Mein liebstes Schulbuch

Im Halbtagsblog macht sich Jan-Martin Gedanken um alte und neue Schulbücher, vor allem bei Mathematik.

In Gleich 8 bei Herrn Schwarzmüller gibt es eine Diskussion um digitale Schulbücher – am besten von Lehrern unter CC-Lizenz geschrieben. Unbedingt! Wenn es da das richtige Format gibt, mache ich gerne mit. Ich suche ja selber noch nach einem Format, um meine Ideen zu sammeln.

Vorerst allerdings mein liebstes Schulbuch:


Lesebuch A (Gymnasium) Oberstufe. Lyrik. Ernst Klett Verlag 1969.

Das hatte ich in der 11. Klasse. Es ist ein Lesebuch und enthält Gedichte. Es gibt nur ganz wenig Zusatzmaterial: eine Seite Vorwort (die ich nie gelesen habe), Inhaltsverzeichnis, Quellenangaben, Hölderlin-Handschriften auf dem Vorsatzblatt und textkritische Anmerkungen dazu, und zwei Seiten mit einem Index von a) motivgleichen Gedichten; b) Strophen- und Gedichtformen (Sonette, Terzinen, Distichen) sowie c) Gedichtarten (Lied, Elegie, Ode, Hymne, Ballade).

Die Gedichte sind zusammengefasst in einen kürzeren paradigmatischen Teil (nach Form/Haltung, Bildersprache), den umfangreichsten, chronologischen Teil und einen dritten Teil, in dem Gedichte und deren verschiedene Übersetzungen gegenübergestellt sind.

Die Gedichte reichen von den zwei Merseburger Zaubersprüchen, dem Minnesang (acht Dichtern aus der Blütezeit, und einigen späteren) bis zu viel Trakl, Benn, Brecht; Celan, Bachmann, Enzensberger; Günter Kunert, Peter Rühmkorf, Wolf Biermann, Günter Grass. Dazu Übersetzungen aus dem Lateinischen (Hrabanus Maurus), Französischen (Baudelaire), Englischen (Shakespeare, E.E. Cummings, William Carlos Williams), und Übersetzungen ins Englische (Hölderlin, Brecht). Für 1969 ist das gar nicht schlecht.

Es gibt keine einzige Illustration und keinen einzigen Arbeitsauftrag. Kein bisschen Farbe ist darin. Ich glaube auch nicht, dass es ein Lehrerbegleitbuch dazu gibt.

Ich habe als Schüler enorm aus diesem Buch gelernt, indem ich die Texte gelesen habe. Als Lehrer würde ich weniger kopieren müssen, wenn Schüler so ein Lesebuch hätten. Deutschlehrer sind berüchtigt dafür, dass sie wenig mit den angeschafften Büchern arbeiten. Das liegt zum Teil auch an den Büchern. Mich interessieren Texte, die klugen Fragen dazu fallen mir oder den Schülern selber ein. Lehrerbegleitbände zu Lehrwerken interessieren mich nicht besonders.

Und, will jemand mit einem anderen Lieblingsbuch dagegen halten?

Nachtrag: Es gibt also doch ein Lehrerheft dazu und ich habe es mir besorgt. 130 Seiten, pro Gedicht 6–20 engbedruckte Zeilen. Sehr knappe Hinweise: “Die Sprache diesr Gedichte als gestaltgewordene Heiterkeit und Gelöstheit” oder: “Von besonderer Bedeutung (vgl. Trakl, Heym, Lasker-Schüler): die Bildlichkeit.” Nu.

Gestern in der Bibliothek

Im Moment sind Osterferien, bald danach beginnt das Abitur. Am Mittwoch und Donnerstag in dieser und der kommenden Woche ist jeweils ein Deutschlehrer aus den Q12-Kursen vormittags in der Schule und öffnet Schülern, die daran Interesse haben, die Bibliothek: dort können sich die Schüler zusammensetzen und gemeinsam Deutsch-Abituraufgaben durchsprechen. Gestern war ich dort, und von den knapp achzig Schülern waren ein gutes Viertel da. Ich habe ihnen aufgesperrt, das Kopiergerät eingeschaltet und im Lehrerzimmer Kaffee gekocht.

