Unser Sexualleben

Ich finde alte Bücher spannend. Und sie sollten unbedingt in Bibliotheken bewahrt werden. Bibliotheken gibt es in verschiedener Form. Schulbibliotheken zum Beispiel enthalten Standard-Nachschlagewerke und aktuelle Bücher, die Appetit auf Lesen machen, und wissenschaftliche Werke, wie es sie im Web nicht oder noch nicht gibt. Ein Band mit Aufsätzen zu Nathan enthält mehr Tiefe, als ein Schüler oder Lehrer je im Web finden wird.

Nicht in Schulbibliotheken gehören dagegen veraltete oder reizlose Bücher. Ein Beispiel für ein überholtes Buch, auch wenn es noch gewisse Reize hat, ist: Unser Sexualleben. Ein Ratgeber für Eltern und junge Menschen von Dr. med. F. Clausnizer, Regierungsmedizinalrat. Fackel-Bücherei Band 68, 1968.

Wenn sich so etwas noch in einer Schulbibliothek fände, das wäre doch zum Lachen. Vor allem, wenn das auch noch in dreifacher Ausfertigung vorhanden wäre.

Sexualkundebücher gehören sehr wohl in die Schulbibliothek. Und in diesem Buch steht sicher auch manches Richtige. Aber trotzdem wäre etwas Aktuelleres geeigneter. Ein paar Ausschnitte:

“Die Homosexualität”

Immerhin: “Die Neigung zur Homosexualität, also zur sexuellen Betätigung zwischen Partnern gleichen Geschlechts, kann angeboren sein.” Wenn man dann auf andere, “ebenfalls fehlentwickelte” Personen stoße, “so ist die Gefahr einer Verbindung gegeben.” Psychotherapeutische Behandlung helfe da nur manchmal, also müsse man “die Eigenart” dieser Menschen akzeptieren. (Solange sie die Finger von Jugendlichen ließen.)
“Von der schicksalsmäßig bedingten, vielleicht sogar ererbten Anlage” müsse man diejenige Homosexualität trennen, die Folge einer “frühkindlichen Fehlentwicklung und deren späteren erneuten Bestätigung im Pubertätsalter” sei. Diese entstehe gerne mal im Zuge eines nicht aufgelösten Ödipuskonflikts. Aber da könne eine psychotherapeutische Behandlung durchaus Erfolg haben.

“Grundsätze für die Partnerwahl” (im Rahmen der Ehevorbereitung)

1. Die Intelligenz der Partner sollte in etwa gleichmäßig ausgeprägt sein.
2. Die Bildung sollte keine zu großen Unterschiede aufweisen.
3. Eine ähnliche Problematik wie auf familiärem und bildungsmäßigem Gebiet ist im Raum zwischen den verschiedenen Rassen, den Religionen und sogar zwischen den Konfessionen gegeben.

Männer sollten erst in einem Alter von 24 oder 25 Jahren heiraten, der menschlichen Reifung wegen, und auch die “Sicherung der für eine Familie auskömmlichen Existenz nimmt die Jahre zuvor ganz in Anspruch.” Bei Frauen ist es in Ordnung, wenn sie etwas jünger sind, vor allem, “wenn es sich um eine Partnerschaft handelt, in der der Mann eine eindeutig überlegene Lebenserfahrung besitzt und seiner Gefährtin Zeit und Bewegungsfreiheit zur Reifung läßt.”

“Das Fortpflanzungsgeschehen”

Nix da, mir hat nur die Überschrift so gut gefallen.

– Weitere Bände aus der Reihe Die Fackel-Bücherei sind: Ich liebe und heirate, Ich rechne schneller und Ich bin ein guter Gesellschafter. Was mag wohl Ich kenne alle Getränke sein? Hier eine vollständige Liste.

Na, wie geht’s uns denn so? (Clients and Servers.)

Ingo hat bei sich den Moodbear vorgestellt, mit dem man nonverbal seine Stimmung nach außen signalisieren kann, falls Mimik und Körperhaltung dazu nicht ausreichen. So etwas ähnliches hat ein unterbeschäftigter Informatik-Oberstufenschüler (leider nicht an meiner Schule) entworfen. Es handelt sich dabei um zwei Python-Skripte. Eines davon ist der Client: der schickt Anfragen oder Nachrichten an einen Server, der diese dann der Reihe nach abarbeitet und eventuell Informationen zurückmeldet. In der Regel kommen auf einen Server viele Clients, die unabhängig von einander mit dem Server kommunizieren.

Im Computerraum startet man auf jedem Schülerrechner den Client. Dann taucht zum Beispiel rechts unten am Bildschirm dieses Fensterchen auf:

Text und Farbe und Anzahl der Buttons und deren Beschriftung kann man natürlich verändern. Der Schüler drückt, sagen wir, den grünen Knopf, wenn es ihm gut geht, den gelben, wenn er sich langweilt und den roten, wenn er sich ärgert.

Auf dem Rechner des Lehrers startet man den Server. Das sieht dann so aus:

Man sieht die zuvor gestellte Frage und die Gesamtzahl der Antworten, also wie viele Schüler sich für welchen Knopf entschieden haben. Das kann man für Abstimmungen benutzen oder dafür, welche Stimmung gerade in der Klasse herrscht, oder um zu sehen, wie viele Schüler gerade an welcher Aufgabe arbeiten oder mit welcher Teilaufgabe bereits fertig sind. Wenn sich Schüler umentscheiden, werden die neuen Zahlen sofort beim Lehrer angezeigt.

(Ist in Python geschrieben, das bei uns im Computerraum installiert ist. Könnte man so ähnlich auch in Java machen.)

– Diese Client-Server-Struktur ist Stoff in der Q12 in Informatik. Man findet sie zum Beispiel bei Anfragen an einen Webserver, wo ein Client (ein Webbrowser) über ein bestimmtes Protokoll (etwa http oder https) Anfragen an einen Webserver schickt, der daraufhin damit reagiert, dass er den HTML-Text der angeforderten Seite zurückschickt.

Dazu müssen sich Client und Server erstens über eine gemeinsame Sprache einig sein, also darauf, welche Art Anfrage des Clients welche Reaktion des Servers nach sich ziehen soll. Diese Sprachen heißen Protokolle. Nach dem hypertext transfer protocol (http) sieht eine Anfrage an den Server zum Beispiel so aus:

GET /wordpress/ HTTP/1.1
Host: www.herr-rau.de
<Leerzeile>

Da hilft es nichts, wenn man stattdessen sendet “Dear www.herr-rau.de, please send me: /wordpress/”. Wenn man die falsche Sprache – das falsche Protokoll – benutzt, versteht der Server nur Bahnhof. Als Benutzer muss man diese Zeilen eigentlich nie eingeben, die Verbindungsaufnahme und das Versenden der http-Nachricht übernimmt der Browser für einen. Man kann aber, wenn man möchte, auch in einem Terminal zuerst eine Telnet-Verbindung zum Webserver aufbauen und dann von Hand die http-Anfragen stellen.

