Überblick über Listen in Java (und andere Collections)

Im Stoff der 11. Klasse sind Listen Thema, genauer: einfach verkettete Listen. Die Klassen und Methoden dazu erstellen die Schüler in liebevoller Handarbeit selber, und das ist auch sinnvoll, weil sie dann wissen, wie solche Listen prinzipiell funktionieren.

Aber natürlich bringt die Programmiersprache Java bereits verschiedene Listen-Klassen mit, die wichtigsten sind Vector, ArrayList, LinkedList. Die letzte davon ist der Schülerliste recht nahe. Man kann schnell neue Elemente zu einer LinkedList hinzufügen oder welche entfernen, dafür dauert es etwas länger, das – sagen wir – zwölfte Element der Liste herauszusuchen. Bei den anderen beiden Klassen geht das effektiver, dafür dauert das Einfügen und Entfernen länger. (Warum das so ist, weiß ein Schüler nach der 11. Klasse, warum das wichtig ist, nach der 12.)

Im Programmierprojekt der elften Klassen – ich werde noch davon erzählen – sollen die Schüler auch solche Listen verwenden, laut Lehrplankommentar die selbst angefertigten. Das haben wir uns geschenkt, stattdessen habe ich den Schülern gezeigt, wie die entsprechenden Java-Klassen funktionieren, und die Schüler haben damit gearbeitet.

Als Überblick für die Schüler und gleichzeitig als ein Einblick in den Aufbau von Java habe ich diese Grafik erstellt:

Schön sieht man die Zusammenhänge zwischen Vererbung, Schnittstellen (rot) und abstrakten Klassen (grün). ArrayList, Vector und LinkedList erben manche Methoden von der abstrakten Oberklasse AbstractList (die wiederum von AbstractCollection erbt), angesprochen werden können die Listenklassen über die gemeinsame Schnittstelle List.
Die Klasse LinkedList kann dabei auch über das Interface Queue angesprochen werden, ebenso wie die Klasse PriorityQueue, obwohl beide von ganz anderen Klassen abstammen.

Erstellt habe ich die Grafik mit dem offenen UML-Editor StarUML. Hier ist die Quelldatei dafür, falls jemand an der Grafik weiterbasteln möchte.

Fußnote: Alle Listen in Java implementieren die Schnittstelle Collection, ebenso wie Mengen und Warteschlangen. Alle Collections, aber nicht nur die, implementieren ihrerseits die Schnittstelle Iterable – das heißt, sie sind jeweils ein Haufen von Elementen, die man der Reihe nach durchgehen kann. Das geht zum Beispiel mit der eleganten for-each-Schleife:

for (Listenelement l : liste) {
  l.aktionAusfuehren();
}

Man liest sie so: Für jedes Element l in der Sammlung namens liste, tue Folgendes: lass l eine bestimmte Methode ausführen.
Vielleicht ist das auch was für die Schüler der 10. Klasse, die mit Arrays und Zählschleifen große Probleme haben.

Gelesen: Ben Goldacre, Bad Science

Ich liebe die Terminologie der exakten Wissenschaft, Physik oder Mathematik. Wo gibt es in den Geisteswissenschaften solche Begriffe wie “Bonferroni’s correction for multiple comparisons”? Diesen schönen Begriff aus der Statistik habe ich aus Bad Science von Ben Goldacre.

In dem Buch zeigt Goldacre, welcher Schindluder mit echter Medizin, alternativer Behandlung und vor allem wissenschaftlich-medizinischer Berichterstattung in den Medien getrieben wird. Er hat gar nicht so viel dagegen, wenn Verbaucher Entscheidungen treffen, die er nicht nachvollziehen kann – aber die Verbraucher sollen wissen, was sie tun, und nicht auf irreführende oder falsche Informationen hereinfallen.
Deswegen sind die Themen Goldacres: was eine gute wissenschaftliche Arbeit ausmacht, wie man sie richtig liest und interpretiert, und wie und warum das in der Presse oft nicht geschieht. Sein Credo, glaube ich: wissenschaftliche Untersuchungen müssen öffentlich sein. Sie müssen in der Fachpresse (auch online) veröffentlicht werden, damit andere Wissenschaftler (und auch Laien) sie kritisch würdigen können, damit Versuchsaufbau und ‑durchführungen hinterfragt und wiederholt werden können. Eine unveröffentlichte Studie ist nichts wert.