(Die Kaffeekanne und die Tassen standen im Nebenraum. Ich bin ja ein großer Freund von Kaffeetassen beim gemeinsamen Arbeiten um einen Tisch herum.)

Und ich stand natürlich, genau wie die anderen Deutschlehreren an den anderen Tagen, für Fragen zur Verfügung. Hauptsächlich ging es um die Gliederung: muss ich das so machen oder anders? Es stimmt schon, an der Gliederung liegt es, ob man sich im Aufsatz verrennt oder nicht. Aber eigentlich soll ein Schüler bei der Textinterpretation nur demonstrieren, dass er a) den Text verstanden hat (und das ist gar nicht so leicht; irgendeine Stelle gibt es immer, die die Schüler überlesen und nicht richtig verstehen) und b) etwas Interessantes zu dem Text sagen kann, das über die bloße Inhaltswiedergabe hinausgeht. “Das Gedicht ist typisch romantisch” oder “Das Gedicht greift auf Motive der klassischen Mythologie zurück” oder ” “In diesem Gedicht wird Nacht nicht als freiere Parallelwelt zum Tag gesehen, sondern sie steht ohne Alternative als einziger, unglücklicher Aufenthaltsort.” Über dem Formalismus der Gliederung wird das manchmal übersehen.

(Ja, ja, weiß schon. Die Gliederung soll Hilfe sein und ist es auch meist.)

Es war schön, die Schüler arbeiten zu sehen. So stelle ich mir das vor als Lernender. Gut angekommen sind auch die Bibliothek (“sollte man schon viel früher damit arbeiten”) und die kommentierten Lektürelisten zur Abiturvorbereitung, die die Q12-Lehrer vor einiger Zeit ausgeteilt hatten. Bis zum Ende des Schuljahrs müssen wir eine aktualisierte Fassung machen und bereits an die 10. und 11. Jahrgangsstufe austeilen.

Informationen zur Lernförderung im Rahmen des Bildungspakets für hilfebedürftige Kinder

Neulich kam ein Schreiben mit “Informationen zur Lernförderung im Rahmen des Bildungspakets für hilfebedürftige Kinder” an die Schulen. Es gibt jetzt ein Formblatt, mit dem wir Förderungsbedarf bestätigen können (regulär dann, wenn das Vorrücken mindestens gefährdet ist und das nicht auf eigenem Verschuldem beruht), und danach kann dann das Jobcenter oder die Stadt den Nachhilfelehrer bezahlen.

Ich frage mich manchmal, wie viele Kinder aus Familien mit, sagen wir, Harz-IV-Unterstützung in unseren Klassen sind. Ein Beitrag im Reliblog hat mich auf eine Statistik verwiesen: bundesweit sind es 20,2 Prozent, in Bayern 7,4 Prozent. (Andere Zahlen hier da sind es 16%.) Das sind mehr, als ich gedacht hätte. An meiner Schulart (dem Gymnasium) sind es sicher weniger, wie man seit PISA weiß, aber einige müssten schon dabei sein. Dafür sind wir dann schon großzügig, was etwa Lektüregeld oder Taschenrechner oder Ausflüge betrifft. Für die meisten Eltern ist das finanziell auch kein Problem, und wenn da Einwände kommen, geht es manchmal eher ums Prinzip. Aber zehn Euro hier und fünf Euro da sind bei Harz IV eine Menge.

Achim von Arnim, Isabella von Ägypten, Kaiser Karl des Fünften erste Jugendliebe

Der Wagen stand vor der Türe, alle saßen darin […]; und die sonderbare Gesellschaft, eine alte Hexe, ein Toter, der sich lebendig stellen musste, eine Schöne aus Tonerde und ein junger Mann, aus einer Wurzel geschnitten, saßen in feierlicher Eintracht, hegten große Gedanken vom Glück des Lebens, das sie eben zu begründen fuhren, von Schätzen, Heldentaten und Biergeldern, auf die der Bärnhäuter bei dieser Festlichkeit ungemein rechnete.