– Auch das Programm von oben benutzt ein Protokoll. Wenn der Client dem Server eine Nachricht schickt, muss das in einer bestimmten Form geschehen, damit der Server weiß, was damit gemeint ist. Nur ist dieses Protokoll halt nicht standardisiert, sondern vom Softwareentwickler für seinen Zweck angelegt.

Zweitens muss der Client die Adresse des Servers kennen. Die besteht aus der IP-Adresse des Rechners, auf dem das Serverprogramm läuft. Da man die IP-Adresse in der Regel nicht auswendig weiß, gibt man stattdessen die Web-Adresse des Rechners an, also www.herr-rau.de, und dann wird automatisch in einem Internet-Telefonbuch (DNS) gesucht, welche IP-Adresse zu diesem Namen gehört. (Siehe: Die Maus erklärt das Internet.)
So ein Rechner hat in der Regel mehrere Kanäle, auf denen er nach Anfragen der verschiedenene Art lauscht. Diese Kanäle heißen ports, einige davon sind standardisiert. An Port 80 sendet man zum Beispiel standardmäßig http-Anfragen, und auf Port 80 lauscht ein Webserver nach eben diesen Anfragen, um sie zu beantworten. Kommen mehr Anfragen, als der Server nach und nach beantworten kann, dann ist der überlastet und kann nicht mehr reagieren. Als Angriff auf einen Server heißt das dann DoS-Angriff – denial of service, wenn der Server mit so vielen Anfragen bombardiert wird, dass er kapituliert.

Damit Client A eine http-Anfrage an Server B stellen kann, muss vorher eine Verbindung zwischen Rechner A und Rechner B hergestellt worden sein. Diese Verbindung kann man sich vorstellen wie ein langes Kabel, das – zugegeben, vermittelt durch viele Zwischenstationen – zwischen A und B gespannt ist. Diese Verbindung wird nach dem Protokoll TCP (transmission control protocol) aufgebaut.
Es gibt noch ein weiteres Protokoll, mit dem Client A mit Server B in Kontakt treten kann, das Protokoll UDP. Dieses Protokoll ist verbindunglos und eher einem Brief vergleichbar, den man aufgibt und von dem man hofft, dass er schon ankommen wird. Tut er auch meist, aber bei UDP kann es sein, das zwischendrin ein paar Teile verlorengehen, anders als bei TCP. Bei Echtzeit-Videoübertragungen macht es vielleicht weniger aus, wenn zwischendurch ein paar Bilder fehlen, als dass der Video hängt, weil man auf den nächsten Teil wartet.
Anfragen mit http sind übrigens nur möglich, wenn vorher eine Verbindung hergestellt wurde, also über TCP. Andere Anfragen können auch über UDP laufen.

– Auch die Clients des Programms von oben brauchen die IP-Adresse des Servers. Allerdings geschieht hier die Kommunikation diesseits des Routers, der all diese Rechner mit dem Internet verbindet. Das sind dann lokale IP-Adressen, die nur auf dieser Seite des Routers gelten, und die vom Router vergeben werden – entweder wechselnd oder fest. Die Welt draußen kennt nur die von der Telekommunikationsgesellschaft zugewiesene und häufig wechselnde IP-Adresse des Routers; innerhalb des Router-Heimnetzes hat dann jeder Rechner seine eigene lokale IP-Adresse, meist 192.168.0.xxx oder 192.168.2.xxx oder so ähnlich.
Diese LAN-interne IP-Adresse gibt man bei dem Programm in eine Konfigurationsdatei ein, ebenso den gewünschten Port. Das sollte irgendeiner sein, der nicht standardmäßig einem bestimmten Protokoll zugewiesen ist.

Und leider, leider funktioniert das Programm bei uns an der Schule nicht. Genauer: die Rechner können keinen Kontakt zwischen einander herstellen, obwohl die IP-Adresse korrekt ist und ich einen geeigneten Port eingegeben habe. Das habe ich in der Q12 mit einem selbst geschriebenen Java-Chatserver auch schon gemerkt. Weder TCP noch UDP funktionieren; ich vermute, dass der Router einfach keinen Nachrichtenaustausch zwischen den einzelnen Rechnern erlaubt, sondern nur zwischen dem Rechner und dem gemeinsamen Fileserver. Der Systembetreuer weiß schon Bescheid, er will sich darum kümmern. (Ich halte es für kein ernst zu nehmendes Problem, dass findige Schüler dann ihre eigene Client-Server-Struktur aufbauen und mittels kleiner Java-Programme miteinander während des Unterrichts Verbindung aufnehmen könnten.)

Nathan in XML

Ich vertrat mal eine Klasse, die eigentlich Nathan der Weise lesen sollte, in der die Lehrkraft aber erkrankt und die Lektüre noch nicht da war. Langsam eilte es ein wenig, fand ich, deshalb gab ich den Schüler erst einmal eine digitalisierte Nathan-Version für die Lektüre zu Hause und für den Computerraum, in dem ich meine Vertretungsstunden halte, wann immer das möglich ist.

So einfach ist das aber nicht mit der digitalen Fassung. Denn die Datei sollte ausdruck- und veränderbar sein und eine korrekte Verszählung aufweisen – Nathan besteht in der verwendeten Fassung aus 3849 Versen. Wie kriegt man das mit der Verszählung hin?
Wenn man sich mit der automatischen Zeilennummerierung von solchen Programmen nicht auskennt, benutzt man dazu gerne mal Tabellen: zweispaltig, mit einer breiten Spalte rechts für den Text und eine schmale Spalte links für die händisch einzutragenden Zeilennummern. Das ist aber aufwendig und ungeschickt. Denn wenn ich rechts am Text etwas ändere oder die Spaltenbreite verändere, dann verschieben sich die Zeilennummern nicht mit, was für Prosatexte noch angehen mag, bei Verstexten aber Probleme macht.

Wer es sich einfacher machen will, benutzt dazu die automatische Zeilennummerierung; Leerzeilen, wenn man sie überhaupt verwendet, sollen dabei nie mitgezählt werden, alle 5 Zeilen steht am Seitenrand die laufende Zeilennummer, und gut ist.

So sieht in der Textdatei, die der Ausgangspunkt meiner Arbeit war, der Anfang von Nathan aus:

Erster Aufzug

Erster Auftritt

(Szene: Flur in Nathans Hause.)

Nathan von der Reise kommend. Daja ihm entgegen.

Daja.
Er ist es! Nathan! – Gott sei ewig Dank,
Dass Ihr doch endlich einmal wiederkommt.