Zwei Stellen wollte ich mir merken, wo wenn nicht hier im Blog? Zum einer der Unterschied zwischen den Ergebnissen einer Studie und den Schlussfolgerungen daraus. Goldacre nennt einen Times-Artikel, der das durcheinanderbringt. Eine Studie zeigte, dass Personen mit jüngeren Geschwistern seltener an der Autoimmunerkrankung Multiple Sklerose erkanken. Die Times dazu: “Laut der Studie ist MS ist wahrscheinlicher, wenn ein Kind während einer kritischen Entwicklungsphase keinen Ansteckungen durch jüngere Geschwister ausgesetzt ist.” Das ist aber nicht das Ergebnis der Studie – das ist eine Erklärung des Ergebnisses, eine Hypothese, die vielleicht zutreffen mag. Aber die Studie hat nur gezeigt, dass jüngere Geschwister, aus welchen Gründen auch immer, irgendwie gegen die Entwicklung von Multipler Sklerose helfen.

Über der anderen Stelle steht das folgende Zitat aus Robert M. Pirsig, Zen and the Art of Motorcycle Maintenance:

The real purpose of the scientific method is to make sure nature hasn’t misled you into thinking you know something you actually don’t know.

Es gibt optische Illusionen, deren Wirkung man sich nicht entziehen kann:


(Quelle: Fibonacci, CC-BY-SA 3.0)

Die Linien sind parallel, und wir wissen, dass sie parallel sind, aber sie sehen trotzdem nicht parallel aus und werden das auch nie tun. Dass sie parallel sind, kann man dadurch zeigen, dass man ein Lineal nimmt und anlegt, die Linien misst.

Genauso wie es optische Illusionen gibt, gibt es auch kognitive Illusionen – Zusammenhänge, die sich dem Verstand aufdrängen, die logisch erscheinen, die intuitiv einsichtig erscheinen, aber trotzdem falsch sind. Die Wahrscheinlichkeitsrechnung ist voll davon. Damit man nicht darauf reinfällt, muss man methodisch vorgehen und messen – das Lineal anlegen, die wissenschaftliche Untersuchung durchführen.
Der Mensch ist hervorragend darin, Muster zu erkennen. Das war ein großer evolutionärer Vorteil. Allerdings geht das soweit, dass man auch Muster erkennt, wo keine sind. Goldacre beschreibt mehrere Versuche mit Zufallsdaten, die von Menschen interpretiert werden – und auch bei dieser zufälligen Reihe kann der Mensch nicht anders, als Muster zu erkennen.

Ingesamt: schönes Buch, ein bisschen zu lang, ein paar Stellen wiederholen sich. Vielleicht hätte ein Lektor noch einmal drübergehen sollen. Trotzdem spannend.

Nachtrag: Bin eben auf einen aktuellen Blogartikel hingewiesen worden: “Wie Wissenschaft funktioniert”. An aktuellem Beispiel wird klar, wie wichtig das Veröffentlichen von Studien ist, wie wichtig die Methodik ist, und wie sehr Studien der Überprüfung bedürfen.

In Unterwäsche durchs Schulgebäude rocken

Das werde ich natürlich nicht, auch wenn es die Tradition erfordert. Welche Tradition? höre ich meinen Leser fragen. Wenn man allein zu Hause ist, in einem Haus, über das man sonst nicht die Verfügungsgewalt hat, dann muss man die Hose ausziehen und Luftgitarre spielend durch die Zimmer tanzen.

Das weiß ich aus einer Episode von Die Nanny, als der Butler alleine in der Wohnung ist. (Video.) Auch eine Simpson-Episode gibt es, in der Bart allein zu Hause ist und in allen Zimmern Gitarre spielt. Hugh Grant in Love Actually behält seine Hose an, tanzt aber auch. Und an eine Folge Alf glaube ich mich auch dunkel zu erinnern. (Auch: The Flash, Season 4, Episode 2.)

Gibt es für diese Szenen einen gemeinsamen Vorläufer, sind das alles Zitate einer Quelle? Ich weiß es noch nicht.

Jedenfalls bin ich diese Woche allein zu Haus – allein im Schulgebäude. Die Schulleitung macht auch mal Ferien, und so gibt es in einigen Wochen des Jahres nur eine Vertretung. Diese Woche bin ich dran. Zugegeben, das Sekretariat ist auch besetzt, also geht das mit den ohne Hosen sowieso nicht. Und außerdem muss ich den größten Teil der Zeit nur telefonisch erreichbar sein, nur heute bin ich tatsächlich in der Schule. Falls was Wichtiges ist.