“Die romantische Schule” von Heine hat mich darauf gebracht: Achim von Arnim, “Isabella von Ägypten, Kaiser Karl des Fünften erste Jugendliebe.” Es macht Spaß, mal abseits der üblichen Unterrichtsnovellen zu lesen.

Die Geschichte ist aber auch wirklich zu abstrus. Die Zigeunerprinzessin Isabella besetzt ein Haus, indem sie sich als Geist ausgibt und den späteren Karl V (Karl I von Spanien) vertreibt, sich aber in ihn verliebt. Daraus wird aber erst mal nichts, also gräbt sie sich eine Alraunwurzel aus (unter ihrem toten Vater am Galgen), zieht ihn wie ihr Kind groß, was rasend schnell geht, worauf sich der Alraun in sie verliebt. Ein echtes schatzsuchendes Gespenst wird in Dienst genommen und kriegt einen neuen Leib. Dann kommt es doch noch zu einer Liebesnacht mit Karl, von Bella wird ein Golem-Doppelgänger erzeugt, und es kommt zu einigem Hin und Her zwischen Bella, dem Golem, Karl und dem Alraunmännlein (namens Cornelius Nepos, er möchte gern Feldmarschall werden). Die letzten zwanzig, dreißig Seiten ziehen sich dann aber. Insgesamt: recht märchenhaft grotesk, die Geschichte, mit einigen Schwank-Elementen.

Studiumschnuppern an der Uni

Am Montag bis Mittwoch können wie in den Jahren zuvor auch schon Schüler im Rahmen eines “Probestudiums Informatik” Studienluft schnuppern, es gibt Vorlesungen für sie und Workshops. Die Vorlesungen in diesem Jahr:

  • Prof. Dr. Hans Jürgen Ohlbach: “Paralleles Programmieren für moderne Multicore-Prozessoren”
  • Prof. Dr. Volker Heun: “Bioinformatik oder: Über Pfannkuchen bei Bill Gates bis Futurama”
  • Martin Werner: “Ubiquitous Computing: Informatik im Alltag”

Der Monopteros oben? Die Vorlesungen sind im Hauptgebäude der LMU (Haltestelle: Universität), die Workshops im Informatikgebäude (Haltestelle: Tivolistraße). Beide Stationen kenne ich, zu ihnen fahre ich von meiner nächstgelegenen Haltestelle jeweils in verschiedene Himmelsrichtungen los. Um so überraschter war ich, als die Landkarte zeigte, dass man vom einen Ort zum anderen bequem zu Fuß in zehn Minuten laufen kann – quer durch den Englischen Garten. Mein Orientierungsvermögen ist nicht so besonders.

Viel Zeit verbringen die Schülerinnen und Schüler in den Workshops. Angeboten werden in diesem Jahr:

  • 3D-Programmierung mit VPython
  • Handy-Programmierung Android
  • Technische Informatik, Betriebssysteme und IT-Sicherheit

Und was sind das für Schülerinnen und Schüler? Erst mal: es sind viele. Sie sind freiwillig da. Und sie haben alle keine Angst vor Computern. Mitgehörten Gesprächsfetzen entnehme ich, dass wir uns um die zukünftige IT-Generation gar nicht so viel Sorge machen müssen.

Am LMU-Informatikgebäude wird gerade viel gebaut. Deshalb sieht es vor den Computerräumen – im Kellergeschoss – auch tatsächlich ein wenig so aus wie bei The IT Crowd:

Es ist schön zu sehen, wenn Schüler gerne und selbstständig arbeiten. Warum kann denn Schule nicht so sein? Zum einen, weil Schule das ganze Jahr über ist statt Ausnahmesituation. Zum anderen, weil in der Schule keine Freiwilligen sitzen. (Beides ist auch anders denkbar, wäre aber eine äußerst große Umstellung.) Der Staat – hoffentlich im Auftrag der Gesellschaft – möchte, dass Schüler in vielen Bereichen gebildet werden, auch wenn die Schüler das nicht wollen. (Oder können die Schüler das dann doch als Erwachsene nachholen?) Und schließlich: weil ein Schnupperstudium/-praktikum in anderen Fächern nicht so funktionieren würde. Ich glaube wirklich, dass Informatik da anders ist als andere Fächer. Vorlesungen in Germanistik, Religion, Wirtschaft, Mathematik, Chemie, jeweils mit einem praktischen Teil? Der praktische Teil am Programmieren macht den Unterschied. “Code is poetry”, richtig, aber anders als bei anderen Formen der Poesie kriegt man bei Code sofort Rückmeldung, ob etwas funktioniert oder nicht. Der praktische Teil bei der Literaturwissenschaft bedeutet: Lesen und mit Leuten darüber reden. Das geht schwerer.

osterferienreif

Dieses vorgezogene G9-Abitur ist eine Belastung für alle Lehrer. Dementsprachend blank liegen auch Nerven im Lehrerzimmer. Unterstützung durchs Kultusministerium: null. Gleichzeitig: zwei Klausuren in der Q11, Zweitkorrektur Leistungskurs im K13-Abitur, schriftliche und mündliche Abiturprüfungen von Externen – so geht es nur mal mir. Normalerweise schafft man das, in dem man seine sonstigen Arbeiten in anderen Klassen auf andere Termine verlegt. Zum Beispiel zwischen Ostern und Pfingsten, nur dass da das ganze Spiel mit dem G8-Abitur noch einmal wiederholt wird.

Schülermails in der letzter Zeit schwanken zwischen kommentarlosen Anhängen und ausführlichen Botschaften. Merke: Wenn man mit “Sehr geehrter Herr Rau” anfängt, hört man “mit freundlichen Grüßen” auf; wenn man mit “Lieber Herr Rau” anfängt, schließt man mit: bis morgen, herzliche Grüße, viele Grüße, schöne Grüße. Und jeweils umgekerht. Wer sich nicht traut, das Wort “Lieber” zu verwenden, nimmt dann halt: “Hallo”. Ich hätte mir als Schüler auch eher den Arm abgebissen als “lieber” zu schreiben, auch wenn die Lehrer das immer so wollten. (Bei Musterdankesbriefen an Onkels oder Tanten.)
– Und das alles sollte eigentlich eine Einleitung sein, um einen Blogeintrag von Lothar zu verlinken, der einen schönen Formbrief für kommentarlose Anhänge vorstellt. Leider ist der Blogeintrag verschwunden, jetzt hänge ich etwas in der Luft. Wenn er nochmal erscheint, verlinke ich ihn.

War heute in Buchhandlung, nach was Hübschem zum Nichtengeburtstag suchen (2 Jahre). Zum einen: schön, auch mal nicht in der Vorweihnachtszeit nach so etwas zu suchen. Ist viel leerer. Aber: die meisten Bilderbücher, die ich gesehen habe, habenn mir nicht gefallen. Und zwar allein schon mal und vielleicht vor allem das Layout und die Typographie der Titelbilder. Das sieht so aus, als hätte ich das gemacht: Irgendein langweiliger bunter Zeichensatz, gut gemeinte Verteilung über die Seite. Ich kann es vorerst nicht besser beschreiben als: so hätte ich das auch gemacht, und mir gefallen meine typographischen Experimente nicht besonders. Hab’s auch nie gelernt. Ich weiß, dass es auch anders geht, weil ich schöne Kinderbücher kenne. Aber sie hatten keine davon da.

Ansonsten: kaum ist das mit dem Sperren von Kinderpornographieseiten vom Tisch, kommt der nächste Versuch: außerdeutsche Glücksspielseiten sollen von Deutschland aus nicht mehr erreichbar sein. Lesen: Indiskretion Ehrensache und den schlicht “Lügner” betitelten Eintrag im Lawblog. Es geht nicht und ging nie um Kinderpornographie, sondern um die prinzipielle technische Möglichkeit, deutschen Internetbenutzern bestimmte Seiten sperren zu können. Glücksspiele; Killerspiele; urheberrechtlich Bedenkliches – auch wenn das im Ursprungsland legal ist. Das ist konsequent und verständlich, aber trotzdem falsch. Mich selbst betrifft das zum Beispiel so: bei Project Gutenberg gibt es jede Menge Material, das in den USA gemeinfrei ist, in Deutschland aber noch geschützt ist. (So ist das Urheberrecht halt.) Ich möchte trotzdem auf Project Gutenberg zugreifen können. “Ich möchte” ist natürlich kein Argument gegen einen bestehenden rechtliche Lage.