Nathan.
Ja, Daja; Gott sei Dank! Doch warum endlich?
Hab ich denn eher wiederkommen wollen?
Und wiederkommen können? Babylon
Ist von Jerusalem, wie ich den Weg,
Seitab bald rechts, bald links, zu nehmen bin
Genötigt worden, gut zweihundert Meilen;
Und Schulden einkassieren, ist gewiss
Auch kein Geschäft, das merklich födert, das
So von der Hand sich schlagen lässt

Daja. O Nathan,
Wie elend, elend hättet Ihr indes
Hier werden können! Euer Haus…

Nathan. Das brannte.
So hab ich schon vernommen. – Gebe Gott,
Dass ich nur alles schon vernommen habe!

Mit Suchen/Ersetzen habe ich die vorhandenen Leerzeilen entfernt, die Überschriften habe ich mit einer Formatvorlage “Überschrift 2” beziehungsweise “Überschrift 3” versehen, ebenso den Absätzen, die nur aus Regieanweisungen bestehen, eine neuen Formatvorlage “Regieanweisung” zugewiesen. Alle diese drei Formatvorlagen erhalten als Merkmal, das Zeilennummern bei ihnen nicht mitgezählt werden. Außerdem wurde jedes “Nathan.” am Anfang eines Absatzes kursiv gesetzt, ebenso die anderen Namen; diesen Zeilen, wenn sie außer dem Namen nichts enthielten, wurde ebenfalls mit Suchen/Ersetzen das Format “Regieanweisungen” zugewiesen. Dann sieht das ungefähr so aus:

Erster Aufzug
Erster Auftritt
(Szene: Flur in Nathans Hause.)
Nathan von der Reise kommend. Daja ihm entgegen.
Daja.
Er ist es! Nathan! – Gott sei ewig Dank,
Dass Ihr doch endlich einmal wiederkommt.
Nathan.
Ja, Daja; Gott sei Dank! Doch warum endlich?
Hab ich denn eher wiederkommen wollen?

Das geschieht einigermaßen zuverlässig und automatisiert. Als Zeilen werden dabei nur die regulären, weder fetten noch kursiven, gezählt. Der Vorteil von Formatvorlagen: Ich kann alle auf einmal ändern. Wenn ich zum Beispiel möchte, dass Regieanweisungen fett statt kursiv erscheinen, muss ich nur die Vorlage ändern, und das wirkt sich dann auf alle entsprechenden Absätze aus.

Leider reicht das immer noch nicht. Es gibt nämlich das Stilmittel der Antilabe: dabei teilen sich zwei oder mehr Sprecher einen Vers, jeder spricht also nur einen Teil. Deswegen stellen die folgenden Zeilen auch 7 Verse dar, und nicht etwa 9 (die hier fett gedruckten Zeilen bilden jeweils zusammen einen Vers):

Und Schulden einkassieren, ist gewiss
Auch kein Geschäft, das merklich födert, das
So von der Hand sich schlagen lässt
Daja. O Nathan,
Wie elend, elend hättet Ihr indes
Hier werden können! Euer Haus…
Nathan. Das brannte.
So hab ich schon vernommen. – Gebe Gott,
Dass ich nur alles schon vernommen habe!

Zusammen bestehen dann jeweils zwei fett gedruckte Zeilen aus fünf Jamben – einem Vers. Also kriegen diese Zeilen – in meiner Vorlage glücklicherweise daran erkennbar, dass dem Sprechernamen keine eigene Zeile gegeben wird – eine Formatvorlage “Halbzeile” zugewiesen, für die gilt, dass sie bei der Zeilenzählung ignoriert wird.

Das war umständlich und erforderte bei allem gewitzten Suchen/Ersetzen dann doch noch manuelle Eingriffe. Keine Lösung gibt es für den Fall, dass ein Vers länger ist als eine Zeile, so dass am Seitenrand umbrochen und eine zusätzliche Zeile gezählt wird. Und es reicht mir eigentlich noch nicht. Am liebsten hätte ich zum Beispiel auch noch die Möglichkeit, alle Äußerungen Nathans in einer, die der Daja in einer anderen Farbe darzustellen.

Dazu bräuchte ich den Text zum Beispiel in einem XML-Format. Das könnte dann so aussehen:

<dialog>
  <sprecher person=Daja>
   <vers>Er ist es! Nathan! – Gott sei ewig Dank,</vers>
   <vers>Dass Ihr doch endlich einmal wiederkommt.</vers>
  </sprecher>
  <sprecher person=Nathan>
   <vers>Ja, Daja; Gott sei Dank! Doch warum endlich?</vers>
   <vers>Hab ich denn eher wiederkommen wollen?</vers>
  </sprecher>
</dialog>

Alles, was ein <vers> ist, wird beim Nummerieren einmal gezählt, auch wenn der <vers> mal so lange ist, dass er beim Druck auf zwei Zeilen verteilt werden würde. Eine <regieanweisung> kann mitten in einem <vers> stehen oder auch nicht. Die Antilabe behandelt man so:

<sprecher person=Daja>
  <vers typ=Ende>O Nathan,</vers>
  <vers>Wie elend, elend hättet Ihr indes</vers>
  <vers typ=Anfang>Hier werden können! Euer Haus.../vers>
<sprecher>
<sprecher person=Nathan>
  <vers typ=Ende>Das brannte.</vers>
  <vers>So hab ich schon vernommen. – Gebe Gott,</vers>
  <vers>Dass ich nur alles schon vernommen habe!</vers>
</sprecher>

Verse werden dabei als Ganzvers oder als Halbvers (Typ: Anfang, Mitte, Ende) markiert. Damit enthält der annotierte Text alle wichtigen Informationen. Was ein Textverarbeitungs- oder auch ein ganz anderes Programm* damit anstellt, ist dessen Sache.

Für Shakespeare gibt es schon mehrere XML-Projekte, hier sind zum Beispiel alle Stücke in einem XML-Format zum Anschauen und Herunterladen. Eine ausgefeiltere Markierung wird bei der Text Encoding Initiative vorgestellt, eine übersichtlichere Zusammenfassung davon bei Wikipedia.

Ich spreche dauernd von “einem XML-Format”, weil XML der Überbegriff für derartige Formatierungen ist. RSS-Feeds, OpenOffice-Dateien, docx, svg-Grafiken, GoogleEarth-Routen sind alles Formen von XML. Das Format der Text Encoding Initiative ist wohl ein verbreiteter Standard für Texte. Auf der Liste von TEI-Projekten finde ich an deutscher Literatur eigentlich nur Der junge Goethe der LMU München – 2 CDs voller Material, nicht online. Außerdem ein Projekt Berliner Intellektuelle 1800–1830 der Humboldt-Universität, wo fürs erste Quartal 2012 ein Sandmann angekündigt ist. Und schließlich gibt es das Deutsche Textarchiv, wo bereits recht viele deutschsprachige Bücher in diesem Format erfasst sind – allerdings philologisch sehr sauber gemacht, mit den ursprünglichen Seiten- und Zeilenumbrüchen, also für das Lesen weniger geeignet. Man kann sich die Bücher als Scan anschauen oder als Text, die XML-Datei auch herunterladen, falls man mit ihr etwas anfangen wollte.