Es waren zwei dunkle und stürmische Nächte: Wuthering Heights und Cold Comfort Farm

Nicht zuletzt wegen des Ukulele Orchestra of Great Britain mit seiner Version von Kate Bushs “Wuthering Heights” hatte ich mir vorgenommen, das Buch noch einmal zu lesen. Von der ersten Lektüre vor zwanzig Jahren ist nicht mehr viel hängengeblieben.

(Wer’s immer noch nicht kennt: hier die UOGB-Version.)

Die erste Hälfte des Buches hat mir sehr gut gefallen, der Anfang ist hervorragend. Ein Herr Lockwood, der Erzähler, sucht die Einsamkeit (unglückliche Liebe, Unzufriedenheit mit seinem Leben) und hat sich dazu ein Haus gemietet, bei dessen Vermieter er einen Anstandsbesuch macht. Lockwood freut sich, endlich jemanden gefunden zu haben, der ein zurückgezogenes Leben noch mehr liebt als er selber, und beschließt, diesen tollen Herrn Heathcliff öfter zu besuchen. Dieser Heathcliff ist ein Gentleman, aber mürrisch bis grob, das Haus unordentlich, draußen stürmt es. An Personal gibt es den alten Joseph, ein religiöser Eiferer, wenn auch kein sehr eifriger.

Kurze Zeit später unternimmt Lockwood seinen zweiten Besuch. Nach einigem vergeblichen Klopfen lässt ihn Joseph – in kaum verständlichem, aber vermutlich authentischen Dialekt sprechend – auch nicht hinein. Es schneit, und endlich erbarmt sich ein rustikaler junger Mann und führt ihn im einen Raum mit einer jungen Frau. Auch da ist nicht viel mit gesellschaftlich anerkannten Formen der Höflichkeit, er kriegt nicht mal einen Tee. Heathcliff kommt, wortkarg, und die drei Leute – junge Frau, junger Mann, Heathcliff – giften sich alle gegenseitig in wechselnden Kombinationen an. Lockwood hat immer noch keine Ahnung, wer das eigentlich ist, vorgestellt wird niemand. Und als es Abend wird und der Schneefall immer heftiger, da will man ihn vor die Tür schicken. Eine Haushälterin führt ihn dann doch heimlich in ein Zimmer, das Heathcliff sonst eigentlich stets verschlossen hält. Dort findet Lockwood auf dem Fensterbrett den Namen Catherine in verschiedenen Varianten – Catherine Linton, Catherine Heathcliff, Catherine Earnshaw. Außerdem findet er einige alte Bücher dieser Catherine, mit Randbemerkungen, die eine Art Tagebuch darstellen. Fasziniert liest Lockwood diese Passagen. Als er schließlich einschläft, weckt ihn ein Alptraum: vor dem Fenster steht die geisterhafte Gestalt Catherines und will hereingelassen werden. Mit einem Schrei wacht Lockwood auf, Heathcliff kommt herein, wird bleich, als er von Catherine hört und stürzt zum Fenster.

Am nächsten Tag flieht Lockwood in sein eigenes Haus und lässt sich von seiner Haushälterin die Geschichte des merkwürdigen Haushalts um Heathcliff erzählen, und diese Erzählung macht den Großteil des Romans auf. (Die letzten Kapitel schließen dann wieder an diesen Rahmen an.)

Ich habe den Anfang so ausführlich wiedergegeben, weil man daraus ein tolles Textadventure machen könnte. Man kann auch interactive fiction dazu sagen. Wenn ich mal Zeit habe, schreibe ich das mal.

Die zweite Hälfte hat mich weniger interessiert. Lohnenswert ist vielleicht der Vergleich mit den dysfunktionalen Familien des deutschen Naturalismus. Aber während dort das bekannte Milieu Ursache für deren Niedergang ist, treibt bei Wuthering Heights der Ansturm von unbeherrschbaren Gefühlen und vor allem die kalt kalkulierende Rachsucht Heathcliffs, der darin den Grafen von Monte Christo übertrifft, die Menschen in den Untergang. Aber irgendwann reicht es dann auch; als Catherine weg ist, verliert das Buch für mich an Schwung.