In der Lehrerrundmail gefunden: Audiogames. Zum Beispiel ein Autorennspiel mit schwarzem Bildschirm – man hört nur den Motor, die Straße, die anderen Autos und eine manchmal ruhige, manchmal fast hysterische Stimme “easy left”, “right” oder “RIIIIGHHHT!!!!” sagen. Auch das Menü ist audio only. Es gibt aber auch Adventures und viel mehr, habe bisher nur ein paar ausprobiert.

Ach ja, und wenn man sein Google auf Englisch stellt, kann man als Suchkriterium einen Schwierigkeitsgrad für dei Sprache der gesuchten Seite angeben: Beginner, Intermediate oder Advanced. Außerdem kriegt man angezeigt, wieviel Prozent der gefundenen Seiten auf welchen Schwierigkeitsgrad entfallen. Der Wunschtraum für Englischlehrer: man sucht einen Text zu einem Thema und mit einem gegebenen Schwierigkeitsgrad. Ich habe ein bisschen experimentiert, die Ergebnisse haben mich aber noch nicht überzeugt. Einstieg zum Thema bei lifehacker.

(Und nächstes Jahr fahre ich vielleicht auch auf die re:publica, wenn sich das schulisch machen lässt. Als Fortbildung oder so.)

Bist auch du ein 98-Seiten-Schwächling?

Tom Jones, eines der witzigsten Bücher, das ich kenne, ist 260 Jahre alt und schon deshalb werden viele Leute nicht an diesem Vergnügen teilhaben können – selbst wenn sie witzige Bücher mögen und Englisch können (oder zur deutschen Übersetzung greifen könnten). In der Schule merke ich, wie schwer es Schülern fällt, die Sprache von Faust zu verstehen oder von Gottfried Keller. Lange Sätze, ungewohnte Syntax, unbekannte Wörter, unerwartete Gedanken. Das ist völlig verständlich, aber wenn man nicht lernt, diese alten Bücher zu lesen, entgeht einem eine ganze Menge.

Man lernt das nur durch Üben.

Meiner 9. Klasse habe ich neulich die berühmte Charles-Atlas-Reklame mit dem 97-pound weakling gezeigt. Die kenne ich aus meinen amerikanischen Comics der 1970er Jahre. Zitiert wird sie auch aus der Rocky Horror Picture Show, wo Frank N. Furter den Atlas-Slogan doppeldeutig übernimmt “(In just seven days) I can make you a man”. Die berühmteste Fassung: ein 97-Pfund-Schwächling kriegt am Strand Sand ins Gesicht, kann sich gegen den Bully aber nicht wehren, worauf sich sein Mädchen von ihm abwendet. Die Lösung: Krafttraining mit Charles Atlas, dann kann man sich das Mädchen zurückholen.

Dass Bodybuilding nur mit Training geht, ist jedem klar. Fürs Lesen gilt das ebenso. Deshalb habe ich die Atlas-Werbung erweitert auf einen 98-page weakling hin:

An der Typographie müsste man natürlich noch arbeiten, die Sprechblasen müssten handgelettert sein, die Farbtöne sollten zusammenpassen und der Text insgesamt mehr der ursprünglichen Reklame ähneln. Das ist jetzt mal ein erster Entwurf, vielleicht komme ich mal zu einem zweiten. Und 300-Wort-Sätze sind wirklich sehr selten, sollten es 300-Zeichen-Sätze sein?

Und dann als Poster in die Schulbibliothek, versteht sich.

Wie viele Leser hat dieses Blog?