Wäre doch alles mal etwas für ein W‑Seminar Deutsch/Informatik?

*Es gibt zum Beispiel ein Programm, das die Beziehung von Personen in sozialen Netzwerken analysiert und grafisch darstellt. Das läuft nicht über XML, soweit ich weiß, aber eine XML-markierte Eingabe würde auch da die Weiterverarbeitung erleichtern. Hier wurde das Programm auf die Stücke Shakespeares angewendet, und man kann in Videos sehen, wie sich die Beziehungen zwischen den Figuren im Lauf des Stücks verändern.

Und falls jemand meine digitale Nathan-Fassung (.odt) braucht: hier ist sie, sicher noch nicht ganz fehlerfrei. Für den Alltag braucht man allerdings ohnehin nur kürzere Ausschnitte, die man sich schneller auf andere Weise zurechtformatieren kann.

Noir-Box, der Rest

Vor zwei Jahren oder mehr habe ich mir eine Box mit neun Klassikern des film noir gekauft. Einige ganz wichtige Filme fehlen darin zwar – The Maltese Falcon, The Big Sleep, vielleicht sogar Kiss Me Deadly – aber die hatte ich ohnehin schon. Vor einigen Sommerferien hatte ich die erste Hälfte dieser Filme gesehen und verbloggt, hier der Rest.

Weil gerade Winterferien sind, im tatsächlichen Sprachgebrauch besser bekannt als Faschingsferien.

 

6. The Glass Key
Regie: Stuart Heisler
Drehbuch: Jonathan Latimer
Darsteller: Alan Ladd, Veronica Lake, Brian Donleavy
Jahr: 1942
Romanvorlage: Dashiell Hammett

Motive: Treue, Loyalität, femme fatale (ein bisschen). Korrupte Politiker und Presse. Nach, Regen, Treppen.
Frauen: Mehrere, aber Bechdel-Test: nicht bestanden.
Erzählperspektive: Äußerst linear, der linearste Film in der Box bisher.
Plot: Ein mäßig korrupter politischer Strippenzieher will ein bisschen ehrlicher werden, weil er sich in die Tochter eines Kandidaten verguckt hat. Sein Freund und Assistent hilft ihm, als er des Mordes an ihrem Bruder verdächtigt wird, obwohl er selber das Mädchen will. Die Handlung ist so wenig komplex wie kein anderer film noir, den ich kenne, und dabei ist das ein Klassiker. Ich war dann auch nur mäßig beeindruckt. Aber Alan Ladd als treuer Freund ist hervorragend, ebenso der Gangsterboss Joseph Calleia und sein Unterling William Bendix.


7. This Gun For Hire
Regie: Frank Tuttle
Drehbuch: Albert Maltz & W.R: Burnett
Darsteller: Veronica Lake, Alan Ladd
Jahr: 1942
Romanvorlage: Graham Greene

Motive: Treppen, ein bisschen Korruption, aber keine besonders typischen Noir-ELemente, vom Trenchcoat Alan Ladds abgesehen
Frauen: nur eine, kein femme fatale, Bechdel-Test nicht bestanden
Erzählperspektive: vollkommen linear; es geht nicht mal darum, herauszufinden, was passiert ist, sondern nur darum, was passieren wird
Plot: Auftragskiller wird von Auftraggeber betrogen und will sich rächen. Der Auftraggeber ist Leiter eines Chemiekonzerns, der Giftgasformel an den Kriegsfeind Japan verkaufen will. Veronica Lake ist eine Varieté-Künstlerin mit zwei Musiknummern im Film: einmal singt sie und führt gleichzeitig Zaubertricks vor, das andere mal singt sie in schwarzem Lackleder und mit hohen Fischerstiefeln vom Männerfangen. Beide Nummern eher unerwartet in so einem Film. Ihr Freund ist Polizist, sie selber soll verdeckt ermitteln gegen den Chemiekonzern. Der Schurke wurde als Kind geschlagen und würde gerne eine Therapie machen. Nahc einer halbwegs spannenden Nacht auf der Flucht vor der Polizei gelingt Ladd, sich in die Chemiefabrik zu schleichen – weil da gerade ein Gasmaskenübung stattfindet. Der Oberböse versucht am Schluss noch, mit einem Schieß-Füller Alan Ladd zu töten, der stirbt dann aber doch im Kugelhagel der Polzei. Bei der Verfilmung des Romans musste wohl zu viel gestrafft werden. Herausgekommen ist ein Thriller, bei dem es ein bisschen um das Seelenheil des Killers geht, aber kein besonders typischer film noir.


8. Out of the Past
Regie: Jacques Tourneur
Drehbuch: Daniel Mainwaring
Darsteller: Robert Mitchum, Jane Greer, Kirk Douglas
Jahr: 1947
Romanvorlage: Daniel Mainwaring

Motive: Liebe, Gefahr, Gangster, Verrat, Treue, Vergangenheit.
Frauen: zwei noir-typische femmes fatales, und eine brave Frau; Bechdel-Test nicht bestanden
Erzählperspektive: verschachtelt. Ein Teil der Handlung ist Rückblende.
Plot: Robert Mitchum, Tankstellenbesitzer in einer Kleinstadt, wird von der Vergangenheit eingeholt. Ehemaliger Privatdetektiv, hat sich zurückgezogen vor einem alten Auftraggeber (dessen Auftrag er nicht ausführte), einer alten Flamme (die der Auftrag betraf) und seinem ehemaligen Partner (weil der dabei ums Leben kam). Der ursprüngliche Auftraggeber Kirk Douglas hat sich die Frau zurückgeholt und will nun Robert Mitchum, den er als Sündenbock für einen Mord brauchen kann, büßen lassen.
Toller Film. Kein Regen, keine Großstadt, dafür sonniges Mexiko, viel Natur und eine Tankstelle auf dem Dorf – trotzdem ein astreiner film noir. Wegen der Vergangenheit, die den Helden einholt, vielen Nachtszenen, der moralischen Ambivalenz, dem Verrat, dem Ausgang eben nicht als klassisches Liebespaar. Und wegen des Sprechers auf dem Off – ein Topos des klassischen Kriminalromans dieser Form. Und der kommt eben genau von dessen verschachtelter Erzählweise: Gerne wird die Geschichte aus dem Rückblick erzählt (der Polizei, wie in D.O.A. oder Murder, My Sweet, oder einer Frau, wie in Out of the Past), und an diese Erzählsituation erinnert der gelegentlich Off-Sprecher den Zuschauer.