Eine Person ist mir beim Lesen besonders aufgefallen: Ellen/Nellie, die Erzählerin des größten Teils der Geschichte. Sie war mir nicht sehr sympathisch, oder eher: ihr Verhalten an einigen Stellen der Handlung gehört kritisiert, und mir fehlte eine Instanz, die diese Kritik ausübte. Lockwood – der Zuhörer, dem sie die Geschichte erzählt – ist für diese Aufgabe viel zu unreflektierend.
Ellie überbringt Briefchen, ermöglicht Stelldicheine, erzählt Geheimnisse oder hält Wissen zurück und sorgt generell dafür, dass die Handlung vorankommt. Natürlich kann sie nie etwas dafür und hätte auch nie anders handeln können. (Wieviel Spielraum hat man als Dienstbote?) Außerdem ist es erzähltechnisch sehr praktisch, wenn die Erzählerfigur bei allen entscheidenden Stellen dabei ist. Aber bei Wikipedia habe ich den Aufsatz “The Villain in Wuthering Heights” von James Hafley (1958) gefunden, in dem argumentiert wird, dass Nellie/Ellen tatsächlich die planvoll handelnde und manipulierende Schurkin des Romans ist.


Schon während der Lektüre hatte ich mich auf das Buch gefreut, das ich als Nächstes lesen würde: Cold Comfort Farm von Stella Gibbons.

Kennengelernt hatte ich das Buch über die BBC-Fernsehverfilmung von 1995 (Kate Beckinsale, Stephen Fry, Joanna Lumley, Ian McKellen, Miriam Margolyes). Sehr sehenswert. Das Buch ist 1932 entstanden als eine Art Parodie auf das damals wohl verbreitete Loam-and-Lovechild-Genre: düstere Geschichten um heruntergekommene Bauernhöfe, religiösen Wahn, sexuell ungebremste Knechte, schwangere Mägde. D.H. Lawrence gehört auch irgendwie in diese Ecke, nicht dass ich schon mal etwas von ihm gelesen hätte. Aber auch als Parodie auf manche Aspekte von Wuthering Heights lässt sich das Buch lesen.

Die Handlung: Die junge Flora Poste muss bei Verwandten unterkommen und schreibt dazu alle in Frage kommenden an. Das Angebot der Starkadder-Familie in Sussex klingt am besten, auch wenn das einen zutiefst heruntergekommenden Bauernhof bedeutet. Die Leute heißen Seth und Adam und Reuben, sind wortkarg, oversexed oder religiös eifernd; beherrscht wird die Großfamilie von einer lange unsichtbar bleibenden Matriarchin mit einem Geheimnis (sah als Kind “something nasty in the woodshed”). Die Familienverhältnisse sind undurchsichtig. Flora ist dort erst einmal nur “Robert Poste’s child”, der eine alte Schuld zu begleichen ist.

Von Tee am Nachmittag hat man dort noch nie gehört. Flora analysiert ihre erste Begegnung mit Judith Starkadder so: “For the first time a Starkadder looked upon a civilized being.” In der Küche gibt es einen großen unappetitlichen Topf Porridge für alle:

The porridge gave an ominous leering heave; it might almost have been endowed with life, so uncannily did its movements keep pace with the human passions that throbbed above it.

Wenn diese Passage etwas arg lyrisch klingt, so ist das Absicht. Stella Gibbons erklärt in einer ausführlichen, von vorn bis hinten erfundenen Widmung, das System: wie im Baedeker-Reiseführer die Sehenswürdigkeiten eigens markiert sind, so hat auch Gibbons die besonders lesenswerten (lies: kitschig-lyrischen) Passagen des Romans mit ein bis drei Sternchen markiert.

Flora krempelt jedenfalls die Ärmel hoch und bringt das 20. Jahrhundert auf die Farm. (Tatsächlich spielt der Roman zwanzig Jahre in der Zukunft, nach einem britisch-nicaraguanischen Krieg, aber bis auf ein paar kleine Seitenhiebe spielt das für die Handlung keine Rolle.) Erst mal kümmert sie sich um Meriam, eine Dienstmagd, die jeden Frühling aufs neue ein Kind kriegt, weil sie den Sommernächten nicht widerstehen kann. “ ‘Tes the hand of Nature, and we women cannot escape it.” Flora klärt Meriam über Empfängnisverhütung auf. Dann nimmt sie sich den düsteren, wildromantischen, finster-attraktiven Seth vor und bringt ihn beim Film unter. Und so löst sie nach und nach die Probleme dieser pittoresken Familie.

Sehr lustig.

Fotos aus dem Urlaub

Das bekannte Seebad in Südengland, wie üblich. Erholt. Viel gegessen, ein bisschen gelesen, iPad auf Urlaubstauglichkeit getestet. (Bericht folgt.) Und zwei schicke Jacken gekauft. Eine eher albern als schick, aber das wird mich nicht davon abhalten, sie in der Schule zu tragen.