Manchmal schaue ich täglich in meine Statistiken, manchmal zwei Wochen lang gar nicht. Aber natürlich habe ich sie im Auge, und natürlich frage ich mich gelegentlich, wie viele Leute eigentlich dieses Blog lesen. Es sind wohl weniger, als man denkt – für ein Lehrerblog lesen viele Leute mein Blog, aber das ist kein Vergleich zu richtig bekannten Blogs.

Das Zählen von Besuchern ist außerdem nicht so leicht. Man kann einmal die Anfragen zählen, die an den Server geschickt werden. Wie oft wird der Server gebeten: “Schicke mir die Seite www.herr-rau.de/wordpress” oder auch nur “Schicke mir folgendes Bild”? Diese Zahl an Anfragen ist sehr hoch. Allerdings bestehen diese Anfragen zu einem Großteil aus Bots der Suchmaschinen, also zum Beispiel aus kleinen Google-Robotern, die ständig durchs Web purzeln und einem bereits bestehende Link zu mir folgen. So behält Google nämlich den Überblick, was wo ist, und legt den PageRank einer Seite fest, der eine entscheidende Rolle dabei spielt, wie weit oben eine Seite in den Suchergebnissen von Google erscheint. Bloße http-Anfragen zu zählen bringt also wenig.

Aber man kann Besucher zählen, die auf die Seite kommen und dort ein bisschen verweilen. Ab wieviel Sekunden zählt das als echter Besuch? Und: wenn ein Besucher mehrere Seiten betrachtet, zählt das dann als ein Besuch oder mehrere? (Einer, meistens.) Wo man da Grenzen festlegt, das ist von Besucherzählprogramm zu Besucherzählprogramm verschieden. Ich kriege an Wochentagen etwa 800–900 solcher Besucher laut dem einen Programm, zweihundert mehr laut dem anderen. In den Ferien sind es deutlich weniger. Aber auch hier: ein guter Teil dieser Besucher kommt durch eine Suchmaschine auf irgendeine alte Seite von mir und bleibt dort 10 Sekunden und geht dann wieder. Zählt das als Leser?

Andererseits: viele Leser schauen nicht täglich auf meine Seite. Manche vielleicht fast nie, nämlich die, die mein Blog über einen Feedreader abonniert haben und allenfalls zum Kommentieren mal vorbeischauen. Also fragen wir mal: wie viele Leute haben mein Blog mit einem solchen Reader abonniert?
Auch das kann ich nicht herausfinden, aber ich kann sagen, wie viele Leute das mit dem Google Reader getan haben: 344 sind es erst einmal laut Google. Zumindest kriegt man diese Zahl, wenn man im Reader “Abonnement hinzufügen” anklickt und nach einem Blog sucht. Tatsächlich ist das nur der Hauptfeed der Seite, es gibt parallele Feeds in anderen Formaten (Atom zum Beispiel), die laut Google-Webmaster-Statistik noch einmal 150 Abonnenten ausmachen, so das ich auf knapp 500 Google-Abonnenten komme. Das sind dann doch viel mehr, als ich gedacht hätte, auch wenn da Mehrfachabonnements oder vergessene Accounts dabei sein mögen. So richtig viele sind es aber immer noch nicht: der Teacher und Frau Freitag haben noch deutlich mehr.

Nachtrag, nur zur Sicherheit: Ich wollte weder groß angeben mit meinen Zahlen, wie hoch die doch sind, noch jammern, dass sie so klein sind. Sondern einfach informieren, weil ich in den letzten Wochen zweimal explizit gefragt wurde.

Arbeitswoche

1.
Arbeiten dieser Woche: Zusammentragen der Schüler für die Tanzkurse der 8. Klassen. Das läuft so ab, dass ich von der Tanzschule mögliche Termine kriege, dann laufe ich zu den Schülern und lasse Listen herumgehen, wer wann Zeit und Lust hat. Das ist bei sechs achten Klassen ziemlich anstregend. Deren Klassenzimmer kenne ich schon auswendig, aber natürlich sind sie oft in anderen Räumen – ich schaue halt zu, dass ich zum Beispiel vor der ersten Stunde oder nach der Pause mit neuen Listen oder Fragen dort auftauche. Immerhin sieht man dann, wie, äh, viele Lehrer, um, erst nach mir, uh, dort erscheinen. Das Organisatorische is deshalb so umständlich, weil es zwei Termine gibt und zu jedem Termin gleich viele Schüler, und jeweils gleich viele Jungen und Mädchen sein sollten.