9. The Blue Dahlia
Regie: George Marshall
Drehbuch: Raymond Chandler
Darsteller: Alan Ladd, Veronica Lake, William Bendix, Howard Da Silva
Jahr: 1946

Motive: Unschuldig verdächtigt. Nachtclubs. Unterwelt.
Frauen: zwei, Bechdel-Test nicht bestanden; keine der Frauen besonders fatale
Erzählperspektive: linear
Plot: Alan Ladd kommt mit zwei Freunden aus dem Krieg zurück; seine Frau betrügt ihn und ist auch nicht mehr an ihm interessiert. Als sie ermordet gefunden wird, gerät Ladd unter Verdacht. Held und Heldin sind beide verheiratet (wenn auch nicht miteinander); Held hat zwei Freunde, die zu ihm halten. Nicht sehr typisch, aber in Ordnung. Die Handlung hat ein paar Twists, Howard da Silva als Schurke ist interessant, William Bendix sehe ich immer gern. Sehr viel mehr fällt mir leider nicht ein. Die Alan-Ladd-Filme sind irgendwie nicht das meine.

– Fazit: Ich mag noir immer noch. Die besten dabei sind The Maltese Falcon, The Big Sleep, Out of the Past, Touch of Evil, Gilda. Vielleicht noch The Killers. Und von den zweitbesten sind immer noch viele sehr gut.

Bernhard Hennen: Die Nacht der Schlange

Untertitel: “Ein aventurischer Kriminalroman”

Ein mitfahrender Referendar in der S‑Bahn fragte mich, was ich denn da läse. Die Antwort war ausführlich, hier die Kurzfassung. (1) Das Buch ist ein Fantasy-Roman. (2) Es spielt in der Welt des Fantasy-Rollenspiels Das Schwarze Auge. (3) Die Handlung ist die gleiche wie die von Friedrich Dürrenmatts Schullektürenkrimi Der Richter und sein Henker, nur eben transportiert in eine Fantasywelt: Ein Mitglied der Stadtwache wird ermordet gefunden, er war im Auftrag seiner Vorgesetzten (erfahren, todkrank) einem hochangesehenen Kaufmann auf der Spur, mit dem die Vorgesetzte eine gemeinsame Geschichte verbindet. Ein junges Mitglied der Stadtwache wird als neuer Assistent herangezogen. Auch sonst entwickelt sich die Geschichte bis in Details wie die von Dürrenmatt. Dazu kommen ein politisches Komplott in der Stadt, zusammen mit dem Ausbruch einer Seuche, und zwei eher uninteressante Nebenhandlungsstränge (Feldwebel der Stadtwache mit rauer Schale und Herz aus Gold; anderes Stadtwachenmitglied soll Pestkranke bewachen und verliebt sich in ein Opfer).

Die Nebenhandlungen braucht es vermutlich, da die Charakterisierung der Personen weniger spannend ist als die bei Dürrenmatt. Sprache und Erzählperspektive sind vorhersehbar und nicht sehr interessant. Trotzdem freue ich mich über das Buch. Es sollte viel öfter Remakes von Büchern geben. Bei Filmen gibt es das häufiger, bei Fernsehserien gibt es immer wieder mal Rashomon-Folgen. Bei Büchern sind es meistens nur die Stoffe, die aufgegriffen werden, aber stets so, dass sich die neue Behandlung von ursprünglicheren Fassungen unterscheidet. Dass man ein gegebenes Buch nimmt und sich sagt: das erzähle ich jetzt noch einmal, das gibt es bei moderner Literatur selten.

(Darauf gekommen bin ich über ein anderes Buch von Bernhard Hennen, Nebenan, das ich vor Jahren mal gelesen habe. So eine Art Matt Ruff, Fool on the Hill, nur in Köln, aber bei weitem nicht so gut.)

Bundesverband der Deutschen Kalkindustrie und Institut Unternehmen und Schule decken Nachfrage der Schulen

Vielfach berührt das Thema Kalk die Lebenswelt von Schülerinnen und Schülern. Sei es im Chemie‑, im Erdkunde- oder Biologieunterricht, sei es im Alltag. Aus diesem Grunde gab es seitens der Schulen immer wieder Anfragen an den Bundesverband der Deutschen Kalkindustrie nach geeignetem Lehrmaterial – insbesondere für die weiterführenden Schulen.

Um diesem Bedarf gerecht zu werden, hat der Bundesverband der Deutschen Kalkindustrie in Kooperation mit dem Institut Unternehmen und Schule nun ein Materialpaket herausgegeben, dass sich allgemein an Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 5–7 richtet. Mit dem vorliegenden Lehrmaterial lässt sich das Thema ganzheitlich im Unterricht darstellen. Ausgehend vom Gegenstand Kalk finden sich Vorschläge für die Gestaltung des Unterrichts in verschiedenen Fächern aber auch für die Gestaltung fachübergreifender und fächerverbindender Projekte. Das Paket ist insbesondere für einen fachübergreifenden naturwissenschaftlichen Unterricht in der Unterstufe an weiterführenden Schulen geeignet.

Es besteht aus 22 Arbeitsblättern in Form von Kopiervorlagen und einem Lehrerteil. Die Vorlagen wurden farbig gestaltet, sind aber ebenso für Schwarz-Weiß-Kopien geeignet. Die Inhalte müssen nicht sukzessive erarbeitet werden, je nach Unterrichtsfach können auch einzelne Seiten bearbeitet werden.

Das neue Lernpaket steht zum Download bereit auf der Website des Bundesverbandes unter www.kalk.de/122.html und im Portal „Schule und Wirtschaft“ unter www.portal-schule-wirtschaft.de/unternehmen/unternehmen/bvkalk

Haben Sie Fragen? Wir stehen gerne zur Verfügung:
Maria del Arte • Telefon 0221 / 93 46 74 – 25 • eMail: maria.del_arte@kalk.de
V.i.S.d.P. Martin Ogilvie • Telefon 0221 / 93 46 74 – 23 • eMail: martin.ogilvie@kalk.de
Bundesverband der Deutschen Kalkindustrie e. V. • Annastr. 67–71 • 50968 Köln

Jeder Bundesbürger verbraucht täglich etwa 250 g gebrannte und 5,5 kg ungebrannte Kalk- und Dolomiterzeugnisse.
Im Bundesverband der Deutschen Kalkindustrie e.V. (BVK) sind rund 100 Mitgliedsfirmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz vertreten mit insgesamt mehr als 4.000 Beschäftigten und einem Gesamtumsatz von rund 650 Millionen Euro.

(via teachersnews.net)

Nicht mal Stimmvieh, sondern nur Vieh

Am Gymnasium fällt laut Statistik eine bestimmte Zahl an Stunden unvertreten aus. Zu viel, sagt das Kultusministerium. Zur Zeit (Pressemitteilung) werden an Gymnasium und Realschule jeweils 7,6% der regulären Stunden nicht gehalten. Aus Realschulen werden 6,4% der Stunden als zwar nicht regulär unterrichtet, aber doch vertreten gemeldet, aber aus Gymnasien nur 4,7%, so dass die gemeldete Zahl der echt ausfallenden Stunden am Gymnasium 2,9%, an der Realschule 1,2% beträgt.