Ein ruhiges Eckchen der Strandpromenade:

Ab 6 Uhr grillen am Strand erlaubt:

Ein kleiner Pavillon, das Licht nicht nachbearbeitet:

Tageswanderung:

Das Wappentier der Familie:

Wandern in England halt:

Erste, noch nicht ausgereifte Experimente mit Tilt-Shift-Simulation:

Griechische Sagen mit dem Kamishibai, der Rest

Hier noch ein paar Reste zum letzten Beitrag. Die Videos darf ich zwar nicht zeigen, aber hier sind immerhin die Grafiken zu drei weiteren Schüler-Sagen und zu meiner Demoversion, anhand derer ich das Prinzip Kamishibai vorgeführt habe.

– In der Sage von Persephone verliert Demeter, Göttin der Fruchtbarkeit, ihre Tochter Persephone an Hades, den Gott der Unterwelt. Nach dem Rat Zeus’ soll Persephone daraufhin zwei Drittel des Jahres in der Unterwelt bei Hades bleiben, ein Drittel an der Oberfläche mit ihrer Mutter verbringen.

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– Europa:

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– Herkules’ Aufgabe, den Stier von Kreta zu fangen:

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– Der Beginn des trojanischen Kriegs. Auf die Hochzeit von Peleus und Thetis wird Eris, Göttin der Zwietracht, nicht eingeladen. Sie wirft deshalb einen goldenen Apfel in die Runde, der der schönsten Göttin gehören soll. Hera, Athene und Aphrodite streiten sich darum und versprechen jeweils Paris, der die Entscheidung treffen soll, Belohnung für den Wahl, dass er sich für sie entscheidet. Paris gibt den Apfel Aphrodite, die ihm Helena, die schönste Frau der Welt, versprochen hat. Leider ist Helena schon mit Menelaos verheiratet – der für sie mit den anderen Griechen in den Krieg ziehen wird:

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Als pdf herunterzuladen:

Vor ein paar Tagen habe ich Hörbuchfassungen von Aesops Sagen gehört. Die sind vielleicht noch geeigneter für Schüler, da kürzer und vertrauter.

Turner, Boys Will Be Boys

Dieses Buch über Jugend- oder vielleicht eher: Jungenliteratur ist immer noch eine Folge meiner Kipling-Entdeckung im letzten Jahr. Die Erstausgabe ist von 1948, die überarbeitete Version von 1975, und es sah mir so altväterlich-uninteressant aus, dass ich lange gebraucht habe, bis ich es gelesen habe. Es war dann aber doch eine schöne Entdeckung. Das letzte Kapitel über Literatur nach dem Zweiten Weltkrieg ist tatsächlich wenig ergiebig, aber der Rest um so mehr – das sieht man an den vielen Zettelchen, die ich ins Buch geklebt habe.

Turner beginnt mit dem Kapitel “Gothic Hangover” und der Schauerliteratur des 19. Jahrhunderts, einer Art Schwundstufe oder Trivialisierung der gothic novel des Jahrhunderts zuvor. Veröffentlicht wurden diese Fortsetzungsgeschichten als penny dreadfuls, auf billigem Papier schlecht gedruckt, mit dramatischen Geschichten um edle Räuber und blutdurstige Vampire.

– Eine solche Erfolgsgeschichte, später in verschiedensten Formen aufgenommen, ist “The String of Pearls (A Romance)” um Sweeney Todd (1846). Sweeney Todd ist ein Barbier und Schurke, der seine Kunden ermordet, indem er ihnen die Kehle durchschneidet und den Stuhl mit der Leiche darauf durch eine Falltür nach unten klappen lässt. Die Nachbarin, Mrs Lovett, backt londonweit die besten Pasteten – wo das Fleisch herkommt, wird im Lauf der Geschichte immer deutlicher. Der Lehrling wird misstrauisch, wenn immer wieder Kunden scheinbar ihre Hüte vergessen; Sweeney sorgt dafür, dass er in einer Irrenanstalt verfrachtet wird. Gleichfalls misstrauisch wird der Pastetenbäcker, der – seltsames Arbeitsverhältnis – im Keller der Mrs Lovett Pasteten backt, nie ans Tageslicht kommen darf und dessen einziger Kontakt zur Außenwelt in den täglichen Fleischlieferungen besteht. Das Finale (die Flucht des gefangenen Pastetenkochs und Aufdeckung der schrecklichen Geheimnisses) weckt Erinnerungen an Soylent Green und das Blaubeerwettessen in Stephen Kings “The Body”:

How the waggish young lawyers’ clerks laughed as they smacked their lips, and sucked in the golopshious gravy of the pies, which, by the by, appeared to be all delicious veal this time, and Mrs Lovett worked the handle of the machine all the more vigorously, that she was a little angry with the officious stranger. What an unusual trouble it seemed to be to wind up those forthcoming hundred pies! How she toiled, and how the people waited; but at length there came up the savoury steam, and then the tops of the pies were visible.
They came up upon a large tray, about six feet square, and the moment Mrs Lovett ceased turning the handle, and let a catch fall that prevented the platform receding again, to the astonishment and terror of everyone, away flew all the pies, tray and all, across the counter, and a man, who was lying crouched down in an exceedingly flat state under the tray, sprang to his feet.
Mrs Lovett shrieked, as well she might, and then she stood trembling, and looking as pale as death itself. It was the doomed cook from the cellars, who had adopted this mode of escape.
The throngs of persons in the shop looked petrified, and after Mrs Lovett’s shriek, there was an awful stillness for about a minute, and then the young man who officiated as cook spoke.
‘Ladies and Gentlemen – I fear that what I am going to say will spoil your appetites; but the truth is beautiful at all times, and I have to state that Mrs Lovett’s pies are made of human flesh!’
* * *
How the throng of persons recoiled – what a roar of agony and dismay there was! How frightfully sick about forty lawyers’ clerks became all at once, and how they spat out the gelatinous clinging portions of the rich pies they had been devouring. ‘Good gracious! – oh, the pies! – confound it!’ (Chapter 39)

— Ein fast ebenso bekanntes Werk ist Varney the Vampire, or the Feast of Blood von James Malcom Rymer. Im Zuge von Vampirstudien in jüngeren Jahren hatte ich von diesem Dracula-Vorläufer bereits gehört. 220 Kapitel, 1845–1847 erschienen, und drückt ebenfalls ganz schön auf die Tube:

With a sudden rush that could not be foreseen – with a strange howling cry that was enough to awaken terror in every breast, the figure seized the long tresses of her hair, and twining them round his bony hands he held her to the bed. Then she screamed – Heaven granted her then power to scream. Shriek followed shriek in rapid succession. The bed-clothes fell in a heap by the side of the bed – she was dragged by her long silken hair completely on to it again. Her beautifully rounded limbs quivered with the agony of her soul. The glassy, horrible eyes of the figure ran over that angelic form with a hideous satisfaction – horrible profanation. He drags her head to the bed’s edge. He forces it back by the long hair still entwined in his grasp. With a plunge he seizes her neck in his fang-like teeth – a gush of blood, and a hideous sucking noise follows. The girl has swooned, and the vampyre is at his hideous repast!

Gar nicht mal unspannend, aber natürlich zu lang zum Lesen. Am Schluss stürzt sich Varney in den Vesuv.

– Spannend klingen auch die Zitate aus der Piratengeschichte The Skeleton Crew, or Wildfire Ned oder The Wild Boys of London: “In the doorway, in her nightdress, which revealed all the beauties of her buxom form, stood Mary Kelly, a pistol in each hand.” Was will man mehr? Andere Piratengeschichten lesen sich wie Pirates of the Carribean, voller Hexen, Monster und Magie.

– Interessant auch die Figur des Spring-Heeled Jack, der ich zum ersten Mal in einer Stephen-King-Kurzgeschichte begegnet bin. (In seiner Sammlung Night Shift, sehr lesbar.) In den penny dreadfuls war das eine Art Superheld-Vorläufer: blutrotes Trikot, Fledermausflügel, Haare vom Löwen und Teufelshörner und Schwefeldunst aus dem Mund, sprang er in riesigen Sätzen durch die Landschaft und half Witwen und Waisen – alles nur eine Verkleidung natürlich, seine übernatürlich Sprungfähigkeit basierte auf einer Konstruktion aus Metallstäben und Sprungfedern.