Ich weiß, mit Moodle ginge das leichter, oder mit Doodle. Aber so weit sind wir halt leider noch nicht.

2.
Ansonsten habe ich die Abitur-Zweitkorrektur für den Leistungskurs beendet, jetzt liegen noch eine halbfertige Q12-Klausur Deutsch und eine noch ganz unbearbeitete Q12-Klasuur Informatik herum. Im Moment haben die meisten Lehrer bei uns viel mit Abitur und Klausuren zu tun; wenigstens habe ich diesmal nichts mit dem Colloquium zu tun.

Wenn einer der aktuellen G9-Abiturienten nicht besteht, darf er ausnahmsweise zum Ende der Sommerferien die Prüfung wiederholen. Denn der regulär nächste Termin – nächstes Jahr – wäre ja ein G8-Abitur. Allein deshalb dürften ziemlich wenige Schüler nicht bestehen; viele sind es ohnehin nie.
Die Regelung gilt leider auch für externe Prüflinge. Extern darf man sich anmelden, wenn man glaubhaft macht, dass es einem ernst damit ist. Typisch sind Schüler von Waldorfschulen oder Schüler, die irgendwann aus dem staatlichen Schulsystem geflogen sind; selten gibt es Schüler, die es freiwillig verlassen haben, obwohl das natürlich denkbar ist.
Vorbereitet werden manche dieser Schüler von darauf spezialisierten Instituten. Da gibt es sicher auch Qualitätsunterschiede. Der Aufwand für die prüfenden Schulen und Lehrer interessiert übrigens niemanden.

3.
Ich kann mich noch an meine Zeit in der Oberstufe erinnern, kurz vor dem Abitur. Manche Fächer interessierten mich, andere weniger. Meinen Tagebuchnotizen entnehme ich, dass ich wohl auch das eine oder andere Mal ins Café gegangen war statt in den Unterricht. Aber wenn ich im Unterricht war, habe ich immer mindestens mit einem Ohr mitgehört. Klar, war kostenlos und etwas Neues.

Das erwähne ich deshalb, weil – das höre ich aus verschiedenen Schulen und von verschiedenen Fächern – im G8 mehr Klausuren leer abgegeben werden als früher. Im letzten Semester ist klar, welche Semesterleistungen fürs Abitur zählen und welche nicht. In diesen Semestern muss man 1 Punkt haben, damit der Kurs als belegt gilt, aber für den Abiturschnitt spielt die Leistung keine Rolle. (Sie steht allerdings auf dem Zeugnis.) Also geben Schüler, wenn sie sich dieses einen Punktes sicher sind, die Klausur leer ab. Das kann ich verstehen, hätte das selber aber nicht so gemacht. Gelernt hätte ich zwar nicht, aber mitgeschrieben hätte ich immer, schon mal für die Zeugniskosmetik, aber vor allem aus anderen, schwieriger herauszufindenden Gründen.
Wenn das Kosten-Nutzen-Rechnen wirklich nur noch den Blick aufs Abitur zulässt, hat ein Schüler im Unterricht eigentlich nichts mehr verloren. Soll ein Schüler dann im Kurs sitzen und Däumchen drehen? In der Ecke sitzen und fürs Abitur in anderen Fächern lernen? Zu Hause bleiben, nicht erscheinen? Hat jemand Lösungen?

Schönes und Schauriges

Schönes:

Die Erzieherin lässt sich fallen.

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(Aus dem Blog der Karl-Weise-Grundschule in Berlin, zum Abonnieren empfohlen.)

Schauriges:

Und dann ist da die Sache mit dem Kaninchen. Die Kurzfassung: im Rahmen eines Steinzeitwoche-Projekts wurde in einer 5. Klasse vor den Augen der Schüler und Schülerinnen in der Schule ein Kaninchen geschlachtet und ausgenommen. Am Tag darauf wurde es dann gegrillt und gegessen. Die Teilnahme war freiwillig. Elternproteste; muss das denn sein; muss das denn in der Schule sein; muss das denn in der Schule vor Fünftklässlern sein; Beschwerden am Ministerium usw. usw. Details und Links zu Zeitugnsartikel bei Jan-Martin Klinge, der im Halbtagsblog einen Blogeintrag dazu geschrieben.