Diese Zahlen stammen vom Januar 2012, im Vorjahr betrug die monierte Zahl bei Gymnasien 3,9%, ebenfalls mehr als an der Realschule.

Der Grund für eine nicht regulär gehaltene Stunde, also zu vertretende oder ausfallende Stunde: Abwesenheit der Lehrkraft durch Erkrankung, Fortbildung, Exkursion mit einer Schülergruppe oder Prüfungstätigkeit. (60 Schüler, die Englisch als 3. Abiturfach wählen => 60 mündliche Einzelprüfungen mit jeweils zwei anwesenden Lehrkräften. Doppelter Abiturjahrgang: doppelte Zahl an Abiturprüfungen und ‑aufsichten. Verpflichtende mündliche Schulaufgaben in mindestens zwei Jahrgangstufen je Fremdsprache: jeweils mündliche Partnerpüfung mit zwei anwesenden Lehkräften. Lauter Neuerungen der letzten Jahre.)

Jedenfalls wird die Anzahl an ausfallenden Stunden der Landresregierung vorgeworfen, die demnach Handlungsfähigkeit demonstrieren muss. Ich weiß nicht genau, wer sich da beschwert, die Eltern meiner Schule nicht, aber sicher die Opposition (“Bayerns Kultusministerium: Zahlreiche Maßnahmen gegen Unterrichtsausfall eingeleitet – SPD-Kritik überzogen”) und vermutlich die LEV. (Die kann ich nicht mehr ernst nehmen seit der Forderung: “Notendurchschnitte der Note 3,0 und schlechter sind in allen Jahrgangsstufen und bei allen klassenbezogenen Leistungserhebungen nicht mehr statthaft.”) Also lautet die Parole, dass die Gymnasien bis zum nächsten Jahr niedrigere Zahlen rückmelden, denn: “Wahrnehmbarer Unterrichtsausfall beschädigt auch das Ansehen von Schule in der Öffentlichkeit sehr spürbar.”

Dazu hat das Kultusministerium einige Vorschläge unterbreitet. Sie sind zum Teil nicht neu und einige können auf der StMUK-Webseite eingesehen werden. Ich fasse ein paar davon zusammen:

  • Kursfahrten parallel legen, Studenten als Betreuung mitnehmen, damit nicht so viele Lehrer mitmüssen.
  • Gäste zu Vorträgen in die Schule einladen, da man für eine große Zuhörerschar weniger Aufsichten braucht und die freiwerdenden Lehrer dann anderswo einspringen könnnen.
  • Bei parallelen Prüfungen zweier Klassen kann man die Schüler in einen einzigen Raum stecken und nur einen der Lehrer als Aufsicht nehmen, der andere kann dann in einer anderen Klasse vertreten.
  • Weniger Lehrer auf Fortbildungen schicken und stattdessen die Fortgebildeten als Multiplikatoren an der Schule einsetzen – außerhalb des Unterrichts.
  • Bewusst Hohlstunden in den Stundenplan der Lehrer einbauen, damit die viel Zeit in der Schule verbringen und für Vertretungen zur Verfügung stehen. Das kann auch nur Leuten einfallen, die ein Büro haben. Schulen stellen ihren Lehrern leider immer noch keinen ausreichenden Arbeitsplatz zur Verfügung. Der staatlichen Realschule Schwabmünchen ist es nicht zu peinlich, diese Idee als tollen Vorschlag zu beklatschen. (Siehe Vorschlagkatalog.) In diese Ecke gehört auch die Idee, dass Lehrer den ganzen Vormittag in der Schule verbringen sollen, auch wenn sie nicht unterrichten. Solange ich keine ausreichenden Arbeitsbedingungen an einer Schule habe, ist das Herumhängen dort Zeit, die mir zum Arbeiten fehlt. Zugegeben: Kontakt zu Kollegen ist wichtig, und ich mag die Lehrer nicht, die gleich nach dem Unterricht nach Hause verschwinden. Aber arbeiten kann man in Schulen nicht. Wenn das anders wäre, fände ich die Idee einer Anwesenheitspflicht sogar gut.
  • Unterrichte in einem Fach und einer Jahrgangsstufe parallel legen, damit bei einem ausfallenden Lehrer der andere gleich beide Klassen unterrichten kann “bei Vorhandensein genügend großer Räume”. Böte sich bei Religion an, sage ich mal, da macht man aus fünf Klassen ohnehin immer sechs parallele Unterrichtsgruppen.
  • Anordnung von Mehrarbeit. “Hierzu liegen keine Erfahrungsberichte der Projektschulen vor, da die Anordnung von Mehrarbeit schon seit jeher ein probates und vielfach angewandtes Mittel zur Vermeidung von Unterrichtsausfall darstellt.”
  • Pensionierte oder beurlaubte oder Lehrer in Elternzeit einsetzen.
  • “In vielen Klassen [implizit: höherer Jahrgangsstufen] kann – falls trotz Ausschöpfung aller Möglichkeiten keine Lehrkraft als Vertretung zur Verfügung steht – auf diese Weise dennoch pädagogisch wertvolle Beschäftigung stattfinden, die zur Reifebildung der Schüler beiträgt und deren eigenverantwortliches Handeln fördert. Über dieses Vorhaben muss die Schulleitung die Eltern im Vorfeld aufklären.”
    Gemeint ist: auch Unterrichtsstunden ohne Lehrer können als nicht ausgefallener Unterricht im Sinne der Statistik zählen. Wenn die Schüler trotzdem arbeiten. Das funktioniert auch, ich habe schon Referatsstunden ohne Lehrer und nach Notenschluss gehalten, und Informatikstunden via Moodle zu Hause.
    Möglichkeiten für solche Stunden sind: Man bereitet einen Satz Arbeitsaufträge vor, fachbezogen oder fächerübergreifend, die die Schüler erledigen. In der Bibliothek oder in der Mensa. Oder man bereitet Aufträge in einem Moodlekurs vor, die die Schüler bearbeiten. Im Computerraum oder, ähm, gleich zu Hause. Letztlich müsste man sich ein System von (unbetreuter) Freiarbeit ausdenken, am Gymnasium eher mit Monats- oder Halbjahresarbeitsplan statt wie in der Grundschule mit Wochenplan. Da dürfte es dann keine Rolle spielen, ob der Lehrer anwesend ist oder nicht, oder ob man das zu Hause macht oder nicht. Wenn demnächst zwei Stunden in meiner Informatik-Q11 ausfallen, dann sollen die Schüler zu Hause bleiben, Arbeiten im Moodlekurs erledigen und die Schulleitung meldet das dann bitte als nicht ausgefallene Stunde.