– Blutrünstig waren die Geschichten schon, und auch die Schulgeschichten, die langsam aufkamen, zeigten noch keine Verbundenheit mit der alten Schule. Kritiker beklagten den bösen Einfluss dieser verderblichen Literatur auf die Jugend und klärten auf über die finsteren Gestalten, die hinter den Geschichten steckten:

As a rule they are drunken, sodden creatures whose lives have been one long unbroken story of failure. Sometimes they are University men who in the flower of their youth gave promise of being noble men but giving way to the temptations of drink they have gradually sunk lower and lower in the scale of life until at last they reach the depths of degradation and their natures have become so debased that they are fit only to write evil stories which fill the pocket of the man who prints and sells the “penny dreadful”. (The Boys’ Friend)

Turner erzählt das alles mit zurückhaltendem, aber immer wieder durchscheinendem Enthusiasmus, feinem Gespür für Ironie und viel Hintergrundwissen. Die Auszüge aus Leserbriefen und Geschichten machen enorm Lust, die Hefte zu lesen.

– Gar nicht bekannt war mir das Invasions-Subgenre, etwa Britain Invaded (ab 1912): die Preußen stehen in London. St. Paul’s und Big Ben sind zerstört, nur südlich der Themse gibt es noch Widerstand.

– Dann gibt es auch Unmengen von Detektivgeschichten und Serienhelden. Einer von ihnen, Martin Track aus dem Magazin Dreadnought, war eine Kuriosität: lebt in einer exotischen Burg an der Nordsee, von Wachpersonal und einem chinesischen Zwerg geschützt. Besuchern werden die Augen verbunden, Löwen und Tiger wandern umher, Angriffe von Piraten und Gangsterbanden sind an der Tagesordnung. Das würde ich gerne mal lesen, da sieht ja Doc Savage harmlos dagegen aus.

– Ein Kapitel zu Billy Bunter und anderen Schul-Serien gibt es natürlich auch. Wenn Turner von der kommunistischen Revolte im Internat St. Frank’s erzählt, will man das am liebsten alles selber lesen. (Mr Trenton, einer der Lehrer, ist der heimliche Anstifter. Er verabreicht dem Schulleiter heimlich eine Droge, die ihn zu Gewaltausbrüchen treibt. Rebels und loyalists kämpfen um die Vorherrschaft an der Schule.)


Zum Abschluss, wegen ihrer Zeitlosigkeit, noch einige Stellen aus einem Artikel von G.K. Chesterton, “A Defence of Penny Dreadfuls” :

There is no class of vulgar publications about which there is, to my mind, more utterly ridiculous exaggeration and misconception than the current boys’ literature of the lowest stratum. This class of composition has presumably always existed, and must exist. It has no more claim to be good literature than the daily conversation of its readers to be fine oratory, or the lodging-houses and tenements they inhabit to be sublime architecture. But people must have conversation, they must have houses, and they must have stories. The simple need for some kind of ideal world in which fictitious persons play an unhampered part is infinitely deeper and older than the rules of good art, and much more important.

It is the custom, particularly among magistrates, to attribute half the crimes of the Metropolis to cheap novelettes. If some grimy urchin runs away with an apple, the magistrate shrewdly points out that the child’s knowledge that apples appease hunger is traceable to some curious literary researches. The boys themselves, when penitent, frequently accuse the novelettes with great bitterness, which is only to be expected from young people possessed of no little native humour. If I had forged a will, and could obtain sympathy by tracing the incident to the influence of Mr. George Moore’s novels, I should find the greatest entertainment in the diversion.

In this matter, as in all such matters, we lose our bearings entirely by speaking of the ‘lower classes’ when we mean humanity minus ourselves. This trivial romantic literature is not especially plebeian: it is simply human. […] . Ordinary men will always be sentimentalists: for a sentimentalist is simply a man who has feelings and does not trouble to invent a new way of expressing them. These common and current publications have nothing essentially evil about them. They express the sanguine and heroic truisms on which civilization is built; for it is clear that unless civilization is built on truisms, it is not built at all. Clearly, there could be no safety for a society in which the remark by the Chief Justice that murder was wrong was regarded as an original and dazzling epigram.