Was ich hier loswerden will:

1. Schönes Thema für die “Begründete Stellungnahme”, die erste argumentierende Textsorte in der 7. Klasse. Gestern gleich dazu genutzt.

2. Schönes Thema für den Kommentar als eine etwas exotische Schulaufgaben-Textsorte in der 9. Klasse. Die üblichen Erörterungen langweilen mich und die Schüler und haben auch keine Entsprechung in der Welt außerhalb der Schule. Vielleicht sind sie trotzdem das beste Format, um argumentieren zu üben, aber vielleicht geht das auch mit dem Kommentar, den ich deshalb das erste Mal ausprobiere. Im G8 sind wir ja gehalten, solche neuen Textsorten einzusetzen. Ein Vor- oder Nachteil des Kommentars ist, dass man das Thema nicht so ganz genau festzurren kann. Im Prinzip ist das so, dass man ausgehend von einer Meldung – der Kaninchenschlachtung – einen Kommentar dazu schreibt, der in verschiedene Richtungen gehen kann: neue (oder eigentlich schon hundert Jahre alte) Lehrmethoden; die Frage, wieviel Brutalität Kindern zugemutet werden darf; überempfindliche Mütter oder sadistische Lehrer; das Verhältnis von Mensch und Tier. Der Kommentar kann so verschieden werden wie ein Blogeintrag, weshalb ich Jan-Martins verlinkten Blogeintrag den Schülern zum Anschauen und Analysieren vorsetzen werde.

3. Einige Schüler hatten eine Unterschriftenaktion gestartet, um das Tier zu retten, die aber nichts am vorgesehenen Projektausgang änderte. Auch das eine Lernsituation: eine Unterschriftenaktionen macht nicht immer alles gut.

4. Die Neuntklässler sagen, in der 7. Klasse ist man noch zu jung für so etwas. Die Siebtklässler sagen, in der 5. Klasse ist man zu jung dafür. Die Erwachsenen sagen, in der Schule ist man zu jung dafür.

5. Den Zeitungsartikeln nach wurden die Eltern nicht über die Schlachtung informiert. Das klingt wirklich ungeschickt. Andererseits kann ich mir nicht vorstellen, dass Eltern nichts von Unterschriftenaktion und bevorstehender Schlachtung erfahren haben. Reden die Kindern denn nicht mit ihren Eltern? (Nachtrag: wie erwartet, die Eltern wurden informiert. Aber ohne die Unterschrift der Eltern einzuholen. Jetzt wird diese Nachlässigkeit zum billigen Angriffspunkt, damit man sich nicht mit schwierigeren Fragen auseinandersetzen muss.)

6. Kinderschutzbund und Elternvertreter sind empört. In Lehrerforen zählt man bis zu 16 Ausrufezeichen am Stück. (Einself, anybody?) Ich habe einige der Kommentare für die Siebtklässler herausgesucht als Beispiel dafür, wie man nicht argumentiert.

7. Das zuständige Ministerium (in Schleswig Holstein) folgt natürlich den Elternprotesten und hält das Schlachten für keine gute Sache. Mein Respekt für die Schule – als Schüler ist es in Ordnung, auch mal einen Verweis zu riskieren, wenn es sich wirklich lohnt; als Lehrer muss man es aushalten, dass Eltern nicht mit allem einverstanden sind, und darf auch mal von der Schulleitung geschimpft werden, wenn es sich wirklich lohnt; und als Schulleitung-Schule muss man etwas Druck von Eltern und Ministerium aushalten können und auch mal in Kauf nehmen, dass man in die Zeitung kommt – selbst wenn das Ministerium das scheut wie der Teufel das Weihwasser.

Aber keine Sorge, bei uns kann so etwas jedenfalls nicht passieren.