Alle diese Tipps als pdf-Datei.

Übrigens: Man soll zwar mehr vertreten, aber wenn möglich nicht am Nachmittag. “Vermeidbare Härten umgehen” soll man da, weil bei Nachmittagsstunden die “Bedeutung von für den schulischen Erfolg […] eventuell abwägend zu erweiterten Freizeitmöglichkeiten” gesehen werden muss. (KMS von Ministerialdirigent Walter Gremm. Lesenswert auch die Anlagen dazu.) Ich übersetze das so: wenn man Nachmittagsstunden vertritt, werden Schüler und Eltern protestieren, also soll man die Prozentzahlen anderweitig senken.
Positiv ist allerdings die Aufforderung, alle Regelungen in Absprache mit Eltern und Schülern zu treffen.
Ein Nachteil ist wiederum, dass das alles für Missstimmung zwischen den Kollegen sorgt. Es gibt da nämlich die, sagen wir, Vertretungsstundengeber und Vertretungsstundennehmer.

Ein Vorschlag von mir noch:

  • Intensivierungsstunden streichen. Die Intensivierungsstunden sollten ja mal das Kernstück des G8 sein. Inzwischen sind sie etwas heruntergekommen, und wie viele davon die Schule anbietet, liegt im Ermessen der Schule: Entweder großes Angebot und dafür größere reguläre Klassen, oder kleines Angebot und dafür kleinere reguläre Klassen. Wenn man jetzt wenig Intensivierungsstunden anbietet, können auch weniger davon ausfallen und die Statistik trüben.

Ich sehe eine gute Möglichkeit, mit diesen Vorschlägen des Kultusministeriums und dem Wunsch nach anderen Zahlen umzugehen. Die Schulleiter fassen sich ein Herz (im umgangssprachlichen Amerikanisch gibt es die schöne Redewendung grow a pair), ergreifen die Maßnahmen, die sinnvoll erscheinen, und melden – mit so viel Kreativität wie nötig – die gewünschten Zahlen zurück.

Spielraum für die Schulleitung beim Melden besteht zum Beispiel darin: Theaterbesuch am Abend mit einer Deutschklasse? Kann man als zusätzlich gehaltene Stunde/sinnvolle Alternative zu einer ausgefallenen Stunde melden. Ein Lehrer hat nur vier Stunden Unterricht an einem Tag, verbringt aber sechs Stunden mit einer Klasse auf Exkursion? Wunderbar, das sind dann zwei zusätzlich gehaltene Stunden, die man gegenrechnen kann, wenn irgendwann etwas ausfällt. Weihnachtsmarkt an der Schule am Abend, mit Klassen, die dort gebasteltes Material verkaufen? Unterrichtsgang in die Bibliopthek, wie von Kommentator Manu vorgeschlagen? Sportturnier am Nachmittag? Verbucht man alles als Vertretung einer ausgefallenen Stunde. Fünf Tage Berlinexkursion vor- und nachmittags? Ist entweder überflüssig (dann streichen), oder unterrichtswertig (dann für die Statistik als Alternative zu ausgefallener Stunde werten). So kriegt man die den Realschulen vergleichbaren Zahlen, die das Kultusministerium haben will. Und, ehrlich gesagt, das ist sogar sinnvoll.

Wie viele Lehrer meiner Generation habe ich die letzten fünf Jahre eine Stunde mehr pro Woche geleistet (verpflichtendes Arbeitszeitkonto), die in den nächsten Jahren nach und nach zurückgegeben werden soll. So wie es in manchen Betrieben Kurzarbeit gibt, um weniger entlassen zu müssen, war das eine Art Langarbeit, um weniger einstellen zu müssen. Kaum ist dieses Anhäufen von Mehrarbeit vorbei, kaum durfte man Ende des letzten Schuljahres die meisten befristeten Verträge von Aushilfskräften nicht mehr verlängern, da kommen die Statistiken über ausfallende Stunden, und was schlägt das StMUK als Maßnahme vor? Verpflichtende Mehrarbeit. Ich dachte, das hätte ich jetzt fünf Jahre lang gemacht. (Was von der Mehrarbeit bezahlt wird und was nicht: siehe älteren Blogeintrag.)

Sinnvoller wäre es vielleicht, sich mit Ursachen und Folgen des Unterrichtsausfalls zu beschäftigen statt bloß mit den Zahlen. Wie dramatisch sind die Folgen für die Schüler wirklich? Sinken deren tatsächliche oder gemessene Leistungen deshalb?
Bei den Ursachen dominiert die Erkrankung der Lehrkraft (4,5% aller Stunden), weniger wichtig sind Abwesenheit durch Fortbildungen (1,1%), Fahrten und Exkursionen (0,9%), Teilnahme an dienstlichen Veranstaltungen (0,8%), sonstige Ursachen (0,6%). Könnte man nicht überlegen, ob man Schule so gestaltet, dass weniger Lehrer krank werden?

Im Prinzip halte ich es sogar für sinnvoll, dass sich Eltern darauf verlassen können, dass Schüler von Stunde 1–6 in der Schule sind, wenn das so in deren Lehrplan steht. (Dann kommt das Kind auch nicht unerwartet früher nach Hause oder muss plötzlich mal später weg, auch wenn das Zehntklässlern schwerer zu vermitteln ist.)
Dass die Nachmittagsstunden ausgenommen sein sollen, halte ich allerdings für ein Eingeständnis, dass die, so wie sie von der Schulordnung vorgesehen sind, nicht funktionieren. (Da ist es dann okay, wenn das Kind unerwartet früher nach Hause kommt.)
So oder so fehlen den Schulen die Ressourcen sinnvoll Stunden zu vertreten. Und zuletzt ist ohnehin nicht die Zahl der ausfallenden Stunden ein Problem, sondern was in der Schule überhaupt gelernt wird.

Ich fühle mich als Lehrer übrigens von Schülern, Eltern und der Öffentlichkeit ernst genommen und geschätzt. Beim Kultusministerium spüre ich diese Wertschätzung nicht, sondern sehe mich als ausführendes Werkzeug betrachtet. Diese Vorschläge von der StMUK-Webseite richten sich auch explizit nicht an Lehrer, sondern an Schulleitungen. Der gemeine Lehrer ist niemand, mit dem das Kultusministerium kommuniziert. Zum Schuljahresende hängt immer ein Blatt am schwarzen Brett, dass irgendwer ganz besonders stolz auf uns ist. Alles andere erfahren wir aus der Tageszeitung.

Wäre das anders überhaupt möglich? Schließlich kann die Behörde ja nicht jeden Mitarbeiter hätscheln und pflegen. Informiert wird über die Schulleitung, und es gibt ja auch noch den Hauptpersonalrat. Aber so richtig informiert und vertreten fühle ich mich nicht.