Warum ich den Werther nicht ernst nehmen kann

Einige unserer Herren hatten sich hinabbegeben, um ein Pfeifchen in Ruhe zu rauchen; und die übrige Gesellschaft schlug es nicht aus, als die Wirtin auf den klugen Einfall kam, uns ein Zimmer anzuweisen, das Läden und Vorhänge hätte. Kaum waren wir da angelangt, als Lotte beschäftigt war, einen Kreis von Stühlen zu stellen und, als sich die Gesellschaft auf ihre Bitte gesetzt hatte, den Vortrag zu einem Spiele zu tun.
Ich sah manchen, der in Hoffnung auf ein saftiges Pfand sein Mäulchen spitzte und seine Glieder reckte. – Wir spielen Zählens, sagte sie. Nun gebt acht! Ich geh im Kreise herum von der Rechten zur Linken, und so zählt ihr auch ringsherum, jeder die Zahl, die an ihn kommt, und das muss gehen wie ein Lauffeuer, und wer stockt oder sich irrt, kriegt eine Ohrfeige, und so bis tausend. – Nun war das lustig anzusehen. Sie ging mit ausgestrecktem Arm im Kreise herum. Eins, fing der erste an, der Nachbar zwei, drei der folgende, und so fort. Dann fing sie an, geschwinder zu gehen, immer geschwinder; da versahs einer, patsch! eine Ohrfeige, und über das Gelächter der folgende auch patsch! Und immer geschwinder. Ich selbst kriegte zwei Maulschellen und glaubte mit innigem Vergnügen zu bemerken, dass sie stärker seien, als sie den übrigen zuzumessen pflegte.

(Am 16. Junius)

Der letzte, von mir kursiv gesetzte Satz, ist der, der mich zum Lachen bringt. Ernst nehmen kann ich den Werther nicht. Aber verstehen natürlich schon. Been there. In der Grundschule habe ich mal kurz Tagebuch geführt, da stand so etwas Ähnliches drin.

Nachtrag von Matthias Claudius:

Fritze

Nun mag ich auch nicht länger leben,
Verhasst ist mir des Tages Licht;
Denn sie hat Franze Kuchen gegeben,
Mir aber nicht.

Die Farm auf dem Land

Man kennt doch diese Farm auf dem Land, grüne Wiesen, keine Zäune, keine Autos, frische Luft, auf die alte Haustiere gebracht werden und auf der sie den ganzen Tag herumtollen können. So hat man es zumindest als Kind Ross aus der Fernsehserie Friends erzählt, als das Haustier plötzlich weg war.

Wenige Leute wissen, dass es auf dieser Farm auch eine Bibliothek gibt. Dort bringt man alte Bücher hin, dort werden sie dann von dem liebenswert-übermütigen Farmerjungen und seiner bäumekletternden, honigstehlendenden Schwester begeistert Seite um Seite gelesen, unter Apfelbäumen sitzend, und auch der Rest der Familie wirft regelmäßig schmunzelnd-erbaute Blicke hinein.

In den Ferien habe ich vier Bücherkisten bei eBay versteigert – nicht immer für soviel Geld, dass sich das Porto lohnt, aber weg sind sie jedenfalls. Zwei Fuhren mit ansehnlichen Büchern habe ich zu Oxfam gebracht, die sich sehr darüber gefreut haben. Und ein Rest, fürchte ich, kommt in den nächsten Tagen auf die Farm auf dem Land. Ein paar sind schon dort.

Wenn jetzt noch jemand Vorschläge für VHS-Kassetten und Schallplatten, nicht die sammelnswerten, hat?

Mein Marvel-Quartett

Immer noch Ferien: Als ganz junger Teenager hatte ich dieses Marvel-Quartett. Für Autos habe ich mich nie besonders interessiert, aber Superhelden waren etwa anderes. Marvel-Superhelden besonders, und bei diesem Quartett waren sogar Figuren dabei, die in den deutschen Heften jener Tage noch gar nicht aufgetaucht waren – ich tippe mal auf das Jahr 1980. Die jüngste Figur im Quartett ist Spider-Woman (1977), das Spiel dürfte bald danach zusammengestellt worden sein.

Im ganzen WWW habe ich auch nicht den geringsten Hinweis auf dieses Quartett gefunden. Als wäre ich der einzige, der sich daran erinnert oder – kaum vorstellbar – dafür interessiert. Also habe ich mir die Karten von meinem kleinen Bruder, an den sie inzwischen gegangen sind, geliehen, um sie einzuscannen und hier vorzustellen.

Außerdem will ich die Karten mal im Informatikunterricht einsetzen, wenn es um Klassen und Objekte geht.

Wenn man sich die Karten genauer ansieht, fällt der typische Mittelknick auf, der entsteht, wenn man sie in der Hosentasche herumträgt. Und ja, ich weiß, die Karten sind nicht in der idealen Reihenfolge. (Räumliches Vorstellungsvermögen ist nicht meine starke Seite.) Das ärgert mich ein wenig, aber nicht genug, als dass ich sie noch einmal einscannen würde. Es spielt ja eigentlich auch keine Rolle.

Blogeintrag zu südafrikanischer Variante davon.