jemanden, der einen solchen Pakt eingeht: der Teufel führt in eine zauberische Buchhandlung, wo sich der junge Mann so viele Bücher mitnehmen darf (auch seltene Ausgaben, verschollene Werke) wie er will. Bedingung: Wenn er sie bis zum Ende seines Lebens gelesen hat, ist er frei; wenn er vorher stirbt, kommt er in die Hölle. Der junge Mann nimmt sich natürlich zu viele Bücher mit. Das Lesen wird ihm verleidet, er macht es aus Pflicht. Oder: Seine kleine Bibliothek wird gestohlen/fällt einem Brand zum Opfer, er muss also versuchen, diese Bücher, gerne auch in anderen Ausgaben, wieder zu bekommen und zu lesen. Das ist bei manchen Bänden, eben den seltenen, gar nicht so einfach. Die Geschichte würde mit dem jungen Mann beginnen, irrer, fiebriger Blick, der versucht, dem Besitzer eines selten Buches dieses abzukaufen, und ihm deshalb seine Geschichte erzählt. — Inzwischen gibt es das Internet und E-Texte, und mir sind Bücher nicht mehr so wichtig. Also, falls jemand anderes diese Geschichte schreiben möchte, nur zu.
  • Sollte man die Flasche für einen Cent kaufen? Nein, weil man sie ja nie wieder loswerden würden. Sollte man zwei Cent dafür zahlen? Nein, weil man ja nie einen dummen Käufer finden würde, Transparenz vorausgesetzt, der sie einem für einen Cent abnehmen würde. Sollte man drei Cent dafür zahlen? Nein, weil es ja keinen 2-Cent-Käufer geben sollte, wie wir gerade gesehen haben. Originelles Beispiel für das (vielleicht nur scheinbare) Paradoxon der angekündigten Hinrichtung.
  • Es gibt ein schön gemachtes Kartenspiel zu Stevensons Erzählung. Man kann es auch online spielen; sieht nach einem Stichspiel mit einer Art Schwarzem Peter aus.

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8 Thoughts to “Robert Louis Stevenson, The Bottle Imp (im Papierweb)

  1. Vielen Dank für diese detaillierte und liebevoll ausgestaltete Darstellung. Ich hab’s mit wachsendem Interesse gelesen.

  2. Sehr schöner Artikel! Solche Recherche-Artikel sind immer wieder spannend, vor allem, wenn man eine vergangene Recherche wiederentdeckt.

  3. Bin durch Zufall auf diesen Artikel gestoßen. Vielleicht kann mir jemand einen Tip geben: Ich suche ein englisches Märchen, in dem ein Pakt mit dem Teufel geschlossen wird. Es muss aber ein Original sein, keine Adaption.
    Eine zweite Frage ist, ob nicht doch Fouqué die Sage Nr. 85 der Grimms gekannt haben könnte. Wenn sie auch erst nach seinem „Galgenmännchen“, erschien. Es muss sie ja vorher gegeben haben

  4. Es gibt eine fernseh-Verfilmung..aber schon jahrzehntalt. Handelt sich auch im 30jährigen Krieg. Zum schluss wünscht sich ein verwundeter und verfolgter hauptmann der kaiserlichen vom flaschen teufel den er für eine münze erworben hateine schwadron…da steht schon eine vor der Tür.allerdings eine schwedische

  5. An Verfilmungen habe ich noch gar nicht gedacht. Das Motiv der enttäuschend erfüllten Wunsches kenne ich sonst aus „The Monkey’s Paw“.

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