Nachtrag: Jetzt ist wenigstens klar (67. Sitzung des Ausschusses für Fragen des öffentlichen Dienstes), dass wenn erstmal vier Stunden Mehrarbeit in einem Monat da sind, sie innerhalb von drei Monaten vergütet oder gegengerechnet werden müssen. Und nicht zwölf, wie ursprünglich vorgesehen.

Ich bin ja so stolz auf unsere Neuntklässler…

…heute hielt im Rahmen einer Veranstaltungsreihe zum sicheren Umgang mit den neuen Medien (organisiert vom Elternbeirat, in vorigen Jahren gab es das zum Beispiel zu Essstörungen) ein Referent einen Vortrag vor Neuntklässlern. Ein Polizist und letztlich forensischer Computertechniker, wenn ich ihn recht verstanden habe.

(Ich habe ihn nicht angesprochen auf die Geschichte von den Polizisten, die bei der Hausdurchsuchung nur Monitor und Tastatur gefunden haben und keinen Rechner. Ich sag nur: iMac.)

Der Vortrag war schon in Ordnung. Keine übertriebene Warnung vor Fotos bei Facebook, wegen denen man dann nie eine Stelle finden wird; eine Warnung vor Abofallen; Hinweise darauf, wie man seriöse Seiten erkennt. Angesprochen wurden auch Tauschbörsen und das Urheberrecht, und da waren einige Schüler schon nicht ganz unkundig. Richtig stolz war ich, als der Referent gefragt wurde, was er den von SOPA und ACTA hielte… da blieb leider keine Zeit für eine Antwort; das hätte wohl für einen Großteil der Schüler Erklärung erfordert vorbeigegangen und die ganzen 90 Minuten füllen können. Aber es ist schön, dass es ein paar Schüler gibt, die etwas damit anfangen können.

Eine Beispiel des Referenten für das Verhalten der Politik, von mir jetzt sehr vereinfacht, war: wenn es zu viel Gewalt im Web gibt, sagen wir, dann fordern die Eltern, dass die Kinder geschützt werden, und darauf muss die Politik reagieren, sonst werden die Politiker nicht mehr gewählt. Zumindest bei SOPA, ACTA, Zensursula sehe ich aber nicht den Bürger, der diese Wünsche an die Politik heranträgt.

Aber, wie gesagt, war schon okay. Übertriebene Warnungen nimmt ein Jugendlicher heute genauso wenig ernst wie ich damals in den Junior-Apothekenheften die Warnungen vor den Suchtgefahren jener Jahre.

Schon wichtig ist bei solchen Vorträgen, dass die Schüler darauf hingewiesen werden, dass sie im Internet immer in der Öffentlichkeit stehen und öffentlich handeln, im Prinzip auch bei noch so privat geglaubten Facebook-Einstellungen. Dass sie deshalb aufpassen müssen, was sie dort tun. Das ist richtig und wichtig. Ich vermisse allerdings meist den Aspekt, dass es auch ein gute Sache ist, sich in der Öffentlichkeit zu bewegen, öffentlich Stellung zu beziehen und am öffentlichen Gespräch teilzunehmen. Auch schon als Schüler, selbst wenn die Öffentlichkeit da nur so klein ist wie eine Klasse oder eine Schule.

Ich verliere den Kontakt zu den Schülern

Wir haben eine schmucke Theke in unserem Lehrerzimmer, dahinter Spülmaschine, Kaffeemaschine, Wasserhahn, dergleichen. Jede Woche sind zwei Lehrer zum Küchendienst eingeteilt, die die Spülmaschine befüllen, die Theke wischen, obwohl natürlich jeder Kollege gehalten ist, selbst auch auch Sauberkeit zu achten. Am Freitag fand ich einen Zettel in meinem Fach, dass ich diese Woche dran sei.

Also habe ich mich natürlich fein gemacht. Weißes Hemd mit Fliege und dunkler Weste dazu. (Hätte gerne mehr auf Barmann gemacht heute, hatte aber zwei Vertretungsstunden.) Und eine ordentliche rote Bistroschürze, Modell Vorbinder 100x100 (so wie hier).

6 verschiedene Klassen habe ich heute unterrichtet, fremde und eigene, sieben Stunden insgesamt. Kein Schüler hat auch nur eine Augenbraue gehoben. Gut, die Schürze hatte ich nur hinter der Theke an, aber man sollte meinen, Fliege und Weste allein sei eine Reaktion wert. Bis auf ein Schmunzeln in einer 9. Klasse: nichts. Nada. So ähnlich war das schon 2001 zum ersten Towel Day zur Erinnerung an den früh gestorbenen Douglas Adams, als viele Leute, mich eingeschlossen, den Tag mit einem Handtuch auf der Schulter verbrachten. Weil es im Notfall immer gut ist zu wissen, wo man sein Handtuch hat. Ging unkommentiert an den Schülern eines ganzen Vormittags vorbei.

Eine Ecke für Nachhilfeangebote auf der Schulhomepage?

Gelegentlich werde ich von Schülern oder Eltern gefragt, ob ich nicht Oberstufenschüler oder auch Studenten kennte, die Nachhilfe geben würden. Wenn das so ist, gebe ich das weiter, aber das hängt sehr vom Zufall ab. Ich frage auch in Klassen oder Kursen, die ich habe, ob Schüler Interesse haben. Aber systematisch gibt es bei uns keine Möglichkeit, Nachhilfesuchende und Nachhilfegebende zusammenzubringen. Halt – es gibt ein schwarzes Brett in der Nähe des SMV-Raums, glaube ich. Muss ich mal hinschauen.

Gibt es eine Möglichkeit, auf der Schulhomepage eine Kontaktbörse für Nachhilfe zu schaffen? Zuerst müsste man klären, ob das ein gutes oder ein schlechtes Bild auf die Schule wirft, wenn die Öffentlichkeit – und sei es nur die schulische Öffentlichkeit – daran erinnert wird, dass manche Schüler Nachhilfe brauchen. Ich bin mir da nicht sicher, aber das müsste sich unkompliziert klären lassen.

Andere Fragen: Nimmt man kommerzielle Angebote auch auf? (Technisch sind natürlich alle Angebote kommerziell. Meine ich professionell?) Soll man Nachilfe suchen können oder anbieten können oder beides? Nur Schüler der eigenen Schule, oder andere, oder Studenten, oder doch wieder jeder? Nachdem ich mir nicht vorstelle, dass da so viele kommen werden, kann man das wohl noch kontrollieren. Aktuell gehalten werden die Nachrichten dadurch, dass der Homepagebetreuer beim Veröffentlichen gleich ein Datum angibt, zu dem der Eintrag automatisch wieder abgeschaltet wird.
Wünsche reicht man per Mail (double opt-in) ein. Die Angebote unter Angabe der Mailadresse oder als Kontaktformular?